Moralisches Dilemma + Nebenwirkungen von ZYPREXA

Benutzer15352 

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Heyho zusammen!


Also, es geht um Folgendes: In meinem familiären Umfeld ist ein Mensch psychisch so krank, dass er jetzt in einer Klinik ist und dort eine stationäre Therapie macht. Vorher hieß es von der behandelnden Ärztin, dass die betreffende Person unter Depressionen leidet (ein entsprechendes Antidepressivum nahm sie also schon seit geraumer Zeit ein).

Nun haben die neusten "Untersuchungen" jedoch ergeben, dass es sich bei der Erkrankung aller Wahrscheinlichkeit nach um eine shizophrene Psychose handelt, aber da sie auch körperliche Beschwerden (Übelkeit, Herzrasen, "Gehirnschmerzen") hat, wurden noch weitere Tests (MRT, Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeitsentnahme & Co) gemacht. Dazu liegt aber - soweit ich weiß - noch kein Befund vor.

Seit mittlerweile zwei Wochen hat der Mensch, um den es hier geht, also ein Medikament zur Behandlung der auftretenden Halluzinationen bekommen. Es geht dabei wohl um neurologische Prozesse und die Unterbindung von Dopaminausschüttung (soweit ich das verstanden habe). Die Antidepressiva wurden hingegen abgesetzt. Seitdem geht es der Person (zumindest wirkt es so auf mich) sehr viel besser: Sie redet nicht mehr wirres Zeug und wirkt auch sonst klarer. Alles in allem auf den ersten Blick recht erfreulich, möchte man meinen.

Nun jedoch das große ABER: Bei dem Medikament handelt es sich um ZYPREXA. Auf Wunsch der Patientin habe ich im Internet recherchiert und bin dabei auf ziemlich verstörende Infos gestoßen: 2005 hat das Medikament wohl ziemlich für Furore gesorgt (dazu gab es auch eine Frontal-21-Reportage): Unter Einfluss von ZYPREXA soll es wohl zu einer Störung der Kohlehydrateverwertung kommen, was zum einen das Risiko für Diabetes erhöht, zum anderen für erhebliche Gewichtszunahme sorgt (von 30kg innerhalb eines halben Jahres war da die Rede :eek:!), doch damit nicht genug: Die Todesrate steigt anscheinend unter Einnahme auch relativ stark an :confused:.

Nun mache ich mir natürlich sehr große Sorgen.

Ich habe schon versucht, mit der behandelnden Psychaterin zu sprechen, aber sie wiegelt das ganze ab und meint, es sei zum Wohle der Patientin und immer noch besser, als wenn sie Suizid beginge :ratlos:. Außerdem sei das Medikament recht niedrig dosiert.

Die betreffende Person hingegen hat nun mibekommen, dass ich mich über das Medikament informiert habe und löchert mich dementsprechend. Dazu muss ich sagen, dass sie von der Ärztin weder die Packungsbeilage gezeigt, noch über die Nebenwirkungen aufgeklärt wurde :eek:.

Und jetzt bin ich natürlich hin- und hergerissen: Soll ich ihr von den Nebenwirkungen erzählen oder nicht? Vielleicht sind die Horrornebenwirkungen ja wirklich durch die Medien stark aufgebauscht? Andererseits wäre es wohl auch fatal, wenn sie daraufhin das Medikament absetzt :hmm: - und noch fataler wäre es wohl, wenn sie durch das Medikament kränker wird oder gar stirbt :geknickt:...

Ich hab einfach keine Ahnung, wie ich mich adäquat verhalten soll. Weiß jemand Rat oder kann mir vielleicht aus eigener Erfahrung oder von Leuten, die das Medikament ebenfalls eingenommen haben, berichten?



Vielen Dank für eure Hilfe!


Ein
bedrücktes
Tageslichtchen
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Also das mit der Gewichtszunahme ist auf jeden Fall richtig. Eine Begleiterscheinung der meisten Antidepressiva.
Ich bin ziemlich oft in einem Gesundheitsforum unterwegs und da geht jeder zweite Thread um ein AD und dessen Nebenwirkungen und zu 95% gehts da um Gewichtszunahme. Die 30 Kilo sind nicht unrealistisch. Wobei das letztlich ein Kann ist, kein Muss. Trotzdem sollte man es einkalkulieren.

