In Germany we call it a "Klassiker"...

Benutzer113432 

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Hi zusammen,

ich hab jetzt mehrere Tage immer wieder an nem Text geschrieben, den ich eigentlich hier posten wollte. Das Ding wurde immer länger und länger und am Ende, als ich das ganze Geschripsel noch mal durchgelesen hab, da hab ich bemerkt, dass sich alles eigentlich in einem Satz (naja vielleicht in 3 Sätzen) zusammenfassen lässt.
Und wenn ich mir erhoff, dass sich überhaupt jemand dieses ganze langweilige Gejammer durchliest, dann versuch ichs wohl doch besser mit den 3 Sätzen. Also, neuer Versuch:

Das ganze ist eine wirklich unglaublich langweilige weil unglaublich alltägliche Geschichte. Was mir gerade passiert muss schon mehreren Millionen vor mir passiert sein und ist wohl nichts anderes als ein fester Bestandteil der Menschheit und unserer modernen Lebensweise. Trotzdem ist es für mich grade eine so unglaublich schwierig zu lösende Situation.
Also...
Ich bin 31, seit 10 Jahren mit derselben Frau zusammen und seit 1 Jahr mit ihr verheiratet. Und hier fing beim letzten mal der unendlich lange Text an ;-)
Also, lange Geschichte, aber hier kommt der Kern. Ich hab mich in eine Arbeitskollegin verliebt. Bumm! Das wars! Ach ja, recht hat er, schon 1000 mal gehört, denken wohl die meisten von euch jetzt. Mich bringt das aber leider grade um den Verstand.
Jetzt könnt ich viel erzählen, über die Bezieung zu meiner Frau, über die Unterschiede zwischen ihr und der Kollegin, und so weiter und so weiter. Wenn ihr mehr drüber wissen wollt, fragt nach, aber ich denke in erster Linie würde das noch langweiliger werden.
Das Entscheidende ist glaube ich, dass ich tatsächlich all diese Gefühle vergessen hatte. In all den 10 Jahren gab es wirklich keine einzige Sekunde, in der ich etwas für eine andere Frau empfunden hätte, keine Sekunde in der ich meine Entscheidung für diese eine Frau bereut hätte. Und dann, wenn du da sitzt, in deiner Zufriedenheit, in deiner heilen Welt, dann trifft es dich, ohne dass du das geringste dagegen tun könntest.
Plötzlich ist alles wieder da, all diese längst vergessenen Gefühle. Wenn ich sie ansehe, dann wünsch ich mir nichts mehr, als ihr diese Strähne aus dem Gesicht zu streichen, wenn ich mit ihr rede, bin ich für 10 Minuten im Paradis, nur um dann erbarmungslos in die Hölle abzustürzen, wenn ich einsehn muss, dass das wohl niemals funktionieren kann.
Am Anfang dacht ich, ok Junge, beruhig dich wieder, ist ja nett dass du dich nochma wie n 16 jähriger fühlst, aber du bist 30, verheiratet, das vergeht schon wieder. Nichts ging! Alles wird immer schlimmer und schlimmer, mit jedem Wort, das ich mit ihr wechsle, mit jeder Minute, die ich mit ihr verbringe. Seit einem Jahr kenn ich sie jetzt und ich wünschte nichts mehr, als dass sie niemals in mein Leben getreten wäre, dass ich niemals überhaupt hätte erfahren müssen, dass es all das gibt, was sie mir zeigt...
Ich denk um ehrlich zu sein nicht, dass sie das gleiche für mich fühlt. Ich denke, sie mag mich, mehr aber auch nicht. Aber wer weiss, sie hat wirklich viel Anstand und würde nie mit einem verheirateten Mann. Vielleicht nimmt sie sich deshalb zurück.Die Angst, hier die Chance meines Lebens an mir vorbei ziehen zu lassen, die Chance DIE EINE zu finden, die Angst bringt mich um den Verstand.

Und hier bin ich jetzt, kurz davor irgendwelche Dummheiten zu machen. Ich fühl mich derartig wohl in ihrer Nähe, ich wünsch mir so sehr, mehr an ihrem Leben teilzuhaben, ich glaub ehrlich gesagt nicht, dass das unbemerkt bleibt. Frauen haben für so etwas ziemlich feine Antennen. Keine Ahnung wie das alles weiter gehen soll. Ich kann mir bisher nichts vorwerfen was meine Handlungen betrifft, ich versuch mit allem was ich hab, gegen diese Gefühle anzukämpfen. Aber leider gibt es keinen Schalter, sie einfach abzuknipsen. Das was ich fühle ist einfach real und ich hab nicht den Hauch einer Chance, das loszuwerden (zumindest seh ich die Chance nicht).

Wie am Anfang schon gesagt, meine Situation ist bestimmt ziemlich alltäglich. Vielleicht macht das fast jeder irgendwann in seinem Leben mal durch. Aber wenn du drinsteckst, wenn all diese Gefühle auf dich einprasseln und deinen klaren Verstand ziemlich zu vernebeln scheinen, dann erscheint das ganze als unheimlich komplex und fast unlösbar.
So wieder n langer Text, trotzdem wesentlich kürzen als beim letzten mal. Immerhin hab ichs geschafft all das Geschmachte über die Kollegin wegzulassen. Ein paar andere, vielleicht relevante Details fehlen auch, bezüglich meiner sonstigen Lebenssituation, aber das muss erst mal reichen.

Falls sich eine/r von euch bis hierher durchgekämpft habt, schonmal danke. Was erwart ich mir jetzt von dem ganzen hier? Ich denke relativ wenig. Obwohl recht alltäglich ist die Situation doch wirklich ziemlich komplex. Ich denke mal so einfache "Also ich würde..."-Ratschläge werden wohl oft an meiner Situation vorbei gehn, weil ihr eben doch nicht alle Details kennt. Vielleicht hat es einfach mal gut getan, das alles aufzuschreiben. Reden kann man darüber ja nicht wirklich mit vielen Leuten, die man kennt, ohne sich einem gigantischen Risiko auszusetzen. Vielleicht war ja der/die eine oder andere von euch schonmal in ner ähnlichen Lage und kann ein bisl drüber erzählen. Vielleicht will mir auch nur der/die eine oder andere sagen, dass er/sie mich versteht und ich ihm/ihr leid tu *snief*. Oder vielleicht mag mir der/die eine oder andere auch sagen, was für ein grauenvoller Schuft ich bin, überhaupt so etwas fühlen zu können, wo ich doch meiner Frau die ewige Treue versprochen hab. Vielleicht würd's mir ja gut tun, mal ordentlich den Kopf gewaschen zu bekommen.

