Was ist denn nun eigentlich "pervers"?

Benutzer163957 

Öfters im Forum
Holla liebes Forum!

Mir ist aufgefallen, dass gerade junge Menschen (aber nicht nur) inflationär vom Begriff "pervers" Gebrauch machen, wenn es um Sexualität geht, und auch hier im Forum ist mir schon öfter (dabei bin ich noch gar nicht lange dabei) die Sorge einiger Menschen begegnet, mit ihren Neigungen oder Vorlieben "pervers" zu sein.
Ja, aber wer oder was ist denn eigentlich "pervers"?

Eine Definition im Sinne von widernatürlich/abartig/abnorm/tabuisiert finde ich zu uneindeutig, da Moralvorstellungen viel zu zeit-und gesellschaftsabhängig sind. Auch werde ich hier den Begriff "pervers" verwenden, obwohl ich weiß, dass er veraltet und diskriminierend ist, weil er eben so oft erfragt/verwendet wird und mir ein besserer Ausdruck gerade fehlt (am ehesten ginge nach meiner Auffassung vielleicht "unethisch"?)

Nach längerer Überlegung würde ich 3 Unterscheidungen vornehmen (persönliches Empfinden, keine wissenschaftliche oder gesetzliche Klassifikation!)
  1. "Normal/Unbedenklich": Alle Sexualpräferenzen, die unabhängig von sozialen Normen und Moralvorstellungen, in ihrer Ausführung die Zustimmung aller einwilligungsfähigen Beteiligten einholt und keinem der Beteiligten ernsthaften Schaden zufügt, oder sich auf unbelebte Objekte bezieht.
  2. "Pervers": Neigungen, deren Ausführung ohne die Zustimmung eines einwilligungsfähigen Menschen oder eines Tieres geschehen (aber nicht zwangsläufig zu einer "Schädigung" eines der Beteiligten führen).
  3. "Krank(haft)":Jede Sexualpräferenz oder Handlung, die mindestens einen der Beteiligten, mit oder ohne Einwilligung, ernsthaften körperlichen oder seelischen Schaden zufügt (oder in Kauf nimmt) und/oder strafrechtliche Relevanz hat. (Also auch jemand, der eigentlich "Normale" Neigungen hat, aber darunter leidet, dürfte sich als "krank" einstufen.)
2. und 3. können sich dabei auch in konkreten Fällen überschneiden.
Ich habe aber schon selber Beispiele gefunden, die nicht ohne Weiteres in meine Unterteilung "passen" wollen, deswegen bin ich umso gespannter auf eure Sichtweise.

Welche Abgrenzungen würdet ihr vornehmen? Wann empfindet ihr etwas als "pervers"?
Zählt schon die Neigung (im Kopf), die Absicht der Ausführung oder erst der Versuch/die Umsetzung?

PS: Über die Suche habe ich einen Thread von 2011 gefunden Ab wann ist man eurer Meinung pervers? :) ,einen von 2004 Wie definiert ihr "pervers"? und einen von 2003 definition pervers da war mir Diskussion allerdings deutlich zu schwammig, deswegen hoffe ich, die erneute Frage geht in Ordnung!
 

Benutzer163957 

Öfters im Forum
Hab ich vorher schon geguckt, hat mir nicht gereicht:nope:! Da fehlt z.B. Zoophilie oder Inzest (obwohl ich nicht weiß, ob das als Präferenz auftreten kann), die ich gerade in Bezug auf meine empfundene Unterteilung spannend fand.
Außerdem heißt es nicht, weil etwas in der ICD-10 als krankheitswertig eingestuft wird, dass man dieses auch so empfindet (z.B. beim Voyeurismus bin ich unentschlossen in wie weit ich das "pervers" oder "krankhaft" empfinde, je nach Einzelfall und Folgen).
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ich verwende den Begriff nicht ernsthaft (unernsthaft nenne ich mich selbst pervers).

