Unterschiedliche Art, Konflikte zu lösen

Benutzer172046 

Sehr bekannt hier
Hallo,

ich wende mich dann mal an euch und hoffe, dass hier ein paar hilfreiche Antworten kommen. Darf aber gerne auch etwas genereller diskutiert werden, weil ich bezweifle, dass wir als einzige das Problem haben.

Wir sind erst 6 Monate zusammen und kennen uns nicht mal ein Jahr, und es ist eine Fernbeziehung, und meine erste Beziehung und bei ihm erst die zweite, da besteht einfach viel Lernbedarf.
Aber ich bin auch manchmal einfach so blöd und sage Dinge, die meinen Freund dann verletzen. Ich meine es überhaupt nicht so, wie es rüberkommt, also wäre es schön, wenn mein Hirn weniger Aussetzer hätte.
Wenn mein Freund verletzt ist, passiert nämlich folgendes: nichts. Er reagiert nicht, spricht nicht. Wenn ich ihn frage, warum ihn das so getroffen hat, kann er es mir nicht sagen, sein Kopf ist in den Momenten leer. Selbst wenn ich erkläre, wie es eigentlich gemeint war, kommt das nicht an. Er braucht dann Ruhe und Zeit für sich. Wie lange, kann er mir nicht sagen.

Ich habe nur ein riesiges Problem mit Schweigen. Ich kann nicht streiten, ich kann es nicht ab, andere zu verletzen, ich muss das sofort geklärt haben. Das geht bei mir so weit, dass ich nicht essen oder schlafen kann und mir der ganze Körper wehtut, solange die Situation anhält. Dann kommt die Frage auf, mit welchem Recht ich jetzt verletzt bin, nachdem ich diejenige war, die unbedacht Mist gebaut hat, und die Abwärtsspirale ist komplett. Ablenkung hilft ein wenig, löst aber nichts.

Gelöst hat sich der Mist dann meist nach einer für mich relativ schlaflosen Nacht (manchmal, insbesondere per Ferne, auch mehr), nachdem ich dann am Ende des Arbeitstages einen Nervenzusammenbruch hatte und wir darüber reden mussten. Und danach war alles wieder gut (dauerhaft).
Wir führen eine Fernbeziehung, ich will unsere wenige Zeit miteinander nicht für sowas wegwerfen...Und ich will nicht zusammenbrechen müssen, damit wir über das Thema sprechen können. Eigentlich will ich mich auch nie wieder so fühlen müssen.

Unsere Lösungsansätze bisher:
- Wenn wir getrennt sind, schreibt er, dass er seine Ruhe braucht und sich wieder meldet. Dadurch weiß ich zumindest grob, woran ich bin und mache es nicht noch schlimmer. Löst aber nichts.
- Er hat vorletzte Nacht versucht, mir Zeichen zu geben. Hat trotzdem noch mit mir gekuschelt, mich immer mal enger zu sich gezogen. Mich bevor er aus dem Haus ist kurz umarmt und auf die Stirn geküsst. Ich habe aber das Gefühl gehabt, dass er das nur für mich tut und nicht, weil ihm im Moment danach ist, das hat also nur noch mehr schlechte Gefühle getriggert (dass er alt genug ist, Dinge nicht zu tun die er nicht tun will und das also wohl auch wollte, ist mir als Gedankengang zu fremd, um in der Situation daran zu denken). Für die Zukunft, jetzt wo ich weiß, wie es gemeint war, vielleicht machbar.
- Er hat normal mit mir gesprochen, zumindest das Nötigste. Das hat mir aber auch nur Angst gemacht, weil ich nicht wusste, woran ich bin.
- Er möchte mir in dem Moment wohl auch Dinge an den Kopf werfen, um mich genauso zu verletzen, tut es aber nicht (vielleicht wäre das aber besser, als gar nicht mit mir zu sprechen, wobei sich mit Beleidigungen auch nicht diskutieren lässt...).

Ich weiß, dass ich emotional absolut überreagiere, ich bin einfach entsprechend vorbelastet und brauche da wohl noch viel Therapie. Natürlich muss ich daran arbeiten, aber auch dann ändert sich nichts daran, dass wir da andere Bedürfnisse haben.

Wie macht man das denn, wenn die eine Person Ruhe braucht und die andere Dinge sofort klären muss? Da können wir doch nicht als einzige Probleme mit haben? Wo ist da der Mittelweg? Muss ich einfach klarkommen und akzeptieren, dass er mich halt ignoriert? Einfach immer penibel darauf achten, was ich sage, um ihn ja nicht zu verletzen?
Hier gab es schon ein paar ganz gute Tipps dazu, aber viel ist aus dem Thread nicht geworden.

Wir passen bei allem so gut zusammen und sind uns so ähnlich, aber was das angeht sind wir wie Tag und Nacht, und es macht mich fertig. Habt ihr da eventuell Lösungen?

PS: Er ist hier auch angemeldet und liest mit, ich hoffe also, dass er auch auf Fragen eingehen kann, sofern er eine Antwort hat.
Ich bin auch offen für Vorschläge, wie mich das alles weniger treffen könnte, kann aber nicht sagen, wie stark ich darauf eingehen kann, weil mir dazu momentan die Energie fehlt.
 