Danke auf jeden Fall für alles, was ihr zu sagen habt.
 

Benutzer104513 

Öfters im Forum
Angenommen es ist Wochenende & du unternimmst etwas mit deiner Frau zusammen .. sind dann immernoch die ganze Zeit die Gefühle für diese andere Frau in deinem Hinterkopf oder bist du da mehr auf deien Frau fixiert & schaffst es sie zu verdrängen ?
 

Benutzer113432 

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Ich wünsch mir so sehr, meine Antwort darauf könnte anders ausfallen, und vor vielleicht 2 Monaten wäre sie das auch noch, aber heute, nein, ich schaff es nicht mehr, das zu verdrängen.
Ich schaff es noch zeitweise, vielleicht auch mal für ne Stunde, aber dass fast ein Tag vergeht, an dem mir das gelingt, das ist schon länger nicht mehr passiert. Und was mir Angst macht ist, es wird immer schlimmer...
 

Benutzer104513 

Öfters im Forum
Ich würde sagen, dir bleibt nichts anderes, als mit deiner Frau darüber zu reden. Allerdings ist die Frage wie sie reagiert, ich wüsste nicht wie ich an ihrer Stelle reagieren würde .. wahrscheinlich nicht so gut.
Oder aber du gestehst deiner Kollegin deine gefühle & findest raus, ob sie wie du empfindet. Falls nein schaffst du es vielleicht eher sie zu verdrängen, als wenn du die ganze Zeit diese - ich nenne es jetzt mal Hoffnungen (wobei ich nicht weiß, ob man das so betiteln kann. Was würdest du denn tun, wenn du wüsstest, dass deine Kollegin dich liebt ? Deine Frau verlassen ?) - hast, sie könne vielleicht mehr von dir wollen.
 

Benutzer97853 

Planet-Liebe Berühmtheit
Puh. Schwierige Sache.

Seit wann hast du denn so starke Gefühle für deine Arbeitskollegin?
Meinst du, deine Frau hat schon etwas gemerkt?
Wie war die Beziehung zu deiner Frau im letzten Jahr?
Habt ihr Kinder?

Und die vielleicht wichtigste Frage:

Möchtest du weiterhin mit deiner Frau zusammen bleiben? (Denk' vielleicht mal in den nächsten Tagen darüber nach.)
Wenn du diese mit Ja beantwortest, musst du zusehen, den Kontakt zu deiner Arbeitskollegin einzustellen (Und damit wäre wohl auch ein Arbeitswechsel, wenn nicht sogar Ortswechsel, sprich Umzug verbunden) und dich wieder zu ent-lieben und sie zu vergessen. Und auch mit deiner Frau darüber zu reden, was passiert ist.
Ob das klappt, kann dir natürlich keiner versprechen, aber es wäre einen Versuch wert, deine Ehe zu retten und wieder zurück zu deiner Frau zu finden.
 

Benutzer113432 

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N dickes Danke für eure Antworten (und dafür dass ihr mich nicht zu nem typischen Männer-Schuft abstempelt).
;-)
Ganz ehrlich, dieses "Puh. Schwierige Sache" hat gut getan. Jemand anders sieht das auch so. Allein das ist schon schön :smile:

Mit meiner Frau darüber zu reden bedeutet zu 95% das Ende. Möchte ich weiterhin mit ihr zusammen bleiben? Gott was glaubst du wieviel ich darüber schon nachgedacht hab. Hättest du mich vor eine Jahr gefragt, du hättest in nem Bruchteil einer Sekunde ein abslut klares Ja bekommen. Sicherlich, warum hätten wir denn auch sonst heiraten sollen. Wie kann sich das innerhalb eines Jahres alles so verschieben???
Mit der Kollegin zu reden hatte ich mir auch schon überlegt. Aber erstens, stellt euch das mal aus ihrer Sicht vor. Ich glaub das wär auch nicht so einfach.
Zum anderen geh ich damit ein gigantisches Risiko ein. Wenn sie was für mich empfindet steh ich vor der schwersten Entscheidung meines Lebens. Wenn nicht, hab ich einem anderen Menschen die Macht gegeben, mein Leben zu ruinieren. Darüber hinaus wird auch wohl unsere Zusammenarbeit nicht mehr das selbe sein. Vermutlich werden wir nie wieder ein so wundervolles lockeres Gespräch in der Kaffeeüche führen können.

Ok, um kurz deine Fragen zu beantworten, das ganze fing langsam an. Ich kenn sie seit ca 1 Jahr, es entwickelte sich immer weiter und weiter. Es ist nicht nur, dass ich sie für einen wundervollen Menschen halt, nicht nur dass sie attraktiv ist, sie representiert darüber hinaus auch noch eine Art zu leben, die ich glaube, verloren zu haben. Sie hat einen offenen Geist wie er mir noch nie untergekommen ist... Ach ja, ich wollte ja die Schmachterei lassen.
Meine Frau hat gemerkt, dass ich in letzter Zeit immer melancholischer werde, mehr aber auch nicht. Und das sollte sie auch nicht, nicht weil ich unehrlich sein will, sondern weil ich glaube, dass ich sie schützen sollte, solange ich mir selbst nicht im Klaren bin, was ich will, was die Antworten auf all die Fragen sind.
Die Beziehung war, naja wie soll man das kurzfassen? Anstrengend, trotzdem schön, naja vielleicht eher in Ordnung. Wir streiten nicht mehr wie andere, es scheint keine große Krise zu geben. Es ist auch nicht so, dass ich nichts mehr für sie empfinde, keinesfalls. Aber über all die Jahre hat die Beziehung Schrammen bekommen, da gibt es auch kein Vertun. Ich bin mir auch sicher, dass meine Frau aufs tiefste getroffen wäre von einer Trennung.
Kinder haben wir keine, wenn wir welche hätten, gäb es für mich keine Fragen. Ich würde eher mein Leben "opfern" als Kindern eine Trennung anzutun. Aber so, so besteht tatsächlich diese entfernte Möglichkeit, dass hier die Chance meines Lebens auf mich wartet. Die Chance ist verdammt gering, das ist mir klar, so naiv bin ich nicht, aber trotzdem, kann ich das einfach vorbei ziehen lassen???

