Trennung verarbeiten Wie lange trauert ihr in der Regel nach einer Trennung?

Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • #1
Ich habe da ja lange die These vertreten, dass man so lange trauert, wie die Beziehung dauerte, und das stimmte bei mir auch meist ungefähr (und meiner Beobachtung nach oft auch bei anderen). Einmal war es kürzer, vielleicht weil schon lange feststand, dass es irgendwann zu Ende ist (wegen Umzug nach ganz weit weg) und einmal länger, da endete es mehr als dramatisch, ja verstörend für mich (Stalking, Suiziddrohungen).
Jetzt fällt mir allerdings auf, dass ich in einem Fall dann ja noch fast 18 Jahre vor mir habe. Das beunruhigt mich schon etwas. Weiß ich natürlich noch nicht, aber anders als in anderen Fällen ist die Trauer manchmal schon noch sehr stark.

Wie lange trauert ihr in der Regel nach einer Trennung?
 
Mirella
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  • #2
Für mich bräuchte ich das tatsächlich etwas genauer: was ist für dich trauern?
Ich muss Menschen nicht (mehr) hinterhertrauern um zu wissen, dass ich noch nicht bereit bin, mich auf was Neues einzulassen. Und das kann bei mir echt lange dauern.
 
Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #3
Für mich bräuchte ich das tatsächlich etwas genauer: was ist für dich trauern?
Ich muss Menschen nicht (mehr) hinterhertrauern um zu wissen, dass ich noch nicht bereit bin, mich auf was Neues einzulassen. Und das kann bei mir echt lange dauern.
Die Person, was sie und die Beziehung ausmachte und die Zeit mit ihr intensiv vermissen.
Das letzte, das Du schreibst, ist auch interessant, kann ja auch umgekehrt sein.
 
Katzenauge123
Benutzer202690  (41) Verbringt hier viel Zeit
  • #4
Ich war 18 Jahre mit meinem Ex-Mann zusammen.
Die letzten beide Ehejahre hat es stark gekriselt.
Er verliebte sich am Ende fremd, hatte auch was mit der Dame, was es mir vereinfachte dann einen Schlussstrich zu ziehen.
Es war sehr schmerzhaft.
Nach 9 Monaten begann ich mich so langsam wieder für das andere Geschlecht zu interessieren.

Nun war ich mit meinem letzten Partner 4 Jahre zusammen - leider hat es sich nie nach einer richtigen Partnerschaft angefühlt, mehr nach einer guten Freundschaft.
Gefühle einseitig und das Begehren und mehr wollen.
Nun versuchen wir es auch als Freundschaft laufen zu lassen.
Wie lange ich diesmal zum "Entlieben" brauche, kann ich noch nicht sagen.
Er hat mir nicht absichtlich weh getan, was es nicht einfacher macht.
Ich begehre und liebe ihn noch, gehe aber an seiner Seite als Partnerin kaputt.

Ich denke also, dass es sehr unterschiedlich sein kann - und je nachdem auch, was es für Gründe der Trennung gab.
 
G
Benutzer Gast
  • #5
Kommt drauf an, wer die Beziehung beendet hat und wie sehr ich geliebt habe.

Bis auf einmal habe ich immer Schluss gemacht. Da war ich zwar traurig, habe aber nicht getrauert.

Als ich verlassen wurde, würde ich sagen, so 3 Monate.

Grundsätzlich hab ich mir aber immer 2 Jahre Zeit gelassen, bis ich mich auf was
Neues eingelassen habe.

Ich hab aber auch ein sehr sonniges Gemüt und neige überhaupt nicht zur Melancholie. Geht eine Tür zu, geht irgendwo eine andere auf.

Schicksalsschläge ausgenommen.
 
Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #6
Kommt drauf an, wer die Beziehung beendet hat und wie sehr ich geliebt habe.
Bis auf einmal habe ich immer Schluss gemacht. Da war ich zwar traurig, habe aber nicht getrauert.
Das ist interessant!
Bei mir hat meist nicht eine Person einseitig die Beziehung beendet. Aber wenn es so war (zuletzt), war (ist) es umgekehrt bei mir.
 
G
Benutzer Gast
  • #7
Ich halte von der "Regel", solange wie die Beziehung gedauert hat... nichts. Das ist doch immer unterschiedlich. Je nachdem, was vorgefallen ist, wie der Ablauf war, wer geht usw.
Ich würde auch unterscheiden, zwischen getrauert und bedauert. Es gab eine Beziehung, da habe ich, obwohl ich beendete, es trotzdem sehr bedauert. Aber nicht getrauert. Da es so sein musste, weil es für mich anders nicht ging.
 
G
Benutzer Gast
  • #8
Das ist interessant!
Bei mir hat meist nicht eine Person einseitig die Beziehung beendet. Aber wenn es so war (zuletzt), war (ist) es umgekehrt bei mir.
Hast du bedauert, dass es nicht geklappt hat, und einer vergebenen Chance hinterher getrauert?
 
G
Benutzer Gast
  • #9
meine standardantwortauf die frage lautet: 84 tage.

hab ich aus dem lied junimond von rio reiser: "2000 stunden hab ich gewartet ..."

da ist insofern was dran, weil dann die oxytozinantwort auf die vertraute person ausschleicht. vorausgesetzt, man verneidet begegnungen, die wieder alles aufwühlen.

daher ist das auch ne faustformel im todesfall.

aber das betrifft nur das entlieben.

abgesehen von der chemie der hormone.

... in manchem falle, wenn das ende der bindung unbegreiflich bleibt, bleibt das bedauern.

das kann noch lange gehen.
auch ein leben lang...
 
