Weniger Sex, weniger Liebe?

puschel1990   (30)

Ist noch neu hier
Hallo alle miteinander!
Ich bin neu hier und mir brennt ein Thema auf der Seele! Wenn es hier falsch platziert ist, bitte verzeiht mir. :smile2:
Mein Freund (43) und ich (25) kennen uns seit über drei Jahren, seit etwas über einem Jahr sind wir zusammen und wohnen auch seitdem zusammen.
Wir sind sehr glücklich, wirklich. Waren wir von Anfang an und sind es heute noch. Wie verliebe Teenies kann man sagen. Für mich ist er ein Geschenk, genauso wie ich für ihn, auch wenn's kitschig klingt. Ich habe mir immer so jemanden an meiner Seite gewünscht. Er umsorgt mich fast wie ein Kind und zieht meine Bedürfnisse und Probleme immer von seine. Ein eingespieltes Team im Alltag sind wir ebenfalls, wir erledigen für den jeweils anderen etwas mit, wir sprechen uns ab, die Hausarbeit teilen wir uns, er macht (außer der Wäsche) fast mehr als ich, von selbst aus. Unsere rosa Brille ist also im besten Sinne gemeint weg. Dennoch benehmen wir uns auch in der Öffentlichkeit manchmal so, als wären wir den ersten Tag zusammen.
Er hat in den letzten zwei, drei Jahren einiges erlebt, worum er sich nicht gerissen hat. Dazu gehörte die Scheidung seiner Frau, die Trennung von seinen Stiefkindern, Jobwechsel, wofür er nichts konnte etc. Als wir uns kennenlernten, war er mitten in dieser Phase. Wir haben uns durch die Arbeit kennengelernt (er hat seinen Nebenjob bei uns ausgeübt – heute arbeiten wir beide nicht mehr in der Firma) und haben uns nicht so klischeehaft ineinander verliebt, er hatte es mit jungen Frauen eh nicht, seine waren meist älter als er. Als wir uns privat getroffen haben, hatten wir vom ersten Treffen an Sex. Ich hatte irgendwann geäußert, dass ich mir wie ein Betthäschen vorkomme. Er sagte, es täte ihm Leid, aber das sei so nicht. Und im Nachhinein muss ich sagen, wusste ich das auch. Aber er war ehrlich und meinte, dass er noch keine Beziehung anfangen könnte, weil er mit seiner Psyche durch ist. Er musste erstmal wieder Fuß fassen, psychologisch gesehen. Zu viel war in zu kurzer Zeit passiert. Man könnte ihn auch als depressiv verstimmt nennen.
Als ich meine neue Wohnung außerhalb meines Elternhauses hatte, letztes Jahr, war er wie ausgewechselt, war fortan jeden Tag bei mir uns so kam es dass wir zusammenkamen. Er war wie ausgewechselt, seine Psyche hatte sich erholt. Er hatte schon ne ganze Zeit vorher gesagt, ich liebe dich. Aber trotzdem kamen wir erst viel später zusammen.
Wir haben uns dann eine gemeinsame Wohnung gesucht, er hat sich selbstständig gemacht, sehr erfolgreich schon am Anfang. Alles war irgendwie perfekt. Unser Sexleben war richtig richtig toll. Wir hatten jeden Tag Sex. Bis zum Januar diesen Jahres war alles super, da fing das Chaos an. Ich habe meinen Job verloren mit einem sehr guten Netto, er hat seinen wichtigsten Auftraggeber verloren, unsere finanziellen Schwierigkeiten fingen somit an. Wir waren mit Zahlungen im Rückstand, jeden Tag kam aufs Neue schlechte Post mit Pfändungen etc. Wir kamen nicht mehr auf die Beine, waren beide arbeitslos (er auch im Sinne von Aufträgen). Er bekam ein Fahrverbot dazu, weil ein guter Kumpel von uns uns verraten hat. Das hat ihn mitgenommen, dass ein Freund uns verrät, nur weil er ein paar Takte nicht vertragen konnte. Mein Freund ist Grieche, besonders stolz, so jemanden trifft das meist noch mehr wenn solche Dinge passieren.
Dann hatten wir Ärger mit der Post, viele Schriebe die nicht angekommen sind, sodass manche Zahlung im Rückstand noch schlimmer wurde, ohne dass wir es wussten. Wir mussten auf einmal mit sehr knappen finanziellen Mitteln klarkommen, obwohl wir letztes Jahr zu viel zum Ausgeben hatten, weil wir beide gut verdienten, uns aus Geld trotzdem nichts machten, weil wir so erzogen wurden. Uns wurde für dreieinhalb Monate der Strom abgestellt, weil wir in Verzug kamen. In so einer Lage waren wir noch nie in unserem Leben. Und wenn man noch bedenkt, wie viele (Privat)Personen uns das Leben schwer gemacht haben, davon will ich gar nicht erst anfangen. Ich bin Verdrängungskünstler, lasse vieles nicht an mich ran, aber er nicht. Er lebt seine Emotionen aus, und teilweise verging kein Tag, an dem wir nicht über diesen ganzen Mist gesprochen haben. Er bleibt noch heute an meiner Kündigung hängen, weil diese aus persönlichen Gründen stattfand, nämlich wegen Hass auf mich von meinem Vorgesetzten, obwohl ich ihm nie was getan hatte. Wir hatten natürlich auch den ein oder anderen Streit, weil wir beide sehr unter Anspannung standen. Im August sind wir erneut umgezogen, weil die Wohnung zu teuer war.
