Und plötzlich ist sie wieder da.. Magersucht :/

Benutzer117414 

Verbringt hier viel Zeit
Es fällt mir echt schwer darüber zu reden, ich habe noch mit keinem darüber geredet, aber ich muss das jetzt mal loswerden...
Ich bin zurzeit echt verzweifelt, obwohl ich eigentlich überhaupt keinen Grund dazu habe. Ich habe seit ein paar Monaten einen tollen Freund, habe vor kurzem mit meinem Studium angefangen und bin in eine neue Stadt gezogen, habe sofort Anschluss gefunden und eigentlich alles Bestens!
Aber nur eigentlich.. aber am Besten ist, wenn ich von vorne anfange.
Ich hatte eigentlich nie große Probleme in meinem Leben, ich wuchs behütet auf, hatte eine glückliche Kindheit, habe 3 Geschwister, meine Eltern sind nicht getrennt, ich hatte immer Freunde, war beliebt, sportlich, ich war nicht schlecht in der Schule... Also eigentlich alles in Ordnung. Einziges Manko war vielleicht dass meine Eltern dadurch dass wir eine große Firma besitzen ziemlich wenig Zeit für uns Kinder hatten und wir sozusagen von verschiedenen Nannys, Au-Pairs und Großeltern groß gezogen wurden. Doch trotzdem fühlte ich mich nie ungeliebt oder so etwas in der Art. Ich war immer dünn, fühlte mich wohl in meiner Haut und fand mich auch nicht hässlich. Ich kann mich auch nie erinnern, dass mal jemand etwas Schlechtes über mein Aussehen gesagt hat oder so.
Meine Eltern erwarteten, obwohl sie ziemlich wenig Zeit hatten für uns, trotzdem von uns Kindern immer Bestleistungen, sei es in der Schule, beim Sport oder sonst wo, es herrschte also ein ziemlicher Leistungsdruck in unserer Familie. Ich trieb viel Sport und turnte leistungsmäßig, was mir am Anfang auch Spaß machte. Doch irgendwann wurden in meinem Leben auch Dinge wie Party machen, Jungs, Klamotten usw. interessant und ziemlich oft war ich angepisst wenn ich jeden Tag trainieren musste und an den Wochenenden bei Wettkämpfen war, während sich meine Freunde amüsierten. Meinen Eltern gefiel das natürlich überhaupt nicht, sie wollten unbedingt, dass ich Profiturnerin werde, weshalb es ziemlich oft Streit gab. Ich wollte sie irgendwie nicht enttäuschen, gleichzeitig wollte ich jedoch auch Spaß haben, deshalb versuchte ich die ganze Zeit alles unter einen Hut zu bringen und „vergaß“ dabei immer öfter auf das Essen. Zuerst war es so, dass ich einfach keine Zeit hatte zu essen, irgendwann hatte ich auch überhaupt keinen Hunger mehr... Wirklich ausschlaggebend war dann aber der Tod einer ziemlich guten Freundin von mir, sie wurde vor meinen Augen von einem Zug überfahren. Das machte mich wirklich fertig, doch nach außen hin war ich die Starke, keiner wusste wie sehr mich das fertig machte. In dieser Zeit aß ich noch weniger, eigentlich fast gar nichts. Aufgefallen ist es eigentlich auch niemanden, da es so etwas wie gemeinsame Mahlzeiten bei uns fast nie gab. In der Schule bei der jährlichen Schuluntersuchung fiel es dem Schularzt dann auf. Ich war dann längere Zeit in einer Klink und seit ca. 1,5 Jahren geht es mir eigentlich wieder gut, ich fühle mich gesund, wiege wieder mehr, ich esse auch halbwegs normal, obwohl ich schon noch genau drauf achte was ich esse, aber ich stelle mich nicht mehr jeden Tag auf die Waage und betrachte mich ständig kritisch.
Das war zumindest bis jetzt so...
Jetzt komme ich nämlich endlich zu meinem eigentlichen aktuellen Problem. Wie gesagt, ich habe seit ein paar Monaten einen Freund. Mein Freund ist querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl, was aber nie ein Problem für mich war, dachte ich zumindest. Denn jetzt kommt das wirklich Dumme, ich fühle mich eigentlich selbst lächerlich dabei, aber ich kann mir nicht helfen. Es ist halt so, dass wenn wir wohin gehen, uns bzw. eigentlich hauptsächlich ihn, schon ein paar Leute angucken, was mich am Anfang nicht sonderlich gestört hat, wobei ich bis heute nicht recht verstehe was so besonders an einem Menschen im Rollstuhl ist, aber wenn sie meinen. In letzter Zeit aber habe ich immer öfter das Gefühl, dass alle Leute nur mich angucken und ich ertrage diese Blicke nicht besonders gut, ich fange dann sofort an mir zu zweifeln an und denke mir, dass die gucken weil ich zugenommen habe, nicht mehr dünn bin, nicht mehr gut aussehe, hässlich und dick bin. Prinzipiell weiß ich, dass das alles Schwachsinn ist, die meisten Blicke bilde ich mir sowieso nur ein, und die paar was halt schauen, schauen weil sie anscheinend noch nie einen Rollifahrer gesehen haben.. Aber trotzdem ist es wie verflucht, ich esse schon wieder ziemlich wenig und wiege mich ständig ab, habe auch schon wieder abgenommen, aber ich kann einfach nichts dagegen machen.
Ich kann auch mit keinem darüber sprechen, meine Mutter würde mich sofort wieder in die Klinik stecken oder nach Hause holen, dass sie auf mich achten kann, bei meinen Freundinnen weiß ich auch, dass sie mir keine sonderliche Hilfe wären und am allerwenigsten kann ich mit meinem Freund darüber sprechen. Er weiß von meiner Vergangenheit und wenn ich ihm sage, dass es quasi seine Schuld ist, würde ihn das fertig machen und sicher meinen, dass es am besten ist wenn ich nichts mehr mit ihm zu tun habe, dass ich dann keine Blicke mehr ertragen muss... Und das will ich unter gar keinen Umständen, ich will ihn nicht verlieren! Ich bin wirklich glücklich mit ihm und habe überhaupt kein Problem damit dass er im Rollstuhl sitzt, das Problem bin ich selbst. Ich hasse mich selbst dafür, dass ich mir das so sehr einbilde und nichts essen kann, ich will nicht wieder in eine Klink oder zu irgendeinen Therapeuten, das würde alles kaputt machen, denn eigentlich bin ich wirklich glücklich und zufrieden im Moment.
Ich wollte mir das nur mal von der Seele schreiben, und vielleicht gibt’s ja den einen oder anderen der sich das alles durchgelesen hat und vielleicht einen Rat weiß.