Caelyn
Benutzer87573  (38) Sehr bekannt hier
  • #10
Meine letzte Beziehung wurde eher ausgeschlichen als zu einem
konkreten Zeitpunkt beendet. Ich würde sagen es hat vielleicht so 1 Jahr und 3-4 Monate gedauert, bis ich soweit darüber hinweg war, mich bereit für etwas Neues zu fühlen.

Ich weiß nicht, ob es kürzer gedauert hätte, wenn gleich ein harter Cut gemacht worden wäre.

Ich denke länger als das habe ich noch nie gebraucht, die Beziehung war mit knapp 10 Jahren aber auch meine bisher längste.
 
Armorika
Benutzer172677  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #11
Ich hatte da auch nie einen Zusammenhang mit der Beziehungsdauer.
Ich bin aus einer langen Beziehung raus und habe nach der Trennung fast gar nicht getrauert, einer anderen, viel kürzeren Beziehung trauere ich noch heute auf eine sehr spezielle Art hinterher 🤷‍♀️

Ist für mich eher eine Frage der Gefühle für denjenigen und warum es auseinandereingeht.
 
Anna1309
Benutzer166007  Sehr bekannt hier
  • #12
Das hat für mein Verständnis wenig mit der Dauer einer Beziehung zu tun, sondern mit der Intensität der eigenen Gefühle, wie man auseinandergegangen ist und ob es da noch ungenutztes Potenzial gab. Du kannst ja auch in einer langen Beziehung bereits anfangen mit dem Verarbeitungsprozess und dich erst trennen, wenn der durch ist. Dann bist du relativ schnell wieder ready für die nächste Beziehung, weil du alles ausgeschöpft hast und die Beziehung einfach an ihr natürliches Ende gekommen ist.


Nach 13 Jahren Beziehung habe ich so ca. 1 Jahr gebraucht, bis das Gröbste durch war. Heute spielt die Beziehung gar keine relevante Rolle mehr für mich. Aber die Trennung hat sich eben auch ein gutes Jahr vorher schon abgezeichnet, so dass sie nicht wirklich überraschend kam, zumindest für mich.

Auf der anderen Seite habe ich durchaus länger zu knabbern gehabt an Beziehungen, die viel kürzer gingen, weil das aus dem Affekt heraus passierte und es da noch viel gab, was nicht gelebt werden konnte.

Nothing beats the fantasy...
 
MoniBonboni
Benutzer223196  Meistens hier zu finden
  • #13
Ich halte von der "Regel", solange wie die Beziehung gedauert hat... nichts. Das ist doch immer unterschiedlich. Je nachdem, was vorgefallen ist, wie der Ablauf war, wer geht usw.
Ich würde auch unterscheiden, zwischen getrauert und bedauert. Es gab eine Beziehung, da habe ich, obwohl ich beendete, es trotzdem sehr bedauert. Aber nicht getrauert. Da es so sein musste, weil es für mich anders nicht ging.
Amen to that.

Nach Ende meiner langjährigen Ehe habe ich nicht getrauert (die Vorstellung nach Niks These ist grauenhaft, da hätte ich Liebeskummer 10+ Jahre🤯🫣), nach letzter Beziehung die 1 Jahr ging und ich so geliebt habe wie noch nie zuvor, hatte ich monatelang Liebeskummer.
Es kommt darauf an auf wie vielen Ebenen man mit einander verbunden war und manchmal schmerzt eine kürzere Beziehung tausend Mal mehr als eine längere es es tun wird.
Trauer wäre für mich = wie lange ich diese Person schmerzlichst vermisse und alle andere Männer mit der vergleiche.
Bedauern kann schon länger gehen, schmerzt aber nicht mehr.
 
MoniBonboni
Benutzer223196  Meistens hier zu finden
  • #14
meine standardantwortauf die frage lautet: 84 tage.

hab ich aus dem lied junimond von rio reiser: "2000 stunden hab ich gewartet ..."

da ist insofern was dran, weil dann die oxytozinantwort auf die vertraute person ausschleicht. vorausgesetzt, man verneidet begegnungen, die wieder alles aufwühlen.

.
auch ein leben lang...
Dauert es wirklich 84 Tage bis man Oxytozin nicht mehr produziert?😳
Nach dem Sex ist höchstens wenige Tage noch was da, vorausgesetzt man hat sich nach dem Sex nicht mehr gesehen. Hast du hierfür weitere Quellen?
 
Maifeld
Benutzer155728  Beiträge füllen Bücher
  • #15
Ich hatte immer Abstände zwischen meinen Beziehungen, weil ich Zeit für mich brauchte und wollte. Aber diese beschriebene Trauer kenne ich nicht. Meine Trennungen waren immer am Ende eines Prozesses und damit "nur" der logische Abschluss.

Aber ich bin vom Typus eh eher jemand, der in Abschlüssen (egal wo) die aufregende Chance auf Neues sieht.
 
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MoniBonboni
Benutzer223196  Meistens hier zu finden
  • #27
Ich hoffe ja auch, dass das anders ist. Vielleicht bin ich ja gerade dabei, genau daran zu arbeiten.
Das mit der Trennung nach langer Beziehung sehe ich trotzdem nicht so, weil ein rein negativer Grund für mich keiner für eine Beziehung sein kann. Aber natürlich hab ich drei Jahre mit der Trennung gehadert (also vor ihr), weil mir klar war, dass es schwierig wird danach und lange dauern wird (dass es derart schwierig wird, habe ich dennoch nicht gedacht, zum Glück, das hätte es nicht einfacher gemacht).
Was ist oder war schwierig?
Vermisst du etwas bestimmtes? Rituale? Orte? Sex? Reisen? Alltag?
Woran erkennst du, dass es schwierig ist?

Ich denke nach wie vor, dass es hier keine Regeln gibt was wie lange dauert.
Und das man aus früheren Erfahrungen nicht auf die Zukunft hier schließen kann.

