Kein sexuelles Interesse + Angst wegen "Missbrauch" durch Exfreund

Benutzer119213 

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Dieses Thema ist sehr schwierig für mich, aber ich denke, es ist wichtig, dass ich doch einmal darüber spreche... und ich habe beschlossen, das tue ich lieber hier zu tun, wo mich niemand kennt und ich eher offen reden kann.

Ich habe mich mit 14 Jahren zum ersten Mal verliebt, in einen Jungen, mit dem ich damals befreundet war. Er hing damals noch sehr an seiner Exfreundin und es dauerte ein halbes Jahr, bis wir doch noch zusammengekommen sind; da war ich dann 15, er knapp zwei Jahre älter.
Ich hatte damals keinerlei Erfahrung, hatte auch mit ihm meinen ersten Kuss. Er hingegen hatte schon Beziehungen gehabt und mit einer Exfreundin auch Sex gehabt. Ich hatte damals zwar keine Angst vor Sex oder Petting, hatte aber auch kein großes Interesse daran und fühlte mich nicht bereit dazu. Ein bisschen rumprobiert haben wir schon, weil er es wollte und es mich nicht direkt gestört hat. Irgendwann habe ich dann aber gemerkt, dass es mir zu weit ging und habe ihm das auch gesagt. Er meinte, er könne warten und würde mir Zeit lassen. Dennoch hat er, wenn wir miteinander gekuschelt und uns geküsst haben, immer wieder angefangen, mich zu berühren. Meistens habe ich mich nicht gewehrt, und das aus Gründen, die mir peinlich sind und die vermutlich schwer nachzuvollziehen sind. Ich - mein Kopf, mein Herz, mein Verstand - wollte nicht von ihm angefasst werden, war noch zu jung und absolut nicht bereit dafür. Mein Körper hingegen war da anderer Meinung. Deshalb habe ich es zugelassen. Und danach habe ich mich immer so schmutzig gefühlt, habe geweint und konnte es nicht ertragen, wenn er mich auch nur in den Arm nehmen wollte. Und es ist trotzdem immer wieder passiert, obwohl ich wusste, dass ich es nicht will.
Irgendwie ist das alles ziemlich neblig, sodass ich nicht mehr sagen kann, wann genau und wie es überhaupt dazu gekommen ist, aber irgendwann ging es dann noch einen Schritt weiter. Wenn ich bei ihm übernachtet habe, bin ich oft davon wach geworden, dass er mich gestreichelt hat, erst nur meine Oberschenkel etc., dann weiter. Ich hätte ihm sagen können, dass er aufhören soll, aber auch da war es so, dass mein Körper es ja wollte.... aber ICH wollte es nicht.
Ich weiß gar nicht mehr, wie es eigentlich weiter ging. Ich weiß, dass mein Exfreund selbst sehr darunter gelitten hat und sich Vorwürfe gemacht hat (was wohl auch der Grund war, warum ich ihm immer wieder verziehen habe) und dass ich ihm deutlich gemacht habe, dass ich mich von ihm trennen würde, wenn wir das nicht in den Griff bekommen würden. Irgendwann hat er dann auch damit aufgehört. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob wir dennoch noch Petting gehabt haben, wenn ich wach war, später.... miteinander geschlafen haben wir auf jeden Fall nicht, das habe ich bis zum Ende nicht gewollt.
Nach zwei Jahren habe ich die Beziehung dann beendet.
Ich denke heute kaum noch daran, was damals vorgefallen ist und habe damit und mit meinem Exfreund abgeschlossen. Aber ich weiß, dass ich damals sehr darunter gelitten habe und wenn ich heute darüber nachdenke, macht mir das Thema doch noch zu schaffen. Einerseits denke ich, dass ein NEIN eben ein NEIN ist und das er das hätte akzeptieren müssen und nicht einfach weitermachen, in der Hoffnung, dass ich es dann vielleicht doch will. Andererseits ist es schon so, dass meine Signale widersprüchlich waren. Ich habe ihm immer wieder deutlich gesagt, dass ich es nicht will, aber wenn er mich angefasst hat, habe ich mich auch nicht dagegen gewehrt.
Und das ist etwas, was mich belastet, weil ich das Gefühl habe, von meinem Körper verraten worden zu sein. Wie kann es sein, dass mein Gefühl mir deutlich sagt, dass ich nicht dazu bereit bin, mein Körper es aber "gut" (?) findet und ich einfach mein Gefühl zum schweigen bringe und mich nicht wehre? Es war ja nicht so, dass ich es mir verbieten wollte oder es aufgrund meiner Erziehung als falsch empfunden hätte - ich wollte es ganz einfach nicht. Und dennoch habe ich es zugelassen.

Die Beziehung ist jetzt fast vier Jahre her und ich bin seitdem Single; nicht weil ich Angst vor einer Beziehung hätte, sondern weil ich einfach niemandem begegnet bin, mit dem ich mir eine Beziehung hätte vorstellen können (bzw. hatten die alle bereits eine Freundin).
Sexuelles Interesse habe ich auch so gut wie gar keins. Ich weiß nicht, ob das einfach Teil meiner Persönlichkeit ist, ob ich einfach erst den Richtigen treffen muss um Interesse daran zu entwickelt, ob ich vielleicht asexuell bin oder ob es doch mit der Sache mit meinem Exfreund zusammenhängt (mein Gefühl sagt mir aber, dass es die letzteren beiden Theorien eher nicht sind).
An sich habe ich kein Problem mit Sex - solange er nichts mit mir zu tun hat. In meinem Bekanntenkreis habe ich hetero-, bi-, homo-, pan- und transexuelle Menschen und die können mir gerne so viel von ihren sexuellen Vorlieben Abenteuern erzählen wie sie wollen - das stört mich nicht im Geringsten. Ich finde es schön, dass andere an Sex so viel Spaß und Freude haben.
Aber ich und Sex... das ist etwas, das einfach nicht zusammenpasst.
Allein schon wenn es um Lieblingsschauspieler geht: andere schwärmen dann davon, was für einen tollen Hintern XY doch hat oder wie gerne sie mit ins Bett gehen würden. Ich hingegen bemerke zwar auch äußerliche Aspekte, würde aber nie jemanden als "sexy" oder "erotisch" bezeichnen. Ich finde manche Männer attraktiv, anziehend, "ästhetisch", aber das hat für mich nichts Sexuelles.
Letztens war ich positiv überrascht, als ich in einer meiner Lieblingsserien eine Kussszene gesehen habe und dachte, das würde ich auch gerne machen.
Ich bin bisher von zwei Jungen geküsst worden: von meinem Exfreund und einem ehemaligen Mitschüler. In beiden Fällen war es "okay", aber die große Gefühlsexplosion war es nie. Ich fand es zwar nicht "schlimm", habe es aber nie als wirklich schön empfunden.

Ich träume schon davon, jemanden zu finden, für den ich so viel empfinde, dass ich mit ihm zusammen sein möchte und ihn auch so küssen möchte wie es beispielsweise in dieser Szene war, und mit dem ich auch schlafen möchte. Ich denke mir immer, dass ich nur den richtigen finden muss, dann würden meine Gefühle schon für den Rest sorgen.... aber dann kommt die Angst, dass es vielleicht nicht so sein wird. Was, wenn ich mich zwar verliebe, aber dennoch kein Interesse an Sex habe oder sogar eine Abneigung dagegen habe? Was, wenn sich das nicht ändert? Was, wenn das gleiche passiert wie bei meinem Exfreund?
Dieser Gedanke macht mir Angst, denn ich möchte doch einfach noch jemanden lieben und mit ihm zusammen sein und eine "normale" Beziehung führen... irgendwann.
:frown:
 
S

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Die Frage ist, inwiefern man das "Missbrauch" nennen kann. Klar Du wolltest das nicht. Hast aber anscheinend nie was gesagt. Sein Gefühl ist dann, dass Du es willst. Du hättest schon den Mund aufmachen sollen.
 

Benutzer119213 

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Gesagt habe ich es unzählige Male. Wir hatten stundenlange Diskussionen darüber. Nur gezeigt habe ich es ihm währenddessen nicht, das ist das Problem.
Das lief in etwa immer so ab: Ich schlafe und merke dann im Halbschlaf, dass er mich anfasst. Mein Körper "denkt" sich: fühlt sich gut an, gefällt mir. Er macht weiter, irgendwann macht es bei mir *klick*, ich bin hellwach, sage ihm das er aufhören soll, gehe erstmal duschen und heule mir eine halbe Stunde die Augen aus weil ich mich schmutzig und entblößt fühle. Wir reden darüber, er sagt mir dass er es in Zukunft nicht mehr tun würde. Eine Woche später passiert es wieder.

Es ist schwierig, weil ich nicht weiß, wie ich das sehen soll. Ob er Schuld hat, ob ich Schuld habe. Tatsache ist, dass er mein Nein missachtet hat. Tatsache ist aber auch, dass ich ihm, wenn es dann wieder passiert ist, erst nach einigen Minuten gesagt habe, dass er aufhören soll.
 

Benutzer92413 

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Hmm, also das ist wirklich eine komplizierte Angelegenheit. Ich glaube auch nicht, dass man hier von "Mißbrauch" sprechen kann, da dir ja selbst dein eigener Körper verschiedene Signale gegeben hat. Ich persönlich kann mir das natürlich nur schwer vorstellen, körperlich erregt zu sein, aber eigentlich keine sexuellen Aktivitäten zu wollen. Bin aber auch ein Mann :zwinker:. Aber ganz egal wie man die Sache mit deinem Exfreund sieht, ändert das ja nichts an deinem aktuellen Problem mit Sexualität.

Ich würde die Sache mit der A-Sexualität nicht ganz ausschließen, wenn du noch nie Lust auf Sex hattest. Warst du denn schonmal erregt (feucht)? Wenn du nichts vermisst ist es ja im Endeffekt nicht schlimm, wenn du keinen Sex hast. Ich glaube aber, dass du denkst in einer Beziehung müsse man ja Sex haben. Wenn du aber jemand findest, der so wie du kein Verlangen nach Sex hat, wäre doch eigentlich elles in Ordnung, oder? Ich bin davon überzeugt, dass es auch Männer gibt, die sich so fühlen.

Um mit deinem Erlebnis abzuschließen und um zu klären, ob du wirklich A-Sexuell bist, würde ich dir aber raten einen Psychotherapeuten um Rat zu bitten.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen :smile:

Viele Grüße
Sammy
 

Benutzer119213 

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Vielleicht ist es verständlicher wenn man bedenkt, dass ich erst 15 war. Jegliche sexuellen Aktivitäten entsprangen ja auch nicht einem etwaigen Interesse von meiner Seite aus, sondern mein Exfreund hat es sich eben gewünscht und ich dachte mir, ich könne es ja mal ausprobieren.
Ich kann es aber selbst nicht verstehen, wie es sein kann, dass mein Körper und mein Gefühl (und dabei meine ich nicht irgendwelche rationalen Aspekte oder moralische Bedenken) so widersprüchlich waren.

Ich habe kein sexuelles Verlangen in dem Sinne dass ich mir wünsche, Sex zu haben. Jedoch in dem Sinne dass ich mir wünsche, eines Tages jemanden kennenzulernen, bei dem ich diesen Wunsch entwickle.
Ich stelle es mir schön vor, sich so auf einen Menschen einlassen zu können und ihm ganz nah zu sein. Deshalb hoffe ich ja auch, dass dieser Wunsch von ganz alleine kommt wenn ich den richtigen Partner finde.

Leider ist die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu finden, der "auch" asexuell ist (wenn ich es denn wirklich sein sollte) und der dann auch noch meinem Typ entspricht und in der Nähe wohnt, wohl verschwindend gering...

Irgendwie glaube ich aber nicht, dass ich asexuell bin.
Ich bin vor einiger Zeit über den Begriff "demisexuell" gestolpert, und glaube, das könnte auf mich zutreffen.
 

Benutzer100759 

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Eine Anmerkung:
Gesagt habe ich es unzählige Male. Wir hatten stundenlange Diskussionen darüber.
Er macht weiter, irgendwann macht es bei mir *klick*, ich bin hellwach, sage ihm das er aufhören soll, gehe erstmal duschen und heule mir eine halbe Stunde die Augen aus weil ich mich schmutzig und entblößt fühle. Wir reden darüber, er sagt mir dass er es in Zukunft nicht mehr tun würde. Eine Woche später passiert es wieder.

Du sagst unzählige Male, in stundenlangen Diskussionen, daß Du im Schlaf nicht angefaßt werden Willst.
Er machts trotzdem. Immer wieder.
Und das ist jetzt kein Mißbrauch.
Echt oder?

---

Und ein paar Zwischenfragen:
Mein Körper "denkt" sich: fühlt sich gut an, gefällt mir.
Bist Du zu Erregung fähig?
Faßt Du Dich selbst an?
Hast Du jemals sexuelles Verlangen (daß Du keinen Sex willst ist mir klar, aber spürst Du jemals den Drang nach Befriedigung)?

Ich habe kein sexuelles Verlangen in dem Sinne dass ich mir wünsche, Sex zu haben. Jedoch in dem Sinne dass ich mir wünsche, eines Tages jemanden kennenzulernen, bei dem ich diesen Wunsch entwickle.
Tut mir leid Dir das sagen zu müssen, aber das wird nicht passieren.
Zu glauben es werde ein Mann herschneien, bei dem du automagisch Lust hast, ist irrig.

Realiter wird es so ablaufen: Du und ein Mann werdet euch ineinander verknallen, werdet sexlos ein Jahr oder zwei nebeneinanderherdümpeln, Du wirst ihn entweder a) immer wieder abweisen und er wird irgendwann die Reißleine ziehen oder b) Du wirst ihn wider eigenen Willen immer wieder "drüberlassen" und wirst irgendwann die Reißleine ziehen.

Du kannst allerdings mit externer Hilfe aufarbeiten was Da passiert ist, gemeinsam abklären, warum bei Dir keinerlei Lust auf Sex da ist. Eventuell wird das zu einer BEsserung führen - wissen können wir es leider nicht.

Bonne Chance!
 

Benutzer116134 

Planet-Liebe Berühmtheit
Hallo,
Also ich halte das schon für Missbrauch- du hast ihm mehrfach gesagt, dass du dies nicht möchtest, danach sogar geheult, und das ist mehrmals passiert? Welcher Freund, der seine Freundin liebt, würde das denn machen?! Auch, dass er es gemacht hast, während du geschlafen hast finde ich echt dreist- als wärst du nichts als ein Objekt. Inwieweit das rechtlich gesehen sexueller Missbrauch ist, weiß ich nicht- ein massiver Missbrauch deines Vertrauens ist es allemal!

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass daher deine scheinbare Asexualität herrührt. Wäre so etwas einmal vorgefallen, dann wäre das gut zu verkraften, aber regelmäßig? Jede Woche sich wiederholend? Von einer Person die du liebst und vertraust? Das muss sich ja irgendwie im Unterbewusstsein absetzen!
Ich würde auch mal über eine Therapie nachdenken, zumindest mal eine "Probestunde", in der du auch die Reaktion deines Körpers etc. erzählst.

Ich weiß nicht ob ichs überlesen habe, aber befriedigst du dich selbst? Wirst du von sexuellen Bildern, Gedanken oder Videos erregt? Bevor das mit deinem Ex passiert ist, hast du da schonmal Erregung verspürt?
Und: kannst du mit deinen Eltern über so etwas reden?

---------- Beitrag hinzugefügt um 23:13 -----------

Off-Topic:
gleichen Gedanken wie chelle gehabt :zwinker:
 

Benutzer119213 

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Bist Du zu Erregung fähig?
Faßt Du Dich selbst an?
Hast Du jemals sexuelles Verlangen (daß Du keinen Sex willst ist mir klar, aber spürst Du jemals den Drang nach Befriedigung)?

Mhm... also vorgekommen ist das ab und zu schon, aber sehr, sehr selten. Selbst anfassen... nein, gar nicht. Ich habe ab und zu mal das Verlangen gehabt es zu versuchen, aber etwas gebracht hat es mir nie so wirklich. Das letzte Mal muss auch schon Jahre her sein, ich kann mich gar nicht daran erinnern.

Tut mir leid Dir das sagen zu müssen, aber das wird nicht passieren.
Zu glauben es werde ein Mann herschneien, bei dem du automagisch Lust hast, ist irrig.

Ich denke nicht, dass das so stimmen muss. Ich habe ja erst einen Partner gehabt und da war ich in einem Alter, in dem man nicht unbedingt bereit sein muss für Sex (meiner Meinung nach).
Unabhängig davon, dass mein Exfreund wohl eh nicht der richtige Partner für mich war, hatte ich ja im Grunde gar nicht die Möglichkeit, ein natürliches Interesse an Sex (mit ihm) zu entwickeln, weil ich mich von vornherein unter Druck gesetzt gefühlt habe. Deshalb kann ich mir schon vorstellen, dass es mit einem anderen Partner und in einer anderen Situation anders sein könnte.


Ich weiß nicht ob ichs überlesen habe, aber befriedigst du dich selbst? Wirst du von sexuellen Bildern, Gedanken oder Videos erregt? Bevor das mit deinem Ex passiert ist, hast du da schonmal Erregung verspürt?

Eigentlich eher nicht... ich weiß nicht. Ab uns zu vielleicht? Wenn, dann nur selten. Ich glaube, phasenweise schon. Ich stelle mir beispielsweise schon vor, wie der Sex mit einem späteren Partner im Idealfall ablaufen könnte. Ich habe mir aber noch nie Gedanken darüber gemacht, ob mich das erregt, um ehrlich zu sein. :hmm:


Und: kannst du mit deinen Eltern über so etwas reden?

Mit meiner Mutter rede ich schon ab und zu darüber, dass ich denke, demisexuell oder was auch immer zu sein. (Jetzt mögen viele denken, dass es unsinnig ist, da gleich wieder so einen Stempel aufzudrücken, aber dieser Begriff beschreibt absolut das, was ich vermute.) Ansonsten will ich da gar nicht drüber reden.
 

Benutzer100759 

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Off-Topic:
(Jetzt mögen viele denken, dass es unsinnig ist, da gleich wieder so einen Stempel aufzudrücken, aber dieser Begriff beschreibt absolut das, was ich vermute.)

Richtig. Das ist Unsinn höchsten Grades.
Denn:

1.) Diagnosen stellen Experten. Selbstdiagnosen sind ein Graus.

2.) "Demisexuell" ist ein para-, also unwissenschaftlicher Begriff, eine Worthülse, die Menschen erlaubt, ihrem Unwohlsein einen Namen zu geben und das abzuhaken. Befreie dich von solch esoterischem Unfug.
 

Benutzer119213 

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Was hat denn Sexualität mit Diagnosen zu tun? Ist "Asexualität" denn eine Diagnose? Eigentlich doch nicht, oder?
Es ist doch viel einfacher, wenn man Begriffe dafür hat. Das ist ja keine Rechtfertigung, Krankheitsdiagnose oder was auch immer. Es ist für mich genauso ein Begriff wie heterosexuell, homosexuell oder asexuell. Wenn ich sage "Ich bin demisexuell", versteht man das sofort (zumindest die Leute, die sich damit beschäftigen, und davon kenne ich einige), wenn ich hingegen erst ausholen und erklären muss, dass ich zwar kein sexuelles Interesse habe, aber nicht asexuell bin, macht es das viel komplizierter.
(Bis zu meiner nächsten Beziehung werde ich aber vermutlich eh nicht herausfinden, was nun zutrifft.)
 

Benutzer100759 

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Off-Topic:
Was hat denn Sexualität mit Diagnosen zu tun? Ist "Asexualität" denn eine Diagnose? Eigentlich doch nicht, oder?)
"Asexualität" ist ein von ein paar Internetschwurblern ausgerufenes Esoterikschlagwort.
Die Absenz sexuellen Verlangens, die mit diesem Schlagwort gerne betitelt wird, ist allerdings sehr wohl eine klinische Diagnose, cf. ICD F52.X, nämlich die einer (psycho)sexuellen Funktionsstörung.
Daß Mißbrauchserlebnisse als so etwas somatisiert werden, ist zwar geradezu klassisch, aber wie gesagt: Diagnosen stellen Experten!
Daher nochmal mein Rat zur Aufarbeitung mit hilfe Dritter.
 

Benutzer119227 

Sorgt für Gesprächsstoff
Off-Topic:
Das ist sowas von Mißbrauch!! Unglaublich das in Frage zu stellen! -.-
 

Benutzer119213 

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Ist es möglich, dass man (körperlich gesehen) sexuell erregt ist, jedoch ohne diese Erregung zu wollen bzw. ohne das man will, dass man überhaupt angefasst wird?
Wie kann das denn sein, dass mein Körper auf die Berührung meines Exfreundes reagiert hat, obwohl ich es definitiv nicht wollte? :frown:

Ich meine, ich werde doch wohl wissen, ob ich etwas will... das fühlt man doch. Es ist ja nicht so, dass ich Angst gehabt hätte und es deshalb nicht wollte oder dass ich moralische Bedenken hatte oder was auch immer - ich wollte nicht, dass er mich anfasst. Ich fand es auch nie schön oder "befriedigend". Ich habe zwar vielleicht körperlich darauf reagiert (zumindest kurz bzw. im Halbschlaf), aber ich habe es nie als schön gefunden, es genießen können oder es wirklich gewollt.
 

Benutzer26627 

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Naja, dein Körper hat zu dieser Zeit gerade all diese hormonellen Explosionen durchgemacht.
Ich habe auch früh sexuell empfunden, das heißt aber nicht, dass ich da überhaupt bereit gewesen wäre oder mir Sex mit jemandem hätte vorstellen können.
Das ist dir passiert, denke ich. Dein Körper hat reagiert, wie eben die meisten funktionierenden, jungen Körper reagieren. Nur psychisch warst du eben meilenweit von Erregung entfernt.
Ich glaube, dass daher auch dein Problem rührt. Schon weil du dich immer schmutzig gefühlt hast. Du wolltest es nicht und du willst es auch jetzt nicht, weil du Sex mit dieser Negativerfahrung verknüpfst. Aber das ist nur meine Ansicht und an deiner Stelle würde ich da auch mal bei einem Therapeuten nachfragen.
 

Benutzer42813 

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Ist es möglich, dass man (körperlich gesehen) sexuell erregt ist, jedoch ohne diese Erregung zu wollen bzw. ohne das man will, dass man überhaupt angefasst wird?
Wie kann das denn sein, dass mein Körper auf die Berührung meines Exfreundes reagiert hat, obwohl ich es definitiv nicht wollte? :frown:

Weil du noch geschlafen hast?

Ich schreib vielleicht später noch mehr dazu, weil es mir gerade selbst zu nahe geht - aber mein einer Exfreund hat ganz ähnlich wie deiner immer an mir rumgefummelt, wenn ich geschlafen habe, und ihc habe heute, viele Jahre später, immer noch Flashbacks, Angst vorm Einschlafen und Angst, wenn mein Freund mich wachstreichelt.

Wie soll man denn bitte von "schlafen" auf "nein, halt, stopp" wechseln?

Spätestens nachdem du es das erste Mal angesprochen hast, hätte dein EX-Freund das nie, nie wieder machen dürfen! Hat er aber.

Es ist vielleicht kein Missbrauch, den man anzeigen kann.

Aber: Missbrauch war es. Du wolltest nicht, und er hat es gemacht. Und damit hat er viel in dir kaputt gemacht.

So hat meine Therapeutin mir das erklärt, und ich wollte ihr erst nicht glauben, weil ich doch wie du Lust verspürt hatte - OBWOHL ich es nicht wollte. Ich habe sogar Höhepunkte dabei bekommen, obwohl ich nicht wollte. Das war das Schlimmste. Und anders als du hab ich es nicht hingekriegt, aufzustehen und unter die Dusche zu rennen, obwohl ich mich genauso schmutzig gefühlt habe.

Ich mag hier gerade nicht mehr darüber schreiben...

Aber in meiner momentanen Therapie geht es um ganz ähnliche Dinge. Und die Erkenntnis "mein Ex hat tatsächlich Mist gemacht, es WAR Missbrauch, denn ich wollte es NICHT und er hat es trotzdem gemacht"... Die wühlt mich im Moment tierisch auf, macht mir Angst, holt alten Mist und alte Ängste wieder hoch...

Aber es ist auch eine Befreiung, das zu wissen.

Wenn du etwas nicht willst und er macht es trotzdem, dann ist das Missbrauch. Wenn du dich beim Einschlafen davor fürchten musst, dass jemand an deinem durch den Schlaf hilflos gemachten Körper herumgrapscht (ich schreib das Wort jetzt extra mal so), dann ist das Missbrauch. Wenn du beim Einschlafen Angst davor haben musst, dass dein Freund dein leises Wegdrehen, Kopfschütteln, uh-oh oder Handwegschieben ignoriert und dein Körper bereits so auf Alarm ist, dass du im Moment des Wachwerdens tatsächlich füchten kannst/musst... Dann ist das Missbrauch.

Vielleicht nchts, was in die Polizeidienststelle gehört. Aber definitiv was, so ich einfach wirklcih darauf bestehen muss:

Er hat Mist gemacht und deinen Körper gegen deinen Willen missbraucht. Denn du wolltest das nicht.

Und du hast es ihm sogar kommuniziert! Mehrfach! Und er hat es trotzdem immer, immer wieder gemacht!
 

Benutzer42813 

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Nachtrag: Es wird übrigens kein Ritter in weiß kommen, der auf einmal alles in Ordnung bringt. Es wird dich weiter verfolgen, bei jedem Mann, in den du dich verliebst, unwillkürlich wieder hockochen.

Die Ritterin in weiß, die dagegen kämpfen muss, die sich den Erinnerungen stellen, sie besiegen und durch neue Erfahrungen in der Gegenwart übersetzen muss, bist du selbst. Du und niemand anders.

Und als Ritterin in weiß brauchst du in meinen Augen Unterstützung, einen Sidekick, einen Trainer, der dir das richtige Kämpfen beibringt. Ich selbst habe einen Teil meiner Kämpfe alleine geschafft - aber ich hatte vor diesem Exfreund auch mehrere Jahre und mehrere verschiedene Männererfahrungen mit positiver Sexualität, auf die ich zurückgreifen konnte. Und trotz dieser positiven Erfahrungen hab ich am Ende therapeutische Hilfe gebraucht, um mich meinen Erinnerungen wirklich stellen und sie verarbeiten zu können.

Ich behaupte einfach mal, dass du das auch brauchst. Und ich verspreche dir, dass in einer solchen Therapie die alten Angst- und Ekelgefühle zwar eine Zeitlang wieder hochkommen (und das mach ich jetzt gerade durch und es ist wirkich unangenehm), dass danach aber endlich so was wie innerer Frieden einkehrt und es besser wird und du langsam wieder lernen kannst, einem Mann (auch sexuell) zu vertrauen.

Aber es wird keinen strahlenden Ritter in weiß geben, der das für dich macht. Diese Kämpfe wirst du selbst kämpfen müssen.
 

Benutzer119213 

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Danke, Shiny Flame... deine Beiträge zu lesen hat mir sehr geholfen.
Ich hoffe, dass ich dich durch dieses Thema nicht zu sehr getriggert habe - wenn doch, tut mir das sehr, sehr leid. :frown:

Ich weiß, dass es falsch von meinem Exfreund war, mich anzufassen... aber es hat mich immer so verunsichert, dass ich es ja scheinbar aus körperlicher Sicht wollte. Das hat mich immer so fertig gemacht, weil ich es absolut nicht wollte und ich das einfach nicht verstehen konnte, wie mein Körper so anders empfinden kann als mein Geist. Ich habe mir deswegen immer die Schuld gegeben bzw. gedacht, dass ich meinem Exfreund sein Verhalten deshalb nicht zum Vorwurf machen dürfte.

Zwar habe ich meinen Exfreund sozusagen "abgehakt" und denke nicht mehr über ihn oder die Beziehung an sich nach - ich empfinde nicht einmal Wut, ich will ihn nur einfach nicht mehr in meinem Leben haben - aber die Geschehnisse von damals belasten mich manchmal doch noch. Nach der Beziehung hat es sehr lange gedauert, bis ich nicht mehr bei dem Gedanken daran zusammengezuckt bin und mich total verkrampft habe, inzwischen habe ich zum Glück "vergessen", wie es sich damals angefühlt hat und denke einfach nicht mehr darüber nach.
Aber ich bin jetzt schon so lange Single, und auch wenn mich das nicht stört, träume ich doch davon, mich irgendwann wieder zu verlieben. Ich stelle mir das natürlich immer sehr schön und romantisch vor und denke, dass schon alles gut laufen wird - aber wenn ich einmal realistisch darüber nachdenke, überkommen mich Zweifel und die Angst, dass es vielleicht eben doch nicht so einfach werden wird. Dass ich vielleicht eben auch mit meinem nächsten Freund keine engere körperliche Beziehung eingehen möchte und dass deshalb entweder keine Beziehung möglich sein wird oder es zu den gleichen Problemen kommt wie bei meinem Exfreund.

Ich denke, die Idee, das einmal in einer Therapie zu besprechen, ist an sich gut. Aber das möchte ich nicht vor meiner nächsten Beziehung tun, weil ich immer noch die Hoffnung habe, dass es mit einem anderen Partner und auch aufgrund der Tatsache, dass ich jetzt ja um einiges älter bin als damals, doch ganz anders sein wird. Ich möchte ungerne in der Vergangenheit herumwühlen und zu viele Gedanken an eine Sache verschwenden, mit der ich eigentlich abgeschlossen habe. Ich befürchte, dass mich das nur weiter verunsichern und es komplizierter machen würde, als es ist.
Wenn ich bei meinem nächsten Partner merke, dass es einfach nicht geht, kann ich ja immer noch eine Therapie in Angriff nehmen.
Wenn ich das denn tun möchte, an wen sollte ich mich am besten wenden? An einen "normalen" Psychotherapeuten oder an solche Stellen wie Pro Familia?
 

Benutzer100759 

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Aber das möchte ich nicht vor meiner nächsten Beziehung tun, weil ich immer noch die Hoffnung habe, dass es mit einem anderen Partner und auch aufgrund der Tatsache, dass ich jetzt ja um einiges älter bin als damals, doch ganz anders sein wird. Ich möchte ungerne in der Vergangenheit herumwühlen und zu viele Gedanken an eine Sache verschwenden, mit der ich eigentlich abgeschlossen habe. Ich befürchte, dass mich das nur weiter verunsichern und es komplizierter machen würde, als es ist.
Wenn ich bei meinem nächsten Partner merke, dass es einfach nicht geht, kann ich ja immer noch eine Therapie in Angriff nehmen.
Wenn ich das denn tun möchte, an wen sollte ich mich am besten wenden? An einen "normalen" Psychotherapeuten oder an solche Stellen wie Pro Familia?

Und so findest Du dann immer eine Ausrede, um es vor dir herzuschieben.
Schade nur um deinen zukünftigen Partner, der dann damit leben muß, daß er eine Laborratte für Dich war.
 

Benutzer72433 

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Ich weiß, dass es falsch von meinem Exfreund war, mich anzufassen... aber es hat mich immer so verunsichert, dass ich es ja scheinbar aus körperlicher Sicht wollte. Das hat mich immer so fertig gemacht, weil ich es absolut nicht wollte und ich das einfach nicht verstehen konnte, wie mein Körper so anders empfinden kann als mein Geist. Ich habe mir deswegen immer die Schuld gegeben bzw. gedacht, dass ich meinem Exfreund sein Verhalten deshalb nicht zum Vorwurf machen dürfte.
doch, das funktioniert. genauso wie sb mitsamt orgasmus, ohne im geringsten (geistig) erregt zu sein. genauso wie es passieren kann dass du es unbedingt willst, aber dein körper einfach nicht mitmacht.

das, was man fühlt, und das, was der körper macht, das muss nicht immer im einklang stehen. und wenn dein ex eine rein physische reaktion als grund genommen hat, das, was du fühlst und ihm gesagt hast ausser acht zu lassen.... ich hab grad so lust ihn zusammenzuschlagen...
gratuliere, dass du keine wut ihm gegenüber empfindest, aber bei mir löst sowas puren hass aus.

also: du bist nicht schuld, und auch dein körper nicht, der hat nur ganz natürlich reagiert, und grade im halbschlaf kannst du das ohnehin nicht bewusst steuern. der einzige der schuld ist, ist dein ex.
 

Benutzer119213 

Benutzer gesperrt
Das siehst du falsch. Es ist ja nicht so, dass ich Angst davor hätte, mich damit auseinanderzusetzen - auch wenn ich es mir nicht unbedingt angenehm vorstelle. Ich kenne mich nur einfach gut genug um zu wissen, dass ich oft viel zu viel nachdenke und dazu neige, mich in Dinge hineinzusteigern.
Es kann ja sein, dass ich mich verliebe und dann wirklich alles anders ist - das kann ich ja aus meiner jetzigen Sicht nicht beurteilen, ich hatte ja nur diesen einen Partner und das ist so lange her und ich war damals viel jünger und in einer komplett anderen Lebenssituation. Vielleicht wäre es überhaupt nicht vergleichbar und es kommt gar nicht erst zu Problemen. Das ganze Thema dann jetzt nochmal aufzurollen, durchzuanalysieren, es in den Vordergrund zu rücken und ihm mehr Gewichtigkeit zu verleihen, als ihm vielleicht zustehen würde, halte ich da eher für kontroproduktiv.
Und wenn es eben nicht geht, weiß ich, dass das Problem eben auch unabhängig von meinem Exfreund besteht und werde dagegen etwas tun müssen. Und das werde ich, denn schließlich möchte ich eines Tages eine glückliche Bezihung führen und mir dabei nicht selbst im Weg stehen.
Mir vorzuwerfen, meinen zukünftigen Partner nur als "Laborratte" zu sehen, finde ich im Übrigen nicht sonderlich nett. Ich gehe nur dann eine Beziehung ein wenn ich Gefühle für jemanden habe, nicht um mal auszuprobieren, ob es jetzt anders wäre. Was sowieso nicht möglich wäre, da ich ja weiß, dass ich keine sexuellen Gefühle für jemanden entwickeln kann, in den ich nicht verliebt bin - das wäre also ein vollkommen irrsinniger Versuch.
 
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