Mein Trainingstagebuch - Vorbereitung für einen 31km-Traditionslauf

Die ersten km auf der Original-Strecke
  • jule-x3108

    Benutzer178411  (20)

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    Überraschung. Schon heute beim 2. gemeinsamen Lauf ging es fast 10 km über die Original-Strecke. Das war schon cool… aber auch ernüchternd, anstrengend, respekteinflössend.

    Um Punkt 9:00 Uhr setzte sich unsere Laufgruppe zu sechst in Bewegung. Nachdem es letzte Woche regnerisch, nasskalt und vor allem matschig und super rutschig war, spielte das Wetter überwiegend besser mit. Zwar war es mit 1-2 Grad kalt, aber die Luft war gut und klar. Und es war trocken, wenn auch neblig. Die ersten 2-3 km gingen - wie zu erwarten war - wieder fast stetig bergauf. Das Tempo war anspruchsvoll, aber ok. Nach dem Aufstieg plätscherte die Stecke so dahin, kleine Steigungen, aber auch sanfte bergab Abschnitte. Nach KM6 kam die Ankündigung, dass es jetzt noch etwa 1 km bergab geht und wie dann auf die Original-Laufstrecke abbiegen werden. Gesagt getan. Ich war gespannt, da ich dort nichts von kannte, nur aus Erzählungen und Berichten. Standesgemäße Bogen wir von einem Feldweg auf einen steil ansteigen Waldweg ab… jetzt ging’s los. Es kam die Ansage, dass nun 6 schön Anstiege auf uns warten. Beim eigentlich Lauf wären wir jetzt bei KM20…. Und bei KM20 fängt der Lauf erst richtig an, da jetzt die Klippen, Treppen, Zahnzieheranstiege kommen. Das waren ja schöne Aussichten. Also, auf gehts… und so war es auch. Der erste Anstieg… wie dachte ich… nett… steil… und geschafft… weiter ging’s mit immer wieder kleinen aber kräftezehrenden Steigungen, die aber in der 6-Berge-Zählung nicht als Berge gezählt wurden. Wieder kamen wir zu einer Abzweigung, dahinter folge Anstieg Nummer 2. nicht länger als der erste, aber Steiler…. Und dann ging’s bergab… noch steiler… Ok… kann man machen… lass laufen, aber kleine Schritte….unten in der Senke angekommen liefen wir tatsächlich über festen Boden an einer Siedlung vorbei, um direkt dahinter wieder Richtung Wald abzubiegen. Hinter der Abzweigung, 200m Straße leicht bergauf, Sackgasse, am Ende waren SIE direkt zu sehen. Pünktlich setzte nun leichter Nieselregen ein. Treppen. Viele Treppenstufen. Alle unterschiedlich hoch, unterschiedliche Abstände.. aber viele… sehr viele… Berg Nummer 3. es dauerte nicht lange und ich merkte wie die HF schnell hochging. Wie bezwangen sie Treppen mit einer Mischung aus schnellem Gehen und gaaaaanz langsamen Laufen. Hinter den Treppen ging’s es scharf um die Kurve, natürlich bergauf. Wollte grade nen Haken gedanklich an Berg Nr. 3 machen, als nach einer leichten Rechtskurve weitere Treppen im Weg standen… na gut… muss ja…. Irgendwie auch geschafft. Der sanfte Anstieg danach war tatsächlich Erholung. Kurz danach ging es kurvig bergab. Nicht sehr steil, aber naja, steil genug dass die Beine schneller wollen als der Körper. Sch*** auf HF-Erholung bergab, also laufen lassen so locker und gut es ging. Bis Berg Nummer 4. Nicht so lang, aber extrem steil. War überrascht dass dieser Berg ganz gut von der Sohle ging. Oben angekommen waren wir am höchsten Punkt der Stecke. Passend wurde aus dem leichten Regen immer mal wieder etwas Hagel.
    Die nächsten Meter ging es wieder angenehm bergab, gespickt mit ein paar knackigen Wellen drin, aber die Höhenmeter ging deutlich nach unten. Die pace ging hoch… laufen lassen hieß die Devise. Berg Nr. 5 musste jetzt bald kommen. Wir überquerten eine Straße, liefen über einen Parkplatz… der Einzige „Ausweg“ vom. Parkplatz… eine TREPPE! Uff. Als die Treppe geschafft war, folgte der härteste Anstieg überhaupt. Mit den Treppen in Beinen folgte eine Steigung… wow… kämpfen war angesagt. Waren vielleicht nur 300-400 Meter, aber die haben Hammerhart reingehauen. Kurz vor der Kuppe habe ich nicht nur meine HF gespürt sondern auch meine Oberschenkel… aber auch Anstieg Nr. 6 war dann geschafft. Durchatmen. Erholen. Laufen lassen. Und mit Schwung in den letzten sechsten Anstieg. Der war nicht steil, zog sich aber noch mal schön hin. An der Stelle war ich doppelt überrascht. Zum eben weil die paar Meter zwischen 5 und 6 ausgereicht hatten um die nötige Erholung in die Beine zu bekommen und wir den letzten Anstieg wirklich in guter pace nehmen konnten. Zum anderen auch deshalb, weil wir kurz danach wieder am Treffpunkt waren. Damit hatte ich noch nicht gerechnet. Da ich die ganze Zeit über kaum auf meine Uhr geschaut hatte, hatte ich auch fein Gefühl wie lange oder wie weit wir unterwegs waren.