Bei mir kommt es auf den Trennungsgrund und die Umstände an: haben wir uns auseinander gelebt?
Hat ihn die Arbeit 10.000 km weiter verschlagen. Ist es die ekelhafte Scheidung in der er steckt und die er alleine für sich klären muss?
Oder ist es die plötzliche Eiversucht und Kontrollzwang was alles schöne beschattet?
Wenn es die Arbeit oder Umstände sind für die wir nichts können, dann habe ich massiv gelitten.
Wenn sich aber der Partner in einen Arschloch entwickelt, dann ist der Trennungsschmerz gering.

Auch dann vermisse ich die Zweisamkeit, Stimme, Nähe, aber erinnere mich bewusst, warum wir uns getrennt haben und das das so seine Richtigkeit hat.
 
G
Benutzer Gast
  • #66
Sind denn auch Ursachen dafür belegt?
Es gibt Vermutungen (denn eine Korrelation ist ja noch lange keine Kausalität), und unter den vermuteten Gründen sind hauptsächlich, dass Frauen häufig viel mehr in eine Beziehung investieren als Männer (Haushaltsführung, Kindererziehung, Carearbeit, Mindload...) und sie daher in einer Beziehung sehr viel mehr Stress haben als Männer, was in der Folge zu einer sinkenden Libido und einem Gefühlsverlust für den Partner führt. Und in dem Moment, in dem der Partner einfach nur noch als zusätzlicher Stressfaktor wahrgenommen wird und nicht als Hilfe, ist es halt vorbei :tentakel:
 
Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #83
Irgendwie kommt du von dieser Idee gar nicht weg. Hattest du dann in deinem Umfeld verzögerte oder nicht vollbrachte Scheidungen aus dem Beweggrund? Diese Annahme lässt dich nicht los…
Du willst die Dramen und miesen Winkelzüge (meist der Männer) gar nicht wissen.
Klar, das ist eine Hypothese. Aber die Einkommensungleichverteilung, die rechtlichen Bedingungen und (teils) ökonomische Prekarität lassen mich das Zögern der betreffenden Frauen schon gut verstehen.
Mehr als 40% alleinerziehender Frauen sind arm. Auch Scheidung ist besonders für Frauen ein Armutsrisiko.
Manche finden mit Glück eine Einzimmerwohnung für sich und ihre Kinder und überarbeiten sich bis zum Zusammenbruch, um das zu ändern. Oder, in den höheren Klassen, der Mann prozessiert jahrelang mit guten Anwälten und am Ende bekommt sie - berufstätig und hauptverantwortlich für die Kinder - vom gemeinsamen Besitz so gut wie nichts.
 
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Duracellhäschen
Benutzer211462  Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #101
Wenn es die Arbeit oder Umstände sind für die wir nichts können, dann habe ich massiv gelitten.
Ich merke gerade, dass ich daran auch lange geknabbert habe. Solange ich dachte, es wären seine Arbeitsumstände, die uns eine glückliche Beziehung verwehren, habe ich gelitten und gekämpft. In dem Moment, in dem ich verstanden habe, dass er diese Arbeitsumstände bewusst herbeiführt, war für mich ein großer emotionaler Bruch da.
ich versteh rein emotional nur den Akt der Spaltung nicht so ganz, also wie man trauern im Sinne von 'sich lösen' kann, wenn man praktisch in der alltäglichen Realität das Gegenteil tut.
Ich finde das sogar ganz natürlich. Ich hab jede meiner Beziehungen beendet, bin jedes Mal mit Freude gegangen und hab vorher schon getrauert. Das hat viel mit enttäuschten Erwartungen zu tun. Ich hatte gewisse Erwartungen an das Miteinander. Dass wir guten Sex haben. Dass wir eine gute Zeit miteinander haben. Dass wir miteinander lachen können. Dass wir mit Freude gemeinsame Hobbys ausüben.
Und jedes einzelne Mal, wenn eine dieser Erwartungen von ihm nicht erfüllt wurde, war ich traurig. Irgendwann hab ich mich in der Beziehung einsam gefühlt.
Und spätestens als ich begriffen hab, dass er es sehr wohl anders machen könnte, aber ich und die Beziehung ihm nicht wichtig genug sind, spätestens da hatte ich innerlich den Bruch und hab mich gedanklich damit beschäftigt, wie ich mich denn in einem Leben ohne ihn fühlen würde.
Ich selbst trauere gelegentlich um ungenutzte Potentiale, aber eher um die Person selbst und die gemeinsame Welt, die wir erschaffen haben.
Ich war so lange in der Beziehung und hab so lange dafür gekämpft, dass ich sicher weiß, dass da keine ungenutzten Potentiale waren.
Ich hab sogar für mich festgestellt, dass es ordentlich toxisch ist, wenn ich mit einem Potential anstatt dem realen Menschen zusammen bin. Wenn ich das Potenzial im Hinterkopf habe, ignoriere ich ja ein Stück weit die Realität, die wir uns gestaltet haben. Potentiale, die nicht irgendwann auch gelebt werden, sind aus meiner Sicht nicht real sondern bloß eingebildet. Und halten einen lange in einer Situation, die in der Realität längst schon aussichtlos ist.

