Wohnung des Freundes - sein Revier?

Benutzer72261 

Verbringt hier viel Zeit
Hallo!
Mein Freund, mit dem ich noch gar nicht lange zusammen bin,
und ich haben uns über Zukunftsperspektiven unterhalten. Die,
logisch betrachtet, so aussehen würde, dass ich mittelfristig bei
ihm einziehen würde, da er eine Eigentumswohnung hat und
ich eine Mietwohnung.

Klingt erstmal gut, aber ich mach mir da so meine Gedanken.
Jetzt ist es so, dass wir mal in seiner, mal in meiner Wohnung sind
oder auch mal jeder für sich in der eigenen. Ein angenehmer
Zustand, aber auf Dauer zu kompliziert und teuer. Nur hat jetzt eben
jeder so was wie sein Revier.

Er macht natürlich bei sich alles so, wie gewohnt, was mich nicht
stört. Sollte ich aber zu ihm ziehen, prallen da manchmal schon Welten
aufeinander, jeder müsste also Kompromisse eingehen.

Nur habe ich die Befürchtung, dass ihm das gerade aus dem Grund
nicht so leicht fallen würde, dass es eben schon lange seine Wohnung ist,
in die ich dazukomme.

Ich hatte bisher immer die Situation, gemeinsam eine Wohnung zu beziehen
und sich von vorneherein etwas Gemeinsames zu schaffen. Das jerzt ist
ungewohnt und ich kann mir grad nicht so recht vorstellen, wie es funktionieren
kann, ohne dass es zu ständigen Reizthemen kommt, und sich beide dauernd
kritisiert fühlen.

Ich habe ihm meine Bedenken schon gesagt, er ist auch bereit, auf ein "unser"
Umzuschwenken. Das ist aber leichter gesagt als getan, und da wir beide
nicht unbedingt Charaktere sind, die leicht viel zurückstecken, bin ich etwas
skeptisch.

Wer hatte die Situation schon mal (auch umgekehrt) und kann mir etwas
für den Umgang damit raten? Wär dankbar.
 
S

Benutzer

Gast
Was spricht dagegen diesen Zustand noch eine Weile zu halten, bis ihr längere Zeit miteinander verbracht habt. Anschließend könnt ihr doch eine gemeinsame Wohnung beziehen. Dein Freund kann die Wohnung doch vermieten oder Gewinn bringend veräußern.
 

Benutzer96776 

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Wo denkst du wären hier die Reibungspunkte?
Ich würde mal in der Praxis austesten wie es wirklich ist und dann weiterschauen :zwinker:
Selbst kann ich meine Erfahrungen leider nicht mit dir teilen weil sie nicht vorhanden sind.
 

Benutzer99399 

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Ich kenne das nur aus meiner damaligen WG. Ich bin in eine fertig eingerichtete Wohnung gezogen, lediglich die Möbel in meinem Zimmer waren wirklich meine.
Meine Mitbewohner sind wirklich locker mit ihrem Eigentum umgegangen und ich durfte alles mitbenutzen und da gab es keine Probleme. Trotzdem habe ich mich eigentlich immer wie ein geduldeter Gast gefühlt, einfach weil es sich angefühlt hat, als ob ich in ihr Revier eingedrungen wäre.
Insofern kann ich deine Bedenken durchaus nachvollziehen.

Bei meinem Freund und mir war es übrigens so, dass er in meine Wohnung dazugezogen ist. Das hat eigentlich reibungslos geklappt, allerdings war schon vorher ein großer Teil der Möbel sein Besitz, den er bei mir zwischengelagert hatte, während er im Ausland war.
Es kann also auch durchaus gut gehen.

An eurer Stelle, würde ich einfach vorher feste Abmachungen treffen. So lange wie ihr noch jeder euer eigenes Reich habt und die Situation entspannt ist, alle Überlegungen noch hypothetisch und damit unbedrohlich (und trotzdem verbindlich) sind.
Sprecht ab, welche Möbel von wem in den gemeinsamen Haushalt übernommen werden, redet über Kleinkram, worauf ihr nicht verzichten wollt, wie ihr euch das Zusammenleben vorstellt, Haushaltsführung... einfach alles wo ihr Konfliktpotential seht.
Damit solltet ihr schon viele Streitpunkte umschiffen können. Und wenn ihr dann zusammen wohnt, müsst ihr euch eben bewusst machen, dass es eine gewollte Entscheidung von euch war und dass man eben zusammen wohnt, was das Schließen von Kompromissen miteinschließt.
 

Benutzer72261 

Verbringt hier viel Zeit
@Sitinjo: Grundsätzlich ist das eine Lösung, an die ich auch schon gedacht habe.
Und wohl auch das Vernünftigste.

Ich merke halt, dass es langsam
etwas nervig wird, zwischen den Wohnungen zu "pendeln" und sich da
manchmal bei uns beiden deshalb Gereiztheit einschleicht. Daher haben wir uns
Gedanken gemacht.