Benutzer164330 

Sehr bekannt hier
Ich weiß, dass ich emotional absolut überreagiere
Ist das denn so?
Hast du zufälligerweise ein Beispiel für etwas, das ihn verletzt hat?
Wenn er tatsächlich wegen etwas das du nicht so gemeint hast und das daher (Vermutung, deswegen die Nachfrage) auch nicht wiederholt soo böse gewesen sein sollte liest es sich eher so, als würde er schon ziemlich stark reagieren. Ein Missverständnis sollte mMn nichts sein, woran man Tage (oder auch Stunden) knabbert bevor man dazu in der Lage ist zu reden.
 

Benutzer172046 

Sehr bekannt hier
Hast du zufälligerweise ein Beispiel für etwas, das ihn verletzt hat?
Wir waren z.B. letztens abends etwas am fummeln, bzw. hauptsächlich er, weil ich gerade andere Dinge im Kopf hatte und nicht bei der Sache war. Ich habe dann aus Frust, weil ich das einfach nicht erwidern konnte, obwohl ich wollte, gemeint, es könnte ja nicht jeder so notgeil sein wie er...fand er nicht so toll.
Ich mag es, dass er meinen Körper toll findet und anfassen mag und hatte absolut kein Problem mit ihm in der Situation, sondern nur mit mir (bekanntes Problem, arbeite ich dran). Und hatte das gerade einfach nicht präsent und habe das Wort als gar nicht so "schlimm" eingestuft. Er hatte dann aber wohl das Gefühl ich werfe ihm vor, mich nur meines Körpers wegen zu wollen und meine Grenzen zu überschreiten (was er niemals tun würde). Und war dann wohl verletzt.
Was ganz genau ihn daran verletzt hat, weiß ich nicht. Nachdem ich ihm erklärt hatte, dass ich ein Problem mit mir in dem Moment hatte und das total unglücklich von mir ausgedrückt war, war das Thema auch durch.

Er ist nicht perfekt und hat seine eigenen Baustellen, also reagiert er vielleicht auch etwas "überzogen", aber auch das kann er ja nicht einfach abstellen. Wobei er schon offen dafür wäre, auch da an sich zu arbeiten, dass er weniger verletzt ist. Aber auch da wissen wir nicht, wie.

Off-Topic:
Abgesehen davon ist sich selbst verletzen zu wollen und aus dem Fenster springen zu wollen definitiv eine absolute Überreaktion. Ich drehe definitiv zu sehr am Rad. Eigentlich sollte es um ihn gehen und ich mache mein eigenes Drama draus.
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Selbstregulation üben. Viel mehr kann ich dazu nicht sagen. Es ist nett von deinem Freund, dass er dir noch positive Signale gibt, und es ist gut von dir, dass du dir drüber Gedanken machst. Tatsächlich finde ich es als Person, die selbst Ruhe benötigt, wenn sie sauer ist, immer ziemlich unhöflich, wenn ich mich dann auch noch um denjenigen kümmern muss, der mich sauer gemacht hat.
 

Benutzer122781 

Planet-Liebe ist Startseite
bitte nicht zitieren!

ich weiß nicht wirklich, ob das weiterhilft, aber haue es mal raus...

bei uns bestand dasselbe problem. mein freund kann einfach nicht über seine gefühle reden, schon gar nicht in akkut-situationen.
zwangsläufig musste ich mich dem anpassen und somit endete das ganze vor wenigen jahren darin, dass wir gute 3 wochen nicht miteinander gesprochen haben. ja ich weiß, kaum vorstellbar :grin: für mich war die beziehung da auch so gut wie beendet, dieser zustand war für mich untragbar. bis dahin ist es eben oft zu solchen situationen gekommen, wo wir dann tagelang nicht miteinander gesprochen haben und ich ticke da eigentlich wie du und möchte sachen schnell aus der welt geschafft haben. hilft ja aber nichts, wenn man damit alleine steht.
nach dieser 3-wochen-schweigen-kiste haben wir uns zusammengesetzt und wirklich alles besprochen, was da mittlerweile über jahre brach lag. es war ein neuanfang.
seitdem läuft es völlig anders. es ist nie wieder dazu gekommen, dass wir tagelang nicht gesprochen haben, das höchste war ein paar wenige stunden (was aber auch echt ok ist, damit man auch erstmal selber reflektieren kann etc.). ich denke, ihm ist damals klar geworden, dass ich das so nicht mehr mittragen werden. und es ist auch ganz klar, dass wenn es wieder dazu käme, ich die sache beenden würde. das will er natürlich auch nicht. also reißt auch er sich am riemen und kommt früher auf mich zu (oder ich auf ihn, je nachdem. früher war es dann auch so, dass er mich nur abgeblockt hat. wie gesagt, ich hatte gar keine chance da mit reden was zu drehen), dafür lasse ich ihm eben auch zeit um runterzukommen etc.
man muss da vermutlich einfach kompromisse finden... du wirst lernen müssen, dass er eben erstmal ruhe braucht (und für dich die sicherheit haben dass das nicht das ende der beziehung bedeutet!) und er sollte dich nicht solange hängen lassen bis er zum reden bereit ist (wie gesagt, einige stunden finde ich mittlerweile aber auch echt ok). und ja, die zeit bis dahin ist kacke, wenn mans ja eigentlich klären möchte. aber ist eben wie bei so ziemlich allem wo die bedürfnisse auseinandergehen und man trotzdem zusammenbleiben will - ohne kompromiss und willen dazu gehts nicht.
 

Benutzer172046 

Sehr bekannt hier
Lotusknospe Lotusknospe Danke für den Hinweis!

Ich brauche maximal ein paar Stunden für mich, wenn ich sauer oder verletzt bin, länger halte ich sowas nicht aus. Aber auch ich will mich in der Zeit nicht ums Gegenüber kümmern müssen.