Die Liste der möglichen Nebenwirkungen ist lang, fast wie bei der Pille.
Es ist kein Bonbon, das man da schluckt, trotzdem ist es natürlich u.U. besser als ein Suizid. Da stimm ich der Ärztin zu.
Was mich allerdings wundert, ist, dass es deiner Bekannten oder deinem Bekannten verabreicht wird, ohne dass er/sie auf die Risiken hingewiesen wird. :ratlos:
 

Benutzer15352 

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Also das mit der Gewichtszunahme ist auf jeden Fall richtig. Eine Begleiterscheinung der meisten Antidepressiva.
Ich bin ziemlich oft in einem Gesundheitsforum unterwegs und da geht jeder zweite Thread um ein AD und dessen Nebenwirkungen und zu 95% gehts da um Gewichtszunahme. Die 30 Kilo sind nicht unrealistisch.
Es geht aber doch nicht um ein Antidepressivum, sondern um ein atypisches Neuroleptikum :zwinker:. Und 30kg innherhalb eines halben Jahres ist wohl mehr als bei einem Antidepressivum :hmm:. So eine rapide Gewichtszunahme ist ja auch wirklich ein Gesundheitsrisiko - ganz zu schweigen von den psychischen Folgen (zumal die betreffende Person ohnehin recht kritisch mit ihrem Gewicht ist :hmm:)...

Hast du die Möglichkeit, noch andere Ärzte zu befragen?
Ich wollte am Montag mit einer befreundeten Allgemeinärztin und Psychotherapeutin sprechen...aber bis dahin sitze ich hier auf glühenden Kohlen :geknickt:...
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Ja es ist ein Dilemma bei diesen Präparaten: Entweder psychische STörung oder starkes Übergewicht. Eine schlechte Wahl. :frown:
Zumal starkes Übergewicht Depressionen oder psychische Störungen natürlich erst recht verstärken können.

diabetisches Koma aufgrund eines stark erhöhten Blutzuckerspiegels
Das wird bei den Nebenwirkungen unter "Einzelfälle" aufgeführt, ist also sicher kein Regelfall.
 
R

Benutzer

Gast
Ich wollte am Montag mit einer befreundeten Allgemeinärztin und Psychotherapeutin sprechen...aber bis dahin sitze ich hier auf glühenden Kohlen :geknickt:...
Also so doof es klingt, aber die 2 Tage würde ich jetzt noch abwarten. Ich kann zwar verstehen, dass es sehr schwer fällt, aber wenn die Person dann in Panik die Medikamente absetzt, ist damit ja auch keinem geholfen. Vielleicht gibt es ja noch eine andere Möglichkeit, sprich ein anderes Medikament, oder wurde das schon ausgeschlossen?
 

Benutzer15352 

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Also so doof es klingt, aber die 2 Tage würde ich jetzt noch abwarten. Ich kann zwar verstehen, dass es sehr schwer fällt, aber wenn die Person dann in Panik die Medikamente absetzt, ist damit ja auch keinem geholfen. Vielleicht gibt es ja noch eine andere Möglichkeit, sprich ein anderes Medikament, oder wurde das schon ausgeschlossen?
Das weiß ich nicht - stand wohl nicht zur Debatte :hmm:...
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Ich fürchte, bei anderen Präparaten ist die Liste der möglichen Nebenwirkungen kein bisschen kleiner.:ratlos:

Ich würde jetzt erstmal abwarten wie er/sie es verträgt. Zu einem anderen Wirkstoff wechseln kann man ja ggf. immer noch.
 
R

Benutzer

Gast
Das weiß ich nicht - stand wohl nicht zur Debatte :hmm:...
In so einem Fall würde ich immer mehrere Ärzte konsultieren, da kommen oft total unterschiedliche Ergebnisse raus. Wenn sich alle einig sind, dann würde ich als Laie da auch nicht widersprechen, aber wenn man bisher nur eine Stimme gehört hat, würde ich in einem solchen Fall wirklich verschiedene Meinungen einholen - fragt sich nur, inwieweit das überhaupt möglich ist.
 

Benutzer20579  (37)

Planet-Liebe ist Startseite
Ich finde es gut, dass du dir da Sorgen machst.

