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Eltern Mutter hasst mich?

ichklaudeinekuh
Benutzer196498  Ist noch neu hier
  • #1
Hallo ihr alle :smile:

Das ist das erste Mal, dass ich hier etwas schreibe - gut möglich also, dass ich vielleicht etwas falsch mache (insofern das groß möglich ist). Wie der Titel es schon sagt: das Verhältnis von meiner Mutter und mir könnte, besonders in letzter Zeit, besser sein. Ich will gar nicht erst behaupten, dass ich zu den Diskussionen etc nicht auch meinen Teil beitrage, aber ich habe trotzdem das Gefühl, auf einem Minenfeld zu stehen - um es ganz dramatisch auszudrücken. Alles, was ich tue, scheint falsch zu sein, alles kann zu einer Explosion führen.

Um einige Dinge klarzustellen: ich bin 16, weiblich; schon möglich also, dass Teenie-Tochter und Midlifecrisis-Crisis-Mutter sich hin und wieder uneinig sind. Manchmal habe ich allerdings das Gefühl, dass diese Uneinigkeiten einfach aus Prinzip bestehen - eher wie bei Kleinkindern als einer erwachsenen Frau und einer 16-jährigen. Natürlich bin ich mit 16 wahrscheinlich in einer Phase, in der man viele Dinge hinterfragt (besonders, was die eigenen Eltern anbelangt) und sich von seinen Eltern ablöst, aber ich denke trotzdem, dass meine Gefühle ihr gegenüber irrational sind. Und ich wüsste gerne, wieso.

Denn manchmal löst allein ihre Gegenwart eine Art Aggression in mir aus, mit der ich nicht umgehen kann. Entweder ich lasse mich gehen und es kommt wieder zu einem Streit, oder ich richte die Aggression gegen mich selbst, was zugegebenermaßen meistens nicht wirklich gut endet. Es reicht teilweise nur ihre Körperhaltung oder ihre Mimik, die Lautstärke oder der Ton, in dem sie spricht, und ich fühle mich bedrängt, möchte weg, werde beinahe panisch oder eben aggressiv. Aber damit hat sie selbst ja eigentlich kaum was zu tun. Es ist auch nicht so, als wäre sie mir gegenüber oft handgreiflich geworden (ein Mal, an das ich mich erinnere; aber ich hatte es auch verdient: ich habe einem Kuscheltier meiner Schwester beim Arzt-Spielen ein Bein abgeschnitten, was zwar nicht böse gemeint, aber trotzdem böse war).

Ich sehe sie an, sie bekommt diesen bestimmten, abweisenden Zug um den Mund und irgendwas in mir springt um. Ich will etwas kaputt machen, mir die Haare ausreißen, meinen Kopf gegen die Wand hämmern, was auch immer, Hauptsache dem Druck, der sich innerhalb von Sekunden aufgebaut hat, Luft machen.

Mama hatte eine relativ schwierige Kindheit, was wahrscheinlich dazu geführt hat, dass sie ihren Gefühlen schlecht Ausdruck verleihen kann, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, jemals ein ernst gemeintes „Hab dich lieb" oder so von ihr gehört zu haben. Wenn ich das zu ihr gesagt habe, kam ein genervter Seufzer. Wenn ich sie umarmt habe, hätte wahrscheinlich ein Baum mein Umarmung mehr erwidert, hätte weniger reglos dagestanden. Ich habe mal erwähnt, dass „Kinder sich vor allem nach der Liebe und Aufmerksamkeit der Mutter sehnen", aber das hat auf lange Sicht nichts verändert.

Mittlerweile bin ich auch nicht mehr der Ansicht, das verdient zu haben, was mich zu dem eigentlichen Problem führt: wenn sie mir sagt, ich wäre ein schlechter Mensch, ich wäre der Grund für ihr Unwohlsein, für den Streit in der Familie, sie möge meine gesamte Persönlichkeit nicht, ich wäre ein Arsch, dann hat sie Recht. Bzw. mittlerweile glaube ich, dass ich mich von ihr so abgestoßen fühle, weil sie Recht hat, weil sie mich zu gut kennt, weil sie sehen kann, wie verfault ich bin. Es ist verletzend, was sie sagt, aber was, wenn sie Recht hat?