Für mich stammt der Begriff insgesamt aus einer verklemmten Denkweise, die mir fremd ist. Für mich gibt es richtig und falsch, einvernehmlich und nicht einvernehmlich, vernünftig und unvernünftig, harmlos und schädlich, sicher und riskant etc. - den Begriff der Perversion brauche ich da nicht.
 

Benutzer152150 

Sehr bekannt hier
Ich würde "Pervers" nicht an der Zustimmung einer Person oder Entität festmachen.
Gegen den Willen anderer sexuelle Aktionen vorzunehmen ist für mich schlichtweg Vergewaltigung.
Auch würde ich nicht generell einfach solche Sachen wie "Zoophilie" oder Inzest sofort mit dem Begriff "Perversion" abstempeln. Gerade was "klinische" Beurteilungen angeht, hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mal die Fahne neu ausgerichtet.
Die ICD-10 ist ja auch nicht unumstritten und auch schon ein paar mal geändert worden.
Ich denke Perversion ist tatsächlich eine gesellschaftskonforme Nomenklatur.
Man weiß, wenn was "pervers" ist, ohne es faktisch belegen zu können, so wie man weiß, ab wann ein Haufen Sand ein Haufen ist und nicht mehr nur etwas Sand, der angehäuft ist.
Ich kokettiere manchmal gerne mit dem Begriff "Pervers", eben um mich von anderen bewusst abzusetzen...sogar in Form von T-Shirts mit solchen Slogans wie "polymorph pervers, und mächtig viel Spaß dabei!".

Für mich ist pervers, was im allgemeinen Tenor einfach nicht dem Alltag entspricht und von dem Gros der Bevölkerung als nicht normal angesehen wird.
Ich setze bei allem, was ich mit anderen sexuell tue absoluten Konsens voraus, egal wie "pervers" das aussenstehenden vorkommen könnte, was wir tuen.
Das ist für mich eine nichtverhandelbare Grundbedingung.
Der freie Wille ist mir bei allem was ich tue sehr wichtig...in dem Rahmen bin ich dann aber auch bereit grenzüberschreitend zu handeln.

Alles was gegen den Willen anderer oder ohne Einverständniss anderer geschieht, passiert eh im Rahmen strafbarer Handlungen...und muß dann nicht noch pervers genannt werden.
[doublepost=1485014994,1485013771][/doublepost]Wo fängt eigentlich "Einwilligungsfähigkeit" an?
Bei wohlartikulierten, präzisen Aussagen zu einem unmoralischem Angebot?
Schriftlichen, vertraglichen Bestätigungen?

Ab wo gilt "Einwilligungsfähigkeit" denn dann als nichtexistent oder stark eingeschränkt?
Das wäre bei jedem Clubbesuch ja schon sehr heikel, wenn man sagen würde, bei jedem Alkoholkonsum gilt jemand nur noch als eingeschränkt Einwilligungsfähig.

Oder dieser Gina-Lisa-Fall...die haben kräftig gebechert, möglicherweise noch andere Substanzen konsumiert, aber trotzdem war es wohl keine Vergewaltigung.
Doch die Situation in ihrer Gänze, die Geschichte mit dem Video....pervers!

Holen wir eigentlich jedes mal die Einwilligung eines Nutztieres ein, wenn wir es reiten...oder gar schlachten? Also schriftlich sicher nicht....mit Hufen hält sich ein Kugelschreiber schlecht.

Anderer hypothetischer Fall.
Jemand ist zu Hause, frisch aus der Dusche, ihm/ihr/es fällt was hin und rollt unter den flachen Tisch.
Die Person krabbelt unter den Tisch, der Hund, dem man wohl hätte bessere Manieren beibringen sollen, von wegen erst mal Blumen und Pralinen mitbringen, der sieht das und bespringt die Person.
Im schlimmsten Fall findet die Person daran wohlmöglich auch noch Gefallen:eek:! Pervers!!!...oder nicht?
Pervers steht und fällt halt mit den absolut subjektiven Sichtweisen einzelner Situationen.
Und die können sich im Laufe der Jahre und Erfahrungen auch durchaus ändern.
 