Ich kann mir aber auch denken, dass die Ärztin nicht über die Nebenwirkungen aufklärt, weil sie kein Öl ins Feuer gießen möchte - gerade bei psychischen Erkrankungen muss man da ja vorsichtig sein. Wenn jemand vielleicht eh schon psychisch labil ist - und das ist er ja, wenn er in eine entsprechende Klinik muss - dann ist ein Hinweis auf so dramatische Nebenwirkungen mit Sicherheit kontraproduktiv - derjenige wird dann womöglich nur noch ängstlicher und steigert sich womöglich in etwas hinein.

Ich würde die Gespräche mit den Experten abwarten. Bei einer verhältnismäßig niedrigen Dosierung würde ich auch nicht unnötig die Pferde scheu machen, auch wenn es klar ist, dass du dir Sorgen machst.
 

Benutzer15352 

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Das Problem ist halt: Wie lenke ich die Patientin von diesem Thema ab? Wir telefonieren ja täglich und jedes Mal fragt sie nach. Und wenn ich sie dann vertröste und sage, dass ich dazu noch nichts Genaueres weiß, fühlt sie sich nicht ernstgenommen. Dann sagt sie so Sachen wie: "Warum verheimlichst Du Dinge vor mir? Ich erzähle Dir doch auch immer alles...". Es fällt mir einfach so unglaublich schwer, eine nahestehende Person, die ich lieb habe, so zu "belügen". Auch wenn es natürlich zu ihrem eigenen Schutz ist. Aber ich male mir dann auch immer so Horrorszenarien aus, von wegen, dass sie stirbt und ich Schuld bin, weil ich nichts gesagt habe.

Ich weiß, das klingt idiotisch :ashamed:...
 

Benutzer30735 

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Da ich schon 2 Praktika in Psychiatrien gemacht habe, kann ich das bestätigen. Und wohlgemerkt nicht nur bei Zyprexa, sondern viele Antidepressiva/Neuroleptika haben diese Nebenwirkungen, weil sie eben auch stark in das Hunger-Sättigungs-Zentrum (Serotonin, Dopamin...) eingreifen. Die Fa. Lilly, die Zyprexa herstellt, hat auch ein Abnehmprogramm bzw. ein Programm zur gesunden Ernährung "Gesünder leben leicht gemacht" was bei uns in Psychiatrien von Diätologinnen oft in Zusammenarbeit mit Ergotherapeuten (Kochkurse,..) angeboten wird, vielleicht gibt es in der Klinik ähnliches?

LG

EDIT: Und zum Thema mit Ärzten sprechen...find ich jetzt zwar einerseits gut, aber glaub mir, die Ärzte wissen ganz genau über diese Nebenwirkungen Bescheid und die haben ihre Gründe, warum sie genau Zyprexa einsetzen, es ist halt ein sehr "gutes" Medikament, was das Wirkprofil angeht, klar die NW bleiben und zum Thema Todesfälle...naja, will das jetzt nicht runterspielen aber von der Pille gab es ja angeblich auch Todesfälle...habe zumindest noch nie von Todesfällen durch die Einnahme von Zyprexa gehört.

Wieso spricht deine Freundin nicht mit den behandelnden Ärzten? Die können ihr das mMn kompetener erklären als du wo du da Infos im Internet sammelst (sorry, nicht böse gemeint). Ich finde halt dass hierbei in erster Linie der Arzt zur Rate gezogen werden sollte.
 

Benutzer15352 

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Da ich schon 2 Praktika in Psychiatrien gemacht habe, kann ich das bestätigen. Und wohlgemerkt nicht nur bei Zyprexa, sondern viele Antidepressiva/Neuroleptika haben diese Nebenwirkungen, weil sie eben auch stark in das Hunger-Sättigungs-Zentrum (Serotonin, Dopamin...) eingreifen. Die Fa. Lilly, die Zyprexa herstellt, hat auch ein Abnehmprogramm bzw. ein Programm zur gesunden Ernährung "Gesünder leben leicht gemacht" was bei uns in Psychiatrien von Diätologinnen oft in Zusammenarbeit mit Ergotherapeuten (Kochkurse,..) angeboten wird, vielleicht gibt es in der Klinik ähnliches?

LG
Okay, da werde ich gleich mal nachschauen, danke :smile:.
Wenn es wirklich nur ums Hungergefühl geht, wird sie das wohl eher im "Griff" haben, da sie meist recht wenig isst - unter dem Antidepressivum hat sie ja auch nicht zugenommen :hmm:. Wenn es wirklich nur die Gewichtszunahme ist, wäre das ja noch zu verkraften - allerdings macht mir dieser Diabeteskrams halt auch Sorgen...

