Zukunftspläne für Partner aufgeben?

Benutzer133014 

Ist noch neu hier
und warum nicht? weil schwule eben doch minderwertig und abstoßend sind? weil schwul sein eine ansteckende krankheit ist? weil man sich schämen müsste, einen schwulen bruder zu haben?

solange du selber so eine sicht hast, der meinung bist du müsstest ihn vor deinem schwul sein beschützen als wäre es etwas schlimmes, solange wirst du es sehr schwer haben, deine familie vom gegenteil zu überzeugen. denn wie willst du sie von etwas überzeugen, was du selber offenbar anders siehst?
Ich teile diese Sicht nicht.Aber wenn es nicht nur bestimmte Leute aus meinem Umfeld wissen,sondern auch viele andere aus meiner Stadt,dann wird er es nicht leicht haben.Kinder können echt gemein sein.Zudem hat er ja auch türkische Freunde,die möglicherweise noch gemeiner reagieren könnten als die anderen.Ich denke mein Bruder könnte toleranter als meine Eltern sein. Er ist ein riesen Fan von der Serie Glee.Dort gibt es viele homosexuelle und transsexuelle Charaktere.Zu seinen lieblings Charakteren gehören ein schwuler Junge und ein lesbisches Mädchen. Meine Eltern schauen kaum deutsche Sendungen im Fernsehen.Darum habe ich nie gesehen,wie sie reagieren,wenn sich z.B. zwei Männer küssen.
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Leider ist es ja auch für deine Familie keine angenehme Situation. Sie stecken in einer Gemeinschaft, in der Homosexualität nunmal tabu ist, und selbst wenn sie selbst Verständnis aufbringen, wird ihnen dieses Verständnis von Freunden und Verwandten vielleicht nicht zu teil. Ich kann auch verstehen, dass es dir für deinen Bruder leid tut. Aber ändern lässt es sich nicht - die Alternative lautet, ein Scheinleben mit Frau und Kind zu haben und deine Homosexualität für immer zu leugnen. Das willst du nicht, hast du ja schon geschrieben. Klingt für mich auch sehr furchtbar. Also irgendwann musst du damit raus kommen. Ersparen kannst du das deiner Familie leider nicht, und es ist ja auch nicht deine Schuld, dass du schwul bist. Es ist ja nicht so, dass du das mal auf irgendeinem Wunschzettel angekreuzt hättest :zwinker: (was natürlich nicht heißen soll, dass schwul schlecht wäre, nur halt leider in deinem Umfeld gar nicht akzeptiert).

Genau darum solltest du deinen Eltern allerdings die Zeit lassen. Ich finde es gut, wenn du dich erstmal vor deiner Schwester "outest". Das ist dann quasi die Generelprobe, da weißt du ja quasi schon, dass du nichts zu befürchten hast, und vielleicht gibt dir das auch ein wenig Rückendeckung. Vielleicht hat sie ja auch Tipps für dich, wie du damit umgehen kannst. Und auch, wenn es unwahrscheinlich wirkt: Wie sagte dein Bekannter: Manche Menschen scheinen tolerant, sind es aber gar nicht. Dafür sind auf einmal andere tolerant, von denen man es nicht erwartet hätte. Vielleicht akzeptieren deine Eltern dich ja eh, vielleicht sind sie eh bereits, zu dir zu stehen, auch in ihrem sozialen Umfeld. Und vielleicht sogar reagiert das soziale Umfeld gar nicht so ablehnend.

Wenn du die Kontrolle über die Situation behalten willst: 100%ige Kontrolle geht eh nie. Du weißt halt einfach nicht, wie deine Eltern reagieren werden. Aber du machst es dir und ihnen sicher leichter, wenn du ihnen nicht gleich eine endgültige, nach außen sichtbare Entscheidung abverlangst, sondern ihnen Gelegenheit lässt, es erstmal mit sich selbst auszumachen.