Das ist es, was mich so fertig macht: die Gewissheit, dass sie mich BERECHTIGT hasst, auch wenn ich es mir nicht eingestehen möchte. Ich mag mich nicht besonders, also warum sollte sie es tun, der Mensch, der mich wohl am besten kennt? Wenn ICH mich hasse, ist das okay, aber wenn jemand ANDERES erkennt, wie verdorrt mein Wesen ist, dann kann ich damit nicht umgehen? Vermutlich richte ich die negativen Gefühle, die ich mir selbst gegenüber empfinde, einfach gegen sie.

Es tut mir Leid, dass ich so viel geschrieben habe, aber ich wusste nicht, wie ich mich kürzer fassen konnte, sorry :/ Aber um zu meiner eigentlichen Frage zu kommen: Wie kann ich ein besserer Mensch sein? Wie kann ich meinen Mitmenschen, besonders meiner Mutter, mehr Liebe entegegen bringen, wenn ich mich fühle, als seien wir beide zwei Minus-Pole? Das Ding ist, dass Menschen mich sehr anstrengen und ich viel Ruhe brauche. Meine Mutter bezeichnet das als „immer einen auf depri machen". Ich will nicht immer so abwesend und abweisend sein, aber es kostet viel Kraft, freudig und aufmerksam zu wirken. Im Gegensatz zu meiner Schwester bin ich sehr introvertiert, eher menschenscheu als… naja das Gegenteil von menschenscheu eben. Ich wäre gerne normaler, netter, besser im Allgemeinen.

Ich habe noch ein paar Sätze aus einem Tagebucheintrag, die meine Gefühlslage glaube ich ganz gut zusammenfassen:

“Ich sage, alles was eine Mutter tun muss, ist, ihr Kind zu lieben und ihm diese Liebe auch zu zeigen. Ich bringe meiner Mutter aber auch kaum Liebe entgegen. Aber ist das ein Resultat aus dem Fehlen der Liebe meiner Mutter mir gegenüber, oder ist dieses Fehlen ein Resultat aus dem Fehlen meiner Liebe ihr gegenüber?
Liebt sie mich nicht, weil ich sie nicht liebe oder liebe ich sie nicht, weil sie mich nicht liebt?

Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?

Ich meine, klar liebe ich meine Mutter. Natürlich. Sie ist meine gottverdammte MUTTER, selbstverständlich liebe ich sie. Aber irgendwie ist da auch diese Abscheu. Und das wiederum finde ich selbst an mir abscheulich.
Ein Kreislauf.“

Oder:

„Kann ich sagen, dass alles kommt, weil sie kein ehrliches Interesse an mir hat, keine ehrliche Liebe zeigen kann? Kommt das, weil es Oma schon genau so ging? Ich mein, ich selbst kann niemandem zeigen, dass ich diese Person ehrlich gern habe.

Oma zeigt Mama ihre Liebe nicht, Mama zeigt mir ihre Liebe nicht, ich zeige meine Liebe nicht?

Aber dann müsste ich ja meinen eigenen vermaledeiten Stammbaum nach dem Übeltäter absuchen, der sein Kind nicht lieben konnte. Und damit suche ich auch nur einen Sündenbock, oder?“

Oder:

„Jetzt weiß ich, warum ich das hier mache. Damit mir irgendwer sagen kann, ob ich ein schlechter Mensch oder nicht bin. Sei es mein Zukunfts-Ich oder eine wildfremde Person.“

Und nochmal, es tut mir Leid, dass ich nicht zum Punkt kommen konnte. Aber ich wollte mein Problem auch so gut es geht erläutern. Hat jemand vielleicht einen Ratschlag für mich?

Danke, dass ich das einmal loswerden konnte. Ich hoffe, jemand hat sich meine Selbstmitleidsbekundungen bis hierhin durchlesen können :smile:)

Liebe Grüße
 
Zauberschnitte
Benutzer189381  Sehr bekannt hier
  • #2
Hallo,

Ich finde gar nicht das du im Selbstmitleid badest :smile:

Du klingst sogar reflektiert.

Eine Lösung habe ich nicht (andere User können dir aber sicher hilfreiche Ansätze geben)

Würde dich der Gedanke trösten, das es deiner Mutter wahrscheinlich sehr ähnlich geht?

