Schule Großer Unterschied im beruflichen Erfolg

Benutzer147042 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo zusammen,

mir geht momentan sehr vieles durch den Kopf, das mich belastet. Insbesondere hat es mit meiner beruflichen Situation zu tun. Ich, m27, versuche schon seit einiger Zeit, den richtigen Beruf für mich zu finden. Habe schon zwei abgebrochene Studien hinter mir, die Gründe für den Abbruch sind verschieden, haben aber auch damit zu tun, dass ich mir nicht so richtig vorstellen konnte, was ich später machen will. Ich wollte auf jeden Fall vermeiden, in einen Beruf zu kommen, der mir keinen Spaß macht, mich langweilt und mich nicht erfüllt, weil ich schon damals wusste, dass mich das krank machen würde.

Vor drei Jahren habe ich dann eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung angefangen, die ich diesen Sommer erfolgreich abgeschlossen habe. Ich war mir schon die ganze Zeit nicht sicher, ob das wirklich das richtige ist, wollte aber endlich mal was durchziehen, um mir zu beweisen, dass ich es kann und auch weil es ziemlich blöd auf dem Lebenslauf aussieht, wenn man ständig etwas abbricht. Nach zwei abgebrochenen Studienfächern kann man das sicherlich verstehen.

Nun bin ich in diesem Beruf, wurde von meinem Betrieb übernommen und bin damit tot unglücklich. Ich bin erstens nicht besonders talentiert in meinem Beruf und habe den Eindruck, dass ich nach der ganzen Ausbildung noch nicht sonderlich viel kann. Viel schlimmer ist aber, dass mir der Beruf keinen Spaß macht und mich langweilt. Ja teilweise hasse ich ihn sogar. Es ist mittlerweile so schlimm, dass mich mein Hausarzt aufgrund einer "depressiven Episode" krank geschrieben hat und mich an einen Psychotherapeuten überwiesen hat. Schon so eine Art Früherscheinung von Burn-Out vielleicht. Hatte in den letzten Tagen auch mehrere Nervenzusammenbrüche.
Ich bin eigentlich ein sehr vielseitig interessierter Mensch und würde mich auch als recht intelligent und gebildet bezeichnen. Genau deshalb passt mir dieser Beruf glaube ich nicht. Viel zu eintönig und viel zu technisch. Ich bin darin schlecht, weil ich mich nicht richtig für meinen Beruf interessiere. Gleichzeitig fühle ich mich geistig unterfordert. Ein absolutes Desaster.

Meine Freundin hingegen, mit der ich seit einigen Monaten zusammen bin, aber auch schon seit 2 Jahren kenne, macht gerade ihren Master und ist mit ihrer Wahl total glücklich, bzw. geht darin total auf. Sie ist schon auch ein bisschen karrieremäßig drauf. Ich bin zwar auf der einen Seite auch irgendwie neidisch, dass bei ihr alles irgendwie so gut zu klappen scheint und sie es irgendwie auf die Reihe kriegt, aber darum geht es mir nicht.

Ich mache mir nur Gedanken darüber, dass die Diskrepanz was unseren beruflichen Werdegang angeht schon enorm ist. Sie ist auch immerhin schon 28 und ich denke mir, dass ich ihr ja irgendwie auch was bieten muss, sollten wir längere Zeit zusammen sein. Jetzt sieht sie darüber hinweg und unterstützt mich auch total, wofür ich ihr echt dankbar bin, aber irgendwann könnte sie ja die Schnauze davon voll haben, dass ich beruflich einfach nichts auf die Reihe kriege. Ich kann ja nicht in 5 Jahren der berufsunfähige, psychisch fertige, Typ sein, der auf der Couch rumhockt! Das will ich auch nicht! Das würde mich nur noch mehr deprimieren! Ich will was machen aus meinem Leben! Nur mich plagt momentan die Angst, dass ich nie das richtige finden kann, weil es für mich einfach nichts passendes gibt. Ein Beruf der mich psychisch kaputt macht, kann auf jeden Fall nicht das richtige sein. Ich versuche alles, um das zu finden was zu mir passt, in dem ich meine Talente entfalten kann und womit ich glücklich werde. Habe schon überlegt, zu einem privaten Berufsberater zu gehen, auch wenn ich mir das eigentlich gar nicht leisten kann.