In all der Zeit seit Januar ist der Sex sehr unkontinuierlich und weniger geworden. Zwischendurch hatten wir mal so hier und da eine Woche, wo wir wie früher Sex hatten, dann wiederum ein zwei Wochen gar keinen. Wenn es ihm besonders gut ging (wir hatten trotz aller Umstände auch in den ganzen Monaten sehr glückliche Momente, Stunden, Tage und Wochen) hatten wir sogar relativ viel Sex. Dann, seit August in der neuen Wohnung vielleicht einmal die Woche.
Ich muss dazu sagen, dass uns auch da die Leute hängen gelassen haben und wir fast alleine unseren Umzug bewältigen mussten. Eine neue Küche hatten wir seit Dezember und es hat sich keiner erbarmt, uns beim Aufbau zu helfen. Einen richtigen Monteur konnten wir uns nicht leisten. Die neue jetzige Wohnung war also die letzten Wochen gerade mal im Ansatz fertig. Eine einzige Lampe, keine fertige Küche usw. Das belastete ihn auch sehr. Jetzt, seit fast zwei Wochen ist fast alles fertig. Die Küche steht, Lampen sind angebracht, mein neuer Kleiderschrank steht auch, sind bloß noch Kleinigkeiten, die fehlen.
Seit September habe ich einen neuen Vollzeitjob und er hat sein Gewerbe seit August abgemeldet (auch eine Sache, die ihm sehr zu schaffen gemacht hat). Er hat sich direkt im Anschluss arbeitslos gemeldet und bekommt jetzt einen großen LKW Führerschein vom Amt gesponsert. Ein Traum, den er schon als kleiner Junge hatte. Freut mich tierisch dass der sich endlich erfüllt. Er startet zwar keinen Traumjob in der Anschlussfirma, aber da bleibt er nur ein paar Monate und danach kann er woanders anfangen. Es geht langsam alles ein bisschen weiter. Da war es kein Wunder für mich, dass wir letztes Wochenende, da haben wir den Kleiderschrank und vieles an Deko gekauft, so ein wunderschönes Wochenende hatten. Wir hatten jede Menge Sex, das habe ich so vermisst. Wir haben nicht vor dem Fernseher gehangen, wie die Wochen davor. Es war endlich mal wieder so wie früher. Wir waren so mega glücklich wie lange nicht mehr. Er sagte, er wolle diese Woche daran anknüpfen und eine richtige Sex-Woche einführen. Aber leider wurde daraus nichts, weil er Dienstags abends nochmal in die Fahrschule muss (sonst immer Vormittags), das entspricht dann einer 8h-Schicht, Montags war ein Kollege da um den Schrank aufzubauen, gestern sind wir eingeschlafen auf der Couch. Heute beklagte er, dass wir das nicht so ausleben konnten wie wir uns das dachten mit der Sex-Woche. Der viele Sex letztes Jahr ging ausschließlich von ihm aus, nicht von mir. Aber mir fehlt er jetzt. Seit Monaten spricht er von unserer „Entdeckungsreise“, dass wir uns mal so richtig um uns kümmern müssen. Dass er mich durch die ganze Wohnung vö*** will, dass wir es draußen im Wald machen wollen und und und. Aber es passiert nichts. Er sprach und spricht immer so viel davon, dass wir wieder unsere alte Kontinuität zurückkriegen müssen.
Ich mache ihm keinen Druck, vor Monaten habe ich das erste und letzte Mal gesagt, dass mir der Sex fehlt. Davor und danach nie wieder. Weil ich weiß dass auch er nichts für die Situation kann. Es ist ja auch nicht so, dass er keinen Sex mehr will. Er spricht ja dauernd davon. Es ist also Thema für ihn, nicht wie andere, die nicht drüber sprechen/sprechen wollen usw. Aber an der Umsetzung hapert's. Und attraktiv usw. findet er mich nach wie vor. Sonst wäre er am Wochenende nicht so abgegangen. Wir hatten 5 mal Sex an dem Wochenende, zu allen möglichen Uhrzeiten. Und jedes Mal relativ lange. Also liegt es nicht daran dass er nicht kann, auch nicht dass er nicht will. Vielleicht sacken erst jetzt so richtig die ganzen mistigen Monate zuvor, und es ist noch nicht so sehr gesackt, dass es vorwärts geht. Er bleibt nämlich nach wie vor noch an den blöden Themen hängen und regt sich auf.
Meine Frage an euch ist jetzt, was kann ich tun, um ihn mehr von diesem Mist zu befreien und habt ihr aus eurer Sicht Verständnis für die Lage, dass es so ist wie es ist und er nicht so umsetzt/umsetzen kann? Wie gesagt, ich mache null Druck…