Benutzer146423 

Meistens hier zu finden
Hab ich vorher schon geguckt, hat mir nicht gereicht:nope:! Da fehlt z.B. Zoophilie oder Inzest (obwohl ich nicht weiß, ob das als Präferenz auftreten kann), die ich gerade in Bezug auf meine empfundene Unterteilung spannend fand.
Außerdem heißt es nicht, weil etwas in der ICD-10 als krankheitswertig eingestuft wird, dass man dieses auch so empfindet (z.B. beim Voyeurismus bin ich unentschlossen in wie weit ich das "pervers" oder "krankhaft" empfinde, je nach Einzelfall und Folgen).
Guckst Du hier: DIMDI - ICD-10-WHO Version 2016
Aber ich hab irgendwo gelesen, demnächst kommt das ICD-11 raus und man darf gespannt sein.. :grin:

Ich glaube(!), per Definition ist "pervers" der, der nicht mehr ohne "abnormes" Verhalten kann. Dem "Normales" also nie genügt um (sexuelle) Befriedigung zu erleben.
Ich finde, das darf schon in Frage gestellt werden und ich fände es naheliegender und besser, ggf. von einer "Störung" zu sprechen. Und zwar dann, wenn der Betroffene sich oder/und anderen mit seinem Verhalten schadet.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer152150 

Sehr bekannt hier
Ich glaube(!), per Definition ist "pervers" der, der nicht mehr ohne "abnormes" Verhalten kann. Dem "Normales also" nie genügt um (sexuelle) Befriedigung zu erleben.
Sowas birgt aber auch die Gefahr des Umkehrschlusses.
Was ist mit jemandem, der keine Befriedigung bekommen kann, wenn er etwas anderes als "Blümchensex" hat?
Dem nur die Missionarsstellung mit langem Vorspiel der Lust dienlich ist?
Ist der dann auch schon "pervers"
Oder sind das nur die anderen?
In der ICD-10 wird ja bewusst vermieden, ab wann genau so eine Beurteilung stattfinden kann und ob intermittierende Präferenzen irgendeine Einfluss haben.

Würde man streng nach ICD-10 gehen, wäre der männliche Protagonist der "50 Shades of boring...äh...Grey"-Bücher hochgradig pervers.
Wird damit die Perversion gesellschaftsfähig?
 

Benutzer146423 

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Sowas birgt aber auch die Gefahr des Umkehrschlusses.
Was ist mit jemandem, der keine Befriedigung bekommen kann, wenn er etwas anderes als "Blümchensex" hat?
Dem nur die Missionarsstellung mit langem Vorspiel der Lust dienlich ist?
Ist der dann auch schon "pervers"
Oder sind das nur die anderen?
In der ICD-10 wird ja bewusst vermieden, ab wann genau so eine Beurteilung stattfinden kann und ob intermittierende Präferenzen irgendeine Einfluss haben.

Würde man streng nach ICD-10 gehen, wäre der männliche Protagonist der "50 Shades of boring...äh...Grey"-Bücher hochgradig pervers.
Wird damit die Perversion gesellschaftsfähig?
Ich sag ja auch das kann, oder sollte vll. - aus versch. Gründen - in Frage gestellt werden. Was normal ist unterliegt ja auch soziokulturellen Begebenheiten und einem Zeitgeist. Darum fände ich ja auch den Ansatz, den ich nannte, es auf das Wohlbefinden aller Beteiligten herunterzubrechen, besser... :zwinker: Wobei das irgendwo natürlich auch Definitionssache sein kann, zu nem gewissen Grad.. :grin:
 

Benutzer163957 

Öfters im Forum
Super, ihr stellt genau die Fragen und hinterfragt die Dinge, so wie ich es mir gewünscht habe :bier:

Auch würde ich nicht generell einfach solche Sachen wie "Zoophilie" oder Inzest sofort mit dem Begriff "Perversion" abstempeln.
Gerade über "Inzest" weiß ich, dass es seit Jahren empfiehlt einvernehmlichen Inzest unter Erwachsenen nicht juristisch zu belangen (bei unter 18-jährigen ist dies eh schon der Fall).
Trotzdem finde ich die Vorstellung, dass jemand mit einem nahen blutsverwandten Erwachsenen Sex hat, wirklich befremdlich. Und bei Vater-Tocher-Konstellationen oder ähnlichem noch viel mehr, als z.B. bei Halbgeschwistern.
In meiner Unterteilung wäre es (bei Straffreiheit) aber weder "pervers" noch "krank".

Mit Zoophilie habe ich persönlich ein Problem, aber das kommt gleich noch.
Holen wir eigentlich jedes mal die Einwilligung eines Nutztieres ein, wenn wir es reiten...oder gar schlachten? Also schriftlich sicher nicht....mit Hufen hält sich ein Kugelschreiber schlecht.
Ich bin Veganerin und wollte auch als Kind nie reiten, weil ich es merkwürdig fand auf einem Tier zu sitzen und dieses zu dominieren und würde mir nie ein "neues" Zuchttier als Haustier zulegen (sondern höchstens einem Tier aus dem Tierheim zulegen), deswegen empfinde ich alles, was Tiere ausbeutet oder quält, irgendwie als abartig (und Massentierhaltung als einen Gipfel der "Perversion" im nicht sexuellen Sinne)

Man weiß, wenn was "pervers" ist, ohne es faktisch belegen zu können, so wie man weiß, ab wann ein Haufen Sand ein Haufen ist und nicht mehr nur etwas Sand, der angehäuft ist.

Vielleicht kam das aus der Fragestellung nicht so rüber, aber mir geht es tatsächlich genau um diese persönliche, subjektive Empfindung und weniger um ein angebliche kollektive "Einvernehmen" wann etwas "pervers" ist.

Jemand kommt mit Präfernz XY zu euch und fragt euch: Bin ich pervers? Wann ihr zumindest denken würdet: Yo, find ich irgendwie schon.

Wo fängt eigentlich "Einwilligungsfähigkeit" an?
Bei wohlartikulierten, präzisen Aussagen zu einem unmoralischem Angebot?
Schriftlichen, vertraglichen Bestätigungen?
Ab wo gilt "Einwilligungsfähigkeit" denn dann als nichtexistent oder stark eingeschränkt?

Bei dieser Bezeichnung ging es mir vor allem um "Personengruppen" die für mich automatisch reinfallen. z.B Kindern; eine patientin im Koma o.ä,
Oder auch Tote, obwohl man sich da wieder fragen kann, inwieweit man eine Leiche noch als Person ansieht.

Wer unbedingt sexuelle Handlungen mit jemanden, der stark alkoholisiert oder unter Drogen (selbsteingenommen) steht, vornehemen will und eine halbseidene "Einwilligung" in Kauf nimmt, der handelt in meinen Augen unethisch.
Trifft die eingeschränkte "Einwilligungsfähigkeit" auf beide Parteien zu (die beide durchgehend den Sex haben wollen) dann fände ich es weniger problematisch.

Ich finde, das darf schon in Frage gestellt werden und ich fände es naheliegender und besser, ggf. von einer "Störung" zu sprechen. Und zwar dann, wenn der Betroffene sich oder/und anderen mit seinem Verhalten schadet.

Ja, ich hab nur für mich festgestellt, dass es auch anderes sexuelles Verhalten gibt, dass ich als unethisch empfinde.
Eben zum Beispiel Voyeurismus, ich persönlich möchte von niemanden heimlich "bespannert" werden, egal bei was, aber ein wirklicher Schaden würde mir glaube ich dabei nicht entstehen (zumindest so lange ich es nicht merke). Der Betroffene schadet sich v.a. dann, wenn er zusätzliche Straftaten wie Landfriedensbruch begeht und sich dabei erwischen lässt. Wie ist es wenn er ein gutes Fernglas hat und nie jemand etwas mitbekommt? Deshalb fände ich das Verhalten an sich aber nicht besser.