    Dort gab es dann erst mal einen heissen Tee und ein kurzes Resümee.

    Mein Fazit des Laufes:
    anstrengend aber hat jede menge Spaß gemacht.
    Und: Wechselklamotten sind Goldwert wenn man nass geschwitzt, vom Regen durchnässt und vermarscht wieder in der Kälte am Treffpunkt ankommt. (Weitere Erkenntnis: Eine Frau im BH zieht noch immer Blicke von Spaziergängern an…)

    Zahlen, Daten, Fakten:
    - knapp 18 km
    - etwa 1 Stunde 52 Minuten
    - durchschnittliche pace 6:15
    - knapp 400 positiv Höhenmeter

    Zuhause gab es ein schönes heißes Bad, dass sogar schon vorbereitet war. Jetzt kommt langsam der Hunger. Morgen ist entweder Ruhetag oder Stabi-Training für den Rumpf angesagt.

    Ergänzung:
    Meine Kopfschmerzen waren zum Glück so gut wie weg. Und der Zeh, naja nicht perfekt, aber „ok“. Aber was wäre Training und Vorbereitung und Zimperleins….
     
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    1 Monat(e) später
    Back on track nach 10 Tagen Verletzungspause
  • jule-x3108

    Benutzer178411  (20)

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    Hallo und sorry, dass ich mich so lange hier nicht habe blicken lassen. Mein Frust war einfach zu groß… die letzten zwei Wochen waren einfach nur zum vergessen. Erst die beiden Tage an denen ich krank komplett flach gelegen habe. Dann ein kurzer Lauf und am nächsten Tag wieder ein dickes Knie. Wieder mal hat mich mein Knie geärgert. Vom Laufen kam es denk ich nicht ursächlich. Das dürfte ein kurzes seitliches einknicken bei einer unbeholfenen Bewegungen beim „Privatsport“ gewesen sein. Aber die reichte anscheinend aus. Der Lauf war dann nur die Zündflamme die die Reaktion verstärkt hat. Egal. Jetzt habe ich 11 Tage pausiert, letztes Wochenende wieder einen tollen gemeinsamen Lauf verpasst. Insgesamt dürften mir jetzt 5-6 Trainingseinheiten fehlen. Gut dass ich schon vorher etwas extra drauf gepackt hatte.

    Gestern bin ich wieder vorsichtig ins Training eingestiegen und habe die Belastbarkeit des Knies getestet. Sieht gut aus. Die Reaktionen halten sich absolut im vertretbaren Rahmen. Damit bin ich zurück. Hoffentlich.

    Freitag, 18.02.2022
    Zum Wiedereinstieg und Test nahm ich mir 60 Minuten lockeren langsamen Dauerlauf im unteren GA-Bereich vor. Steeckenmässig blieb ich auf festen Böden. Zum einen wegen dem vergangenen und dann anstehenden Sturm. Zum anderen im wegrutschen im Matsch zu vermeiden. Paar kleine Anstiege konnte ich mit in der Verlauf einbinden.
    - 60 Minuten
    - 9,8 km
    - durchschnittliche pace 6:08
    - 180 positive Höhenmeter
    - gleichmäßige ruhige HF

    Das lief sich erstaunlicherweise sehr gut. Vor allem ohne wirkliche Belastungs-Reaktionen im vorgeschädigtem Knie.
     