Nur lasse ich halt mal den Schlaf ausfallen, wenn ich dafür meine Ruhe haben kann und es dann am nächsten Morgen wieder gut ist, oder wenn man die Zeit zum Reden nutzt, egal wie früh ich raus muss. . Mein Freund will schlafen, weil er arbeiten muss und fit sein will. Dadurch verzögert sich halt alles nochmal. Ich kann aber auch schlecht erwarten, dass er nicht schläft.

MissBukowski MissBukowski
Das mit der Sicherheit ist ein guter Punkt. Die fehlt mir. Zumindest emotional. Wahrscheinlich brauche ich da einfach noch Zeit.
Aber woran merkst du bei deinem Freund, wenn du wieder auf ihn zukommen kannst?
Habt ihr ein Maximum an Zeit, die er dich warten lassen "darf"?
Ich will ihm seine Ruhe wirklich geben können. Ich weiß nur nicht, wie.
 

Benutzer122781 

Planet-Liebe ist Startseite
Aber woran merkst du bei deinem Freund, wenn du wieder auf ihn zukommen kannst?
gute frage! :grin: tatsächlich geh ich da einfach das risiko ein.
aber früher war es eben so: man hatte sich in der wolle und 10 min später kam ich an und wollte drüber reden. das funzte halt überhaupt nicht für ihn. insofern lasse ich da jetzt einfach ein paar stunden ins land ziehen und dann hat er sich beruhigt. im prinzip kann man das auch aus kleinigkeiten ableiten (wenns also nicht beim kompletten ignorieren bleibt), dass es wohl nicht mehr so wild ist. das wird bei euch jetzt schlecht gehen, weil dein freund ja trotzdem normal mit dir redet etc. klingt jetzt erstmal komisch, aber vielleicht würde es sinn machen, sich dann wirklich erstmal alleine runterzufahren und nicht zu kommunizieren und das erst wieder zu tun, wenn man generell gesprächsbereit ist?
und ja, dafür:
Das mit der Sicherheit ist ein guter Punkt
braucht es vermutlich wirklich einfach zeit. ich war das auch einfach null gewöhnt, dass mans nicht sofort klärt. insofern hat das bei mir eben auch gedauert zu verstehen, dass nur weil er jetzt gerade nicht reden will, das keine auswirkungen grundsätzlich auf die beziehung hat.
Habt ihr ein Maximum an Zeit, die er dich warten lassen "darf"?
hm, also besprochen haben wir das nicht, aber in der praxis siehts schon so aus, dass wir das zumindest nicht mit in den nächsten tag nehmen. also bis zum pennen wirds schon irgendwie geklärt (oder man nähert sich zumindest wieder an, auch wenn die sache ansich erstmal nicht erklärt wird. das reicht mir auch erstmal).
Ich will ihm seine Ruhe wirklich geben können. Ich weiß nur nicht, wie.
das wird kommen, wenn du die sicherheit hast, dass die situation jetzt nicht irgendwelche gravierenden auswirkungen auf die beziehung hat. also wieder faktor zeit, so ätzend das auch ist.

ach übrigens noch dazu:
es könnte ja nicht jeder so notgeil sein wie er
das war wirklich sowas von ein schlag in die fresse :grin: ich versteh gar nicht, dass du das nicht so siehst?
kannst du das echt nicht nachvollziehen, wenn du dir die situation andersrum vorstellst?
 

Benutzer96053 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich kenne so etwas in ähnlicher Form bei meiner besten Freundin, wir haben sehr unterschiedliche Arten, Konflikte zu lösen. Während sie dann sofort alles ausdiskutieren muss, brauche ich ein wenig Ruhe, obwohl oder gerade vielleicht auch weil ich sonst so extrovertiert bin.

Dein Freund muss sich in Ruhe sammeln und sortieren, du brauchst ein Ventil. Wie wäre es, wenn du versuchst, ein "Übergangsventil" zu finden, bis er soweit ist? Manche Menschen sortieren ihre Gedanken während des Gesprächs und brauchen das dann, um mit der Situation ins Reine zu kommen.
Du schreibst doch gerne, vielleicht schreibst du deine Gedanken in Briefkopf nieder? Du musst ihm den ja nicht geben,als könnte die aber helfen, den Druck zu regulieren. Oder hast du eine Freundin, mit der du dann reden kannst? Wenn dein Freund noch nicht bereit ist, könntest du vielleicht schonmal "vorarbeiten" und in Gesprächen, mit Liedern oder in Schriftform deine Sicht erarbeiten.
 

Benutzer172046 

Sehr bekannt hier
kannst du das echt nicht nachvollziehen, wenn du dir die situation andersrum vorstellst?
Nein. Wirklich nicht. Rational kann ich mir das irgendwie herleiten, aber emotional...null Verständnis. Ich kenne mich eigentlich auch empathischer... irgendwie habe ich was das angeht wohl einen Aussetzer. Ich weiß aber halt auch, wie ich es eigentlich meinte, und habe wahrscheinlich das im Kopf.
Wie wäre es, wenn du versuchst, ein "Übergangsventil" zu finden, bis er soweit ist?
Vielleicht keine so schlechte Idee. Zumindest, um mich zusammen zu halten.
Ich habe sogar überlegt, einfach Tagebuch zu schreiben...wollte ihn dann aber erst nicht wecken und tagsüber war der Fokus dann auf der Ablenkung. Merke ich mir :smile:

In der Situation war ich ziemlich eindeutig Schuld ^^". Ich weiß nicht, wie ich das wiedergutmachen könnte, man kann Worte ja nicht zurücknehmen. Mal schauen, ob ich wen finde, den ich da um Rat fragen kann. Meine Freundinnen können alle noch schlechter streiten, die würden das gar nicht lösen sondern abwarten und es ertragen.