Dem nur die Missionarsstellung mit langem Vorspiel der Lust dienlich ist?
Ist der dann auch schon "pervers"
Oder sind das nur die anderen?

Super guter Gedanke! In diese Richtung hab ich noch gar nicht gedacht. Da muss ich erstmal darüber nachdenken.

Was normal ist unterliegt ja auch soziokulturellen Begebenheiten und einem Zeitgeist. Darum fände ich ja auch den Ansatz, den ich nannte, es auf das Wohlbefinden aller Beteiligten herunterzubrechen, besser... :zwinker: Wobei das irgendwo natürlich auch Definitionssache sein kann, zu nem gewissen Grad.. :grin:
Lies doch mal die ganzen Beiträge, in denen Menschen unglücklich sind, weil der Sex mit ihrem Partner zu eintönig und selten empfinden, von Wohlbefinden aller Beteiligten würde ich da nicht mehr sprechen

Gegen den Willen anderer sexuelle Aktionen vorzunehmen ist für mich schlichtweg Vergewaltigung.
Das ist eben die Frage, ein Voyeur kann eine sexuelle Handlung vornehmen, die dich als Objekt mit einbezieht ohne deine Zustimmung einzoholen, vergewaltigt dich aber nicht.

Ein Frotteur, der sich sexuell stimuliert, in dem er sich in großen Menschenmengen unbemerkt(z.B. in einer vollen Straßenbahn) an fremden Menschen reibt, der ist doch noch kein Vergewaltiger?
 
Zuletzt bearbeitet:
B

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Verwende den Begriff sehr selten und wenn, dann zwecckentfremdet-ironisch für etwas, das höchstens weit entfernt mit Sex zu tun hat. Praktiken, die nicht unter Freiwilligkeit aller Beteiligten laufen können krankhaft sein; entsprecht sinnvoll ist da auch eine Klassfizierung, wenn die Neigungen sich im Alltag als problematisch erweisen. Ich kenne den Begriff aber vor allem als Wertung für eben nicht so übliche und vielleicht auch für den Mainstream abschreckende Praktiken und da finde ich das unangebracht und beleidigend...
 

Benutzer146423 

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Ja, ich hab nur für mich festgestellt, dass es auch anderes sexuelles Verhalten gibt, dass ich als unethisch empfinde.
Eben zum Beispiel Voyeurismus, ich persönlich möchte von niemanden heimlich "bespannert" werden, egal bei was, aber ein wirklicher Schaden würde mir glaube ich dabei nicht entstehen (zumindest so lange ich es nicht merke). Der Betroffene schadet sich v.a. dann, wenn er zusätzliche Straftaten wie Landfriedensbruch begeht und sich dabei erwischen lässt. Wie ist es wenn er ein gutes Fernglas hat und nie jemand etwas mitbekommt? Deshalb fände ich das Verhalten an sich aber nicht besser.
Wie gesagt kann das im Einzelfall schwierig sein das genauer zu definieren, aber das trifft auch auf andere Sonderfälle zu.
Aber ganz zweifellos beschädigt der Voyeur wissentlich und vorsätzlich die Privatsphäre der Betroffenen Personen und begeht eine Straftat um sich (auf deren Kosten) sexuelle Befriedigung zu verschaffen. Vorausgesetzt, die Beobachteten nehmen es nicht billigend inkauf, oder provozieren es und und und. Ich bin kein Jurist. :grin:
Lies doch mal die ganzen Beiträge, in denen Menschen unglücklich sind, weil der Sex mit ihrem Partner zu eintönig und selten empfinden, von Wohlbefinden aller Beteiligten würde ich da nicht mehr sprechen
Das ist vll bedauerlich (oder auch nicht :grin: ), aber das sind aber ja irgendwie zwei paar Schuh finde ich, denn es zwingt sie ja niemand dazu, niemand verschafft sich gezielt einen Vorteil auf Kosten des anderen, oder schadet vorsätzlich, oder billigend jemandem. Abgesehen davon war meine Wortwahl (weil ich mich nicht wiederholen wollte) vll unglücklich, denn wer entscheidet über "Wohlbefinden"? Menschen neigen dazu sich mit ihrem Zustand zu arrangieren, aber womöglich trifft es "Unversehrtheit" (in jeder Hinsicht) besser.
 