Lg Janina
 

Benutzer6428 

Doctor How
Hmm..
Ich denke wirklich helfen kann dir hier im Forum niemand. Dazu ist dein Problem zu heftig.
Deswegen versuche ich ein bisschen zu entwirren. Vielleicht findest du eine Anregung und vielleicht findest du daraus wiederum eine Möglichkeit wie es weiter gehen kann.

Zunächst mal würde mich interessieren, wo du zur Zeit wie wohnst. Du sagst, du hast gerade ein Studium angefangen, bist du dazu in ein Studentenwohnheim gezogen?
Weiterhin würde mich interessieren, in wie weit du dich während der Threapie mit deiner Magersucht beschäftigt hast. Wie mir scheint hast du die Verbindung zu dienem Aufwachsen schon gesehen, sie aber nicht konkret durchdacht. Sicherlich ist diese Krankheit nicht einfach vom Himmel gefallen und sicherlich hat sie etwas mit dem Umgang in deiner Familie zu tun.
Aus diesem Grund denke ich, dass du zwar die Symptome bisher erfolgreich bekämpfen konntest, den Grund dafür aber noch nicht wirklich ausfindig gemacht hast. Anders ausgedrückt: Irgendwas in der Vergangenheit hat in DIR etwas ausgelöst. Du hast bestimmte Denk- und Verhaltensweisen angenommen, die dich wiederum zu deiner Krankheit geführt haben. Wenn du den Mist also tatsächlich los werden willst, wirst du mit den Denk und Verhaltensweisen anfangen müssen. Dazu hilft es sehr häufig (aber nicht immer) zu verstehen, wo sie genau her kommen.