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    1 Monat(e) später
    Krank - und nur noch 3 Trainingswochen
  • jule-x3108

    Benutzer178411  (20)

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    Samstag, 26.03.2022

    So ein Mist. Donnerstag merkte ich schon leichte Halsschmerzen, seit Gestern bin ich richtig erkältet. Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen. An Training ist nicht zu denken. Den morgigen Longrun kann ich auch abschreiben. Und das bei nur noch 3 aktiven Trainingswochen vor mir, 5 Wochen bevor es ernst wird. Das frustriert mich. Vor ein paar Wochen erst die 10 Tage Trainingsausfall wegen Verletzung. Und jetzt das. Das wird mich zurückwerfend. Keine Ahnung wie lang das jetzt dauert, aber ich hoffe wirklich, dass ich spätestens Ende nächster Woche wieder eine Einheit machen kann. Sonst wir es sehr sehr sehr seeeeeeehr eng…
     
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    Zurück auf der Bahn - und gleich Tempointervalle
  • jule-x3108

    Benutzer178411  (20)

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    Mittwoch, 30.03.2022

    Endlich wieder… Erst zwei Tage Regenerationspause, dann kam eine Woche Zwangspause wegen Erkrankung… Am Dienstag fühlte ich mich wieder so fit, dass ich Mittwoch wieder trainieren wollte. Gesagt, getan. Von unserer Laufgruppe stand ein Treffen im Stadion zum Tempotraining an. Eine tolle Idee für den „Wiedereinstieg"…

    Als erstes 6 Runden, 2,4 km locker einlaufen. Nach 10 Tagen Pause war das schon anspruchsvoll. Im Gelände steht da ne 6:15-6:30 vorne, auf der Bahn wars knapp unter sechs. Schon nach einer Runde dachte ich, meine Waden sind Wackelpudding. Aber es wurde besser. So weit, so gut. Es folgten Lauf-ABC. Kurzes Dehnen und dann ein paar kurze Steigerungsläufe in den Sprint.

    Anschließend gings in die Vollen. Tempointervalle. 4 Durchgänge je 400m schnell / 400m traben / 800m schnell / 400m traben. Möglichst progressiv, also jeder Durchgang schneller werdend. 400m können auf der bahn lang werden, 800 erst recht sehr laaang.

    Der erste Durchgang war echt ein harter Kampf. Mein Körper fühlte sich müde, ausgelaugt, verkrampft, platt an. Wollte nicht. Also war kämpfen angesagt. Und das hat gewirkt. Ab Durchgang zwei wurde es besser und so hab ich es am Ende doch hinbekommen:
    - 400m: R1: 1:55min; 4:50 / R3: 1:53min; 4:47 / R3: 1:48min; 4:38 / R4: 1:39min; 4:12
    - 800m: R1: 3:58min; 4:57 / R2: 3:50min; 4:48 / R3: 3:43min; 4:45 / R4: 3:35min; 4:35
    Danach noch 4 Bahnen auslaufen.

    Insgesamt kamen so knapp 12,5 km bei einer durchschnittlichen pace von 5:38 zusammen. Höhenmeter spielen auf der Bahn zum Glück keine Rolle. Die HF,ja, war da. Hat gut nach oben ausgeschlagen. So hoch war sie schon lange nicht mehr…ging aber auch schnell wieder runter.

    Danach war ich jedenfalls fix und foxi und alle.
     
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    2 Woche(n) später
    Belastungstest beim letzten Longrun
  • jule-x3108

    Benutzer178411  (20)

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    Sonntag, 10.04.2022
    Der letzte gemeinsame lange Trainingslauf stand auf dem Plan. Bei Sonne und -1 Grad haben wir uns am ausgemachten Treffpunkt getroffen. Ziel des heutigen Laufs war der letzte Anschnitt der Originalstrecke. Dazu wollten wir gemeinsam ca. 12 km in entgegengesetzter Richtung laufen, dann drehen und ab der Wendemarke sollte jeder in seinem Tempo zurück laufen. Gesagt getan. Los gings, ganz ohne Druck, locker weg. Schon nach dem ersten Anstieg mussten wir feststellen, dass wir zu schnell unterwegs waren…Also Tempo rausnehmen, noch mehr auf die HF achten. Klappte dann auch ganz gut. Immerhin lagen auf den 12km 325 positive Höhenmeter vor uns. Wir groovten uns ein, konnte sogar locker dabei plaudern, die Strecke, ihre Tücken, etc. nochmal besser ansehen und verstehen. Unterwegs begegneten wie so vielen anderen Läufern, wow. Nach knapp 78 Minuten hatten wir die Wendemarke erreicht. Kurz verschnaufen, was trinken, ein Gel einnehmen, dann gings richtig los. Mein Ziel war es, den Rückweg in ca. 70 Minuten, also mit 5:50 zu laufen, wollte aber bewusst nicht so viel auf die Uhr schauen, sondern lieber nach Gefühl laufen.

