Wenn die Zukunftspläne nach Jahren plötzlich nicht mehr zusammenpassen... Was dann??

Benutzer165920  (32)

Ist noch neu hier
Hallo zusammen!

Habe vor ein paar Monaten hier schon mal einen Thread gepostet zum Thema, woran man merkt, ob man an einer langjährigen Beziehung festhalten soll bzw. wann es besser ist reissaus zu nehmen. Nun, ich bin noch immer mit meinem Freund zusammen, wir leben in einer Fernbeziehung, sind insgesamt bereits seit knapp 8 Jahren ein Paar. Nachdem ich meine grosse Sinnkrise vor ein paar Monaten etwas hinter mir gelassen habe durch ein klärendes Gespräch mit meinem Freund, während dessen er Besserung in seiner pessimistischen Einstellung zu meinem Auslandaufenthalt und meinen beruflichen Plänen gelobt hat, bin ich jetzt irgendwie wieder an einem ähnlichen Punkt.

Der Auslöser war ein Gespräch indem er mir wörtlich sagte: "Währenddem du an der Zerstörung unserer Beziehung arbeitest, versuche ich uns eine aufzubauen". Es herrschte schon seit ein paar Wochen wieder mal negative Stimmung von seiner Seite her darüber, dass wir eine Fernbeziehung führen und ich nie einfach mal im gleichen Job bleiben könne etc. etc. Nun, dieser eine Satz hat mich nicht mehr losgelassen, weil er irgendwie symbolisiert, wo unser Problem liegt: Wir haben eine andere Vorstellung von der Zukunft. Sein Ideal ist es, dass ich möglichst bald zurückkehre, wir nahe an unserer Heimatstadt leben, wo seine engsten Freunde sind, uns da irgendwann Eigentum kaufen und dann für immer da bleiben. Ich persönlich kann mir zwar solch ein Leben vorstellen, gleichzeitig bin ich aber auch ehrgeizig, will im Job etwas erreichen, entdecke gerne neue Orte, kann mir das Leben in so mancher Stadt vorstellen und bin auch zufrieden damit den Kontakt zu alten Freunden über weitere Distanzen halten.

Na ja, so weit so gut... was ich euch eigentlich fragen will ist vor allem eines: Denkt ihr, dass es überhaupt möglich ist / Sinn macht, wenn zwei Leute mit solch unterschiedlichen Vorstellungen weiterhin in ihre Beziehung investieren? Bestimmt ist es nicht optimal, aber es wird ja ohnehin selten der Fall sein, dass sich die Pläne ganz genau überschneiden, oder? Ein anderes Thema ist auch, dass ich plötzlich eine wahnsinnige Sehnsucht nach anderen Männern habe, wobei ich denke, dass das auch einfach ein Symptom dieser ganzen zermürbenden Gedankenmache sein kann und vielleicht auch eine Art Flucht davor, dass mein Freund ständig auf mir rumhakt, weil ich ihn in der Heimat zurückgelassen habe. Jedenfalls wär ich sehr dankbar um ein paar Ratschläge und Meinungen / Erfahrungen von euch.

Vielen Dank schon mal und Grüsse
Johanna
 

Benutzer164526 

Verbringt hier viel Zeit
Denkt ihr, dass es überhaupt möglich ist / Sinn macht, wenn zwei Leute mit solch unterschiedlichen Vorstellungen weiterhin in ihre Beziehung investieren?
Das kann man so pauschal nicht sagen, aber zu Folgendem habe ich eine dezidierte Meinung:
Ich persönlich kann mir zwar solch ein Leben vorstellen, gleichzeitig bin ich aber auch ehrgeizig, will im Job etwas erreichen, entdecke gerne neue Orte, kann mir das Leben in so mancher Stadt vorstellen und bin auch zufrieden damit den Kontakt zu alten Freunden über weitere Distanzen halten.
Wenn man mit demselben Partner über längere Zeit zusammenbleiben und nicht ständig eine Fernbeziehung führen möchte (und das möchten die meisten Menschen nicht), dann können nicht beide Partner ständig überregional nach den optimalen beruflichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten suchen, denn das würde sie regelmäßig an unterschiedliche, möglicherweise weit voneinander entfernte Orte verschlagen.

Man kann wohl gemeinsam unterschiedliche Wohnorte "ausprobieren", dass dann aber beide dort jeweils eine optimale berufliche Betätigungsmöglichkeit finden, wäre eher großes Glück. Und wenn man dann tatsächlich irgendwann in der glücklichen Situation sein sollte, dass beide am selben Ort einen zufriedenstellenden Arbeitsplatz mit guten Weiterentwicklungsmöglichkeiten gefunden haben, dann spricht einiges dafür, sich dort niedrzulassen.
 