Mutter - Tochter ist bei sehr vielen in der Pubertät ein heißes Eisen.

Warum das so ist? Ich weiß es nicht.... Man kann viele Theorien darüber lesen. Was stimmt? Wahrscheinlich eine Mischung aus allen.

Kannst du deine Mama einfach mal umarmen?
 
G
Benutzer Gast
  • #3
dass sie ihren Gefühlen schlecht Ausdruck verleihen kann,
Hallo ichklaudeinekuh,
Mir ging es in meiner Jugend ähnlich. Ich kann dich ein bisschen verstehen.

Mittlerweile bin ich auch nicht mehr der Ansicht, das verdient zu haben,
Ich mag mich nicht besonders
Ohne dich zu kennen: Natürlich hast du die Liebe deiner Mutter verdient!
Introvertiertsein ist dufte :smile:

Es ist super schwer aus diesem Rollenmuster auszubrechen, denn es wurde dir antrainiert. Aber es lohnt sich. Mein Vorschlag: Google mal nach Selbstliebe-Tipps und such dir Rituale für dich aus, die dir gefallen. Probiere dich aus. Wenn du Hilfe von anderen möchtest, lass dir helfen. Du bist es dir wert.

Wie ist das Verhältnis zu deiner Schwester? Könnt ihr euch gegenseitig bestärken?
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
S
Benutzer152906  (46) Beiträge füllen Bücher
  • #4
Was tust Du denn, um zu verdienen so genannt zu werden … so ein böser Mensch zu sein?
 
S
Benutzer152906  (46) Beiträge füllen Bücher
  • #5
Neuhier22

Kann es sein, das bei Deinem Text ein “nicht” an einer sehr wichtigen Stelle fehlt?
 
B
Benutzer193650  (40) Sorgt für Gesprächsstoff
  • #6
Liebe ichklaudeinekuh,

ich habe deinen Beitrag bis zum letzten Wort gebannt gelesen. Vielleicht strengt es dich an, mit Leuten zu reden, weil du introvertiert bist. Aber Schreiben ist ein großes Talent von dir. Und Reflektieren. Irgendwie scheint das mir kein bloßes Pubertätsding zu sein. Du sagst, es war schon immer wenig liebevoll bzw. unterkühlt? Als Mama mit jedoch kleineren Kindern und als Tochter sage ich dir, dass Kinder zwar mit ihrem eigenen Charakter auf die Welt kommen, sie aber nicht den Charakter der Eltern verändern können. So wie man grundsätzlich andere Menschen wenig ändern kann. Daher sage ich deine Mutter ist so wie sie ist, weil sie schon immer so war. Das liegt nicht an dir. Und du wirst sie nicht ändern können, nur deinen Umgang damit. Und du bist ein Stück weit so wie du bist, weil sie so ist wie sie ist. Aber auch du bist mit einem eigenen Charakter hier auf die Welt gekommen. Suche dir andere liebe Menschen in deinem Umfeld, wo du deinen anscheinend bestehenden Wunsch, Liebe zu erhalten und zu geben üben und ausleben kannst. Anscheinend hattest du keine gute Lehrmeisterin… Fühl dich gedrückt 😘
 
ichklaudeinekuh
Benutzer196498  Ist noch neu hier
  • Themenstarter
  • #7
Hallo ichklaudeinekuh,
Mir ging es in meiner Jugend ähnlich. Ich kann dich ein bisschen verstehen.



Ohne dich zu kennen: Natürlich hast du das verdient!
Introvertiertsein ist dufte :smile:

Es ist super schwer aus diesem Rollenmuster auszubrechen, denn es wurde dir antrainiert. Aber es lohnt sich. Mein Vorschlag: Google mal nach Selbstliebe-Tipps und such dir Rituale für dich aus, die dir gefallen. Probiere dich aus. Wenn du Hilfe von anderen möchtest, lass dir helfen. Du bist es dir wert.