Ach so, was mir grad noch einfällt: Wegen Studium... gute Noten, lernen, fleißig sein, das ist die eine Sache. Aber sich lernen durchzubeißen, Schwierigkeiten zu überwinden, das ist eine andere Sache. Die in meinen Augen mindestens genauso wichtig und wertvoll ist wie das Wissen in deinem Kopf. Und selbst wenn die Noten an der Uni dann nicht mehr ganz so strebermäßig sind: Stell dir das Bewerbungsgespräch vor, wo die Sprache auf diesen unangenehmen Punkt kommt - dann sagst du, warum es so war. Sagst dass du keine Unterstützung hattest, dass du nebenher arbeiten musstest etc. Also wenn ich der Personaler wäre würde ich mir denken: OK, der hat gelernt auf eigenen Beinen zu stehen! Also kann es durchaus was gutes haben.
 

Benutzer133014 

Ist noch neu hier
Aber ändern lässt es sich nicht - die Alternative lautet, ein Scheinleben mit Frau und Kind zu haben und deine Homosexualität für immer zu leugnen. Das willst du nicht, hast du ja schon geschrieben. Klingt für mich auch sehr furchtbar. Also irgendwann musst du damit raus kommen.
Ja und ich habe begriffen,dass ich es vor meinem Studium tun muss.Wahrscheinlich wären meine Eltern nur noch enttäuschter,wenn sie erfahren,dass ich sie ausgenutzt habe.
Ach so, was mir grad noch einfällt: Wegen Studium... gute Noten, lernen, fleißig sein, das ist die eine Sache. Aber sich lernen durchzubeißen, Schwierigkeiten zu überwinden, das ist eine andere Sache. Die in meinen Augen mindestens genauso wichtig und wertvoll ist wie das Wissen in deinem Kopf. Und selbst wenn die Noten an der Uni dann nicht mehr ganz so strebermäßig sind: Stell dir das Bewerbungsgespräch vor, wo die Sprache auf diesen unangenehmen Punkt kommt - dann sagst du, warum es so war. Sagst dass du keine Unterstützung hattest, dass du nebenher arbeiten musstest etc. Also wenn ich der Personaler wäre würde ich mir denken: OK, der hat gelernt auf eigenen Beinen zu stehen! Also kann es durchaus was gutes haben.
Nun, BWL ist das meist studierte Fach in Deutschland,vll sogar auf der ganzen Welt.Ich will einen sehr guten Abschluss,damit ich mich gegen all die anderen BWLer durchsetzen kann. Ich könnte dem Personalchef ja erst beim persönlichen Gespräch meine Situation schildern.Das ist aber nicht möglich,wenn ich nicht eingeladen werden. Ich habe schon öfters gelesen,dass viele Akademiker mit Migrationshintergrund Deutschland verlassen,weil ihre deutschen Konkurrenten bevorzugt werden.Da spielen die Noten keine große Rolle.Vor allem immer mehr türkische Akademiker wandern aus.Meine Cousine hat das auch vor,weil sie meint,dass sie wegen ihren Namen keinen Job findet.Sie hat Wirtschaftswissenschaften studiert und zieht bald nach Istanbul,wo die diese Akademiker mit offen Armen empfangen werden. Deutschland bildet diese Leute aus,was auch eine menge Geld kostet,und verliert sie anschließend an die Türkei.
 

Benutzer120063 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich denke, du musst dir auch mal bewusst machen, dass es bei deiner Familie nicht nur schwarz und weiß gibt. Ich weiß nicht, wie im Moment das Verhältnis zu deinen Eltern ist. Aber wenn es sehr gut ist und sie dich lieben, werden sie das sicher auch noch nach deinem Outing tun. Es kann sein, dass sie Probleme damit haben, dass sie dir vielleicht Vorwürfe machen, was du ihnen "antust". Aber dich trotzdem noch lieben und versuchen werden, den Kontakt zu dir zu halten und dich zu unterstützen. Wenn das äußere Umfeld (deine übrige türkische Verwandschaft, Großeltern etc.) von deinen Eltern quasi erwartet, dass sie das nicht akzeptieren, stecken sie ja erstmal auch in einer schwierigen Situation. Vielleicht schaffen sie es nicht zu sagen: "Mein Sohn ist schwul und das ist auch gut so." (mal überspitzt), aber vielleicht schaffen sie es, es für sich selbst zu akzeptieren und das sollte das wichtigste sein für dich, oder?

