Freunde Freundin steuert auf Burnout zu

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Hallo zusammen,

ich weiß nicht so recht, was ich tun soll und ob ich etwas tun soll. Deshalb ließ ich mir ein paar Tage Zeit und schildere euch die Situation.

Es gibt eine Freundin aus Schulzeiten, mit der ich mich damals super verstand, die mich immer zum Lachen brachte, wir trafen uns oft zum Filmschauen, einfach nur quatschen bei ihr oder mir.

Zum Studium zog ich weg (sie nicht) und ich war froh, dass wir uns beide bemühten, die Freundschaft aufrecht zu erhalten und dass uns das auch gelang im Gegensatz zu anderen Schulfreunden, zu denen ich mittlerweile den Bezug komplett verloren habe.

Eines Tages machte ich den Fehler, dass ich ihr sagte, dass sie sich wann immer ihr die Examen-Lernerei auf den Keks geht, sie sich bei mir auskotzen kann. Von diesem Zeitpunkt an meldete sie sich nur noch bei mir, wenn es darum ging, sich bei mir auszukotzen. Ein "Hey Noir, wie geht's dir eigentlich?" gab es selten und über die letzten (schätzungsweise) drei Jahre war das der Fall. Mit der Zeit habe ich den Kontakt reduziert, weil mir das dann wiederum auf den Keks ging.

Im Gegensatz zu ihr bin ich ein Mensch, der sich nicht nur komplett über die Uni definieren kann und im Laufe der Zeit, v.a. den letzten zwei Jahren, suchte ich mir neue Hobbies, lerne viele Menschen kennen, unternehme viel, aber studiere natürlich weiterhin und arbeite nebenher noch. Zuzüglich zu den universitären Gesprächsthemen ist es dann auch so, dass sie immer (!) durchscheinen lässt, dass ihr Studium das alleranstrengenste der Welt ist (sorry für den Zynismus) und ich komme mir dann immer dämlich vor, weil sie das wirklich in jedem Gesprächsfetzen durchscheinen lässt. Wenn ich erwähne, dass mein Studium auch anstrengend ist, kommt dazu überhaupt keine Reaktion. Vielleicht, weil ich einfach nicht so viel darüber jammere wie sie. :ichsagnichts: Oder eben auch eine Aufgabe außerhalb des Studiums habe.

Jetzt komme ich zum eigentlichen Problem: sie arbeitet, arbeitet und arbeitet. Tage- und nächtelang ohne Pause. Und das zehrt an ihren Nerven. So sehr, dass sie eine Hautkrankheit entwickelte, die sie immer wieder in sehr, sehr stressigen Phasen bekommt. Dazu noch andere gesundheitliche Leiden wie Verspannungen, Kopfschmerzen, Zähneknirschen. Häufig ist es auch so, dass sie fast das Weinen anfängt, wenn sie über ihre Probleme erzählt. Ich traue mich schon fast nicht mehr, über meine Freizeit zu erzählen, weil ich denke, dass sie traurig und neidisch ist, dass sie das nicht haben kann/darf.
Wenn sie sich beklagt, dass sie wieder so viel Stress hat, rate ich ihr Pausen zu machen oder reiten zu gehen, oder halt was zu machen, was sie entspannt. Doch sie ist so in ihrer Lernwelt gefangen, dass sie nicht einfach eine Pause machen kann, weil sie ja weiterarbeiten muss und das von ihr verlangt wird. Für mich ist das auf Dauer auch einfach zermürbend, wenn sie sich erstens immer auskotzt und zweitens keine Ratschläge annimmt.

Kürzlich war Klassentreffen und ein paar andere Leute meinten, dass sie ziemlich auf ein Burnout zusteuert und das ist auch in meinen Augen der Fall (bitte hängt euch nicht am Begriff auf - ihr geht es eben psychisch einfach nicht gut).