    Der Rückweg hatte „nur" 200" Höhenmeter, verteilt auf 5 Anstiege. Der erste lange flachere dafür 1,5 km lange startete direkt hinter der ersten Kurve. Unsere „Trainier" legte direkt vor, ich, wir ließen ihn ziehen. Ebenso einen anderen erfahrenen alten Hasen, der mit etwas Abstand dem Trainier folgte. Ich versuchte meinen Rhythmus zu finden, meine Tempo zu finden. War aber schon etwas „geschockt" und gefrustet, dass die einfach so easy vorne wegspringen und ich abreißen lassen muss. Beruhigt hat mich dabei, dass es mir nicht alleine so ging und ich inzwischen genug Selbstvertrauen und Einschätzungsvermögen habe, was meine Leistungsfähigkeit angeht.

    Auf der ersten Hälfte des Rückwegs lagen 4 von 5 Anstiegen. Gefühlt ging es ganz gut. Klar, die Anstiege waren hart, anstrengend und das Tempo ging runter. Dennoch hatte ich das Gefühl ganz gut hoch zu kommen. Ichmerkte auch, dass die HF hoch ging. Nach etwas 3km war ich alleine, ich hatte vorne abreißen lassen, hinter mit hatten auch alle anderen der Gruppe abreißen lassen. Ein komisches Gefühl. Kurz vor dem vierten Anstieg kam mein „Vorläufer" in Sichtweite. Kurz vor der Kuppe hatte ich wieder Anschluss, das tat gut. Auf den Wellen hinter der Kuppe kam plötzlich „Deine Beine möchte ich haben, lass laufen!". Kurz danach ließ er abreißen und ich war wieder allein. Den Abschnitt nutzte ich zum Trinken, schaute kurz auf die Uhr. Ok… Die HF ist an der Schwelle.. nagut. Weiter geht's. Es ging jetzt leicht bergab. Die Hälfte war geschafft. HF? Egal. Auf den Untergrund, Steine, Wurzeln, Bodenrillen achten. Die Schritte wurden länger, schneller. Welche pace? Blos nicht dir Uhren, konzentrier Dich auf die Strecke, auf den Boden. Da kommt er, scharfe Rechtsknick, danach der letzte steile Anstieg. Reinlaufen, Pace rausnehmen, wäre eh nicht anders gegangen. Hochkämpfen. Die Beine kribbeln, Oberschenkel und Waden werden leerer…gleich geschafft, es wird flacher… erholen, was trinken… und über die Kuppe. Jetzt geht's bergab, nur noch 2-3 kleine Rampen. Das Tempo steigt, noch etwa 3km. Aber die wurden laaaaang. Ich wage einen Blick auf die Uhr, die HF… hoch… sehr hoch… Mist, diesen Abschnitt hatte ich im Kopf vergessen… verkalkuliert… ist doch noch weiter als gedacht… aber irgendwie geht es, ich kann mein Tempo halten. Es geht raus aus dem Wald, mehr Sicht und ich sehe vermutlich 100m vor mir unseren Trainer. Und er kommt näher. Wie geht das? Jetzt kommt die Kurve mit dem abgenickten Baum und dem Findling, also noch etwas 1km. Und er ist direkt vor mir… Dann ist es geschafft, ich bin am „Ziel" – und er kommt kurz nach mir…die letzten 500m zum Treffpunkt traben wir gemeinsam gemütlich aus. Dabei bin ich sogar recht schnell schon wieder in der Lage ordentlich zu trinken und ganze Sätze zu sprechen. Am Treffpunkt stoppen wir die Uhren, ich wage zum ersten Mal ein Blick auf die Zeit die „Daten" zu diesem „Ritt" – und denke mir: GEIL!

