Typisch Deutsch - Was ist es fuer euch?

vry en gelukkig
Benutzer97853  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #1
Hallihallo,

der liebe YouTube Algorithmus hat mir eben dieses Video vorgeschlagen:

Nun wollte ich euch mal fragen: Was ist fuer euch "typische Deutsch"? Was findet ihr toll an "typisch deutschen Sachen" - oder welche nerven euch sogar? Und was sollte man "nie machen, wenn man in Deutschland lebt"?

Viele Gruesse
vry
 
KillPhil78
Benutzer175230  (44) Öfter im Forum
  • #2
Pünktlichkeit ist für mich typisch deutsch. :jaa:

Spontanität fehlt uns Deutschen zum Teil, leider.
 
Daylight
Benutzer15352  Beiträge füllen Bücher
  • #3
Hausschuhe :grin:
 
caotica
Benutzer68775  (38) Planet-Liebe Berühmtheit
  • #4
Allen andern mal erklären, wie die Welt funktioniert :grin: das ist zumindest im Ausland ganz speziell bei Deutschen auffällig oft zu beobachten
 
krava
Benutzer59943  (41) Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
  • #5
Brot :tongue:
 
Mrs. Brightside
Benutzer140332  (35) Planet-Liebe ist Startseite
  • #6
Beschwerden über das Wetter.
 
Crüx
Benutzer36720  Verbringt hier viel Zeit
  • #7
Direktheit (ohne Smalltalk direkt auf den Punkt kommen)
Wurstbrot.
 
R
Benutzer171204  Verbringt hier viel Zeit
  • #8

:tongue:
 
Fantasy.
Benutzer172046  Sehr bekannt hier
  • #9
Zuverlässigkeit, Effizienz (oder zumindest wird darauf sehr oft bestanden, ob es dann auch so funktioniert...).
Deutsche sind außerdem sehr "mundfaul", keine Fans von Small Talk und, der Klassiker: Deutsch klingt aggressiv.

Abgesehen davon gelten Deutsche auch als ziemlich direkt bzw. "undiplomatisch" im Ausland (wir würden niemals in einer Geschäftsmail erstmal fragen, wie es dem Gegenüber denn geht und ob hoffentlich das letzte Projekt geklappt hat...).

Was Essen angeht, sind Sahnesaucen wohl auch sehr deutsch. Ich liebe Sahnesaucen. Dafür ist die deutsche Küche an sich nicht allzu vielfältig und sehr fleischlastig und gilt wohl allgemein auch als eher ungesund.

Und ansonsten verbinden viele Leute im Ausland wohl alles aus Bayern mit "typisch Deutsch", obwohl weder Bier noch Würstchen noch Haxe noch Dirndl mich jemals begeistern könnten.

Ich habe einfach so oft mit "Ausländern" über deren Bild von Deutschland geredet, dass mein Bild von Deutschland ein komplett anderes ist :grin:
 
Nevery
Benutzer72433  Planet-Liebe ist Startseite
  • #10
wenn ich typisch deutsch höre fällt mir immer nur eins ein:
Die deutsche Sprache wurde einst gemacht von braven deutschen Leuten
Und so hat sie natürlich ihre deutschen Eigenheiten
So heißt es auf deutsch satt, wenn man genug gegessen hat
Dafür hat der Deutsche grade noch ein Wort parat
Doch stillst du deinen Durst an einer frischen, klaren Quelle
Wie heißt dann das Gefühl, na sag, du bist doch sonst so helle
Find das und find fünf Worte, fünf die enden auf 'nf'
Im Grund ist unsre Sprache nur ein besseres Gekläff
Der deutsche Mann kann zwei und zwei zusammen dividieren
Und er kennt das Gefühl, beim Fußballschauen zu triumphieren
Er backt das beste Brot
Er braut das beste Bier
Er baut die besten Autos, weil er schuftet wie ein Tier
Ja, im Allgemeinen ist der deutsche Mann ein toller Hecht
Allein in einem Fach sind seine Worte eher schlecht
Rein organisch ist der Deutsche unten zwar gesund
Trotzdem fehlt ihm ein ganz wichtiges Detail, dem armen Hund
Der deutsche Mann hat ein Problem, für das ich mich als Deutscher schäm
Wir sind ein Volk von feigen Schweinen, die nicht sagen, was sie meinen
Es gibt kein einzges gutes deutsches Wort für das zwischen den Beinen