Es ist meine erste richtige Beziehung, daher null Erfahrungen und diese Unsicherheit, vielleicht ist für mich Sex auch einfach ein Liebesbeweis?

Ich danke euch jetzt schon für's Durchlesen!

puschel1990
 

Seestern1   (32)

Öfters im Forum
Ich sehe bei euch kein wirkliches Problem. Du sagst doch selber, dass ihr euch liebt und dass es Gründe dafür gibt, dass ihr weniger Sex habt. Also mach dich nicht verrückt und vetrau auf deine Gefühle. Was ich allerdings nicht verstehe, wenn du dir mehr Sex wünscht und die Initiative immer nur von ihm ausgeht, warum übernimmst du dann nicht einfach die Initiative?
 

Lissy_20  

Meistens hier zu finden
Zum einen habt ihr wirklich viel an der Backe. Da ist klar, dass man gedanklich wild vögelt, aber an der Umsetzung im Alltag hapert es. Nun ist ja 5x am Tag *hust* relativ viel. Wie oft würdest du es dir wünschen? Verführst du ihn auch mal, oder blockt er dann ab?

Immerhin könnt ihr relativ gut reden. Also um deine Frage zu beantworten, ja ich habe in eurer derzeitigen Lage Verständnis.

Auch relativiert sich das Sexleben nach den ersten Monaten. Entweder du verführst, oder redest nochmal oder wartest noch ein bisschen ab.
 

libelle2016   (27)

Ist noch neu hier
Nimm es selbst in die Hand! Ich sehe da auch kein richtiges Problem. Ihr liebt euch trotz einer Krise. Und sowas halten die meisten nicht durch.Wenn ihr beide beim Thema Sex Schritte aufeinander zu macht dann wird es auch wieder mehr Sex geben. In oder nach einer Krise steht Sex nunmal nicht immer an erster Stelle.
 

krava   (39)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
In dem Roman lese ich im Kern, dass du dir Sex wünschst, aber nichts dafür tust.
Warum denn nicht?
Wenn du deinen Freund einfach mal ins Bett ziehst oder ihm deutlich sagst, was du dir wünschst, das ist doch weit entfernt von Druck erzeugen.
Warum wartest du brav darauf, dass er die Initiative ergreift?
 

puschel1990   (30)

