Wie finde ich heraus, ob ich meinen Freund noch liebe?

Benutzer99399 

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Liebes Forum,

ich bin ziemlich verzweifelt.
Mein Freund und ich sind mittlerweile 6 Jahre zusammen und ich bin jetzt an einem Punkt angelangt, an dem ich mir meiner Gefühle nicht mehr sicher bin.

Ich studiere ein recht zeitaufwändiges Fach und er arbeitet seit einem Jahr im Schichtsystem, sodass wir uns zeitweise nur wenige Minuten-Stunden am Tag sehen, weil unsere Außer-Haus-Zeiten so voneinander abweichen. So kam es, dass wir uns irgendwie auseinander gelebt haben.
Es hat in den letzten 2 Jahren immer mal wieder gekriselt und dieses Jahr im Februar kam dann irgendwann der Punkt, wo wir gesagt haben, dass wir so, wie unsere Beziehung gerade ist, uns nicht vorstellen können, miteinander alt zu werden.
Wir entschieden uns gegen eine Trennung und für mehr Bemühungen umeinander. Es war eine recht harte Zeit, für 2 Wochen war ich komplett hoffnungslos, dass aus uns wieder etwas werden kann, aber irgendwie haben wir uns zusammengerauft und es wurde wieder besser.
Das letzte Semester lief es dann auch ganz gut zwischen uns.

Und jetzt steh ich da und weiß nicht mehr weiter.
An sich habe ich nichts an der Beziehung auszusetzen. Ich finde wir unternehmen schöne Dinge zusammen, gehen respektvoll miteinander um und sind beide bemüht, dem anderen immer mal wieder eine Freude zu machen.
Aber irgendetwas fühlt sich falsch an. Wenn ich mir vorstelle, dass mein Freund mir einen Antrag macht und ich mich für oder gegen ihn entscheiden muss, schnürt sich mir der Hals zu.
Ich sehe irgendwie keine ferne Zukunft mit ihm, habe aber gleichzeitig unglaublich Angst ihn zu verlieren.
Eine Freundin von ihm hat vor einer Weile erzählt, dass sie noch nie jemanden so geliebt hat, wie ihren aktuellen Freund und dass sie gar nicht weiß, ob sie jemals vorher wirklich geliebt hat (sie kam auch aus einer langjährigen Beziehung). Solche Erzählungen verunsichern mich total. Woher soll ich denn wissen, ob die Zuneigung, die ich empfinde jetzt Liebe ist oder bloß enge Freundschaft?
Vor meinem jetzigen Freund hatte ich nur eine kurze Beziehung. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass mir der Erfahrungsschatz fehlt, um meine eigenen Gefühle richtig einzuordnen.
Aber müsste ich nicht trotzdem wissen, ob ich ihn liebe?
Vor 2, 3 Jahren gab es in der Hinsicht absolut keine Zweifel. Da war er der perfekte Deckel für mich. Ich konnte mir eine Familie mit ihm vorstellen (ich wollte keine Kinder, ich wollte Kinder von ihm), das kann ich aktuell nicht. Jetzt sind da nur noch Zweifel.
Vielleicht habe ich ja kalte Füße bekommen. Aber was kann ich dagegen tun?

Gestern habe ich mit ihm darüber geredet. Er hat sehr besonnen reagiert. Er meinte, er würde mir seine Definition von Liebe nicht erzählen, da er mich nicht in irgendeine Richtung beeinflussen möchte. Und dann hat er mich gefragt, was ich tun werde, um Klarheit zu erlangen.
Es hat ihn auf jeden Fall sehr getroffen. Für ihn waren unsere Probleme vom Tisch und die Beziehung wieder wunderbar. Für mich ja irgendwie auch, vor einigen Wochen. Jedenfalls ist er sehr geknickt, die Stimmung zu Hause ist gerade sehr komisch (verständlicherweise), auch wenn er sich um Normalität bemüht.

Und nun sitze ich da. Am liebsten würde ich zu ihm gehen und ihm sagen, dass das alles nicht so gemeint war und ich ihn liebe, einfach damit er nicht mehr traurig ist.
Es tut mir furchtbar weh, ihn so zu sehen.
Andererseits weiß ich aber auch, dass ich das jetzt wirklich ein für alle mal aufarbeiten muss, sonst stehen wir in 3 Wochen wieder an der gleichen Stelle.

Also was kann ich tun?
Für Gedankenanstöße und Ratschläge wäre ich sehr dankbar.
 

Benutzer97853 

Planet-Liebe Berühmtheit
Liebe Tu me manques Tu me manques ,

erst mal tut es mir sehr leid, dass ihr euch in der momentanen Situation befindet. Dein Text liest sich sehr traurig, was du ja auch bist.
Meine erste Idee war ja: Habt ihr dieses Jahr schon mal Urlaub gemeinsam gemacht? Einfach mal ein, zwei Wochen nur ihr beide in einem fremden Land (oder fremden Stadt) - ohne Studium, Job und den Alltagsstress? Vielleicht braucht ihr das einfach mal - gerade weil ihr euch teilweise so wenig seht. Noch sind ja Semesterferien bis Oktober - gäbe es da eine Möglichkeit?

Ich würde sechs Jahre Beziehung aber nicht einfach wegwerfen - auf keinen Fall. Kämpft lieber noch einmal richtig und gebt dann auf, als jetzt schon zu sagen, die Beziehung hat keinen Sinn mehr.

Fehlt dir denn irgendetwas? Mehr Aufregung? Mehr Ausbruch aus dem Alltag? Mehr Sex?
Und geht es dir unabhängig von der Beziehung gut? Mit dem Studium, Familie, Hobbys, etc.?

Alles Liebe
vry
 

Benutzer70365 

Verbringt hier viel Zeit
Du kennst sicher das Gefühl frisch verliebt zu sein, Schmetterlinge im Bauch zu haben. Nach sechs Jahren ist das einfach total anders. So wie sich's liest wäre Potential da, ihr versteht euch. Viele wünschen sich überhaupt mit einem Partner so weit zu kommen und ist man dann dort, fehlt einem etwas anderes - immer das was man nicht hat. Du hast Gefühle für ihn - weißt nur nicht ob du das Liebe nennen kannst - so lange du überhaupt Gefühle hast, die sich nicht anfühlen als wäre es dein Bruder, kann man wieder darauf aufbauen. Du bist in einer Phase wo du sehr kritisch bist, siehst vielleicht eher was dir fehlt .. vielleicht die Schmetterlinge im Bauch, die nie ewig bleiben und in jeder Beziehung mit der Zeit weniger werden. Du kannst schon viel beeinflussen, kannst dir Dinge vor Augen führen, die du bei ihm hast oder eher sehen was dir fehlt.

