Naiv und unselbstständig?

Benutzer100727  (28)

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo...

Ich habe das Gefühl, dass ich mit meinem Vater absolut nicht mehr reden kann. Egal was ich sage, er dreht meine Aussage immer so, dass es aussieht als wäre ich total minderbemittelt und unreif. Ich versuche, ein ganz normales Gespräch zu führen, will einfach etwas erzählen, und er macht da gleich eine Grundsatzdiskussion draus.
Das sind so Sachen wie dass ich z. B. von einer Sache erzähle, bei der ich eine Entscheidung treffen muss, was mir aber schwer fällt. Ich erzähle das, weil es mich eben beschäftigt und ich denke, dass es meine Eltern vielleicht interessieren könnte, was bei mir so los ist. Und dann werde ich damit abgefertigt, dass man im Leben eben Entscheidungen treffen muss und ich das eben zu lernen habe, und da nicht so ein Drama draus machen soll.
Das ist vielleicht ein schlechtes Beispiel, keine Ahnung... Es ist einfach immer so, dass ich ganz neutral etwas sage und er das gleich als Anlass sieht um mir einen Vortrag darüber zu halten, was ich zu tun habe und dass das, was ich tue, falsch ist; dass ich naiv und unreif und unselbstständig bin.
Und das macht mich oft einfach fertig. Dass ich nicht mit ihm reden kann, dass er mich nicht versteht, dass er mich in Grund und Boden redet und mich wie den letzten Idioten darstellt. Er redet mir alles kaputt, was mir wichtig ist, und wenn es mir eh schon scheiße geht, würgt er mir noch eins rein.
Ich würde gerne lernen, damit besser umzugehen. Ich versuche, es einfach zu ignorieren, aber das klappt nicht immer.

Habt ihr vielleicht eine Idee, wie ich besser damit umgehen könnte? :frown:
 

Benutzer39497 

Sehr bekannt hier
Es kann sein, dass dein Vater tatsächlich besorgt um dich ist, weil er das Gefühl hat, dass du unsicher bist und dass du, weil du ihn um Rat bittest, ihn als Unterstützung brauchst, wenn du Entscheidungen treffen sollst, weil es für ihn so aussieht als könntest du das nicht alleine tun und du somit in Gefahr läufst falsche Entscheidungen im Leben zu treffen, wenn du auf dich selbst gestellt bist. Es stellt sich in diesem Fall die Frage, ob du ihm Anlass zu dieser Sorge gibst oder ob er zu Unrecht dieses Gefühl hat.

Es ist aber auch möglich, dass das Problem viel mehr bei deinem Vater als bei dir liegt, weil es für ihn schwierig ist damit zurechtzukommen, dass sein Sohn erwachsen wird und er spürt, dass er nach und nach seinen erzieherischen Einfluss verliert. Aus diesem Grund kann es sein, dass er dir noch einmal zeigen will, dass er derjenige ist, der im Gegensatz zu dir über eine Menge Lebenserfahrung verfügt und dass er stets besser weiss als du selbst, was gut für dich ist. Dabei argumentiert er damit, dass du noch nicht die notwendige Reife und das Alter hast.

Mit seiner permanenten Kritik hält er dich klein und sorgt dafür, dass deine Selbstsicherheit ihm gegenüber nicht wachsen kann. Gleichzeitig erwartet er von dir aber mehr Eigeninitiative und Entscheidungsfähigkeit und sein eigener Anspruch an dich scheitert natürlich bereits im Vorfeld daran, weil er es gleichzeitig so darstellt, dass du dafür eh zu naiv und unselbstständig bist.

Es geht darum, dass der Vater lernen muss dir zuzutrauen eigene Entscheidungen treffen zu können und dass du dabei hin und wieder auch das Risiko eingehst im Nachhinein festzustellen, dass du eine falsche Entscheidung getroffen hast. Auch Fehler zu machen gehört zum Leben dazu und die einprägsamsten Erfahrungen fürs Leben sind oft die, für die man Lehrgeld bezahlen musste.

Damit der Vater dir zutrauen kann eigenständig zu handeln und damit sein Stolz es auch zulässt dir das so zu übermitteln, muss er erst einmal über seinen eigenen Schatten springen, ein Stück loslassen und akzeptieren, dass sein Sohn auf dem Weg dazu ist erwachsen zu werden. Durch entsprechendes Handeln deinerseits oder wenn du ihn mit Worten darauf hinweist, wird er zwangsläufig mit diesem Umstand konfrontiert werden.

Es kann sein, dass sich euer Verhältnis schlagartig bessert, sobald ihm das klar ist, er sich damit abgefunden hat und du irgendwann bald ohnehin die Volljährigkeit erreichst. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist während der Pubertätszeit oft von Konflikten geprägt, da es zu einer Art Machtkampf kommen kann, indem der Sohn beginnt gegen den Vater zu rebellieren und sich gegen ihn durchzusetzen, während der Vater bestrebt darin ist seine Rolle als Oberhaupt in der Familie zu verteidigen und auch weiterhin beizubehalten.
 

Benutzer48403  (51)

SenfdazuGeber
Zunächst bleiben da noch einige Fragen offen, da Deine Story doch etwas vage kling, um genauere Schlüsse daraus ziehen zu können:

- Wie lange geht das schon so?
- Hast Du ansonsten ein gutes Verhältnis zu Deinem Vater?
- Was sagt Deine Mutter dazu, tut sie es ihm gleich?
- Hast Du das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden?

Es mag sein, dass Dein Vater besorgt um Dich ist und Dir Ratschläge und Eigeninitiative auf den Weg mitgeben möchte, nur die Art, wie er es Dir nahelagt, ist die falsche; Auf Dauer wirst Du unsicher und Du redest Dir irgendwann ein, dass Du tatsächlich naiv und entscheidungsunfàhig bist.
Gemäss dem Vorgehen: Tisch jem. solange Vorwürfe auf, bis er es selbst glaubt, obwohl es nicht stimmt.

Schwirig, Di da einen Rat zu geben, aber ich rein persönlich ürde folgendermassen regieren: Ihm einmal klar machen, dass er Dich mit Grundsatzdiskussionenin Ruhe lassen soll, wenn das nicht funzt, dann halt dicht machen.
 
D

Benutzer

Gast
Fällt dir noch irgendwie ein konkreteres Beispiel ein? Momentan kann ich damit auch nicht so recht was anfangen. Du bist 17, da gerät man hin und wieder mal aneinander. Dennoch ist es natürlich nicht schön, wenn man mit dem Vater nicht richtig reden kann. Geht mir heute noch oft so, aber nicht aus deinen genannten Gründen.
Na ja, wie gesagt, wär gut, wenn du noch ein konkreteres Beispiel hättest.
 

Benutzer100727  (28)

Sorgt für Gesprächsstoff
Vielen Dank für eure Antworten! :smile:

Ich habe eigentlich nicht das Gefühl, dass ich ihm einen Anlass geben würde, so über mich zu denken. Klar, ich bin bei manchen Dingen unsicher, aber das ist denke ich normal in meinem Alter.
Ich frage ihn auch eigentlich nie um Rat; beispielsweise diese Sache wo ich Probleme hatte mich zu entscheiden, da habe ich auch einfach nur gesagt: "Es hat sich gerade die und die Sache ergeben und ich muss mich jetzt entscheiden, ob ich das eine oder das andere tue. Das finde ich schwierig, weil ich die Konsequenzen nicht genau einschätzen kann. Ich muss wohl noch etwas darüber nachdenken."
Es ging mir einfach darum, es mal zu erzählen - einen Rat wollte ich gar nicht haben.

Wir haben dieses Problem früher schon öfters gehabt, aber da hat meine ältere Schwester häufig zwischen uns vermittelt. Sie ist Anfang des Jahres ausgezogen, seitdem ist es schlimmer geworden. [Das klingt, als würde ich ohne sie als Beschützerin nicht klarkommen. :ratlos:]
An sich komme ich mit meinem Vater schon zurecht. Er kann nur eben sehr dominant sein, und dagegen komme ich oft nicht an.
Meine Mutter sagt meist gar nichts dazu und hält sich raus.
Ich habe ot das Gefühl, nicht ernstgenommen zu werden. Er gibt mir das Gefühl, dass ich schon alles 100%ig perfekt können muss, dass ich keine eigenen Erfahrungen sammeln, keine Fehler machen darf - es muss alles von Anfang an richtig sein. Außerdem interessiere ich mich ja eh für die falschen Dinge und mache aus allem ein Drama, nur weil ich mich eben intensiv mit Dingen auseinandersetze anstatt sie einfach abzuhaken.

Ein anderes Beispiel wäre vielleicht dieses:
Ich musste damals von der Schule aus ein Praktikum machen und hatte mir eine Praktikumsstelle in einer Blindenschule gesucht. Ich wollte halt etwas in Richtung Pädagogik machen, womit mein Vater aber von Anfang an nicht einverstanden gewesen war. Ich bin in der Blindenschule dann in eine Klasse mit schwerst-mehrfach behinderten Kindern eingeteilt worden, wo kein Unterricht stattfand und die Kinder halt nur versorgt wurden [füttern, wickeln, spielen, beschäftigen]. Für mich war das völlig in Ordnung, mir hat die Arbeit Spaß gemacht und ich fand es absolut faszinierend, zu sehen, wozu diese Kinder zum Teil imstande waren, welche Eigenheiten und Fähigkeiten sie haben. Mein Vater meinte aber, mir vorwerfen zu müssen, dass ich einfach nur faul wäre und keine Lust auf "richtige" Arbeit hätte, dass mich das doch interlektuell unterfordern würde und ich nur meine Zeit verschwenden würde, anstatt etwas "Sinnvolles" zu tun, was mich aufs spätere Berufsleben vorbereiten würde.

Die Dinge, die mir wichtig sind, redet er mir kaputt. Er stellt permanent meine Entscheidungen in Frage, wirft mir vor, unreif zu sein und naiv.

Ich rede inzwischen eigentlich gar nicht mehr mit ihm, er dreht sich ja eh jede Aussage so wie es ihm gerade passt.

Wenn ich sage, dass diesem ganzen Kram mit dem Klimawandel skeptisch gegenüberstehe, gelte ich als dumm; wenn ich sage, dass ich mich nicht impfen lassen möchte, gelte ich als naiv weil ich ja alles glaube "was irgendwo im Internet steht"; wenn ich sage, dass ich Agnostiker bin, wird mir vorgworfen, ich würde nicht klar Stellung beziehen, entweder ich wäre gläubig oder nicht, dazwischen gibt es nichts.

Er könnte doch froh darüber sein, dass ich mich kritisch mit den Dingen auseinandersetze und mir eine eigene Meinung bilde. Und wenn ich im Nachhinein feststelle, dass die falsch war - ja und? Bin ich eben um eine Erfahrung reicher.
 

Benutzer54399 

Planet-Liebe Berühmtheit
Einen Ansatz hätte ich noch, der passt zwar nicht auf alle Beispiele, vielleicht erklärt er aber die ein oder andere Handlung deines Vaters. Männer sind im allgemeinen nämlich eher lösungsorientiert. Wenn du einem Mann etwas erzählst und diese Erzählung enthält ein Problem, dann ist das für viele Männer ein Zeichen, dass du von ihnen eine Lösung möchtest.

Wenn du deinem Vater also von einer Entscheidung erzählst die du treffen musst, dann könnte das für ihn so aussehen, als ob du von ihm wissen möchtest, welche Entscheidung du treffen sollst. Das muss von dir dann auch nicht als Frage formuliert werden, schließlich hast du ihm ja schon das Problem genannt.

Aber wie gesagt, das wäre nur einer von vielen Ansätzen.
 

Benutzer100727  (28)

Sorgt für Gesprächsstoff
Mhm, das klingt logisch. Ich scheine da einfach anders zu sein, keine Ahnung. :|
Ich habe ihm ja auch gesagt, dass ich das nicht erzählt habe weil ich einen Rat haben wollte, aber da hat er einfach drüber hinweggesehen.
 

Benutzer54399 

Planet-Liebe Berühmtheit
Mhm, das klingt logisch. Ich scheine da einfach anders zu sein, keine Ahnung. :|
Ich habe ihm ja auch gesagt, dass ich das nicht erzählt habe weil ich einen Rat haben wollte, aber da hat er einfach drüber hinweggesehen.

Das ist für viele Männer schwer zu verstehen. Selbst ich versteh es nicht, obwohl ich es ja gerade erklärt habe. :zwinker: Wenn meine Freundin zu mir kommt und mir erzählt was heute so im Büro passiert ist und dieses oder jenes ist schief gegangen, dann ist mein erster Reflex auch immer noch, dass ich ihr helfen möchte und ihr eben dann sage, wie sie meiner Meinung nach, dieses Problem umschiffen könnte.

Dabei möchte sie es mir einfach nur erzählen...
 

Benutzer87508 

Sorgt für Gesprächsstoff
Ich kenne das auch so ähnlich, nur etwas schlimmer und von beiden Elternteilen aus.

Ein normales Gespräch zu führen ist unmöglich.

Ich rede deshalb schon lange gar nicht mehr zuhause und verbringe die Zeit dort ausschließlich in meinem Zimmer.
 

Benutzer78662  (33)

Meistens hier zu finden
Ich denke mal, daß da eine gewisse Angst aus Deinem Vater spricht.

Überall wird gewarnt vor der großen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, wer mit 24 sein Studium nicht abgeschlossen hat, kriegt eh keinen Job mehr, und ohne 3 Fachpraktika und 2 Auslandsaufenthalte mit Sprachkurs geht sowieso nichts.

Andere sprechen schon mit 10 Jahren drei Fremdsprachen, überspringen zwei Schulklassen und was macht sein Herr Sohn? Ein Praktikum in der Blindenschule.

Soviel zu dem von Dir angesprochenen Beispiel.

Verstehst Du was ich meine? Für mich klingt das so, als hätte er ne Heidenangst, daß aus Dir "nichts wird". Dazu kommt dann noch, daß er anscheinend eine extrem festgefahrene Vorstellung davon hat, wie ein erfolgreicher Mann zu sein hat.

Er kapiert vermutlich nicht, daß es auch noch andere Wege gibt und das ein gewisses Herumexperimentieren und Suchen in Deinem Alter eben notwendig ist. Ich denke mal, die meisten hier werden auch der Meinung sein, daß ein Praktikum in der Blindenschule eine tolle Sache ist, aber für Deinen Vater ist das nur Zeitverschwendung = nichts, womit man später beim Bewerbungsgespräch auftrumpfen kann.

Leider fällt mir keine andere Lösung ein, als Deinem Vater Deine Vorstellungen zu erklären und ihn an Deinen Gedanken teilhaben zu lassen. Dummweise scheinst Du genau das schon zu tun und er Dir nicht mal richtig zuhören zu können. Daher kann ich Dich nur ermuntern, weiter Dein Ding durchzuziehen und durchzuhalten.

Hoffentlich kann Dein Vater irgendwann sehen, daß Du zwar vielleicht einiges anders gemacht hast, als er sich das vorgestellt hat, aber Du trotzdem Dein Leben auf die Reihe kriegst und glücklich damit bist. Bei den meisten bessert sich das Verhältnis zu den Eltern ab einem gewissen Alter wieder - bei mir war der entscheidende und notwendige Schritt, mit 19, 20 auszuziehen.
 
D

Benutzer

Gast
Einen ganz anderen Ansatzpunkt habe ich noch. Eigentlich ist alles gesagt worden, und eine Lösung hätte ich eigentlich auch nicht - ausser den Vorschlag, dass du den Ball flach halten solltest, heisst eigentlich:Ruhig bleiben und deine Ziele verfolgen bis du volljährig geworden bist.

Sicher ist es schwer und "Kinder" können das nicht verstehen - man möchte Aufmunterung und Zuspruch vom Vater oder von den Eltern erhalten, man möchte gerne sehen, dass die Eltern stolz auf das sind, was man macht.

Da liegt der Knackpunkt, dein Vater versteht unter "Stolz" und unter einem "Sohn, den man vorzeigen kann" etwas anderes. Die Ängste, dass das eigene Kind "so wird wie Nachbars Sohn, der nichts auf die Reihe kriegt" sind da.
Es ist Unsicherheit deines Vaters.
Ich wette mit dir, im Innersten sieht er das anders, denkt, "man, was er leistet, was die Jugend heute im Stande ist zu leisten, mit 17 ne eigene Meinung und zielstrebig - DAS HÄTTE ICH IN DEM ALTER NICHT GEPACKT".

Das komische ist, dass Eltern meist noch Unsichererer und wankelmütiger sind als die eigenen Kinder. Wir "Erwachsenen" sind genauso - wenn nicht noch dümmer, wir machen Blödsinn, reiten uns in die tiefste Scheiße und verspielen manchmal Haus und Hof, obwohl wir es eigentlich besser machen oder wissen müssten....Der einzige Unterschied ist, wir haben Erfahrungen gesammelt und das befähigt uns (keine unbedingt positive Eigenschaft!), die Dinge herunterzuspielen, von uns abzulenken und einen ganz anderen Schein zu wahren, so zu sein, wie wir eigentlich garnicht sind! Das, was von UNS erwartet wird, nämlich kein Schwächling zu sein, seinen Mann im Alltags und Berufsleben mit Familie und Haus zu stehen, das wird erwartet von "uns" und da kommt jemand, der grade 17 Lenze alt ist und keine Erfahrung haben kann , gerade Recht.....

Jetzt will ich deinem Vater nichts unterstellen, aber es ist tatsächlich so, dass wir/er nicht aus seiner Haut heraus kann. In Wirklichkeit würde so mancher gerne mal um sich schlagen (Synonym für "Ausbrechen" nicht wirklich zuschlagen...) und ausbrechen aus diesen Erwartungshaltungen der Anderen. Schließlich hat der Chef, die Frau, die Freunde Erwartungen und auch "etwas vorzuzeigen", obwohl die Wahrheit dann manchmal hinter der Haustüre ganz anders aussieht.....
Und wenn man das weiss, und eigentlich sieht, dass es das eigene Kind schon besser macht als man selber, dann wird es um so wahrscheinlicher, dass man aus "Prinzip" schon dabei bleibt und sein eigenes "Unvermögen" mal auszubrechen und ne Lanze zu brechen, sich vor die eigenen Kinder stellt, anstatt hinter sie um sie "vorzuzeigen und vorzuschicken, eben auf die eigenen Kinder projeziert......

Aber, das wollte ich garnicht schreiben...:zwinker: aber vielleicht "hilft es" deinen Vater zu verstehen oder ein kleines wenig.....die Erwachsenenwelt ist so kompliziert, nein, wir machen sie uns selber so Undurchsichtig - da blicke ich selber manchmal nicht durch....:zwinker:

- du hattest geschrieben:
Wir haben dieses Problem früher schon öfters gehabt, aber da hat meine ältere Schwester häufig zwischen uns vermittelt. Sie ist Anfang des Jahres ausgezogen, seitdem ist es schlimmer geworden.

...und das ist der Punkt, an dem ich ansetzen wollte.
Dein Vater hat schon "ein Kind verloren". Es ist nicht unerheblich, wenn die Kinder erwachsen und selbstständig werden, und sie dann das Haus verlassen. Es kann sein, dass er sehr viel Hoffnung und Herzblut in seine Tochter gesteckt hat. Mit dem Auszug klar zu kommen ist die eine Sache, die Erwartungen, die man all die Jahre gehabt hat, die Hoffnung, dass das "Tochterherz" (s)einen Weg einschlägt, mit dem er leben kann und überhaupt wird sie ihn auch nie "verlassen".......das wird ihm vielleicht (!) schwer zu denken und zu schaffen gemacht haben.

Und nun ist da noch der kleinere Bruder........Ich glaube, wenn er nicht mal richtig einen vor den Koffer kriegt und einsieht, dass es Euer/Dein Leben ist, wirst du "immer - auch in 10 Jahren noch der sein und bleiben, der es dem Papa nie recht machen kann".....
Bei einer Tochter, gut, dass sieht er vielleicht ein - ist ja ein Mädchen - aber der Sohn, "der muss doch sehen, dass es so gut ist, wie er sich und sein Leben verwirklicht hat"....

Ok, starker Tobak, aber ich habe sehr schwer zu kämpfen gehabt, als meine Tochter auszog, als sie Selbstständig wurde oder als sie sich die Pille hat verschreiben lassen. Da hat man das Gefühl, es wird einem Stück für Stück etwas genommen...Die Zeit fliesst dahin und mit ihr all die eigenen Erwartungen, Hoffnungen und Träume, weil es ganz, ganz anders kommt im Leben, als das man es sich in jungen Jahren ausgemalt hatte.........Gut, ich hatte nun keinen Sohn mehr, den ich "triezen" konnte, aber es kommt auf das Denken an, die Gedanken, die bei allen gleich zu sein scheinen.

Plötzlich ist es wieder alles da.Man ist selber mal ausgezogen, hatte Wünsche und Träume, wollte "seine Ziele" verwirklichen und alles ganz anders machen als die eigenen Eltern. Und man weiss sehr wohl, wie schwer es war, der ganze Kampf, die Streitereien, die Niederlagen und die Erfolge. Was dein Vater und auch ich oder viele andere vergessen und nicht bedenken: Sie sehen das alles aus der heutigen Sicht.Aus Sicht eines 40;50 jährigen und vergessen dabei völlig, dass wir auch jung waren, dass wir diese Dinge alle im jungen Alter "gestemmt" haben und es aus heutiger Sicht viel zu kompliziert und verworren erscheint, ja "unschaffbar", weil man aus der heutigen Sicht nicht nochmal all das schaffen würde und könnte. Ohne all das im Hinterkopf und die jahrelange Erfahrung und auch der ganze "Lebensmüll", der sich im Laufe der Zeit in uns angesammelt hat.

Es werden Unsicherheit und Ängste sein, die deinen Vater dazu treiben so zu sein. Aber auch der "Verlust" der Tochter und dem Zusehen dass der Sohn erwachsen wird und auch bald "das Weite sucht".

Denn eigentlich kann und sollte dein Vater stolz auf dich sein. Ein 17jähriger, der so handelt, so "klar" und überhaupt nicht naiv schreibt und auch weiss was er will, der freiwillig in eine Blindenschule geht.....Hut ab! Da gibt es ganz, ganz andere in deinem Alter, die noch nicht so weit sind.
Vielleicht ist es wirklich besser, hier Diskussionen und Gesprächen aus dem Weg zu gehen. Du weisst, was du kannst und das du deine Ziele hast. Vielleicht muss noch einige Zeit vergehen, bis du mal in einem "Mann zu Mann Gespräch" mit deinem Vater haben kannst - wenn er sich besinnt und mal vergisst, dass er Erwachsen ist.
 
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