    Der Hinweg
    - knapp 12km, ganz locker weg gelaufen
    - 1 Stunde, 18 Minuten
    - 325 positive Höhenmeter
    - durchschnittliche pace 6:30
    - durchschnittliche HF bei etwas über 75% gehalten

    Der Rückweg
    - auch knapp 12 km, aber mit Tempo und Zug gelaufen
    - 1 Stunde, 3 Minuten, damit 7 Minuten schneller als „geplant"
    - 200 positive Höhenmeter
    - durchschnittliche pace 5:15
    - die HF… 40% an bzw. über der Schwelle, aber egal ;-)

    Zugegeben, die letzten 2-3 km waren endlos lang, das waren nur Willenskraft, die Beine waren schon leer. Und im Lauf über 30km selbst wird das so nicht möglich sein. Aber dennoch, gut zu wissen, was alles geht und ein noch besseres Gefühl zu bekommen. Das ich diesen Abschnitt mit diesen Anstiegen auf dem Untergrund in 5:15 laufen kann, hätte ich nicht gedacht. Und das mit schon 12km in den Beinen. Da bin ich wirklich zufrieden mit mir und stolz auf mich. Das ich am Ende noch den Trainier bekommen habe, geschenkt. Der hat bestimmt Zug raus genommen, auch wenn er das abstreitet. Nach den ganzen Störungen in der Vorbereitung ist das echt ein gutes Gefühl, jetzt doch so dar zu stehen. Jetzt kommen zwei Regenrationstage, dann geht es mit Intervallen weiter.
     
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    3 Woche(n) später
    Zusammengefasst: Frust, Enttäuschung, Kotz* und ein wenig Stolz
  • jule-x3108

    Benutzer178411  (20)

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    Als erstes erst mal ein gosses SORRY, dass ich erst heute einen Bericht einstelle. Das hat zwei Gründe.
    Grund Nr. 1 ist, dass ich von Mittwoch bis gestern Abend beruflich unterwegs war und da keine Zeit war.
    Die Ursache für Grund Nr. 2 werdet ihr gleich im Bericht nachlesen bzw. Vielleicht nachvollziehen können.
    Spoiler vorweg: Ich habe ein paar Tage gebraucht, um zu verstehen, was Sonntag passiert ist und das ganze zu verdauen, zu verarbeiten. Aber fangen wir mal ganz von vorne an…

    Sonntag, 24. April 2022
    Gut eine Stunde vor dem Start kam ich an und hab mich erst mal orientiert. Es war schon richtig voll. Ich traf mich mit ein paar Leuten vom Lauftreff, wir quatschten noch kurz, ich aß ein Banane und trank noch was. Dann wurde es Zeit, sich umzuziehen und vorzubereiten. Gesagt, getan. Kleiderbeutel abgegeben, etwas aufgewärmt, kurz angedehnt, usw. abschließend noch kurz aufs Klöchen, dann langsam ab in den Startbereich. Da war die Stimmung irre. Ich war in den Zweiten Startblock gerutscht, der war schon recht voll, aber ich fand einen guten Platz. Das Wetter war gut, Sonne, kühler Wind, in der Sonne 16-18 Grad.
    Kurz danach fiel der Startschuss für die erste Startgruppe. Die Stimmung im Block stieg, gleich gehts los. Paar Minuten später war es soweit.

    Der Countdown wurde runter gezählt, Startschuss, laute Musik, und die Menge setze sich langsam in Bewegung. Alle trabten an, es dauerte etwas bis sich alles einigermaßen sortiert hatte. Dann ging es erst einmal bergab die Straße runter. Nach etwa 1,5 km ging es in den Wald, immer noch meist bergab, aber langsam wurde es ebener. Jetzt hat sich alles soweit sortiert, dass man auch etwas mehr Platz hatte. Hatte ich mich oben am Start noch gut gefühlt, stellte sich jetzt das Gefühl ein, dass irgendwas nicht stimmte. Mir lief der Schweiß den Kopf runter, über die Stirn in die Augen. Nach nicht mal 2 km war ich so am schwitzen?

    Ich blickte auf meine Laufuhr - shit - meine HF lag bergab 10-15 Schläge über meiner „üblichen" HF bei dieser Pace auf ebener Strecke! WTF - was ist hier los? Ich nahm etwas Tempo raus, aber die HF blieb oben, mir war heiss, ich schwitzte wie bekloppt. Irgendwas passte hier vorne und hinten nicht. Das war ein ganz komisches Gefühl und das machte mir Sorgen… das beschäftigte mich die nächsten Minuten, ich versuchte erfolglos die HF runter zubekommen. Der erste echte Anstieg stand bei KM6/7 kurz bevor. An der Verpflegungsstation nahm ich direkt einen Becher Wasser noch mit. Als ich in den Anstieg rein lief hatte ich das Gefühl, schon 15km oder mehr in Beinen zu haben. Die HF spielte weiter verrückt, ich nahm den Berg langsamer als geplant. Kurz hinter der Kuppe verspürte ich das erste mal leichten Schwindel.