---------- Beitrag hinzugefügt um 22:20 -----------

Wieso spricht deine Freundin nicht mit den behandelnden Ärzten? Die können ihr das mMn kompetener erklären als du wo du da Infos im Internet sammelst (sorry, nicht böse gemeint). Ich finde halt dass hierbei in erster Linie der Arzt zur Rate gezogen werden sollte.
Scheinbar geben die Ärzte ihr nur schwammige Infos. Sie fühlt sich halt bevormundet...
 

Benutzer30735 

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Okay, da werde ich gleich mal nachschauen, danke :smile:.
Wenn es wirklich nur ums Hungergefühl geht, wird sie das wohl eher im "Griff" haben, da sie meist recht wenig isst - unter dem Antidepressivum hat sie ja auch nicht zugenommen :hmm:. Wenn es wirklich nur die Gewichtszunahme ist, wäre das ja noch zu verkraften - allerdings macht mir dieser Diabeteskrams halt auch Sorgen...

---------- Beitrag hinzugefügt um 22:20 -----------


Scheinbar geben die Ärzte ihr nur schwammige Infos. Sie fühlt sich halt bevormundet...

Hm, würde ich ehrlich gesagt nicht sagen...die haben ja dann ein vermehrtes Hungergefühl, das ist so (übertrieben gesagt) als wenn du nicht satt werden würdest, weil diese Info nicht in dein Gehirn weitergeleitet wird....und der Diabetes resultiert dann ja meist aus der Gewichtszunahme...das hängt ja alles zusammen...man wird dicker, Insulin wirkt nicht mehr so gut und dann kann das eben zum Diabetes führen, der mit der richtigen Ernährung und evtl. Medikamenten sehr gut in den Griff zu kriegen ist und auch so gut wie reversibel ist.
 

Benutzer86199 

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Hallo Daylight,
ich kann verstehen, dass du dir Sorgen wegen der Nebenwirkungen machst. Gerade Neuroleptika sind keine "Zuckerpillchen" und nur die Schwere der Erkrankung rechtfertigt ihren Einsatz bzw. macht diesen eigentlich unumgänglich. Auch wenn es vielleicht schwer zu glauben ist, kann deine Freundin eigentlich von Glück reden, dass es bereits die neue Generation der atypischen NL gibt. Frühere Neuroleptika haben zum Teil bei längerer Anwendung zu irreversiblen Gesichtszuckungen im Zungen-/Mundbereich geführt und und und. :frown:
Ich denke aber auch, dass man deiner Freundin nicht den Beipackzettel vorenthalten sollte, sondern ihr die Möglichkeit geben sollte, diesen mit den behandelnden Ärzten zu besprechen - vorausgesetzt deine Freundin ist aktuell zurechnungsfähig und leidet unter keinem Realitätsverlust (mehr), der es ihr z.B. nicht ermöglicht Misstrauen zu überwinden.
 

Benutzer41093 

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Was mich allerdings wundert, ist, dass es deiner Bekannten oder deinem Bekannten verabreicht wird, ohne dass er/sie auf die Risiken hingewiesen wird. :ratlos:

Off-Topic:
Das ist in meinen Augen nichts neues. Als der Keks auf die Welt kam und meine Milch nicht bei sich behielt und ich dann abstillen sollte, da wurden mir auch einfach Tabletten dafür gegeben. Da ich da sehr kritisch bin fragte ich nach den Nebenwirkungen und dann erst wurde mir alles aufgezählt - und ich habe verzichtet und lieber ohne abgestillt.
 

Benutzer7157 

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Off-Topic:
Das ist in meinen Augen nichts neues. Als der Keks auf die Welt kam und meine Milch nicht bei sich behielt und ich dann abstillen sollte, da wurden mir auch einfach Tabletten dafür gegeben. Da ich da sehr kritisch bin fragte ich nach den Nebenwirkungen und dann erst wurde mir alles aufgezählt - und ich habe verzichtet und lieber ohne abgestillt.