Es tut auf jeden Fall schonmal gut, zu lesen, dass das alles nicht ausweglos ist und sich da Kompromisse finden lassen.
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
Wir waren z.B. letztens abends etwas am fummeln, bzw. hauptsächlich er, weil ich gerade andere Dinge im Kopf hatte und nicht bei der Sache war. Ich habe dann aus Frust, weil ich das einfach nicht erwidern konnte, obwohl ich wollte, gemeint, es könnte ja nicht jeder so notgeil sein wie er...
naja, das kommt aber ganz arg auf den tonfall an. bei uns sind solche sprüche (und härtere) eine durchaus liebevolle, gegenseitige frotzelei, die eigentlich nur genau das sagt was bei dir der fall war: "grade nicht so, schatz". und dass man genervt ist wenn gefummelt wird obwohl man selber nicht so recht bei der sache ist kann ich mehr als verstehen.

wenn mein partner wegen so nem spruch stundenlang beleidigt wäre würde ich persönlich ihn schon fragen wer ihm ins hirn geschissen hat.

Ich weiß nicht, wie ich das wiedergutmachen könnte, man kann Worte ja nicht zurücknehmen.
zurücknehmen kann man sie nicht, aber erklären halt schon. kennt dein partner das nicht, dass ihm mal was rausrutscht, was nicht ganz optimal ist? ich halte das für normal, auch wenn es natürlich durchaus lobenswert ist, wenn du versuchst, sowas zu vermeiden. das schlimme ist, wenn es eben erstmal noch stunden im hirn köchelt, dann kann eine einfache richtigstellung kaum mehr was richten - das ist dann aber nicht deine schuld.

ansonsten kann ich dein problem in teilen nachvollziehen, mein kerl ist auch gerne mal eingeschnappt und will dann nicht reden während ich gerne klären würde... nen paar stunden bekommt er dafür (inzwischen) auch, solange wir beide auf 180 sind ist eh kein gespräch möglich. und da kann ich nur zustimmen: das vertrauen, das zuzulassen, das braucht zeit. das braucht zeit, das braucht solche situationen und die erfahrung, dass es hinterher wieder gut wird. bis du soweit bist wird das hart sein.

was du versuchen kannst bezüglich ablenkung: die rationale hirnhälfte beanspruchen. sudokus lösen, freecell spielen, sprachen lernen, mathe büffeln, sowas das hilft einen zumindest nen bisschen aus dem emotionalen tief rauszuholen.
 

Benutzer174969  (28)

Verbringt hier viel Zeit
Puh, ehrlich gesagt habe ich da keine wirklichen Lösungansatz parat. Ich habe das selbe Problem - nur umgekehrt. Und da reicht es aus, wenn er denkt, ich hätte wegen ihm schlecht Laune - egal ob das nun stimmt oder nicht.

Oft versuch ich es dann zu klären - weil ich weiß dass er leidet und das möchte ich perse nicht. Manchmal lasse ich ihn fallen. Nicht weil ich sein Leid toll fände, sondern aus puren Selbstschutz. Ich brauche Ruhe, ich muss die Zeit haben meine Gedanken zu sortieren und ich kann manche Sachen nicht sofort klären. Das liegt auch stark daran, dass ich Sachen sage/tue, weil ich emotional geladen bin und es später bereuen würde. Also zieh ich mich zurück.

Das weiß er, aber dennoch kann er eher schlecht damit umgehen. Und oft habe ich in den Situation das Gefühl keinen Raum zu haben, denn es geht dann nur noch darum, dass er leidet, dass es ihm schlecht geht und dass er es "wieder gut" machen will. In solchen Situationen wünsche ich mir Raum für mich. Ich möchte ihn damit auch nicht bestrafen, sondern ich brauch es in dem Moment, so wie ich das Atmen brauche.

Mittlerweile versucht er dann sich abzulenken. Mit Haushalt, mit Spielen, mit Youtube Videos oder was auch immer ihn in dem Moment taugt.

Mein Rat wäre, nimm es dir nicht zu sehr zu Herzen. Ich halte es nicht gesund, dass jemand nicht schlafen/essen kann wegen einem Streit. Klar nehmen micht streits mit und es nimmt mich auch mit, wenn er sauer auf mich ist. Aber halt auch nicht so stark, dass es mich komplett einschränkt.

Wir waren z.B. letztens abends etwas am fummeln, bzw. hauptsächlich er, weil ich gerade andere Dinge im Kopf hatte und nicht bei der Sache war. Ich habe dann aus Frust, weil ich das einfach nicht erwidern konnte, obwohl ich wollte, gemeint, es könnte ja nicht jeder so notgeil sein wie er...f
Um ehrlich zu sein, kann ich mir gerade schwer vorstellen, wie man wegen sowas stundenlang sauer sein kann 😅 Aber ich würde ihn einfach mal lassen und dann mich selber ablenken.
 

Benutzer146476 

Verbringt hier viel Zeit
Ich bin kein Experte in dem, was ich hier schreibe, aber ich habe dazu mehrere berufsbegleitende Schulungen hinter mir, hoffentlich passt es im Groben und Ganzen.