Das Ganze ist natürlich ein ziemlich großer Batzen arbeit, aber wie du gerade bemerkst, wirst du vermutlich nicht drumrum kommen. Damit kommen wir zum eigentlichen Teil: Du hast ja bereits erkannt, dass du selbst das Problem hast und dass du auch der Einzige bist, der es lösen kann. Du hast nur noch nicht erkannt, dass du es von alleine nicht schaffen wirst. Ich will dir hier sicherlich nicht einreden in die Klinik zu gehen!!
Du musst nämlich selbst herausfinden, wie du dir helfen lassen kannst. Ein Therapeut hat auch nur begrenze Möglichkeiten. Er hat keine Werkzeuge, um in deinem Kopf Neuronenverbindungen neu zu ordenen. Er kann dir lediglich Werkzeuge an die Hand geben, mit denen du das selbst tun kannst.

Vielleicht solltest du über eine normale Gesprächstherapie nachdenken. Diese könntest du neben dem Studium machen, ohne dass jemals deine Eltern was davon erfahren müssen. Und noch etwas ist wichtig: Du solltest dich ernsthaft deinem Freund anvertrauen. In einer Beziehung ist es so, dass man sich bei Problemen gegenseitig unterstützen sollte. Wenn der Eine stolpert, fängt der Andere den Einen auf. Sollte dein Freund also anstalten machen, dich zu deinem eigenen Besten verlassen zu wollen, kannst du ihn direkt fragen, warum er nicht für dich da sein kann, wenn du ihn brauchst und dir stattdessen lieber noch noch mehr Probleme aufbürdet. Wenn es in einer Beziehung unmöglich ist, sich willkommen zu fühlen, sich geborgen und warm zu fühlen und sein Herz auszuschütten, was ist sie dann wert?

Also kurz zusammengefasst: Du bist nicht alleine. Handel also auch danach. Nimm die Hilfe an, die dir geboten wird, dann kannst du Berge versetzen.

LGZ

Damian
 

Benutzer102673 

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Du hast eine Krankheitseinsicht, das ist schon einmal sehr sehr wichtig und gut. Ich kann mich Damian nur anschließen: es gibt auch anderes, als Kliniken. Und diesen Weg empfehle auch ich Dir - hier ist definitiv nicht der richtige Ort.

Bei Essstörungen ist es nun einmal leider so, dass viele diese ihr Leben lang oder zumindest lange Jahre nicht loswerden. Es gibt bessere und schlechtere Phasen. Und hier sehe ich eben auch die Möglichkeit, dass Du Gesprächs- oder auch Verhaltenstherapien in Anspruch nimmst. Vielleicht nur eine Zeitlang, vielleicht in regelmäßigen Abständen.

Du hast ja das Recht, Dich verschiedenen Therapeuten vorzustellen und je nachdem, wie Dein erster Eindruck ist, auch welche abzulehnen.

Nimm Dein Leben in die Hand und erlaube Dir die "Schwäche", und die unumgänglich schweren Momente, die so eine Therapie sicher mit sich bringen wird. Nimm das an, nimm Dich an und gleich dazu Deinen Freund mit ins Boot. In gewissen Momenten wird er Dir helfen können, in anderen vielleicht nicht, aber er ist dann auf dem Laufenden, dass Du gerade an etwas knabberst.

Rede auch mit Deinem Hausarzt drüber und mit denen Leuten, denen DU Dich anvertrauen willst.

Alles Gute.

Gruß, cocos
 

Benutzer123446 

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Eigentlich gibt es Damians Post überhaupt nichts mehr hinzuzufügen.

Es tut mir leid für dich, dass es dir so schlecht geht... es ist Mist, wenn man denkt, dass doch grad alles gut läuft und sich dann langsam Dinge zurück schleichen, die man überwunden geglaubt hat.
Aber: Meistens ist leider nicht "alles bestens" wenn man in seine alten, destruktiven Verhaltensmuster zurückfällt. Auch wenn es erstmal so zu sein scheint.
Es gibt viele Gründe, warum die Magersucht grade jetzt wieder in dein Leben treten könnte: zum Beispiel weil in der neuen Stadt alles so neu und anders ist, dass es einen fast erschlagen könnte. Oder weil man im Studium wieder ganz neuen Leistungsanforderungen ausgesetzt ist, und Leistung ein wichtiger Aspekt bei dir ist.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, aber es ist einfach wichtig, sich mit diesen (Hinter)Gründen und der Frage, welche "Funktion" die Magersucht einnimmt, auseinanderzusetzen. Warum denkst du, dass es alles kaputt machen würde, wieder zu einem Therapeuten (ambulant!) zu gehen?