Ich denke mal, dass du aber dass du da die möglichkeit hattest, einfach selbst die packungsbeilage zu lesen. ärzte hätten ja viel zu tun, wenn sie die ganze nebenwirkungsliste vorlesen müssten. :zwinker: hier werden die medikamente vermutlich nicht gerade in der verpackung überreicht, so dass keine möglichkeit für die patientin besteht, sich selvst zu informieren.

zum thema: ich hätte kein gutes gefühl dabei, der patienten von den nebenwirkungen zu erzählen. ich denke mal, die ärzte haben ihren guten grund, ihr das vorzuenthalten. ich könnte mir vorstelllen, dass auch der behandlungserfolg gefährdet würde, wenn du da jetzt einfach so von außen "eingreifen" würdest. ich glaube kaum, dass du dir sorgen machen musst, dass sie jetzt plötzlich verstirbt oder so - allerdings muss ich auch zugeben von dem medikament keine ahnung zu haben. aber die patientin ist unter ständiger ärztlicher aufsicht und die ärzte wissen um die nebenwirkungen. da werden schon ausreichend untersuchungen und beobachtungen angestellt werden und es wird eingegriffen werden, wenn die notwendigkeit dazu besteht.

natürlich ist es nicht leicht für dich, die person anlügen zu müssen. aber die enge verbindung mit einer psychisch kranken person fordert wohl einiges von einem ab - unter anderen auch aus guten gründen, informationen zu verschweigen. ich kann verstehen, dass es dir schwer fällt, aber du musst dir halt auch selbst sagen, dass es besser für die patientin ist und du mit dem schlechten gewissen wegen des lügens leben musst. egoistisch wäre es, nur um deinem gewissen reine luft zu machen, der patientin die informationen vor den kopf zu knallen.

generell würde ich der person wohl klar machen, dass ich nicht ihr gesprächspartner für die behandlung ihrer erkrankung sein will und werde. ich denke, das beste ist das gefühl zu vermitteln, dass sie in guten händen ist, dass die ärzte erfahren sind mit der behandlung und auch mit diesem medikament und dass sie sich keine sorgen machen soll. außerdem ist das internet natülich keine allzu gute informationsquelle, um die risiken mit dem medikament realitätsgetreu abchecken zu können. ich denke, da würde fast jeder bei jedem medikament auf irgendwelche bösen geschichten stoßen - manche sachen sollte man besser nicht googeln. :zwinker: auch dies würde ich der person erklären.
ich würde anbieten, dass ich mich regelmäßig mit den ärzten unterhalte, da nach dem behandlungsstand, nach den risiken der behandlung etc nachfrage. so hat sie das gefühl, dass du dich um sie kümmerst und sie ernst nimmt und sie kann sich auch noch mal beruhigter fühlen, weil "jemand auf sie aufpasst" - und gleichzeitig bekommst du deine informationen aus zuverlässiger quelle und kannst dir vielleicht auch rat einholen, wie du mit ihrer ausfragerei umgehst.
 

Benutzer39497 

Sehr bekannt hier
Der Fall scheint ziemlich heikel zu sein. Also anders als einige hier bin ich ja der Meinung, dass es grundsätzlich Pflicht des Arztes sein sollte einen Patienten bei der Vergabe eines Medikaments von sich aus auf die Risiken und Nebenwirkungen aufmerksam zu machen und falls die Liste zu lang ist, das Medikament zumindest nie ohne Beipackzettel abzugeben und auf die darin beschriebenen Nebenwirkungen hinzuweisen.

Jedoch gibt es bestimmt gerade in der Psychiatrie Fälle, wo man das abwägen muss, und man damit argumentieren kann, dass es ratsam sei dem Patienten gewisse Informationen zumindest vorerst vorzuenthalten, so dass er nicht gleich von vornherein die Einnahme der Medikamente verweigert. Besonders bei schweren psychotischen Störungen und wie in dem Fall hier der Schizophrenie, kann ich mir vorstellen, dass das Problem nicht immer leicht zu handhaben ist. Manchmal kommt ja auch hinzu, dass ein Patient paranoide Wahnvorstellungen hat, und überzeugt davon ist, dass man ihm etwas Böses will, worin er sich dann natürlich bestätigt fühlen würde, wenn man ihm mit einer Liste von den Nebenwirkungen seines Medikamentes konfrontiert, das er vielleicht ohnehin nur widerwillig einnimmt.

Natürlich ist jeder Fall unterschiedlich, aber ich halte die Gefahr dennoch gerade im heutigen Informationszeitalter für sehr hoch, dass jedes Verschweigen von Informationen früher oder später ans Tageslicht kommt und auch nach hinten losgehen kann, wenn das vielleicht eh schon angeknackste Vertrauensverhältnis zum Betroffenen dadurch endgültig zerstört wird.