Und mir stellt sich nun die Frage: soll oder muss ich was machen? Muss ich ihr sagen, dass ich mir Sorgen um sie mache? Den Moment ihr zu sagen, dass ich die Freundschaft sehr einseitig finde, habe ich verpasst und wie oben erwähnt war ich in letzter Zeit mehr oder minder der Ansicht die Freundschaft einschlafen zu lassen. Selten war es der Fall, dass ich mich bei ihr meldete, weil ihre Art einfach häufig passiv-agressiv ist und ich der Meinung bin, mir keine schlechte Laune einreden lassen zu müssen. Und gerade dann meldet sie sich wieder vermehrt. Und das hat auch einen Grund: in den letzten Jahren haben sich noch mehr Menschen von ihr distanziert (die auch vor Ort wohnen und die sie häufiger als mich gesehen hat).

Für mich ist das nicht einfach, die Freundschaft aufzugeben. Vielleicht ist der Punkt einfach gekommen? :hmm: Auf der anderen Seite tut sie mir leid, gerade auch, weil sich viele Menschen von ihr distanziert haben. Auf der anderen Seite ist wiederum Mitleid kein Grund, eine Freundschaft weiterzuführen, oder? Auf der anderen Seite fühle ich mich als Freundin durchaus verpflichtet, ihr zu sagen, dass sie sich mit ihrem (Arbeits-)Verhalten zu Grunde richtet. Tipps diesbzgl. gebe ich ihr ja bereits, aber diese werden ignoriert oder abgelehnt, weil sie z.B. meinte nicht zu einem Psychologen gehen zu können, weil ihr das den Weg zur Verbeamtung versperrt.

Wie würdet ihr da vorgehen bzw. was ratet ihr mir?
Herzlichen Dank,
- Noir
 

Benutzer108566 

Sehr bekannt hier
Schwierig. Aber ich würde wohl kurz und klar formulieren, wie ich sie in den letzten Monaten erlebt habe (beschreibend, nicht wertend!) und ihr sagen, dass meine Sorgen um sie groß sind. Die Vermutung einer handfesten psychischen Erkrankung würde ich durchaus auch äußern. Manchmal erleichtert es Menschen, wenn man ihrem Zustand einen Namen gibt und damit klar macht, dass man den anderen nicht für schwach und überfordert hält, sondern dass er krank geworden ist. Es würde einem ja auch niemand vorwerfen, wenn er sich das Bein gebrochen hat.

Es kann aber natürlich auch passieren, dass sie auf Abwehr geht und dann ist meiner Meinung nach erst der Moment gekommen, wo man als Freund entscheiden muss - kann ich damit umgehen Dir dabei zuzusehen wie Du Dich und im Grunde auch unsere Freundschaft zerstörst? Man kann das Pferd nur zum Wasser führen, trinken muss es allerdings selbst. Da bringt es ihm auch nichts, wenn man auf dem Weg dabei stehen bleibt und selbst verdurstet. Gerade psychische Erkrankungen belasten das Umfeld ja enorm und wenn einem das Bauchgefühl zur Distanz rät, sollte man sich wohl auch daran orientieren, so schwer es dann auch sein mag.
 

Benutzer96466 

Planet-Liebe Berühmtheit
Studiert sie auf Lehramt? Ich mein jetzt wegen der Verbeamtung.

Es könnte auch sinnvoll sein, wenn sie sich mal an die psychosoziale Beratung der Uni wendet. Die machen ihr die Verbeamtung schon nicht kaputt und können sie da weiter beraten. AStA-Sozialreferate/Sozialberatungen oder die Referate für Behinderte/chronisch Kranke können auch gute Ansprechpartner sein, grad weil das auch Studis sind, die aber mehr wissen.

Wenns dich nervt kannst du ja sagen, das du keine Therapie ersetzen kannst, das du das nicht mehr schön findest nur der Jammerkasten zu sein, und das du denkst das sie auf einen Burnout zusteuert.

Wenn sie das patzig aufnimmt dann kann dir das ja egal sein, dann geht die Freundschaft halt in die Brüche. Aber so wie sie jetzt ist willst du das ja verständlicherweise auch nicht weitermachen.