Benutzer165920  (32)

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Wenn man mit demselben Partner über längere Zeit zusammenbleiben und nicht ständig eine Fernbeziehung führen möchte (und das möchten die meisten Menschen nicht), dann können nicht beide Partner ständig überregional nach den optimalen beruflichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten suchen, denn das würde sie regelmäßig an unterschiedliche, möglicherweise weit voneinander entfernte Orte verschlagen.

Klar, da hast du bestimmt recht und ich sehe das auch total ein. Ich will auch selber nicht wie ein Vagabund durchs Leben gehen oder zumindest ist das nicht meine Absicht. Was mich aber trotzdem nachdenklich stimmt ist seine totale Verweigerung einen anderen Ort als seine Heimat überhaupt in Betracht zu ziehen. Mich stört es, wie sehr er sich damit selber einengt und sich womöglich tolle Erfahrungen entgehen lässt, indem er nicht erkennt, was solch ein Umzug auch an guten Seiten zu bieten hat. Wenn ich ihm davon erzähle, was ich hier meiner Meinung nach für lehrreiche Erfahrungen mache, macht er sich beinahe darüber lustig und zieht das Ganze ins Lächerliche. Einerseits ärgert mich das natürlich, andererseits aber stimmt es mich einfach nur sehr nachdenklich, wieso er es für nötig hält, solche Erfahrungen derart runterzuspielen.
 
G

Benutzer

Gast
Ich habe ein paar Fernbeziehungen geführt, die sehr ähnlich zu deiner zu sein scheinen. Ich war auch derjenige, der gegangen ist und sehr ambitioniert. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass es sehr schwierig ist Mobilität und eine Beziehung unter ein Dach zu bringen, wenn der Partner nicht bereit ist oder nicht mitgehen kann. Auch wenn man sehr gefestigt ist, ist Kommunikation über Skype o.ä. Immer nur ein schlechter Ersatz. Ich war die letzten zehn Jahre sehr viel im Ausland, auch länger und bisher ist jede Beziehung daran gescheitert trotz sehr viel Bemühen. Das muss nicht das gleiche für euch bedeuten, jedoch scheint ihr beide unglücklich. Ich denke du hast zwei Optionen, sofern er Mobilität komplett ausschließt. Erstens, du gehst zurück und lebst ein Leben mit ihm oder du setzt deine Prioritäten anders. Das kann sich auch wieder ändern. Jetzt nach zehn Jahren Dauerausland möchte ich z.B. einfach gern hier bleiben, wo ich gerade bin und sesshaft werden. Vielleicht überkommt dich das auch irgendwann. Das macht Beziehungen auf jeden Fall deutlich einfacher und ich bin auch mittlerweile bereit dem meinen Job unterzuordnen. Das war ich in den letzten zehn Jahren nicht. Prioritäten ändern sich.
 

Benutzer167164  (31)

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Denkt ihr, dass es überhaupt möglich ist / Sinn macht, wenn zwei Leute mit solch unterschiedlichen Vorstellungen weiterhin in ihre Beziehung investieren?
Das hängt von Euch ab. Man kann im Prinzip für alles Kompromisse finden, nur hat da jeder seine individuellen Grenzen.

Ich würde ihn daher fragen, wie er sich eure Zukunft vorstellt (wobei du das ja sowieso schon weißt). Und dann würde ich ihm erklären, wie du euch beiden in ein paar Jahren siehst (Wie sieht deine Vorstellung denn eigentlich aus?). Du wirst merken wie ihr beiden auf die Vorstellungen des anderen reagiert und ob überhaupt eine Chance der gemeinsamen Übereinkunft besteht. Wenn ihr beiden unglücklich mit den Plänen des anderen seid und Kompromisse euch nicht zufriedenstellen, würde mich das nachdenklich stimmen.

Wenn ich ihm davon erzähle, was ich hier meiner Meinung nach für lehrreiche Erfahrungen mache, macht er sich beinahe darüber lustig und zieht das Ganze ins Lächerliche
Also wenn mein Partner meine persönliche Entwicklung belächeln würde, wäre das für mich eine klare Grenzüberschreitung. Er respektiert dich nicht. Er lacht über das, was dich froh macht und dich reifen lässt. Sehr schade!