Flöte, Zoppo, Zebedäus, Dödel, Stengel, Schwengel, Rute, Rohr, Reibeisen, Riemen, Bolzen, Bube, Bengel, Amors Marmor, Adams Speer, das klingt plump und ordinär.
Mit solchen Worten kann man andern Männern imponieren
Aber die Dame seines Herzens wird man damit nur genieren.
Und weil man das weiß sagt man:
Penis, Glied, Geschlechtsorgan.
Der deutsche Mann hat ein Problem, für das ich mich als Deutscher schäm
Wir sind ein Volk von feigen Schweinen, die nicht sagen, was sie meinen
Es gibt kein einzges gutes deutsches Wort für das zwischen den Beinen
Fraun bezeichnen ihn gern böse als das Hirn des Mannes
Wir selbst nennen ihn Walter, Balduin, Fridolin, Johannes
Schniedelwutz und Stöpsel oder ganz gewöhnlich Schwanz.
All diesen Namen ist eins gemeinsam: ihnen fehlt die Eleganz.
Nippel, Kolben, kleiner Freund, Keule, Zapfen, Stopfen, das dritte Bein, der elfte Finger, Freudenpfriem und Wonnepfropfen,
Piephahn, Phallus, Pupu, Piller, Pippimann, Gemächt,
So bezeichnet jeder irgendwie halt sein Geschlecht.
Der deutsche Mann hat ein Problem, für das ich mich als Deutscher schäm.
Wir sind ein Volk von feigen Schweinen, die nicht sagen, was sie meinen.
Es gibt kein einzges gutes deutsches Wort für das zwischen den Beinen.
Und so dacht ich in meiner Qual, denk nicht deutsch, Mann, denk global
Für den Italoragazzo heißt das Teil da unten cazzo
Australier sagen dick, Niederländer pik
Und Türken sagennennt ihn cük, klingt auch nicht grade schick.
Ich muß ihm einen Namen geben meinem besten Stück
Che Guevara wär nicht schlecht, schlägt schnell zu, zieht sich schnell zurück.
Der deutsche Mann hat ein Problem, für das ich mich als Deutscher schäm.
Wir sind ein Volk von feigen Schweinen, die nicht sagen, was sie meinen.
Es gibt kein einzges gutes deutsches Wort für das zwischen den Beinen.
Wir sind ein Volk von feigen Schweinen, die nicht sagen, was sie meinen.
Es gibt kein einzges gutes deutsches Wort für das zwischen den Beinen.
:grin:

und im ernst: brot. was in anderen ländern als "brot" rumzugehen scheint.. pffrrr :censored:
 
Kokiri
Benutzer157013  Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #11
Off-Topic:
lol... Das mit dem Fahrradweg passiert mir in Städten auch immer :grin:
 
maplan
Benutzer22359  (39) Beiträge füllen Bücher
  • #12
Das Problem ist wenn man im Ausland erklären darf was typisch deutsch ist, man ganz schnell in Schwierigkeiten kommt, da es so vielfältig ist. Es als ein land zusammenzufassen geht da kaum. Klar gibt es mittlerweile eine ziemliche Einheitlichkeit in den Grossstädten, aber abseits davon haben sich halt viele Traditionen und Umgänge gehalten die es schwer machen von Einheitlichkeit zu reden. Nachdem ich nun in zwei anderen europäischen Staaten gelebt hab muss ich sagen die kulturellen Unterschiede sind in Deutschland selbst grösser als zwischen Deutschland und den ländern. Ich will pünktlichkeit? Ich geh nach Westphalen. Ich will Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit? Rheinland ich komme (und der Kulturschock von einem ins andere zu ziehen hat bei mir damals mehrere Monte gebraucht). Die unzuverlässigkeit find ich nun in Irland wieder, die das perfektioniert haben. Klar gehört das Besserwissertum und Undiplomatische für die meisten dazu, was auch eventuell etwas daran liegt wer ins Ausland geht. :zwinker: Man muss halt lernen das man nicht nur einfach die Sprache übersetzen kann wenn man den Mund aufmacht, sondern ebenso eine zweite kulturelle Übersetzung hinterherschieben sollte. Deutschland ist halt etwas Europa (und viel mehr) im kleinen. Drum sag ich auch nicht das ich Deutscher bin, weil es wenig Sinn macht, sondern eben die Region in der ich aufgewachsen bin (was dann wiederum einiges an Erklärung benötigt). Aber so ist das halt, Deutschland ist kompliziert. Das was man wohl am ehesten als "typisch" bezeichnen kann sind Regeln. Wenn es Regeln gibt wird sich dran gehalten und wenn es keine gibt, werden sie erfunden (und wenn nicht öffentlich bekannt gegeben, merkt man schnell dass die meisten Expats sie im kleinen Pflegen). Trifft eventuell sicher nicht auf alle zu, aber es ist in dieser strenge schon ungewöhnlich.
 
L
Benutzer178725  Öfter im Forum
  • #13
Mich nervt echt dieses ständige Gemecker. Alle haben schlechte Laune und Klagen und Nörgeln überall drum herum.

Und dieses unfassbar abgestufe von "Öh du Hauptschüler" hin zu "öh du Bonze" dieser Gesellschaftliche Spalt wird so viel größer
 
froschteich
Benutzer164451  (35) Beiträge füllen Bücher
  • #14
Darf man da auch als Nichtdeutsche antworten oder wird man dann gelyncht? :grin:
 
Nevery
Benutzer72433  Planet-Liebe ist Startseite
  • #15
Mich nervt echt dieses ständige Gemecker. Alle haben schlechte Laune und Klagen und Nörgeln überall drum herum.
<= gegenbeispiel! :tentakel:

...aber ja, wenn mir sowas begegnet nervt mich das auch wie hölle.
 
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LULU1234
Benutzer107106  Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
  • #37
Ich finde es sehr schwer, irgendwas als typisch deutsch zu bezeichnen. Dazu habe ich in Deutschland einfach viel zu viele unterschiedliche Erfahrungen gemacht, die mir gezeigt haben, dass es zu jeder Sache, die als typisch deutsch gilt, auch mehr, als genügend Gegenbeispiele gibt.

