Mein Vater und sein Spiel mit dem Leben

Benutzer121281  (33)

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Jaja, dramatischer Titel. Aber für mich ist die Situation grade mindestens so dramatisch.

Von vorn: Vor knapp 5 Jahren ist meine Ma gestorben. Den Grossteil der Zeit komme ich inzwischen gut damit klar. An ihrem Geburtstag und Sterbetag reissts mich immer noch etwas runter, aber grundsätzlich ist alles okay, man wird eben erwachsen und lernt, damit umzugehen.

Meine Familie ist nicht (mehr) sonderlich gross. Beide Grossmütter leben noch, mein Vater hat aber keine Geschwister und die Geschwister meiner Mutter leben nicht mehr in Deutschland. Zu meiner Schwester habe ich absolut keinen Kontakt. Sprich: Meine Familie besteht für mich eigentlich nur noch aus 3 Menschen.

Das Problem ist eindeutig mein Dad. Ich hatte immer eine enge Bindung zu ihm, auch wenn er ab und an etwas un-emotional ist.
Nun ist es so, dass er seit vielen Jahren immer mal wieder im Krankenhaus ist - zum Grossteil durch eigene Schuld. In meiner Kindheit und Jugend habe ich meine Eltern oftmals nur selten gesehen, meinen Vater sehr oft im Krankenhaus. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft er dem Tod knapp von der Schippe gesprungen ist - für meinen Geschmack auch zu oft. Viele wichtige Ereignisse in meinem Leben haben er oder meine Ma verpasst. Das einzige Foto, auf dem wir zu dritt sind - ist mein Einschulungsfoto.

Vorgestern und gestern haben wir einen Freund im Spital besucht. Und der typische Krankenhausgeruch und alles, das versetzt mir jedes Mal einen Schlag, da tauchen sofort diverse Erinnerungen auf in meinem Kopf.

Kaum waren wir zu Hause, gab's gleich einen Anruf von meiner Grossmutter "Ja, Papa ist schon wieder im Krankenhaus, er musste gleich in die Charité in Berlin. Er hat wieder zu schwer gehoben und sich nicht erholt".
Es ist JEDES MAL das gleiche. Dieser Mann scheint vollkommen unfähig zu sein, sich wirklich auszukurieren und auf sich zu achten. Ich weiss nicht, wie oft ich schon mit ihm geredet hab. Wie oft ich ihn gebeten habe, auf sich aufzupassen. Wie oft ich ihm versucht habe klarzumachen, dass ich panische Angst habe, mit nicht mal 25 beide Elternteile verloren zu haben. Aber das scheint alles nicht zu ihm durchzudringen.

So langsam gehen mir die Ideen aus. Ich weiss nicht, ob ich erst auf Knien robben muss, damit er versteht, was er nicht nur sich und seiner Mutter, sondern auch mir damit antut. Briefe, Anrufe, persönliche Gespräche - das alles zieht irgendwie nicht mehr.

Für Vorschläge und Kopftätscheln bin ich sehr offen. Danke.
 

Benutzer121281  (33)

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Mein Dad hat inzwischen ein riesiges Narbenkreuz auf dem Bauch. Von Schlüsselbeinhöhe an bis unter den Bauchnabel und horizontal fast über die ganze Breite. Er lässt sich ständig irgendwas rausnehmen und einsetzen. Er sollte also eigentlich nicht schwer haben um ein Aufreissen diverser innerer Narben zu vermeiden. Er tut's dennoch.
 

Benutzer121975 

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Es gibt so Menschen,ich weiß auch nicht.........die wollen es einfach nicht wahr haben das sie kürzer Treten müssen!Die denken das sie Unkaputbar sind!Das andere (in diesem Fall Ärzte) ja keine Ahnung haben und man immer so weiter machen kann wie bisher und das alles schon gut gehen wird!
Wirklich viel kann man da nicht machen :frown:man kann ihnen zwar gut zureden,sie anflehen aber sie müssen es selbst einsehen!Tun sie es nicht kann man so viel machen wie man will,es ändert nichts!
 