Und wenn es noch nicht so weit ist, dass es nichts mehr hilft - nimm ganz "banale" Dinge in Angriff. Schmeiß die Waage in den Müll. Geh mit Freunden in die Mensa. Such dir eine WG und kocht zusammen.
Ja, ich weiß, dass es nicht mehr geht, wenn man wieder drin steckt. Aber manchmal gibt es Zeiten, in denen sich eine Essstörung zurück ins Leben schleicht, und man kann sie evtl. sofort wieder zur Tür rausschicken. Dann muss man sich aber meistens mit beidem befassen. Mit den wiedererwachten Symptomen genauso wie langfristig/anschließend mit den Gründen.
 

Benutzer49007  (34)

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An den anderen Kommentaren kann man kaum etwas hinzufügen.
Ich rede jetzt aber mal von meiner Erfahrung mit dem Thema Magersucht. Ich habe es selbst nie in den Griff bekommen und ohne stationäre Hilfe hätte ich es auch Heute nicht im Griff.
Aber da ist jeder anderst und wenn du denkst das würde dir in deinem Leben im Moment nur schaden dann entscheide dich dagegen.
Du wirst kaum je ganz davon weg sein, wichtig ist aber dass du es erkannt hast und etwas dagegen tun willst.
 

Benutzer117414 

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Vielen Dank für eure Antworten. Es war mir eigentlich klar, dass mir hier keiner "richtig" helfen kann und ich mir professionelle Hilfe suchen sollte , aber eure Ratschläge und Worte haben mir trotzdem sehr weitergeholfen.

Ich wohne in einem Studentenheim, es gibt eine Gemeinschaftsküche und da jeder immer zu unterschiedlichen Zeiten zuhause ist und kocht, fällt es eben nicht auf, dass ich fast nie in der Küche bin.

Ich habe schon während meiner vorherigen Therapien immer zusammen mit den Psychologen und Therapeuten versucht, einen Grund oder ein Ereigniss, das ausschlaggebend war, zu finden, aber immer vergeblich.

Aber ich werde sobald die Feiertage vorüber sind und ich wieder in meinem Studienort bin, mit meinem Freund wirklich versuchen darüber zu reden. Vielleicht hilft das etwas und wenn nicht, dann wird mir wohl nichts übrig bleiben als mal irgendeine Beratungsstelle aufzusuchen.
 

Benutzer49007  (34)

Sehr bekannt hier
einfach nur mit dem Therapeuten nach Ursachen zu suchen hat mir auch nie etwas gebracht.
Kochst du denn gerne?
Gemeinsames koche mit anderen betroffenen Menschen ist der aller beste Weg zu normalem Essverhalten. Du hast sicher eine gute Freundin in dem Wohnheim mit der du mal kochen kannnst oder nicht? Mal einplanen das ihr zusammen was leckeres und gesundes kocht und dann fällt dir das viel leichter
 

Benutzer102673 

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Die Idee von foxi finde ich super. Im Prinzip hast Du doch jetzt in dem Wohnheim dieselbe Ess-Situation wie zu Hause. Keine gemeinsamen Mahlzeiten, jeder für sich. Dabei hat Essen auch einen hohen sozialen Faktor. Man kann lernen, das Essen wieder zu genießen, ohne dass es in extreme Katastrophen ausschlägt.
Die Gewohnheiten aufbrechen halte ich auch für sinnvoller als eine Ursachenforschung. Viele Aspekte bedingen sich ja und die Suche nach "dem einen" Zeitpunkt finde ich seltsam.
Als grobe Richtlinie, wie man überhaupt isst, kann man sich ruhig an die DGE halten. 5 a day und drei Hauptmahlzeiten (vllt. 2 Zwischenmahlzeiten) versuchen einzuhalten. Am besten zu einer festen Uhrzeit. Es darf ja viel Gemüse, Obst, "natürliches Essen" dabeisein, Du sollst Dir ja jetzt nicht der fettigen Fertig-Mampf Industrie anheim fallen.