Mal ein Beispiel:
Pünktlichkeit soll typisch deutsch sein. Aber warum haben wir dann hier die deutsche Bahn, und keine Verhältnisse, wie in der Schweiz, oder in Japan, wo man bei öffentlichen Verkehrsmitteln tatsächlich von Pünktlichkeit sprechen kann?
[Vorsicht satirische Überspitzung nach einem Glas Wein]
ohhh doch. Wenn man viele Klienten im orientalischen oder afrikanischen Raum hat, weiß man was Pünktlichkeit bedeutet.
Sagen wir einem deutschen Kunden: "Abholung zwischen 9.00 und 10.00", dann kommt er innerhalb dieser Stunde. Kommt er zu früh, wartetet er 10 Minuten auf dem Parkplatz. Sagen wir das der holländischen Zweigstelle, kommt sie im Laufe des Vormittags, in 90% der Fälle wird um 8.55 noch angerufen, dass man noch etwas dazubestellt.
Sagen wir das den türkischen Kollegen kommen sie im Laufe des Tages. Die Perser rufen zwei Tage später an und verabreden mit dem Mann der Cousine der MA im Lager, dass die das doch eigentlich einfach mitbringen kann (was sie natürlich auch tut). Und bei Lieferungen aus Afrika freuen wir uns, wenn wir innerhalb eines Quartals überhaupt eine Antwort (!) bekommen.

Sonst ist typisch Deutsch die Direktheit. Gibt es in anderen Kulturen auch, aber nicht so arg.
Ein amerikanischer Kollege sagte mal: "Wir lernen immer 2, 3 nette Sachen zu sagen, bevor man etwas kritisiert. Kann man nichts nettes sagen, schweigt man." (Be polite - or schweig)
Die orientalischen Kollegen schwurbeln erst 30 Minuten um den heißen Brei, bis man mal Bescheid weiß.
Und die deutschen Kollegen rufen an und sagen: "Also hömma! Auftrag 123456, was haste denn da bei der Adresse veranstaltet? Vierstellige PLZ muss doch Ausland sein. Prüf mal und sach dann Bescheid, ja?"
Oder da wird die Stirn gerunzelt: "Nee, damit kann ich nix anfangen. Machste nochmal, ne?"
Und dann mache ich noch mal und gut ist.
Wobei diese Art im Ruhrgebiet wohl auch noch mal stärker ausgeprägt sein soll, als in anderen Gebieten Deutschlands.
 
Tahini
Benutzer133456  (51) Beiträge füllen Bücher
  • #39
In bisher zehn Ländern gelebt zu haben, und 40 weitere besucht zu haben, hat meiner Meinung ueber die Deutschen gutgetan. Da ist man tendenziell schon in guter Gesellschaft, aber natuerlich muss man sie verstehen.

Was mir aufgefallen ist an zu erwartenden Charakeristika, vergleichsweise, sieht ungefähr so aus:
  • im Vergleich zu den Schweden sind sie ein bisschen ungnädig; man hört schon mal recht herbe, derbe Sachen, vergleichsweise; wenn ich hier mit Deutschen unterwegs bin, ist es immer eine "Tour d'Apologie" ringsum, wo ich allerlei wie vom Donner geruehrten Schweden erklären muss, die meinten das nicht so;
  • im Vergleich zu den Franzosen sind sie keine besonders feinfuehligen Teammenschen; die feine Kunst der subtilen Manipulation, und das strategische Manövrieren ist irgendwie nicht so ihre Sache. Die Deutschen, die ich während meiner Zeit als Dekan in Shanghai fuer die französische Uni angestellt hatte, agierten hie und da wie die Axt im Walde, und mir sprangen Franzosen, Chinesen, und Argentinier vom Team ab, weil die das einfach nicht verwinden konnten;
  • im Vergleich zu den US-Amerikanern nehmen sie sich schon mal haarsträubende Freiheiten mit anderer Leute Eigentum raus; ich stand Todesängste aus, wenn ich deutsche Besucher hatte während meiner Zeit in USA, dass die irgendwie erschossen, verhaftet, oder angezeigt werden könnten, weil die ständig solche Irrsinnsentschluesse fassten;
  • im Vergleich zu den Briten oder Australiern kommunizieren sie schon ein bisschen einfach; man sucht eigentlich vergeblich nach Doppeldeutigkeiten, langfristig durchgehaltener Ironie, oder Wortspielen, die länger als zwei Sätze halten;
  • im Vergleich zu den Chinesen haben sie eine wunderbare Tendenz, ihre Aussagen in perfekter Weise auf den Punkt zu bringen. In China kommuniziert man ja via Salamitaktik, so dass man nie weiss, wann das Gegenueber eigentlich endlich zum Punkt kommt, und was es wirklich will; demgegenueber geben einem Deutsche so richtige U-Bootskommandanten Kurzbriefings, von anfang an, ganzheitlich, in drei Worten, die aber richtig gut sitzen. Das schätzte ich an meinen deutschen Mitarbeitern immer.
Am ähnlichsten sind sie den Neuseeländern.

Ach, Buecher könnte ich darueber schreiben. Frohe Weihnachten.
 
caotica
Benutzer68775  (38) Planet-Liebe Berühmtheit
  • #58
Seriously? Are you kidding me? Ich habe eigentlich angenommen, dass das hier ein nicht ganz ernstzunehmender Thread ist, wo Klischees und Stereotype mit einem Augenzwinkern auf die Schippe genommen werden.
.

