Wie kann ich ihm helfen?

Benutzer152912  (30)

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Als ich (w, 24) meinen Freund (m,25) vor 7 Jahren kennenlernte, hatte er Probleme mit seiner Familie. Seine Eltern lebten in Scheidung, er hatte sich mit seinem Vater verstritten. Er war gerade dabei, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, nachdem er längere Zeit viel Alkohol konsumiert hatte.

Ich lernte ihn kennen, als er zwar immer noch gelegentlich Alkohol trank, jedoch nur zu bestimmten Anlässen. Es ging ihm besser. Und er versöhnte sich auch mit seinem Vater.

Als wir etwa ein Jahr zusammen waren, hatte er wieder eine Krise und trank vermehrt Alkohol. Er fing jedoch an Sport zu treiben und so legte sich das wieder.

Inzwischen hat er ein Studium begonnen und ist sehr erfolgreich. Man muss dazu sagen, dass er ein sehr intelligenter Mensch ist, der sehr hohe Anforderungen an sich stellt.

Ich wusste schon, dass ihm das alles manchmal etwas viel wird. Aber das geht wohl allen mal so.

Er ist eher so, dass er zwar viel redet und auch in einem kleinern Kreis gerne im Mittelpunkt steht, sich sehr selbstbewusst gibt, anderen aber keinen tieferen Einblick gewährt, es ist alles manchmal etwas "Show". Leider, wie ich erfahren musste, auch vor mir. Dieses Wochenende ist er, nachdem wir von einem Fest nach Hause kamen und er ziemlich betrunken war, zusammengebrochen und hat gemeint, er hätte ein Problem. Er trinke wieder viel zu viel, er hätte keine Energie mehr und er fühle sich überall unerwünscht. Er hätte auch das Gefühl, dass er mich nur mit runter ziehen würde, und er das nicht möchte. Dass ich verdient habe, glücklich zu sein.

Ich habe schon gemerkt, dass er nicht wirklich glücklich ist, wusste aber nicht, weshalb und dachte, er liebt mich eventuell einfach nicht mehr. Ich habe von all dem Alkoholkonsum nichts mitbekommen, weil er, wenn wir uns sehen, nichts trinkt, ausser eben auf Parties, und das ist ja "normal".

Ich bin so froh, dass er sich mir geöffnet hat (das ist das erste Mal fast,dass er von sich aus auf mich zu kommt und Vertrauen zu mir hat, mit mir über so etwas Persönlichs zu reden), habe aber keine Ahnung, wie ich mit dieser Situation umgehen soll. Ich habe ihm zu verstehen gegeben, dass er eine falsche Wahrnehmung hat (wenn er sich überall unbeliebt, unerwünscht fühlt, weil er wirklich sehr beliebt ist bei allen und wirklich alle ihn mögen) und dass er deshalb eventuell professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte (er war als wir uns kennen lernten schon mal in psychologischer Behandlung). Er hat gemeint, dass das vermutlich eine gute Idee sei. Ich hab ihm gesagt, dass ich für ihn da sein will, ich aber nicht weiss, was ich für ihn tun kann, habe ihm aber auch versprochen, dass ich mich nicht von ihm kaputt machen lassen werde. Er meinte, dass er es eventuell brauchen würde, dass ich für die nächste Zeit Entscheidungen für unser Leben treffe, dass ich aktiv bin und ihn etwas "mitschubse". Er meinte dann auch, dass er mich gar nicht verdient hätte, ich viel zu gut für ihn sei und er so froh sei, dass er mich hat, und sich mir nun, nachdem er mir das "gebeichtet" hat, extrem nahe fühlt.
Ich bin so froh, dass er mir gegenüber nun endlich mal so offen war. Er spielt nach aussen immer der selbstbewusste Mann und ist es oftmals eigentlich auch. Aber irgendwie auch nicht.