Ich finde es toll wie er reagiert hat, er hat sicher ganz viele tolle Seiten, die du lieben könntest.
Du müsstest mal mit einem anderen Mann sechs Jahre zusammen sein, vielleicht wären dann deine Gefühle ähnlich?

So lange der letzte kleine Funken Liebe nicht erloschen ist, kann man darauf aufbauen.
 

Benutzer87573 

Sehr bekannt hier
Liebe Tu me manques Tu me manques , ich würde mich vry en gelukkig vry en gelukkig da anschließen und sagen, dass nicht unbedingt alles verloren ist bei euch.
Ich denke jedoch ebenfalls, dass du erstmal herausfinden musst, welcher Punkt dich eigentlich stört und wie man das Problem dann eventuell beseitigen kann.

Ich denke man könnte eine Beziehung und deine Vorstellung von der Zukunft in mehrere Bereiche aufteilen und jeden mal für sich anschauen, vielleicht hilft es dir ja dabei zu analysieren, was dich stört.

*Dein Partner:
-Gibt es irgendwelche Verhaltensweisen, die dich massiv stören? - Ist er nicht mehr so attraktiv für dich (körperlich)?
- Ist er als Person noch interessant für dich?

*Eure Beziehung:
- Verbringt ihr die wenige Zeit, die ihr habt qualitativ hochwertig, nutzt ihr sie wirklich gut oder lebt ihr eher so nebeneinander her?
- Macht ihr auch Dinge, die eher was für Pärchen sind, oder ist das eher in die Freundschaftsschiene abgerutscht?
- Wie sieht es mit dem Sex aus? Oft genug, abwechslungsreich genug? Beide Partner bemüht?
- Gibt es gemeinsame Zukunftspläne, die ihr beide auch tatsächlich im Moment bejahen könnt?

Du selbst:
- Bist du zufrieden mit deiner Lebenssituation außerhalb der Beziehung?
- Hast du das Gefühl etwas zu verpassen wenn du nicht noch andere Leute "ausprobierst"?
- Hast du vielleicht nur keine Lust mehr auf deinen Alltag und möchtest insgesamt aus allem ausbrechen?
- Hindert dein Partner dich irgendeinen Traum umzusetzen?
- Bist du im Reinen mit Freunden und Familie?
 

Benutzer35148 

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Wie lange wird denn Dein Studium noch gehen?
Einmal ganz abgesehen davon, wirst Du danach wohl nicht genau zur gleichen Zeit wie er arbeiten gehen,
die Frage ist daher sicherlich erlaubt, wie ihr mehr gemeinsame Zeit finden wollt.
Wenn ihr nichts am aktuellen Zustand ändert, wird er arbeiten, Du wirst studieren, und danach wirst Du vielleicht etwas ganz anderes machen wollen. Stell Dir vor Du bekommst einen Job nicht in der Nähe, sondern in einer Stadt, die jenseits vom täglichen annehmbaren Pendelradius liegt. Würde er sich auch dort einen Job suchen?
 

Benutzer101597  (63)

Sehr bekannt hier
Du schreibst weder dass ihr keinen Sex mehr habt noch dass du dich für andere Männer interressierst. Das ist gut.
Ihr solltet mal neue Dinge erleben, der Vorschlag von vry en gelukkig mit dem Urlaub ist gut, ansonsten irgenwas das ihr noch nicht zusammen gemacht habt, Festival, Fallschirmspringen, Tangokurs, usw.
 

Benutzer155724  (49)

Sorgt für Gesprächsstoff
[...]. Ich finde wir unternehmen schöne Dinge zusammen, gehen respektvoll miteinander um und sind beide bemüht, dem anderen immer mal wieder eine Freude zu machen.

Ich weiß ich mache mich hier gleich unbeliebt, aber so würde ich das Verhältnis zu meiner Mutter oder meinem besten Freund auch beschreiben.

Und nun sitze ich da. Am liebsten würde ich zu ihm gehen und ihm sagen, dass das alles nicht so gemeint war und ich ihn liebe, einfach damit er nicht mehr traurig ist.
Es tut mir furchtbar weh, ihn so zu sehen.

Du magst ihn eben und möchtest nicht, dass er sich schlecht fühlt. Und das hindert dich daran, einen klaren Schlussstrich zu ziehen.

Wenn eine Liebe erkaltet ist, man den Menschen aber noch sehr mag, ist es immer hart die Konsequenzen zu ziehen.

Aber auch wenn ich jetzt wie der letzte Arsch klinge: Gerade weil du ihn magst, mach dem Elend ein Ende. Er hat sicher einen Menschen verdient , der ihm wirklich liebt und du ebenso.

Wenn man sich über Wochen anlasslos (also ohne Streit) fragt ob man seinen Partner noch liebt, dann ist die Frage (leider) schon die Antwort.
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
meiner meinung nach fehlt dir weniger die erfahrung damit wie es sich anfühlt zu lieben - das sind tendenziell eh nur momentaufnahmen, wo man vor liebe übersprudelt - sondern eher die erfahrung damit wie es ist, zufrieden zu sein.

soll es das gewesen sein? willst du so für den rest deines lebens leben - mit diesem mann? macht es dich glücklich - und bedingt glücklich sein, dass man ständig vor liebe übersprudelt und keine probleme, keine zweifel hat?

für letzteres: nein. eine gute beziehung besteht nicht nur aus friede-freude-eierkuchen. nicht aus purer glückseligkeit, nicht aus purer liebe. eine gute beziehung bedingt, dass man auch weniger schöne zeiten hat - und diese übersteht, gemeinsam. ich formuliere es mal ganz platt: eine wirkliche, richtig gute beziehung bedingt, dass man gemeinsam durch die scheisse geht - und gemeinsam wieder daraus klettert. erst wenn man gemeinsam ganz unten war kann man gemeinsam oben sein. das ist meine überzeugung - das ist die überzeugung, die mich das leben gelehrt hat.

du kannst nicht momentaufnahmen wie "eine Freundin von ihm hat vor einer Weile erzählt, dass sie noch nie jemanden so geliebt hat, wie ihren aktuellen Freund und dass sie gar nicht weiß, ob sie jemals vorher wirklich geliebt hat" - das sind momentaufnahmen! - mit dem alltag, mit all deinen gefühlen vergleichen. du kannst aber sehr wohl - denn das liegt in deiner macht - eine glückliche beziehung nochmal eintauschen gegen dieses erste kribbeln, gegen die überzeugung der ersten monate, gegen dieses gefühlt unendliche, aber faktisch begrenzte glücksgefühl. kannst du, wenn es dir das wert ist. mein rat würde lauten: um himmels willen, tu es nicht.

fakt ist aber auch, dass man manche erfahrungen vielleicht selber machen muss anstatt sich etwas erzählen zu lassen. vielleicht musst du erst alleine durch die unendliche verzweiflung gehen die einen befällt wenn man - zu spät! - feststellt, dass man grade "DEN menschen" hat gehen lassen, ihn abgewiesen hat, einfach alles zerrtört hat... und nie wieder bekommt.

ich möchte dir damit keine angst machen und auch deine handlungen nicht steuern - ich möchte dir nur eins sagen: ja, ihr habt alltag miteinander. ja, es kribbelt nicht mehr wie am ersten tag. ja, es befallen einen zweifel und ängste. ja, man ist auch mal unsicher ob man das wirklich für den rest des lebens will. aber, sieh es einmal andersherum: wie gut muss es dir, muss es euch gehen damit du dir sorgen um zukünftigen alltag machen kannst? damit dafür platz in deinem kopf ist?

alltag ist etwas wundervolles - wenn man es zu schätzen weiß. wie brot, wenn man hunger leidet. vielleicht muss man erst hungern um das brot zu schätzen zu wissen - vielleicht reicht einem auch die vorstellung von hunger. wenn man das brot hat reizt einen natürlich auch die wurst.. aber die kann man auch mit dem partner haben. unendlich oft, auch wenn schon jahre lang der alltag eingekehrt ist.

die frage ist eigentlich nur eine: willst du einfach alles wegwerfen, nochmal von vorne anfangen mit einem anderen nur um dann letztlich wieder an der selben stelle zu stehen, oder willst du lieber jetzt (und nicht später) investieren, damit diese beziehung auch glücklich bleibt? brauchst du diese erfahrung, musst du den mann verlieren der vielleicht wirklich zu dir passt, oder reicht dir die ahnung davon? oder - und auch das ist natürlich möglich - ist dieser mann tatsächlich nicht der richtige für dich?
 

Benutzer99399 

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Ich bedanke mich schon mal für die lieben Antworten.

Habt ihr dieses Jahr schon mal Urlaub gemeinsam gemacht? Einfach mal ein, zwei Wochen nur ihr beide in einem fremden Land (oder fremden Stadt) - ohne Studium, Job und den Alltagsstress? Vielleicht braucht ihr das einfach mal - gerade weil ihr euch teilweise so wenig seht. Noch sind ja Semesterferien bis Oktober - gäbe es da eine Möglichkeit?
Ja, wir waren dieses Jahr schon im Urlaub.
Eine Woche an der Ostsee am Anfang des Sommers. War trotz schlechtem Wetters eine im großen und ganzen schöne Zeit. Endete aber mit einem total hirnrissigen Streit, nach dem ich nachts wach lag und mich gefragt wurde, was aus uns geworden ist, dass wir uns wegen Nichtigkeiten so hochschaukeln. :geknickt:
Und dann haben wir vor kurzem noch einen Städtetrip unternommen. Das war sehr schön.
Weiteren Urlaub hat er dieses Jahr nicht mehr.

Fehlt dir denn irgendetwas? Mehr Aufregung? Mehr Ausbruch aus dem Alltag? Mehr Sex?
Und geht es dir unabhängig von der Beziehung gut? Mit dem Studium, Familie, Hobbys, etc.?
Mir fehlen vor allem Ideen. Irgendwie bin ich furchtbar unkreativ, wenn es darum geht, was ich mit meiner Zeit anfangen soll.
Ich versacke oft vor dem Computer, gucke Youtube-Videos. Die Zahl meiner Freunde in meiner Unistadt ist begrenzt, einige machen gerade Praktika (habe ich dieses Semester schon hinter mir), sodass sie keine Zeit für gemeinsame Unternehmungen haben. Und selbst wenn. Mir fehlen Ideen.

Ist mit meinem Freund genauso. Oft sitzen wir beide da, wissen, dass wir etwas miteinander unternehmen wollen, aber nicht was. Früher haben wir Tanzkurse besucht. Das ist inzwischen nicht mehr möglich, weil es aufgrund seiner Arbeitszeiten keinen festen Zeitpunkt gibt, an dem er mal frei hat. Und für einen Tanzkurs, bei dem man womöglich nur die Hälfte der Stunden besuchen kann, sitzt das Geld nicht locker genug.
Einfach nur Spazieren gehen mag er nicht mehr. Er braucht ein festes Ziel.
Es ist irgendwie schwierig. Und ich bin damit unzufrieden. Da liegt das Problem aber bei mir, das ist mir bewusst

Du kennst sicher das Gefühl frisch verliebt zu sein, Schmetterlinge im Bauch zu haben. Nach sechs Jahren ist das einfach total anders.
Die Schmetterlinge sind schon lange weg (auch wenn sie sich in den letzten Jahren immer mal wieder haben blicken lassen). Das ist auch okay so. An ihre Stelle ist Zufriedenheit getreten und das Vertrauen, dass das mit uns etwas Gutes ist. Aber dieses Vertrauen wurde irgendwie von der letzten großen Krise zerrüttet. Unser Tief im Februar hat in meinem Kopf das erste Mal ernsthaft die Option geöffnet, dass die Beziehung zu Ende gehen könnte. Und dass das vielleicht sogar in Ordnung wäre. Besser als wenn man alle halbe Jahre probiert neue Löcher zu flicken.

Ich finde es toll wie er reagiert hat, er hat sicher ganz viele tolle Seiten, die du lieben könntest.
Du müsstest mal mit einem anderen Mann sechs Jahre zusammen sein, vielleicht wären dann deine Gefühle ähnlich?
Ja, er hat ganz viele tolle Seiten. Mein Kopf sieht das auch so. Dass er gut zu mir passt, dass er mir gut tut, dass es Spaß macht, ihn um mich zu haben.
Aber mein Herz ist irgendwie nicht ganz bei der Sache. Der Kopf sagt "Gib dir Mühe." Also gebe ich mir Mühe. Zauber ihm nach einem Nachtdienst ein wunderbares Frühstück, plane gemeinsame Ausflüge, schmeiße den Haushalt, solange ich mehr freie Zeit habe als er, obwohl ich das hasse. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich das nur spiele. Ich muss mich bewusst anstrengen, es kommt nicht einfach so.
Und wo ich früher alles an ihm toll fand, beäuge ich manche Verhaltensweisen inzwischen nur noch kritisch. Mir ist bewusst, dass ich nicht alles an ihm lieben muss, aber ich komme mir schäbig vor, wenn ich ihn in Gedanken verurteile und nicht einfach akzeptiere, dass er so ist.
Und ja, womöglich wäre es mit einem anderen Mann nach all der Zeit ganz genauso. Ich finde es sowieso ganz erstaunlich und nicht selbstverständlich, dass wir es inzwischen 6 Jahre miteinander aushalten. Ich möchte auch gerne mein weiteres Leben mit ihm verbringen. Aber ohne die Zweifel.

*Dein Partner:
-Gibt es irgendwelche Verhaltensweisen, die dich massiv stören? - Ist er nicht mehr so attraktiv für dich (körperlich)?
- Ist er als Person noch interessant für dich?
So richtig massiv stört mich eigentlich nichts. Er hat ein sehr zeitintensives Hobby, dem er gerne mal 4 Stunden am Tag widmet. Bei einem 8,5 h Arbeitstag bleibt dann keine Zeit mehr für mich. Das Hobby hat er schon immer, die Intensität mit der er das betreibt, hat aber in den letzten Jahren stetig zugenommen.
Er weiß, dass ich mir mehr Zeit mit ihm wünsche und berücksichtigt das auch seit einigen Monaten. Wenn ich ihn darum bitte, nimmt er sich auch immer Zeit für mich. Insofern hat sich das echt gebessert.

Körperlich hat er sich nicht wirklich geändert. Ich finde seinen Körper nicht mehr sonderlich aufregend (ich kenne ihn ja nun schon eine halbe Ewigkeit), aber auch nicht unattraktiv. Und ich liebe sein Gesicht.
Ich bin aber generell nicht sehr optisch veranlagt. Im Jahr kommen mir vielleicht eine handvoll Männer unter die Augen, die ich ernsthaft attraktiv finde.

Als Person hat er sich seit unserem Kennenlernen schon geändert. Zum einen sind wir natürlich in einem Alter, in dem man sich noch stark entwickelt, zum anderen war er vor einiger Zeit für ein halbes Jahr im Ausland. Er ist schon verändert zurückgekeht und manchmal wünsche ich mir meinen alten Freund zurück, den von ganz am Anfang.
Sein zeitintensives Hobby teile ich nicht und wenn er mir davon erzählt, muss ich mich schon konzentrieren, um ihm wirklich zuzuhören und nicht einfach auf Durchzug zu schalten. :ashamed:
Generell habe ich manchmal das Gefühl, dass meine eigenen Gedanken so laut sind, dass ich ihm nicht zuhören kann, wenn er mir etwas erzählt. Das habe ich bei anderen Menschen auch manchmal, bei ihm ist es aber am stärksten.
Ansonsten nervt mich sein Alltag tatsächlich manchmal. Arbeiten gehen, danach sein Hobby oder bei schlechtem Wetter Computer oder Xbox. Besonders spannend finde ich das nicht. Ich würde mir von Zeit zu Zeit wünschen, dass er mal etwas für uns beide plant. Habe ich ihm auch schon gesagt. Er versteht das nicht so ganz. Wenn ich etwas unternehmen will, würde er doch immer mitkommen. Ich muss nur was sagen. Dass ich mir wünsche, dass er auch mal die Initiative ergreift, kann er nicht so richtig nachvollziehen. Für ihn zählt das Ergebnis, nicht die Geste.

*Eure Beziehung:
- Verbringt ihr die wenige Zeit, die ihr habt qualitativ hochwertig, nutzt ihr sie wirklich gut oder lebt ihr eher so nebeneinander her?
- Macht ihr auch Dinge, die eher was für Pärchen sind, oder ist das eher in die Freundschaftsschiene abgerutscht?
- Wie sieht es mit dem Sex aus? Oft genug, abwechslungsreich genug? Beide Partner bemüht?
- Gibt es gemeinsame Zukunftspläne, die ihr beide auch tatsächlich im Moment bejahen könnt?
Ich denke, die erste Frage habe ich schon einigermaßen beantwortet. Es ist schon viel nebeneinanderher leben. Da kommt wieder meine Unkreativität ins Spiel und seine generelle Zufriedenheit mit der Situation.
Wir bemühen uns, aber es ist irgendwie immer ein Krampf sich etwas auszudenken.

Was sind denn Pärchenaktivitäten?
Früher gab es das Tanzen (was ich übrigens vermisse). Ansonsten gehen wir von Zeit zu Zeit zusammen essen. Selten mal Kino. Treffen mit Freunden.

Der Sex ist okay würde ich sagen. Ich würde mir schon mehr Abwechslung wünschen, aber ich bin schon zufrieden, dass wir inzwischen (okay, in nächster Zeit womöglich erst einmal nicht, nachdem ich ihm emotional so vor das Schienbein getreten habe) wieder regelmäßig miteinander schlafen. Da hatten wir letztes Jahr eine ganz schöne Flaute. Ich bin froh, dass sich das gebessert hat.

Gemeinsame Zukunftspläne: Er wartet auf einen Studienplatz. Eigentlich hatten wir gehofft, dass er dieses Jahr genommen wird. Das hätte auch die Situation entspannt, wenn wir beide wieder "normale" Arbeitszeiten hätten. Aber es sieht nicht danach aus, als würde es dieses Jahr klappen.
Ansonsten ist nicht viel geplant. Ein Konzert Ende Oktober, auf das wir uns seit Monaten freuen.
Der generelle große Plan sieht wie folgt aus: Ein Haus auf dem Land und 2-3 Kinder. Für den erstgeborenen Sohn steht auch schon der Name fest. :tongue:
Insgesamt haben wir schon sehr ähnliche Vorstellungen davon, wie wir die Zukunft verbringen wollen. Aber natürlich sind das alles nur Luftschlösser, solange wir unsere Gegenwart nicht auf die Reihe kriegen.

Du selbst:
- Bist du zufrieden mit deiner Lebenssituation außerhalb der Beziehung?
- Hast du das Gefühl etwas zu verpassen wenn du nicht noch andere Leute "ausprobierst"?
- Hast du vielleicht nur keine Lust mehr auf deinen Alltag und möchtest insgesamt aus allem ausbrechen?
- Hindert dein Partner dich irgendeinen Traum umzusetzen?
- Bist du im Reinen mit Freunden und Familie?
Zufriedenheit ist bei mir so lala. Wie gesagt, ich würde gerne mehr aus meinem Leben machen, mir fehlt aber die Kreativität und der Biss, um meinen Arsch richtig hochzukriegen.
Und ich glaube schon, dass ich irgendwo Angst habe, etwas zu verpassen. Was wenn es da draußen einen Mann gibt, mit dem ich nach 6 Jahren immer noch unbeschwert glücklich wäre? Ich war noch nie mit einem Mann zusammen, den ich von Anfang an wollte. Ich wurde immer umworben, bis ich mich irgendwann verliebt habe. Wäre es anders, wenn ich diejenige wäre, die den Partner aussucht? Für meinen Freund war es damals wohl Liebe auf den ersten Blick. Und er findet mich immer noch fantastisch und sieht mich als festen Bestandteil seiner Zukunft.
Alles total unnötiger Mindfuck, ich weiß, aber Gedanken, die sich von Zeit zu Zeit immer wieder anschleichen.

Mein Alltag ist okay. Im Frühjahr hatte ich einen ziemlichen Rappel, wollte weg, die Welt erkunden. Da habe ich mit meinem Freund vereinbart, dass wir nach meinem Studium für ein Jahr nach Australien gehen. Wird sich aber nicht realisieren lassen, wenn er dieses Jahr keinen Studienplatz bekommt. Und wenn ich erst einmal ein Jahr gearbeitet habe, werde ich bestimmt nicht einfach aufhören.
Der Gedanke stimmt mich schon ein bisschen traurig. Dafür mache ich nächsten Winter ein Praktikum im Ausland. Darauf freue ich mich schon sehr.

Freunde und Familie. Hm. Ich habe Freunde hier, ja. Aber keine beste Freundin, der ich alles anvertrauen kann und mit der ich durch dick und dünn gehe. Also eine beste Freundin aus Schulzeiten habe ich hier, aber die ist gerade selbst auf Wolke 7 mit ihrem ersten festen Freund und kann sich in eine sechsjährige Beziehung nicht hineinversetzen. Und im Winter zieht sie hier auch weg.
Die Situation ist schon nicht optimal, aber nichts, was sich auf die Schnelle ändern lässt. Nähe kann man nicht erzwingen.


Das war jetzt unglaublich viel Text.
Ich mache erst einmal eine Pause, bevor ich die nächsten Beiträge beantworte.
Aber auf jeden Fall ein großes Dankeschön, ihr helft mir, meine Gedanken und Gefühle etwas zu ordnen.
 

Benutzer155728 

Sehr bekannt hier
Hm, der Gedanke, den ich schon am Anfang deines Posts hatte und der sich immer mehr verfestigt hat, je weiter ich gelesen habe: Ihr seid beide mit der momentanen Situation unzufrieden. Aber ich denke fast eher mit euch selber, als mit dem jeweils anderen.
Ihr projeziert das aber auf einander. Es scheint fast so, als empfindest zumindest du ihn als Hemmnis, dich weiterzuentwíckeln und glücklich zu sein.

Vielleicht liegt die Wurzel des Übels aber eher bei jedem von euch selber? Weil ihr mit euch selbst nicht im Reinen seid.
 
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Benutzer70365 

Verbringt hier viel Zeit
Mir fehlen vor allem Ideen. Irgendwie bin ich furchtbar unkreativ, wenn es darum geht, was ich mit meiner Zeit anfangen soll.
Ich versacke oft vor dem Computer, gucke Youtube-Videos. Die Zahl meiner Freunde in meiner Unistadt ist begrenzt, einige machen gerade Praktika ...
Ich schließe mich da Maifeld Maifeld an. Ich glaube du bist einfach momentan mit deiner Situation unzufrieden, dabei liegt vielleicht weniger daran an deinem Freund als du glaubst. Wenn sich ein Streit wegen Kleinigkeiten hochschaukeln kann, steckt da immer ein Portion Frust dahinter, die Kleinigkeit öffnet dann das Ventil, der Druck entlädt sich.

Und wo ich früher alles an ihm toll fand, beäuge ich manche Verhaltensweisen inzwischen nur noch kritisch. Mir ist bewusst, dass ich nicht alles an ihm lieben muss, aber ich komme mir schäbig vor, wenn ich ihn in Gedanken verurteile und nicht einfach akzeptiere, dass er so ist.
Auch hier mein Gefühl, du bist mit dir selbst nicht ganz im reinen. Eine gute Beziehung braucht normal auch Unterschiede und Reibungspunkte. Zu viel Harmonie kann die Leidenschaft killen und es fühlt sich in einigen Jahren so an, als wäre man Bruder und Schwester. Es scheitern tatsächlich Beziehungen, weil Partner zu ähnlich sind, die Spannung fehlt, jeder weiß, was der andere denkt.

Die Schmetterlinge sind schon lange weg (auch wenn sie sich in den letzten Jahren immer mal wieder haben blicken lassen). Das ist auch okay so. An ihre Stelle ist Zufriedenheit getreten und das Vertrauen, dass das mit uns etwas Gutes ist. Aber dieses Vertrauen wurde irgendwie von der letzten großen Krise zerrüttet. Unser Tief im Februar hat in meinem Kopf das erste Mal ernsthaft die Option geöffnet, dass die Beziehung zu Ende gehen könnte. Und dass das vielleicht sogar in Ordnung wäre. Besser als wenn man alle halbe Jahre probiert neue Löcher zu flicken.
Viele Paare haben nach so einer Zeit ihre erste große Krise, manche trennen sich danach, die anderen sehen sie als Chance zu verändern, an dem "wir" zu arbeiten. Ich kenne genug Paare, die das geschafft haben und danach habe ich deren Bindung stärker und inniger wahrgenommen. Plötzlich haben einige wieder immer Händchen gehalten.
Ich glaube dass ein Teil der Ursachen bei dir selbst liegt. Ein neuer Partner, da gäbe es so viele Impulse, vieles wäre einfach gut, du wärst zufriedener. Gelernt, wie du mit gewissen Dingen besser umgehst hättest du dabei nichts und oft scheitert man an ähnlichen Dingen irgendwann mal wieder. Ich habe eine 14 Jährige Ehe hinter mir und ich kann dir sagen, beim Löcher stopfen habe ich Unmengen über mich selbst gelernt, wie ich am besten mit Situationen umgehe. Nichts war umsonst. (Warum es dann dennoch zur Trennung gekommen ist, wäre eine zu lange Geschichte).

Ich sehe für euch eine Chance, vielleicht nun aus dem einen oder anderen Muster aus zu brechen, Dinge und Verhalten neu zu definieren, etwas besseres wachsen zu lassen. Das Fundament ist da. Er liebt dich und irgenwie liebst du ihn auch. Dinge womit du ganz und gar nicht leben kannst habe ich nicht gehört.

Mein Bauchgefühl sagt, zweifle weniger an euch.
 
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Benutzer83901  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Sechs Jahre sind eine lange Zeit, Krisen, Flauten, aber auch persönliche Veränderungen gehören oft dazu. Sie lassen die Partner wachsen und auch die Beziehung an sich. Oder zumindest wird das immer so schön gesagt. Dabei ist es nicht so einfach.

Ich lese hier ganz viel Frust. Unzufriedenheit mit dir selbst, mit eurem doch recht asynchronen Alltag und der Tatsache, dass ihr oft nebeneinander herlebt. Du zerbrichst dir weiter den Kopf, suchst nach Lösungen, nach einer Möglichkeit, Missstände zu optimieren, scheiterst aber auch an der Umsetzung. Und dein Freund offenbar auch. Nur: Je mehr du denkst, umso weniger fühlst du.

Wie ist es denn, wenn ihr zusammen im Bett oder auf der Couch kuschelt? Was fühlst du da? Mehr als bloße Zufriedenheit? Nicht falsch verstehen, Zufriedenheit ist wichtig. Vor allem nach turbulenteren Zeiten oder Krisen. Sie kittet Risse und heilt kleine Wunden. Auf Dauer reicht sie aber nicht aus, um glücklich zu sein, zumindest meiner Erfahrung nach. Dazu gehört mehr. Mehr Enthusiasmus, mehr Engagement (mental meine ich, nicht in Bezug auf Dinge, die du für ihn oder euch tust).

Ich halte ja grundsätzlich nichts davon, eine Beziehung vorschnell aufzugeben. Ich arbeite, ich kämpfe, ich bin ein Dickschädel durch und durch und gebe mich nicht so schnell geschlagen. Wir hatten auch schon Krisen zu meistern und die letzte ist erst ein halbes Jahr her. Da hat sich bei mir beruflich alles geändert und obendrein musste ich für den neuen Job umziehen. Bis zum Umzug musste ich drei Monate lang pendeln und war jeden Tag rund 15 Stunden unterwegs. Wenn Züge ausfielen, gar länger. Mein Leben bestand aus Essen, Schlafen, Pendeln, Arbeit. Und es begann wegen des Umzugs zu kriseln. Irgendwann kam Streit auf, er dachte über Trennung nach, ich dachte an meine Karriere. Das war hässlich. Letztlich hat er sein Leben, seinen Job reorganisiert und ist mit mir umgezogen. Die Wogen glätteten sich, wir erholten uns. Irgendwann, viele Wochen nach dem Umzug, saßen wir auf dem Balkon und sprachen darüber, wie froh wir doch waren, das gemeinsam geschafft zu haben. Da habe ich mich verliebt gefühlt, das war schön. Dann kam der Hund. Süß, diese Welpen, aber unfassbar anstrengend und zeitaufwendig. Wir haben, wenn wir wie Zombies über dem Frühstückstisch hingen, müde darüber gewitzelt, dass das gutes Training fürs Baby später sei. Sex? Fehlanzeige. Wie auch, wenn man alle zwei Stunden mit dem Hund nach draußen muss und noch jeden Tag acht, neun Stunden arbeiten (er im Home-Office, ich im Büro). Kuscheln? Selten. Halbtot nebeneinander ins Bett fallen, ja, das gab es. Neulich, als wir endlich mal zusammen Urlaub hatten, hat er mich zum Fußball eingeladen. Wir waren bei richtigem Scheißwetter im Stadion, warm angezogen, glücklich. Haben zusammen gejubelt und uns angelacht. Zeit nur für uns. Umgeben von 65.000 anderen Menschen. Wie romantisch. :zwinker: Aber es war so gut und es tat so gut. Nach all den Entbehrungen der letzten Monate, nach der Pendelei, dem Stress wegen Jobwechsel, dem Umzug... Das hat mir gezeigt: Wir können das alles und noch viel mehr und wir packen das, zusammen, er, ich und die niedlichen Viecher. Weil wir das wollen. Weil wir uns lieben. So, wie wir sind.

Ich habe nicht mehr an Trennung gedacht seit diesem schlimmen Streit, er hoffentlich auch nicht. Jetzt müssen wir nur mal wieder richtig vögeln, auf die neuen Regenjacken warten, und dann ist das Leben wieder super! Oder so. Mit allen Hindernissen, über die man als Paar eben regelmäßig mal stolpert.

Was ich dir mit dieser kleinen Geschichte sagen möchte, ist das hier: Als die Krisen kamen, gab es Trennungsgedanken. Aber diese waren - zumindest für mich - nie in Ordnung. Das wollte ich einfach nicht, nein, nein, niemals.

Du sagst aber selbst, dass der Gedanke für dich nicht so schlimm war. Und das gibt mir zu denken.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn der Gedanke erst einmal erträglich ist, auch die Trennung selbst machbar wird.

Deshalb die Frage: Wäre das wirklich so in Ordnung? Oder zu dem Zeitpunkt gewesen? Du schreibst viel über deinen Kopf, aber was sagt denn nun das Herz?

Ich weiß nicht, was ich dir raten soll, aber ich glaube, an deinem eigenen Gleichgewicht und deiner Zufriedenheit zu arbeiten, wäre ein guter Ansatz. Und darüber hinaus würde ich in der Beziehung mehr fühlen und den Kopf mal Kopf sein lassen. Nur so wirst du erkennen können, ob du noch liebst, ob du deinen Freund noch willst, das Leben mit ihm.

Darüber hinaus frage ich mich allerdings auch, warum dein Freund dir so wenig entgegenkommt, was gemeinsame Zeit angeht. Bei uns ist das selbstverständlich. Natürlich braucht jeder auch noch seinen Freiraum, aber niemand hat etwas davon, wenn zwei in einer Beziehung nur noch für sich leben und nicht mehr miteinander.
 

Benutzer99399 

Beiträge füllen Bücher
Wie lange wird denn Dein Studium noch gehen?
Einmal ganz abgesehen davon, wirst Du danach wohl nicht genau zur gleichen Zeit wie er arbeiten gehen,
die Frage ist daher sicherlich erlaubt, wie ihr mehr gemeinsame Zeit finden wollt.
Wenn ihr nichts am aktuellen Zustand ändert, wird er arbeiten, Du wirst studieren, und danach wirst Du vielleicht etwas ganz anderes machen wollen. Stell Dir vor Du bekommst einen Job nicht in der Nähe, sondern in einer Stadt, die jenseits vom täglichen annehmbaren Pendelradius liegt. Würde er sich auch dort einen Job suchen?
Die Zukunftsaussichten sind auch so eine Sache.
Mein Studium dauert noch 2 Jahre. Wenn ich dann fertig bin, werde ich auch für einige Jahre im Schichtsystem arbeiten müssen.
An der Situation wird sich also nicht viel ändern. Aber auch mit einem anderen Partner wäre das nicht anders, da ich dann ja diejenige wäre, die die komischen Arbeitszeiten hat.
Ich denke da muss ich mich einfach dran gewöhnen, dass es auch Phasen gibt, in denen wir nur wenig Zeit füreinander finden.

Wegen dem gemeinsamen Wohnort mache ich mir keine Sorgen. Da sind wir beide bereit uns nach dem Partner zu richten und haben das in der Vergangenheit auch schon getan.