Aber in meinem derzeitigen psychischen Zustand weiß ich kaum mehr, was mir überhaupt noch Spaß macht. Durch die viele Arbeit habe ich auch viele Hobbies aufgeben müssen und versuche in dem bisschen Freizeit, das ich habe, nur einen Ausgleich zur Arbeit zu finden, indem ich Sport mache und mich mit Freunden treffe (und natürlich meiner Freundin). Ich war früher z. B. musikalisch aktiv und habe in einer Band gespielt, was ich aber mittlerweile aufgeben musste.

Das belastet mich momentan irgendwie ungemein. Beruflich ein totaler Versager zu sein ist schon ne harte Nummer und geht auch ans Selbstbewusstsein :/
 

Benutzer133456  (49)

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Vorsicht, schuette nicht das Kind mit dem Bade aus. Es ist eines, seinen Job nicht zu moegen, und was anderes, den Beruf nicht zu moegen. Und gerade am Anfang verwechselt man das eine leicht mit dem anderen. Dein Berufsalltag koennte woanders moeglicherweise fantastisch sein. Ich habe auch meine Karriere mit 28 hingeschmissen, nur um dann drei Jahre spaeter freudvoll und kopfschuettelnd wieder einzusteigen, als ich bemerkte, dass eine andere Firma und ein anderes Aufgabenfeld die Erfahrung komplett veraendert. Mein Tip: Finde einen anderen Job im selben Beruf, und werde Dir darueber klar, in welcher Ecke dieses Berufs Du Dich wohl fuehlst. Ich z.B. fuehle mich am Projektende meines Jobs wohler als am Management-Ende. Sowas gibt's bestimmt auch bei Dir.
 

Benutzer6428 

Doctor How
Tahini Tahini hat da was sehr wichtiges angesprochen.

Zunächst aber mal eine Grundbegrifflichkeit: "Burn-Out" ist ein Euphemismus für "Depression". Es ist nichts anderes.
Ich rate dir, dass du dich an dieser Stelle etwas mit dem Thema Depression auseinandersetzt, um zu verstehen, worauf du zu schlitterst. Eine "depressive Episode" ist dabei noch keine "Depression" und letztere würde ich dir auf keinen Fall unterstellen!

Nun ist es so, dass einen eine Depression, aber auch eine depressive Episode, schlichtweg das Licht vor den Augen nicht sehen lässt. Man sieht einfach nicht mehr die Realität, sondern eine Dunkelheit, die nicht da ist. Das heißt übersetzt: Dein Job muss nichtmal schlimm sein...vielleicht ist er einfach nur etwas öde...

Tahini hat das mit dem Job schon sehr gut beschrieben. Darüber hinaus ist es aber sogar möglich sich seinen Job selbst so zu verändern, dass er passt. Fehlen einem z.B. bestimmte Elemente, dann kann man schauen ob man die in Gesprächen mit dazu bekommen. Hier sind kleinere und mittelständische Unternehmen oft ein guter Ansatzpunkt.

Nehmen wir z.B. mich. Ich bin Software-Ingenieur. Mittlerweile habe ich schon ein paar Jobs durch, bei unterschiedlich großen Unternehmen. Die sog. "Wechselmotivation" war jedes Mal sehr unterschiedlich. Aktuell bin ich in einer Traumsituation, in der ich viel viel selbst machen muss bzw. darf. Viel an Planung und Gestaltung, aber auch unheimlich viel Projektmanagement, Architektur und Kommunikation mit vielen Schnittstellen. Bin ich noch ein SW Entwickler? Ja...aber der Job ist ganz ganz anders, als der vorher..oder der davor..usw.

Real gesehen ist es unwahrscheinlich, dass du immer und jeden Tag begeistert von deinem Job sein wirst. Das ist aber nicht schlimm. Man ist mal genervt, gelangweilt oder völlig angepisst. Das ist normal. So lange man aber seinen Platz hat und damit zufrieden ist, wird es laufen.

Vielleicht ist es an der Zeit mal drüber nachzudenken, was dein Job alles an positiven Komponenten hat und ob man direkt daran was ändern kann oder doch nochmal wechseln sollte. Ich finde übrigens auch, dass der wechsel deines Studiums nicht unbedingt eine Berufswahl beeinflusst hätte, egal welches du zuende gemacht hättest. Darum geht's häufig gar nicht. :zwinker:
 