Ich werde schauen, dass wir für einen Termin beim Psychiater machen und habe ihm gesagt, dass er auch einfach zu mir fahren kann statt zu trinken (er sagt, dass er in meiner Gegenwart nicht das Bedürfnis hat zu trinken, er kann bei mir viel besser schlafen, alleine hat er oftmals Schlafprobleme, neben mir schläft er wie ein Stein). Ich würde ihn gerne öfters sehen, habe damit eigentlich kein Problem, bin mir aber nicht ganz sicher, ob er sich dann nicht irgendwie von mir abhängig macht, weil eigentlich ist er ein sehr selbstständiger Mensch. Und dann habe ich irgendwie Angst, die Verantwortung für uns beide tragen zu müssen, ich will nicht Angst haben, dass er sofort wieder in ein Loch fällt, sobald etwas zwischen uns falsch läuft. Auch weiss ich nicht, was ihm wirklich am meisten bringt.

Ich liebe ihn sehr und ich denke keinen Moment daran, ihn zu verlassen. Komischerweise ist es normalerweise auch eher so, dass ich die anhängliche, eventuell sogar etwas "abhängige" Person bin und er sehr stark und selbstbewusst ist.

Ich brauch wirklich dringend einen Rat. Ich weiss nicht, was ich tun soll. Vermehrt mit ihm Zeit verbringen (Ich würde es eigentlich gerne, nur sind wir beide auch sehr ausgelastet durch das Studium), so dass er regelmässiger z.B. bei mir übernachtet? Mit ihm regelmässig sprechen oder ihn auf mich zu kommen lassen? Ihn etwas zu einem Termin beim Psychiater "drängen"? Er meinte ja, er möchte, dass ich eventuell etwas aktiver für einen kurzen Zeitraum Entscheidungen für ihn mittreffe ,weil er einfach überfordert sei.
Ich bin so froh, dass er mich an sich ranlässt, nur weiss ich leider nicht, wie ich ihm helfen kann. Könnt ihr mir Tipps geben?
 

Benutzer144428  (27)

Verbringt hier viel Zeit
Ich glaube schon, dass er sich ein wenig in eine Abhängigkeit begibt, allerdings nehme ich stark an, dass das nur vorübergehend ist während es ihm so schlecht geht. Wenn ich mit Grippe im Bett liege bin ich ja auch etwas abhängig von meinem Partner.
Was du jetzt brauchst ist viel Geduld mit ihm. Er wird wieder und wieder hören müssen, dass du ihn liebst und, dass du ihn toll findest, wenn er wieder mit Selbstzweifeln anfängt.
Der Therapeut ist eine sehr gute Idee, dann macht er nämlich hoffentlich schneller Fortschritte.

Was du über eine Sucht wie Alkoholismus wissen solltest, ist, dass man nach einer Sucht nicht mehr "normal" trinken kann. Man trinkt entweder ganz oder gar nicht, auf Partys sollte er also ebenfalls auf Alkohol verzichten. (Das kannst du ihm leichter machen, indem du dich ebenfalls auf alkoholfreie Cocktails und Softdrinks beschränkst.)
 

Benutzer152912  (30)

Ist noch neu hier
Was du jetzt brauchst ist viel Geduld mit ihm. Er wird wieder und wieder hören müssen, dass du ihn liebst und, dass du ihn toll findest, wenn er wieder mit Selbstzweifeln anfängt.
Das würde ich ihm eigentlich auch gerne sagen und werde ich auch versuchen, jedoch habe ich das Gefühl, dass es auf ihn dann "künstlich" wirken könnte, wenn ich es plötzlich viel öfters sage und er es dann gar nicht als authentisch einstufen wird. Aber ich werde es etwas subtil versuchen.

Was du über eine Sucht wie Alkoholismus wissen solltest, ist, dass man nach einer Sucht nicht mehr "normal" trinken kann. Man trinkt entweder ganz oder gar nicht, auf Partys sollte er also ebenfalls auf Alkohol verzichten. (Das kannst du ihm leichter machen, indem du dich ebenfalls auf alkoholfreie Cocktails und Softdrinks beschränkst.)
Danke für den Hinweis. Ich trinke sowieso kaum je Alkohol, daher ist das überhaupt kein Problem, aus Solidarität darauf zu verzichten. Bei ihm ist es jedoch so, dass seine Familie regelmässig beim Essen ein Glas Wein trinkt und er das auch sehr geniesst. Sollte ich ihn wirklich dazu ermutigen, auch dann darauf zu verzichten?

