Schwules Blut und schwule Organe

Benutzer38570 

Planet-Liebe Berühmtheit
So... nachdem es in einem anderen Thread mal wieder um das Thema Organspende ging und man dort wegen einer Begründung gegen eine Organspende so ziemlich vom eigentlichen Thema abkam....

Im Thread gab ich an, keine Organe spenden zu wollen. Neben diversen anderen Gründen, gab ich dort auch an, dass ich es deswegen nicht möchte, weil mein Blut schließlich auch keiner will.

Hintergrund: Schwule gelten in Deutschland nach wie vor generell als Risikogruppe und sind somit von Blut- und Stammzellenspende ausgeschlossen. Organspende ist hingegen auch für Schwule möglich.

Nun ist mir klar, dass DIESEN Grund, welcher für mich schlüssig ist, nicht von jedermann nachvollzogen werden kann. Aber mal ganz abgesehen vom der durch solche Regelungen stattfindenden generellen Vorverurteilung von Minderheiten - es ist völlig widersprüchlich, den Schwulen einerseits das Blutspenden zu verbieten, aber andererseits wird komisch geguckt, wenn die dann auch ihre Organe nicht hergeben wollen.

Wie seht Ihr das?
- Sind die geltenden Ausschlusskriterien für Blut- und Stammzellenspende noch zeitgemäß?
- Sollte nicht viel mehr der individuelle Lebensstil eines Einzelnen berücksichtigt werden?
- Findet Ihr solche Regelungen diskriminierend?
- Würde Ihr selbst schwules Blut oder schwule Organe haben wollen?
- Könnt Ihr verstehen, wenn Schwule aus dem genannten Grund keine Bereitschaft zur Organspende zeigen?

Fragen über Fragen... :zwinker:
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
- Sollte nicht viel mehr der individuelle Lebensstil eines Einzelnen berücksichtigt werden?
Ja sollte es. Aber ich denke, es ist äußerst schwer, das umzusetzen und nachzuprüfen.
Es gibt genug Leute (Homos wie Heteros), die ihren Lebensstil für absolut risikofrei halten, was aber nicht der Wahrheit entspricht.
So oder so wird es weiterhin so sein müssen, dass einfach jede Spende gecheckt wird. Anders wirds nicht gehen.
Und man muss natürlich auch auf das vertrauen, was man auf dem Fragebogen ankreuzt. Wenn du da angibst, dass du nicht schwul bist, wird dir keiner einfach so das Gegenteil beweisen können.
- Findet Ihr solche Regelungen diskriminierend?
Diskriminierend ist vielleicht der falsche Ausdruck... Aber vielleicht nicht (mehr) zeitgemäß und nicht ganz angepasst.

- Würde Ihr selbst schwules Blut oder schwule Organe haben wollen?
Im Notfall (und nur in einem solchen braucht man beides ja) würde ich sicherlich keins von beiden ablehnen.

- Könnt Ihr verstehen, wenn Schwule aus dem genannten Grund keine Bereitschaft zur Organspende zeigen?
Ehrlich gesagt nein.
Ich persönlich finde diese Trotzreaktion unangebracht.
 

Benutzer35148 

Beiträge füllen Bücher
Wer was spendet, muß jeder immer noch für sich selber entscheiden.
Über Risikogruppen kann man streiten, aber diese wurden aus der Historie nicht ganz grundlos festgelegt.
Positive (also jetzt nicht auf HIV oder andere Krankheiten bezogen :drool:) Ausnahmen mag es sicher immer geben, letztendlich können dann zusätzliche Gesundheitstests klären, was noch möglich ist.

Kann man denn als Patient entscheiden, welche Spenden man erhalten will und welche nicht?
Dadruch das alles berechtigterweise anonymisiert wird, ist es manchmal besser man weiss nicht zuviel.

:engel:
 

Benutzer38570 

Planet-Liebe Berühmtheit
Was mir noch eingefallen ist: Wie hoch wird wohl die Wahrscheinlichkeit sein, dass diejenigen, die bewusst bestimmte Risiken eingehen, letztlich überhaupt zur Spende gehen würden?

---------- Beitrag hinzugefügt um 21:28 -----------

Ich persönlich finde diese Trotzreaktion unangebracht.

Aber wäre es denn nicht nur die logische Konsequenz? Vielleicht ist bei einer Organtransplantation das Risiko sogar viel größer...
 