Was die gemeinsame Welt angeht: ich hab mir immer das rausgezogen und mitgenommen, was mir gut gefiel. Wenn ich ein Hobby z. B. gern mochte, hab ich das danach einfach weiter betrieben.
MoniBonboni MoniBonboni vertritt die These, Frauen seien mutiger, weil sie sich auch ohne neue Partnerschaft in Aussicht trennten.
Anna1309 Anna1309 sagt, sie zögerten Trennungen auch noch hinaus, wenn sie längst mit der Beziehung abgeschlossen hätten, seien also feiger.
Bin gespannt, ob es eine Lösung dieses Widerspruchs gibt!
Das kein Widerspruch sondern es sind einfach zwei Schritte in einem Prozess, die logisch aufeinander folgen.
Ich bin da ganz bei Maifeld Maifeld , ich hab Männer auch schon als verdammt bequem (und darin durchaus auch als ignorant und egoistisch) kennengelernt.
Wie oben beschrieben hatte ich in der Beziehung einen längeren Prozess, in dem ich Stück für Stück alle Hoffnung aufgegeben habe, in dieser Beziehung glücklich zu werden. Am Schluss meiner letzten Beziehung hat mich von der Trennung vor allem der Aufwand abgehalten, den gemeinsamen Haushalt aufzulösen. Irgendwann war ich aber dann so weit, das mal zu durchdenken, festzustellen dass das gar nicht so wild ist, und dann war die finale Trennung meinerseits nur noch ein logischer Schritt.

Ich hab in der Beziehung um all die enttäuschten Hoffnungen getrauert. Aber bei jeder Trennung konnte ich den Mensch am Schluss nur noch sehr bedingt leiden, da war auch immer Frust und Wut dabei. Das macht es leichter.
Und die Ansicht, Verliebtheit sei ein guter Grund für Selbstausbeutung finde ich ja schon so wild, dass ich die Göttin um Hirn bat.
Na, du hast doch selbst schon festgestellt dass gewisse Rollen sozialisiert sind. Verliebtheit ist wissenschaftlich gesehen ähnlich wie unter Drogen zu sein. Da denkt man anders, hoffnungsvoller, euphorischer. Sonst würden viele Beziehungen wohl nicht zustande kommen. Und beides zusammen, Verliebtheit und diese gelernte Rolle, in der frau sich ja auch sicher und kompetent fühlt, führt halt oft dazu, dass man da eher ungewollt rein rutscht. Es ist halt auch unglaublich kräftezehrend, ständig aufs Neue mehr Unterstützung einzufordern. Und selbst Paare, die vor dem ersten Kind sehr gleichberechtigt waren, rutschen beide ungewollt in diese alten Rollen rein. Vielleicht unterschätzt du, was für eine massive Kraftanstrengung es ist, erlernte Muster zu ändern.
Und dann muss man sagen, dass zumindest mein Ex ein Profi darin war, mir über Jahre zu erzählen dass es a nicht so schlimm sei und b bald besser werden würde. Ich würde wetten, das Schema gibt es in ganz vielen Beziehungen. Ich habe lange gebraucht, bis ich ihm nicht mehr geglaubt habe, sondern mehr auf seine Taten als auf seine Worte geachtet habe.
 
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Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
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  • #213
So, ich geb nochmal ein Update, weil ich nicht weiß, wo ich das sonst schreiben soll. Und heute Post-Partyrauschmäßig (wahrscheinlich klug, dass ich schweren Herzens die heutige Sexparty gecancelt habe, das Kater- und Bluesrisiko war mir zu hoch) eh momenthaft leicht Stulle im Kopf bin.
Der Zustand der Trauer, fast täglich, und manchmal, besonders nachts, der Einsamkeit, ist unverändert. Jetzt gibt es mehrere mögliche Deutungen und des Umgangs: 1.) Freund:innen: Das braucht seine Zeit. 2,5 Jahre sind nichts. Man muss dem Patienten seine Zeit lassen (Freud). 2.) Andere beobachtend: Aber viele (Bekannte, Ex-Partnerin, Leute auf PL...) haben doch auch wieder wen. Ist Trauer nicht leichter mit süßem Getechtel und Gevögel? 3.) Selbst: Gut, dass ich wenigstens mal lerne, dass man auch ohne Sex relativ befriedigt sein kann. Und emotional ruhiger werde ohne Techtelmechtel. 4.) Auch selbst: Aber wenn das jetzt jahrzehntelang so weitergeht? Ich bin nicht mehr 20 und sterben kann man jeden Tag.
 
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Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #217
Ja.Aber durch Das 'ich will doch aber'...grade noch mehr. Oder warum der Post?
Weil es schon lange andauert mit der Trauer.
Etwas anderes wollte ich lange schon und früher noch mehr.
Was denn? Das wirkliche,sich selbst betrauern? Oder das OD für eine Zeit ruhen lassen?
Letzteres, seit Frühjahr zumindest ganz. Mich selbst betrauern würde ich nicht sagen, eher um sie oder es trauern.
Das sind doch gute Ablenkungen.
Durchaus. Leider trauere ich manchmal mehr, wenn mein Sohn bei mir ist. Ich weiß nicht genau warum. Er ist halt unser Kind und ähnelt ihr ein bisschen. Das ist dann mitunter anstrengend, weil er mich meist als positiv gestimmt erlebt und ich mir die Trauer nicht anmerken lassen möchte. Er hat sich gerade mit der Trennung ganz gut abgefunden und das würde ihm glaub ich emotional nicht guttun.
Solange es Dir auch wirklich gut tut!
Weiß man halt vorher nicht immer.
Und es ist die einzige Option auf Körperkontakt/Sex.
Kenne ich von mir selbst, leider auch.
Und wie gehst Du damit um?
Das muss ja auch nicht Deine Stärke sein.
Nur zu wenig emotional, von einem in Echt zeigen,zeigt auch einem selbst ein Trugbild oder vielleicht besser ausgedrückt; So muss man eventuell immer mehr "nacharbeiten"/schauspielern und man kommt immer mehr in ein Tief.
Genau. Aber nicht schauspielern ist auch keine Lösung, damit kann man auch immer tiefer sinken. Und es geht ja auch nicht nur um mich, s.o.
 