Ich bin mir auch nicht wirklich sicher,wie viel Alkohol er wirklich trinkt (also ob es Alkoholismus ist), jedoch so, dass er, wenn er weiss, dass er mit dem Auto fahren muss, nichts trinkt, wenn er weiss, dass er zu mir fährt, nichts trinkt, wenn er weiss, dass ich zu ihm fahre, nichts trinkt,... Also so, dass ich von all dem gar nichts mitbekommen habe und er auch weder sich noch seine Umgebung gefährdet hat. Vor 7 Jahren war das noch etwas schlimmer. Da fuhr er zwar noch kein Auto, aber ging auch mal ziemlich verkatert und mit Alkoholfahne zur Schule.
Dann hat er aufgehört, alleine zu trinken und hat einfach bei gewissen Anlässen eher masslos getrunken (er verträgt auch sehr viel, er wird also eigentlich nie sehr ausfallend,... wegen dem Alkohol).

Ich würde es eigentlich auch gerne sehen, wenn er gar keinen Alkohol mehr trinken würde, weiss aber gar nicht, ob das realistisch ist? Ich denke, er wird Schwierigkeiten haben, seinem Umfeld zu erklären, dass er ganz darauf verzichtet, weil er sich und seinem Umfeld dann ein Problem eingestehen muss. Auch kann ich mir längerfristig gar nicht vorstellen, dass er wirklich zu 100 % abstinent lebt, weil zu ihm ein Glas Wein einfach irgendwie passt. Aber vielleicht ist es wirklich ein sinnvollerer Weg, und er hat auch gesagt, dass er denkt, dass es sinnvoller sein könnte, mal eine Zeit lang gar nichts mehr zu trinken.
 

Benutzer152594  (41)

Verbringt hier viel Zeit
Der Therapeut ist eine sehr gute Idee, dann macht er nämlich hoffentlich schneller Fortschritte.

Da muß ich leider widersprechen. Regelmäßige Sitzungen mit einem Therapeuten sind nicht dazu da, um schnelle Fortschritte zu machen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß man für eine Therapie verdammt viel Energie braucht, wenn man wirklich an sich arbeitet. Wenn sein "Akku" also schon fast leer ist, macht eine (Intensiv-)therapie keinen Sinn, weil er irgendwann in die Überforderung kommt und sich dann die Probleme vermehren. Besser wäre ein regelmäßiges Leben mit für ihn positiven Dingen, die ihm Kraft geben. Wenn er dann stabiler ist, kann er die Probleme mit einem Therapeuten angehen.

Ich war selber 6 Jahre lang im Teufelskreis zwischen Krise, Klinik mit Therapie, normalem Leben plus Therapie und nächster Krise dank Überforderung gefangen. Mußte erst bis ganz unten, um das zu merken.

Am besten drängst du ihn nicht zu einer Therapie. Wenn er soweit ist, wird er von sich aus eine machen. Alles was du tun kannst, ist ihm zu zeigen, daß du ihn liebst und zu ihm hälst. Sei für ihn da, wenn er eine Schulter zum anlehnen braucht. Auf keinen Fall irgendwelche Pläne alá "jetzt Therapiebeginn und in einem Jahr bist du wieder richtig fit" oder so machen. Das geht höchstwahrscheinlich nach hinten los.
 

Benutzer144428  (27)

Verbringt hier viel Zeit
Vielleicht habe ich da auch einfach andere Erfahrungen mit Therapeuten gemacht. Nach meiner Erfahrung weiß soein Therapeut meistens nämlich viel schneller was er sagen muss, damit man sich besser fühlt, weil er den Kern des Problems viel schneller erfasst. Dann arbeitet er langsam daran, dass man das Problem selbst komplett erfasst und sich selbst die richtigen Dinge sagen kann.
Eine richtige Therapie braucht natürlich Jahre, aber ohne Therapeuten braucht sie noch einige Jahre mehr. Und wenn man dann auch noch einen Therapeuten bekommt, der Verhaltenstherapie praktiziert, dann kriegt man seinen Alltag schneller auf die Reihe, weil sie ja genau dort ansetzen.
Ich würde auch sagen, dass du ihn nicht dazu drängen solltest, aber eine ernst gemeinte Ermunterung wäre schon etwas gutes. Vielleicht schaffst du es sogar ihm klar zu machen, dass es für dich kein Zeichen von Schwäche ist Hilfe anzunehmen.
 