Den Kontakt zur Arbeitskollegin einzustellen ist ebenfalls praktisch unmöglich. Die komplette Lebenssituation lässt einen Ortswechsel, Arbeitgeberwechsel, ja sogar einen Projektwechsel praktisch nicht zu. Und die Zusammenarbeit mit ihr wird sich, wenn sie nicht geht, für die nächsten 2 bis 3 Jahre nicht vermeiden lassen. Davon abgesehen weiß ich nicht, ob ich die Kraft hätte, diesen Schritt zu gehn. Aber wie gesagt, die Frage stellt sich eigentlich nicht.

Was kann ich sonst noch sagen?
Danke für eure Meinungen, danke dass ihr versuch euch ein wenig damit auseinander zu setzen. Tut gut.
 

Benutzer103916 

Meistens hier zu finden
glaubst du, du wärest in 10 jahren mit der arbeitskollegin glücklicher als jetzt mit deiner frau? in jeder beziehung schleicht sich irgendwann der alltag ein, vielleicht solltest du zuerst versuchen, mit deiner frau zusammen an eurer beziehung zu arbeiten, wenn das nicht funktioniert ist eine trennung wohl ratsam und dann könntest du dir gedanken über eine mögliche beziehung zur kollegin machen.
es wirkt schon etwas, als ob du sie idealisierst (aus langeweile?) aber ich kann dich auch verstehen und es wird so oder so keine einfache lösung geben denke ich.
 

Benutzer113432 

Benutzer gesperrt
Ich sag ja, ich bin naiv genug zu glauben, dass es diese Chance gibt, dass sie tatsächlich das ist, was ich mir vom Leben wünsche, ich bin nicht naiv genug, zu glauben, dass diese Chance groß ist.
Und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit idealisiere ich sie. Nicht aus Langeweile denke ich, sonder weil das dieses wahnsinnig intensive Gefühl mit sich bringt. Ich denke, jeder der sich einmal verliebt hat, hat idealisiert...
Ich glaube aber auch, dass es durchaus real ist, dass sie das Gegenteil der Dinge verkörpert, die mich in meiner derzeitigen Beziehung am meisten stören. Aber auch das könnte Einbildung sein.

Ganz generell ist mein klarer logischer Verstand grad ziemlich intensiv von Empfindungen vernebelt. Ich hab mir fast alle Fragen schon gestellt, auf die wenigsten aber Antworten gefunden.
 

Benutzer97853 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich würde wohl nicht mit deiner Kollegin reden. Zumindest nicht, solange nicht die Chance besteht, dass sie auch etwas für dich empfindet.

Lass dir Zeit und denke nach. Sprich vielleicht auch noch mit deinen Freunden über dein Problem.
Und dann triff eine Entscheidung.

Am wichtigsten ist, dass man glücklich ist, finde ich.
Man selbst steht immer an erster Stelle. Deshalb höre in dich.
Willst du für die Beziehung mit deiner Frau kämpfen? Dann sieh zu, dass du jeglichen Kontakt zu deiner Arbeitskollegin abbrichst. Denn noch weitere zwei, drei Jahre mit ihr zusammen zu arbeiten, wird deine Ehe wohl nicht überleben, denke ich.
Sucht euch einen Therapeuten, der mit euch zusammen eure Ehe analysiert.
Was stört dich denn an deiner momentanen Beziehung?


Wenn du deine Arbeitskollegin willst und dich gegen deine Frau entscheidest, dann beende die Ehe mit deiner Frau und sei ehrlich. Pass aber auf, dass du keine zehnjährige Beziehung aufgrund einer Schwärmerei aufgibst und deine Entscheidung nach kurzer Zeit bereuen könntest. Deswegen ist es auch wichtig, dass du dir Zeit lässt, noch mal über die jetzige Situation nachzudenken.

Ich finde es auch wichtig, ganz unabhängig von den Gefühlen deiner Arbeitskollegin, die Situation zu überdenken. Auch wenn sie dich nicht liebt, musst du wissen, ob du noch weiter für die Ehe kämpfen möchtest oder nicht.
 

Benutzer113432 

Benutzer gesperrt
Also auch auf die Gefahr hin, dass ichs schonmal gesagt hab, es tut gut sich mit euch auszutauschen, vor allem weil da echt niveauvolle, und scheinbar ein wenig durchdachte Antworten zurückkommen.
Und es tut deshalb so gut, weil ich eben nicht mit meinen Freunden darüber sprechen kann. Das hier ist anonym (zumindest so einigermaßen). Mit irgend jemandem zu sprechen, der mich kennt, bedeutet ein Risiko. Nicht dass meine Freunde mich verraten würden, aber man weiß nie, sie würden unsere Beziehung mit anderen Augen sehn. Dann bei einem Zusammentreffen, es fließt der Alkohol, eine unbedachte Bemerkung. Außerdem hab ich das Gefühl, ich würde sie verraten. Andere wissen Dinge über unsere Beziehung, die ich mit ihr selbst nicht besprechen kann. Fühlt sich irgendwie falsch an.