Political correctness hätte ich hier jetzt auch nicht erwartet :grin: ist doch klar, dass nicht ALLE IMMER nach Klischee leben :grin: Aber Deutsche in Österreich prägen die beschriebenen Klischees schon sehr auffällig, mit entsprechendem Verhalten und Aussagen....


Off-Topic:
Ich darf übrigens tatsächlich sagen, dass ich keine echte Deutsche bin, nur hier aufgewachsen und das was in einem meiner Pässe steht - mentalitätstechnisch passe ich nicht gut dahin. Im Ausland werde ich auch für alles Mögliche gehalten, nur nicht für deutsch - ich bin europäischer Mischmasch mit Tendenz Süden und Wahlheimat Österreich :zwinker:
 
casanis
Benutzer77547  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #69
Das Problem ist wenn man im Ausland erklären darf was typisch deutsch ist, man ganz schnell in Schwierigkeiten kommt, da es so vielfältig ist. Es als ein land zusammenzufassen geht da kaum.
Ja, das stimmt. Für mich war es z.B. eine größere kulturelle Umstellung aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Bayern zu ziehen (und das OBWOHL beides ja eher "süddeutsch" ist) als von Bayern nach Tirol. Das italienische Südtirol hat kulturell mehr Gemeinsamkeit mit Oberbayern als Oberbayern mit Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg oder Sachsen mit der Region Niederrhein.

Aber das dürfte ja eigentlich in allen etwas größeren Staaten so sein, zumal wenn sie föderal sind. Aber selbst in Frankreich, das Jahrhunderte lang eine Politik der kulturellen und politischen Zentralisierung verfolgte, dürfte - jenseits der gemeinsamen Sprache - der alltagskurelle Unterschied zwischen Menschen im Département Hautes Pyrénées und im Département Moselle stärker sein als zwischen Menschen im Département Moselle und dem Saarland.
[doublepost=1608645906,1608645861][/doublepost]
Und vielleicht ein gewisses Überlegenheitsgefühl. Das es auch in anderen Ländern gibt, aber nicht auf diese Art.

Ja, das würde ich so unterschreiben.
[doublepost=1608646059][/doublepost]
HoldenC HoldenC ich hab ja mal hier im Forum das deutsche Brot kritisiert - das hab ich so bereut dass ichs hier nicht nochmal anbringen wollte :grin:

Ich bin ja Deutscher und ich muss sagen, dass ich dieses "DEUTSCHES Brot!!" absolut nicht nachvollziehen kann. Ich mag einfach kein Schwarzbrot und kein Vollkornbrot und solche Brotsorten, die man notfalls auch als Mordwaffe für einen veritablen Totschlag gebrauchen könnte.

Ist zwar nicht so gesund, aber mir ist da ein primitives, frisches, französisches Baguette tausendmal lieber. Ich bräuchte mein ganzes Leben kein anderes Brot.
 
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LULU1234
Benutzer107106  Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
  • #84
Ja, der spezielle konfliktbeladene Umgang zwischen den Generationen, also zu den Kindern (wenig gelebte Augenhöhe und wenig Respekt vor persönlichen Erfahrungen/ Befindlichkeiten) und zu den Eltern (selbes Thema nur anders rum), das ist sehr unterschiedlich zu den allermeisten anderen Kulturen und Nationen. Das habe ich auch genau so erfahren.

Und die gelebte, uneingeschränkte Gastfreundschaft als absoluter kultureller Wert für sich.
Den gibt es so auch nicht in Deutschland wie in vielen anderen Ländern.´

Ein ganz großer Unterschied finde ich, der sich unmittelbar auf das gefühlte Klima auswirkt..
Das ist ein Erbe des 2. Weltkriegs. Die Großelterngeneration ist eine "Generation der Schuldigen", die viele ihre Werte an die Elterngeneration weitergegeben hat. Dadurch gibt es bis heute viele politische Anspannungen und ich rede noch nicht Mal von "Hitler finde ich gut"-Sprüchen.
Anhänger der 68 haben sich bewusst gegen die Elternschaft gewehrt und sich von ihnen abgewandt, als Teil der eigenen Befreiung. Dieses Denken hat sich den freieren, jüngeren Generationen manifestiert, unabhängig von persönlichen Konflikten. Bis heute gilt ja in Deutschland: Rede nicht über Geld und nicht über Politik. Das hat alles mit dem 2.WK und den 68ern zu tun.
Wer hatte 1945 noch Geld? Genau die Nazis. Also redete man da nicht drüber.
Und wenn du dich eben nicht mit deiner Familie entzweien wolltest, dann hast du auch über Schuld und Politik geschwiegen.
In meiner Klasse im Abiturjahrgang war ich die einzige die wusste, dass der Opa in der SS war. Komisch, oder? Und das auch nur, weil meine Mutter nach dem Tod ihrer Mutter den Ausweis gefunden hat.

Deutschland hat viel Tradition und Stolz 45 verloren. Und damit auch Zusammenhalt: egal ob dörfliche Strukturen und damit einhergehende Kultur und eben auch Familientraditionen. Wie auch... Krieg zerstört nicht nur Häuser, sondern auch Menschen.
Die Generation, die in den 50ern geboren wurde, hatte hochtraumatisierte Eltern. Trauma wird von Generation an Generation weitervererbt, wenn es nicht behandelt wird.
 
V
Benutzer163532  (38) Beiträge füllen Bücher
  • #90
Also sämtliche Italiener, die ich kenne, egal ob sie hier leben oder in Italien, schimpfen höchst leidenschaftlich übers Wetter, da sind Deutsche harmlos dagegen :grin:.
 
P
Benutzer3277  Beiträge füllen Bücher
  • #91
Das machst du durch deine Wetterthreads wieder wett, die sind wirklich deutscher als deutsch :speaknoevil:

Ich bin mir sicher, dass in allen Ländern das Wetter in Threads oder in Gesprächen eine wichtige Rolle spielt. Außerdem habe ich lange nicht übers Wetter gepostet - kein Wunder wenn man fast nur zu Hause sitzen muss. :link:
 
G
Benutzer Gast
  • #92
Außerdem habe ich lange nicht übers Wetter gepostet - kein Wunder wenn man fast nur zu Hause sitzen muss.

Hier regnet es seit einigen Stunden noch sind es 5 Grad + aber es soll runter gehen :tongue:. Das zum Wetter
 
ugga
Benutzer172492  Beiträge füllen Bücher
  • #93
Bitte nicht zitieren.

Off-Topic:
banane0815 banane0815 vielleicht liegt es an meinem Arbeitsplatz (prestigeaufgeladen), vielleicht daran, dass du Gleicher unter Gleichen bist (ein Mann und Physiker). Gerade als Frau mache ich immer wieder schwierige Erfahrungen; das weiß ich durch den Austausch mit anderen Frauen in der Physik, die sehr Ähnliches oder Schlimmeres erlebten.

Ich habe natürlich auch viele nette, entspannte Physiker kennengelernt. Aber auch genügend mit Stock im Arsch und Geltungsdrang.


Ich kann LULU1234 LULU1234 mit der Traumavererbung übrigens nur zustimmen. In meiner Familie sind die Folgen bis heute deutlich spürbar, auch die des preußischen Gedankenguts. Das ergibt eine quasi militärische Strenge: man jammert nicht, man zieht durch, über Gefühle sprechen bedeutet Schwäche und ist bedrohlich.
Anfügen würde ich, dass die Erziehung von deutschen Kindern bis heute von Nazigedankengut geprägt ist, gerade dieses "Schreien lassen" kommt von ehemals von Nazis unterstützten Autoren.
 
Zuletzt bearbeitet:
sanspoil
Benutzer146280  (52) Verbringt hier viel Zeit
  • #94
...öfter erlebt. Klar, im englischen Sprachraum spricht man sich auch schnell mit Vornamen an, in meinem Kollegium auch, aber gerade die deutschen Physiker bilden sich was auf ihre Doktortitel und Rangfolgen ein :zwinker: und ich hab schon ein paar kennengelernt.
Komisch, was du für für Physiker kennst. Ich kenne nur einen, der sich was Frauen eingebildet hätte, der hat das dann aber auch nie fertig gemacht.
 
caotica
Benutzer68775  (38) Planet-Liebe Berühmtheit
  • #95
Off-Topic:
Erfahrungen werden nicht nur durch vermittelte Werte und Erziehung vererbt, und das ist ein wirklich HOCH spannendes Gebiet, indem ich schätze dass es durchaus noch interessante Entwicklungen geben wird:
Forschung: Epigenetik
(Hab einen Überblick jetzt irgendwoher gegoogelt, gibt sicherlich auch bessere, detailliertere Quellen)
Jede Kultur hat ihre Traumata, ohne geht es offenbar nicht.
In meiner Familie gibt es keinerlei Kriegstraumata, aber dafür andere Geschichte, und auch da bin ich ganz deutlich Kind meiner Zeit, geprägt von den Erfahrungen meines Umfeldes.


Ich kenn auch die Österreicher als VIEL schlimmer Titel-abhängig als Deutschland ... in Deutschland krieg nicht plötzlich in einem ausreservierten Restaurant doch einen Tisch, weil ich auflege und statt dessen die Begleitung als Herr Dr. wieder anruft :zwinker: In Österreich ist man ja sogar super wichtig mit dem Magister, aber sagt das mal so absolut nichts aus, außer, dass man studiert hat.
Ich käme ja NIE auf die Idee mir den an den Briefkasten zu schreiben aber :grin: andere schon :grin:
Allerdings find ich das eher amüsant als nervig, ich bin aber auch in einem hochgradig akademischen Umfeld, wo das völlig normal ist mit den Titeln.
 
banane0815
Benutzer44981  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #96
Off-Topic:
ugga ugga
Ich glaube, wir haben da einfach komplett unterschiedliche Erfahrungen gemacht. In meinem (nicht wirklich prestigeträchtigen, aber trotzdem nicht ganz unbedeutenden) Bereich geht es generell ziemlich nerig, direkt und teilweise auch rau und undiplomatisch zu. Wer damit nicht zurecht kommt, sehr zartbesaitet ist und auf Diplomatie, sanfte Kommunikation, usw. Wert legt, kommt hier wohl einfach nicht weit.
Aber ich kann nun wirklich nicht erkennen, dass Respekt und Wertschäzung von irgendwelchen Titeln, oder dem Geschlecht abhängig gemacht werden.