L

Benutzer

Gast
Ich hab einen Zwillingsbruder, der schwul ist. Da würd ich jedes Organ und Blut nehmen, hoffe aber, dass ich das nie muss.
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Was mir noch eingefallen ist: Wie hoch wird wohl die Wahrscheinlichkeit sein, dass diejenigen, die bewusst bestimmte Risiken eingehen, letztlich überhaupt zur Spende gehen würden?
Schwer zu sagen... Normalerweise sollte man vermuten, dass diejenigen nicht unbedingt so sozial eingestellt sind, dass sie sich Zeit nehmen, um Blut zu spenden.

Aber wäre es denn nicht nur die logische Konsequenz? Vielleicht ist bei einer Organtransplantation das Risiko sogar viel größer...

Vor einer Organtransplantation muss so viel gecheckt werden... Und solche Transplantationen kommen ja auch wesentlich seltener vor als Bluttransfusionen.

Off-Topic:
Übrigens hab ich letzte Nacht geträumt, ich bekam eine Bluttransfusion. Bei vollem Bewusstsein allerdings. Und kaum ist das Blut geflossen, gings mir besser und mein Puls war viel kräftiger :grin:
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
- Sind die geltenden Ausschlusskriterien für Blut- und Stammzellenspende noch zeitgemäß?
Hm. Waren die je zeitgemäß? Ist wirklich eine reine Interessensfrage. Ich kenn mich nicht aus

- Sollte nicht viel mehr der individuelle Lebensstil eines Einzelnen berücksichtigt werden?
Ich finde es seltsam, dass die sexuelle Ausrichtung da überhaupt berücksichtigt wird.

- Findet Ihr solche Regelungen diskriminierend?
Ja.

- Würde Ihr selbst schwules Blut oder schwule Organe haben wollen?
Ich glaub, wenn ich's brauche, ist mir ziemlich egal, was das Blut oder das Spenderherz für eine sexuelle Ausrichtung hat. Hätte ja auch kein Problem damit, wenn ich dann "auf einmal" auf Männer stehen würde *harhar* :zwinker:

- Könnt Ihr verstehen, wenn Schwule aus dem genannten Grund keine Bereitschaft zur Organspende zeigen?
Ja.
 

Benutzer32843 

Sehr bekannt hier
Wie seht Ihr das?
- Sind die geltenden Ausschlusskriterien für Blut- und Stammzellenspende noch zeitgemäß?
Nein, teilweise definitiv nicht. Wenn ich eine längere Reise in ein HIV-Endemiegebiet unternehme, dann darf ich danach auch nicht spenden, obwohl ich garantiert keinen ungeschützten Sex haben würde. Wenn ich mich piercen lasse und alles steril abgeht, darf ich trotzdem nicht spenden. Etc. Die Bestimmungen machen so wie sie sind für die meisten betroffenen Personen keinen Sinn.


- Sollte nicht viel mehr der individuelle Lebensstil eines Einzelnen berücksichtigt werden?
Doch, v.a. da die Angaben ja eh von jeder Person selbst gemacht werden. Wenn jemand jetzt klar angibt dass er/sie XY-Lebenswandel pflegt, dann kann er/sie auch einfach angeben dass er/sie im Falle eines Falles einen gefährdenden Kontakt hatte.
- Findet Ihr solche Regelungen diskriminierend? Nein, weil ich nicht davon ausgehe dass sie aus diesem Grund gemacht wurden. Die Regelungen wurden in Kraft gesetzt mit Rücksicht auf die besonders gefährdeten Personengruppen. Meine Eltern dürfen z.B. nicht spenden weil sie 1985 7 Monate in England waren... Das heisst aber nicht dass ich nicht finde, dass man die Regelungen anpassen sollte.
- Würde Ihr selbst schwules Blut oder schwule Organe haben wollen?
Klar. Ich gehe grundsätzlich davon aus dass Spender nicht spenden wenn sie sich selbst gefährdet haben, da ist es mir egal was der Spender/die Spenderin für einen Lebenswandel pflegt.
- Könnt Ihr verstehen, wenn Schwule aus dem genannten Grund keine Bereitschaft zur Organspende zeigen?
Nur wenn man dabei auch darauf verzichtet Organe anzunehmen. Für mich sind alle anderen Haltungen nicht vertretbar.
 