Zunächst wird es wohl aber darauf hinauslaufen, dass ich bei ihn einziehe. Er liebt
seine Wohnung, hat sie sich selbst erarbeitet und sie ist auch recht groß. Auf
Dauer ist er nicht abgeneigt zu was Neuem.
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Also ich würde das wohl nicht machen. Mir wäre das Risiko viel zu groß, im Streit immer zu hören "Das ist meine Wohnung, also bestimme ich". Für diese Konstellation bin ich vielleicht auch zu dominant. :grin: Eine gemeinsame Wohnung ist was anderes, aber ich würde nicht bei meinem Partner unterkriechen wollen.

Wie wäre das überhaupt geregelt? Also welche Rechte hast du dann praktisch in der Wohnung? Du musst ja auch den Sreitfall einkalkulieren und wenn es seine Wohnung ist, sähe es ja wohl so aus, dass er dich auf die STraße setzen würde oder?
Also mir wäre das viel zu heikel.

Pendelei kann nerven, aber mich würde ein Unterschlüpfen bei meinem Partner noch mehr nerven. :zwinker:
 
S

Benutzer

Gast
Nun gut, du könntest ja zu ihm ziehen, obwohl ich es etwas verfrüht finde. Du hast ja geschrieben, das ihr noch nicht so lange zusammen seid. Generell kann man aber vorher alles klären und Abmachungen treffen, in wie weit sein "Reich" verändert wird. Testhalber solltet ihr evtl mal 2-3 Wochen in einer Wohnung verbringen und sehen ob das Miteinander auf Dauer harmoniert. Und irgendwann könnte man ja über ein Haus oder größere ETW nachdenken. Die Voraussetzungen mit einer mehr oder minder bezahlten ETW als Sicherheit sind ja mehr als gut. Zinsen sind momentan ja auch noch verdammt günstig obwohl der Immobillienpreis aufgrund der Nachfrage Jenseits von gut und böse liegt....
 

Benutzer72261 

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@ girl next door: Ja, das mit dem Austesten und schauen ist so eine Sache.
Sind beide (ich bin 32, er etwas älter) in einer Lebensphase, wo wir uns lieber vorher
genau überlegen, wie was klappen könnte. Was ein Scheitern natürlich
trotzdem nicht ausschließt :zwinker:

Reiben kann es sich an vielen kleinen Dingen: Haushaltsführung, Möbel,
Häufigkeit von Freundes-Besuchen, ob und wo geraucht wird etc. Beim
Möbelgeschmack z.B. sind wir unterschiedlich - nur seine Wohnung ist erstens
voll möbliert und zweitens so, dass meine Möbel auch gar nicht dazupassen
würden (hell vs. antik angehaucht).

@tu me manques: Ja, als Gast fühle ich mich auch des Öfteren, vor allem
dann, wenn mir gezeigt wird, wie ich was machen soll oder wo was hingehört.
Eine fixe Ordnung eben, die sich für ihn bewährt hat. Er ist aud jeden Fall bereit,
auch Dinge zu ändern, es ist aber eben mit Anstrengung für mich verbunden,
da ich es durchsetzen muss. Und sich nicht von Grund auf gemeinsam entwickeln
kann. Positiv ist aber, dass das Gast-Gefühl mit der Zeit seltener kommt.

Was du vorschlägst, ist ein guter Weg. Wenn es soweit ist, sollte das Gröbste besprochen
sein, da stimm ich zu. Ob das dann in der Praxis so vernünftig machbar ist, und die Kompromisse
auf beiden Seiten so möglich sind, da wär ich gespannt... Vornehmen kann man es sich ja.
 

Benutzer96776 

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@ girl next door: Ja, das mit dem Austesten und schauen ist so eine Sache.
Sind beide (ich bin 32, er etwas älter) in einer Lebensphase, wo wir uns lieber vorher
genau überlegen, wie was klappen könnte. Was ein Scheitern natürlich
trotzdem nicht ausschließt :zwinker:

Reiben kann es sich an vielen kleinen Dingen: Haushaltsführung, Möbel,
Häufigkeit von Freundes-Besuchen, ob und wo geraucht wird etc. Beim
Möbelgeschmack z.B. sind wir unterschiedlich - nur seine Wohnung ist erstens
voll möbliert und zweitens so, dass meine Möbel auch gar nicht dazupassen
würden (hell vs. antik angehaucht).

Ich verstehe allerdings kann es bei diesen Dingen auch wenn man gemeinsam und zugleich einzieht im Laufe der Zeit genauso Spannungen und Reibungspunkte geben mit Besuchen, Haushaltsführung, Rauchverhalten, etc. Das muss man bedenken.
Gut das mit den Möbeln ist in dem Fall blöd aber wenn man da erstmal ne Lösung hat ist das ja kein Thema, das jetzt ständig zu Streit führt oder?
Und Kompromisse muss man in jeder Beziehung eingehen. Das er nicht zu dominant wird was deine Sorge zu sein scheint kann ich einerseits nachempfinden aber auch hier kann er so ein Verhalten entwickeln wenn ihr in eine komplett neue Wohnung zieht. Das du dich nicht nur nach ihm und seinen Gewohnheiten richtest solltest du halt von Anfang an klarstellen und da wird er doch bestimmt einlenken sonst wärt ihr ja nicht zusammen oder? Dann steht dem Ganzen nichts mehr im Wege :zwinker:
 

Benutzer100759 

Sehr bekannt hier
Wie territorial ist Dein Freund überhaupt?
Wie territorial bist Du überhaupt?