Benutzer20579  (37)

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Ich fände es mal interessant, Ursachenforschung zu betreiben. Ist er wirklich nur leichtsinnig, oder steckt mehr dahinter?

Ich habe auch einen Verwandten, der völlig selbstzerstörerisch veranlagt ist. Zig OPs, Schrauben überall drin - und eine Woche nach der OP liegt er unter einem Auto und repariert es, fährt 600km Auto, obwohl er eigentlich eine Weile nicht sitzen darf. Das nur als EIN Beispiel, wir haben ungefähr 100e dieser Art. Dazu kommt eine gewisse Unzulänglichkeit in der Erledigung von Alltagsangelegenheiten, er macht einfach alles falsch, alles kaputt - Folge sind nun mittlerweile Verschuldung, Haus weg, Insolvenz, gescheiterte Ehen / Beziehungen usw. Mittlerweile ist er beim Psychologen deswegen, weil er zig Behörden auf dem Hals hat und alle meinen, er wäre womöglich psychisch irgendwie krank - so ein Hang zur Selbstzerstörung, zum gefühlten Märtyrertum - alle gegen mich und ich gegen alle, oder sowas.

Was ich damit sagen möchte: Wir haben auch jahrelang gedacht, er wäre "nur" unvernünftig. Mittlerweile merken wir, dass mehr dahinter stecken muss, dass es eventuell Teil einer psychischen Sache ist.

Damit will ich nichts unterstellen. Ich würde nur mal überlegen, ob es auch sowas sein könnte, wieso er dauernd im Krankenhaus landet.

Fühlt er sich unverzichtbar, möchte alles alleine und daher richtig machen - und vernachlässigt sich deshalb?
Sind ihm die Sorgen des Umfelds egal oder findet er es vielleicht sogar auf absurde Weise schön, wenn man sich um ihn kümmert, wenn er im Krankenhaus untergebracht ist, besucht wird, alle auf ihn einreden und sich Sorgen machen?

Was wäre, wenn ihr anfangt, das zu ignorieren? Wäre er dann noch genauso? Will er irgendwie merken, dass ihr an ihm hängt, dass er euch wichtig ist?

Ich würde einfach mal vermuten, dass es ein einigermaßen vernünftiger Mensch nicht per se selbstzerstörerisch und wider besseren Wissens so gravierend unvernünftig ist - wenn nicht irgendwas dahinter steckt.

Keine Ahnung, das sind nur mögliche Ideen, die man mal hinterfragen könnte. Vielleicht ist er auch schlicht und ergreifend unvernünftig. Wenn gutes Zureden nicht hilft, würde ich versuchen, etwas mehr emotionale Distanz zu bekommen, so schwer es beim Vater auch sein mag. Indem man ihm vielleicht sagt: "Ganz ehrlich, ich hab die Schnauze voll davon, ich habe dir gesagt, dass mich das fertig macht, wenn du nicht auf dich achtest - aber wenn du es nicht besser hinbekommst, will ich wenigstens nichts mehr davon hören!"

Hätte gerne bessere Vorschläge, aber ich finde den Umgang mit solchen Leuten auch schwierig.
 

Benutzer121281  (33)

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Also das mit dem "Er findet es schön, wenn man sich kümmert" - das kann ich komplett ausschliessen. Er hat zB nur ein Handy bei, bei dem nur ich die Nummer habe. Dazu kommt, dass er Besuche hasst und sich auch nicht gerne daheim zB von Freunden oder verwandten versorgen lässt. Er will immer gleich wieder auf eignen Beinen stehen, ja nicht abhängig sein.

Ich weiss, dass diese ganze Kiste viel viel schlimmer geworden ist mit dem Tod meiner Mutter. Kurze Hintergrundinfo dazu: Sie haben sich scheiden lassen als ich klein war, waren viele Jahre getrennt und sind kurz bevor meine Ma gestorben ist wieder zusammengekommen, wollten auch erneut heiraten.

Er hat auch mehrmals versucht vor mir zu verheimlichen, wenn wieder was war. Aber meine grossmutter hält da natürlich nicht dicht und erzählt mir alles.