Benutzer152912  (30)

Ist noch neu hier
Am besten drängst du ihn nicht zu einer Therapie. Wenn er soweit ist, wird er von sich aus eine machen. Alles was du tun kannst, ist ihm zu zeigen, daß du ihn liebst und zu ihm hälst. Sei für ihn da, wenn er eine Schulter zum anlehnen braucht. Auf keinen Fall irgendwelche Pläne alá "jetzt Therapiebeginn und in einem Jahr bist du wieder richtig fit" oder so machen. Das geht höchstwahrscheinlich nach hinten los.

Das will ich ja auch auf gar keinen Fall. Zumal er für mich nicht "repariert" werden muss, damit ich ihn liebe. Ich möchte ja nur für ihn, dass er glücklich ist, dass er seine Probleme in den Griff kriegt. Und ich brauche nicht eine Garantie, dass er bis spätestens in einem Jahr wieder "normal" ist, sonst verlasse ich ihn, zumal es ja gar keinen richtigen Zustand gibt und das von Monat zu Monat unterschiedlich sein kann.

Ich würde auch sagen, dass du ihn nicht dazu drängen solltest, aber eine ernst gemeinte Ermunterung wäre schon etwas gutes. Vielleicht schaffst du es sogar ihm klar zu machen, dass es für dich kein Zeichen von Schwäche ist Hilfe anzunehmen.
Er war schon mal bei einem Psychologen und ich habe ihm auch dann vermittelt, dass ich gut finde, dass er das tut und ich finde, dass es vielen Personen, eventuell auch mir, gut täte, jemanden zu haben, der einem hilft, sein Leben in geregelte Bahnen zu bringen.

Wenn er sagt, dass er findet, dass es ihm nichts bringt, dann werde ich ihn garantiert nicht dazu zwingen, ich fühlte mich nur masslos mit der Situation überfordert (da ich keine Ahnung von Psychologie habe) und habe ihm diesen Vorschlag unterbreitet, dass ich zwar für ihn da sei, ihm aber nicht helfen kann, sogar wenn ich wüsste, was ich tun müsste. Er war nicht abgeneigt, bin aber nicht sicher, ob er das einfach nur gesagt hat, um mich zufrieden zu stellen. Auf jeden Fall werde ich es ruhig nochmals ansprechen und ihn fragen, ob er sich das ernsthaft überlegt oder vielleicht erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Mir ist es egal, was er tut, ich hoffe einfach, dass er irgendwann glücklich sein wird, weil es mir das Herz bricht, ihn so am Ende zu sehen. Aber ich setze ihn garantiert nicht unter Druck, das ist vermutlich das Letzte, was er gebrauchen kann.

Wichtig ist nun schon mal, dass ich weiss, dass er Probleme hat und ich mich so etwas zurücknehmen kann, also nicht selbst noch zu viele Probleme bei ihm ablade und ihn etwas entlasten kann.
[DOUBLEPOST=1430156232,1430147036][/DOUBLEPOST]Habe jetzt vorher nochmals kurz mit ihm gesprochen und ihn gefragt, ob er jetzt denkt, dass ihm ein Psychologe helfen könnte (er weiss es vermutlich ja besser als ich, da er schon mal bei einem war) und er hat mich gebeten, mit ihm zusammen einen Psychologen zu suchen und einen Termin zu vereinbaren.

Weiter habe ich ihm das Angebot gemacht, wenn er das Bedürfnis hat, Alkohol zu trinken, weil er sich gestresst/hilflos fühlt oder nicht schlafen kann, dass er jederzeit zu mir fahren kann.

Aber zu viel möchte ich jetzt (von mir aus) nicht mehr dieses Thema ansprechen. Ich möchte nicht, dass er sich wie mein "Patient" und krank/hilfsbedürftig fühlt, nur weil er offen war zu mir.
 
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