Off-Topic:
Auch ich habe eine Essstörung und bin nun langsam wieder da, wo ich Sättigung und Hunger ganz deutlich empfinden kann. Es war bis hierhin ein 16-jahrelanger Weg, und eine weitere akut schlimme Phase hat 6 Jahre gedauert, bis zu diesem Jahr. Und es ist für mich heute ein großer Genuss, zu essen, es zu planen, zu kochen. Du siehst, was auf Dich zukommen kann, aber es ging in ganz kleinen Schritten immer besser. Freu Dich auf das Ziel des unbeschwerten Essens und setz Dir kleine Ziele, unterschätze es nicht, aber ich glaube, das tust Du eh nicht.


Den ersten Schritt bist Du gegangen, Du allein. Der war nämlich hier. Und jetzt überlege, in wieweit Du die Sache auch vor Deinem Umfeld (Eltern würde ich raushalten) öffentlich machen willst - es kann tatsächlich helfen; das musst Du aber abschätzen.

Gruß, cocos
 

Benutzer98976 

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Ich habe schon während meiner vorherigen Therapien immer zusammen mit den Psychologen und Therapeuten versucht, einen Grund oder ein Ereigniss, das ausschlaggebend war, zu finden, aber immer vergeblich.

Waren diese Therapeuten überhaupt mit Essstörungen vertraut?

Selbst als Laie ist mir aus diversen Dokumentationen über Magersucht bekannt, dass gerade strenge Eltern mit hohen Anforderungen an (die Leistungen) ihre(r) Kinder einen Auslöser für die Krankheit darstellen können. Da braucht es gar kein konkretes Ereignis, es ist eher der konstante Druck. Wenn ich mich recht entsinne war davon die Rede, dass die Kontrolle über das Essen die einzig verbleibende Form der Rebellion (sowie ein Ruf um Aufmerksamkeit) sein kann, wenn die Eltern bereits über alles andere bestimmen. Getreu dem Motto "Ihr mögt mir alles diktieren - aber mein Körper, der unterliegt meiner Bestimmung."
Für mich passt daher gut ins Bild, dass Deine Eltern schon in Deinen kurzen Beschreibungen sehr fordernd, kontrollierend und bestimmend rüberkommen.
 

Benutzer117414 

Verbringt hier viel Zeit
Also die Idee mit dem gemeinsamen Kochen finde ich nicht schlecht, ich kenne schon einige aus dem Studentenheim und was ich so mitbekommen habe, kochen die auch öfters zusammen. Da könnte ich natürlich auch mitmachen. Allerdings weiß ich genau, dass ich jetzt die Idee gut finde, aber wenn es dann so weit ist, werde ich entweder absagen oder mich sehr unwohl dabei fühlen. In meinen "besseren" Zeiten habe ich es geschafft vor anderen essen, aber zurzeit meide ich das eigentlich, ich fühle mich dabei einfach so beobachtet. Aber mal sehen, vielleicht schaffe ich es..

Waren diese Therapeuten überhaupt mit Essstörungen vertraut?

Selbst als Laie ist mir aus diversen Dokumentationen über Magersucht bekannt, dass gerade strenge Eltern mit hohen Anforderungen an (die Leistungen) ihre(r) Kinder einen Auslöser für die Krankheit darstellen können. Da braucht es gar kein konkretes Ereignis, es ist eher der konstante Druck. Wenn ich mich recht entsinne war davon die Rede, dass die Kontrolle über das Essen die einzig verbleibende Form der Rebellion (sowie ein Ruf um Aufmerksamkeit) sein kann, wenn die Eltern bereits über alles andere bestimmen. Getreu dem Motto "Ihr mögt mir alles diktieren - aber mein Körper, der unterliegt meiner Bestimmung."
Für mich passt daher gut ins Bild, dass Deine Eltern schon in Deinen kurzen Beschreibungen sehr fordernd, kontrollierend und bestimmend rüberkommen.

Das stimmt natürlich und ich habe mich auch etwas falsch ausgedrückt. Ich meinte damit, dass ich persönlich nie einen Grund gefunden habe. Denn die Therapeuten waren schon Experten und die meinten auch, dass ich einfach den Druck der Eltern nicht mehr ausgehalten habe usw., genau so wie du es beschrieben hast. Allerdings finde ich eben persönlich einfach nicht, dass das zutreffend ist bei mir. Klar meine Eltern haben viel verlangt, doch ich war nie unglücklich dabei. Und seit ich meine Krankheit habe, ist das auch überhaupt nicht mehr so. Meine Mutter ist ziemlich oft bei meinen Geschwistern zuhause, sie erwarten keine Bestleistungen mehr und es herrscht kein Druck mehr. Deshalb verstehe ich auch nicht, wieso ich jetzt auf einmal wieder nichts mehr essen kann...
 