Zuletzt bearbeitet:
G

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Gast
Naja, klar kann man versuchen nach einer richtigen Definition zu suchen, aber "widernatürlich" wie es im Duden an erster Stelle steht, definiert jeder auch für sich. Duden | pervers | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Synonyme, Herkunft

Manche finden Anal- oder Oralverkehr als pervers oder BDSM-SPiele. Manche vielleicht Sex an sich und Pornos. Manche finden Ananas auf Pizza pervers. Manche sehen einvernehmlichen Sex zwischen Geschwistern vielleicht gar nicht als pervers, obwohl sicherlich viele Menschen das für sich behaupten würden.
 

Benutzer163957 

Öfters im Forum
Naja, klar kann man versuchen nach einer richtigen Definition zu suchen, aber "widernatürlich" wie es im Duden an erster Stelle steht, definiert jeder auch für sich.

Ich glaub ich hab die Themenfrage blöd gestellt:ashamed:. Mir geht es eben nicht um eine allgemeingültige "Definition", oder um die wissenschaftliche oder gesetzliche Auslegung, sondern ich möchte eure individuelle Sichtweise darauf erfahren (um meine Gedanken/den inneren "Kompass" mal wieder neu zu hinterfragen).
Was wären denn für dich "Grenzen" zum "Normalen", die dir ein ungutes Gefühl vermitteln oder dich abstoßen?
[doublepost=1485029821,1485029235][/doublepost](Meine "Unterteilung" habe ich nur vorgenommen um irgendein Grundgerüst/Handwerkszeug zu haben, an dem ich in konkreten Beispielen entlang hangeln kann, ohne aus dem Bauch heraus eine Sache mit ganz anderen Kriterien zu bewerten als eine andere.
Ich mag einfach Gedankenspiele dieser Art, meine eigene "Moralvorstellungen" mal ein bisschen aufzuwühlen. Und das klappt für mich am besten, wenn ich auch mal Stimmen außerhalb der eigenen Filterbubble aka Freundeskreis zu hören kriege)
 
G

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Gast
Was wären denn für dich "Grenzen" zum "Normalen", die dir ein ungutes Gefühl vermitteln oder dich abstoßen?

Naja, was bedeutet schon abstoßen...

Wenn mir meine Freundin sagt, sie würde gerne beim Sex Natursekt implementieren, würde ich sie nicht für pervers halten. Ist eine Vorliebe, die einige Leute ausleben, aber mich reizt es nicht und ich würde es auch nicht ausleben wollen. Vermutlich wären Dinge, die nicht einvernehmlich sind, das einzige, was ich richtig abstoßend finde. Gewalt, Zwang, emotionale Manipulation oder auch fehlendes Risikobewusstsein.

Das würde z.B. bedeuten, dass ich einvernehmlichen Sex von Geschwistern nur dann pervers finde, wenn eine Schwangerschaft in Kauf genommen wird. Auch ein etwas seltsamer Gedanke, aber es geht da dann eben um Dinge, die andere in ihrem Leben machen. Ich finde es pervers, wenn ein Vater seine Tochter missbraucht und ich finde es nicht pervers, wenn zwei Brüder sich aus Geilheit gegenseitig vögeln.
 
G

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Danke, genau so bringst du mich weiter!


Warum genau ist das eher ein Problem für dich?

Naja, weil ein Kind in die Sache gezogen werden kann, das eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, eine Erbkrankheit zu haben. Soziale Stigmatas kommen auch dazu. "Guck mal, da ist das Inzucht-Kind".
 