Wie ist das Verhältnis zu deiner Schwester? Könnt ihr euch gegenseitig bestärken?
Hi Neuhier22 :smile:

Das Verhältnis zu meiner Schwester ist eigentlich ziemlich gut. Sie ist etwa drei Jahre jünger; heißt, wir leben durchaus in anderen Welten, aber verstehen tun wir uns trotzdem :grin:
Allerdings ist ihr die Meinung und Unterstützung meiner Mutter deutlich wichtiger. Sie verhält sich sehr den Vorstellungen und Wünschen meiner Mutter entsprechend, was ich gut verstehen kann, aber mich ein wenig alleine dastehen lässt. Ich glaube, meine Mutter sieht in meiner Schwester das, was sie sich von ihren Kindern gewünscht hat, und in mir, der pubertierenden Göre, genau das Gegenteil.
Meine Schwester ist sehr offen und liebenswürdig, ein wirklicher Sonnenschein - und ich nunmal nicht. Ich möchte das Verhältnis von meiner Schwester und meiner Mutter nicht unnötig belasten, wenn die beiden eigentlich gut miteinander auskommen. Ich werde mal schauen, ob ich mit ihr reden kann, ohne meine Mutter vor ihr als den Teufel auf Erden aussehen zu lassen, danke für die Antwort! :smile:
 
ichklaudeinekuh
Benutzer196498  Ist noch neu hier
  • Themenstarter
  • #8
Liebe ichklaudeinekuh,

ich habe deinen Beitrag bis zum letzten Wort gebannt gelesen. Vielleicht strengt es dich an, mit Leuten zu reden, weil du introvertiert bist. Aber Schreiben ist ein großes Talent von dir. Und Reflektieren. Irgendwie scheint das mir kein bloßes Pubertätsding zu sein. Du sagst, es war schon immer wenig liebevoll bzw. unterkühlt? Als Mama mit jedoch kleineren Kindern und als Tochter sage ich dir, dass Kinder zwar mit ihrem eigenen Charakter auf die Welt kommen, sie aber nicht den Charakter der Eltern verändern können. So wie man grundsätzlich andere Menschen wenig ändern kann. Daher sage ich deine Mutter ist so wie sie ist, weil sie schon immer so war.

Das liegt nicht an dir.
Diese Stelle ist mir besonders aufgefallen - vielleicht, weil ich unterbewusst angenommen habe, dass ihre Art komplett meine Schuld ist. Ich werde mir zukünftig in Erinnerung rufen, dass natürlich auch meine Reaktion auf sie unser Verhältnis beeinflusst, aber eben nicht ausschließlich. Danke :3
Und du wirst sie nicht ändern können, nur deinen Umgang damit. Und du bist ein Stück weit so wie du bist, weil sie so ist wie sie ist. Aber auch du bist mit einem eigenen Charakter hier auf die Welt gekommen. Suche dir andere liebe Menschen in deinem Umfeld, wo du deinen anscheinend bestehenden Wunsch, Liebe zu erhalten und zu geben üben und ausleben kannst. Anscheinend hattest du keine gute Lehrmeisterin… Fühl dich gedrückt 😘
Hallo BösesMädchen, und vielen, vielen Dank für deine Antwort! Ich fühle mich tatsächlich sehr gedrückt :smile:
 
ichklaudeinekuh
Benutzer196498  Ist noch neu hier
  • Themenstarter
  • #9
Was tust Du denn, um zu verdienen so genannt zu werden … so ein böser Mensch zu sein?
Hallo Souvereign,

eigentlich fast alles, so doof das auch klingen mag. Lustlos sein in Situation, in denen ich mich freuen sollte, unfähig sein, Dankbarkeit oder Liebe auszudrücken, Kleinigkeiten, wie eine dumme Frage zu stellen, deren Antwort für jeden ersichtlich ist - außer mir, scheinbar. Und so weiter und so fort. Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich mir gerne eine klatschen würde; sei es für meine Dummheit, Ignoranz, (soziale) Inkompetenz, für meinen Egoismus,…

Ich hoffe, ich konnte einigermaßen deutlich machen, was ich meine.
 
S
Benutzer152906  (46) Beiträge füllen Bücher
  • #10
Bei den meisten Dingen sehe ich nicht, wie daraus ein Punkt wird, ein böser Mensch zu sein.

Treibe ich jemanden zur Weißglut, indem ich Fragen stelle, deren Antwort ich kenne und ich das absichtlich tue, weil ich weiß, die andere Person regt sich darüber auf. DANN ist man ein böser Mensch.

Aber nicht, wenn man eine Frage stellt und nur man selbst nicht die Antwort kennt.
 
reed
Benutzer116134  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #11
Es ist auch nicht so, als wäre sie mir gegenüber oft handgreiflich geworden (ein Mal, an das ich mich erinnere; aber ich hatte es auch verdient: ich habe einem Kuscheltier meiner Schwester beim Arzt-Spielen ein Bein abgeschnitten, was zwar nicht böse gemeint, aber trotzdem böse war).
Damit hat sich ein Kind doch nicht verdient, körperlich angegangen zu werden! :eek: Das hat sich ein Kind überhaupt nie verdient, es sei denn es geschieht aus Schutz für das Kind oder Andere.
 
Fantasy.
Benutzer172046  Beiträge füllen Bücher
  • #12
Ich kann vieles, was du schreibst, nachvollziehen. Nur dass ich mit 16 noch lange nicht so reflektiert deswegen war, wie du es bist (dafür war ich dir an Selbstmitleid weit überlegen). Gleichzeitig kommst du - wie ich damals auch - zu den falschen Schlüssen.

Der erste Ratschlag, den ich bekommen habe, als ich mich im Forum angemeldet habe, war: Angst ist kein guter Berater. Angst hat nur ein Ziel, nämlich, dich vor der schlimmsten möglichen Gefahr zu schützen.
Du hast Angst, dass deine Mutter Recht haben könnte. Wahrscheinlich sogar so sehr, dass du das alles gleich vorwegnimmst und dich selbst runtermachst, bevor sie es tun kann. Aber Angst sagt dir nur, was das Schlimmste ist, das eintreten könnte. Nicht, dass es auch tatsächlich so ist.

Du bist wahnsinnig reflektiert. Obwohl deine Mutter dich wütend macht und dich verletzt, bemühst du dich weiterhin um ein gutes Verhältnis zu ihr. Und achtest gleichzeitig darauf, das Verhältnis zu deiner Schwester nicht zu belasten. Und du machst dir viele Gedanken darum, ob deine negativen Eigenschaften - sofern sie überhaupt tatsächlich so sind - dich zu einem schlechten Menschen machen.
Würdest du einer Freundin, die so denkt, vorwerfen, ein schlechter Mensch zu sein? Einen schlechten Charakter zu haben?

Man misst seinen Eltern immer einen hohen Stellenwert bei als Kind. Aber deine Mutter ist auch nur ein Mensch. Sie ist nicht allwissend. Sie kennt viele Seiten von dir, aber sicher nicht alle. Und vor allem ist auch sie nicht objektiv, sondern bringt ihre eigenen Wertungen ein. Meinst du nicht, dass ihr Verhalten ganz schön von ihrer eigenen Geschichte geprägt ist? Ihrer Geschichte, nicht deiner. Was sie sagt, ist nicht Gesetz.

Du musst übrigens auch nicht aufgeschlossen und fröhlich sein. Und ruhig und zurückgezogener zu sein kann genauso eine gute Eigenschaft sein. Sie macht dich jedenfalls reflektiert, und ich finde reflektierte Menschen grundsätzlich sympathisch. Deine Mutter hat kein Recht, das so abzuwerten. Und du musst das nicht ändern. Wenn es dich an dir selbst stört, gibt es Wege, dich auszuprobieren und etwas in der Hinsicht zu ändern. Aber nicht, weil andere das nicht schätzen können.

Wenn deine Situation meiner so ähnlich ist, wie es in deinem Beitrag klingt, dann ist deine intuitive Reaktion auf deine Mutter allein der Unsicherheit geschuldet, dass sie dir wieder etwas an den Kopf wirft und vielleicht sogar mit ihren Vorwürfen Recht haben könnte. Und deine Empfindungen sind vollkommen legitim.
An dem Ort, den man sein Zuhause nennt, sollte man keine Angst haben müssen. Und da ist es in der Verantwortung deiner Mutter, so eine Atmosphäre zu schaffen. Die Ursache für all das bist nicht du.

Aber wenn man sich erstmal eine gewisse Dynamik angeeignet hat, kommt man da schwer wieder heraus.
Der beste Tipp, den ich dir da geben kann, ist Abstand. Den kann man mit 16 noch nicht unbedingt schaffen, aber vielleicht findest du ein paar Wege. Neue Hobbies, für die du das Haus verlässt, irgendeine AG nach der Schule…
Feedback von anderen kann auch helfen, dir eine andere Einschätzung als die deiner Mutter zu zeigen. Kannst du da Freunde oder gute Bekannte nach fragen?

Wie viel erzählst du deiner Mutter? Kannst du da vielleicht etwas zurückfahren? Insbesondere, falls sie das, was du erzählst, gegen dich ausspielt. Auch bei Rechtfertigungen und Begründungen kann man manchmal ansetzen und entweder welche geben, falls sie Verständnis schaffen, oder darauf möglichst verzichten, wenn das gegen dich verwendet wird.

Was außerdem hilft, ist, die Erwartung zu begraben, dass sich die Eltern wie…Elternteile verhalten. Sobald du deine Mutter eher als „normalen Erwachsenen“ siehst anstatt als jemanden, der dich doch eigentlich über alles lieb haben und das immer zeigen müsste, trifft dich ihr Verhalten vielleicht auch weniger.
Aber auch das ist leichter, wenn man das anderswo ausgleichen kann. Wie sieht dein Freundeskreis aus? Kannst du dir da Unterstützung holen?

Ansonsten…wie sieht es nach solchen Auseinandersetzungen aus? Gibt es Entschuldigungen? Erklärungen? Könnt ihr da vielleicht ansetzen, etwas mehr Verständnis füreinander zu schaffen?
An der Stelle der Hinweis, dass man jemanden noch so sehr lieb haben kann…wenn die Person das nicht annehmen kann, kann man nichts machen. Und dann liegt das Problem nicht daran, dass du nicht genug gibst.

Bevor du irgendetwas an dir änderst, solltest du erstmal aufhören, so hart zu dir selbst zu sein. Es gibt nicht eine richtige Art, mit anderen umzugehen, seine Zuneigung auszudrücken oder Dinge wahrzunehmen. Wichtig ist, dass du deine findest, und das kann man einfach nicht, wenn man ständig auf die Umgebung fixiert ist, weil man vor der nächsten verbalen Attacke in Deckung geht.

Falls es ganz schlimm wird: in den meisten Städten gibt es kostenlose Beratungen, online sowie vor Ort, sowohl für dich allein als auch für Familien. Meist von der Diakonie oder Caritas, es gibt aber auch eine Menge andere Einrichtungen. Auch da kannst du vielleicht nochmal einen anderen Blick auf einzelne Situationen erhalten.
 
S
Benutzer190912  (49) Öfter im Forum
  • #13
Die Pubertät ist für beide Seiten keine einfache Zeit, aber ich habe herausgelesen, dass Dein Verhältnis zur Mutter auch schon davor problematisch war.
In Deinem Bericht kommt leider kein Vater vor, das finde ich sehr bedauerlich, denn gerade in der Pubertät wäre ein alternativer Ansprechpartner hilfreich
Ich finde, Kinder sollten von ihren Eltern immer etwas mehr Nachsicht und auch Liebe erwarten dürfen als umgekehrt (zumindest in Kindheit und Jugend) als in umgekehrter Richtung. Deswegen finde ich sehr wichtig, dass Du Dich nicht zu sehr den Schuldgefühlen oder negativen Gedanken zu Deiner Person hingibst. Du bist ein wertvoller und liebenswerter Mensch und Du solltest so angenommen werden, wie Du bist. Nicht jeder Mensch ist gleich und nur weil jemand gerne für sich ist ist das nichts negatives. Ich finde es unter diesen Umständen sehr positiv dass Du trotz der Unterschiede zu Deiner Schwester ein gutes Verhältnis zu ihr hast, so etwas ist nicht selbstverständlich.
Gibt es in Deinem Umfeld keine Vertrauensperson (z.B. Tante usw.) mit der Du reden könntest und die Dir auch Kraft geben könnte? Falls nein würde ich Dir auch empfehlen, dass Du Dir bei entsprechenden Anlaufstellen Unterstützung holst. Bevor Du innerlich zerbrichst wäre im äußersten Fall eine betreute WG oder eben eine Trennung von Deiner Mutter besser als dass Du weiteren Schaden nehmen würdest.
Allerdings wäre es am besten, wenn es eine Vermittlung zwischen Dir und Deiner Mutter geben könnte, dass etwas Entspannung reinkäme und die erstarrten Fronten aufgeweicht würden
 
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