Was mich stört ist nicht eben so schnell zu beschreiben. Es ist wirklich so, noch vor einem Jahr hat mich nichts so sehr gestört, dass es ausgereicht hätte, um mich über den Sinn unserer Beziehung nachdenken zu lassen.
Zum selben Zeitpunkt als die Kollegin in mein Leben trat, fing auch das an. Was davon Ursache und was Wirkung ist, kann ich heut nicht mehr sagen. Find ich die Kollegin nur deshalb so toll, weil sie eben gerade an diesen störenden Punkten so anders ist, so viel mehr denkt wie ich? Oder hat sie erst, durch die Art wie sie ihr Leben lebt, durch die Art wie sie fast übersprudelt vor Leben, durch ihr unbändige Lust auf Neues, auf Unbekanntes, all diese Gefühle in mir wieder geweckt, die so lang im Koma lagen?
Vielleicht ist nur weil ich ihr zusehe, diese Angst in mir erwacht, stecken zu bleiben in meinem Leben, mich nicht mehr zu entwickeln, zu verenden wie ein Hai, der nicht mehr nach vorne schwimmt um frisches Wasser in seine Kiemen zu bekommen. Ach du Scheiße, jetzt werd ich auch noch poetisch - es is schon weit gekommen...
Ich könnt auch viel positives über meine Frau sagen, so ist das nicht. Wenn ich mein eigenes Geschreibsel so lese, dann fällt mir auf, dass ich tatsächlich nur von der Kollegin zu schwärmen scheine. Aber ich glaub das liegt daran, dass alles positive an ihr mit so wahnsinnig viel Emotion verbunden ist. Das Positive an meiner Frau basiert nach 10 Jahren mehr auf logischen Überlegungen.

Nachdenken, ja, das werd ich. Mit Sicherheit werd ich das. Aber das tu ich schon seit einigen Wochen. Bisher mit dem Ergebnis, dass die Fragen immer mehr werden, die Gefühle immer schwerer zu kontrollieren und die Angst mich zu entscheiden indem ich mich aus lauter Angst einfach nicht entscheide, und so die vielleicht beste Gelegenheit meines Lebens verstreichen zu lassen. Oder aber sie nach Weihnachten wieder zu sehen, irgendwann mal das eine oder andere Bier mit ihr trinken zu gehn und dann im Überschwang der Gefühle und mit geminderter Hemmschwelle den größten Fehler meines Lebens zu machen...

---------- Beitrag hinzugefügt um 19:45 -----------

Ach das sollt ich glaub ich klarstellen: Mit dem größten Fehler hab ich gemeint, Dinge zu sagen, die ich den Rest meines Lebens bereuen könnte. Nichts anderes. Es ist nicht so, dass ich denke, ich könnte meine Frau sexuell betrügen.
Sex, ach je, das klingt jetzt vielleicht seltsam aus dem Mund eines Mannes, aber Sex, klar spielt das ne Rolle, aber das ist nicht das, was diese furchtbare Sehnsucht ausmacht. Wenn ich morgen die Gelegenheit hätte, einfach nur Sex mit ihr zu haben, dann wäre ich kaum in Gefahr.
Es ist einfach nur der unbändige Wunsch ihr Leben zu teilen, ihre ART zu leben zu teilen, daran teilhaben zu dürfen, und ihr diese Strähne aus dem Gesicht zu streichen ;-) Und wenn ich morgen die Gelegenheit hätte, sie zu küssen oder auch nur über ihr Gesicht zu streicheln, dann leg ich die Hand nicht mehr für mich ins Feuer.

Noch vor einem Jahr war ich unheimlich stolz darauf, nicht so zu sein wie es das typische Männer Klischee vorgibt. Ich war stolz darauf mit Sicherheit sagen zu können, dass meine Frau nichts derartiges von mir zu befürchten hat.
Kann mir irgendwer erklären wie sich all das innerhalb eines Jahres so dermaßen ändern kann???
 

Benutzer98976 

Sehr bekannt hier
dass sie das Gegenteil der Dinge verkörpert, die mich in meiner derzeitigen Beziehung am meisten stören.
Es ist einfach nur der unbändige Wunsch ihr Leben zu teilen, ihre ART zu leben zu teilen, daran teilhaben zu dürfen

Wenn ich das richtig interpretiere, dann willst Du Veränderung, wieder Neues erleben, Abenteuer - raus aus dem Trott, das Hirn wieder durchblasen und das Leben in vollen Zügen genießen.

Ich glaube, diese Frau ist nur Dein Stammhalter für diese Sehnsucht. Du projezierst einen Teil von Dir auf sie, den Du glaubst, allein nicht aktivieren zu können. Wieviel einfach ist das mit jemand anderem, bei dem man einfach nur teilen - oder sind wir doch ehrlich und sagen: zurücklehnen und konsumieren - muss. Keine eigene Anstrengung. Und vor allem - eine Trennung, nach 10 Jahren. Einen krasseren und deutlicheren Umschwung könnte es kaum geben, die gefühlte Freiheit würde direkt explodieren und da sein...immerhin hat man die äußeren Rahmenbedingungen so stark geändert, also muss ja auch innen was passieren. Oder etwa nicht?

Ich seh hier nur Symptome und Veränderungsdrang an der falschen Ecke.
Was DU brauchst, sind Veränderungen von innen heraus. Und die kannst Du Dir auch selbst geben, ohne neue Partnerin. Dauert länger, klar. Vielleicht sagt die 'alte' Partnerin dann auch "Wieso willst Du das jetzt, warst doch sonst nie so" und versucht, zu bremsen. Mit einer Neuen wäre die Erfindung und Entwicklung Deines neuen alter Ego so viel schneller zu erreichen, klar.
Aber ist es das auch wert? Ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Du diese Art zu Leben auch jetzt leben kannst. Mit Deiner Frau. Nimm sie doch einfach mit auf Deine Reise, oder geh mit gutem Beispiel voran.
Probier was Neues aus, nimm sie mit oder erzähl ihr begeistert davon. Paare, die lange Bestand haben, lassen einander an Entwicklungen teilhaben und durchschreiten sie gemeinsam, versuchen immer, sich für den anderen zu interessieren und ihn zu unterstützen. Erst wenn Deine Frau das auch nach, sagen wir, zwei Jahren, nicht tut - dann würde ich überlegen, ob nicht doch jemand anderes besser zu mir passt.
Aber so gibst Du ihr und euch doch gar keine Chance, gemeinsam zu wachsen und wieder lebenshungrig und neugierig zu werden.

Und vor allem gehst Du den feigen Weg, der auch für Dich am wenigsten Potential bietet - denn wenn Du Dir selbst die neue Art aufbaust, den Lebenshunger wieder zu leben getraust, dann wirst Du viel mehr daran wachsen, als wenn Du einfach mal die Frau austauschst, damit sie bitteschön Dein Leben ändert.
Zumal ich Dir prognostiziere: Wenn Du Dir die Neue krallst, trennt ihr euch spätestens nach 2 Jahren [ich tippe eher noch auf 1 Jahr] - nämlich dann, wenn Du realisierst, dass Du nur ein Bild auf sie projeziert hast und sie Dir nicht immer weiter 'das Neue' füttert, nachdem Du so begehrst. Der muss nämlich von innen heraus kommen.

Es gibt störende Dinge in Deiner Partnerschaft? Fang bei Dir selbst an, wenn Du Änderung willst. Und motz dann nicht rum, wenn Deine Partnerin nicht gleich mitzieht, nur um eine Ausrede zu haben, Dich dann doch zu trennen. Du machst 50 Prozent der Dinge in eurer Beziehung aus, die Dich stören, denn ohne Dich wären sie gar nicht möglich. Und diese 50 Prozent nimmst Du mit, selbst wenn Du Dich trennst.

PS: Warum ich so hart mit Dir ins Gericht gehe:
Den Kontakt zur Arbeitskollegin einzustellen ist ebenfalls praktisch unmöglich. Die komplette Lebenssituation lässt einen Ortswechsel, Arbeitgeberwechsel, ja sogar einen Projektwechsel praktisch nicht zu. Und die Zusammenarbeit mit ihr wird sich, wenn sie nicht geht, für die nächsten 2 bis 3 Jahre nicht vermeiden lassen. Davon abgesehen weiß ich nicht, ob ich die Kraft hätte, diesen Schritt zu gehn. Aber wie gesagt, die Frage stellt sich eigentlich nicht.
Und wenn ich morgen die Gelegenheit hätte, sie zu küssen oder auch nur über ihr Gesicht zu streicheln, dann leg ich die Hand nicht mehr für mich ins Feuer.
Merkste was? Du lügst Dir grad selbst in die Tasche.
Du WILLST keinen Wechsel, weil Du das Fremdgehen schon aktiv planst. Weil Du den einfachen Weg gehen willst. Reiss Dich zusammen!
 

Benutzer110341 

Verbringt hier viel Zeit
Vorneweg: Ich bin jünger als du, ich kann mich nur ansatzweise in deine Situation reindenken und reflektiere das Ganze natürlich auch aus meiner eigenen Beziehung zu meinem Freund heraus.

Einerseits würde ich mir mal vor Augen führen, was ich mal an dem geliebten Menschen (in diesem Fall deiner Frau) gefunden habe. Ich habe früher sehr viel geschrieben, einfach nur für mich. Dabei waren zwar keine Tagebucheinträge, aber dafür öfter Briefe. Die ich allerdings nie abgeschickt habe. In denen habe ich beschrieben, was ich an bestimmten Menschen (wer mir eben durch den Kopf ging) schätze/ liebe oder was ich verachte.
Vielleicht hast du auch so etwas. Du wirkst sehr reflektiert, vielleicht schreibst du auch selbst. Oder du hast alte Briefe, die Ihr beiden euch geschrieben habt. Das könnte dir einen Anhaltspunkt geben. Zum einen kann es dir helfen (wenn du das zulassen kannst), alte Gefühle und Nostalgie wieder aufleben zu lassen. Das scheint es ja auch zu sein, was du an deiner Kollegin so schätzt. Du schwärmst nostalgisch für einen Lebensentwurf, der dir gefällt, aber den du nie verwirklicht hast. Du hast stattdessen einen anderen Weg eingeschlagen.
Zum anderen kann es dir auch zeigen, was sich in deiner Beziehung geändert hat. Manche Dinge siehst du jetzt vielleicht ganz anders als früher.

Letztlich hilft dir allerdings wirklich nur ewiges Grübeln. Darüber, wo du dich in zehn Jahren siehst. Wenn du mit deiner Frau zusammen bleibst, aber auch, wenn du dich an deine Kollegin bindest. Nachdenken geht eben jetzt in der (meist) arbeitsfreien Zeit recht gut, weil du da zumindest etwas Abstand von deiner Kollegin gewinnen kannst (schätze ich, oder?). Demnach geht da reflektieren gerade in dieser Familienphase ganz gut. Aber natürlich kann das auch nach hinten losgehen und eben wegen der sentimentalen Phase der Weihnachtszeit überwiegt der Wunsch nach Veränderung und Neuland.
Aus meiner Situation heraus (4 Jahre Beziehung) würde ich sagen: irgendwann übermannt dich das Ganze auch vor deiner Frau. Dann solltest du mit der SPrache rausrücken, such dir allerdings einen ruhigen Moment und stell dirch auf Nachfragen, traurige Gesichter und ein langes Gespräch ein. Wenns blöd läuft sogar auf Wutausbrüche. Ich weiß, ich könnte das in meiner Beziehung ansprechen. In deutlich (deutlich deutlich) abgeschwächter Form habe ich das auch schon gemacht. Ich wollte Verständnis bekommen, habe ich auch.
Vielleicht reicht dieses Gespräch aus, um dir wieder zu zeigen, was du an deiner Frau schätzt. Oder sie hilft dir bei deiner Entscheidung indem sie analysiert, was dir fehlt. Denn so wie es klingt ist eure Beziehung auf jeden Fall noch zu retten, also ihr lebt nicht seit mehreren Jahren nebeneinander her. Also will sie vielleicht versuchen auf dich einzugehen um etwas an sich und an dir zu verändern. Und wenn das dann passiert, indem man sich zu einer Paartherapie entscheidet, dann hat das ja auch sein Gutes.
 

Benutzer97853 

Planet-Liebe Berühmtheit
Find ich die Kollegin nur deshalb so toll, weil sie eben gerade an diesen störenden Punkten so anders ist, so viel mehr denkt wie ich? Oder hat sie erst, durch die Art wie sie ihr Leben lebt, durch die Art wie sie fast übersprudelt vor Leben, durch ihr unbändige Lust auf Neues, auf Unbekanntes, all diese Gefühle in mir wieder geweckt, die so lang im Koma lagen?

Diese Sätze erwecken aber wirklich den Eindruck, als wäre da mehr dahinter als reine Schwärmerei.
Wie gefällt dir denn DEIN Leben? Dein Job? Dein Alltag? Bist du gelangweilt?
Du suchst keine neue Frau, sondern ein anderes Leben, glaube ich.

Du siehst deine fröhliche Arbeitskollegin und spürst ihre Energie und wünscht dir genau das auch für dein Leben. Nur wirst du die nicht bekommen, wenn du mit ihr zusammen bist, sondern lediglich, wenn du anfängst, dein eigenes Leben in die Hand zu nehmen und Dinge zu tun, die dir Spaß machen, neugierig zu sein und Neues zu probieren.
Am besten mit deiner Ehefrau zusammen.

Ich glaube, unklar hat da mit ihrer Vermutung wirklich Recht.
 

Benutzer109098 

Sorgt für Gesprächsstoff
Dein Problem einfach mal rational betrachtet:

Etliche Studien sagen im Grunde nichts anders als, wenn du glücklich sein willst, heirate und bleibe verheiratet.

Zum Beispiel eine Studie von Linda J. Waite, Don Browning, William J. Doherty,
Maggie Gallagher, Ye Luo, and Scott M. Stanley
(Quelle: http://www.americanvalues.org/html/r-unhappy_ii.html):

Ist en Paar unglücklich verheiratet, so liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sie fünf Jahre später glücklich verheiratet sind bei 64% aber nur bei 19% wenn sie sich scheiden liessen und wieder verheiratet sind.

Wer unglücklich verheiratet ist, hat drei Möglichkeiten:
a) nichts tun und die einfach Zeit verstreichen lassen
b) aktiv Eheproblem versuchen zu lösen
c) andere Betätigungen finden, welche einen glücklich machen

Alle drei Möglichkeiten führen nach einer gewissen Zeit zu einer glücklicheren Ehe.

Viele andere Studien sagen ändliche Dinge aus, wie zum Beispiel, dass verheiratete Menschen eine erhöte Lebenserwartung haben, verheiratete Männer verdienen mehr Geld als unverheiratet in einer äquivalenten Position, Scheidung erhöht die Selbstmordrate etc.

Also das einzige was ich dir raten kann, wenn du glücklich sein willst, bleib mit deiner Frau zusammen.
 

Benutzer113432 

Benutzer gesperrt
Also über Saubermanns Antwort musste ich wirklich lachen. Nicht weil das irgendwie daneben wäre, was du schreibst, sondern weil das so unglaublich meine Art zu denken trifft. Ich bin tatsächlich jemand, der die Welt eigentlich in Prozenten mißt, und hinter jeder Entscheidung eine Gauß-Glocke sieht ;-) Danke Mann, dein Beitrag hat echt Überzeugungspotential :smile:
Im ernst, ich wünschte ich könnte auch in dieser Sache zumindest halbwegs analytisch bleiben. Klappt im Moment nicht so wirlich. Sind vielleicht die Hormone, oder Weihnachten, oder beides...

Unklar ich bin dir dankbar für die klaren Worte und ich erwarte hier bestimmt nicht nur Mitleid. Ich denke auch, dass an praktisch allem, was du sagst, Wahrheit ist. Ja ich suche ein anderes Leben, obwohl mein Beruf der beste der Welt ist und ich ihn für nichts eintauschen würde. Es ist mehr das Leben drum herum. Das ist zu sehr auf sie zugeschnitten, zu wenig meins. Natürlich ist das zu einem großen Teil auch meine Schuld. Natürlich hab ich es in der Hand, das zu ändern - oder es zumindest zu versuchen.
Auch wenn du sagst, ich würde das Fremdgehen schon aktiv planen, bist du nicht so weit von der Wahrheit weg - abhängig davon wie man Fremdgehen definiert. Ich hab schon gesagt, Sex ist nicht das, was mich primär reizt, zumal der Sex mit meiner Frau über die Jahre vielleicht seltener, aber nicht schlechter geworden ist. Nein in der Form würde ich nicht fremdgehen, aber wenn du sagst ich würde mit so Aussagen wie "wenn ich die Chance hätte sie zu Küssen, wer weiß..." das ganze schon planen, dann muss ich gestehen, dass ich mich bei genau derartigen Verhaltensmustern selbst schon ertappt habe. Nicht was küssen oder Fremdgehen angeht, aber das Muster an sich, schon vor einer eigentlich falschen Tat selbst darüber nachzudenken, wie gern man doch würde, sich dann einzureden, man könne wohl nicht widerstehen, und dann die Situation tatsächlich selbst aktiv herbeizuführen... Ja, ich glaube ich weiss was du meinst.

ABER - das große Aber, musste ja kommen - so wenig falsch wie das zu sein scheint, was du sagst, so wenig glaube ich, dass du damit alles umfasst. Wenn ich nur glaube, dass sie mich aus dem Alltag reisen könnte, den ich nicht mag, warum werden dann im wahrsten Sinne des Wortes und wie bei einem 16 jährigen meine Knie weich, wenn sie mich anlacht?
Wenn es nur die Veränderung in meinem Leben ist, die sie verkörpert, warum fühl ich dann diesen Stich in meinem Bauch wenn ein anderer Kerl sie umarmt?
Wenn sich alles nur um die Veränderung in meinem Leben dreht, warum frage ich mich dann die ganze Zeit, ob sie wohl einigermaßen glückliche Weihnachten erlebt, dort drüben in London, oder ob ihre Verwandten ihr wohl tatsächlich so auf die Nerven gehn, wie sie das befürchtet hat?

Dazu kommt ein weiterer Punkt. Eines der Dinge, die mich stören, neben meinem Leben, an dem ich ja vielleicht was drehen kann, sind ihre Ansichten zu gewissen Dingen. Die Dinge, die in meinem Leben die absolut zentrale Rolle einnehmen, Dinge wie Freundschaft, der Austausch mit anderen Menschen, die Offenheit für andere Ansätze, Meinungen, Lebensweisen, diese Dinge sieht meine Frau in einer völlig anderen Weise. Nicht dass das über Nacht so gekommen wäre, aber ich hab diese Entwicklung vielleicht übersehen, wohl eher übersehen wollen. Und genau hier hat die Kollegin ihre absoluten Stärken, genau hier scheint sie der wundervollste Mensch zu sein, der mir je begegnet ist. Ich hatte zuerst geschrieben "ist sie", aber das dann doch lieber in "scheint sie zu sein" geändert. Ich weiss grad nicht mehr wirklich viel mit Sicherheit.

Wir haben tatsächlich definitiv nicht an einander vorbei gelebt, es gab sehr viele schöne Momente in unserer Ehe, also auch im letzten Jahr. Es sind die zentralen, die für mich zentralen Dinge des Lebens, in denen wir uns unglaublich zu unterscheiden scheinen.

Alles was ihr seht, scheint für mich nicht falsch zu sein, aber eben nur ein Teil der Wahrheit. Es ist das Leben, ja, aber irgendwie scheint es auch der Mensch zu sein.
Ich hoff ihr fragt euch jetzt nicht, warum ich überhaupt an eurer Meinung intressiert bin, wenn ich ja eh schon meine eigene habe. Die Antwort ist, ich hab keine eigene. Das was ich hier sage kommt nicht von jemandem, der weiss, was Sache ist, der in sich selbst sieht und dort die Antworten findet. Ich rate mehr oder weniger genau so rum wie ihr, guck mir die Sympthome an und versuch meine Schlüsse zu ziehn. Als unmittelbar Betroffener gelingt mir das glaub recht schlecht. Deshalb glaub ich hilft der Austausch hier unheimlich weiter.

Danke
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Der Mensch ist nur ein Anstoß. Letztendlich erinnert mich die ganze Geschichte an eine, die ich selbst erlebt habe. Ich habe darin die Position der außenstehenden Person eingenommen, die einem Mann in festen Händen den Kopf verdreht hat. Er war seit Jahren in einer Beziehung mit einem bestimmt wundervollen Menschen, aber irgendwas hat ihm gefehlt, auch wenn er das erst gesehen hat, als er mich kennengelernt hatte. Er hat sich angesteckt gefühlt durch meine Lebensfreude, Unberechenbarkeit, meinen schwärmerischen Blick, meine Leidenschaft, meinen Humor und meinen liebenswürdigen Charakter (seine Worte). Alles war neu und anders bei mir und doch ihm so ähnlich und genau das, was er immer gesucht hatte, aber nicht erwartet hatte, es auch einmal in einem Menschen zu finden. Und gleichzeitig saß er in der Beziehung fest, die immer die gleiche war, mit einer zwar tollen Frau, die aber manche Aspekte von seinem Wesen nicht so gut nachvollziehen konnte, wie diese andere Person, die quasi die Dinge so beschrieb, wie auch er sie immer empfunden hatte. Er hat sich verstanden gefühlt. Und die Phantasie hat ihr übriges geleistet.

Ich hatte ihm also den Kopf verdreht, ohne dass ich es wollte. Und so im Nachhinein muss ich sagen, ich glaube nicht, dass es wirklich ICH als Person war, in die er sich verliebt hatte. Es stimmt zwar nach wie vor, dass wir viele Dinge ähnlich sehen, aber wenn er mich erst besser und näher kennengelernt hätte, hätte er gesehen, dass viele der Aspekte, die er an mir wahrgenommen hatte, aufgebauscht waren durch die Projektionen seiner selbst. Dass er viele Dinge, die an mir vllt nicht so klasse sind, einfach ausgeblendet hat. Er hat sich nach etwas gesehnt und ich habe sein Traumbild erfüllt. Ich habe ein gutes Ausgangsmaterial für ihn dargestellt, mit dem er sich die perfekte Frau an seiner Seite zusammendenken konnte, die die gleichen Träume und Lebensziele hatte, die gleiche Art zu denken teilte und dennoch wild und energiegeladen war und frischen Wind in sein Leben bringen konnte.

Letztendlich ist also ein Großteil davon Illusion, auch wenn man es nicht wahrhaben will. Man sieht nur, wie wundervoll diese fremde Person ist. Gleichzeitig hat man die ganzen Schwächen und Fehler seines Partners permanent vor Augen. Man will etwas anderes und irgendeine Person außerhalb der Beziehung scheint dieses Anders mit lockenden Blicken zu versprechen. Dabei ist es nur ein Symbol und eben eine Projektion der eigenen Wünsche. Ich würde es nicht am Menschen festmachen, sondern an deiner eigenen Sehnsucht, aus dem Käfig auszubrechen.

Ich würde vorschlagen, dass du alles mal getrennt von der Arbeitskollegin betrachtest. Kümmere dich um deine Ehe. Sprich mit deiner Frau. Mach eine Paartherapie. Über die Arbeitskollegin kannst du hinweg kommen, sofern du ein paar Aspekte, für die diese Schwärmerei steht, in deine bestehende Beziehung implementierst. Wenn es nicht klappen sollte, dann kannst du immer noch alles hinschmeißen.
 

Benutzer37188 

Meistens hier zu finden
Es wurden schon unheimlich viele gute Dinge gesagt, an denen du dich wirklich orientieren solltest.

Auch ich vermute, dass du die Kollegin etwas überhöhst. Deine weichen Knie sind kein Zeichen davon, dass vor dir urplötzlich die perfekte Frau für dich aufgetaucht ist. Das ist stinknormale, handelsübliche Verknalltheit, nicht mehr, auch wenn du da gern mehr drin sehen möchtest. Deine Eifersucht (Stich im Bauch nanntes du es) suggeriert dir, dass sie dir jemand "wegnehmen" könnte und deshalb fühlst du dich genötigt, zu handeln, weil du das Gefühl hast, du verpasst eine Gelegenheit.
Du verpasst tatsächlich eine. Nämlich die, fehlende Komponenten in deiner eigenen Beziehung zu suchen und sie gegebenenfalls selbst dort hinzupflanzen, um glücklich zu bleiben. Mach dich nicht unglücklich und mach dir nichts weiter vor. Du bist verknallt, ja. Aber das ist absolut GAR kein Garant, dass du jetzt eine "bessere" Frau vor dir stehen hast. Natürlich ist sie für deine Augen perfekt und großartig. Es gab auch einfach noch keine Gelegenheit für sie, dir ihre Schwächen zu präsentieren. Mit deiner Frau lebst du zusammen, du kennst sie schon eine kleine Ewigkeit. Deine Kollegin kann dir auf der Arbeit immer ihre Schokoladenseite präsentieren.
Dass du verknallt bist, zeigt meiner Meinung nach, dass dir was fehlt (wow, Captain Obvious ist gelandet, was?) - aber du wirst das nicht durch diese Frau kompensieren können, da geb ich dir Brief und Siegel drauf. Sieh es als Chance! Du hast das Signal bekommen, dass dir etwas fehlt, noch bevor die Situation mit deiner Frau völlig eingeschlafen und versteinert ist. Jetzt hast du die Gelegenheit, wieder frischen Wind in deine Beziehung zu bringen.

Man kann sich durchaus entlieben. Das muss man allerdings auch wirklich wollen.
 

Benutzer113239 

Sorgt für Gesprächsstoff
mache es doch mal so - vergleiche, wie du deine frau damals zum gleichen beziehungstechnischen zeitpunkt gesehen hast und wie du jetzt diese frau siehst.
noch ein kleiner exkurs in sachen chemie - die natur strebt immer nach einem elektronenausgleich - sprich alles im leben gleicht sich irgendwo aus - d.h. alles, was auf der einen seite vorteile hat, hat auf der anderen seite auch nachteile, damit alles in der summe null ergibt. all die vorzüge, die du augenblicklich in dieser frau siehst, bringen in irgendeine richtung auch nachteile mit sich, dessen musst du dir bewusst sein. genau das gleiche trifft auch auf deine frau zu - nun musst du selbst und sonst niemand abwägen, was die kehrseite der vorzüge dieser frauz sein könnten und mit welchem der beiden menschen du eher einen "elektronenausgleich" hast. menschen, die zusammen alt werden wollen, müssen sich ergänzen, sind sie zu gleich, gibt es entweder einen "elektronen - oder einen protonenüberschuss", sprich es wird kein ausgleich und somit keine "glückseeligkeit" stattfinden. jetzt bist du an der reihe, dies heraus zu finden! ;-)
 

Benutzer113432 

Benutzer gesperrt
Also das ist schon genial. Also mal ganz ehrlich Leute, weg von mir, ich hab nicht so viel Erfahrung gehabt mit diesem Forum und einfach mal ins Blaue geschossen in meiner "Verzweiflung" und auf nicht wirklich viel gehofft. Aber was hier zurückkommt, das ist niveauvoller als ich das je erwartet hätte - und inspirierender als ne Flasche Tequila :smile:
Ihr seid nicht nur wirklich hilfreich, ihr seid beeindruckend. Und damit mein ich den Autor jeder einzelnen Antwort.
Danke!

Ich sag jetzt mal eben nichts inhaltliches. Ich muss gleich weg, und ohne ein wenig über eure letzten Beiträge nachzudenken, wär das wohl grade einfach nur Geplapper. Bis später.
 

Benutzer38494 

Sehr bekannt hier
der post von lotusknospe ist genialst ge- und beschrieben.

ich glaube, fast jedem menschen geht es im leben mal so ... und so wie es dort beschrieben ist, kann jeder dem es mal so ergangen ist, mit einem (traurigen oder glücklichen) lächeln zurückblicken und sagen: "100%ig auf den punkt gebracht!". :jaa:

ich bin aber auch der meinung, das man sehr wohl mehr als nur einen menschen lieben kann ... manchmal geht das sogar gleichzeitig.
ist man lange genug mit jemandem zusammen ... dann verändert sich die liebe.
man teilt den alltag nach 7 jahren (oder etwas mehr oder etwas weniger) und dieses kribbeln im bauch gibts dann nicht mehr.
man sieht den partner nackt ... ja und? ... ah ... da ist wieder ein makel zu entdecken.

"schatz, denkst du bitte an tante giesela ... da müssen wir am samstag hin!" ... und man mag tante giesela nicht.
all dieser alltag ist normal und der knackpopo deiner arbeitskollegin wird sich genauso verändern wie es der deiner frau getan hat (und/oder noch tun wird) ... und auch die arbeitskollegin hat in ihrem leben diese besagte tante giesela.
sie ist auch nur ein mensch mit fehlern und macken und jemand bei dem sich der alltag einstellen wird.

äusserlichkeiten, die früher wohl das wichtigste wahren, werden zur absoluten normalität und da sich jeder mensch im laufe der jahre mit dem zellverfall auseinandersetzen muss, wird eben der knackige popo von früher anders.

aber ich glaube auch nicht, das der ts NUR die äusserlichkeiten bei seiner arbeitskollegin toll findet.
ist ja auch völlig ok, finde ich.

wichtig wäre wohl mal herauszufinden, was du, lieber ts, an deiner frau noch gut findest und warum sich da offenbar was verändert hat an deiner sichtweise ihr gegenüber.

in meinen augen hast du dich verknallt und rennst einem mischmasch an gefühlen hinterher.

sehr schade finde ich, das du offenbar eine beziehung zu deiner frau hast, in der man über all sowas nicht miteinander reden kann.


aber mich würden auch noch ein paar fakten interessieren.

wie alt ist deine frau?
wollt ihr/will sie kinder?
wie oft habt ihr sex und wie erfüllend ist er für dich wie für sie?
und die wohl wichtigste frage wäre: seid ihr glücklich?
wie alt ist deine arbeitskollegin?
hat sie keinen freund oder partner?????
welche auswirkungen hätte eine trennung für dich, für deine frau?
 

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