D
Benutzer186405  (55) Beiträge füllen Bücher
  • #223
Ja leider, dabei ist ein Deutscher doch ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie zu glauben (Adorno)
Ein kleines bisschen glaubst du die Lüge ja auch.
(Abgesehen davon, dass ich das für eine steile These halte mit Blick auf Politik, Wirtschaft, usw.)


Die Frage ist vielleicht eher: WAS und WIE genau ist dein Inneres? Möchtest du dein Inneres zeigen? Wem und wie?

Übrigens glaube ich, dass dein Sohn sehr klug ist und auch ziemlich feine Antennen besitzt und er ist auch nicht mehr drei. GERADE, weil er selbst kämpft mit Depressionen u.ä. halte ich ein wohl dosiertes und wohltemperiertes Maß(!) an Ehrlichkeit für wichtig. Auf einmal ist der Kulturschock sonst irgendwann auch irre groß (so ging es meinen Kindern), außerdem fällt es ihm sonst auch schwerer für dich beizeiten Verständnis zu haben und last but not least wird er sich einfacher tun dir gegenüber komplett ehrlich zu sein über seinen Gemütszustand, was ja auch wichtig ist. Ja, ich weiß, er ist schon extrem offen und ehrlich, waren meine auch immer und ich dachte, das wäre das große Ganze, aber dann waren da doch noch die Tresterreste unten im Faß, die auch erst von mir Ehrlichkeit brauchten um ans Tageslicht gehoben zu werden.
 
D
Benutzer186405  (55) Beiträge füllen Bücher
  • #225
Schon. Das mache ich auch, nur zu wenig, weil die entsprechenden Leute und Sitiuationen dazu verfügbar sein müssen. Und ich neige dazu, mir die schmerzvolleren Seiten nicht mal selbst so genau zu zeigen.
Sind für mich zu elementareren Überlegungen geworden.
Bin ich so geworden, dass man mein Inneres so gar nicht bemerkt, weil das Dunkle ja doch niemand sehen möchte? Oder sind vielleicht einfach doch nur die anderen blind? Kann man nicht einfach auch lustig sein und trotzdem traurig? Machen doch Komiker ihr Leben lang? Ist es eine Mischung aus allem? Ist es wichtig/egal? Ich habe auch Antworten gefunden, aber sie werfen sehr viele neue Fragen auf. Aber oft kommt ja wirklich nichts spannendes in der Glotze und eine Unterhaltung mit mir selbst ist doch noch das Spannendste.


Ich finde da nur nicht immer die wohltemperierten Worte.
Ist ja auch extrem schwer! Natürlich muss der Kurze weiterhin seinen sicheren Hafen haben. Es ist jetzt gerade nicht akut, wird es vielleicht auch nie wieder, aber, z.B. wäre ein Ansatzpunkt gewesen, wenn er etwas erzählt über seine Depressionen zu sagen: weißt du, ich glaube, ich kenne deine Gefühle auch, ich habe die manchmal auch und dann sehen was sich für ein Gespräch entwickelt.
Wie sah das denn bei Dir aus?
Und was war der Kulturschock?
Ich bin mir nicht sicher was du genau mit deinen Nachfragen wissen möchtest. Im Grunde erschien es mir dann nur einfach nicht mehr richtig irgendwelche Psychiater/Psychologentermine auf irgendwas anderes zu schieben, sie sind ja auch erwachsen, können Medikamentennamen lesen usw. Das war einfach zu spät. Letztlich hat es auch zu Diagnosen bei ihnen geführt und das hätte ich alles früher haben können (da meine ich jetzt die Neurodivergenz, natürlich war es schwer für mich Dinge als abnorm zu erkennen, wenn ich sie selbst bei mir als normal empfinde). Über MEINE Probleme zu sprechen, hat letztlich doch auch noch mehr Erkenntnisse über den Nachwuchs erbracht. Ist allerdings auch oft harter Tobak, man wünscht seinen Kindern ja das Beste und es ist natürlich hart, schlimme Gedanken von ihnen zu hören.
 
Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #226
Aber oft kommt ja wirklich nichts spannendes in der Glotze und eine Unterhaltung mit mir selbst ist doch noch das Spannendste.
Wie wahr. Ich erzähl mir allerdings manchmal auch Mist. Aber ja, ich hab schon auch Antworten. Eine ist, dass der Depressionsfaktor bis hin zum Suizidären in meiner Herkunftsfamilie einfach derart massiv ist, dass ich mir schon in meiner ersten Therapie vor 30 Jahren sozusagen unter fachkundiger Anleitung das Gegenteil auf die Fahnen geschrieben habe. Vorteil: Es kam bei mir nie wieder und anders als sozusagen alle anderen Familienmitglieder hatte ich ein niemals langweiliges oder deprimiertes Leben, ich hab mich fast auf jeden Tag gefreut. Nachteil: Es gibt dabei auch einen Anteil bewusster Verdrängung und mangelnder Trauerkompetenz.
Ist ja auch extrem schwer! Natürlich muss der Kurze weiterhin seinen sicheren Hafen haben. Es ist jetzt gerade nicht akut, wird es vielleicht auch nie wieder, aber, z.B. wäre ein Ansatzpunkt gewesen, wenn er etwas erzählt über seine Depressionen zu sagen: weißt du, ich glaube, ich kenne deine Gefühle auch, ich habe die manchmal auch und dann sehen was sich für ein Gespräch entwickelt.
Das stimmt absolut (und was Du weiter unten schreibst ist genau, was mich interessiert hat, danke). Ich rede ja auch mit ihm. Eher über seine Gefühle, aber Du hast recht, man kann das verbinden.
Depression ist bei ihm wie gesagt nicht diagnostiziert und es würde mich auch wundern. Er ist ja insgesamt deutlich fröhlicheren Gemüts als ich, bei mir hat das einiges an Positive Thinking mit einem Touch versteckter Schwere.
 