Ich weiß ich mache mich hier gleich unbeliebt, aber so würde ich das Verhältnis zu meiner Mutter oder meinem besten Freund auch beschreiben.
Das war auch meine Befürchtung, als ich das geschrieben habe.
Aber was macht denn den Unterschied zwischen enger Freundschaft und Liebe aus?
Mein Partner war mein bester Freund bevor aus uns ein Paar wurde. Er war also schon mein engster Vertrauter, bevor romantische Gefühle dazu kamen.
Es gibt keinen Menschen, der mir näher steht als er. Ist das dann automatisch Liebe?

eine wirkliche, richtig gute beziehung bedingt, dass man gemeinsam durch die scheisse geht - und gemeinsam wieder daraus klettert. erst wenn man gemeinsam ganz unten war kann man gemeinsam oben sein. das ist meine überzeugung - das ist die überzeugung, die mich das leben gelehrt hat.
Den Ansatz finde ich gut.
Und ich möchte unsere Beziehung nicht einfach wegwerfen. Zu dem Entschluss bin ich in den letzten Tagen gekommen. Ich danke dir für deine ausführlichen Text, es hat mir sehr gut getan, mir deine Worte einige Male durchzulesen.

Was ich dir mit dieser kleinen Geschichte sagen möchte, ist das hier: Als die Krisen kamen, gab es Trennungsgedanken. Aber diese waren - zumindest für mich - nie in Ordnung. Das wollte ich einfach nicht, nein, nein, niemals.

Du sagst aber selbst, dass der Gedanke für dich nicht so schlimm war. Und das gibt mir zu denken.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn der Gedanke erst einmal erträglich ist, auch die Trennung selbst machbar wird.

Deshalb die Frage: Wäre das wirklich so in Ordnung? Oder zu dem Zeitpunkt gewesen?
Ich glaube, da habe ich mich etwas unglücklich ausgedrückt.
Der Trennungsgedanke war für mich schlimm. So körperlich-übel-es-schnürt-mir-die-Kehle-zu-schlimm. Aber noch schlimmer war die Vorstellung, dass man sich nicht trennt und es dann über Jahre so weiter geht. Dass wir alle paar Monate da sitzen und nichts miteinander anzufangen wissen. Dass wir die Zeit des anderen vergeuden. Dass aus unserem wunderbaren Wir etwas ganz hässliches wird.
Dann lieber ein klarer Schnitt, dachte ich damals.
Und seitdem bin ich die Gedanken nicht mehr ganz los geworden. Habe uns vielleicht etwas zu genau analysiert, damit ich nicht den Punkt verpasse, an dem man diesen Schnitt setzen muss.
Ich bin ein furchtbarer Kopfmensch, mehr kann ich zu meiner Verteidigung auch nicht sagen. :ashamed:

Wir haben noch einmal ausführlich geredet. Da hat er mir erzählt, dass er sich damals im Februar vorgenommen hat, dass er die Beziehung beendet, sollte es in absehbarer Zeit zu einer ähnlich gearteten Krise kommen.
Klingt vielleicht paradox, aber das zu hören hat mir so unglaublich gut getan. Einfach zu wissen, dass nicht nur ich dafür zuständig bin, darauf zu achten, dass wir uns nicht irgendwann gegenseitig kaputt machen und in 5 Jahren kein Stück weitergekommen sind.
Das hat mir wirklich eine große Last abgenommen, der ich mir vorher gar nicht bewusst war.

Ich weiß nicht, was ich dir raten soll, aber ich glaube, an deinem eigenen Gleichgewicht und deiner Zufriedenheit zu arbeiten, wäre ein guter Ansatz. Und darüber hinaus würde ich in der Beziehung mehr fühlen und den Kopf mal Kopf sein lassen. Nur so wirst du erkennen können, ob du noch liebst, ob du deinen Freund noch willst, das Leben mit ihm.
Ich werde mich sehr bemühen. Auch einer der Gründe, warum ich hier nur sporadisch antworte.
Ich gebe mir gerade Mühe, nicht alles zu zerdenken, sondern auch Platz für positive Gefühle und Erfahrungen zu lassen.

Darüber hinaus frage ich mich allerdings auch, warum dein Freund dir so wenig entgegenkommt, was gemeinsame Zeit angeht. Bei uns ist das selbstverständlich. Natürlich braucht jeder auch noch seinen Freiraum, aber niemand hat etwas davon, wenn zwei in einer Beziehung nur noch für sich leben und nicht mehr miteinander.
Er ist eben mit seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden. Ihm fehlt es an nichts. Er hat sein Hobby, das er liebt und wenn er abends nach Hause kommt, bin ich da.
Wie schon geschrieben ist er ja jederzeit bereit, etwas mit mir zu unternehmen. Es kommen eben nur keine Impulse von ihm. :rolleyes:

Auch dir vielen Dank für deinen ausführlichen Text.


Nächste Woche fahre ich meine Schwester für einige Tage besuchen. Ich denke etwas Abstand wird mir ganz gut tun.
Aber an sich geht es mir jetzt schon deutlich besser. Meine Gedanken sind aufgeräumter, die Gespräche mit ihm haben mir sehr gut getan und ich sehe der Zukunft wieder optimistischer entgegen.
Ich danke allen, die sich die Mühe gemacht haben, mir hier zu schreiben.
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
Ich gebe mir gerade Mühe, nicht alles zu zerdenken
prinzipiell seeeehr vernünftig - denn ich garantiere dir eins: auch in der glücklichsten beziehung der welt wird man, wenn man nur lange genug sucht, kritisch und negativ genug ist, irgendwas finden, was einen zweifeln lässt. irgendwas, selbst, wenn es nur der eigenen einbildung oder den eigenen befürchtungen entspringt und nichts mit der realität zu tun hat.
der eigene kopf kann der schlimmstmögliche feind sein... denn kaum meint man etwas gefunden zu haben verhält man sich anders, falsch, und prompt hat der partner etwas reales was ihn zum zweifeln bringt. das wiederum beeinflusst natürlich ihn, und dann hat man selber zusätzlich zum eingebildeten auch was reales... und so geht das dann im kreis.

während man reale probleme aber real angehen und beseitigen kann hat man diese möglichkeit bei den eingebildeten nicht - denn wie willst du etwas beseitigen, was garnicht existiert? da bleibt dann wirklich nur die identifikation als hirngespinst - was aber, je länger es schon andauert, immer schwieriger wird. vor allem wenn man schon dafür gesorgt hat das reale folgen eintreten und man sich dadurch ja doch irgendwie bestätigt fühlt in den hirngespinsten. das kann wirklich eine sehr, sehr anstrengende hirnwühlerei sein bis mans wirklich identifiziert und auseinanderklamüsert hat was nun real ist und was nicht, was nur eine folge ist und was ursache - dafür ist es aber ein wundervolles erfolgserlebnis wenn man das geschafft hat :zwinker:

deshalb diese einschränkung: prinzipiell ist "nicht mehr drüber den kopf zerbrechen" eine super idee. da du nun aber schon in diesem kreis drinsteckst solltest du dir aber vielleicht doch nochmal 2-3 stunden in aller ruhe nehmen, ruhig auch mit stift und papier, und versuchen deine gefühle zu kategorisieren, was real ist, was nicht, was wirklich schlimm ist, was sich nur schlimm anfühlt und warum es das tut.

ich persönlich finde es auch sehr interessant das ganze im abstand von zwei wochen zu wiederholen, denn: ich nehme zwar die pille, aber das ist nur eine minipille - ich habe durchaus noch eine art von zyklus und regelmässig an gewissen tagen im monat neige ich zu übermässiger aggressivität, zu überreaktionen und schwarzmalerei. seit ich das weiß kann ich anders damit umgehen und mein kerl kriegt das nicht mehr ungefiltert ab, das ist eine große hilfe für uns beide. das aber nur als anmerkung am rande, ich weiß ja nicht wie das bei dir mit den hormonen so gelagert ist.
 

