Ich habe Angst um meine Ehe (Depressionen, Suizid)

Benutzer19708  (41)

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Ich hätte nie gedacht, mal einen Thread in diesem Unterforum eröffnen zu müssen...

Kurzform, meine Frau hat mir vor etwa 2 Wochen die Pistole auf die Brust gesetzt und gesagt, sie will so nicht mehr weitermachen. Sie hat das Gefühl ich distanziere mich immer mehr und wir leben wie Bruder und Schwester zusammen.
In dem Moment (wahrscheinlich denkbar ungünstig) habe ich ihr eröffnet, dass ich seit etwa 5 Jahren mit depressiven Verstimmungen kämpfe, Selbstmordgedanken habe und Anfang des Jahres einen Suizidversuch begangen habe.

Aber der Reihe nach:
Ich weiß nicht wirklich mehr warum, aber vor etwa 5 Jahren fing es an, dass ich öfter.... na nennen wir es mal traurige Phasen hatte. An den Tiefpunkten dieser Phasen dachte ich daran, wieviel besser es für alle anderen wäre, wenn ich nicht mehr da wäre. Ich wäre keine Belastung mehr für meine Familie, meine Frau könnte sich nach einem besseren Vater für die Kinder umsehen. Zu dem Zeitpunkt war es jobtechnisch nicht optimal, die Firma hatte Zahlungsprobleme und mein Gehalt kam mit steigendem Verzug. Letztlich habe ich es alles darauf geschoben.

Nachdem sich die Jobsituation durch einen Wechsel entspannt hatte und ich auch wieder mehr Spass an der ARbeit hatte wurde es besser, dafür fing ich an Kritik von meiner Frau mir sehr, viel zu sehr zu Herzen zu nehmen.
Dazu sollte ich erwähnen, dass es von Beginn unserer Beziehung ein Spannungsthema zwischen uns gibt: Ordnung. Ich bin ein recht chaotischer Mensch und mein Umfeld sieht teilweise entsprechend aus. Ich habe mich da - auch wenn ich es versprach - nie wirklich geändert. Meine Frau ist da der genaue Gegenpol.
Wann immer also das Thema z.B. auf "Räum dies, räum das, wie sieht der Dachboden bloß aus," usw kam, wäre ich am liebsten heulend ins Badezimmer gerannt und hätte mir die Pulsadern aufgeschnitten. Weil ich mich selbst dafür so hasse, dass ich in dem Punkt - wirklich fast unser einziger Reibepunkt - nicht der Mann sein kann, den sie verdient.
Irgendwo auf diesem WEg, ich wüsste nicht mehr wo, fing ich an mich zu schneiden. Zuerst nur als Befreiung, als Ventil für den Schmerz, der in meinem Inneren war. Später mit der Absicht meinem Leben ein Ende zu setzen.

An diesem Punkt, als das Schneiden anfing - das weiß ich heute - hätte ich vielleicht mal was sagen sollen.

Das ganze gipfelte Anfang des Jahres darin, dass ich nachts nicht schlafen konnte - ich glaube wir hatten einen Streit, ich weiß es ehrlich gesagt aber gar nicht mehr genau - und mich ins Badezimmer zurück gezogen habe.
Dieses Mal hatte ich die volle Absicht mein Leben zu beenden, doch was nicht gestimmt hat war, dass das tiefe Schneiden doch tatsächlich ganz grauenvoll weh tat. Da war nichts von "Wenn du es willst, spürst du den Schmerz nicht mehr" oder "Der anfängliche Schmerz befreit und danach fühlt man den kaum noch". Nein, es...tat...weh. Ganz schrecklich weh. Und ich habe dann von mir abgelassen.
Diese Narben sieht man leider immer noch.
Aber gesagt, habe ich nichts.

Ich fing an das ganze niederzuschreiben, was ich fühlte, warum - jedenfalls versuchte ich es zu erklären, auch mir selbst gegenüber.
Das war mein einziger Versuch und ich erkannte: naja, eigentlich lebe ich gerne. Irgendwie jedenfalls.

In unserem Familienurlaub über Pfingsten hatte ich schon das Gefühl, meine Frau distanzierte sich von mir.

Und jetzt? Nachdem sie mir das eingangs gesagte an den Kopf warf habe ich beschlossen, ihr zu versuchen zu erklären, warum ich so war, wie ich war. Ich hab ihr gezeigt, was ich niedergeschrieben habe. Alles. Von den Selbstvorwürfen, die Selbstverletzung bis zum versuchten Suizid. Und in jedem Wort als Unterton: Aber ich habe nie jemandem irgendwas gesagt.

Ich versuchte ihr zu erklären, warum ich nichts gesagt habe. Einfach weil ich es selbst nicht erklären konnte. Ich habe doch alles, was ich mir je erträumt habe: eine tolle Frau, tolle Wunschkinder, Haus, Grundstück, einen sehr guten Job (also nach dem Gehaltsausfall) mit pünktlichen Gehaltszahlungen. Ich habe einfach alles, ich habe keinen Grund so zu sein. Ich muss doch glücklich sein, ich habe keinen Grund mir selbst etwas antun zu wollen. Die Frage nach dem Warum, die quält mich selbst.