Und in meiner Familie kann ich auch wenig von Weltkriegs-Traumata erkennen...
Bei den Großeltern väterlicherseits, die den Krieg in ihrer Jugend miterlebt haben, sehe ich vor Allem eine Prägung durch die Nachkriegszeit als erfolgreiche Unternehmer im Wirtschaftswunder und eine deutliche Abgrenzung von der Nazi-Ideologie (wertschätzender Umgang mit Flüchtlingen aus Osteuropa und Gastarbeitern, ohne die der Erfolg des Familienunternehmens nicht möglich gewesen wäre, liebevolle Förderung des behinderten Kindes, usw.).
 
A
Benutzer160853  Sehr bekannt hier
  • #97
Gastfreundschaft ist für mich PR-Sprech. Menschen, die mir wichtig sind, behandle ich gut, wenn sie zu besuch sind. Aber zu wen ist man sonst "Gastfreundlich"? Im Tourismus ist es zweckrational sinnvoll und sonst ist gastfreundlich soetwas, wie ich bin teamfähig. Recht nichtssagend.

Dann könnte man über Österreich sagen, dass der Herr Hofrat oder der Magister Abgeordneter eine Art Traumverarbeitung der Abschaffung des Adels nachdem Ende des Habsburgerreiches war.

Zur Bürokratie: Ich kenne die selben Aussagen über Spanien und Italien, die dann wieder erklären, dass Deutschland doch so unfassbar optimiert ist.

Ich mag es übrigens, dass ich nicht alle Menschen mit Du anreden muss. Ein Sie schafft eine klare Trennung zwischen Arbeitswelt und Privatleben und ich erlebe es als großen Luxus und dennoch kann ich sehr gut mit Menschen umgehen. Kollegen, Nachbarn und Familie haben eine Gemeinsamkeit: Niemand hat sie sich ausgesucht.

Das ist ein Erbe des 2. Weltkriegs. Die Großelterngeneration ist eine "Generation der Schuldigen", die viele ihre Werte an die Elterngeneration weitergegeben hat. Dadurch gibt es bis heute viele politische Anspannungen und ich rede noch nicht Mal von "Hitler finde ich gut"-Sprüchen.
Anhänger der 68 haben sich bewusst gegen die Elternschaft gewehrt und sich von ihnen abgewandt, als Teil der eigenen Befreiung. Dieses Denken hat sich den freieren, jüngeren Generationen manifestiert, unabhängig von persönlichen Konflikten. Bis heute gilt ja in Deutschland: Rede nicht über Geld und nicht über Politik. Das hat alles mit dem 2.WK und den 68ern zu tun.
Wer hatte 1945 noch Geld? Genau die Nazis. Also redete man da nicht drüber.
Und wenn du dich eben nicht mit deiner Familie entzweien wolltest, dann hast du auch über Schuld und Politik geschwiegen.
In meiner Klasse im Abiturjahrgang war ich die einzige die wusste, dass der Opa in der SS war. Komisch, oder? Und das auch nur, weil meine Mutter nach dem Tod ihrer Mutter den Ausweis gefunden hat.

Deutschland hat viel Tradition und Stolz 45 verloren. Und damit auch Zusammenhalt: egal ob dörfliche Strukturen und damit einhergehende Kultur und eben auch Familientraditionen. Wie auch... Krieg zerstört nicht nur Häuser, sondern auch Menschen.
Die Generation, die in den 50ern geboren wurde, hatte hochtraumatisierte Eltern. Trauma wird von Generation an Generation weitervererbt, wenn es nicht behandelt wird.

Ich finde deine Gedanken sehr spannend. Allerdings tue ich mich immer schwer, dass Generationen so oder so sind. Meine Familiengeschichte kennt eine Überschrift: Vertreibung. Dennoch war niemand traumatisiert, im Gegenteil. Es ging eher darum, dass die Familienteile wieder an die Zeit davor anknüpfen konnten, was zu sehr erfolgreichen Biographien führte. Es gibt bis heute diese zwei innerfamiliären Kerngedanken. Der Gedanke lautet, dass Scheitern und Verlieren völlig Ok ist. Der zweite Gedanken ist dann aber, dass es irgendwie auch weitergehen muss.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich keine "Wer war Nazi Debatte" in der Familie brauche. Auf der einen Seite ist es weitgehend klar und auf der anderen Seite sind die beteiligten Menschen seit mehr als 40 Jahren tot.
Zumal ich es immer ein wenig problematisch finde, dass diese vielen kleinen und unscheinbaren Mitläufer von der Grundlage einer Demokratie bewertet werden. Ich hab mir die Frage mal andersrum gestellt: Wärest du damals ein Held gewesen?

Ich habe in Kassel gelebt und gearbeitet. Die Stadt wurde nach dem Krieg eigentlich neu aufgebaut und es galt bis vor 15 Jahren als wahnsinnig schick, dass Menschen, die dort wohnen, ihre Stadt hassten. Der Grund war nicht, dass sie so aussieht, wie sie aussieht. Sondern ein Verlust von Identifikation. Kassels Erzählung war nämlich ein Abstieg seit 1866. Ich finde viel mehr, dass diese Kleinstaaterei wichtiger ist. Wenn ich den regionalen Beritt nehme, gibt es Kulturgrenzen, die Kreisgrenzen gleichen. Dann ändert sich das Wahlverhalten gravierend, konfessionelle Mehrheiten sind anders und es herrscht ein Gefühl der tradierten Ablehnung.
Bis vor 20 Jahren beteten die katholischen Christen im Nachbarort immer noch: Gott beschütze uns vor den bösen Hessen.
Als dann die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden ein Sommerfest organisierten las sich dies als ob irgendwelche Bürgerkriegspartien in Afrika erstmals redeten. Schlagworte waren Aussöhnung; Verletzung, Demütigung, Ablehnung bis hin zur Gewalt.
 