Benutzer163957 

Öfters im Forum
Naja, weil ein Kind in die Sache gezogen werden kann, das eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, eine Erbkrankheit zu haben. Soziale Stigmatas kommen auch dazu. "Guck mal, da ist das Inzucht-Kind".
Alle Fragen sind nicht wertend oder unterstellend gemeint!
Wie ist das mit Schwangerschaften bei Frauen um die 40, da gibt es erhöhte Risiken für alles mögliche? Andere Menschen, die Wissen dass sie ein konkretes Erbrisiko für eine bestimmte Krankheit haben? Ist Diabetes schon eine Erbkrankheit, bei der man das Kinderkriegen unterlassen sollte? Was ist mit Familien die von ihrem Umfeld als "falsch" oder "assozial" wahrgenommen werden und dadurch mit Stigmatisierung zu rechnen haben: Eltern deren Lebensentwurf für andere unverständlich ist, Großfamilien, Eltern mit körperlicher Einschränkung/"Entstellung"? Eltern, bei denen ein Elternteil eine psychische Erkrankung hat? Eltern verschiedener Hautfarben, deren Kinder mit Vorurteilen zu rechnen haben? In einem konservativen Umfeld homosexuelle Eltern?
(Oder wenn hypothetisch 2 von genannten Merkmalen zusammentreffen)
Sagt dein Bauchgefühl dann auch "pervers" oder etwas anderes?

(Ich muss hier erstmal für mich ein bisschen nachdenken..)
 
G

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Alle Fragen sind nicht wertend oder unterstellend gemeint!
Wie ist das mit Schwangerschaften bei Frauen um die 40, da gibt es erhöhte Risiken für alles mögliche? Andere Menschen, die Wissen dass sie ein konkretes Erbrisiko für eine bestimmte Krankheit haben? Ist Diabetes schon eine Erbkrankheit, bei der man das Kinderkriegen unterlassen sollte? Was ist mit Familien die von ihrem Umfeld als "falsch" oder "assozial" wahrgenommen werden und dadurch mit Stigmatisierung zu rechnen haben: Eltern deren Lebensentwurf für andere unverständlich ist, Großfamilien, Eltern mit körperlicher Einschränkung/"Entstellung"? Eltern, bei denen ein Elternteil eine psychische Erkrankung hat? Eltern verschiedener Hautfarben, deren Kinder mit Vorurteilen zu rechnen haben? In einem konservativen Umfeld homosexuelle Eltern?
(Oder wenn hypothetisch 2 von genannten Merkmalen zusammentreffen)
Sagt dein Bauchgefühl dann auch "pervers" oder etwas anderes?

(Ich muss hier erstmal für mich ein bisschen nachdenken..)


Hmm, sehr interessante Fragen. Da passt dann meine Definition nicht mehr wirklich. Vielleicht liegt es daran, dass Inzest so stark gesellschaftlich geächtet, dass ich/wir diese Meinung internalisieren. Eine Frau, die während der Schwangerschaft raucht, nennen wohl kaum Leute pervers...

Man sollte aber bedenken, dass manche deiner Beispiele ein höheres Risiko für Kinder darstellen als andere. Das homosexuelle Paar in der konservativen Gegend kann mit einem adoptierten Kind immer noch umziehen.
 

Benutzer156506 

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Ich habe heute morgen ein Brötchen mit einer dicken Schicht Gorgonzola bestrichen und darauf eine ebenso dicke Lage Nutella verteilt. Ich fands lecker, es wurde dadurch etwas herber und erinnerte im Geschmack etwas an Nudossi. Meine Freunde fanden es pervers, ohne es probiert zu haben :smile:

Im Ernst, ich finde den Begriff "pervers" ganz allgemein absolut untauglich, es ist ein Kampfbegriff zur Abgrenzung und Überhöhung des "Eigenen" von einem "Fremden", welches gleichzeitig abgewertet und erniedrigt wird. Die einzige angemessene Verwendung im Zusammenhang mit Sexualität sehe ich in einer ironischen (Selbst-)Zuschreibung. Insofern bin ich da ganz bei BrooklynBridge BrooklynBridge :tongue:

Ich hab jedenfalls nie wirklich an meinen Fetischen und Phantasien an sich gelitten, und auch sonst niemand. An der öffentlichen Meinung, die irgendwo zwischen Verachtung, Lächerlichkeit und Mitleid oszilliert, jedoch schon eher.