Benutzer147042 

Sorgt für Gesprächsstoff
Ja, mir ist bewusst, dass man mit einer "depressiven Episode" alle Dinge viel schlechter sieht, als sie wirklich sind. Objektiv betrachtet müsste es mir ja gar nicht schlecht gehen. Aber ich war ja schon die ganze Zeit nicht so recht zufrieden mit meiner Ausbildung, auch als es mir noch gut ging. Ich sehne mich eigentlich total zurück an das wissenschaftliche Arbeiten an der Uni. Die Arbeit in der freien Wirtschaft ist irgendwie nichts für mich. Das liegt auch einfach nicht in meiner Familie. Unter meinen Verwandten gibt es nur Lehrer, Doktoren und Professoren. Und wenn ich mal in mich rein horche, was ich eigentlich machen will, dann ist es - abstrakt gesagt - etwas interessantes, abwechslungsreiches, kreatives, spannendes, wo es ständig etwas neues zu entdecken gibt. Wo man Dinge erforschen kann und gleichzeitig seinen kreativen Geist ausleben kann.

Und das gibt mir glaube ich kein Ausbildungsberuf der Welt. Ich sehne mich richtig zurück an die Uni. Meine Arbeit ist einfach so unglaublich gähnend langweilig, ich könnt aus dem Fenster springen. Es ist auch einfach alles so sinnlos. Und ich habe den Eindruck, dass ich für meinen Beruf auch einfach kein Talent habe. Andererseits gehen denke ich viele Talente die ich habe verloren.

Ich bin ein neugieriger, forschender Geist und da ist so ein schnöder Bürojob das seelische Todesurteil. Ich werde mir vielleicht vorübergehend woanders eine Teilzeitstelle in meiner Branche suchen, bis ich mir was besseres überlegt habe, aber selbst das ist schwierig, weil ich in meinem Beruf eben nicht besonders viel kann.

Momentan träume ich eigentlich davon, in der Wissenschaft tätig zu sein in einem spannenden Gebiet. Ob ich da mit beinahe 28 noch irgendwie hinkommen kann?
 

Benutzer6428 

Doctor How
Du weißt aber nach wie vor nicht, was du genau willst...Es gibt halt nicht das Studienfach "irgendwas wissenschaftliches".

Auch als SW Entwickler kann man kreativ sein..sogar sehr. So lange man nicht in einer riesigen Firma ist, in der der Codestyle festgelegt ist, hast du viele Freiheiten. Wenn du Hardware mit machst, dann sind die kreativen Möglichkeiten SEHR groß.
Ob du SW für Windows Apps machst, für Großrecher, für Mikrocontrollern in Autos oder Waschmaschinen ist ein sehr SEHR großer Unterschied.

Du kannst natürlich zurück gehen und ein Studium durchziehen und eine Professur anstreben..die Frage ist, ob dich das wirklich ausfüllt am Ende. Du könntest ja erstmal in deiner Freizeit EIN Projekt starten..in irgendeine Richtung. Irgendwas selbst auf die Beine stellen und online forschen. Irgendwas bauen... Du musst das nichtmal zuende machen. Es geht lediglich darum herauszufinden, ob eine bestimmte Richtung die Richtige ist.
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Momentan träume ich eigentlich davon, in der Wissenschaft tätig zu sein in einem spannenden Gebiet. Ob ich da mit beinahe 28 noch irgendwie hinkommen kann?

Das will auf jeden Fall sehr gut überlegt sein. Wenn du das tun willst, brauchst du einen guten Plan, denn du kannst es dir nicht leisten, dass du einfach mal so was vor dich hinstudierst. Außerdem, du hast schon 2 Studien abgebrochen. Wieso damals? Und wieso sollte es jetzt anders sein und dir besser gefallen? Zusätzlich würde ich das auch abhängig davon machen, in welchem Gebiet du tätig sein willst. Je nach Fachbereich sind die Zukunftschancen an der Uni sehr mau, kaum Stellen, kaum Absicherung, etc. Ich würde mich also wirklich sehr gut erkundigen, wie's in dem Bereich aussieht, der dich interessiert. Ich will dir jetzt nicht per se davon abraten, aber ich halte es tatsächlich für sehr schwierig, in die Wissenschaft reinzukommen. Du musst schon ausgesprochen ehrgeizig, diszipliniert und fokussiert sein.
 

Benutzer155480 

Sehr bekannt hier
Trenne Dich bitte von der Vorstellung, dass Du Deiner Freundin "etwas bieten musst". Offenbar ist sie nämlich zufrieden mit Dir. Diese alteingesessene Vorstellung davon, daß der Mann vorsorgen / Verantwortung tragen / die Frau aushalten muss ist in meinen Augen ein Anachronismus, der viele im Beruf unglückliche Männer unter Stress setzt.