Fantasy.
Benutzer172046  Sehr bekannt hier
  • #98
Aber zu wen ist man sonst "Gastfreundlich"?
Zu Ausländern im eigenen Land. Mir sind sowohl schon Menschen begegnet, die es mir übel genommen haben, nur weil ich nicht komplett akzentfrei gesprochen oder mal etwas nicht verstanden habe, und welche, die locker mit mir Small Talk gehalten und mir weitergeholfen haben.
Gastfreundlich ist für mich jemand, der kulturelle Unterschiede willkommen heißt, und da finde ich andere Nationen deutlich weiter als die deutsche.
Zum Beispiel fangen viele Deutsche sofort an, Englisch zu reden, wenn sie merken, das Gegenüber spricht kaum Deutsch - das hilft dem Gegenüber aber nicht, besser Deutsch zu lernen, und ist demnach total kontraproduktiv. Das höre ich von vielen Leuten aus dem Ausland hier und fällt mir an mir selber auch auf und ist alles andere als gastfreundlich.
 
A
Benutzer160853  Sehr bekannt hier
  • #99
Zu Ausländern im eigenen Land. Mir sind sowohl schon Menschen begegnet, die es mir übel genommen haben, nur weil ich nicht komplett akzentfrei gesprochen oder mal etwas nicht verstanden habe, und welche, die locker mit mir Small Talk gehalten und mir weitergeholfen haben.
Gastfreundlich ist für mich jemand, der kulturelle Unterschiede willkommen heißt, und da finde ich andere Nationen deutlich weiter als die deutsche.
Zum Beispiel fangen viele Deutsche sofort an, Englisch zu reden, wenn sie merken, das Gegenüber spricht kaum Deutsch - das hilft dem Gegenüber aber nicht, besser Deutsch zu lernen, und ist demnach total kontraproduktiv. Das höre ich von vielen Leuten aus dem Ausland hier und fällt mir an mir selber auch auf und ist alles andere als gastfreundlich.

In solchen Fällen hoffe ich, dass normales Sozialverhalten reicht. Ich will nicht weiter verbeißen, daher mache ich es kurz. Kulturelle Unterschiede sind für mich erstmal ein Neutrum. Wenn ich in Spanien einkaufen gehe, läuft dies anders ab als in Deutschland und die Sportkultur an Boxenringen ist in Deutschland anders als in Thailand. Das ist erstmal etwas sehr wertfreies. Diese Beispiele können natürlich beliebig ausgetauscht werden.
Die Sache mit dem Englischen ist übrigens in der Tat etwas, was mir in meiner berliner Zeit tierisch auf den Senkel ging. Es gibt dort eine James Simon Galerie. Dieser James Simon lebte zur Zeit des deutschen Kaisers und war gebürtiger Berliner. Dieser Mensch wurde aber quasi ausgebürgert und meine Fußnägel rollen sich immer noch, wenn ich mache Aussprache im Kopf habe.
Sonst es natürlich unhöflich, wenn ich Menschen keine notwendige Aufmerksamkeit entgegenbringe. Ich fand es als Kind übrigens immer sehr spannend, wenn die russischen Praktikanten im Ort waren, die mir ein paar Brocken russisch beibrachten und deutsch als Gegenleistung von den hiesigen Einwohnern lernten.
 
Maifeld
Benutzer155728  Sehr bekannt hier
  • #100
und ist alles andere als gastfreundlich.
Interessante Interpretation. Ich würde es genau gegenteilig auslegen. Es ist als Versuch gemeint, dem Gegenüber das Leben leichter zu machen. Dass das kontraproduktiv ist Deutsch zu lernen, ist eine andere Sache.
 
Zuletzt bearbeitet:
banane0815
Benutzer44981  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #101
Gastfreundschaft ist für mich PR-Sprech. Menschen, die mir wichtig sind, behandle ich gut, wenn sie zu besuch sind. Aber zu wen ist man sonst "Gastfreundlich"? Im Tourismus ist es zweckrational sinnvoll und sonst ist gastfreundlich soetwas, wie ich bin teamfähig. Recht nichtssagend.
Ich halte Gastfreundschaft definitiv nicht für nichtssagend. Und ich würde auch sagen, dass Gastfreundschaft nun wirklich keine deutsche Tugend ist.
Mein erstes Aha-Erlebnis in Sachen Gastfreundschaft hatte ich in meiner Jugend bei einem türkischstämmigen Schulfreund. In diesem Haushalt hat man sich nicht einfach so mit dem Kumpel irgendwo verkrümelt und gemeinsam gespielt, oder was auch immer gemacht, sondern war Gast der Familie, dem es an nichts fehlen durfte. Das war nicht nur die überwältigende Versorgung mit Essen und Getränken, sondern auch einfach ein Gefühl, das nicht nur von meinem Schulfreund, sondern auch von seinen Eltern und seiner Schwester vermittelt wurde. Etwas vergleichbares habe ich in deutschen Haushalten noch nie erlebt.