Ich habe den Entschluss gefasst, dass ich Hilfe brauche, dass ich alleine aus diesem Sumpf nicht mehr herauskomme. Das ich dem jetzt einen Namen geben kann: Depressionen wahrscheinlich. Eine konkrete Diagnose steht allerdings noch aus.
Ich bin am nächsten Montag zu meinem Hausarzt und habe das alles auch erzählt, sie war sehr verständnisvoll und hat mir umgehend einen Termin bei einem Neuropsychiater beschafft, zum ersten Vorgespräch über Symptome und aktuelle Suizidgefahr war ich schon, aber dieser Woche beginnen diese ersten 5 Sitzungen, nach denen Diagnose und weitere Behandlung erarbeitet werden. Die aktuelle Einschätzung ist, ich muss NICHT in eine psychiatrische Klinik, da ich aktuell keine Gefahr für mich darstelle. Da mir Arbeiten gut tut, werde ich auch ganz normal meinen Job weiter machen können. Ich habe auch Tabletten bekommmen, damit ich aktuell ruhiger schlafen kann, die wirken sogar.
Ich habe mich meinem Vorgesetzten anvertraut, ich brauche den Rücken frei, da die Therapiesitzungen während der Arbeitszeit sein werden. Auch hier habe ich Verständnis gefunden und mein Betrieb steht hinter mir. Meine Kollegen wissen davon nichts und so soll es auch bleiben.

Soweit, so gut.
Aber ich habe ganz schreckliche Angst um meine Ehe. Ich schlafe auf der Couch, da meine Frau Zeit für sich haben will. Zeit um zu verdauen, was ich ihr so viele Jahre vorenthalten habe. Verheimlicht und für mich behalten. Ob sie weitermachen will, oder nicht. Ob Vertrauen weg ist und je wieder kommen kann.
Und dieses Warten auf ihre finale Antwort, das macht mich fertig. Jeden Abend sitze ich auf der Couch, warte dass sie nach Hause kommt (sie hat längere Arbeitszeiten als ich, meist geht sie noch zum Sport nach der Arbeit) und habe gleichzeitig Angst, dass heute der Tag ist, an dem sie sagt "Ich habe eine Entscheidung getroffen". Andersrum macht mich jeder Tag, an dem sie es nicht sagt genauso nieder.
Wenigstens - Tabletten oder nicht, ich weiß nicht woran es liegt - bin ich aktuell nicht in meinem Loch gefangen.

Eine richtige Frage habe ich gar nicht, vielleicht hat jemand einen Rat, wie ich mich verhalten soll. Soll ich von mir aus fragen, oder irgendwas sagen? oder einfach abwarten?
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Ok, wenn Du keine Fragen hast, dann habe ich welche :zwinker::
- Du hast 5 lange, bittere Jahre Deiner Frau nicht ein Sterbenswörtchen gesagt. Dafür gibt es mind. einen Grund. "Ich weiß es nicht" ist keiner! Ich würde Dir raten: denke darüber mal nach, denn ich bin mir sicher: die Antwort darauf ist wichtig!
- Du hast Dich geritzt, weitergehend selbst verletzt, Du warst traurig, schlecht d'rauf usw. 5 Jahre lang. Und Deine Frau hat nicht einmal gefragt, was los ist? Warum Du Narben an den Adern hast?

Es ist verdammt gut, dass Du den Schritt unternommen hast, Dir professionelle Hilfe zu suchen. Respekt! (das meine ich ernst). Ich schätze, Du wirst noch mit vielen Fragen konfrontiert werden, auf die Du in erster Reaktion erst einmal "Ich weiß es nicht" antworten willst. Und vielleicht wird Dich die eine oder andere Antwort, wenn sie denn gefunden ist, ziemlich überraschen. Und Deine Frau vielleicht auch...

Viel Glück und Kraft wünsche ich Dir!
 

Benutzer34914 

Meistens hier zu finden
Hol deine Frau mit ins Boot und frag den Psychiater/Therapeuten, ob deine Frau mal mit kommen soll zu einer Sitzung oder ob eine Ehe-Therapie parallel begleitend eine weitere Option ist.

Im Grunde muss deine Frau das auch alles erstmal sacken lassen und verarbeiten und da musst Du jetzt auch sehr behutsam vorgehen. Denn ich denke mir, dass deine Frau sich vll. gekränkt fühlt, da Du ihr nichts von deinen Problemen anvertrauen konntest und in ner Beziehung sollte man ja füreinander da sein. Das kann jetzt nur eine Vermutung von mir sein, denn ich kann keine Gedanken lesen, aber wichtig ist auch erstmal, dass Du wieder auf den richtigen Pfad kommst und dann kannst Du das nächste Problem angehen.

Ansonsten kann ich nur sagen "Hut ab", dafür das Du selbst noch die Kurve bekommen hast und Dich in professionelle Hände begeben hast.
 

Benutzer109511  (27)

Planet-Liebe Berühmtheit
Da frage ich mich das gleiche wie Mark11 Mark11 . Du hast sehr ernste Probleme mit deiner psychischen Gesundheit, die dich ohne Übertreibung auch das Leben hätten kosten können. Aber deiner Frau, deiner Partnerin, die eigentlich deine engste Vertraute sein sollte, der konntest du dich 5 Jahre lang nicht anvertrauen. Mich schockt es, dass sie 5 Jahre lang so gar nichts gemerkt hat. Durch SVV entstehen Narben, die sollten doch dem Menschen, mit dem man zusammen lebt, irgendwann einmal auffallen. Genauso wie eine dauernd gedrückte Stimmung usw.
Nun kann sie mit deiner Eröffnung nicht umgehen; andererseits wäre es aber auch mal an ihr, ihr eigenes Verhalten dir gegenüber zu hinterfragen. Du hast ja nicht ohne Grund nie was gesagt nehme ich an.

Darüber solltest du, wie ich finde, einmal nachdenken. Derart schwerwiegende Nöte nicht mit dem Partner besprechen zu können, das spricht m.E. nicht für eine gute Vertrauensbasis...
Ich habe selber seit einer ganzen Weile Depressionen und habe mich auch schon selbst verletzt. Ich bin mittlerweile auch in Behandlung, mache eine Therapie und nehme Antidepressiva. Das alles weiß mein Freund und er war es auch, der mich als es immer schlimmer wurde und es mir immer schlechter ging, dabei unterstützt hat mir Hilfe zu suchen. Er hat mich immer wieder dazu ermutigt und mich zB auch zum ersten Termin beim Psychiater begleitet.
Wenn ich nun überlege, ich hätte mich ihm nicht öffnen können, hätte alles in mich hinein gefressen... sehr unschöne Vorstellung.

Ich finde es aber auf jeden Fall sehr stark und mutig von dir, dass du den Schritt gewagt und dir professionelle Hilfe gesucht hast!
Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Kraft und dass du die Erkrankung in den Griff bekommst! :knuddel:

Was nun deine Frau angeht: meinst du, du könntest ihr vorschlagen, dass sie dich mal zu einer der Sitzungen begleitet? Leicht ist es für den Partner mit Sicherheit nicht, mit einer derartigen Erkrankung des Partners umzugehen. Aber vielleicht kann es für sie auch hilfreich sein, wenn du sie in die Therapie irgendwie mit einbeziehen kannst. Dann kann sie sehen, was Sache ist und besser verstehen.
 

Benutzer19708  (41)

Verbringt hier viel Zeit
Hallo und danke für die Antworten,

zuerst mal: es ist nicht so, dass ich jetzt 5 Jahre dauerhaft schlecht drauf war. Das ganze war immer schubweise. War alles gut und jeder glücklich, so war ich es auch. So richtig schlimm - aus meinem Empfinden - wurde es erst in den letzten Monaten.

Mark11 Mark11 : Warum habe ich nichts gesagt... tja. Aktuell kann ich die Frage tatsächlich nur mit "Ich weiß es nicht " beantworten. Ich nehme an am Anfang hab ich mir selbst noch gesagt, "Kein Problem, das geht vorbei, das kriegst du hin". Den Absprung, die Erkentniss dass ich das eben nicht alleine schaffe, die ist (leider) noch relativ jung.
Warum... ich nehme an, ich habe mich vor der Konfrontation gefürchtet, vor vielen Fragen, auf die ich keine Antwort habe.
Das es ein Fehler war, das sehe ich jetzt auch...

Meine Narben, die habe ich stets versteckt mit langärmigen Sachen, Strickjacken und peniblem drauf-achten, das ja nichts gesehen wird. Wenn doch, es kam vereinzelt vor, konnte ich es abtun.
Vielleicht ahnte sie etwas, ich weiß es nicht.

SnakePlisken SnakePlisken :
eine Eheberatung... auf den Gedanken bin ich noch gar nicht gekommen. Kurze Recherche zeigt, dass gibt es sogar bei uns in der Nähe. Ich behalte das mal im Hinterkopf und würde das zu gegebener Zeit anbringen.

Blueberry Blueberry :
Was du über die Vertrauensbasis schreibt...trifft mich. Aus dem Winkel habe ich es noch gar nicht betrachtet. Natürlich vertraue ich ihr, ich.... ich weiß gar nicht was ich schreiben soll.
Was die Sitzungen angeht, ich habe selbst noch keine gehabt. Die erste "richtige" ist erst übermorgen, ich stehe wie gesagt noch ganz am Anfang. Ist das angebracht? So früh?
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Ich würde Dir nicht dazu raten, Deine Frau so schnell mit ins Therapieboot zu holen. Es sollte erst einmal um Dich gehen, darum, dass Du mit Dir selber wieder ins Reine kommst.
War alles gut und jeder glücklich, so war ich es auch.
Das lässt mich aufhorchen. Das klingt (Achtung: Laienpsychologie!) stark danach, dass Du Dein eigenes Leben zu sehr dem der Anderen untergeordnet hast. Daher finde ich, Du solltest jetzt erst einmal nur an Dich denken.
Das schließt aber überhaupt nicht aus, dass Du versuchst, Deine Frau mitzunehmen. Nicht zur Therapie, aber in Dein Inneres, das sich (hoffentlich) im Laufe der Therapie ändern wird. Nutze die Erkenntnisse, die Du hoffentlich in den nächsten Wochen und Monaten gewinnst, dazu, mit Deiner Frau wieder ins Gespräch zu kommen. Über Dich, über sie, über Euch. Denn da scheint es gewaltig zu haken und das nicht erst seit gestern...

Kleiner Tipp noch: sprich nicht von Fehlern. Wahrscheinlich hast Du keine gemacht. Es hätten Dinge evtl. anders laufen können, aber niemand weiß, ob es dann heute besser wäre. Du bist jetzt den Schritt Richtung Therapie gegangen, aus eigenem Antrieb, also ist dieser Schritt genau jetzt goldrichtig. Und Du hast jetzt alle Chancen der Welt, Dinge von "vorher" zu klären, zu ändern oder ganz anders anzugehen. Nutze diese jetzt und für die Zukunft, und beklage Dich nicht über Versäumtes der Vergangenheit.
 

Benutzer19708  (41)

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Warum habe ich meiner Frau nichts gesagt...


Diese Frage beschäftigt mich am meisten. Der Ehepartner sollte doch der absolut engste Vertraute sein, der vor dem man keine Geheimnisse haben sollte. Und doch habe ich dir all das mehr oder minder wissentlich vorenthalten.