Eine psychische Krankheit ist nicht gleichbedeutend mit Schwachsinn. Wenn es der Freundin der TS wieder besser geht und sie durch das Medikament wieder klarer geworden ist, was hindert sie daran selbst im Internet zu recherchieren und sich Informationen zu dem Medikament einzuholen? Natürlich kann die TS wohl am besten einschätzen, ob die Person dazu in der momentanen Verfassung in der Lage ist oder ob es ihr sogar zuzutrauen ist, dass sie sich bereits vorab informiert hat und die TS nun auf die Probe stellt.

Auf jeden Fall sollte man aber Menschen mit (psychischen) Krankheiten nicht leichtfertig unterschätzen, da sie oft über ihre Krankheit und ihre Medikation weit besser informiert sind als ihre Angehörigen.

Wie schon vorgeschlagen wurde fände ich es jedoch auch sinnvoll, da das Medikament bereits in Verruf geraten ist, sich so bald wie möglich weitere ärztliche Meinungen dazu einzuholen, ob eine weitere Behandlung damit wirklich unbedenklich ist.
 

Benutzer87573 

Sehr bekannt hier
Also ich nehme auch ein atypisches Neuroleptikum, bei dem in der Packungsbeilage was von Gewichtszunahme steht und ich hab bis jetzt gar nichts zugenommen.
Das Zunehmen -so hat mir das meine Neurologin erklärt- kommt bei den meisten Antidepressiva/ Antipsychotika wohl meist davon, dass man durch die Medikamente ein großes Hungergefühl entwickelt und wenn man dem eben nachgibt, weil man es nie gewohnt war auf sein Gewicht zu achten dann nimmt man eben sehr schnell zu.
Nebenwirkungen können ja nur auftreten, müssen aber nicht zwingend.
Frauen nehmen übrigens davon leider meist mehr und schneller zu als Männer. Einige atypische Neuroleptika werden deshalb Frauen nur ungern verschrieben (zB. Valproat).
Mein Großvater nimmt soweit ich weiß seit Jahren Zyprexa, und der hat in den letzten 5 Jahren sogar 20 Kilo abgenommen.

Ich finds aber auch ziemlich bedenklich, dass deiner Freundin keine Nebenwirkungen geschildert wurden. Zumindest die Packungsbeilage müsste sie sich ja durchlesen dürfen, bevor sie das Zeug nimmt.
Das Problem sehe ich wie Maxx auch bei der Schizophrenie evtl. bei paranoiden Zuständen, in denen die Patientin denkt, die Ärzte wollen ihr Böses. Aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich sagen, dass das wirklich zum Problem werden kann wenn der/die Patient/in die Medikamente dann deshalb absetzt, oder nur so tut als würde er/sie die Medikamente nehmen. Das Problem ist halt auch man kann solche Medikamente nicht einfach mal absetzen, das muss ein- und ausgeschlichen werden, weil man sonst eklige Entzugserscheinungen bekommen kann.
 

Benutzer15352 

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Erstmal: Vielen, vielen Dank für die hilfreichen Beiträge :smile:!

Vielleicht hilft es auch, zu sagen, dass es eben nicht nur eine "Freundin" ist, sondern eine enge Verwandte, d.h. die Vertrauensbasis ist um einiges höher und das schlechte Gewissen, ihr etwas vorzuenthalten, ebenfalls größer :geknickt:...


Ich denke aber auch, dass man deiner Freundin nicht den Beipackzettel vorenthalten sollte, sondern ihr die Möglichkeit geben sollte, diesen mit den behandelnden Ärzten zu besprechen - vorausgesetzt deine Freundin ist aktuell zurechnungsfähig und leidet unter keinem Realitätsverlust (mehr), der es ihr z.B. nicht ermöglicht Misstrauen zu überwinden.
Eben, das denke ich auch. Und soweit ich es beurteilen kann, würde sie die Medikamente auch nicht einfach absetzen, da sie schließlich selber merkt, dass es ihr besser damit geht. Ich werde heute der behandelnden Ärztin mal eine E-mail schreiben und sie fragen/bitten, ob es möglich resp. sinnvoll wäre, die Patientin diesbezüglich aufzuklären.


zum thema: ich hätte kein gutes gefühl dabei, der patienten von den nebenwirkungen zu erzählen. ich denke mal, die ärzte haben ihren guten grund, ihr das vorzuenthalten. ich könnte mir vorstelllen, dass auch der behandlungserfolg gefährdet würde, wenn du da jetzt einfach so von außen "eingreifen" würdest. ich glaube kaum, dass du dir sorgen machen musst, dass sie jetzt plötzlich verstirbt oder so - allerdings muss ich auch zugeben von dem medikament keine ahnung zu haben. aber die patientin ist unter ständiger ärztlicher aufsicht und die ärzte wissen um die nebenwirkungen. da werden schon ausreichend untersuchungen und beobachtungen angestellt werden und es wird eingegriffen werden, wenn die notwendigkeit dazu besteht.
Ja, rein rational betrachtet hast Du natürlich Recht. Aber trotzdem hab ich eben ein schlechtes Gefühl bei der Sache :hmm:...

natürlich ist es nicht leicht für dich, die person anlügen zu müssen. aber die enge verbindung mit einer psychisch kranken person fordert wohl einiges von einem ab - unter anderen auch aus guten gründen, informationen zu verschweigen. ich kann verstehen, dass es dir schwer fällt, aber du musst dir halt auch selbst sagen, dass es besser für die patientin ist und du mit dem schlechten gewissen wegen des lügens leben musst. egoistisch wäre es, nur um deinem gewissen reine luft zu machen, der patientin die informationen vor den kopf zu knallen.
Das stimmt natürlich. Es fällt mir nur unglaublich schwer, der Fragerei ihrerseits "auszuweichen", ohne dass sie verletzt ist.

generell würde ich der person wohl klar machen, dass ich nicht ihr gesprächspartner für die behandlung ihrer erkrankung sein will und werde. ich denke, das beste ist das gefühl zu vermitteln, dass sie in guten händen ist, dass die ärzte erfahren sind mit der behandlung und auch mit diesem medikament und dass sie sich keine sorgen machen soll. [...]

ich würde anbieten, dass ich mich regelmäßig mit den ärzten unterhalte, da nach dem behandlungsstand, nach den risiken der behandlung etc nachfrage. so hat sie das gefühl, dass du dich um sie kümmerst und sie ernst nimmt und sie kann sich auch noch mal beruhigter fühlen, weil "jemand auf sie aufpasst" - und gleichzeitig bekommst du deine informationen aus zuverlässiger quelle und kannst dir vielleicht auch rat einholen, wie du mit ihrer ausfragerei umgehst.
Das ist eine gute Idee, danke Dir :smile:.

Eine psychische Krankheit ist nicht gleichbedeutend mit Schwachsinn. Wenn es der Freundin der TS wieder besser geht und sie durch das Medikament wieder klarer geworden ist, was hindert sie daran selbst im Internet zu recherchieren und sich Informationen zu dem Medikament einzuholen? Natürlich kann die TS wohl am besten einschätzen, ob die Person dazu in der momentanen Verfassung in der Lage ist oder ob es ihr sogar zuzutrauen ist, dass sie sich bereits vorab informiert hat und die TS nun auf die Probe stellt.
Nein, für so "hintertrieben" halte ich sie nich - zumal sie sich nicht mit Internet & Co auskennt :zwinker:.


Ich finds aber auch ziemlich bedenklich, dass deiner Freundin keine Nebenwirkungen geschildert wurden. Zumindest die Packungsbeilage müsste sie sich ja durchlesen dürfen, bevor sie das Zeug nimmt.
Ich glaube, sie kriegt die Tabletten in Einzelrationen - ohne Packungsbeilage :hmm:.

Das Problem sehe ich wie Maxx auch bei der Schizophrenie evtl. bei paranoiden Zuständen, in denen die Patientin denkt, die Ärzte wollen ihr Böses. Aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich sagen, dass das wirklich zum Problem werden kann wenn der/die Patient/in die Medikamente dann deshalb absetzt, oder nur so tut als würde er/sie die Medikamente nehmen. Das Problem ist halt auch man kann solche Medikamente nicht einfach mal absetzen, das muss ein- und ausgeschlichen werden, weil man sonst eklige Entzugserscheinungen bekommen kann.
Okay, gut zu wissen.
Aber ich denke/hoffe, dass sie das nicht tun wird. Derzeit geht es ihr ja auch sehr viel besser - zumindest wirkt es so auf mich. Ich werde heute beim Telefongespräch mal nachfragen, ob ihre Symptome verschwunden sind...
 
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