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Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #242
Ich gebe nach längerer Zeit zu Protokoll, dass meine Theorie, man trauere im Normalfall so lang, wie die Beziehung dauerte, bislang nicht widerlegt wurde. Dann hätte ich noch fast 17 Jahre.
Ich weiß nicht, was es zur weiteren Klärung dieser Frage braucht, mache mal ein paar erste Vorschläge und hoffe, ich träume dann die richtige, oder jemand aus dem Forum wird sie mir verraten.
a) Einen neuen Thread (Nachteil: Bedeutet nicht notwendig neuen Inhalt.)
b) Zeit (Nachteil: Ist bekannt, die Frage war ja, wie viel.)
c) Arabische Medizin (Nachteil: Muss man finden und muss von exzellenter Qualität sein.)
d) Ein surreales Mehreck, in das man sich verwandelt (Nachteil: Kann man sich bei Bedarf zurückverwandeln?)
e) Eine astrologisch exakt berechnete Sternenkonstellation (Nachteil: Die Erde eiert.)
f) Nächtelang in Bars sitzen und Unsinn reden (Nachteil: Kann die Gesundheit schädigen oder zur zweiten Natur werden, was dasselbe ist.)
y) Sich an dem freuen, das bleibt (https://www.poetryfoundation.org/poems/1585814/but-not-forgotten)
 
A
Benutzer191142  Öfter im Forum
  • #250
Kann man die Reihenfolge auch ändern?
Ausprobieren :zwinker:
Hab ich ja alles schon gemacht, ohne und mit Alkohol, arabische Methode u.a. in Absturzkaschemme mit fremdsprachigen Poems inklusive. Hat schon gezogen. Mittelfristig allerdings eher herunter. Und das Problem, um das es in diesem Thread geht, nicht gelöst.
Kann es sein, dass du immer wieder daran festhältst und somit das Thema immer wieder frisch bzw. aufwärmst?
Oder vielleicht sind die Erwartungen einfach zu hoch, dass es irgendwie besser werden muss bzw. irgendwann erträglicher?
Was hast du denn gewonnen, wenn du immer (mal) wieder an diesem Thema festhängst?

Wie machst Du das denn?
hm... puh... das ist eine gute Frage 🤔
Ich versuche es mal:

Über die Jahre habe ich akzeptiert, dass Menschen kommen und gehen. Bei denjenigen, die mir nahe standen, ist der Verlust natürlich besonders schmerzhaft. Bei Liebeskummer noch mal ein wenig mehr.

Ist eine Beziehung auseinander gegangen, reflektiere ich, schreibe Gedanken und Gefühle auf. Lasse alles zu. Nehme alle Gefühle an.
Liegt es länger zurück, dann begrenze ich diese Gefühle zeitlich, also ich lasse sie nur z.B. 20 Minuten zu. Dann lenke ich mich ab. Denn ich will mich nicht ausbremsen lassen von einem Menschen, der sich nicht mehr für mich interessiert. Ich meine, warum sollte ich demjenigen meine Lebenszeit und -Energie schenken?!
Ablenkung finde ich meist in Aktivitäten (Sport, Freunde, Alleine), ein wenig Veränderung und Reaktivierung von Hobbys, die zu kurz gekommen waren. Vermutlich erfinde ich mich dadurch ein wenig neu.
Ich mag "Kalendersprüche", habe da nen paar :engel: Sie geben mir Halt, Trost, Kraft und Zuversicht, wenn andere Dinge nicht klappen oder es eben kaum zum aushalten ist.

Und ja, Zeit lässt die Wunden verblassen, solange man es auch zulässt.
 
G
Benutzer Gast
  • #251
Nach Trennungen, die ich nicht selbst angestoßen oder zumindest erwartet habe, heule ich wie ein Schlosshund und lasse dem ganzen Elend so richtig freien Lauf. Ich heule, höre traurige Musik, mache lange Spaziergänge, schreibe Briefe und kaue guten Freunden ein Ohr ab.

Da ich aber bislang in den allermeisten Fällen selbst als "passiver" Trennungspart nicht ganz ahnungslos war und spürte, dass eben nicht alles gut war, kam ich immer relativ schnell innerhalb 1 bis 2 Monaten an den Punkt, es akzeptieren zu können und wieder nach vorne zu schauen.

Es hilft, sich klarzumachen, dass es nicht, wie in Liebesromanzen so gerne dargestellt, genau einen Menschen gibt, auf den man sein Leben lang gewartet hat. Man spricht nicht ohne Grund manchmal von Lebensabschnittsgefährten, und mit dem Ende einer Beziehung endet ein Lebensabschnitt. Wenn ein Abschnitt endet, versuche ich mir vor Augen zu halten, dass damit ja gleichzeitig ein neuer beginnt, und ich freue mich dann richtiggehend darauf, was wohl der neue Abschnitt mir bringen wird.

Ich bin da wirklich so gestrickt, dass ich an Dinge nen Haken mache, die nicht zu ändern sind, und Ex-Beziehungen gehören zumindest dann eindeutig dazu, wenn es nicht nur an einem singulären Problem liegt, welches man vielleicht noch lösen könnte.
 
Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #252
Kann es sein, dass du immer wieder daran festhältst und somit das Thema immer wieder frisch bzw. aufwärmst?
Oder vielleicht sind die Erwartungen einfach zu hoch, dass es irgendwie besser werden muss bzw. irgendwann erträglicher?
Was hast du denn gewonnen, wenn du immer (mal) wieder an diesem Thema festhängst?
Es hängt wohl immer mal wieder an mir fest wie Scheisse. Mit Freud: Man muss dem Patienten seine Zeit lassen. Es arbeitet in ihm.
Das liegt ja nicht in meiner Hand. Ich leb ja mein Leben die ganze zeit weiter. Und dann werd ich wieder eingeholt.
Ist eine Beziehung auseinander gegangen, reflektiere ich, schreibe Gedanken und Gefühle auf. Lasse alles zu. Nehme alle Gefühle an.
Liegt es länger zurück, dann begrenze ich diese Gefühle zeitlich, also ich lasse sie nur z.B. 20 Minuten zu.
Das finde ich eine gute Idee.
 
Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #253
Nach Trennungen, die ich nicht selbst angestoßen oder zumindest erwartet habe, heule ich wie ein Schlosshund und lasse dem ganzen Elend so richtig freien Lauf.
Bei mir sind die jetzigen, die ich selbst durchziehen musste, schlimmer.
Der erste Schub dauerte ein gutes halbes Jahr. Danach hab ich nach vorne zu blicken versucht. Von da an lief vieles im Leben nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte.
Jetzt sind die Trennungen bald drei Jahre her. Die immer wiederkehrende Trauer ist geblieben .
Es hilft, sich klarzumachen, dass es nicht, wie in Liebesromanzen so gerne dargestellt, genau einen Menschen gibt, auf den man sein Leben lang gewartet hat. Man spricht nicht ohne Grund manchmal von Lebensabschnittsgefährten, und mit dem Ende einer Beziehung endet ein Lebensabschnitt.
Ich würde das zwar niemals propagieren, und teile das mit den Lebensabschnitten sogar. Meine Erfahrung sagt aber, dass es tatsächlich nur singuläre Passungen gibt. Nicht unbedingt zu einer einzigen Person, aber zu sehr wenigen einzigen.
 
A
Benutzer191142  Öfter im Forum
  • #254
Es hängt wohl immer mal wieder an mir fest wie Scheisse.
Nein, glaube dass bitte nicht. Es gehört zu dir als Erinnerung und konzentriere dich auf das Positive darin. Nicht das, was du verloren hast.
Mit Freud: Man muss dem Patienten seine Zeit lassen. Es arbeitet in ihm.
Wohl wahr. Es arbeitet. Solange es sich nicht im Kreis dreht und weiter geht, ist das gut.

Ich habe unlängst gehört, dass man in der Traumatherapie nicht alles immer hochholt, denn dann bleibt man im Gefühl und hält es sozusagen aufrecht. Durchlebt es immer wieder. Stattdessen versucht man vorwiegend zu schauen, was man tun kann, um mit dem Erlebten umzugehen und sich nicht davon einnehmen zu lassen.
Finde ich persönlich einen sehr guten Ansatz.

Das liegt ja nicht in meiner Hand.
Da möchte ich gerne Widerspruch einlegen. Es liegt in deiner Hand, wie du damit umgehst.
Ich leb ja mein Leben die ganze zeit weiter.
Das ist gut, bleib dran mit all den Freuden, was es mit sich bringt.
Und dann werd ich wieder eingeholt.
Okay, dann ist es eben so. Punkt.
Es darf stehen bleiben. Da sein. Sollte dich allerdings nicht Ewigkeiten in Beschlag nehmen.
Nur meine Meinung.
 
G
Benutzer Gast
  • #255
Meine Erfahrung sagt aber, dass es tatsächlich nur singuläre Passungen gibt. Nicht unbedingt zu einer einzigen Person, aber zu sehr wenigen einzigen.
Das habe ich bisher komplett anders erlebt. Ein relevanter Teil meiner Beziehungen war wirklich so, dass es in vielen Dingen gut gepasst hat und auch das Gefühl stimmte. Nur kann es passieren, dass sich Lebensrealitäten voneinander entfernen und deshalb die Beziehung keinen dauerhaften Bestand hat. Zu einer langfristigen Beziehung gehört so viel mehr, als nur sexuelle und emotionale Anziehung, und jeder Tag zeigt aufs Neue, ob der Weg gemeinsam weitergehen kann oder nicht. Konfliktlösungsstrategien müssen dabei wachsen und von beiden Teilen weiterentwickelt werden, wie gut lässt sich eigentlich nur rückblickend sagen. "Mensch, nun sind wir schon 10 Jahre zusammen und waren uns immer wert, umeinander zu kämpfen. Schaffen wir noch ein 11tes Jahr?"

Und wo es nicht passt und deshalb auseinandergeht, muss man die Person vielleicht dann auch gehen lassen und sich eingestehen, dass man zwar alles versucht, aber leider nicht alles geschafft hat. Je weniger man die Trennung in dem Moment als Verlust einstuft, sondern den gemeinsamen Weg als Gewinn (auch in puncto "Beziehungsfähigkeit" für nachfolgende Beziehungen), umso leichter könnte das Loslassen fallen.
 
Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #256
Euren Beiträge gemeinsam, A AK3 und seaman, und auch besonders interessant scheint mir zu sein, dass ihr den Fokus auf das vergangene Positive legen würdet. Das hab ich tatsächlich immer getan, und je mehr Zeit vergeht, umso schwerer fällt es mir.

Ein Grund könnte sein, dass ich nie eine Beziehung angestrebt habe, und schon gar keine so lange, sondern sich diese wegen des individuellen Menschen mit der Zeit ergeben hat. Darum ist das, was ich verloren habe, weder von der Person ablösbar noch kann es in der Zukunft wiederkehren.
Es müsste etwas anderes sein, das derzeit nicht in Sicht ist.
 
G
Benutzer Gast
  • #257
Euren Beiträge gemeinsam, A AK3 und seaman, und auch besonders interessant scheint mir zu sein, dass ihr den Fokus auf das vergangene Positive legen würdet. Das hab ich tatsächlich immer getan, und je mehr Zeit vergeht, umso schwerer fällt es mir.