Ich versuche mich mal zu erklären: Als ich diese Verstimmungen das erste mal bemerkte, habe ich dem fast keine Bedeutung zugemessen. Jeder hat doch mal einen schlechten Tag, morgen ist alles wieder gut. Und so war es auch. Man darf sich das nicht so vorstellen, dass ich jeden Tag der letzten Jahre am seelischen Nervenzusammenbruch stand, nein. Im Gegenteil, bei einem Blick in die Vergangenheit fällt mir fast nur schönes ein: wie wir in die schöne große Wohnung gezogen sind, wie wir uns für ein Kind entschieden haben, Urlaub in New York, die Geburt unserer ersten Tochter, die Entscheidung zu bauen, der Einzug, alles was wir hier geleistet haben. Ich liebe jeden einzelnen Moment davon, ich möchte keinen einzigen davon jemals vermissen. Und doch hatte ich vereinzelt diese komischen Tage, meist wenn ich selbst den Spiegel vorgehalten bekommen habe: zu sehen, dass ich zwar an meinen Aufgaben und Leidenschaften wachsen kann, aber in einigen Punkten absolut still stehe, ja gar rückwärts gehe. Diese Ereignisse legen sich wie ein dunkler Schleier über mein Denken und lässt mich kaum einen Ausweg sehen.

Und ja, das häufte sich, blieb aber trotzdem immer eine Ausnahme zwischen Tagen, Wochen und Monaten voller Glück in meinem Herzen.

Deshalb habe ich wohl damals nichts gesagt: es war zu wenig und zu schnell vorbei als das ich selbst dem eine größere Bedeutung zusprach.

Doch vor... tja... ich glaube während der Elternzeit meiner Frau letztes Jahr ging es los, dass die Verstimmungen mehr und öfter wurden. Ich habe mich gefühlt als sei ich eine Last, jemand der mehr Arbeit bringt als er auffängt. Jemand der dem Glück im Weg steht. Ich habe dort – und erst dort – langsam begriffen, dass ich ein Problem habe, erstmal nur mit mir selbst. Jetzt weiß ich: das war der Moment, in dem ich etwas hätte sagen sollen. Das davor... nun, ich sehe die Zeit davor erst seit heute wirklich als Teil des Problemes.

Aber ich schwieg. Zum einen aus den Gefühlen selbst: ich habe mich als Last gefühlt, also hätte ein „Ich habe Probleme und brauche Hilfe“ mich doch noch viel mehr zur Belastung gemacht. Zum anderen: ich habe mich geschämt. meine Frau ist – in meinen Augen – ein so starker Fels in der Brandung, nichts erschüttert sie, nichts bringt sie aus der Fassung, sie stemmst so viel auf Arbeit und zu hause und trotzdem kommen alle danach zu ihr und bewundern sie, wie toll und einfach du das machst. Da passe ich als „kranker“ Mann nicht dazu. Ich rede nicht von Geschlechterrollen, dass ich nie der hünenhafte Alpha Mann bin, der alle Zügel in der Hand hat, das wissen wir beide. Aber ich konnte nichtmal die starke Schulter im Hintergrund sein, ich war schwach, ich war krank, ich hatte meine Leiden (Tumor, Hörschaden und all die Auswirkungen...)
Kleine Zwischenbemerkung: vor 2 Jahren wurde bei mir ein gutartiger Gehirntumor diagnostiziert, welcher aber ohne OP mit Hormontherapie behandelt werden konnte. Zudem höre ich auf dem rechten Ohr nur mit etwa 80%.

Ich habe mich geschämt und konnte mich nicht überwinden, auf all das noch einen drauf zu setzen.

Bis zu dem Moment war es einfach nur (falsche?) Scham.

Doch dann wurde es ja verstärkt, ich sah keinen Ausweg mehr, ich hatte wirklich einen Moment in dem ich nicht mehr sein wollte. Für sie, für uns, für alle, so absurd das klingt.

Danach sah ich klarer, ich erkannte mein Problem, ich erkannte dass ich vielleicht wirklich an dem litt was allgemein als Depression bekannt war.

Und wieder schwieg ich, teils natürlich aus Scham – ich wollte nicht, dass mich jemand so sieht. Ich empfand mich im Normalzustand schon selbst unerträglich, ich war mir in den dunklen Momenten sogar noch selbst über. Diesmal folgte noch ein Gefühl von Ratlosigkeit und Angst. Was würdest sie sagen, wenn ich mich ihr öffne? Was würdest sie fragen, was könnte ich antworten. Ich kann – auch jetzt nicht – mir selbst nicht erklären, warum ich fühle, wie ich fühle. Ich habe keinen rationellen Grund dafür, mein einziges offenkundiges Problem war: ich hatte zuviel Glück im Leben.

Ich hatte Angst vor der Konfrontation, vor den Fragen, die ich nicht beantworten kann. Ich hatte (und habe) Angst, sie verlässt mich, ich hatte Angst sie tut das als „Nu reiß dich mal am Schlüpper“ ab, ich hatte Angst all das Glück, dass ich hatte zu verlieren. Ich habe Angst vor den Konsequenzen dieser Krankheit.

Die beste Erklärung die ich dir geben kann „Warum hast du nichts gesagt?“ „Aus Scham, Ratlosigkeit und einer Riesenportion Angst.“
 

Benutzer96466 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich finde das total klasse, das du das so offensiv angehst jetzt!

Und was auch wichtig ist: du bist ja nicht schuld an deinen Krankheiten - weder am Tumor noch an der Depression (so es denn eine ist), und deswegen auch nicht schwach.

Ich hoffe, das dir jetzt bald auch geholfen werden wird. Wenn du der Krankheit einen Namen geben kannst, dann ist das ja der erste Schritt hin zur Besserung, weil man dann geziehlt behandeln kann.

Ich würde auch nicht zusehr in der Vergangenheit nach "Fehlern" oder Versäumnissen wühlen - wichtig ist, das du jetzt erkannt hast das es so nicht weiter geht und du Hilfe brauchst.

Ich wünsch dir alles Gute! Und wir haben hier immer nen offenes Ohr für Dich :knuddel:
 

Benutzer19708  (41)

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Update:
Ich hatte am Donnerstag meinen ersten Termin beim Psychiater und ich bin da mit sehr wenig Vorstellungen rangegangen. Meine Fantasie beschränkte sich auf alles, was ich in mehr oder weniger schlechten Filmen gesehen habe.

Es war auf jeden Fall anders, als ich erwartet habe: ich habe halt nur wenig erzählt und er hat mit mehr oder minder vielen Vergleichen mir mein Verhalten dargestellt. Aber es war gut, ich habe mich selbst in einem Spiegel gesehen, aus einem anderen Winkel als jemals zuvor. Ich bekam erste Impulse warum ich sein könnte wie ich bin, woher dieser "Leidensdruck" oder dieser "Seelenschmerz" denn kommen kann. Es war irgendwie schon viel zu schnell vorbei,ich hätte das gern länger gehabt, aber nächste Woche ist ja wieder.

Ich habe auch gleich versucht anzuwenden, was er mir gesagt hat:
erstmal: Ich schlafe nicht mehr auf der Couch. Es war ja meine eigene Entscheidung um meiner Frau den Abstand zu geben, den sie brauchte. Andererseits, wenn an unserer Beziehung noch gearbeitet werden kann, dann ganz sicher nicht, indem ich mich wie ein Haufen Elend auf meine Couch lege und leide.

Also bin ich zurück ins Ehebett gezogen, der Abstand zwischen uns ist natürlich körperlich und auch im Kopf weiterhin vorhanden.

Am Wochenende kamen dann noch viele Themen auf den Tisch zwischen uns und es kam auch heraus, dass ihre gefühlsmäßige Verwirrung mehr Gründe hat, als mein Talent jahrelang ein Chaos zu veranstalten. Das soll jetzt hier kein Thema sein, aber wir haben das Thema so bereinigt, dass dort erstmal keine weitere Baustelle entsteht - die könnte ich gerade nicht auch noch aufnehmen.

Gestern abend, nachdem alle Wahrheiten und "aber wieso soagst du das und meinst das" ausgesprochen waren, ich weiß, wo ich stehe,... ich habe vor meiner Frau vor Glück geheult.
Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, an dessen Ende vielleicht trotzdem kein Happy End steht - dazu war ich zu lange zu ... naja... keine Ahnung, wie ich das nennen soll. AUch wenn keine direkte Schuldzuweisung im Raum stand, so - das ist meine eigene Meinung - trage ich den größten Sack an dem, was uns an diesen Punkt gebracht hat.

Ich habe Hoffnung, dies noch zu kitten, ich bin - so Aussage meine Frau - zum ersten Mal erkennbar auf einem Weg, wirklich endlich was zu ändern. Und das ist für sie Vorraussetzung, überhaupt an dem "uns" zu arbeiten. Sie - und ich noch viel mehr - hofft natürlich, dass dies kein Strohfeuer ist. Denn mit meinem alten ich macht sie es definitiv nicht. Was ich auch verstehe, ich hasse das alte ich auch. Und ich hoffe endlich ein neues ich zu werden und aus all dem Mist als "besserer" Mensch hervorzugehen.

Ich will dieses Chaos nicht mehr, ich will diese Depressionen nicht mehr. Ich will nicht mehr diese Gedanken nicht mehr, dass die Welt ohne mich besser dran ist. Ich will nicht mehr nachts heulen, weil ich nicht schlafen kann und ich will mir nicht mein ganzes Leben lang mehr Vorwürfe machen, was ich für ein schlechter Mensch bin. Ich will nicht mein Leben lang der "Kranke" sein.

ICH.WILL.DAS.NICHT.MEHR.

Ich will Glück, Antrieb, Feuer, Liebe, Familie.
Ich habe ein Ziel, ich habe Motivation, ich habe einen Anfang gemacht.
Ich kann das schaffen, ich werde das auch schaffen. Daran besteht kein Zweifel für mich. Denn Zweifel würden bedeuten, dass ich mir die Chance des Scheiterns eingestehe. Und das wird nicht passieren!
 

Benutzer146682 

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Ich habe nicht all das durch, was du gerade durchmachst, aber ich habe mich auch lange genug innerlich selbst abgelehnt, klein und schlecht gemacht. Anfangs ist es immer so, dass man hochmotiviert ist und dabei über das Ziel teilweise auch hinaus schießt. Es werde Rückschläge kommen, auf die solltest du auch gefasst sein. Aber: Du kannst sie bewältigen, indem du dir eine andere Einstellung zu dir selbst erarbeitest.

Du bist gut so, wie du bist. Immer wenn du geneigt bist, einen negativen Satz zu formulieren, ob laut ausgesprochen oder in Gedanken, halte inne und schau, wie du statt dessen einen positiven Satz daraus machen kannst. Wenn du glaubst, dass du einen unverzeihlichen Fehler begangen hast, lenk dich erst mal ab statt dich endlos damit zu beschäftigen. Mach etwas anderes und warte, bis du wieder klarer siehst. Schau dir die Situation dann noch mal an und beachte alles, das was gut war und das was nicht so gut war. Es ist nie alles schlecht.


Schau auch, wenn das bei euch Thema ist, ob deine Frau und du eine Kommunikationsebene findet, die positiv ist. Beispiel aus meiner Lebensgeschichte:

Meine Mutter neigt zu Absoluten, mich regt das teilweise gewaltig auf. Da stand man mal gemeinsam in der Küche, ich hab ihr beim Kochen geholfen und mache dann natürlich mein eigenes Ding daraus, statt Anweisungen entgegen zu nehmen - das war auch nie ein Problem. Es wird erst da eins, wo es darum geht, wieder Ordnung zu schaffen, ich bin nämlich auch eher chaotisch veranlagt und übersehe daher gerne mal etwas, das sie mit ihrem feineren Ordnungssinn dann stört.
In der Situation hatte ich schon so einiges wieder weggeräumt, ein oder zwei Teile lagen aber noch auf der Arbeitsfläche, das hatte ich zugegebenermaßen verschusselt. Sie bemerkte es und meckerte gleich los "Du lässt immer alles liegen!"
Man kann es ja auch anders sagen: "Dies und das liegt noch da, hast du sicher übersehen. Bist du so lieb und räumst es noch weg?" Das wäre für beide Seiten weitaus angenehmer.


Mach dir klar, dass die Arbeit, die vor euch liegt, nicht nur deine Arbeit ist. Du hast einen richtigen und wichtigen Schritt getan, du möchtest etwas verändern. Deine Frau ist aber genauso gefragt, Eure Ehe und damit auch dein Befinden darin ist ein Gemeinschaftsprodukt. Daran hast du natürlich Anteil, aber auch sie, eure Kinder und andere Menschen, die dir nahestehen und die Einfluss auf dich oder euch haben könnten.

Ich drück euch die Daumen. Du hast die Kraft die du brauchst definitiv in dir, um wieder glücklich und zufrieden zu sein. Alles andere liegt nicht nur in deiner Hand, wenn es gelingen soll muss jeder seinen Teil dazu beitragen.:knuddel:
 

Benutzer138543  (26)

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Ich will dieses Chaos nicht mehr, ich will diese Depressionen nicht mehr. Ich will nicht mehr diese Gedanken nicht mehr, dass die Welt ohne mich besser dran ist. Ich will nicht mehr nachts heulen, weil ich nicht schlafen kann und ich will mir nicht mein ganzes Leben lang mehr Vorwürfe machen, was ich für ein schlechter Mensch bin. Ich will nicht mein Leben lang der "Kranke" sein.

ICH.WILL.DAS.NICHT.MEHR.

Ich will Glück, Antrieb, Feuer, Liebe, Familie.

Ich auch nicht...:frown: Geht mir genauso.
Ich wünsche dir alles Gute! Du kannst stolz auf dich sein, den Schritt zum Psychiater gewagt zu haben.
 

Benutzer19708  (41)

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Nochmal ein Update
(ich missbrauche diesen Thread auch mal um das alles für mich schriftlich aufzuarbeiten, dabei kommen doch mehr Gedanken und Eingebungen, als in Gesprächen oder dem Grübeln)

Gestern abend hatten wir ein langes Gespräch, aber tatsächlich nicht über unsere Situation, nicht über uns. Es ging um ihre Arbeit, was da los ist, wo Umbruch stattfindet. Dann kamen wir darauf, dass ich ihr gesagt habe, wie bewundernswert ich finde, dass sie all das (Kinder, Haus, Familie, Haushalt, berufsbegleitendes Studium) so mit links schafft. Wie sie in ihrer neuen Leiterposition aufgeht und wie gut sie offensichtlich für das Betriebsklima an dem Standort ist. Das hat sich seit ihrem Stellenwechsel massiv dort verbessert u.a. weil sie auch so eine ruhige Art hat, die vorherige Chefin wurde dann auch lauter und genervter, das spiegelte sich auf das Team wider usw.
Wie sie sich positiv verändert hat (nach den Kindern hat sie jetzt wieder mit Sport angefangen und sie sieht besser aus als je zuvor), wie sie selbstbewusster geworden ist, einerseits die neue tolle Arbeit, andererseits das mehr zufrieden mit sich und seinem Körper. Es war wirklich ein schönes Gespräch, das viel zu lange gedauert hat (in Hinsicht auf den Restschlaf, der uhrzeitbedingt dann noch drin war).
Es ging eben mal nicht um uns, um Zukunft, um Chancen, Veränderungen... das ist alles auf dem Tisch und wartet auf Bearbeitung. Aber die muss auch mal für einkehrende Ruhe in den Gefühlen zurückstecken.

An anderer Front (ich deutete es oben an) ist eine zeitweise Ruhe drin, die ich m.M.n. nutzen sollte um ihr zu zeigen, dass "wir" es wert sind.

Ich habe mich gestern abend meiner besten Freundin anvertraut. Sie war... ja, überrascht wäre gelinde gesagt eine Untertreibung. Sie hat mich ja nie so kennengelernt, hat mich nie so eingeschätzt. Ich hab nie irgendwas vermuten lassen, dass ich solch eine Last auf meiner Seele trage. Sie hat mich ermuntert, dass es gut ist, alles rauszulassen, darüber zu reden. Und sie hat mir (nachdem sie auch um eine Nacht drüber schlafen gebeten hat, es ist ja doch eine ganze Menge schweres Zeug gewesen) Anreize gegeben, wie sie meint dieses "um uns kämpfen" zu führen, ohne dabei den angeordneten Abstand zu ignorieren.

Jetzt habe ich mal eine Frage an euch, was ihr davon haltet:
Meine Frau fährt Freitag für eine Tagung für Arbeit weg und kommt Samstag frühen Nachmittag wieder.
Ich würde die Kinder Samstag vormittag zu Oma und Opa bringen und ein Hotel buchen, in ungefährer Nähe (ich glaub man fährt ne halbe Stunde).
Wenn meine Frau nach Hause kommt, führe ich sie mit Pfeilen auf dem Boden ins Wohnzimmer, mit einem Brief unserer Kinder "Liebe Mama, wir sind auf dem reiterhof (Foto von Opa auf allen vieren). Solang der Gaul läuft, brauchst du uns nicht abzuholen....."
Dazu eine bebilderte Anleitung, wie sie im Navi im Auto ein gespeichertes Ziel "Überraschung" auswählt.

Das führt sie dann zum Hotel, wo ich schon bin und sie (mit allen Sachen natürlich) erwarte.

Dann ein Rahmenprogramm - also kein auf dem Zimmer hocken und Gespräche suchen - raus, unter Leute. Eine Massage für 2... sowas. Abends essen gehen. Dabei (das wird schwer für mich) keine Gespräche in die Richtung unserer Situation, sondern einfach nur einen schönen entspannenden Tag erleben.

Denkt ihr das ist eine gute Idee? Mir ist klar, dass da unterschwellig die Botschaft "so wäre es, wenn wir wieder ein richtiges Paar wären" mitschwebt, das ist auch irgendwo gewollt. Ich will ja um sie kämpfen, in den MItteln, die mir unter den Vorraussetzungen eben gegeben sind.

Ich bin auch für andere Ideen offen.

Vielen Dank schonmal
 
N

Benutzer

Gast
Denkt ihr das ist eine gute Idee? Mir ist klar, dass da unterschwellig die Botschaft "so wäre es, wenn wir wieder ein richtiges Paar wären" mitschwebt, das ist auch irgendwo gewollt. Ich will ja um sie kämpfen, in den MItteln, die mir unter den Vorraussetzungen eben gegeben sind.

Glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.
Wenn sie von der Tagung zurück kommt hat sie vielleicht anderes im Sinn, als sich überraschen zu lassen und auf eine unverhoffte Situation einzustellen - sondern will einfach nur die Füße hochlegen.
Dann fühlt sie sich vielleicht unter Druck und du dich enttäuscht.

Schlag ihr sowas doch einfach so mal vor, für egal welchen Zeitpunkt?
 

Benutzer19708  (41)

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Hallo @NovemberMoewe

danke für deine Meinung, das Problem ist ja, dass sie gemeinsame Aktivitäten nicht so richtig zulässt gerade, bzw. diesen Vorschlägen ausweicht nach dem Motto "schauen wir mal wie sich das entwickelt".

Ich denke, Zeit lassen und Abstand natürlich, aber was wenn der Abstand uns jetzt genau so weit voneinander entfernt, dass es nicht mehr reicht? Wenn das an der Kippe steht?

Außerdem entspannen wär eh nicht drin, die Kinder wären ja da :grin:

EDIT: Würde ich mir dann vielleicht irgendwann vorwerfen, nicht genug versucht zu haben? letztlich versuche ich primär Entspannung zu schaffen. Die o.g. unterschwellige Botschaft ist mir bewusst, aber die lässt sich ja nie wirklich ausblenden, die ist ja irgendwo bei jedem "schönen" Moment auch dabei.
 
Zuletzt bearbeitet:
N

Benutzer

Gast
danke für deine Meinung, das Problem ist ja, dass sie gemeinsame Aktivitäten nicht so richtig zulässt gerade, bzw. diesen Vorschlägen ausweicht nach dem Motto "schauen wir mal wie sich das entwickelt".

Naja. Und du meinst, diese Abwehrhaltung wird besser, wenn du sie damit nach ihrer Tagung einfach mal so überrumpelst?

Ich meine.. du kannst ja die Kinder zu den Großeltern bringen.. für ein leckeres Essen sorgen und für eine entspannte Atmosphäre.. und einfach nur ungestörte Zeit zu zweit an diesem Wochenende mit ihr verbringen ... ohne dafür gleich ein ganzes Event zu planen und sie damit zu überfallen?
 

Benutzer19708  (41)

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Ich glaube ihr habt recht, das ist vielleicht doch zu doll.

Problematisch an mir sehe ich gerade, dass dieser "Schwebezustand" unserer Ehe mich seelisch kaputt macht gerade. Ich merke richtig, dass die kleinste unbedeutende Kleinigkeit, irgendein Wort, irgendeine belanglose Geste meine gesamte innere Stimmung kippt, ich mich sofort wieder als das schlechte betrachte und - wenn sie es bemerkt und wir in Diskussionen verfallen - mich in meinem katastrophal schlechtem Selbstbildnis bestätigt.
Ich habe momentan gefühlsmäßig Talfahrt von himmelhoch jauchzend nach zu Tode betrübt in Abständen von wenigen Minuten. Das macht mich gerade echt fertig.

Und ich merke, dass ich innerlich so unter Druck stehe, denn ich erhoffe und fürchte den Moment, der ja kommen muss. Der Moment wo sie sagt "Ich habe eine Entscheidung getroffen und zwar..."

Ich glaube schon dass ich alles in allem in den letzten Wochen einen neuen Weg, einen guten Weg eingeschlagen habe. Ich glaube mir selbst auch immer noch wenn ich mir selbst sage, ich schaffe das. Daran hat sich noch nichts geändert, Gott sei Dank.
Aber heute abend fühle ich seit ich diesen neuen Weg eingeschlagen habe wieder diese Krankheit in mir. Diesmal bemerke ich sie sogar und erkenne das falsche, aber sie frisst mich trotzdem so in sich auf, dass ich auch in Momenten in denen mir klar ist, was passiert, ich dem nicht entkommen kann.
Heute abend lief der Gedanke wieder, dass es vielleicht doch der bessere Weg ist Schluss zu machen mit diesem Trauerspiel.
Und der Drang mich zu schneiden um mal für ein paar Minuten Ruhe vor diesem inneren Loch zu haben, ist gigantisch.

Aber ich will das nicht, ich schaffe das, ich hin stärker als das.

Das klingt bestimmt ganz wirr, aber genauso fühle ich mich gerade.

Und an Schlaf ist nicht zu denken.

Mal was positives doch noch, mein Vorgesetzten geht total souverän mit dem Wissen um mich um. Er schaufelt mich frei, Lässt mir Luft, erarbeitet Lösungen wie ich mit Arbeitsbelastungen umgehen kann und trotzdem kein Leistungseinbruch entsteht. Dafür bin ich sehr dankbar.
 
Zuletzt bearbeitet:
N

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Gast
He.
Ich find das toll, dass du an deiner Beziehung festhalten willst. Und dass du trotz aller Probleme versuchst, da etwas Positives reinzutragen. Das ist vielleicht etwas untergegangen :zwinker:

Und das finde ich auch toll:
Ich glaube schon dass ich alles in allem in den letzten Wochen einen neuen Weg, einen guten Weg eingeschlagen habe. Ich glaube mir selbst auch immer noch wenn ich mir selbst sage, ich schaffe das. Daran hat sich noch nichts geändert, Gott sei Dank.
:anbeten:

Ich merke richtig, dass die kleinste unbedeutende Kleinigkeit, irgendein Wort, irgendeine belanglose Geste meine gesamte innere Stimmung kippt, ich mich sofort wieder als das schlechte betrachte und - wenn sie es bemerkt und wir in Diskussionen verfallen - mich in meinem katastrophal schlechtem Selbstbildnis bestätigt.

Hast du da vielleicht was, was du dem entgegen setzen kannst? Irgendwas positives? Vielleicht findest du ja was, damit dich das nicht so runterbringen kann.

Und ich merke, dass ich innerlich so unter Druck stehe, denn ich erhoffe und fürchte den Moment, der ja kommen muss. Der Moment wo sie sagt "Ich habe eine Entscheidung getroffen und zwar..."

Und wohin gehst du mit dem Druck?

Ich habe momentan gefühlsmäßig Talfahrt von himmelhoch jauchzend nach zu Tode betrübt in Abständen von wenigen Minuten. Das macht mich gerade echt fertig.

:knuddel:

Aber heute abend fühle ich seit ich diesen neuen Weg eingeschlagen habe wieder diese Krankheit in mir. Diesmal bemerke ich sie sogar und erkenne das falsche, aber sie frisst mich trotzdem so in sich auf, dass ich auch in Momenten in denen mir klar ist, was passiert, ich dem nicht entkommen kann.

:knuddel:

Lass dich nicht fressen!

Und: Du hast einen tollen Vorgesetzten. Und der wäre bestimmt nicht so toll, wenn du so schlecht und unausstehlich wärst :zwinker:
 

Benutzer19708  (41)

Verbringt hier viel Zeit
Danke das du zu dieser Stunde noch antwortest

Wohin mit dem Druck... Nirgendwo hin. Ich schlucke ihn einfach weiter runter,ich habe kein Ventil. Ich habe auch Angst, dies irgendwann wieder gegen mich selbst zu richten.

Und etwas positives? An mir? Ja, es gibt schon das eine oder andere, aber ehrlich gesagt empfinde ich das gegensetzen, das du meinst, als wollte ich mit einem Klappspaten einen Tsumami wegwedeln.
 
N

Benutzer

Gast
Und etwas positives? An mir? Ja, es gibt schon das eine oder andere, aber ehrlich gesagt empfinde ich das gegensetzen, das du meinst, als wollte ich mit einem Klappspaten einen Tsumami wegwedeln

Ne. Nur eine belanglose Geste deiner Frau :zwinker:

Wohin mit dem Druck... Nirgendwo hin. Ich schlucke ihn einfach weiter runter,ich habe kein Ventil. Ich habe auch Angst, dies irgendwann wieder gegen mich selbst zu richten.

Was hast du früher mit Druck gemacht? Immer nur geschluckt und geschluckt? Nie irgendwo abgelassen? Außer gegen dich selbst?

Das kann nicht funktionieren.

Vielleicht fällt dir ein Ventil ein? Das muss ja nicht gleich den ganzen Druck auf einen Schlag mitnehmen, aber so ein bisschen, dann und wann?
 

Benutzer19708  (41)

Verbringt hier viel Zeit
Ne. Nur eine belanglose Geste deiner Frau :zwinker:
Ich empfinde das schon komplexer. Gestern abend fühlte es sich an, als würde sich so was wie ein "dunkler Schleier" über mein Denken legen. Ich fühlte mich dann ungerecht behandelt (ohne wirklichen Grund), war aggressiv... Das lichtete sich dann wieder, aber der Schaden war da.
Es fühlt sich an, als wollte irgendein Teil von mir Streit provozieren, damit ich nicht glücklich werden soll.

Und der Drang mich zu schneiden um mal für ein paar Minuten Ruhe vor diesem inneren Loch zu haben, ist aktuell einfach nur gigantisch.
Aber ich will das nicht, ich schaffe das, ich hin stärker als das.

Was hast du früher mit Druck gemacht? Immer nur geschluckt und geschluckt? Nie irgendwo abgelassen? Außer gegen dich selbst?

Das kann nicht funktionieren.

Rational betrachtet: das weiß ich. Ich fühle mich dem trotzdem alternativlos und dem ganzen hilflos ausgeliefert.

Vielleicht fällt dir ein Ventil ein? Das muss ja nicht gleich den ganzen Druck auf einen Schlag mitnehmen, aber so ein bisschen, dann und wann?

Ein solches Ventil suche ich schon sehr lange. Bis jetzt habe ich noch nichts gefunden, was annähernd so gut funktioniert wie mich selbst zu schneiden.

Ich danke übrigens allen lesenden, bewertenden und vor allem antwortenden Usern, das bedeuted mir sehr viel. Vielen Dank
 
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