Denk einfach mal drüber nach, dass es nicht nur verstoßen oder vollkommen dazu stehen gibt sondern auch noch ganz viele Schattierungen dazwischen. Du siehst das ja bisher offenbar nicht so, denn du wolltest sie vor die Wahl stellen: Akzeptiert es oder "fuck you". Vielleicht könntest du dich mit dem Gedanken anfreunden, dass deine Mutter z. B. sagt: Ich hätte mir ein klassisches, einfaches Leben mit Frau und Kindern für dich gewünscht. Für uns alle ist es nun schwieriger. Aber du kannst nichts dafür und ich liebe dich trotzdem.
 

Benutzer123446 

Beiträge füllen Bücher
Vorweg: ich habe nicht alles gelesen...

Ich kenne einen ähnlichen Fall aus meinem früheren Freundeskreis.
Im Fall meines Freundes war es so, dass die Eltern ihn zwar nicht verstoßen haben, aber sie haben z.B. eine Zeitlang nicht mehr als nötig mit ihm gesprochen - d.h. wirklich nur Sachen wie "Ja", "Nein". Er durfte seinen Freund nicht in ihre Nähe bringen und am Telefon seinen Namen nicht erwähnen.
Er denkt es sei nicht, gesund so zu leben. Freunde und Familie ständig anzulügen.


Das ist es auch nicht. Aber das Coming Out hat meinen Freund noch mehr zerstört. Denn plötzlich war er nirgendwo mehr zu Hause. Er hatte noch Freunde, aber seine Familie... siehe oben.
Ich will dir damit keine Angst machen. Aber ich habe erfahren, dass viele denken, dass es sowas nicht (mehr) geben würde. Aber leider ist das nicht der Fall.

Was ich sagen möchte:
1. Ich finde es völlig legitim, sich nach dem Studium zu outen und erstmal zu gucken, dass man dieses gut über die Bühne bringt.Das "Fuck you" würde ich allerdings auch relativieren - du stehst allerdings auf sichererem Boden, was ein nicht zu unterschätzender Vorteil für die eigene psychische Stabilität ist.

2. Dein Freund hat nicht zu entscheiden, ob du deinen Eltern die Wahrheit sagst oder nicht. Du wirkst auf mich zumindest nicht gefestigt genug, um die möglichen Konsequenzen gut auszuhalten.

3. Ich finde, dass Fernbeziehungen auf Zeit schon funktionieren. Es ist nicht einfach, aber machbar!

4.

Und er soll nich der Bruder vom Schwulen sein.
Ich komme aus einer konservativen Gegend und ich verstehe deine Probleme. Sicher gibt es Menschen denen es gelingt, das zu verdrängen und da "ihren Mann zu stehen", aber ich weiß aus zweiter Hand auch wie es ist, zur Familie der "Komischen" oder "Abnormalen" zu gehören. Menschen sind leider nicht immer so, wie man sie haben will.
Vielleicht wäre es deshalb gut, wirklich weiter weg zu ziehen.

5. Ich finde, dass finanzielle Abhängigkeit vom Partner nichts Schlimmes ist, wenn man darüber spricht. Wenn du dich für ein CO entscheidest und dein Partner dich unterstützen möchte, dann mach dir erstmal keine Sorgen über die Zukunft sondern nimm die Hilfe an.

6. Hast du dir überlegt, erst mal eine Ausbildung zu machen? Du würdest schon verdienen und könntest dir ggf. dein Studium leichter selbst finanzieren.
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren