Lass seine Hand, er ist schon ein großer Junge!

Benutzer175612  (53)

Öfter im Forum
Nachtrag: vermutlich der falsche Bereich? Admins, bitte geeignet verschieben.

Am besten mache ich einen neuen Thread auf, weil hier OT.

Ich war 15. Habe mir im Internat den Fuß gebrochen, sehr kompliziert, beim Treppe-Runterlaufen mit vollem Gewicht den Mittelfuß auf die Stufenkante getreten, im Oktober. Ich lag im dortigen KH (am gleichen Ort wie das Internat). Meine Mutter und mein Stiefvater machten gerade mit dem Auto Urlaub in Jugoslawien. [Für sie kein Problem, in den Urlaub ohne mich zu fahren.] Nach drei Tagen wurde ich operiert. Ich wachte von der Narkose auf. Meine Mutter war zwischenzeitlich vom Urlaub zurückgekommen und sass neben meinem Bett. Sie nahm meine Hand und hielt sie. Mein Stiefvater meinte zu meiner Mutter: "Lass seine Hand, er ist schon ein großer Junge!" Irgendwie ist mir dieser Satz so in Erinnerung geblieben. Ich drückte die Hand meiner Mutter fester.

Nach paar Tagen sollte ich am Freitag entlassen werden. Mit dem Bein in Gips. Na schön, und dann? Wohin? Ich bat meine Mutter mich abzuholen, aber sie lehnte ab. Meine Mutter und mein Stiefvater haben sich geweigert, mich von dort abzuholen, 100km von zuhause entfernt, paar Tage nach der OP. Aus Kostengründen. Das Benzin wäre so teuer. Tja, nach Jugoslawien und zurück, dafür hat das Geld grad' noch gereicht.

Es war genau das Heimfahr-Wochenende, das Internat war geschlossen. Die Orthopädin Frau P. (kann mich bis heute an ihren Namen erinnern, Gott sei ihr gnädig) erkannte meine Not und ließ mich im KH bis Sonntag Abend. An eine medizinische Aussage von der Frau P. erinnere ich mich noch: je weiter weg vom Kopf der Bruch, desto länger die Heilung. Bei den Schultern zwei Wochen, bei den Füßen sechs Wochen. Also sechs Wochen Gips bei mir...

Am Sonntag Abend brachte mich dann der Krankenwagen zurück ins Internat. Und? Der Internatsleiter wollte mich natürlich nicht, in mein Zimmer mit dem Gips konnte ich ja nicht, auch am Unterricht konnte ich auch nicht teilnehmen. Der Knochenbruch war sehr kompliziert, es waren ein paar Knochen im Fuß gebrochen, ich hatte Platin-Drähte drin, ich durfte den Fuß drei Wochen lang nicht belasten. Ich erinnere mich noch genau an die Gespräche um mich herum, wo man mich denn am besten verscharren sollte.

Also kamen sie auf die Idee, mich auf der Krankenstation des Internats unterzubringen. Die dortige Krankenschwester fiel aus allen Wolken, als sie davon erfuhr. Die wollte mich da auch nicht als Dauergast haben. Da lag ich also. Eine Woche verging. Meine Freunde besuchten mich, war lustig. Ich bekam Essen von der Kantine.

Dann kamen die Herbstferien. Alle fuhren heim. Nur ich blieb alleine auf der Krankenstation. Das Internat war geschlossen. Die Kantine war geschlossen. Hm. Die Krankenschwester tat, was sie konnte. Irgendwie besorgte sie auch Essen für mich. Mit meinem Walkman hörte ich Pink Floyd in Dauerschleife.

Nach den Herbstferien darf ich den Fuß belasten, ich nehme am Unterricht teil, darf in unser dreier-Zimmer. Nach zwei Wochen ist wieder Heimfahr-Wochenende. Meine Mutter + ihr Mann weigern sich weiterhin, mich abzuholen - schließlich darf ich den Fuß jetzt ja belasten. Ich muss mit meinem Gipsbein und auf den Krücken zuerst mit dem Bus zum Bahnhof fahren, dann mit der Bahn nach Hause fahren. Am Sonntag Abend die gleiche Fahrt in Gegenrichtung ins Internat.

Nach sechs Wochen kein Gips mehr, nur noch die Krücken.

Keine Ahnung, wer damals die treibende Kraft war, meine Mutter oder mein Stiefvater. Jedenfalls vertraten sie beide den gleichen Standpunkt. Darauf angesprochen, meinten sie immer, sie hätten damals kein Geld gehabt, und fürs Benzin hätten sie um die 30 DM ausgeben müssen, das wäre zu viel für sie gewesen. Vielleicht hätte ich selbst das Benzin zahlen sollen, schließlich betrug mein Monats-Taschengeld 40 DM. Mein Vater zahlte auch monatlich etwa 400 DM Unterhaltsgeld an meine Mutter.

Ja, ich habe meine Mutter oft darauf angesprochen, als ich noch in Laune war zu streiten. Mit der Zeit begriff ich, dass es zu nichts führt. Die sind alle so aalglatt.
 
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Benutzer164330 

Beiträge füllen Bücher
Es tut mir sehr leid für dich, dass deine Mutter sich so hat hängen lassen. Hätte dein Vater keine Möglichkeit, zu helfen?

Ich habe den Anfang der Diskussion nicht mitbekommen, magst du vielleicht nochmal erzählen, was du dir von dem Thread erhoffst? Einfach nur erzählen?
 
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Benutzer175612  (53)

Öfter im Forum
Mein Vater lebte 700 km entfernt, in Westberlin. Aber stimmt, ich hätte mich trotzdem an ihn wenden können. Damals kam mir das nicht in den Sinn. Ich kann mir heute vorstellen, dass er mich abgeholt hätte.

Einfach nur erzählen?
Einfach nur erzählen. Es ging in dem anderen Thread um Internat-Aufenthalte. Da fiel mir diese Erfahrung ein. Tatsächlich habe ich das schon völlig vergessen gehabt. Je älter ich werde, desto unglaublicher kommen mir die Verhaltensweisen meiner Mutter vor. Das ist auch mit ein Grund, warum ich meinen Kindern niemals Stiefeltern zumuten will. Ich will mit meiner Frau für meine Kinder auf Biegen und Brechen Eltern sein. Aber das soll hier kein Thema sein.
 
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Benutzer89539 

Team-Alumni
Das klingt einfach wirklich furchtbar.

Wolltest du es einfach (was völlig legitim ist) von der Seele reden? Oder geht es auch heute noch um dein Verhältnis zur Familie? Oder etwas anderes was du davon besprechen möchtest?
 
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Benutzer175612  (53)

Öfter im Forum
einfach (was völlig legitim ist) von der Seele reden
Ja, einfach nur von der Seele reden. Ich habe das schon lange vergessen gehabt. Weil in dem anderen thread nach Internat-Erfahrungen gefragt wurde, fiel es mir plötzlich ein, und ich ging in meinem Kopf die Momente von damals so durch.
 
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Benutzer189381 

Verbringt hier viel Zeit
Auch mir fallen heute noch bei einem Trigger Erinnerungen ein, die vergessen/verdrängt waren.

Aber es ist gut so!

Also schreib dir bitte alles von der Seele.

Dieses Erlebnis was du schilderst ist echt grausam. Schade das niemand im Internat auf den Tisch gehauen hat und du völlig der Situation ausgeliefert warst.
 
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Benutzer174652 

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Benutzer175612  (53)

Öfter im Forum
Aber einen hätt' ich noch...

Etwa 1990, Geburtstag von meiner Mutter, wir sitzen am gedeckten Tisch, vielleicht sechs Gäste, Bekannte meiner Mutter und meines Stiefvaters.

Wie die Unterhaltung so läuft, von dem einen zum anderen, fängt meine Mutter einen Streit mit ihrem Mann an. Am Tisch, vor den Gästen. Dann sagt sie zu ihm: "Du taugst zu gar nichts! Sogar im Bett bist du eine Null!"

Stille.

Ich glaube, es gab einen Käsekuchen. Oder war es Mohnkuchen? An die Details erinnere ich mich nicht mehr...
 
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Benutzer189381 

Verbringt hier viel Zeit
Kannst du die Parallelen zu deinem jetzigen Leben erkennen?

Sei es mit der Ehe oder auch das Verhalten zu deinen Kindern?
 
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Benutzer171320 

Meistens hier zu finden
Wie die Unterhaltung so läuft, von dem einen zum anderen, fängt meine Mutter einen Streit mit ihrem Mann an. Am Tisch, vor den Gästen. Dann sagt sie zu ihm: "Du taugst zu gar nichts! Sogar im Bett bist du eine Null!"
wie hat ihr Mann reagiert? Warum bleibt er bei ihr?
Was hast du als "Kind" daraus gelernt?
 
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Benutzer175612  (53)

Öfter im Forum
Zauberschnitte Zauberschnitte
Im Umgang in der Ehe: nun, die Eltern haben extrem gestritten, blieben aber zusammen. Wie nun auch ich. Das ist eine Parallele.
Mit den Kindern sehe ich keine Parallelen.
Meine Mutter ist ein Miststück, meine Frau ist es nicht.
Wir beide behandeln unsere Kinder liebevoll.

Sun-Fun Sun-Fun
Reagiert: gar nicht. Irgendwie ging es mit der "Party" dann weiter.
Warum blieb er bei ihr? hm, aus den gleichen Gründen wie ich mit meiner Frau. Plus: extreme Religiosität in seiner Familie.
Gelernt?
Dass es besser ist, nicht zu heiraten. [Trotzdem wurde ich dazu "genötigt".]
Dass man zusammen bleibt, auch wenn es einen fertig macht.
Dass meine Mutter den Sex wichtig nimmt, und dass es eine Rolle in ihrem Leben spielt [sie war da etwa 45].
 
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Benutzer172492 

Sehr bekannt hier
J27 J27 das ist Kindesvernachlässigung, grausam und hätte seitens der Schule dem Jugendamt gemeldet gehört. Tut mir so leid, dass du das erleben musstest.
Ich kann verstehen, dass du deinen Stiefvater dafür verantwortlich machst, aber deine Mutter hätte für dich einstehen sollen. Hat sie nicht, und damit ist sie Mittäterin. Hat mich auch viel Zeit gekostet, das bei meinem Vater zu begreifen.

Hast du mal über eine Therapie nachgedacht?
Einfach, um das Verarbeiten zu können, jemanden zu haben, der dir zuhört...
 
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Benutzer189381 

Verbringt hier viel Zeit
Zauberschnitte Zauberschnitte
.
Meine Mutter ist ein Miststück, meine Frau ist es nicht.
Wir beide behandeln unsere Kinder liebevoll.
Mmh und das zweifle ich an. Warum?

Nur weil deine Partnerin anders mit den Kindern umgeht wie deine Mutter es mit dir gemacht hat, bedeutet es nicht das deine Kinder unter der anderen Situation nicht leiden.

Eine 11 jährige die sich Gedanken um die Affäre der Mutter macht.....

Findest du diesen Umstand normal?

Findest du es normal das eine 11 jährige äußert, das sie denkt, das ihre Eltern nur noch wegen der Kinder zusammen sind?

Aber viele ehemalige Trennungskinder unterliegen dem Irrglauben das eine Trennung für ihre eigenen Kinder das schlimmste wäre und ziehen dann ein unglückliches liebloses leben durch, damit man es ja besser als die eigenen Eltern macht.

Gleichzeitig erkennen sie aber nicht das sie damit ihren Kindern auch was schlimmes antun -nur auf einer anderen Ebene.

Eine Trennung ist nie das Problem. Sondern wie sich die Eltern verhalten.

Deine Mutter und dein Vater haben es nicht geschafft eine Elternebene trotz Trennung zu schaffen.

Sie waren nicht fähig erwachsen und den Kindern Verantwortungsvoll Gegenüber zu handeln. Die eigene Unzufriedenheit, verletztheit, Unfähigkeit und das Ego haben das verhindert.

Und du und deine Frau schaffen auch keine gesunde Elternebene obwohl ihr offiziell zusammen seid.

Sie rennt zur Affäre.... Du zur Fanny.....
Ihr schafft es nichtmal über eure Ehe oder Probleme zu reden.

Und eure Kinder mittendrin, die das aushalten müssen. Ohne Ventil wie ihr es macht mit euren Affären.
 
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Benutzer171320 

Meistens hier zu finden
Dass man zusammen bleibt, auch wenn es einen fertig macht.
Dass meine Mutter den Sex wichtig nimmt, und dass es eine Rolle in ihrem Leben spielt [sie war da etwa 45].
Nun, vielleicht wäre es an der Zeit, dass du Deinen Kindern zeigst, dass man ein guter Vater sein kann und für sich einstehen.....
Verantwortung übernehmen für Dich und Eurer Leben.

Dass es besser ist, nicht zu heiraten. [Trotzdem wurde ich dazu "genötigt".]
Du hast dich nötigen lassen..... ich gehe nicht davon aus, dass Du per Waffengewalt gezwungen wurdest.....

Warum blieb er bei ihr? hm, aus den gleichen Gründen wie ich mit meiner Frau
Ich denke, es ist an der Zeit, das Muster zu durchbrechen.

Hast du mal über eine Therapie nachgedacht?
Einfach, um das Verarbeiten zu können, jemanden zu haben, der dir zuhört...
Wäre auf jeden Fall empfehlenswert.
 
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Benutzer186417  (45)

Sorgt für Gesprächsstoff
Eher kurz:
Ich habe den Eindruck, Du hast eine recht selektive Wahrnehmung, in der Du zu stark zum Opfer wirst.
Natürlich ist das Geschilderte nicht schön.
Aber es zeigt auch, dass Du im Internat warst. Was ja nicht gratis ist.
Und im Thread "mein Vater, der Enterber" ("Enterber" ist an sich ist auch übertrieben und dramatisiert) listest Du zwar die hohen Ausbildungskosten Deiner Halbgeschwister auf und behandelst sie grosszügig mit "geschenkt" - Deine listest Du dort aber gar nicht auf.

Oder ein Vater (mit neuer Frau), der Dich "wie einen Sohn behandelt", der hätte sich wohl auch für Deine Situation mit dem Knochenbruch etwas einfallen lassen. War da wirklich nichts?
"Ich dachte nicht an einen Kontakt" - Du liegst tagelang gezwungenermassen hilflos rum und "kommst nicht auf die Idee?" Hm!

Du würdest bessere Beratung bekommen hier, wenn Deine Darstellung so objektiv wie nur möglich ist.
Alles Andere führt nur dazu, dass Deine Geschichte als schlimm bestätigt wird, oder was auch immer.
 
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Benutzer175612  (53)

Öfter im Forum
Jeder Beitrag von euch ist so unglaublich gehaltvoll. Ich denke über jeden nach. Es ist mir rein zeitlich schwierig, auf alles zeitnah einzugehen.

Allgemein:
wenn ich hier im Forum was poste, dann nicht um mich zu beschweren oder als Opfer zu stilisieren.
Ein Grund ist, um eure Meinung zu hören. Es ist immer gut, Sachen von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Manchmal seid ihr anderer Meinung, und das bringt mich auch zum Nachdenken. Hin und wieder merke ich an der Reaktion auch, dass ich mich missverständlich ausgedrückt habe - dann versuche ich zu korrigieren.
Ein anderer Grund ist, weil ich manche Sachen für wert erachte, euch zu erzählen. Ich lese auch gerne eure Erlebnisse, das ist für mich bereichernd und hat mir schon oft geholfen - und ich will die meinen mit euch teilen.

Wenn es um meine Mutter geht, dann verstehe ich mich tatsächlich als Opfer. Meine Mutter hat mir meine Mutter weggenommen. Das erachte ich als ein Verbrechen.

Wenn ich von ihr erzähle, dann ist es nur ein Bericht. Kein Klagen oder sich Beklagen. Heute nicht mehr.

Nach paar Tagen sollte ich am Freitag entlassen werden.
Das war so ziemlich das Schlimmste. Ich sollte aus dem KH entlassen werden, paar Tage nach der OP und wusste echt nicht, wohin. Internat geschlossen, Eltern holen mich nicht ab. Ich wäre sozusagen auf der Strasse gelandet. Der Orthopädin waren die Hände auch gebunden, sie kann nicht so einfach einen Patienten ohne Grund zwei Tage länger da lassen. Hat sie dann trotzdem.

Du liegst tagelang gezwungenermassen hilflos rum und "kommst nicht auf die Idee?" Hm!
Ich weiß es heute nicht mehr. Es gab keine Handys damals. Ich lag im Bett mit Gips, durfte mein Bein nicht belasten. Das einzige Telefon war in einer telefonzelle irgendwo am Rande des Geländes. Ich war kein forderndes Kind. Ich kann mir nicht vorstellen, meinen Vater anzurufen, komm, hol' mich hier 800km (zum KH waren es 800km) ab. Ich habe immer versucht, meinen Eltern möglichst wenig Aufwand zu verursachen. Ich habe nie etwas gewollt.

bessere Beratung bekommen hier, wenn Deine Darstellung so objektiv wie nur möglich ist.
Wegen der alten Ereignisse ist es jetzt eh zu spät für eine Beratung.
Und ich versuche objektiv zu sein, aber ich merke selbst, dass ich Stimmungsschwankungen unterliege.
Es war eine Art Stockholm-Syndrom. Auch ein Grund für Konflikte mit meiner Frau. Sie hat mir immer versucht die Augen zu öffnen, und ich habe immer beschwichtigt. Habe meine Mutter häufig in Schutz genommen, obwohl sie Machtspiele gegen meine Frau betrieb. Das wirft mir meine Frau völlig zurecht vor.

Machtspiele bereits ab dem allerersten Treffen. Als meine Frau - damals noch Freundin 19 - das erste Mal zu uns nach Hause kam, da drückte meine Mutter ihr eine Packung Kartoffeln zum Schälen. Meine Frau hat es vermutlich nie zuvor gemacht. Meine Mutter erzählte später allen, dass meine Freundin nichts taugt, weil sie nicht Mal Kartoffeln schälen kann. Das hat meine Frau über vier Ecken mitbekommen, war sehr erniedrigend für sie. Trotzdem hat sie immer versucht, für meine Mutter eine gute hilfsbereite Schwiegertochter zu sein.

Als ich von Zuhause auszog, habe ich einen Post-Nachsendeantrag gestellt, der aber erst nach 10 Tagen wirkte. Das habe ich auch so meinen Eltern gesagt, mein Stiefvater entfernte aber meinen Namen vom Briefkasten am Tag meines Auszugs. Das ist echt unglaublich. Ich habe ihn noch so arg gebeten, das Schild auf dem Briefkasten zu belassen, für die nächsten 10 Tage, er meinte aber, ich wohne nicht da, also ist kein Schild da. Basta. Genauso musste ich all meine Sachen am Tag des Auszugs mitnehmen, ich durfte nichts da lassen. Mir wurde auch sofort der Schlüssel für die Wohnung meiner Eltern abgenommen - nicht dass ich auf die Idee komme, da mal heimlich hinzugehen.

Als meine Mutter zu uns in die neue Wohnung zum ersten Mal zu Besuch kam, brachte sie ein altes morsches Gewürz-Regal (aber ohne Gewürze...) vom Sperrmüll als Geschenk mit (hat sie selbst gesagt, es ist ja noch so gut erhalten) - mehr haben wir für unseren neuen Haushalt nicht bekommen. Auch von meinem Vater nicht. Das und Ähnliches hat meine Frau über die Jahre mürbe gemacht. Die Eltern meiner Frau sind zu uns gekommen, haben uns alles gekauft und auch installiert.

"Enterber" ist an sich ist auch übertrieben und dramatisiert
Nein, ist es nicht. Warum sagst du das?

Ausbildungskosten Deiner Halbgeschwister: Deine listest Du dort aber gar nicht auf
Während des Studiums habe ich selbst Geld verdient. Mein Hochschulstudium wurde finanziert durch ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. Meine Mutter trug mit exakt 0 Euro dazu bei. Mein Vater zahlte ein Unterhaltsgeld iHv 300 DM monatlich. Für meine Halbschwestern zahlte mein Vater die Wohnungseinrichtungen, die Mieten für die eigenen Wohnungen, die Zahnarzt-Behandlungskosten (9.000 DM für eine Schwester), die Urlaubsreisen auf Mallorca, Ibiza. Eine Schwester hatte einen Freund in der Schweiz, sie flog jedes zweite Wochenende dahin (eine Zeitlang).

ich gehe nicht davon aus, dass Du per Waffengewalt gezwungen wurdest
Nein, mit Schlafentzug. Meine Freundin redete jeden Abend bis spät in die Nacht im Bett, wann wir denn endlich heiraten werden. Ich war so müde und wollte schlafen. Ich dachte mir, eine bessere finde ich eh nicht, und heiraten will ich irgendwann sowieso. Dann habe ich ok gesagt. Dann konnte ich endlich schlafen...

Hast du mal über eine Therapie nachgedacht?
Wegen meiner Mutter? Ja, nachgedacht schon, aber dann stellte ich immer fest: was soll das bringen? Jetzt ist es eh kein Thema.

Und du und deine Frau schaffen auch keine gesunde Elternebene
Es fällt mir schwer zu analysieren, inwieweit du recht hast. Dein ganzer Beitrag ist sehr fürsorglich. Ich kenne ja deinen Hintergrund und ich vertraue auf dein Urteilsvermögen. Andererseits sehe ich auch unseren Alltag hier, der gar nicht so schlecht ist. Wir sitzen alle zusammen, wir lachen, erzählen uns vom Tage, meine Frau analysiert die Ergebnisse meiner Blutuntersuchung - es gibt lange Perioden der Harmonie. Also: WAS IST DIE REALITÄT?
Off-Topic:
In diesem Thread würde ich lieber nur über meine Eltern, und nicht über meine Ehe reden, sonst haben wir zwei parallele Threads zu dem Thema


Plus: extreme Religiosität in seiner Familie
Römisch-katholisch. Die Mutter meines Stiefvaters war eine religiöse Eiferin. Für sie lebte ihr Junge im Konkubinat mit meiner Mutter, also in Todsünde. Sie zwang meine Mutter, eine kirchliche Scheidung anzustreben. Was für ein Theater. Die Sache ging nach Vatikan. Meine Großeltern wurden in die Kurie als Zeugen geladen. Am Ende scheiterte die kirchliche Scheidung an... eh..., an mir. Ich war das Fleisch gewordene Zeugnis vom matrimonium consummatum. Meine Mutter hatte in dem Prozess behauptet, zu der Ehe gezwungen worden zu sein, und mit meinem Vater nie Sex gehabt zu haben, bis auf das eine Mal halt... Und mit diesem Unsinn gehen meine Mutter und ihre verrückte Schwiegermutter nach Vatikan... (also jetzt nicht persönlich, sondern antragsmäßig).
 
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Benutzer186417  (45)

Sorgt für Gesprächsstoff
Nein, ist es nicht. Warum sagst du das?
Enterben würde, wie bereits gesagt, bedeuten, dass Du den Pflichtanteil nicht bekommst.
Vielleicht wurde da viel schon vorher verteilt, ok.

Während des Studiums habe ich selbst Geld verdient.
Das beantwortet den Punkt nicht.

eine kirchliche Scheidung
Kirchliche Scheidung gibt's nicht.
Meinst Du eine Annullierung der Ehe?
 
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Benutzer172492 

Sehr bekannt hier
Jetzt ist es eh kein Thema.
Eltern prägen uns noch lange bis ins Erwachsenenalter, weil sie unsere ersten Bezugspersonen sind.
Allein, dass du keine Stiefeltern für deine Kinder willst ist so eine Folge daraus, die absolut nichts mit dem hier und jetzt sondern mit der Vergangenheit zu tun hat.

Und sowas würdest du alles in einer Therapie entdecken und dich davon unabhängig machen können.
 
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Benutzer175612  (53)

Öfter im Forum
Enterben würde, wie bereits gesagt, bedeuten, dass Du den Pflichtanteil nicht bekommst.
Ah, danke für die Klärung. Eine Frage der Definition. Meine Definition ist eben anders.
Off-Topic:
Dieses Thema ist hier abgeschlossen.

Kirchliche Scheidung gibt's nicht. Meinst Du eine Annullierung der Ehe?
Ja, die Annullierung der Ehe. Damals hat jeder in meiner Familie den Begriff "Kirchliche Scheidung" verwendet, deswegen habe ich auch diesen Begriff übernommen.

Für die Eltern meiner Mutter war mein Stiefvater ein Held. Er hatte ja eine
- ältere
- geschiedene Frau
- mit einem Kind
geheiratet. Ihm gebührte der Dank und Anerkennung und Respekt deswegen. Mir wurde immer eingebläut, ihn zu ehren, weil er meine Mutter "gerettet" hatte. Ich wurde deswegen von den Eltern meiner Mutter großgezogen, um die neue Ehe meiner Mutter "nicht zu gefährden". Erst mit 15 kam ich zu meiner Mutter + Stiefvater, und dann gleich ins Internat. Der Begriff "eine Geschiedene" war eine Art Schimpfwort. Meine Mutter war die allererste aus ihrem ursprünglichen Dorf, die sich hat scheiden lassen - das war eine Schande, die man vor allen zu verbergen suchte.

Möglicherweise ist es mir bis heute im Hinterkopf geblieben. "Man lässt sich nicht scheiden. Die Scheidung ist das Eingeständnis einer Niederlage."
 
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Benutzer171320 

Meistens hier zu finden
Möglicherweise ist es mir bis heute im Hinterkopf geblieben. "Man lässt sich nicht scheiden. Die Scheidung ist das Eingeständnis einer Niederlage."
Ich kann mich nur anschliessen, ich denke, es wär für dich förderlich, wenn Du Dir jemanden suchst, der dass alles mit Dir offen aufarbeitet. Noch hast Du 20 bis 30 Jahre vor Dir, es ist noch lange nicht zu spät um zu lernen, sich zu entwickeln und das Leben zu leben.
 
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