Ist noch neu hier
Ich bin einfach nicht so der Typ der oft die Initiative ergreift. Mir kommt es dann so vor, als würde ich Druck machen. Und Sex einfordern möchte ich schon mal gar nicht, am liebsten ist es mir, wenn es spontan einfach dazu kommt. Aber das ist halt weniger geworden. Die letzten Monate sowieso und auch jetzt, wo sich langsam alles entspannt nach unserer Krise, hat es nicht wirklich zugenommen außer an vereinzelten Tagen mal. Ich dachte eigentlich, wenn alles besser wird, dass auch der Sex wieder mehr wird. Vielleicht ist bei ihm unsere Krise noch nicht so verarbeitet oder angekommen, dass sie größtenteils vorbei ist? Weil so haben wir ja auch viele schöne Momente und Stunden, Tage, an denen wir nur rumalbern und einfach glücklich sind. Wir haben fast ausschließlich an den Wochenenden Sex, unter der Woche fast gar nicht mehr..,.
 

Pink Bunny   (31)

Planet-Liebe ist Startseite
Ich bin einfach nicht so der Typ der oft die Initiative ergreift. Mir kommt es dann so vor, als würde ich Druck machen. Und Sex einfordern möchte ich schon mal gar nicht, am liebsten ist es mir, wenn es spontan einfach dazu kommt. Aber das ist halt weniger geworden. Die letzten Monate sowieso und auch jetzt, wo sich langsam alles entspannt nach unserer Krise, hat es nicht wirklich zugenommen außer an vereinzelten Tagen mal. Ich dachte eigentlich, wenn alles besser wird, dass auch der Sex wieder mehr wird. Vielleicht ist bei ihm unsere Krise noch nicht so verarbeitet oder angekommen, dass sie größtenteils vorbei ist? Weil so haben wir ja auch viele schöne Momente und Stunden, Tage, an denen wir nur rumalbern und einfach glücklich sind. Wir haben fast ausschließlich an den Wochenenden Sex, unter der Woche fast gar nicht mehr..,.

Dann tuts mir sehr leid aber entweder du springst über deinen passiven Schatten, oder es läuft wie bisher. Dann musst du dich jedoch auch nicht beschweren.

Sex ist ein Geben und Nehmen und Männer mögen es auch mal wenn Frau die Initiative ergreift.
 

Lissy_20  

Meistens hier zu finden
Naja was heißt einfordern? Man kann ja verführen. Und schauen was sich dann ergibt. Er kann ja dann immer noch sagen, dass er in dem Moment keine Lust hat. Du sollst ja jetzt nicht mit der Peitsche vor ihm stehen und sagen "wenn du jetzt nicht stehst dann passiert was".

Ansonsten mußt du halt sehen wie es sich weiterentwickelt und ob es wieder "besser" wird.

Es gibt ein Sprichwort "Es ist jeder seines Glückes Schmied"
 

Pinguinkind  

Öfters im Forum
Ich schließe mich den anderen an, die sagen du musst dich um mehr Sex bemühen. Sag ihm doch, dass auch du mehr Sex willst. Wenn du Lust hast, sag es ihm zumindest, oder schmeiß dich an ihn ran und mach ihn an ... verführ ihn.

Das muss nicht zu Sex führen und klar kann dich das enttäuschen wenn er dann zu viel um die Ohren hat, um Sex zu haben. Aber wenn du dich da nicht aktiver zeigst, wird sich nichts ändern - so wie es bisher läuft, reichts dir nicht. Und da du ihn nicht ändern kannst, musst du an deinem eigenen verhalten arbeiten.
 

Nevery  

Planet-Liebe ist Startseite
Ich bin einfach nicht so der Typ der oft die Initiative ergreift. Mir kommt es dann so vor, als würde ich Druck machen. Und Sex einfordern möchte ich schon mal gar nicht, am liebsten ist es mir, wenn es spontan einfach dazu kommt.
naja, aber stell dir vor, er würde es genauso handhaben - wie oft hättet ihr dann noch sex? und: weißt du, wie frustrierend es für einen partner ist, wenn er immer anfangen muss? sagt ja keiner, dass du in zukunft immer alles initiieren sollst, aber ab und an mal anfangen wäre schon nen feiner zug... vor allem, wenns dir zu wenig ist.
 
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