Jeder kennt es von sich, wenn man "rot" sieht und Emotionen Überhand nehmen: Das rationale Handeln fällt zunehmend schwerer.

Grund dafür ist natürlich unser Gehirn: Der Neocortex ist für das rationale Handeln zuständig, das Limbische System für Emotionen und das Stammhirn für instinktives Handeln.
Je erregter wir sind (nein, nicht sexuell), desto mehr stellt erst der Neocortex und dann das limbische System die Kommunikation ein. Das äußert sich darin, dass wir erst Emotional werden (limbische System!) und dann in unser Notfallprogramm umschalten (Stammhirn!). Das Stammhirn ist entwicklungstechnisch uralt und kennt genau 3 Notfallprogramme: Kampf, Flucht, Erstarrung.

Die Krux an der Sache ist nun, dass es KEINEN Weg gibt, mit jemandem rational zu Reden, der gerade limbisch oder stammhirngesteuert unterwegs ist. Absolut keinen Weg. Und jeder Mensch ist anders, wenn er in diesem Zustand ist.
Der Trick bei der Kommunikation besteht darin, den Neocortex Deines Gegenübers wieder dazu zu bringen, mitzumischen. Wie das geht, ist individuell verschieden. Mögliche Strategien sind Raum und/oder Zeit geben und "aktiv zuhören" (Google hilft hier). Letzteres heißt kurz gesagt, dass NUR das Gegenüber redet und man selbst einfach zuhört und spiegelt, egal, wie sehr man selbst dazu was sagen will. Hier geht es also erst mal nur um das Gegenüber.
Bevor man Konflikte lösen kann, müssen alle Beteiligten mit ihrem Neocortex bei der Sache sein. Das kann zwischen einigen Minuten und einigen Stunden dauern, bis es soweit ist.

Konkret heißt das für Dich: Du bist fröhlich im Neocortex unterwegs, und bringt unabsichtlich Deinen Freund in einen Zustand, indem er Emotional wird oder sogar in sein Notfallprogramm, in dem Fall Flucht+Erstarrung, umschaltet.

In der Situation wirst Du schlichtweg nicht mit ihm reden können. Du kannst ihn nur so gut kennenlernen, dass Du irgendwann selbst gut weißt, wie Du in der Situation mit ihm am besten umgehst und ihn wieder einfängst. Das ist was ziemlich intimes und irgendwann kennt man sich so gut, dass man quasi automatisch weiß, was man tun muss, wenn der Partner so drauf ist.

Und ja, natürlich gibt es auch Wege, bei sich selbst zu erkennen, wenn man in solchen Situationen ist und man kann üben, da besser mit umgehen zu können. Das ist wieder ein anderes Thema.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer91095 

Team-Alumni
Konkret heißt das für Dich: Du bist fröhlich im Neocortex unterwegs, und bringt unabsichtlich Deinen Freund in einen Zustand, indem er Emotional wird oder sogar in sein Notfallprogramm, in dem Fall Flucht+Erstarrung, umschaltet.

Ich stimme dir grundsätzlich zu, nur zu dem oben zitierten Aspekt nicht. Fantasy. Fantasy. befindet sich dann genau eben NICHT im Neocortex, sondern ist selbst mit ihrem Stammhirn unterwegs. Wäre sie im Neocortex, könnte sie die Situation leicht aushalten und ihm einfach den Raum geben und wüsste, dass alles nachher wieder fein ist. Das ist aber nicht so. Insofern sind beide in dieser Situation schwer zu beruhigen, und das beste, was man tun kann, ist an sich selbst zu arbeiten, um die Regulation davon eben zu lernen.
 

Benutzer146476 

Verbringt hier viel Zeit
Ich stimme dir grundsätzlich zu, nur zu dem oben zitierten Aspekt nicht. Fantasy. Fantasy. befindet sich dann genau eben NICHT im Neocortex, sondern ist selbst mit ihrem Stammhirn unterwegs. Wäre sie im Neocortex, könnte sie die Situation leicht aushalten und ihm einfach den Raum geben und wüsste, dass alles nachher wieder fein ist. Das ist aber nicht so. Insofern sind beide in dieser Situation schwer zu beruhigen, und das beste, was man tun kann, ist an sich selbst zu arbeiten, um die Regulation davon eben zu lernen.
Da bin ich voll bei Dir, ich habe "den Fall" nicht weiter in die Tiefe analysiert. Wenn beide Menschen ohne Neocortex unterwegs sind, wird's wirklich fordernd...
 

Benutzer166918  (32)