Benutzer6428 

Doctor How
Schwierig...aber ich denke du hast eine gute Chance darauf, das noch zu ergründen...
Konzentriere dich dabei aber nicht unbedingt auf das jetzt und heute, denn der Druck kann ja auch nur einmal für 2 Jahre zu viel gewesen sein, zu einer Zeit, an die du dich garnicht mehr so klar erinnern kannst. Irgendwie wird man ja doch von seinem Umfeld und von seiner Familie im Besonderen geprägt.

So oder so...zusammen kochen ist immer eine gute Idee...ich bin zur Zeit auch irgendwie in Kochwut geraten...im Tiefkühlschrank stapeln sich langsam die Tupperdosen, weil ich IMMER zu viel mache :zwinker:
Wenn du Rezepte tauschen magst, kannst du dich gerne an mich wenden...wir könnten ja im Lifestyle&Sport Bereich einen Thread aufmachen :zwinker:
 

Benutzer49007  (34)

Sehr bekannt hier
Ja wenn man mit "normalen" zusammen kocht fühlt man sich beobachtet. man macht sich Gedanken was die anderen denken wenn man isst wie man isst. Ob die denken "man isst die viel" "guckt mal was die isst". wenn du aber mit Leuten zusammen kochst und isst die das selbe Problem haben wie du fällt dir das viiiel einfacher glaub mir. Darum fände ich eine betreute Therapie mit anderen Betroffen zusammen fast am besten. Lass dich unbedingt möglichst schnell gut beraten von einem Arzt der sich damit ausskennt. Die können dir gute Adressen geben.
 

Benutzer20579  (37)

Planet-Liebe ist Startseite
Ich würde mal laienhaft vermuten, dass du dir den Druck, den du zu Hause gelernt hast, mittlerweile selbst machst - auch wenn deine Eltern damit aufgehört haben, ist es doch in dir, da du jahrelang damit gelebt hast.

In meinen Augen neigen viele Menschen auch dazu, sich zu überschätzen - überleg einfach mal, was du in den letzten Wochen und Monaten gestemmt hast und wieviel Stress das ist - körperlich und emotional.

Auszug von zu Hause in ein Studentenheim mit Gemeinschaftsküche - alleine das würde viele Leute schon stressen. Gemeinschaftsküche mit anderen Leuten, die andere Vorstellungen haben vom Kochen, von Sauberkeit - weniger Privatssphäre, fremde Menschen. Finde ich an sich schon einen großer Schritt.

Dann kommt die neue Stadt dazu, das Studium - wieder überall neue Eindrücke, neue Menschen, neuer Lernstoff - und unterbewusst vielleicht auch der Ehrgeiz, das gut zu machen. Ich kann mir vorstellen, dass du gerne Dinge genau und perfektionistisch angehst, dass du bei den neuen Leuten gut ankommen möchtest, dass du in deinem Studium gute Noten schreiben möchtest - eben der typische Ehrgeiz, der damit einhergeht, wenn alles neu ist, man es gut machen möchte, gut ankommen möchte - ein neuer Batzen.

Und dann kommt auch noch ein Freund dazu, der im Rollstuhl sitzt - und das ist sicherlich eine Herausforderung, unabhängig davon, wie gut man damit zurecht kommt. Ich finde es trotzdem beachtlich, dass du dich einer solchen Beziehung stellst - es gibt genug Leute, die davor Bammel hätten, die ängstlich und verunsichert wären, nicht wüssten, wie man mit so jemandem umgeht. Und du machst es, fährst mit ihm durch die Stadt. Und natürlich glotzen die Leute, wenn eine attraktive junge Frau jemandem im Rollstuhl begleitet, es gibt bestimmt Leute, die sowas toll finden, solche, die das nicht verstehen, solche, die noch nie jemandem im Rollstuhl gesehen haben und sich fragen, wie das ist.

Dass dich nun die ganze Situation stresst, auch wenn du es selbst nicht so wahrnimmst, wundert mich nicht. Und es wundert mich auch nicht, dass dein Körper in ein denkbar ungünstiges, aber angelerntes Stressbewältigungskonzept übergeht - das Weglassen von Mahlzeiten, das Konzentrieren auf das Gewicht - denn das beherrscht er, damit kann er Sicherheit zurückgewinnen, wenn überall sonst alles neu ist und ungewohnt.