    Die nächsten KM vergingen, irgendwie fühlte ich mich wie im falschen Film, neben der Spur. Langsam wurde der Boden auch anstrengender, nicht mehr lange bis zum Hammeranstieg. In der Zwischenzeit machte sich immer wieder leichtes Schwindelgefühl bemerkbar. Kurz vor der Verpflegung schaute ich bei KM12 wieder auf die Uhr. Die HF war über der Schwelle, die Zeit wäre aber noch „ok" gewesen. An der Verpflegungsstation griff ich gut zu, trank Schorle und aß Banane und Apfel. Weiter ging’s. Es sollte ein leichter Anstieg folgen, daran anschließend der steile knapp ein Kilometer lange Hammeranstieg.


    Hinter der Kurve ging's los. Ich lief in die leichte Steigung rein… und alles drehte sich. Ich nahm Tempo raus, half nichts. Der Schwindel blieb. Ich ging ein paar Meter, das „half", also trabte ich weiter. Dann die Abzweigung und los ging's nach oben. Oder auch nicht. Wieder Schwindel, wieder drehte sich alles. Es ging nicht. Ich stoppte, atmete tief und gleichmäßig, bis der Schwindel nachließ. Dann ging ich weiter. Ich ging den ganzen Anstieg nach oben, war damit nicht alleine, nur ganz wenige liefen hier. Unterwegs nahm ich noch ein Gel zu mir. Oben angekommen setzte ich wieder den Trab an. Es war „ok". Aber immer wieder kurze Schwindelmomente. Der Frust in mir stieg. Und noch mehr, als zwischen KM16 und KM17 Magenkrämpfe noch dazu kamen. Erst nur ganz kurz, als dann die Bergab-Passage begann wurde die Magenkrämpfe immer länger und schlimmer. Die nächsten knapp 2km quälte und schleppte ich mich über die Strecke. An der nächsten Verpflegungsstation griff ich zu einem Elektrolytgetränk, Apfel- und Bananenstücken. Half alles nichts, der Schwindel wurde stärker, die Magenkrämpfe brannten und stachen durch meinen Bauch.

    In einem kleinen Waldstück folgte nach einem kurzen ebenen Abschnitt eine kurze knackige Steigung. Laufen machte keinen Sinn. Ich ging in den Anstieg. Nach 20-25 Metern wunderte ich mich, warum sich der Boden unter meinen Füßen nicht mehr bewegte, ich nicht vorwärts kam. Einfache Erklärung: ich STAND! Aber ich wollte noch gehen. „Jule, geh. Jetzt geh schon weiter!" Das war unheimlich. Ich sah mich quasi selber da im Anstieg auf dem Weg stehen, wollte gehen, aber es ging nichts. Mein Kopf sagte, befahl, weiter zu gehen. Aber Mein Körper reagierte nicht, hörte nicht. Meine Beine bewegten sich keinen Millimeter. Das einzige was ich merkte war der Sche*** Schwindel und die stechenden Magenkrämpfe. Gefühl stand ich mehrte Minuten da und verstand nicht warum ich mich nicht bewegen konnte. Dann kam die Erkenntnis: DAS WARS - es ist vorbei!

    Ich setzte mich neben die Strecke, lehnte Mich an einen Baum, schloss die Augen. Alles drehte sich, mein Bauch war steinhart. So saß ich da, überlegte mir von wo ich mich abholen lassen sollte. Ich wollte aufgeben, wollte schon die Startnummer abnehmen. Der Magen krampfte weiter, mir wurde übel. Zu übel. Würgen. Schnell noch hinter den Baum… es folgte ein angemessenes Rückwärtsessen🤮.
    Ich lehnte mich wieder sitzend gegen einen Baum, schloss die Augen. Zum Glück hatte ich etwas eigenes Trinken dabei. Erst mal den Geschmack loswerden. So sass ich da, insgesamt über 15 Minuten. Um
    Mich herum nahm ich nichts wahr, auch nicht andere Läufer die mich wohl angesprochen haben und denen ich wohl sagte „alles schon ok". So sehr war in mit mir selber beschäftigt, in meinem Tunnel. Irgendwann stand ich auf, Ging ganz langsam nach oben mit dem Gedanken, vielleicht die nächste Verpflegungsstation zu erreichen, an der es auch ne Cola geben sollte. Das wäre ein guter Ort sich abholen zu lassen.