Ansonsten geht es meinem Dad in anderer Hinsicht recht gut. Schönes Haus, an dem er viel selbst macht (dabei hebt er eben gerne mal zu viel, kraxelt an unmöglichen Stellen rum usw), finanzielle Sicherheit, guter Job, geschickt mit den Händen, sehr intelligent (auch wenn dies für viele im gegensatz zu seinen Taten steht).

Ich vermute auch, dass da mehr dahintersteckt. Er hatte auch ein riesiges Problem, als ich ausgewandert bin. Zweite Info: Ich habe zwar wie erwähnt eine Schwester, die ist aber nicht seine leibliche Tochter.
Er lässt da nur nichts an sich ran. Zumindest nicht so wirklich. Und er wäre leider der letzte, der da zu einem Psychologen geht. :/


Aber danke schonmal für eure Antworten.
 

Benutzer121975 

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Ich glaube dein Vater hat das nie richtig verarbeitet :frown:stürzt sich in Arbeit ohne Rücksicht auf verluste und verdrängt somit vieles!Das muss er aber selbst erkennen,ich weiß das der Schritt zum Psychologen zu gehen alles andere als leicht ist und viel Überwindung kostet aber das schlimmste was passieren kann ist das es nichts bringt!
Vielleicht solltest du da mal mit deinem Vater drüber reden :rolleyes:.
 

Benutzer121281  (33)

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Schon oft getan, aber da ist mein Dad zu stur. :grin: Und für eine Therapie muss man offen sein, sonst bringt das nichts. Ich spreche da aus Erfahrung. :zwinker:

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Ich weiss nicht, ob man das grad passierte als Erfolg werten kann. :rolleyes:
Ich hab grad mit ihm kurz telefoniert um über Besuchszeiten zu reden (ich fliege am Di eh nach Berlin) und hab was getan, was ich das letzte Mal mit 4 vor ihm in irgendeiner Form gemacht hat: Ich hab geheult. Irgendwie war mir grad alles zu viel und ich hatte auch gar keine Lust mehr, einen auf stark zu machen und hab ihn angeschnauzt und geheult und ihn noch halb angeschrien. Was soll man sagen - er war zumindest gut geschockt.
 

Benutzer121975 

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Vielleicht hat das ihm ein wenig die Augen geöffnet :zwinker:,meistens sind solche Menschen auch sehr Egoistisch und denken gar nicht darüber nach was sie mit iherm Verhalten andern an tun!
 
M

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Gast
Ach, ich kann Dich sooo gut verstehen, ich hab das gleiche Problem mit meinem Vater, der erst neulich nach einem Fahrradsturz im Urlaub mit dem Heli abtranspotiert wurde, sich nach zwei Tagen selbst entlassen hat und mit Gehirnerschütterung 500 km nach Hause gefahren ist. Oder nach einer Herz-OP trotz Verbot direkt wieder wandern war, weil "das geht schon". Oder nach einem Skiunfall nicht ins Krankenhaus wollte, woraufhin ihm die gebrochenen Rippen um ein Haar die Lunge durchbohrt hätten und er durch eine Not-OP gerettet werden musste. Bei Letzterem war's verdammt knapp und trotzdem ist er exakt NULL vernünftiger geworden. :schuettel:

Meinst Du denn, dass seine Mutter mehr Einfluss auf ihn haben könnte? Dann könntest Du sie ja auch bitten, mit ihm zu sprechen und ihn noch mal an seiner Verantwortung - nicht nur gegenüber sich selbst, was ihm ja wohl egal zu sein scheint, sondern auch Dir gegenüber - erinnern. Aber ganz ehrlich, ich weiß auch nicht, was man da noch machen soll. Du hast ja eigentlich schon alles versucht, was es an Möglichkeiten gibt. Ich denke sowieso nicht mal, dass Deine Sorgen bei ihm nicht ankommen - sie kommen schon an, ändern nur nichts oder er will nicht wahrhaben, dass er so einer ist, um den man sich Sorgen macht (was ja wieder ein Zeichen für Schwäche wäre).