Ich kann mir vorstellen, dass man in solche Verhaltensmuster zurückfällt, da sie einem - auf eine abstruse Art und Weise - Sicherheit geben. Die Waage ist morgens da, das Erfolgserlebnis, weniger zu wiegen, ist eintrainiert, damit kann man umgehen und das kennt man. Vielleicht gibt einem das Gefühl, Mahlzeiten wegzulassen auch eine Art Gefühl von Stärke, über sich selbst, über die Umwelt und den Rest, der einem vielleicht manchmal entgleitet und einen verunsichert.

Ich würde auch meinen, dass professionelle Hilfe angezeigt wäre - um eben diese Denkmuster zu umgehen. Es dürfte dir klar sein, dass Leute, die dich nicht kennen, niemals auf die Idee kommen würden, im Vorbeigehen zu denken, dass du nicht mehr so dünn bist, wie früher - das kann zwangsläufig nur in deiner Vorstellung stattfinden. Ich finde es wichtig, dass man sich sowas vergegenwärtigt und sich klarmacht, dass es lächerlich ist und dass einem das Gehirn Streiche spielt. Vielleicht hilft es dir auch, zu versuchen, die Sache mit Humor zu nehmen und dir klarzumachen, dass du die Sache falsch siehst - einfach, indem man sich klarmacht: "Bescheuert, die sehen einen Rollstuhlfahrer, und ich denke mal wieder daran, dass ich zu dick bin und die deswegen glotzen!"

Letztendlich dürften das Leute, die sich leicht verunsichern lassen, kennen: Ich habe einen Bekannten, der glaubt, man lache zwangsläufig über ihn, wenn man über irgendwas lacht. Anderes Beispiel: Vor ein paar Wochen sah ich auf der Autobahn ein Polizeiauto und habe gleich gedacht, dass sie mich rauswinken - was total realistisch ist, wenn um einen herum ungefähr 20 polnische Laster mit zweifelhafter Herkunft fahren :zwinker: Sprich: Man muss sich einfach klarmachen, dass man sich selbst beklopppt macht -und zwar unnötig.

An deiner Stelle würde ich das weitere Vorgehen mit festen Ritualen und regelmäßigen Mahlzeiten unterstützen. Oder mit Belohnungen: Vorlesungen geschafft, dann gönne ich mir was Leckeres oder koche mir was Schönes. Wenn es draußen regnet, mache ich mir einen Kakao. Irgendwie sowas - damit klar wird, dass Genießen und Essen eigentlich etwas Schönes ist.

Mir zum Beispiel helfen Rituale, wenn ich gestresst bin und ich den Eindruck habe, alles entgleitet mir. Sich dann zu sagen: "Heute abend gibt es eine große Kanne Tee, ein Stück Kuchen und einen schönen Film /eine Folge meiner Lieblingsserie", sowas entspannt mich einfach ungemein. Ich kenne mich mit Essstörungen nicht gut aus, aber ich würde vermuten, dass es auch dir helfen könnte, wenn du dir Rituale einrichtest, die dich entspannen und die dir den Alltag austreiben - und wenn du diese mit festen Mahlzeiten oder Snacks verbindest, die du dann ganz bewusst zu dir nimmst.

Nebenbei kann ich deine Angst vor erneuter professioneller Hilfe gut verstehen. Es mag wirken wie Kapitulation, dass du diese Essstörung "immer noch nicht im Griff" hast, obwohl du deswegen schon in einer Klinik warst. In meinen Augen wäre es aber viel dramatischer, wenn du - wie viele andere Menschen mit Essstörungen - gar nicht merken würdest, dass du wieder hineinschlitterst. So gesehen ist es doch ideal, dass du das merkst und dagegen vorgehen möchtest! Extremes Gegenbeispiel wäre doch, wenn du behaupten würdest, keine Essstörung zu haben und völlig normal zu essen- da bist du doch schon viele Schritte weiter, indem du weißt, was du für ein Problem hast und es bekämpfen möchtest. Ich kann da nur den Hut ziehen und drücke dir jedenfalls alle Daumen, dass es dir bald wieder besser geht. :smile:
 
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