Benutzer70365 

Verbringt hier viel Zeit
Aber was macht denn den Unterschied zwischen enger Freundschaft und Liebe aus?
Mein Partner war mein bester Freund bevor aus uns ein Paar wurde. Er war also schon mein engster Vertrauter, bevor romantische Gefühle dazu kamen.
Es gibt keinen Menschen, der mir näher steht als er. Ist das dann automatisch Liebe?
Ein Punkt fehlt für die partnerschaftliche Liebe noch - sexuelle Anziehung.
Es gibt viele Definitionen von Liebe, die nicht immer genau übereinstimmen. Was für dich Liebe ist, kannst du selbst definieren. Dabei lassen sich Argumente dafür und dagegen finden - wirklich ein bisschen Kopfsache.

Aber noch schlimmer war die Vorstellung, dass man sich nicht trennt und es dann über Jahre so weiter geht. Dass wir alle paar Monate da sitzen und nichts miteinander anzufangen wissen. Dass wir die Zeit des anderen vergeuden. Dass aus unserem wunderbaren Wir etwas ganz hässliches wird.
Das habt ihr beide selbst in der Hand. Gute und schlechte Zeiten gibt es in jeder Beziehung. Passieren tut sowas hauptsächlich wenn die Beziehung für beide zur Nebensache wird. Ist es beiden wichtig auch Zeit in das "wir" zu investieren, Kontakt zu halten, zu reden und zu verändern, kann die Beziehung wachsen - das ist ganz und gar keine Einbahnstraße Richtung Trennung.

Er ist eben mit seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden. Ihm fehlt es an nichts. Er hat sein Hobby, das er liebt und wenn er abends nach Hause kommt, bin ich da.
Wie schon geschrieben ist er ja jederzeit bereit, etwas mit mir zu unternehmen. Es kommen eben nur keine Impulse von ihm. :rolleyes:
Dir ist das offensichtlich wichtiger, setz du die Impulse. Im Idealfall ganz neue Dinge gemeinsam entdecken, Gewohnheiten durchbrechen, wieder Platz für ein bisschen mehr Abenteuer schaffen.

Oft schweißen Probleme und Herausforderungen die man gemeinsam meistert zusammen. Hat man davon zu wenig, muss man sich andere Wege suchen :smile:
 
G

Benutzer

Gast
Das war auch meine Befürchtung, als ich das geschrieben habe.
Aber was macht denn den Unterschied zwischen enger Freundschaft und Liebe aus?
Mein Partner war mein bester Freund bevor aus uns ein Paar wurde. Er war also schon mein engster Vertrauter, bevor romantische Gefühle dazu kamen.
Es gibt keinen Menschen, der mir näher steht als er. Ist das dann automatisch Liebe?

Das ist ja der Punkt, den ich immer propagiere.

Lieben kannst du alles, Freunde, deine Mutter, dein Haustier und du liebst dein Lieblingskleiderstück.

Jetzt ist halt die Frage, ist da noch Romantik oder einfach Gewohnheit?
Bist du noch verliebt in ihn? Ist da noch sexuelle Anziehungskraft.

Das sind die Dinge, die sich am Ende des Tages von einer Freundschaft unterscheiden.
 
3 Monat(e) später

Benutzer99399 

Beiträge füllen Bücher
Ein kleines Update:

Ich weiß, dass es schön ist, wenn man hier im Forum nach einer Weile liest, wie manche Geschichten ausgegangen sind.
Deswegen wollte ich kurz schildern, wie es bei mir und meinem Freund aussieht.

Momentan läuft es wieder ganz prima.
Ich habe meine Gefühle sortiert und mich dann bewusst für ihn entschieden. Seit ich diese Entscheidung gefällt habe, geht es mir besser und unsere Beziehung hat wieder eine sehr schöne Dynamik entwickelt.
Durch den Schock, den ich ihm versetzt habe, ist auch wieder etwas Leben reingekommen. Unser Umgang ist liebevoller, wir bemühen uns, auch wenn unsere Tagesabläufe aneinander vorbeilaufen, mindestens einmal pro Woche Zeit füreinander frei zu schaufeln und es gibt wieder viel mehr Zärtlichkeiten. Er kuschelt jetzt sogar von sich aus regelmäßig mit mir. :love:
Und neulich waren wir auf einer Familienfeier und haben endlich wieder miteinander getanzt. Ich bin wieder ganz verliebt. :herz:
Das merken auch andere. Wir wurden kürzlich im Bekanntenkreis darauf angesprochen, dass wir jetzt wieder viel glücklicher miteinander wirken.

Ich möchte mich ganz herzlich bei allen bedanken, die mir dabei geholfen haben, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren und noch einmal besonders bei denen, die mich dazu ermutigt haben, das was wir haben, nicht einfach wegzuschmeißen.
Danke!
 

Benutzer157636  (44)

Öfters im Forum
Schön zu hören, das es es bei euch wieder aufwärts geht. Viele Pärchen geben heutzutage (auch schon bei kleineren Problemchen) zu schnell auf und schmeißen jahrelange Beziehungen weg, in der Hoffnung bei der/dem nächsten wird es schon irgendwie besser.

Ich wünsche euch für die gemeinsame Zukunft alles Gute:thumbsup:
 

Benutzer72433 

Planet-Liebe ist Startseite
schön :smile: und jetzt hast du eine ganz wichtige erfahrung dazu gewonnen: zweifel müssen nicht bedeuten, dass es zu ende ist oder dass es ab jetzt nurnoch abwärts geht. jetzt seid ihr zusammen durch die scheisse gewatet und gemeinsam wieder heraus gekommen, jetzt ist eure beziehung um ein stück stabiler und um eine ganz wichtige erfahrung reicher - sie ist gewachsen. genau das meinte ich :smile:

auch dir danke, dass du nochmal bericht erstattet hast.
 
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