Ein Grund könnte sein, dass ich nie eine Beziehung angestrebt habe, und schon gar keine so lange, sondern sich diese wegen des individuellen Menschen mit der Zeit ergeben hat. Darum ist das, was ich verloren habe, weder von der Person ablösbar noch kann es in der Zukunft wiederkehren.
Es müsste etwas anderes sein, das derzeit nicht in Sicht ist.
So schön das positive auch ist. Leider neigt JEDER am Ende dazu das negative aufzuwiegen. Das positive rückt dann leider schnell in den Hintergrund. Besonders für denjenigen, der sich für die Trennung entscheidet. Für den Partner, der verlassen wird, ist das dann halt leider schwer zu verdauen. Die Hintergründe die zur trennung geführt haben, können alles mögliche sein. Du wirst sicherlich hinterfragt haben oder Zeichen Ihrerseits nicht erkannt haben. Das ist kein Vorwurf an dich. Jeder macht Fehler, aus denen man am Ende seine eigene Lehre zieht und das positive daraus zu ziehen versucht um es besser zu machen. Am Ende einer Beziehung ist dann LEIDER oftmals zu spät dafür. Auch hier kein Vorwurf. Ich habe selbst kein patentrezept wie man damit umgeht. Wie es mir persönlich als "Vergleich" erging und wie ich damit umgegangen bin hatte ich ja bereits beschrieben. Es gibt keinen idealen Weg. Meiner war, im Hinblick auf die Prostitutierten, sicher nicht der idealste. Im Grunde war das meine erste und bisher auch letzte Erfahrung damit, mittlerweile bin ich seit nun 5.5 Jahren verheiratet und seit fast 10 Jahren in einer glücklichen Beziehung, mit fester Beziehung nr. 2 in meinem Leben

Lenk dich ab. Geh raus, hab spaß, triff freunde, rede mit andern drüber wenn dir danach ist oder auch mit einem Psychologen. Das hilft ebenso, da spreche ich ebenfalls aus Erfahrung. Ich hatte andere Hintergründe und Ursachen warum es bei mir damals gescheitert ist. Gehört hier nicht her. Salopp gesagt: such dir hier und da unverbindlichen spaß um den kopf frei zu bekommen und wenn du - leider wie ich damals - dir den spaß kaufst.

Ich bin sicher, du schaffst das auch. Und wenn es noch 12 Monate dauert.
 
MoniBonboni
Benutzer223196  Meistens hier zu finden
  • #258
Die Hintergründe die zur trennung geführt haben, können alles mögliche sein. Du wirst sicherlich hinterfragt haben oder Zeichen Ihrerseits nicht erkannt haben
Nik hat sich getrennt, nicht die Partnerin.
 
G
Benutzer Gast
  • #259
Nik hat sich getrennt, nicht die Partnerin.
Ok danke für die Info, entweder hab ich das schlichtweg überlesen oder auch verdrängt. Ich habe den eingangspost und alle anderen Beiträge nicht groß verfolgt
 
A
Benutzer191142  Öfter im Forum
  • #260
Darum ist das, was ich verloren habe, weder von der Person ablösbar noch kann es in der Zukunft wiederkehren.
Ah verstehe
🤔
Da fällt mir nur akzeptieren und annehmen der Situation ein.
Du kannst es nicht ändern, die Person, das Gefühl, die Zeit nicht zurückholen. Selbst wenn, wäre es nicht mehr das Gleiche.
Schwer auszuhalten ...
Hierzu mag ich keine weiteren Tipps geben, dafür bin ich die falsche Person. 😬

@Positives
Ja, mittlerweile liegt mein Hauptaugenmerk auf den positiven Dingen und an denen halte ich mich fest. Das macht mir das Leben leichter.
Und natürlich ist es nicht immer einfach, es gibt blöde Tage und es gibt gute. Letztere zählen viel mehr.
 
MoniBonboni
Benutzer223196  Meistens hier zu finden
  • #261
G
Benutzer Gast
  • #262
Du kannst es nicht ändern, die Person, das Gefühl, die Zeit nicht zurückholen. Selbst wenn, wäre es nicht mehr das Gleiche.
Muss es das denn? Alles hat seine Zeit, und das Leben spielt in der Gegenwart. Ich möchte mich nicht an der Vergangenheit festklammern und mich nicht mehr auf die Zukunft freuen können.
 
Anna1309
Benutzer166007  Sehr bekannt hier
  • #263
Darum ist das, was ich verloren habe, weder von der Person ablösbar noch kann es in der Zukunft wiederkehren.
Wenn wir mit Menschen zusammenkommen und eines Teils des Lebensweges gehen, gehen wir nicht nur eine Beziehung mit einem Menschen ein, sondern bauen auch eine innere Beziehungstruktur auf. Sprich der andere und diese Beziehung wird ein Stück weit zur eigenen Identität. Bricht die Beziehung weg, bricht damit auch ein Referenzpunkt fürs eigene Selbst weg.

Dabei spielt die Dauer der Beziehung gar nicht so einen tragende Rolle, sondern wie viel Ich man aus dem Wir gezogen hat.

Streng genommen geht es einem daher nicht so sehr um den anderen, sondern mehr um die Version von sich selbst, die man in der Beziehung war. Manchmal auch um die Version, die man hätte sein können.

Eine Trennung ist demnach weniger ein Abschied von einer Person, sondern eine erzwungene Neuerfindung des Selbst, weil der Spiegel, in den man geschaut hat, zerbrochen ist.
 
Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • Themenstarter
  • #264
Danke für die sehr interessanten Beiträge!
Ich denke noch darüber nach und bin nicht sicher, wie ich alles im Einzelnen sehe.
Was mich betrifft, so spielt glaub ich auch rein, dass ich derzeit eher Vertrautheit und Geborgenheit brauche, jedenfalls verglichen mit sehr explorativen und extrovertierten Phasen in der Vergangenheit. Das befördert das sicher.
 
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