    So ging ich den nächste Kilometer langsam weiter und realisierte, dass irgendwann der Schwindel und die Magenkrämpfe weg waren, dafür fühlte sich alles andere wie Pudding an. Es waren noch etwa 2 km bis zu Verpflegung und noch 12-13km bis zum Ziel. Aber ich konnte wieder besser denken. Und plötzlich war er (wieder): mein Dickkopf. Mein Kampfgeist. Mein WILLE: „NEIN Jule, Du gibst NICHT auf! Du gibst nicht auf. Du bringst das zu Ende!"
    Ich versuchte zu traben, anzulaufen. Das ging 200-300m gut, dann setzten sofort Wadenkrämpfe ein, Kein Wunder, es war ja auch nichts mehr im Körper drin. Ich trank wieder was, nahm ein weiteres Gel ein, ging weiter. Zwischendurch versuchte ich ein Meter zu laufen, wurde aber immer wieder von einsetzenden Krämpfen Gestoppt. Dennoch erreichte ich „bald" die Verpflegungsstation. Erleichterung. Ich nahm mir Zeit. Trank einen Tee, eine Cola. Ich aß Äpfel, Banane. Packte mir die Hände mit Stühlen und einem Wasserbecher voll und ging langsam gemütlich weiter. Ich wollte nur was zu mir nehmen, meinen Körper wieder was zu führen. Jetzt kam der eigentliche Willensbrecher-Anstieg. Egal. Ich ging ihn hoch, aß und trank dabei. Oben angekommen versuchte ich zu laufen. Naja. Langsam laufen. 400-500m
    Waren wieder drin. Dann wieder gehen. So wechselten sich von dahin die nächsten Passagen immer wieder ab. Steigungen bin ich gegangen, auf Ebenen und leicht abschüssigen Passagen auch gelaufen. So verging, wenn auch quälend langsam, Kilometer für Kilometer. An der letzten Verpflegungsstation wieder das gleiche Spiel wie zuvor. Und das tat gut. Wollte ich vorhin noch aufgeben und war total gefrustet. Jetzt war immer noch Frust in mir, aber mein Wille trieb mich voran. Und jetzt wollte ich dieses blöde Finisher-Shirt mir verdienen, die blöde Medaille bekommen, nur noch ankommen, einfach nur noch Finishen.

    Die letzten 3 Kilometer. Cola, Äpfel, Birnen, Bananen, Tee, usw. zeigten jetzt leichte Wirkung. Ich lief. Und lief weiter. Mit Ausnahme der letzten kurzen Steigung konnte ich die letzten 3km wieder joggen. Ansich fühlte sich das sooooo gut an. Wenn nicht die 10-15 KM vorher gewesen wären. Dann war es soweit. Noch eine Kurve, dann folgte leichte abschüssig die knapp 600-700m lange Zielgrade. Wahnsinn, wie voll und lauf das war. Eigentlich zum genießen. Aber nach all dem sch… nee, sch*** drauf. Jetzt darfst du trotzdem genießen. 500m, 300m, 200m, das steht C., da sind meine Eltern… jawoll… Lächeln. 100m, oh, die Trainer von Lauftreff haben auch gewartet, geil.

    Und dann… ab ins ZIEL!!!!

    Geschafft. Gefinished. Das ist das Ding, die Medaille. Oh ja…. Essen. Trinken. Gebt mir alles. Kalte Bockwürste? Lecker. Alkoholfreies Weizen? Her damit. Ich suche mir ein freies Plätzen Am Sperrgitter, holte mir Trinken, essen, von allem etwas, und setze mich dahin. Wütend auf mich selbst. Gefrustet. Keine Ahnung was und wie das passiert ist. Aber stolz auf meinen Willen.
    Plötzlich standen C. Und meine Eltern hinter mir. Ja, da sind Tränen geflossen. Das Aufstehen fiel mir schwer, mein Kreislauf war jetzt echt im Untergeschoss. Musste mich kurz festhalten aber dann ging's. Ich verließ den Zielbereich und wir setzten uns auf eine Decke auf den Rasen. Zwei Trainer kamen vorbei, aber ich konnte nicht erklären was passiert war. Langsam holte ich meinen Kleiderbeutel Ab, zog mich um, trockene warme Sachen an. Dann ging's nach Hause in die Badewanne.