Off-Topic:
Alles Gute und trotzdem ein frohes neues Jahr!
 

Benutzer129692 

Beiträge füllen Bücher
Dass man als Student vor Klausuren oder wichtigen Abgabefristen auch mal Nachtschichten einlegt und phasenweise sehr viel arbeitet, halte ich für relativ normal. Wichtig ist jedoch, dass es noch Zeiten (z.B. in der vorlesungsfreien Zeit) gibt, um sich von diesen Strapazen zu erholen. Denn diese Zeiten braucht der Körper, um auf Dauer gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Wenn Deine Freundin das nächste Mal über ihre hohe Arbeitsbelastung klagt, würde ich ihr an Deiner Stelle noch einmal sagen, dass auch ihr Körper diese Ruhezeiten braucht - vielleicht nicht unbedingt vor wichtigen Abgabefristen oder Klausuren aber eben doch irgendwann einmal - um dauerhaft gesund und leistungsfähig zu bleiben. Denn Arbeitnehmer hätten ja auch nicht umsonst im Durchschnitt eine 40-45 Stundenwoche und mindestens 20 Tage Urlaub pro Jahr, wenn das für die "dauerhafte Aufrechterhaltung der Arbeitskraft" nicht nötig wäre.
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Für mich ist das nicht einfach, die Freundschaft aufzugeben.
Wenn Dir etwas an eurer Freundschaft liegt, musst Du sie deshalb ja nicht zwangsweise aufgeben, sondern kannst den Kontakt auch einfach einschränken - zumal Deine Freundin vermutlich in absehbarer Zeit ihr Studium auch erfolgreich beenden wird.
 

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ich danke euch bereits für Einschätzungen. :smile:
Studiert sie auf Lehramt? Ich mein jetzt wegen der Verbeamtung.
Ja genau. Und deswegen ist das:
zumal Deine Freundin vermutlich in absehbarer Zeit ihr Studium auch erfolgreich beenden wird.
nicht der Fall. Sie ist nun im Ref und aufgrund der Tatsache, dass die Einstellung nur nach Noten erfolgt, macht sie sich zusätzlich fertig, d.h. die Sache geht noch mind. 1,5 Jahre so weiter. Wobei das auch wieder so ein Fall ist, dass sie nicht aus dem Bundesland weg will, sondern am besten in der Stadt bleiben will, in der sie aufgewachsen ist. Kein Wunder, dass das Druck auf sie ausübt, wenn sie in der Hinsicht kaum flexibel ist.
 

Benutzer76250 

Planet-Liebe Berühmtheit
Vielleicht sollte ihr jemand mal mitteilen, dass ihr das Studium möglicherweise einfach nicht liegt und sie ihr Berufsziel vielleicht hinterfragen sollte. Denn wenn das Studium schon derart fertig macht, wie soll das erst bei einer Schulklasse funktionieren? Zumal die Frage ist: Ist die Verbeamtung angesicht des Trends, Lehrer nur noch anzustellen und während der Sommerferien sogar zu entlassen, um 1 1/2 Monate Gehalt zu sparen, denn in Stein gemeißelt?
 

Benutzer116075 

Meistens hier zu finden
Das Leben im Ref ist nun mal auch kein Ponyhof... diese 1,5 - 2 Jahre sind eine extrem stressige Zeit, in der man irgendwie fast ständig unter Beobachtung und Druck steht (Mentoren, die einem zuschauen und einen bewerten, Termindruck durch Unterrichtsbesuche, die alltägliche Unterrichtsvorbereitung, die Seminare, das Drumherum mit Schulorga und Schulleben ...) . Es geht sicher vielen so, dass sie da fast nur noch am arbeiten sind und die freie Zeit für sich selbst, den Partner, Freunde, Hobbies sehr rar ist. Diesen Stress bekommen natürlich auch die Menschen um einen herum mit, besonders die, die einem sehr nahe stehen. Manchmal schaut man dann auch zu wenig auf die Situation der anderen (was die auch alles an der Hacke haben an To-Dos), wahrscheinlich meint man das nicht mal böse...