Auf der anderen Seite kannst du seinen Wunsch nach Heimatverbundenheit nicht verstehen:
Mich stört es, wie sehr er sich damit selber einengt und sich womöglich tolle Erfahrungen entgehen lässt, indem er nicht erkennt, was solch ein Umzug auch an guten Seiten zu bieten hat
Du schreibst, dass es dich stört und obwohl du nicht respektlos ihm gegenüber wirst, wertest du ihn ja trotzdem. Ich interpretiere das schon als große Alarmzeichen dafür, dass ihr da keine Übereinkunft treffen werden könnt.
 

Benutzer6874  (35)

Benutzer gesperrt
Also wir hatten keine Fernbeziehung. Aber wir hatten auch ungleiche Vorstellungen von der Zukunft. Sie erwartete von mir eine andere berufliche Zukunft, wenigstens (!) Kinderchirurg sollte ich werden. Und ein entsprechendes "gehobenes" Leben. Der Karriere zu Liebe hätte sie auch auf Kinder verzichtet. Ich war ihr immer häufiger "zu idealistisch", obschon ich mich nicht so fand.

Aber wir liebten einander, und beim Sex war (nach meinen Startproblemen) volle Harmonie. Nach etwa 3 Jahren merkten wir, dass unsere "Zukünfte" auders aussahen, aber wir seuchten unsere Liebe durch, wie der Bauer seine letzte kranke Kuh.

Schliesslich trennten wir uns, und lagen uns dabei weinend in den Armen. :cry::grin:

Meine Geschichte soll keine Handlungsanweisung für dich sein, jeder Fall ist anders, und ob Ihr Kompromisse findet kann ich nicht ausschliessen.

Off-Topic:
Der letzte Auslöser der Trennung war eine Kleinigkeit. Wir wollten in den Ferien nach Kroatien. Sie im Flugzeug, und in Hotels, ich mit dem Öffi, und in Jugendherbergen. Eine scheinbare Kleinigkeit.... Lang nicht alle haben uns damals verstanden
 

Benutzer165920  (32)

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Mobilität und Beziehung sind bestimmt immer schwer zu vereinbaren, aber ich denke es gibt verschiedene Levels an Flexibilität vom Partner, und leider habe ich das Gefühl, meiner ist am konservativsten Ende. Dh. er will tatsächlich auf gar keinen Fall unter keinen Umständen woanders hinziehen.

Ich würde ihn daher fragen, wie er sich eure Zukunft vorstellt (wobei du das ja sowieso schon weißt). Und dann würde ich ihm erklären, wie du euch beiden in ein paar Jahren siehst (Wie sieht deine Vorstellung denn eigentlich aus?). Du wirst merken wie ihr beiden auf die Vorstellungen des anderen reagiert und ob überhaupt eine Chance der gemeinsamen Übereinkunft besteht. Wenn ihr beiden unglücklich mit den Plänen des anderen seid und Kompromisse euch nicht zufriedenstellen, würde mich das nachdenklich stimmen.
Seine Vorstellung von der Zukunft kenne ich sehr genau, meine eigene ehrlich gesagt weniger. Ich weiss nicht, ob ich mal Kinder möchte, denke das wird sich irgendwann zeigen. Grundsätzlich wäre ich gerne in einem Job, der mich glücklich macht, wo ich auch einigermassen erfolgreich bin vorzugsweise in einer Führungsposition und in einer stabilen, schönen Beziehung, in der man sich gegenseitig viele Freiheiten lässt und gemeinsame Interessen teilt. Ich weiss nicht, wo ich leben will, das ist für mich eine eher zweitrangige Frage im Gegensatz zu ihm. Ich denke, ich würde wohl einfach da leben, wo uns das Leben hinverschlägt. Wenn einer von uns ein Jobangebot in einer anderen Stadt / einem anderen Land bekäme, würde ich abwägen, wie gut die Bedingungen sind, was der Andere da machen könnte etc.