    Tja, ehrlich gesagt weiß ich immer noch nicht was da passiert, schief gelaufen ist und warum. Ich kann es mir nicht erklären. Vermutlich war es nicht ein Grund sondern mehrere:
    • andere Tagesablauf in der Woche davor
    • Die letzten 2-3 Nächte schlechter geschlafen als sonst
    • Jeden Longrun in diesem Jahr vorher bei Temperaturen zwischen -3 und 8 Grad gemacht, jetzt waren es 15-18
    • Irgendein Infekt muss im Körper gesteckt haben, sonst wäre die HF nicht direkt nach wenigen Minuten schon durch den Decke gegangen
    Insgesamt habe ich jetzt 40-45 Minuten länger gebraucht als ich „wollte". Das fühlt sich extrem besch*** an, vor allem weil Ich weiß, dass ich das drin und drauf hatte. Dementsprechend gross waren und sind Frust und Enttäuschung.
    Auf der anderen Seite - unter diesen Umständen, Schwindel, Magenkrämpfe, gekotz**, schon innerlich aufgegeben… und doch den Hintern wieder hoch bekommen und nur mit Willen doch noch ins Ziel gekommen. Schon am Ziel aber auch in den Tagen jetzt danach haben andere mir gesagt, dass sie mich am Berg sitzen gesehen hätte. Und daraufhin niemals mehr erwartet oder damit gerechnet hätte , mich ins Ziel kommen zu sehen. Und doch, ich hab es gewollt und gepackt. Darauf bin ich dann doch etwas stolz.

    Aber was überwiegt? Schwer zu sagen. Auch eine Woche danach hab ich das noch nicht verarbeitet und auch nicht verstanden. Das wird wohl noch dauern. Im Moment überwiegt wohl (noch?) die Enttäuschung und der Frust. Dass auch sehr viele Top-Läufer und andere Läufer dieses Jahr aussteigen mussten, hilft da auch nicht.
    Die richtigen Worte zu finden ist dafür echt schwer. Mal sehen.

    Ob ich es nächstes Jahr wieder versuche? Gute Frage. Um die beantworten zu können werde ich wohl noch einige Zeit benötigen.

    Wie es weiter geht? Auch eine gute Frage. Ich werde bestimmt hier darüber berichten.

    Bis dahin, euch alles gute und DANKE fürs lesen, für eure Kommentare, Tipp, Fragen, usw., bis bald!
     
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    Auf zu neuen Zielen - und einer Revanche
  • jule-x3108

    Benutzer178411  (20)

    Verbringt hier viel Zeit
    Die letzten Wochen sind sportlich eher semioptimal gelaufen: Krankheit, Blessuren, kleinen Verletzungen, Kniepunktion, usw. hoffe ich jetzt wieder konstanter und gezielter einsteigen zu können. Nach der Freigabe meines Arztes konnte ich in letzten 12 Tagen insgesamt 9 teils recht intensive Laufeinheiten (lDL, iDL, Steigerungsläufe, Tempoläufe, etc.) absolvieren. Das stimmt mich ganz zuversichtlich.
    Daher habe ich mir auch Gedanken gemacht, ob und welche „Wettkämpfe" ich in der Zukunft machen oder anstreben möchte. Und vor allem ob ich im nächsten Jahr vom 31KM-Lauf eine Revanche einfordere… dabei rausgekommen ist folgende Idee:
    - September: Start bei einem 10km-Lauf in der Nachbarstadt mit setzen eines persönlichen Zeitziels
    - November: Halbmarathon ohne große Höhenmeter als Longrun im soliden Tempo unter WK-Bedingungen
    - Anfang Dezember 15km-Trail-Berglauf
    - Mitte Dezember bis Mitte Januar (aktive) Regeneration
    - ab Mitte Januar langsam steigernd Kilometer und Höhenmeter sammeln
    - ab März Tempotraining auf der Bahn einbauen
    - März: Halbmarathon mit 700 HM als Standortbestimmung mitnehmen, Ziel: ankommen
    - im April: die Revanche

    So die Idee. Mal sehen, was mein Körper dazu sagt und wie der mitmacht. Versuche das ganze aber ganz entspannt anzugehen. Alles was geht ist ein Geschenk, die Kür. Und so werde ich auch versuchen, zu trainieren. Ob das alles so klappt, warten wir es einfach ab. Ich werde hier immer mal wieder Zwischenberichte as der „Vorbereitung“ Posten.
     
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