Ich finde sowas hängt ganz stark von den involvierten Charakteren ab.

Kannst Du in einer Wohnung leben, die nach seinem Geschmack eingerichtet ist?
Kann er seine Wohnung von Dir mitausstatten lassen?
Es gibt lauter solche kleine Fragen. Ihr solltet sie euch ehrlich stellen und beantworten. Dann weitersehen.
 

Benutzer72261 

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@Sititojo: Du hattest schon richtig verstanden, wir ziehen in näherer
Zukunft nicht zusammen. Sind aber in einer Beziehungsphase,
wo wir grundsätzlich drüber reden, wie was machbar ist. Wo es halt
"fester" wird.

Deine Überlegungen teile ich. Immobilienpreise sind Wucher, aber
mit einer Grundlage ist vieles machbar. Mal schauen, wie es in ein paar Jahren
ausschaut.

@ Krava: Genau, ich bin da ähnlich. Einen derartigen Satz ("hier bestimme ich")
habe ich auch im Streit noch nie gehört von ihm und er sieht das wohl auch tatsächlich
nicht so. Aber auch kleine Dinge, um die man erst kämpfen muss, können
auf Dauer in Summe zu was Großem werden.

Wie wir das finanziell regeln würden, haben wir nur Grob besprochen. Ich würd
aber natürlich einen (Miet-)Anteil an ihn zahlen.

Dass ich als nicht-Eigentümerin im Extremfall praktisch keine Rechte hätte, stimmt.
Da ich aber einen guten Job habe, würde mich auch eine plötzliche Trennung
wohnungstechnisch nicht umhauen. Ich müsste mir dann halt wieder was zur Miete
suchen, was aber kein Problem wäre.
 

Benutzer72261 

Verbringt hier viel Zeit
@chelle: Gute Fragen, die den Kern treffen. Für mich kann ich
antworten: ziemlich territorial mit Potenzial zu Kompromissen,
WENN auch von der anderen Seite was kommt. Bisher habe ich
das Gefühl, dass da auch was kommt von ihm, es ihm aber ähnlich
wenig leicht fällt wie mir.

Ich brauche ein Mindestmaß an Dingen meines Geschmacks um mich
herum. Bin aber bis zu einem gewissen Grad flexibel, wenn auch meine
Handschrift erkennbar bleibt.

Ja, all das muss vorher auf den Tisch.
 

Benutzer78109 

Sehr bekannt hier
Ich bin auch in die wohnung meines freundes gezogen (hab noch eine eigene, die ich aber gern untervermieten würde). Und anfangs war es für mich auch so, dass quasi alles seins ist. Aber je mehr sachen von mir ich hierher mitgebracht habe und je länger wir hier gemeinsam wohnen, desto mehr sehe ich seine sachen auch als meine. Klar ist es letztendlich seins, aber irgendwie stört mich das nicht. Sollten wir uns trennen, habe ich ja immer noch meine eigenen möbel und wohnung.
Anfangs war mein freund auch skeptisch und wollte nicht so recht, dass ich hier so viele frauensachen habe, aber inzwischen hat er für u s beide einen kleiderschrank gekauft und für mich ein regal :smile:
Ich denke, ihr solltet es probieren. Vermiete deine wohnung doch erstmal unter, als probezeit sozusagen. Vielleicht klappt ja alles richtig gut. Man ist ja noch jung und formbar :smile:
 
1 Monat(e) später

Benutzer72261 

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Ich habe hier viele gute Antworten bekommen und kann nun sagen, dass ich alle meine Bedenken auf den Tisch gebracht habe. Er hat das voll verstanden und zeigt großen Änderungswillen. Er hat seine Wohnung neu ausmalen lassen, den ganzen Mief ausgeräumt und entrümpelt. Alles in Absprache mit mir. Eine neue Küche kommt, die wir gemeinsam aussuchen und sollte ich dann mal einziehen, werd ich einen großen Teil meiner Möbel mitnehmen können, da er viel Platz hat, viel Zeugs ausgeräumt hat und wir ganz gut und stilvoll kombinieren können. Alles in allem bin ich erleichtert, es schon früh angesprochen zu haben und danke für eure Anregungen!
 

Benutzer120681  (29)

Öfters im Forum
Ich bin vor 1,5 Jahren auch zu meinem Freund gezogen und hatte die gleichen Bedenken wie du.
Die haben sich dann jedoch schnell in Luft aufgelöst. Inneralb weniger Monate wurde aus "meins" und "deins" ein "unser".
Er hats mir aber relativ leicht gemacht und mir viele Entscheidungen überlassen, mir nicht reingeredet wenn ich was umdekoriert habe oder so. So wurde quasi aus der zusammengewürfelten Junggesellenbude eine gemütliche kleine Familienwohnung mit vielen neuen Möbeln. Er findet es gut, dass wir uns jetzt quasi "unser Reich" geschaffen haben.
 
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