Öfters im Forum
Die Situation kenne ich aus unseren ersten Jahren ebenfalls. Für uns bestand ein Teil der Lösung darin, dass keiner einfach ohne Ansage bockt/schmollt und verweigert, sondern dass vorher ein Zeitpunkt für eine Aussprache vereinbart wurde. Egal wie verletzt, ruhebedürftig etc. man sich gerade fühlte. Letztendlich hat sich das aber nur als Übergangslösung erwiesen, da sich das Problem bei uns von selbst gelöst hat. Schlüssel war, die eigene Bewertung der Situation nicht so ernst zu nehmen. Wir hatten uns irgendwann ausreichend bewiesen, dass der andere einem doch eigentlich wohlgesonnen ist, wir einander Gutes wollen und man meist falsch liegt, wenn man sich so verletzt fühlt. Normalerweise war das nämlich nicht die Absicht der anderen Person, sondern blöde Kommunikation/ein einfaches Missverständnis. Dieses Vertrauen ins Gegenüber (und dadurch auch in die Beziehung) führte dazu, dass wir mittlerweile beide selbstverständlich weiterhin Aussagen oder Taten vom Partner doof finden, aber gleichzeitig aus Erfahrung heraus erst mal davon ausgehen, dass irgendwas komisch läuft. Also: "Mein Typ macht oder sagt zwar manchmal aus meiner Sicht bescheuertes Zeug, ist aber ja eigentlich n netter Kerl mit guten Absichten und meint das bestimmt nicht so dämlich, wie's bei mir ankommt." Das heißt, ich bin zwar weiterhin angepisst/traurig etc., wenn ich nur meiner Interpretation einer Situation folge. Dann will ich immer noch Verständnis und Entgegenkommen und so, aber mein Kerl müsste sich schon richtig Mühe dabei geben, mich tief zu verletzten. Er müsste mir sozusagen beweisen, dass er's wirklich böse meint. Er hat mir schließlich mittlerweile ausgiebig gezeigt, dass er einer von den Guten ist :zwinker: Nach einem halben Jahr Beziehung hätte ich das Vertrauen aber noch nicht gehabt. Auch für ihn war's ein Lernprozess, nicht wortlos das Feld räumen zu "dürfen". Hat nur geklappt, weil wir uns in friedlicher Eintracht überlegt haben, dass wir uns ja eigentlich ganz okay finden und dass das so plötzlich ja eigentlich nicht kippen kann. Auch, wenn wir beide impulsiv sind (und uns keine große Mühe geben, das voreinander zu verbergen), in Streits auch recht scharfzüngig und wenig harmoniebedürftig. Es hat sich folglich alles auch ein wenig zurechtruckeln müssen. Also keine Ahnung, in wieweit meine Situation auf deine übertragbar ist... vielleicht passt das ja auch gar nicht. Aber mal davon ausgehend, dass du evtl. was damit anfangen kannst, hier ein paar Vorschläge:
An deiner Stelle würde ich daher deinem Freund vorschlagen, zuerst feste Handlungsmuster für schwierige Situationen festzulegen, damit er nicht mit akuter Leere im Kopf sinnvolle Entscheidungen treffen muss. Das müsste etwas sein, woran er sich auch mit Wut im Bauch noch halten kann und was dir gleichzeitig genug Sicherheit gibt. Ich könnte mir bspw. vorstellen, dass er dir schreibt, dass er gerade Zeit für sich braucht, sich aber zum Zeitpunkt XY bei dir meldet. Sofern er sich nicht ernsthaft Gedanken über den Fortbestand der Beziehung macht, würde ich außerdem erwarten, dass er dazu schreibt, dass ihr das schon geklärt bekommt. Und WENN er doch jedes Mal substantiell überlegt, dann wäre für mich ohnehin mal ein grundsätzliches Gespräch fällig. So eine Dauerschwebe hält man ja nicht aus…
Irgendwie klingt dein Text für mich so, als würdest du den Hauptteil des Problems bei dir verorten und aus meiner Sicht übertrieben hart mit dir ins Gericht gehen. Ich denke nämlich, er hängt da genauso mit drin. Bei dieser Sender-Empfänger-Problematik bist du nicht allein für die Interpretation der Botschaft verantwortlich. Du hast dich vielleicht nicht super sensibel ausgedrückt, aber seine Interpretation lässt auch nicht unbedingt auf riesiges Vorschussvertrauen dir gegenüber schließen, finde ich. Da kann er sich auch ruhig mal selbst hinterfragen, falls er das noch nicht getan haben sollte.
 

Benutzer178725 

Sorgt für Gesprächsstoff
Also ich fänd es echt anstrengend wenn man dann wegen so Kleinigkeiten wie in deinem Beispiel einfach so etwas großes draus macht..

Klar wenn es wirklich einen Streit oder eine Situation gab die super verletzend war, dann sollte er sich die Ruhe nehmen können die er benötigt aber dir auch ruhig signale geben wie es denn aussieht.

In solchen Situationen wie mit dem Beispiel könnte er ja einfach die Erklärung abwarten und dann entscheiden. Grundsätzlich kennt er dich aber ja auch und müsste wissen das du dir da nichts böses meinst sondern einfach so bist. Meine beste Freundin haut ab und an auch mal Aussagen raus bei denen jeder andere uns schockiert ansieht, aber Sie ist halt so und ich weiss das ich mich da nicht aufregen brauch. Mein Partner hat letztens im Zusammenhang mit Medikamenten gemeint " Also wird unsere Beziehung dann in der Zeit normal oder scheisse" Da war ich auch so.. wow... Klingt ja super toll. Er hats mir aber erklärt, dass normal für ihn gut bedeutet und jetzt ist es unser running gag. Alles was er tut wird von mir als normal betitelt. Wir diskutieren aber auch beide viel und oft und teilweise auch al ganz gerne. Das ist natürlich ne andere Grundlage.

Vielleicht fehlt ihm da der Alltag mit dir um es besser aufzunehmen und gewohnt zu sein.
 

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ich würde zwischen zwei Sachen unterscheiden:
a) warum lässt du deinen Stress an ihm aus?
b) warum ist er direkt beleidigt?