Mein Ehemann ist depressionskrank. Er hat hie und da Jobs, ist aber entweder in der Klinik oder mit Krankengeld daheim. Ich habe einen sehr guten Job und verdiene, selbst wenn er in seinem Beruf arbeitet, vierstellig mehr als er.

Dann bezahle ich eben die meisten Dinge. :smile: Ist doch vollkommen okay. Ich will keinen Mann, der mir was bietet, sondern einen, mit dem ich eine gute Beziehung abseits veralteter Vorstellungen führen kann, in der wir beide versuchen können, glücklich zu sein und in der der Eine für den anderen sorgt, wenn es gerade nicht gut läuft.

Und vielleicht ist Deine Freundin ja genau dieser Meinung. Dass Du Dir die Zeit nehmen darfst, Dich selbst zu verwirklichen und sie dann eben für einige Zeit die Lasten stemmt, bis es Dir wieder besser geht.

Alles Gute.
 

Benutzer15049  (35)

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Mein Ex ist Anwendungsentwickler und er hat den ganzen Kram schon gelernt, als er seinen ersten Computer zu Hause hatten. Ich verstehe also total, dass du das Gefühl hast in der Ausbildung nichts gelernt zu haben, denn das muss man schon wirklich lieben, um gut darin zu sein.
Also: finde heraus was du machen willst und mach es. Es ist toll, dass du etwas abgeschlossen hast, aber du wirst wohl tatsächlich nie so gut sein wie die Menschen, die sowas mit Leidenschaft machen.
Hauptsache ist, dass du dich nicht in Selbstmitleid ertränkst. Es ist auch wirklich nicht wichtig, dass du sonstwieviel verdienst später, dieHauptsache ist es macht dir Spaß und du kannst davon leben.
 

Benutzer123446 

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Und wenn ich mal in mich rein horche, was ich eigentlich machen will, dann ist es - abstrakt gesagt - etwas interessantes, abwechslungsreiches, kreatives, spannendes, wo es ständig etwas neues zu entdecken gibt. Wo man Dinge erforschen kann und gleichzeitig seinen kreativen Geist ausleben kann.
Das ist ja schon mal was.
Ich würde das mit der Wissenschaft an deiner Stelle leider abhaken, weil ich schlichtweg niemanden kenne, der dort mit diesen Wünschen glücklich wurde - allerdings einige, die mit diesen Wünschen dort eingestiegen sind...

Für mich ist auch das erste Thema, deine Depression zu behandeln. Und dann könntest du weitergucken. Kannst du es dir leisten, Stunden zu reduzieren und Teilzeit zu arbeiten? Dann könntest du in der restlichen Zeit dir nämlich überlegen, was du vorhast, vielleicht nebenher eine Weiterbildung zu machen oder ein eigenes Unternehmen aufzubauen.
Es gibt IMMER MÖglichkeiten, aber dazu ist es erstmal notwendig, aus der Depressionshölle rauszukommen.
 

Benutzer29008 

Verbringt hier viel Zeit
Hm, für mich passt da vieles nicht wirklich zusammen. Ein Bürojob ist immer schnöde? Deine Talente gehen verloren? Du sehnst dich zurück an die Uni, hast aber schon zweimal alles hingeschmissen?
Scheint mir eine Vermischung aus Selbstüberschätzung und nicht Wissen was man will zu sein. Du kannst ja trotz deiner gemachten Erfahrungen nicht konkret sagen, was ein Job dir bieten soll.
Spontan habe ich bei dir an Chemie gedacht. Arbeit im Forschungslabor o.ä. müsste doch genau dein Ding sein.
Bei mir war es übrigens genau umgekehrt. Ich habe die Uni gehasst und war froh die irgendwie durchbekommen zu haben (mit ner guten Abschlußnote).War mir alles viel zu starr, fühlte mich eingeengt. Jetzt im Job kann ich meinen Interessen nachgehen und kann den Job in einem gewissen Rahmen nach meinen Vorstellungen ausprägen.
 

Benutzer133456  (49)

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Ja, mir ist bewusst, dass man mit einer "depressiven Episode" alle Dinge viel schlechter sieht, als sie wirklich sind. Objektiv betrachtet müsste es mir ja gar nicht schlecht gehen. Aber ich war ja schon die ganze Zeit nicht so recht zufrieden mit meiner Ausbildung, auch als es mir noch gut ging. Ich sehne mich eigentlich total zurück an das wissenschaftliche Arbeiten an der Uni. Die Arbeit in der freien Wirtschaft ist irgendwie nichts für mich. Das liegt auch einfach nicht in meiner Familie. Unter meinen Verwandten gibt es nur Lehrer, Doktoren und Professoren. Und wenn ich mal in mich rein horche, was ich eigentlich machen will, dann ist es - abstrakt gesagt - etwas interessantes, abwechslungsreiches, kreatives, spannendes, wo es ständig etwas neues zu entdecken gibt. Wo man Dinge erforschen kann und gleichzeitig seinen kreativen Geist ausleben kann.

Und das gibt mir glaube ich kein Ausbildungsberuf der Welt. Ich sehne mich richtig zurück an die Uni. Meine Arbeit ist einfach so unglaublich gähnend langweilig, ich könnt aus dem Fenster springen. Es ist auch einfach alles so sinnlos. Und ich habe den Eindruck, dass ich für meinen Beruf auch einfach kein Talent habe. Andererseits gehen denke ich viele Talente die ich habe verloren.

Ich bin ein neugieriger, forschender Geist und da ist so ein schnöder Bürojob das seelische Todesurteil. Ich werde mir vielleicht vorübergehend woanders eine Teilzeitstelle in meiner Branche suchen, bis ich mir was besseres überlegt habe, aber selbst das ist schwierig, weil ich in meinem Beruf eben nicht besonders viel kann.

Momentan träume ich eigentlich davon, in der Wissenschaft tätig zu sein in einem spannenden Gebiet. Ob ich da mit beinahe 28 noch irgendwie hinkommen kann?
Ich kann mich an dieser Stelle wohl nochmal hilfreich zu wort melden. Mein Job ist einer der kreativsten, die es gibt - ich bin Industriedesigner, und obendrein Dozent in diesem Fach. Ich habe also theoretisch geradezu irrsinnigen Schaffensfreiraum. Ich konstruiere Verkleidungen fuer Klimaanlagen, Karosserien fuer elektrische Motorroller, man bags, Skistiefel... und meine Studenten wueten mit Klebeband und Modellierschaum und kreieren wildes Zeug fuer die Zukunft. So sieht das von aussen aus. Aber jeder Job ist einfach nur ein Job; mit Papierkram, Befehlshierarchie (die von guten, boesen, oder affigen Menschen besetzt ist), und allem, was noetig ist, um sich daran genau so kaputtzumachen, als sei man Akkordarbeiter. Auch das habe ich schon am eigenen Leib erfahren. Das Gift, das Dich gerade langsam toetet, ist nicht der Job, sondern Deine Erwartungshaltung an Jobs generell, wuerde ich sagen. Job bedeutet, man bezahlt jemanden, etwas Unangenehmes zu machen, das spezielles Wissen erfordert. Alles andere waere ja Urlaub. Und da koennten die beiden Problempunkte bei Dir sitzen:
  1. Du brauchst vielleicht einfach wirklich mal richtig Urlaub;
  2. Du musst die Idee loswerden, es gaebe Jobs, von denen man erholt heimgeht. Es geht darum, effizient zu agieren, und so wenig von sich selbst wie moeglich zu verbraten.
Ich wuenschte, unsere Gesellschaft wuerde anders funktionieren. Aber bis jemand eine Idee hat, wie man das machen koennte, stecken wir erstmal mit diesem System fest.
 

Benutzer85989 

Meistens hier zu finden
Was hast du eigentlich vorher studiert? Und welcher Studiengang bzw. welches Fachbereich schwebt dir so vor?
Es kann gut möglich sein, dass du jetzt mit einem 3 Jährigen Abstand zur Uni eine andere Motivation aufgebaut hast und es kann genau so gut möglich sein, dass du jetzt am besten Bescheid weißt, was du willst. Das wäre ein Punkt, den ich nicht unbedingt negativ auslegen würde. Aber es macht trotzdem den Eindruck, dass du immer noch keine konkreten Vorstellung hast, was du studieren willst (sonst hättest du es ja wenigstens erwähnt…) sondern dass es dir nur um das Wissenschaftliche Arbeiten geht.

Sofern du weißt, für was du dich interessierst, gibt es ja vielleicht die Möglichkeit neben dem Beruf zu studieren. Aber Achtung: du musst für dich überlegen, ob du in der Lage bist, beide Dinge unter einem Hut zu bringen oder ob es dich körperlich und geistig zu sehr überfordert. Überlege für dich, welche Möglichkeiten es gibt, finanziell über die Runden zu bekommen. Denn du befindest dich jetzt in der Situation, dass du dich selber finanzieren kannst ohne die Hilfe deiner Familie (bei den vorhandenen Berufen, gehe ich mal davon aus, dass du nie Bafög bekommen hast).

Ein Bekannter von mir hat neben dem Master-Studium noch gearbeitet. Es war wohl ein Extra Studiengang für Erwerbstätige gewesen (Maschinenbau). Entsprechend stressig und eng gefasst ist der Studienplan. Den ganzen Samstag hatte er Veranstaltungen gehabt und einen Tag unter der Woche. Wie er es geschafft hat seine Prüfungen zu meistern, ist mir ein Rätsel.

Steigere dich auch nicht zu sehr rein, du könntest böse auf die Nase fallen.
 
G

Benutzer

Gast
Ich habe ehrlich nicht den Eindruck, dass es am Beruf liegt oder an den Studiengängen. Ich habe natürlich volles Verständnis dafür, einfach auszusteigen und umzusatteln wenn klar ist dass einem etwas nicht gefällt. Aber bei dir scheint es ja mehr ein Einstellungs- und Mentalitätsthema zu sein, da du schon mehrmals was anderes probiert hast.

Wie andere bereits geschrieben haben würde ich bei deinem Beruf bleiben und innerhalb des Berufsbildes wechseln.
 
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Benutzer102673 

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  1. Du musst die Idee loswerden, es gaebe Jobs, von denen man erholt heimgeht. Es geht darum, effizient zu agieren, und so wenig von sich selbst wie moeglich zu verbraten.
Ich wuenschte, unsere Gesellschaft wuerde anders funktionieren. Aber bis jemand eine Idee hat, wie man das machen koennte, stecken wir erstmal mit diesem System fest.
Oh 1. wie hochinteressant, Dein Job Tahini Tahini ! Und 2. wie wahre, wahre Worte.

Ich sage immer, wenn einem knapp mehr als die Hälfte des Jobs, den man macht, Spaß macht, dann ist es der richtige Job. Es gibt massenweise Dinge, bei jeder Arbeit, die einem wirklich frontal gegen den Willen gehen. Die aber dazugehören. Damit leben zu lernen ist die Kunst.

Man muss auch lernen, sich für Dinge zu interessieren, nicht nur das anzunehmen, was es eben gibt, sondern auch mit eigenem Hirn, eigener Kreativität und Idee in seinem kleinen Handlungsfreiraum agieren.

Und man sollte sich tunlichst von der Vorstellung trennen, der Job müsse einen in seiner Persönlichkeit erfüllen, sollte praktisch richtiggehend Teil seiner Selbstverwirklichung sein. An diesem Anspruch kann man nur scheitern. Und selbstverständlich bringt einen die Arbeit nicht unbedingt "nach vorne". Wenn Du meinst, dort zu versauern - dann bilde Dich in der Freizeit fort.
Zunächst mal arbeitet man, um Geld zu verdienen. Das ist ernüchternd, aber der Wahrheit entsprechend.

Ich selbst habe übrigens erst durch die Arbeit selbst gemerkt, wie viel Spaß sie mir macht. Ich wollte sie vorher eigentlich gar nicht mehr machen, kurz nach Ausbildungsende.
 

Benutzer97517 

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etwas interessantes, abwechslungsreiches, kreatives, spannendes, wo es ständig etwas neues zu entdecken gibt. Wo man Dinge erforschen kann und gleichzeitig seinen kreativen Geist ausleben kann.

Wo gibt es denn das? Manche Forscher forschen ein Leben lang an etwas und spaeter stellt sich raus .. war nix. Ich denke deine Vorstellung geht mit dir duch.. sorry.

Kannst du mal konkret sagen was du an der Uni gemacht hast / geforscht hast...

... auf der einen Seite sagst du das du nicht gut bist in deinem Job... auf der anderen Seite sagst du das du geistig unterfordert bist... Ich habe eher die Vermutung Wunschdenken und Realitaet passen bei dir nicht... Ich habe einige (sehr) intelligente Leute kennengelern und im Allgemeinen waren die in allem gut... Auch in Situationen die ihnen nicht wirklich Spass gemacht haben. Wenn es diese Situationen gegeben hat haben sie (mit Elan und Spass) halt alles drangesetzt diese zu aendern...
 

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