Mein Vater war ja wie Deiner auch schon immer so. In jüngeren Jahren ist das bei meinem halt meistens gut gegangen, aber das war auch nur reine Glückssache. Manchmal bleibt einem nichts anderes übrig, als es so zu akzeptieren. Dein Vater ist erwachsen, er weiß, was vernünftig ist und was nicht und er kennt auch die Ängste seiner Familie. Aus unerfindlichen Gründen will er nicht kürzer treten und dann muss man es so hinnehmen, auch wenn's traurig ist. Meine Tante, Schwester meines Vaters, meinte, er lebe eben lieber 10 Jahre als Löwe als 100 Jahre als Schaf. Tja, ich finde es unverantwortlich gegenüber der Familie und wahnsinnig egoistisch, wenn es einer ständig drauf anlegt, sich schwer zu verletzen, obwohl er weiß, dass sich alle um ihn rum Sorgen machen. Es tut mir auch echt leid für Dich, weil ich genau weiß, wie man sich als Tochter fühlt, aber aus meiner Erfahrung kann ich Dir nur sagen, dass es vermutlich nichts gibt, das ihn zum Umdenken bringen wird.

Sorry für meinen nicht sehr mutmachenden Beitrag, dennoch::knuddel:
 

Benutzer54534 

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Einerseits ist deine Ansicht verständlich, aber ich kann auch deinen Vater verstehen. Niemand will einfach nur dasitzen, nur weil die Ärzte große Reden schwingen. Beschäftigung, Arbeit, das sind Dinge, die manche Menschen einfach brauchen.
 

Benutzer20579  (37)

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Beschäftigung, Arbeit, das sind Dinge, die manche Menschen einfach brauchen.
Ich glaube auch nicht, dass ihm das jemand absprechen möchte. Nur zwischen "Arbeiten und sich beschäftigen" und "Im Krankenhaus liegen, abtransportiert werden, halb tot sein" gibts ja noch einen Unterschied :zwinker: Man kann ja auch jede Menge machen und was erledigen, ohne dabei dauernd halb zu sterben.
 

Benutzer95608 

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Ich rolle da mittlerweile nur noch mit den Augen ...

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss - ein blöder Spruch, aber er passt auf sehr viele Männer die ich kenne - ob sie jetzt mit ihrer Gesundheit "spielen" oder gar ihr Leben riskieren.

Man bedenke doch mal, dass man bei den supergefährlichen Sportarten, wie Auto-/Motorradrennen und Bergsteigen auf die höchsten Gipfel der Welt und ähnliches so gut wie nur Männer antrifft. Oder, dass die meisten Männer so gar nicht auf ihre Gesundheit achten - ganz abgesehen von ihren haarsträubenden Aktionen beim Heimwerkern ...

Denke, dass ist genetisch bedingt - wir Frauen sind viel vorsichtiger und gehen nicht gerne unnötige Risiken ein - erst recht wenn wir Kinder haben.

Tja, wir Frauen haben nicht umsonst eine höhere Lebenserwartung.

Bis auf eine kleine Moralpredigt verkneife ich mir inzwischen sämtlichste Bemühungen, wenn ich sehe, dass mein Mann oder mein Vater sich unvernünftig verhalten. Bringt eh nix, außer das irgendwann alle genervt sind.
 

Benutzer53338 

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Das Verhalten kenne ich leider auch von meinen Schwiegereltern und der Familie meines Mannes. Bei meinem Schwiegervater weißt du ja, wie es ausgegangen ist... da haben wir uns schon vor Jahren den Mund fusselig geredet, dass beide dringend ihre Ernährung umstellen müssen, sonst wird es mit dem gemeinsamen Alt werden nichts mehr. Bei meiner Schwiegermutter hat zu mindestens Mal ein ordentlich Anschiss von meinem Mann bewirkt, dass sie mit dem Rauchen aufgehört hat. Aber ansonsten... ich kenne die Situation und es ist irgendwie auch unglaublich schwer zu akzeptieren, dass es letztendlich die Entscheidung der Person ist und man niemanden zu etwas zwingen kann. Das die Person letztendlich doch ihr eigenes Leben lebt und für sich selbst entscheiden muss, wie dieses Leben aussieht. Ich denke das einzige was du eben tun kannst, ist deinem Vater immer wieder vor Augen zu führe, dass du auch Teil seines Lebens bist und er mit seinem Handeln nicht nur sich selbst Schaden zufügt, sondern eben auch dir.
 

Benutzer43093 

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Das erinnert mich irgendwie daran, wie sich Eltern den Mund fusselig reden, damit das 18-jährige Kind aufhört zu rauchen. Im Ergebnis macht jeder, was er für richtig hält...

Gruß o.
 

Benutzer106548 

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Sorry, dass ich jetzt mit plattester Küchenpsychologie komme, aber zwei Sachen in Kombination schreien ja geradezu danach:
- er ist ständig aktiv, nicht nur bis zur Erschöpfung, sondern bis zur Selbstverletzung
- er ist eher un-emotional (Zitat!)
Das heißt für mich: er ist ständig auf der Flucht vor seinen Gedanken und Gefühlen. Er will nicht über sich und was-weiß-ich nachdenken, er will sich selbst keine negativen Gefühle eingestehen und er kann auch nicht darüber reden und lässt deswegen gar nicht erst Menschen näher an sich heran (siehe Handy, siehe sich-nicht-umsorgen-lassen).

Ich befürchte nur, Du änderst ihn nicht mehr. Du sagst ja selbst, dass er schon immer so war, seit dem Tod Deiner Mutter nur noch verstärkt. Keine Ahnung, manchmal passieren ja Dinge, die solche Menschen auf einmal um 180° drehen, aber Du wirst wohl kaum an ihn herankommen. Jeden Versuch von Dir, zu seinen Gedanken und Gefühlen vorzudringen, wird er im Keim ersticken. Und je mehr Du es versuchen wirst, um so mehr wird er sich von Dir entfernen.
 

Benutzer53338 

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Weißt du, ich denke, es wäre wesentlich produktiver und effektiver, wenn du für dich einen Weg findest mit deinen Gedanken und Gefühlen, auch der Angst um deinen Vater umzugehen. Wie Mark schon sagte, ändern wird es sich nicht mehr und du hast es ja auch schon mehrmals versucht.
 

Benutzer107327 

Planet-Liebe Berühmtheit
Zu meiner Schwester habe ich absolut keinen Kontakt.
Warum eigentlich nicht?

Kann mir irgendwie auch schwer vorstellen, dass er sich komplett ändert und anfängt auf sich zu achten. Er kann wohl "kürzer treten/ weniger können als früher / weniger belastbar sein" auch überhaupt nicht mit seinem Selbstbild vereinbaren.

Vielleicht erreichst du ein klein (!) bißchen was, wenn du weiterhin offen mit deinen Gefühlen bist und überhaupt nicht versteckst, dass dich sein Verhalten belastet und warum. Auch bei Leuten, die sich vor Gefühlskramgewäsch möglichst abschotten, haben Tränen der eigenen Tochter ja manchmal eine starke Wirkung. Vielleicht kannst du ihm da ein ganz konkretes (im Gegensatz zu: "Achte mehr auf dich") Versprechen abnehmen, etwas das er auch einhalten kann.

Trotzdem ist er letztendlich selbst für sich verantwortlich und du wirst ihn nicht davon abhalten können seine Gesundheit zu gefährden.
 

Benutzer121281  (33)

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Warum eigentlich nicht?

Ich versuche das Mal irgendwie kurz zu fassen: Sie hat mir mein Leben lang den Vorwurf gemacht, dass unser Dad nur mein leiblicher Vater ist. Kurzinfo: Ich wusste bis ich 12 war NICHT, dass sie einen anderen Erzeuger hat, für mich war mein Dad auch immer ihr Dad, er hat sie auch stets so behandelt, sie hat ihn Papa genannt usw. Als ich es wusste, hat sie es mir auch verbal vorgeworfen.
Auslöser des Kontaktabbruchs war dann, als sie 2011 (sie wohnt in Süddeutschland, unsere Familie in Ostdeutschland) ein Geburtstagsgeschenk unserer Grossmutter zu mir bringen sollte, was sie mir und unserer Grossmutter versprochen hat. Nunja, das Paket kam nie an, sie hat sich in Lügen verstrickt und es kam heraus, dass sie das Geschenk verkauft hat. Das war nur eine von vielen Aktionen, in denen sie Dinge von mir genommen und zu Geld gemacht hat, aber die Tatsache, dass es ein Geschenk war, hat das einfach noch verschlimmert. Ich hab mehrmals versucht sie zu erreichen um in Ruhe mit ihr drüber zu reden - keine Chance. Mails und Briefe bleiben unbeantwortet, Anrufe werden weggedrückt. Und ich renne niemandem nach, der mich so offensichtlich betrügt und aus dem Leben wirft.


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Ich danke euch allen für eure Beiträge, einige Dinge konnte ich schon mitnehmen, ich muss aber grade selbst noch über vieles nachdenken.
 

Benutzer118034 

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Hallo HarleyQuinn,

Ich denke auch, dass Du Deinen Vater nicht ändern können wirst. So schwer es zu akzeptieren ist, aber es ist sein Leben und seine Verantwortung, was er damit tut. Für Dich als Tochter muss das furchtbar schmerzhaft auszuhalten sein. Vielleicht hilft es aber, wenn wir versuchen zu verstehen, was ihn zu diesem selbstzerstörerischen Verhalten treibt. Vielleicht liege ich ganz falsch, vielleicht kann ich Dir aber auch einen Gedankenanstoss geben:

Mich dünkt, in Deinem Beitrag klingt durchaus etwas von einer kindlichen (nicht kindischen!) "aber ich bin doch seine Tochter, ich brauche ihn doch und er als Vater muss sich doch um mich kümmern!" - Klage durch und ich könnte mir gut vorstellen, dass gerade diese Forderung, zusammen mit den Forderungen anderer Familienmitglieder, ihn dazu bringt, immer wieder aufzustehen und immer wieder weiter zu machen. Versteh mich bitte nicht falsch, sowohl Deine Sorge, wie auch die anderer Familienmitglieder ist absolut berechtigt, der Mann scheint sich ja zu Tode zu ackern. Könnte es denn sein, dass er Eure Sorge als eine Art Forderung betrachtet und diese dann übersetzt als: "Alle hängen von mir ab und erwarten etwas von mir. Also muss ich - koste es was es wolle - wieder auf die Füsse kommen und ihnen tatkräftig zeigen, dass ich noch leisten kann, was sie von mir verlangen."?

Gefühle, wie Du ja selbst sagst, sind nicht seine Stärke und möglicherweise versucht er davor wegzulaufen, wie oben bereits jemand vermutet hat, oder er versucht diese konkret in Handlungen umzusetzen. Objektiv betrachtet mag alles, was er da tut, kein Werk für Dich oder Deine Grossmutter sein, in seiner subjektiven Betrachtung kann es durchaus so sein, dass er seine Liebe zu Euch eben nicht anders auszudrücken vermag als in solchen Kraftakten.

So sehr ich darauf poche, Männer und Frauen erst einmal weniger als Geschlecht, sondern vor allem als Mitmenschen zu betrachten, kann es durchaus sein, dass bei Deinem Vater hierbei ein gewisser männlicher Ethos überhand nimmt. Was wäre er denn für ein Mann, wenn er in diesem Alter nicht mehr das leisten könnte, was er sich vorgenommen hat? Es kann durchaus sein, dass er krampfhaft versucht, sich die Niederlage, welche sein Kranksein für ihn ist, nicht einzugestehen und durch die viele Arbeit wegzu"heben". Es kann nicht einfach sein zu sehen, wie die Tochter und die Mutter scheinbar noch viel fitter und vitaler sind als man selbst -zudem sind das ja auch noch die Frauen, die man gerne beschützen würde.

In jedem Fall denke ich, dass Du viel Kraft brauchen wirst um damit umzugehen - genauso wie Dein Papa. Und genau diese Kraft wünsche ich Dir.
 
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