Benutzer96776 

Beiträge füllen Bücher
- Sind die geltenden Ausschlusskriterien für Blut- und Stammzellenspende noch zeitgemäß? Im Großen und Ganzen schon denke ich aber es gibt sicher Verbesserungspotential, bin da zu wenig informiert.
- Sollte nicht viel mehr der individuelle Lebensstil eines Einzelnen berücksichtigt werden? Doch! Definitiv
- Findet Ihr solche Regelungen diskriminierend? Teilweise schon aber das sie ihre Vorschriften haben zur Sicherheit der Empfänger ist klar. Dennoch gebe ich dir vollkommen recht, das ist komplett daneben, eine Blutspende zu verweigern und eine Organspende von ein und derselben Person zuzulassen! Also irgendwie ist das schon so ja...
- Würde Ihr selbst schwules Blut oder schwule Organe haben wollen? Ich denke schon.
- Könnt Ihr verstehen, wenn Schwule aus dem genannten Grund keine Bereitschaft zur Organspende zeigen?
Ja
 

Benutzer100759 

Sehr bekannt hier
Der Threadtitel klingt wie aus dem Stürmer.

- Sind die geltenden Ausschlusskriterien für Blut- und Stammzellenspende noch zeitgemäß? Absolut.
- Sollte nicht viel mehr der individuelle Lebensstil eines Einzelnen berücksichtigt werden? Klar, aber als basic triage ist obiges schon mal ganz okay
- Findet Ihr solche Regelungen diskriminierend? Nein
- Würde Ihr selbst schwules Blut oder schwule Organe haben wollen? Wenn sie negativ getestet sind, ja.
- Könnt Ihr verstehen, wenn Schwule aus dem genannten Grund keine Bereitschaft zur Organspende zeigen? Ihre Organe, ihre Entscheidung.
 
F

Benutzer

Gast
Also willst du jetzt behaupten, man wird durch dein Blut schwul?! Das widerum würde bedeuten schwulsein ist eine Krankheit und man kann sich damit anstecken. Ich dachte immer, über diese Art von Denken sind wir lange hinweg. :ratlos:
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
- Sind die geltenden Ausschlusskriterien für Blut- und Stammzellenspende noch zeitgemäß?
Irgendwelche Ausschlusskiriterien, um das Risiko bezüglich teilweise nicht nachweisbarer Krankheitserreger (wie z.B. HIV kurz nach der Infektion) in Blutkonserven zu minimieren, muss es einfach geben... und egal, wie man diese Regeln gestaltet, fühlen sich immer ein paar Ausgeschlossene dadurch ans Bein gepinkelt.
Von daher sehe ich zumindest keinen dringenden Bedarf, diese Kriterien zu ändern.

Es geht doch auch gar nicht darum, in wiefern solche Kriterien zeitgemäß sind oder nicht, sondern darum, wie man mit möglicht wenig "Kollateralschaden" ein Risiko minimieren kann.
Mehr als ein Pareto-Optimum (also ein nicht optimaler Zustand, bei dem aber jede Verbesserung in einem Aspekt auch zu einer Verschlechterung in einem anderen Aspekt führen würde), kann man in dieser Hinsicht wohl nie finden und ich bin durchaus der Meinung, dass die derzeitige Regelung ein solches Pareto-Optimum darstellt. (Siehe auch die Antwort auf die nächste Frage)

- Sollte nicht viel mehr der individuelle Lebensstil eines Einzelnen berücksichtigt werden?
Dann würde sofort wieder gejammert, dass das ein viel zu großer Eingriff in die Privatsphäre der Blutspender ist, es gäbe große Probleme in Sachen Datenschutz und Vertraulichkeit, usw.
Von daher halte ich das nicht unbedingt für eine sinnvolle Sache - auch wenn sie selbstverständlich auch gewisse Vorteile gegenüber den derzeitig recht allgemein gehaltenen (und damit eben auch weniger in die Privatsphäre eingreifenden) Ausschlusskriterien hätte.

- Findet Ihr solche Regelungen diskriminierend?
Ich kann es durchaus nachvollziehen, dass Jemand, der kein Blut spenden darf, weil er zu einer solchen allgemein gefassten Risikogruppe gehört, ohne selbst ein sonderlich riskantes Verhalten an den Tag zu legen, deshalb ein wenig angepisst ist.

Trotzdem ist dieser persönliche Ärger einiger Ausgeschlossener noch lange kein Grund dafür, dieses Ausschlusskriterium zu kippen und dafür ein höheres Risiko für HIV-infizierte Blutkonserven in Kauf zu nehmen oder sie durch andere Ausschlusskriterien zu ersetzen, die auch nicht weniger problematisch sind (siehe oben - Privatsphäre und Datenschutz).

Es geht hier ja nicht um einen Vorteil, der Schwulen durch dieses Ausschlusskriterium verwehrt wird, sondern darum, gewisse Risikogruppen - zu denen nun mal rein statistisch auch Schwule gehören - von einer freiwilligen Spende auszuschließen, um die Gefahr von Ansteckungen mit schlimmen Krankheiten über Bluttransfusionen zu minimieren.

- Würde Ihr selbst schwules Blut oder schwule Organe haben wollen?
Auch wenn der Spender schul ist, sind weder dessen gespendetes Blut, noch dessen gespendete Organe in irgendeiner Art und Weise schwul. Von daher ist diese Frage doch recht polemisch.
Aber ich wäre sicherlich nicht begeistert, wenn ich durch eine Blutkonserve mit HIV oder sonst irgendwas inifziert werde nur weil man Schwule hier nicht diskriminieren wollte.

- Könnt Ihr verstehen, wenn Schwule aus dem genannten Grund keine Bereitschaft zur Organspende zeigen?
Nein. Das ist nicht mehr als eine Trotzteaktion, die ich nur bei kleinen Kindern irgendwie verstehen kann - aber nicht bei erwachsenen Menschen, die eigentlich dazu in der Lage sein sollten, ein wenig weiter zu denken.
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Off-Topic:
Sorry für die dumme Frage, aber: Wird das Blut nicht sowieso getestet, bevor es eingesetzt wird?
 

Benutzer12784  (39)

Sehr bekannt hier
- Sind die geltenden Ausschlusskriterien für Blut- und Stammzellenspende noch zeitgemäß? Jein. Sie sollten sich nicht auf Homosexuelle beziehen sondern den Lebensstil usw beinhalten. AIDS ist keine Schwulenpest und heute wissen wir das, früher war man vielleicht verzweifelt und wusste es nicht.Die Frage ist, ob das Risiko bei einem Homosexuellen höher ist als bei einem Hetero.

- Sollte nicht viel mehr der individuelle Lebensstil eines Einzelnen berücksichtigt werden? Ja. Wobei auch da gelogen werden kann. Deswegen ist es gut das es für Blut kein Geld gibt.

- Findet Ihr solche Regelungen diskriminierend? Ja. Es wird jede Probe getestet, und es wird niemand gefragt "haben sie die letzten 6 bzw 2 Wochen ungeschützen Sex gehabt" Also scheinen die Tests gut genug zu sein. Wobei aber diese 2 Wochen immer ein Risiko sind. Die Frage ist das beim Hetero ONS besser als beim Homosexuellen ONS

- Würde Ihr selbst schwules Blut oder schwule Organe haben wollen? Ich lerne den Spender nicht kennen. Wenn Organe mir einen Teil der "Seele" weitergeben würden, nein. Wenn nicht dann ists nur Fleisch.

- Könnt Ihr verstehen, wenn Schwule aus dem genannten Grund keine Bereitschaft zur Organspende zeigen? Ja ich kanns verstehen, aber ich halte es für falsch. Ich halte es noch für viel schlimmer nicht Blutzuspenden um für Homosexuelle zu demonstrieren aber grundsätzlich ist beides falsch.
Vielleicht ist das Organ das man spendet oder das Blut das man Spendet genau jenes, um einen Homosexuellen zu retten. Am Ende hat man nichts erreicht mit dem Protest, man verrottet nur mit seinen Organen.

---------- Beitrag hinzugefügt um 23:48 -----------

Off-Topic:
Sorry für die dumme Frage, aber: Wird das Blut nicht sowieso getestet, bevor es eingesetzt wird?

Natürlich! Aber ein PCR Test kann erst nach 15 Tagen Viren nachweisen.
 

Benutzer76250 

Planet-Liebe Berühmtheit

Nein, ich bin mir nicht sicher ...

... ob Du ein durchschnittlicher Forentroll mit zufälliger sexueller Präferenz für Menschen gleichen Geschlechts bist, oder ob Deine Lebensgeschichte und -erfahrung als Mensch mit homosexueller Prädilektion Dich gelehrt hat, selbst gegenüber Dir wohlgesonnenen linken Gutmenschen auf Konfrontation zu gehen.

:hmm:
 
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