Da fällt mir ein, gestern war der Internationale Tag des Fetischs. Den muss ich irgendwie mal noch gebührend nachholen :smile:
 
M

Benutzer

Gast
Gerade über "Inzest" weiß ich, dass es seit Jahren empfiehlt einvernehmlichen Inzest unter Erwachsenen nicht juristisch zu belangen (bei unter 18-jährigen ist dies eh schon der Fall).
So viel ich weiß bezieht sich das aber NUR auf Geschwister und eben NICHT auf Vater/Tochter (o.ä.) Konstellationen, die ja zurecht kritisch zu bewerten sind.

Du hast ja selbst schon gesagt, dass es Dir nicht um die Begrifflichkeit "pervers" geht, sondern um den Fakt der "Abnormität", des "Krankhaften", der "Störung".
Doch, ja, ich nehme mir heraus manche Dinge zu bewerten, auch nicht unbedingt nach dem Strafrecht, das ist für mich nicht das Maß aller Dinge. Wenn ich nur daran denke, dass erst vor nicht allzu langer Zeit Sex mit Tieren verboten wurde. Dafür, dass das Strafgesetz zu einer solchen Einteilung nicht reichen kann, reicht wenig: wenn ich von einer "abnormen" Handlung ausserhalb des deutschen Staates und damit des hier gültigen Strafrechts, weiß, ändert das ja nichts an der Handlung an sich, die ich bewerte. Da gab es doch die Frau (und ich befürchte, sie ist nicht allein), die sexuelle Befriedigung daraus zieht, kleine Säugetiere, Mäuse, Hamster, Kaninchen mit ihren High Heels zu zerquetschen. Jap, da bin ich ganz einfach gestrickt, das ist unethisch, pervers, gestört oder schlicht falsch, das Wort ist mir egal und es ist mir auch egal, ob das von dem jeweiligen Strafgesetz des Landes erfasst wird oder nicht, es bleibt falsch.
Tja, Schaden, potentieller Schaden, wie KANN das überhaupt gut definiert werden. Ich zitiere mich mal selbst :smile: weil ich zu faul bin, das alles nochmals zu schreiben :smile:
Gelöscht!
Wie ist das denn jetzt, setzt man voraus, dass mir dieses Erlebnis nicht geschadet hat (ich sag das jetzt auch mal so, auch wenn ich mich recht gut daran erinnere), macht das jetzt die Handlung des Typen weniger pervers? Nö, oder?
Mir ist klar, dass andere Menschen andere Vorstellungen von Ethik haben als ich, daher auch andere Einteilungen von pervers. Vielleicht ist ja auch das der Grund, dass die Definition nicht eindeutig ist, weil eine Allgemeingültigkeit für alle Menschen schwer zu treffen ist.
Für mich ist es doch recht einfach:
Solange eine beliebige Anzahl von Menschen, die geistig und emotional dazu in der Lage sind, einvernehmlich eine beliebige Tätigkeit mit und unter ausschließlich sich selbst ausüben: who cares? Mir sowas von egal.
Alles andere bewerte ich, nicht zwangsläufig mit pervers, aber recht gut möglich damit.
Beispiel: für mich persönlich kämen Kaviarspiele einfach nicht in Frage, fände das extrem eklig. Eklig, aber nicht pervers, wenn das Leute machen, die das toll finden: nur zu, aber eben unter sich. Wenn jemand Lust daraus zieht seinen Kot auf einer öffentlichen Toilette zu verteilen, die dann eine arme Putzfrau zu reinigen hat, hat er das schlicht zu unterlassen.
 
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