Es hört sich für mich etwas so an, wie wenn du deine Grenzen nicht eindeutig kommunizierst. Fantasy. Fantasy. Aus deinen Beiträgen lese ich das in vielen Bereichen heraus und habe den Eindruck, dass du unter enormem Strom stehst. Und dein Freund ist Moment dein Blitzableiter. Dein Freund ist aber dein Freund. In meinen Augen kannst du mit professioneller Hilfe ganz gut lernen, dass du deine Stressoren reduzierst und den Stress anders abbaust als an deinem Freund. Mir hilft es, wenn ich mir vor Augen halte, dass es mein Partner ist und entscheide mich bewusst dafür, ihn nicht anzupampen. Es gelingt mir nicht immer, aber immer öfter. Du bist doch eine empathische junge Frau und kannst dich in solchen Situationen mit Sicherheit in deinen Freund hineinversetzen und verstehen, weshalb er gerade so handelt, wie er handelt.

Auf der anderen Seite ist dein Freund, der sofort in den Rückzug geht. Warum geht er direkt in den Rückzug? Habt ihr darüber mal gesprochen? Wo liegt die genaue Ursache? Mich erinnert das Verhalten stark an meine letzte Beziehung. Mein Ex-Partner warf mir ständig Sachen an den Kopf, die mich wahnsinnig verletzten. Er wollte die große Freiheit und ich wollte Nähe, sodass sich immer wieder Differenzen ergaben. Ich war dann traurig, er tröstete mich. Aus dieser Nummer kamen wir nie wirklich raus, weil wir viel zu unterschiedliche Erwartungen an die Beziehung hatten und wir gegenseitig diese Erwartungen nicht erfüllen konnten. Übrigens war das damals eine recht abhängige Beziehung meinerseits und deswegen war ich permanent so nah am Wasser... Nur so als Überlegung für euch. In meiner aktuellen Beziehung kenne ich dieses Verletzten in dem Maß gar nicht. Meinen Partner liebe ich über alles, bekomme aber nicht direkt Panik bzgl. einer möglichen Trennung, wenn es mal Meinungsverschiedenheiten gibt. Das war in der Vergangenheit ganz anders und definitiv nicht gesund auf Dauer.

Wie sehen denn eure Wochenenden aus? Ich würde mal den Druck raus nehmen. Verbringt ihr die Wochenenden denn zu 24/7 zusammen? Ich könnte mir vorstellen, dass es hilfreich sein kann, wenn jede/r am Wochenende doch noch eigenen Aktivitäten nachgeht (während Corona etwas erschwert), damit der andere Partner mal Luft zum Atmen hat und man bei solchen Konflikten nicht auch noch die ganze Zeit zusammensitzt und sich denkt "eigentlich sollte das Wochenende doch schön sein". Ein wenig Abstand hilft doch, dass das Thema nicht so hochkocht. Wenngleich eine Klärung manchmal natürlich sinnvoll und notwendig ist.
 

Benutzer180541  (30)

Sorgt für Gesprächsstoff
Mhm also ich kann ihn da schon verstehen, nicht unbedingt das Verhalten an sich. (Ich bin auch jemand der das ganze lieber klärt, alles andere führt dazu sich Szenarien vorzustellen dir einen nur stressen) aber das ihn diese Worte verletzt haben. Besonders wenn sie in dem Moment schon mit einem Stück Wahrheit ausgesprochen werden.
Nehmen wir die selbe Situation, bis ausgelassen und witzelnd dann kann man „Notgeil“ als Neckerei verstehen. Wenn mein Partner aber angekrabbelt kommt und ich ihm genervt, selbes Wort an den Kopf werfe, ist das rüber gebrachte Gefühl ein ganz anderes und ich verstehe das das verletzt.
Würde mir das einer sagen, wäre ich verletzt und würde mich einige Zeit lang wohl zurückhalten.
Das ist sicher auch eine Charakterfrage. Da hilft kein, hab dich nicht so, man muss akzeptieren lernen das das für denjenigen eben mehr Bedeutung hat.
 

Benutzer171033 

Öfters im Forum
Unsere Streitkultur und auch die Sachlage bezüglich unseres Verhaltens in Streits ist ein wenig anders als bei euch.
Darauf möchte ich an dieser Stelle gar nicht genauer eingehen.
Was wir eingeführt haben (und noch üben), sind aber ein paar Instrumente, die euch vielleicht auch weiterhelfen können.

  • Wir haben, unabhängig davon, ob gerade ein Konflikt besteht oder nicht, einmal in der Woche einen Klärungs-Termin. Wir sprechen und klären natürlich auch über die Woche täglich Dinge. Aber an diesem fest eingeplanten Termin besprechen wir Grundsätzliches, z.B. Organisatorisches, aber eben auch Dinge, die uns bzgl. des Gegenüber oder der Beziehung oder uns selbst gerade bewegen, oder zu Unbehagen führen/geführt haben, die aber nochmal reflektiert oder durchdacht sein wollen, bevor man sie raushaut, oder die im "Moment des Geschehens" oder ersten Empfindens vielleicht nicht wichtig genug waren, um deswegen ein Fass aufzumachen. So kann man bei Bedarf den Partner schon mal vorbereiten, insofern der Gedanke eine Antwort erfordert, und zugleich bekommt man Distanz und kann andere Perspektiven besser zulassen (Stichwort: Neocortex), und dem auch nochmal nachspüren (Stichwort: Limbisches System). Diese Gespräche laufen bei uns sehr viel konstruktiver und lösungsorientierter. Und jeder weiß, dass er seine Bauchschmerzen nicht lange mit sich rumtragen muss. Diese "Treffen" können auf dem Sofa, bei einem Candlelight-Dinner, in der Badewanne oder bei einem Spaziergang, etc. stattfinden. Wir sind aufmerksam und konzentriert, aber unverkrampft.
  • Für direkt im Konflikt/Streit/Unstimmigkeit haben wir ein "Safe-Wort" vereinbart. Das setzen wir ein, wenn wir von uns selbst oder dem Gegenüber bemerken, dass es gerade in Richtung "Abschaltung Neocortex" geht, und somit nicht mehr ein zielorientiertes Gespräch stattfinden kann. So können wir uns gegenseitig vor unbeabsichtigten Verletzungen/Beleidigungen oder Eskalation schützen. Er zieht sich in sich hochschaukelnden Streits auch sehr gerne ins Freeze zurück, und das bringt mich noch mehr auf die Palme, sodass ich dann gerne mal sehr provokant und durchaus auch piesackend-beleidigend geworden bin. Das hat manchmal schon ganz schön verbrannte Erde hinterlassen. Auf diesen Weg konnten wir das minimieren. Das "Safe-Wort" gilt! Immer! Bedingungslos! Damit ist die Situation bis auf Weiteres unterbrochen/beendet.
  • Wenn das "Safe-Wort" gefallen ist, dann verlässt in der Regel einer von uns beiden den Raum, ggf. auch für eine Weile das Haus, und beide hören auf, nachzugrübeln oder innerlich zu zanken, sondern gehen irgendeiner ablenkenden und Spaß bringenden oder erdend-meditativen Tätigkeit nach. Dann kann der Rauch verfliegen, und im Anschluss, wenige Stunden später, klären wir, ob wir es gleich aus dem Weg räumen (meist ja) oder mit ins Wochen-Gespräch nehmen.
Ansonsten: Das Entwickeln einer gesunden Streit- und Lösungskultur ist immer so unterschiedlich, wenn zwei Charaktere aufeinander prallen, und dann womöglich noch mit sich selbst Konflikte ausmachen müssen, dass es tatsächlich einfach Zeit zum Üben und Probieren, Nachsicht mit sich selbst und dem Partner und Zuneigung braucht. Alles andere wird, wenn beide wollen.
 

Benutzer172046 

Sehr bekannt hier
warum lässt du deinen Stress an ihm aus?
Tue ich das denn? Also in größerem Maße? Ich habe mich ein Mal in der Wortwahl vergriffen, ansonsten rede ich mit ihm zwar viel über das, was mich beschäftigt, aber an ihm auslassen würde ich es dann nicht mehr nennen. Wenn er Ruhe braucht versuche ich ja auch, ihm die zu geben, und zeige nach außen nicht (bewusst), wie schlecht es mir geht.

Durch Corona ist er halt mit meinen Eltern mein einziger echter Sozialkontakt, meine Freundinnen sind alle zu weit weg gezogen und melden sich nur alle paar Monate mal. Dass das nicht optimal ist, weiß ich, aber ich gebe mir wirklich Mühe, online mal mit Leuten zu quatschen, Kommilitoninnen anzuschreiben etc.pp. Ich gehe zur Therapie und schreibe Tagebuch, damit er nicht alles abbekommt. Mehr fällt mir momentan nicht ein.

Federeule Federeule Der Tonfall wurde ja auch mehrfach angesprochen, und ich habe es wirklich scherzhaft gemeint (quasi als Entschuldigung, dass er gerade da ja etwas mehr will als ich und er das auch auch weiß, und dass mich das frustriert) und klang in meinen Ohren absolut nicht genervt von ihm. Das war kein anblaffen aus meiner Sicht. Wie es ankam ist natürlich eine andere Kiste.

Mein Freund ist auch nur ein Mensch und bringt selbst ein paar Unsicherheiten etc. mit. Wobei es ihm bisher noch schwerfällt, mit mir darüber zu reden. Ich kann also durchaus verstehen, dass er da manchmal auch zu schnell getriggert ist und ich ins Fettnäpfchen trete.
Dafür habe ich, was das Beenden Beziehungen jeglicher Art angeht, schon echt viel erlebt das genau so ablief. Für mich bedeutet dieses Verhalten automatisch „Ende Gelände“ bzw. „Trennung auf Raten“. Das abzustellen dauert.
Ignorieren an sich kann ich aus anderen Gründen absolut nicht ab, und das Chaos ist komplett. Das hat zum Glück sehr wenig mit verschiedenen Bedürfnissen zu tun (da sind wir relativ ähnlich, nur leicht verschoben weil ich mehr „Freizeit“ habe als er und meine Freiheiten schon hatte, wenn er noch arbeiten muss, aber das haben wir halbwegs im Griff.).
Diese Situationen sind echt die einzigen, wo unsere Bedürfnisse und Erwartungen so sehr auseinander gehen.

Warum geht er direkt in den Rückzug?
Gute Frage, werde ich stellen. Bisher war seine Antwort „ich bin halt so“.

Wie sehen denn eure Wochenenden aus?
Unterschiedlich. Manchmal ist er am Wochenende bei mir, ansonsten sehen wir uns nicht und ich komme mal für eine Woche zu ihm. Das ist halt die Krux einer Fernbeziehung...wobei wir wie gesagt versuchen, jeder genug Zeit für uns zu bekommen, wenn wir länger aufeinander hocken.
Aber richtig Abstand ist in einer zwei-zimmer-Wohnung natürlich trotzdem so semi-machbar, insbesondere wenn man sich abends in den Haaren hat und schlafen will.

Vielleicht finden wir heute Abend mal die Zeit und Muße, uns mit den Tipps hier auseinanderzusetzen. :smile:
Und ich finde hoffentlich ein Praktikum, damit es keine Fernbeziehung mehr ist...
 
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