Denk, wer das Ref-Leben nicht selbst erlebt hat, kann die ganze Situation nur begrenzt nachvollziehen. Die Zeit bis zum 2. Staatsexamen ist echt knapp bemessen.. gerade durch die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes in vielen Bundesländern. Je nach Lehramt sind die Einstellungschancen (feste Stelle, Verbeamtung) ja auch nicht wirklich rosig. Das macht zusätzlich Druck... klar, noch mehr, wenn man sehr an seinen Wohnort gebunden ist emotional und nicht bereit ist, sich im weiteren Umkreis umzuschauen.

Schwierig wird es natürlich - da geb ich dir recht - wenn es extreme Züge annimmt. Wenn jemand nur noch arbeitet, kaum schläft, sich zu wenig Pausen zum Erholen und Entspannen nimmt, auf Kritik sehr persönlich und emotional reagiert, man Heulkrämpfe hat, sich nicht um seine Gesundheit kümmert... und man aufgrund dessen seinen Aufgaben nicht mehr erfolgreich nachgehen kann, sich nicht weiterentwickeln kann..

Wie gesagt, eine gewisse Gestresstheit, Launigkeit, Übermüdung, Reizbarkeit, Emotionalität sind im Ref irgendwie "normal".

Normalerweise wird einem das aber durch die Mentoren und Seminarleiter rückgemeldet, da sie ein Stück weit mitverantwortlich sind für den Lehramtsanwärter im Vorbereitungsdienst und solch eine Einstellung/ Arbeitsweise/ Anspruchshaltung auf Dauer nicht gesund und nicht leistbar ist im Lehrerberuf.

Weißt du, wie sie sich in ihrem Ref generell und an ihrer Schule fühlt?
Weißt du, welche Rückmeldungen sie so bekommt? (üer den Unterricht, die BEziehung zu dne Schülern, ihre Lehrerpersönlichkeit)
Was berichtet sie von ihren Mit-Referendaren?

Ich würde ihr - wenn sie eine wirklich gute Freundin ist - sagen, dass du dir Sorgen um sie machst, möglichst ohne ihr Vorwürfe zu machen (über ihre Arbeitsweise im Ref) und ihr ihre Eignung für ihren Beruf abzusprechen. Ich würde jetzt nicht direkt den Vorschlag machen, zum Psychologen zu gehen.. vielleicht ihr eher anbieten, sie zu unterstützen, zum Beispiel mit ihr Sport zu machen oder sich ab und zu zum Spazierengehen oder fürs Cafe verabreden, damit sie mal abschalten kann. Vielleicht sieht sie es ja selbst so, dass sie mehr für sich tun muss. Natürlich würde ich ihr an deiner Stelle auch sagen, dass dich manche Äußerungen von ihr stören oder verletzten und du dich etwas "ignoriert" fühlst. Manchmal braucht man auch so diesen Schubs von außen.. das holt einen aus der Ref-Welt in den Alltag zurück *g* ..
Ich würde abwarten, wie sie reagiert. Wenn es ne enge Freundschaft und keine lose Bekanntschaft ist, würde ich jetzt an deiner Stelle die Freundschaft nicht abhaken "nur" weil sie in einer stressigen Phase steckt und vielleicht auch etwas "ich-bezogen" ist.. wenn sie das auch sieht, dass eure Freundschaft da gerade etwas leidet und sie gerade nicht einfach auszuhalten ist.Da müssen Freundschaften durch. :smile:

LG

KaffeeElfe
 

Benutzer141862 

Sehr bekannt hier
Ich habe eine sehr ähnliche Situation: eine Freundin von mir leidet an mehrjährigen Depressionen, Hochsensibilität und Kommunikationsproblemen. In Kombination mit einem Master-Studium und einer anspruchsvollen Top-Arbeit gleich danach haben daraus Burnout, Essstörungen, Kopfschmerzen u.ä. resultiert. Nach 1,5 Jahren vom Kampf hat sie aufgegeben und gekündigt. Momentan macht sie ein Sabbatical.
Generell unterstütze ich ihre Entscheidung sehr und die hat ihr definitiv sehr gut getan. Nun, was unsere Freundschaft betrifft, war sie während dieser Zeit in einer sehr komischen Zustand, weil ich mich extrem anpassen musste und sie konnte quasi nicht viel von ihrer Seite geben, da sie so fertig war.
Was deine Freundin angeht, würde ich empfehlen, mit ihr offen zu sprechen, ihr einige Denkanstöße zu geben und ihr klar zu machen, es sei für sie gefährlich was sie treibt. Meiner Freundin habe ich damals einige Bücher empfohlen bzw. geschenkt, die spezifische Probleme näher beleuchten. Der erste Schritt ist allerdings immer die Problem-Zugabe - solange man denkt, man kann einen oder anderen Stress einfach schnell auskotzen und einfach weitermachen, bleibt man an der gleichen Stelle.
Was dich in der Situation angeht, fühle dich bitte nicht für ihr ganzes Leben und ihr Wohlsein verantwortlich. Das sind ihre Entscheidungen und dazugehörige Konsequenzen. Du bist dabei keine Profi-Psychotherapeutin. Fühle dich nicht schuldig ihr zu sagen, dass du momentan keine Zeit für ein tieferes Gespräch habe oder das Thema zu komplex sei, damit du einen kompetenten Ratschlag geben könnte und oberflächlich möge du es nicht machen. Somit wird es auch ihr mehr bewusst, es geht um ein Problem und nicht um Auskotzen nur.
 
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Benutzer107106 

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Ich würde ich raten, sollte sie sich das nächste mal über ihren Stress beschweren, mal an die anonyme psychologischen Beratungsstelle der Uni zu wenden. Erzähle von Freunden, denen solche Beratungsstellen gut getan haben! Dort lernt sie ggfs. bessere Tagesabläufe zu organisieren oder Entspannungsmethoden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die unglaublich toll sind! Hätte eine Freundin von mir, mir das nicht mehrfach vorgeschlagen, hätte ich mich wohl nicht getraut dorthin zugehen. (Ich war letztendlich bei der Beratungsstelle der Kirche, aber darum geht es ja nicht).

Du kannst sie nicht retten. Du kannst es ihr nur vorschlagen. Du hast ein Recht darauf, dich von ihr zu distanzieren und du kannst ihr das auch - freundlich und eingfühlsam - sagen.
 
1 Woche(n) später

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
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Das Leben im Ref ist nun mal auch kein Ponyhof... diese 1,5 - 2 Jahre sind eine extrem stressige Zeit,
Denk, wer das Ref-Leben nicht selbst erlebt hat, kann die ganze Situation nur begrenzt nachvollziehen.
Das ist eigentlich genau der Ton, der mich bei ihr auch stört. Sorry, dass ich das so direkt sage. Mein Studium ist auch stressig und anstrengend. So what? Es geht ja nicht nur ums Ref. Während ihres Studiums war es ja auch schon so.
Weißt du, wie sie sich in ihrem Ref generell und an ihrer Schule fühlt?
Weißt du, welche Rückmeldungen sie so bekommt? (üer den Unterricht, die BEziehung zu dne Schülern, ihre Lehrerpersönlichkeit)
Was berichtet sie von ihren Mit-Referendaren?
Puh, schwierig einzuschätzen. Mit ein paar anderen Referendaren unternimmt sie ab und an etwas. Eine andere Refin ist an der Schule, mit der sie sich im Studium zerstritten hat.
Ihr Seminarlehrer sagt den Referendaren ständig, dass sie in der ersten Lehrprobe keine bessere Note als 3 schaffen. