Nach 10 Jahren Probleme in der Beziehung....

Benutzer111849 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo,

mein Freund und ich (beide 33) sind jetzt schon 10 Jahre zusammen. Leider zeichnen sich schon seit mehreren Jahre immer mehr Probleme ab, die sich häufig um das Thema Sex drehen.

Im ersten Jahr lief es sexuell sehr gut. Die ersten Schritte gingen noch von ihm aus und er ließ sich auch zu neuen Dingen hinreißen. Inzwischen ist es allerdings so, dass es Sex nur noch gibt, wenn ich mich annähere. Von ihm kommt in dem Bezug rein gar nichts. Das heißt er streichelt mich nie von sich aus oder zeigt, dass er Sex möchte. Meist läuft es so ab, dass ich anfange ihn zu streicheln und er davon erregt wird. Dann kann es sein, dass er auch mal bei mir Hand anlegt oder es gleich zur Sache geht. Auf Dauer ist das natürlich sehr frustrierend für mich, da ich mich schon gar nicht mehr als Frau von ihm wahrgenommen fühle.

Wir haben schon oft über das Thema gesprochen. Meist endete es damit, dass er halt keine Lust hätte, aber auch nicht weiß woher das kommt. Gestern hatten wir nun wieder ein Gespräch und dieses Mal meinte er, dass er sich einfach viele Dinge nicht traut. Zum Beispiel mich streicheln oder Wünsche äußern, weil er als Jugendlicher sogar für seine "Morgenlatte" von seiner Oma verurteilt wurde. Er konnte sich also in der Pubertät überhaupt nicht sexuell entwickeln. Ich wusste auch zu Beginn unserer Beziehung nicht, dass er vor mir noch mit keiner Frau sexuelle Erfahrungen gesammelt hat. Sonst hätte ich es anders angefangen. Er hatte mich aber belogen und erzählt, dass mit seiner Ex ein reges Sexualleben hatte.

So nun sind wir an dem Punkt, dass er sich einfach von mir unter Druck gesetzt fühlt, da ich das Thema einfach immer wieder anspreche und wollte, dass er auch mal Initiative zeigt. Ich wusste ja nicht, dass er so gehemmt ist und sich nicht "traut"......

Ich weiß einfach nicht wie wir das noch hinbekommen.... nach 10 Jahren, wenn soviel schief gelaufen ist.... War schon mal jemand in einer ähnlichen Situation?
 
S

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Gast
Hm, ich verstehe deine Verzweiflung, sehe aber überhaupt nicht, dass die Sache aussichtslos ist.
Auch wenn ihr bereits 10 Jahre zusammen seid, na und. :zwinker:

Das Wichtigste habt ihr bereits hinter euch: Das Gespräch. Endlich hat sich dein Freund offenbart und dir gesagt, was wirklich in ihm vor geht.

1. Er hat Angst dich zu berühren.
2. Er hat Angst Wünsche zu äußern.
3. Er hat sexuell Hemmungen, weil er in der Kindheit dafür gemobbt wurde.
4. Er fühlt sich unter Druck gesetzt.

Du weißt also jetzt, wie es innerlich überhaupt in ihm aussieht, was er über dich und über euer Sexleben denkt und kennst vor allem den Grund, warum er sich so verhält.

Jetzt heißt es, geduldig sein.

Das Problem bei solch sexuellen Unstimmigkeiten ist, dass Druck von beiden Seiten kommt. Dein Freund macht sich garantiert selbst Stress, weil er ja weiß, was du gerne möchtest, er kann sich aber einfach nicht überwinden. Zum anderen machst du Druck, weil du ständig darüber sprechen willst, ihn wahrscheinlich mit Fragen löcherst, warum/wieso/weshalb er etwas macht oder nicht macht.

Druck und Stress sind Gift für jedes Sexleben. Da ist es egal, ob man 5 Monate oder 15 Jahre zusammen ist. Druck ist immer ein Lustkiller.

Also fang an, dich zu entspannen. Wenn du ruhiger wirst und Einsicht zeigst, wird auch dein Freund entspannter.

Sag ihm, dass er vor dir keine Angst zu haben braucht. Sag ihm, dass er dir jederzeit seine Wünsche mitteilen darf. Wenn es ihm unangenehm ist, dir das ins Gesicht zu sagen, bitte ihn, es aufzuschreiben. Schreiben fällt vielen Menschen wesentlich einfacher als Sprechen. (Er könnte dir zB eine E-Mail schreiben. Das ist sehr praktisch, weil man er sich in einem ruhigen Moment - vielleicht wenn du nicht zu Hause bist - hinsetzen kann, um mal alle seine Gedanken aufzuschreiben.)

Gib deinem Freund das Gefühl und die Sicherheit, dass er bei dir eben keine Angst vor Mobbing haben braucht. Wenn er spürt, dass du ihn für nichts auslachst, schief ansiehst oder sonst was, wird er von ganz allein öfter auf dich zukommen. Weil er Vertrauen zu dir aufbaut.

Das wird nicht von heute auf morgen gehen. Immerhin wurde es in der Kinderheit auch nicht von heute auf morgen zerstört.

Aber ich finde, dass er sich dir gegenüber jetzt geöffnet hat, ist ein riesiger Schritt in die richtige Richtung.

Und erwarte nicht zu viel von ihm. Also nur, weil du ihm heute sagst, dass er sich vor dir nicht zu fürchten braucht, heißt das nicht, dass er morgen ankommt.

Geduld ist von deiner Seite jetzt echt wichtig. Und höre auf, ihn zu bedrängen. Dann wird er sich nur mehr und mehr zurückziehen.
 
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Benutzer111849 

Sorgt für Gesprächsstoff
Vielen Dank SchwarzeFee für Deine Antwort!

Ich werde ihm Zeit lassen und erwarte nicht, dass das jetzt in einer Woche (oder so) vom Tisch ist. Er hatte sich in den letzten Wochen schon etwas geöffnet (vor unserem Gespräch) und wir hatten mehr Sex. Allerdings habe ich mir ein Buch über erotische Massagen gekauft und gemeint, dass er es auch lesen kann. Das war dann allerdings schon zuviel, da er wohl denkt ich erwarte jetzt, dass er von A bis Z alles so umsetzt. Dabei wollte ich einfach nur, dass er vielleicht ein paar Ideen bekommt :confused:

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich mich annähern soll oder ob ich einfach gar nichts mehr machen soll. Ich habe dann nur Angst, dass er sich weiter zurückzieht und wir auf der Stelle treten....
 
S

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Gast
Ich kann verstehen, dass das anfangs schwer ist für dich, aber du musst jetzt nach und nach lernen, mit ihm "richtig" umzugehen.

Für dich ist das Buch nichts besonderes. Ein Buch über erotische Massagen... ach, das ist doch nix Versautes.

Für jemanden, der sexuell gehemmt ist, ist das aber schon etwas anderes. Er sieht sofort die Erotik und wer weiß, was man ihm als Kind über Erotik und Sex eingetrichtert hat. Wahrscheinlich alles böses Zeug, dass aus der Welt verbannt gehört.

Du musst einfach etwas Feingefühl entwickeln. Aber das kommt mit der Zeit, da bin ich sicher.

Wenn du unsicher bist, was die Annäherungen betrifft, frag ihn. Erzähle ihm, was dich bewegt, dass du jetzt gar nicht weißt, wie du dich ihm nähern sollst, ohne ihn zu bedrängen. Nur er kann dir sagen, was ok ist und was zu viel.

Da helfen nur Gespräche, also viiiiel Kommunikation. :smile:

Befriedigt er sich denn eigentlich selbst, oder ist das für ihn auch ein Tabu?
 

Benutzer123024 

Öfter im Forum
uns geht es momentan auch so (auch das Gespräch mit meinem Mann lief sehr ähnlich). Eine Freundin sagte mir, vor einigen Tagen, dass sie und ihr Mann auch so ne Krise durchgemacht haben und verglich Lustempfinden mit einer Sinuskurve. Mal gibt es Phasen, da geht es aufwärts und mal welche, die eben Talfahrten sind. Doof ist es, wenn man sich entgegengesetzt (antizyklisch) zum Partner bewegt, was das Lustempfinden angeht. Was soll ich sagen: Sie hat Recht. Rückblickend gesehen, war auch ich schon mal in so einer Lustkrise und das musste mein Süßer auch ertragen und mit mir durch. Also hör ich jetzt auf rumzuheulen (ich mein jetzt wirklich nur mich) und lass die Zeit für mich arbeiten. Denn - der nächste Aufschwung kommt bestimmt. :grin:
 

Benutzer111849 

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Er sagt, dass er sich nicht selbst befriedigt und es auch nur als Jugendlicher mal probiert hat. Er wurde von seiner Oma aber zur Erziehungshilfe geschleift, weil er ja jeden morgen eine "Morgenlatte" hatte. Dort wurde es dann hingestellt, als würde er den ganzen Tag nur an sich rumspielen. Er ist ohne Vater aufgewachsen, seine Mutter starb als er 14 war.
 

Benutzer42813 

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Das wäre in meinen Augen ein klassischer Fall von "hier kann Paarberatung wirklich gut helfen"! Denn dann hättest du jemanden von außen, der deine Sorgen und Ängste ernst nimmt, und umgekehrt gibt es auch einen von außen, der seine Ängste und Sorgen ernst nimmt. Einen neutralen Mediator, der von außen gemeinsam mit euch beiden noch mal ganz anders nach Lösungen suchen kann und vielleicht ganz andere Ideen hat.

***

Und für gleich jetzt: Ich habe mir irgendwann klar gemacht, dass ich wohl akzeptieren muss, wenn er nicht will. Das schlimmste für mich ist, wenn er sich dann ganz von mir zurückzieht und ich gar keine Nähe mehr habe. Dann will ich immer unbedingt Sex, weil das ganz viel Nähe ist und für die vergangene Nähelosigkeit entschädigt.

Tja, und wenn ich einmal so dringend Nähe will und dann auch noch so dringend Sex (Selbstbefriedigung ist einfach nicht das gleiche, egal wie toll die Toys sind, die man dabei nutzt), dann schafft das so viel Druck, dass es einfach nur mit Frust enden kann.

Inzwischen mache ich es mir dann im Wohnzimmer genüsslich zwei, drei Mal selbst, während er am Rechner arbeitet, und entspanne mich dabei ein bisschen. Viel hilft das nicht, die Libido geht nicht weg davon - aber es ist nicht mehr ganz so unerträglich, wenn ich dann zu ihm gehe und nach Nähe suche. Und wenn er dann merkt, dass ich ihm nur den Kopf kraulen will oder mich bei ihm anschmusen will oder einen Moment seine Hand halten will oder einfach ein bisschen ankuscheln - dann zuckt er auch nicht so vor mir zurück wie wenn er merkt, dass ich "schon wieder" Sex will.
 
S

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Gast
Ahje. :schuettel:

Ich kann mir vorstellen, dass sowas sich bei einem Kind einbrennt. Er hat wahrscheinlich gedacht, dass er nicht normal sei und sich verteufelt, wenn er mal einen steifen Penis hatte.

Zeig Verständnis. Du weißt ja nun endlich, was damals mit ihm alles gemacht wurde. Da braucht es eine ganze Weile, bis er sich sexuell öffnen kann.

Wie war denn das eigentlich am Anfang eurer Beziehung? Du sagst, dass ihr ein gutes Sexleben hattet. Wie konnte das denn sein, wenn er sexuell unerfahren war? Wusste er, dich anzufassen oder dich zu befriedigen?
Ich kann mir irgendwie kaum vorstellen, dass man sowas nicht mitbekommt, weil man sexuelle Erfahrenheit m. E. nicht spielen kann. :hmm:
 

Benutzer111849 

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Nein, das kann man auch nicht spielen.... Nach unserem ersten Mal war klar, dass da was nicht stimmt, denn so würde sich kein Mann anstellen, der schon mal Sex hatte. Aber wir haben uns sozusagen eingespielt und ich habe die Führung übernommen und es hat dann funktioniert. Mit "gut" meinte ich eher, dass er von sich aus sexuelle Lust gezeigt hat und auch angefangen hat mit streicheln.

Er meinte gestern, dass er mit 23 einfach endlich Sex wollte und dann "Blut geleckt" hatte und mehr wollte. Nur warum es dann plötzlich abflaute weiß er nicht. Wenn ich überlege was wir damals angestellt haben und was heute läuft, dann habe ich das Gefühl das war ein anderer Mann!

Ich habe jetzt schon seit 9 Jahren Geduld und es gab immer wieder Zeiten, in denen ich gar nichts von ihm wollte und ihn gelassen habe. Nur bin ich nach den vielen Jahren einfach "ausgehungert" und er meint, dass ich gar nicht mehr normal kuscheln kann, ohne dass es auf Sex hinausläuft. Ich weiß, dass das vielleicht zuviel war die letzten Wochen für ihn.... Letztens Wochenende hatten wir drei Mal Sex an zwei Tagen.... Aber es ist im Alltag einfach oft so wenig Zeit, dass ich diese Chancen bisher genutzt habe, um Zärtlichkeiten zu bekommen. Ich weiß, dass das ein Fehler war....
 

Benutzer123024 

Öfter im Forum
Es gibt zum Thema Lustwandel (Sexualität in der Partnerschaft) eine Broschüre von Profamilia. Soll ich mal posten? Kann man online lesen.... Ansonsten bieten die in fast jeder Stadt auch Paartherapien an. (auch wenn ich denke, dass viel Geduld der erste Schritt sein sollte, könnte eine Überlegung (deinerseits) in diese Richtung nicht schaden).
 

Benutzer111849 

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Also für mich wäre eine Beratung/Therapie auf jeden Fall eine Überlegung, hatte ich auch schon mal vorgeschlagen, aber er weigert sich. Auch ein Gespräch mit dem Hausarzt, da ich auch schon an körperliche Ursachen dachte, hat er komplett abgelehnt...

Ich denke er würde sich dann fühlen wie damals mit seiner Oma, dass er wegen seiner Sexualität zur Beratung geschleppt wird....
 
S

Benutzer

Gast
Und genau deswegen würde ich das auch erstmal bleiben lassen.
So eine Beratung ist ne tolle Sache, aber dazu muss man auch echt bereit sein.

Ziel ist es ja jetzt erstmal, dass er sich zumindest vor dir nicht scheut. Also versuch es erstmal mit Geduld und Verständnis. Wie gesagt, wenn du unsicher bist, frage ihn, wie du dich verhalten sollst. Das zeigt ihm auch, dass du dir Gedanken machst und dass du ihm helfen willst und bereit bist, etwas zu ändern.
 

Benutzer111849 

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Danke für Eure Hilfe!

Ich befürchte nur, dass er mir nicht sagen wird wie ich mich verhalten soll. Die Frage hab ich schon 1000 Mal gestellt! Also was ich tun kann, dass es besser wird!
 

Benutzer42813 

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Ehrlich gesagt würde ich aus genau diesem Grund die Beratung machen.

Ein Beispiel aus meinem Leben, anders geartet, das man aber trotzdem übertragen kann: Ich sehne mich mehr als alles andere auf dieser Welt danach, Schriftstellerin zu werden. Ich habe aber viele Jahre geglaubt, dass ich deswegen krank bin und nicht ganz normal - andere schaffen es ohne diesen Wunsch auch. Ich habe deswegen auch lange keine Psychotherapie machen wollen, weil ich immer die Angst hatte, dass die Therapeutin mich dann auch "normal" machen will, damit ich eben nicht mehr ritze und so.

War aber gar nicht so. Im Gegenteil. Die Therapeutin hat mir geholfen, das ich das, was meine Umwelt mir früher verteufelt hat, endlich als das genießen kann, was es ist: Mein großer Lebenstraum.

***

Ich denke daher, dass es für deinen Freund gut wäre, wenn er zu einer Beratung geht, auch wenn er erst Angst davor hat. Ich denke sogar, dass ich in einem solchen Fall etwas tun würde, was ich sonst absolut ablehne: Sanften Zwang, emotionale Erpressung oder ähnliches anwenden.

Denn: Dein Freund hat bereits so viele Jahre seines Lebens von seiner Sexualität versäumt, weil in seiner Jugend andere Leute Mist mit seiner Psyche angestellt haben.

Es wird Zeit, dass ihm endlich jemand von außen sagt, dass seine Sexualität ihm gehört und ihn davon befreit. Du als Partnerin hast es neun Jahre lang nicht geschafft - also liegt es in diesem Fall nicht in deiner Macht. Das würde ich mir eingestehen, auch wenn es wehtut. Du hast es neun Jahre lang versucht! Das macht dich zu einer Heldin. Ich hätte es niemals so lange ausgehalten.

Und trotzdem hat alles, was du versucht hast, nichts genützt. Wenn du jetzt alleine weiter versuchst - würde es wirklich so anders werden als das, was du früher versucht hast? Wenn du meinst, jetzt könntest du alles anders als früher machen - was denn?

Für jede Kriegerin kommt die Zeit, in der sie einer Niederlage auch mal ins Gesicht sehen muss und sich nach Verbündeten umschaut, um die Schlacht unter neuen Rahmenbedingungen erneut zu kämpfen.

Wenn ich mir vorstelle, dass mein Freund ein solches Trauma erlitten hat, dann würde ich völlig jenseits von "ich will wieder Sex!" so ziemlich alles geben, um ihm zu helfen. Unter anderem würde ich alles versuchen, um ihm eben den SChritt zu einem externen Helfer zu ermöglichen, der nicht (wie damals) versucht, seine Sexualität zu verteufeln - das klingt übrigens absolut nicht seriös, was damals mit ihm gemacht wurde. Klingt nach christlicher Sekte.

Ich habe vor zwei Jahren auch üble emotionale Erpressung angewendet, weil mein Freund psychisch erkrankt war. Er wäre niemals zum Arzt gegangen, wenn ich nur lieb gebeten hätte. Knallhart musste ich sein, und eine Zeitlang fürchtete ich, unsere Beziehung würde daran scheitern. Und doch bereue ich es nicht. Wenn er diese Hilfe nicht bekommen hätte, wäre er immer noch in seiner Seele krank und würde sich selbst immer wieder dafür bestrafen, dass er angeblich klein und wertlos sei und nie etwas richtig machen könne.

Stattdessen ist er heute ein psychisch gesunder Mann, der mir ein ebenbürtiger Partner sein kann. Nur, weil ich damals gesagt und hartnäckig (und unter Tränen und großen Selbstzweifeln) durchgekämpft habe, dass ich mich weigere, mein Leben an einen Mann zu opfern, der sich nicht traut, endlich die Vergangenheit hinter sich zu lassen und gesund zu werden. Er wäre den Schritt nicht gegangen, wenn ich nicht hart gewesen wäre. Und heute ist er selbst sehr, sehr froh, dass er es gemacht hat.

***

Aus diesen Gründen würde ich zur Paarberatung gehen. Nicht, weil hier zu wenig Sex ist, sondern weil emotionaler Missbrauch in der Jugend sein Verhältnis zur Sexualität völlig zerstört hat, weil er darunter leidet und versucht, irgendwie mit dieser ihm zugefügten Behinderung zu leben, weil er damit aber nie wirklich glücklich sein kann. Und diese seelische Behinderung aus seiner Jugend ist nicht mehr seine Privatangelegenheit, genauso wenig wie die Depression meines Freundes damals seine Privatangelegenheit war: Denn eure Beziehung leidet massiv darunter.

Er schuldet es also eurer Beziehung, sich dort um Gesundung zu bemühen.

Und du schuldest es eurer Beziehung, diesen Standpunkt tatsächlich auch einzunehmen und konsequent durchzuziehen. Konsequent, geduldig, mit einem selbst gesteckten Zeitplan von ca. einem halben Jahr und einem gedanklich vorher festgesetzten Ultimatum.

***

Jedenfalls ist das meine Meinung. Es ist das, was ich tun würde. Andere mögen es anders sehen und vielleicht haben sie auch Recht damit. Das kann ich nicht beurteilen. Ich habe mich in meinem Leben früher schon geirrt - kann also auch sein, dass ich es hier auch tue. Dennoch bleibe ich bei meiner Ansicht.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer111849 

Sorgt für Gesprächsstoff
Danke Shiny Flame!

Es ist momentan ein Zwiespalt! Einerseits möchte ich ihn nicht total abschrecken, aber andererseits bin ich schon lange der Meinung, dass er seine Kindheit aufarbeiten muss!!! Auch andere Dinge, wie Gewalt, haben meiner Meinung nach Spuren hinterlassen, auch wenn er sagt, dass ihm das alles inzwischen nichts mehr aus macht...
 

Benutzer123024 

Öfter im Forum
hmm, auch wenn das jetzt irgendwie komisch klingt, aber ich hab beim Zahnarzt die aktuelle "Brigitte" gelesen und fand in der Ausgabe einen Bericht über Paartherapie. Das Interessante daran war, dass die Therapiesitzungen aus Sicht des Mannes als auch der Frau einzeln dokumentiert dargestellt sind. Also, wie war seine Einstellung generell zur Therapie, was hat er vorher erwartet (er fand es natürlich doof, weil er dachte, er würde mit Schuldzuweisungen konfrontiert werden usw. Sie fand es gut, weil sie dachte, da könne sie endlich Recht bekommen usw.) und wie ist es dann wirklich gekommen ist (nämlich ganz anders) und was in der Sitzung passierte, könnte eventuell das Bild etwas gerade rücken und Vorurteile über Paartherapien im Allgemeinen abbauen. Wie gesagt, alles sowohl aus seiner als auch aus ihrer Sicht. Mein Tipp: Heft am Kiosk kaufen und ganz unverbindlich mal lesen. Dann vielleicht in einem liebevollen Moment rausholen und gemeinsam lesen... Vielleicht klappt´s ja :smile:
 

Benutzer42813 

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andererseits bin ich schon lange der Meinung, dass er seine Kindheit aufarbeiten muss

Du denkst, er "muss"? Hast du ihm das so auch gesagt? Aber selbst wenn nicht, spürt er es. Wir können nie einen anderen Menschen ändern, immer nur uns selbst. Ansonsten verhärten sich die Fronten. Und wir können den anderen trotzdem noch nicht ändern.

Eine Paarberatung würde auch dich herausfordern. Du warst neun Jahre lang mit dem Zustand zufrieden. Klar, du hast geredet und ihm die Schuld zugeschoben (nein, so böse nicht, aber tendentiell schon), aber wirklich ändern wolltest du lange eben doch nichts. Es wird also auch die Frage aufkommen: Was war an diesem Zustand gut für dich? Welchen Ängsten konntest du ausweichen, indem du bei einem Freund bleibst, der dir sexuell in Bezug auf Libido und Potenz unterlegen warst? Was war für dich gut und beruhigend daran, ihm sexuell immer überlegen zu sein und immer besser als er zu wissen, was gut für ihn wäre? Wofür hast du das gebraucht? Welche Ängste hast du damit überdeckt?

Solche Fragen sind unangenehm.

Mache dir bitte klar: Wenn du wegbleibst (was völlig legitim ist), schützt du dich selbst mindestens so sehr wie ihn. Auch bei dir würden unangenehme verschüttete Dinge hochgeholt werden, denen du dich vielleicht gar nicht stellen willst.

Vielleicht ist es bequemer, wenn alles so bleibt, wie es ist. Dann ist er schuld daran, dass es schief läuft, und du bist die gute, geduldige, verständnisvolle Partnerin, die ganz genau weiß, was er tun müsste, damit es ihm (und indirekt dadurch auch dir) besser geht. So was ist eine beliebte Frauenfalle.

Möglicherweise bist du genau darein gelaufen. Du willst darüber reden, du willst klarstellen, dass er schuld hat und du aber ach so furchtbar verständnisvoll bist - und in Wahrheit hast du bloß Angst davor, dass er dich verlassen würde, wenn er nicht länger von deinem sexuellen Verständnis und deiner Geduld abhängig ist. Was, wenn ein anderer Mann dich sexuell nicht attraktiv genug fände? Was, wenn er auf einmal sexuell gesund wird, gar nicht mehr von dir abhängig ist - und dann aufhört, dich zu lieben?

Solche Ängste, so vermute ich, werden bei dir im Unterbewusstsein herumspuken. Deswegen willst du zwar reden, weil das deine Machtposition über ihn verbessert und eure Rollenverteilung deutlich macht (und weswegen er keinen Bock mehr auf solche Gespräche hat), aber du willst vermutlich gar nicht wirklich etwas ändern und einem anderen das Reden überlassen, der dann auf einmal genauso tief in dich hineinschaut und dich durchschaut, wie du das bei deinem Freund tut.

***

Auch hier gilt: Ich mag mich furchtbar irren. Nimm es als Gedankenanstoß - und sei es nur, damit du alles widerlegen kannst und zeigen, dass es so wie ich es schreibe überhaupt nicht stimmt.

Leichter ist es immer, wenn man sagt: "Ich will ja drüber reden, aber er nicht!" "Ich will ja Hilfe, aber er nicht". Damit versteckt man sich hinter dem anderen. Das ist bequem - und feige. Damit macht man manches von dem kaputt, was an Liebe und gegenseitigem REspekt eigentlich so wundervoll ist.

***

Lass mich dir abschließend eine Frage stellen. Du musst sie gar nicht beantworten, aber denke für dich selber darüber nach:

Was (Welche Eigenschaften, Handlungsweisen usw) an deinem Freund löst in dir aufrichtigen Respekt und aufrichtige Bewunderung aus?
 

Benutzer111849 

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Ich sage nicht zu ihm, dass er MUSS. Ich bin selbst in Therapie und bin eigentlich nur hin, weil er den Anstoß dazu gab, weil er mir Mut machte und Verständnis hatte. Ich arbeite selber an mir und habe viele Baustellen, die ich bearbeiten muss....

Was (Welche Eigenschaften, Handlungsweisen usw) an deinem Freund löst in dir aufrichtigen Respekt und aufrichtige Bewunderung aus?

Es klingt zwar komisch, aber ich bewundere ihn dafür, dass er es zehn Jahre mit mir und meiner Familie ausgehalten hat! Da gab es viele Punkte, die wirklich nicht einfach waren und dennoch hat er immer gesagt: Ich will die Beziehung...
 

Benutzer35148 

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Hast Du denn eine Ahnung oder eine Idee davon, was Deinen Freund anmacht und erregt?
Vielleicht könnstest Du ihn in gewisser Weise dazu bringen dass er Dich wirklich von sich aus will.
Oder hast Du in der Vergangenheit schon "alles" versucht?
 

Benutzer42813 

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Ich sage nicht zu ihm, dass er MUSS. Ich bin selbst in Therapie und bin eigentlich nur hin, weil er den Anstoß dazu gab, weil er mir Mut machte und Verständnis hatte. Ich arbeite selber an mir und habe viele Baustellen, die ich bearbeiten muss....

Das klingt vielversprechend. Denn wenn er dich da ermutigt hat, hat er gesehen, dass es dir geholfen hat. Also dürfte seine prinzipielle Ablehnung gegenüber jeder Art von Therapie dadurch schon mal aufgelockert sein!

Ich habe nicht so hart geschrieben, weil ich schlecht von dir denke, sondern im Gegenteil, weil ich glaube, dass du genau so eigentlich nicht denkst. Bei dummen Leuten mache ich mir nicht die Mühe langer und komplizierter Beiträge.

Ich wünsche dir, dass du nach all euren Schwierigkeiten jetzt die Kraft findest, diese noch folgende auch gemeinsam anzugehen - wie auch immer sie aussehen wird. Denn ich traue dir zu, dass du das schaffen wirst - notfalls eben auch mit Unterstützung.
 
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