Mangelnder Respekt ist übrigens für mich ein grosses Thema, da ich auch öfters gelesen habe, das sei eines der Alarmzeichen in einer langsam scheiternden Langzeitbeziehung. Wie gesagt, er macht sich öfters darüber lustig, wenn ich ihm erzähle, was ich hier erlebe und wie ich es als Lernerfahrung ansehe. Ich denke seine (teilweise) abschätzenden Bemerkungen rühren vor allem daher, dass er halt quasi konstant beleidigt ist, dass ich ihn zurückgelassen habe und sein Leben, das vorher total seinen Vorstellungen entsprach, "zerstört" habe. Ich muss aber auch sagen, dass er mir auch schon gesagt hat, dass er sehr stolz auf mich sei, obwohl er sich wünschen würde, ich hätte ein dieses Jobangebot nicht bekommen.
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Ich glaube, ihr haltet beide an etwas fest, das eigentlich nicht mehr wirklich existiert. Ihr seid schon lange ein Paar. Wieso eigentlich? Wo soll es hinführen? Manchmal lebt oder entwickelt man sich in unterschiedliche Richtungen. Bei euch ist das definitiv der Fall. Entweder ihr entwickelt euch wieder zueinander (wirkt allerdings nicht so, weil ihr beide etwas anderes wollt, und da kein Kompromiss eingehen wollt), oder ihr müsst eben getrennte Wege gehen. Klar tut das weh, vor allem nach so langer Zeit. Aber wenn eine Beziehung mehr ein Käfig ist und einem nicht die Unterstützung, Freiheit (in deinem Fall) oder Sicherheit (in seinem Fall) gibt, die man braucht, dann hält sie einen nur zurück und ist eigentlich nicht wirklich sinnvoll.
 

Benutzer133456  (49)

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Wenn ich mir das alles so durchlese, habe ich den Eindruck, da wird eine potenzielle Gemeinsamkeit beschworen - wie ein Projekt, das mal stattfinden soll, nachdem viele notwendige Anpassungen vorgenommen wurden. Planung in allen Ehren, aber ein gluecklicher, gemeinsamer Weg erwaechst doch viel eher aus natuerlicher Uebereinstimmung?
 

Benutzer165920  (32)

Ist noch neu hier
Wieso wir ein Paar sind? Nun ja, ich habe schon das Gefühl, dass ich keine anderen Männer treffe, die insgesamt dann doch so gut zu mir passen, v.a. charakterlich. Wir teilen defintiv die selben Grundwerte. Ich glaube, er sieht das ähnlich. Wir sind insgesamt schon auf einer gemeinsamen Ebene bspw. intelektuell, vom Humor her, unserer Vorstellung wie man mit anderen umzugehen hat etc.

Tahini Tahini : Stimmt schon, dass sich das wahrscheinlich etwas so anhört und da ist auch etwas Wahres dran, aber ist das nicht in jeder Beziehung ein Stück weit so? Man muss doch immer Kompromisse eingehen, der Unterschied scheint mir eher, dass viele es womöglich weniger aussprechen und halt dann einer einfach etwas mehr Kompromisse eingeht als der andere... Sicher wäre das Ideal eine natürliche Übereinstimmung, aber das scheint mir irgendwie sehr utopisch angesichts dessen, dass wir immer von zwei Individuen sprechen, die jeweils ihre eignen Bedürfnisse und Präferenzen haben.
 

Benutzer167164  (31)

Ist noch neu hier
Ich weiss nicht, ob ich mal Kinder möchte, denke das wird sich irgendwann zeigen.
Hast du ihm denn schon einmal so klar gesagt, wie deine Pläne, bzw. Nicht-Pläne aussehen?
Wenn ich persönlich an deiner Stelle versuchen würde, die Beziehung in die richtige Richtung zu lenken, würde ich ihm klar machen, dass du dich momentan nicht festlegen möchtest und er das bitte zu respektieren hat. Dann würde ich ihm meine Gefühle ihm gegenüber schildern (was hast du für Gefühle für ihn? Liebst du ihn noch?).
Im Gegenzug würde ich ihm aber auch klar sagen, dass seine abwertenden Kommentare Fehl am Platz sind und er damit einen wichtigen Teil deiner Persönlichkeit kritisiert.

Hat solch ein Gespräch schon einmal stattgefunden? Wenn ja, wie ging es aus?

WEnn du im Gespräch merkst, dass sich die Fronten zunehmend verhärten, würde ich das als schlechtes Zeichen für die Beziehung sehen.
 

Benutzer133456  (49)

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Tahini Tahini : Stimmt schon, dass sich das wahrscheinlich etwas so anhört und da ist auch etwas Wahres dran, aber ist das nicht in jeder Beziehung ein Stück weit so? Man muss doch immer Kompromisse eingehen, der Unterschied scheint mir eher, dass viele es womöglich weniger aussprechen und halt dann einer einfach etwas mehr Kompromisse eingeht als der andere... Sicher wäre das Ideal eine natürliche Übereinstimmung, aber das scheint mir irgendwie sehr utopisch angesichts dessen, dass wir immer von zwei Individuen sprechen, die jeweils ihre eignen Bedürfnisse und Präferenzen haben.

Solange Ihr das freudvoll als Kompromiss seht, ist es ja prima, aber mein Eindruck war eher, dass Du leidest.
 
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