Man kann auch die Erfahrungen auf Reisen betrachten. Ein Bekannter von mir hat eine lange Reise mit dem Camper entlang der alten Seidenstaraße unternommen und wurde auf dieser Reise in diversen Staaten, wie Georgien, Iran oder Tadschikistan von Einheimischen in deren Haus eingeladen, da die Gastgeber ihn als Menschen aus dem fernen Deutschland kennenlernen wollten und ihm auch etwas von ihrem Leben zeigen wollten. In Deutschland wäre so etwas wohl undenkbar.
 
Zuletzt bearbeitet:
caotica
Benutzer68775  (38) Planet-Liebe Berühmtheit
  • #102
Achja und die hochherrliche Wichtigkeit des distanzierenden SIE, das unterstreicht, dass einem andere bloß nicht irgendwie unverhofft zu nah oder gar versehentlich sogar vertraut sein sollen :grin:
Das gibts aber auch in anderen eher förmlichen Gesellschaften zur Genüge.

Was ich unter Gastfreundschaft verstehe und wie ich damit aufgewachsen bin, gilt hier als höchst unfein und viel zu undistanziert.
Gäste sind selbstverständliche Teile der Familie, so lange sie da sind. Sie und ihre Bedürfnisse sind wichtig, als wären es lange verschollene verwandte. Diese Art Gastfreundschaft stellt den besten und teuersten Wein heraus, gibt die weichsten Handtücher an die Gäste und das teuerste Shampoo.

Off-Topic:

Egal wer an der Tür klopft, man bietet Möglichkeit zur Einkehr, versorgt mit Essen und Trinken und bietet ein Bett an. Man kümmert sich um Fremde, die Hilfe brauchen wie um die eigene Familie und erwartet nicht erst irgendwelche Tugendbeweise und Vertrauensrechtfertigungen.
Wenn man Besuch bekommt, kümmert man sich und lädt ein, während es von Gastseiten selbstverständlich ist rücksichtsvoll zu sein und keine Umstände zu machen, anstatt wie die Axt im Walde mitzunehmen, was man kostenlos haben kann.
Das ist ein Kodex, der für beide Seiten gilt, und es gibt so simple wie nützliche Vorgaben, wie man sich in der Rolle des Gastgebers verhält und wie als Gast. Und man respektiert diese Rollen.


In deutschen Haushalten zu Gast sein bedeutet oft das Gefühl, ein einziger Umstand zu sein, aber das wird geduldet, weil man ja ein ganz sympathischer Mensch ist :zwinker: es wird eher das entbehrliche hergegeben und es gibt zig Tabus was wann nicht so gerne gesehen, es gibt das nicht so besondere Geschirr für Gäste und das Bier, das eh mal weg musste.

Natürlich sind das Klischees und es GIBT sicher auch anderes, aber es gibt schon viel mehr Leute hier, die Fremden kaum die Tür öffnen würden, geschweige denn einfach ein Bett anbieten, wenn diese müde wirken. Und vorher noch Essen auftischen, einfach aus dem Kodex heraus, dass einem dasselbe geboten wird, sollte man es selbst brauchen. Und dass es überhaupt irgendwen interessiert, was ein fremder Mensch in fremder Umgebung brauchen könnte, DAS ist die Art Gastfreundschaft, die kulturell hier einfach nicht verwurzelt ist.
 
Woodstock~81
Benutzer156506  Meistens hier zu finden
  • #103
Ich würd ja auch behaupten, vor allem die unterentwickelte Esskultur, und davon ganz besonders die "Zuhause-Ess-Kultur", so richtig typisch deutsch ist.

Wie HoldenC HoldenC schon sagte, Käse == Gouda. Mit bißchen Glück noch Edamer, Emmentaler, Tilsiter und vor allem: Butterkäse (Ich bekenne mich übrigens vollumfänglich schuldig.) Alles das Gleiche in Grün. Dann gibts noch geschmacklosen Camembert-Lookalike aus pasteurisierter Milch und vielleicht Brie direkt aus dem Kühlschrank, damit ja keine Aromen entstehen. Harzer Käse existiert zwar, aber den isst ja keiner. Auf dem Youtube-Kanal von Arte hab ich kürzlich ein Video über "Geramont" gesehen, das fasste es gut zusammen.

Aber zum Glück stimmt das ja alles nicht. Wenn man nicht gerade in den billigsten Discountern einkauft bekommt man auch hierzulande eine gescheite Käseauswahl. Ich mein, "Blue Stilton" hab ich damals im Netto (!) entdeckt. :upsidedown:

Aber so richtig "typisch deutsch" kann diese Monotonität ja nicht sein, denn anderswo ist es auch nicht besser. Ich behaupte ja immer mal, das beste Bier käme aus Böhmen (und dann mach ich mir ein Störtebeker auf). Aber versuch mal in Prag in ner Kneipe ein Schwarzbier zu bekommen. Entweder das sind alles Vorurteile, oder die Tschechen sind die deutscheren Deutschen. :ninja:

Vielleicht sind die einzigen typisch deutschen Dinge halt doch Socken in Sandalen und (nackt) zu baden in den kalten, deuschen Seen und Meeren.
 
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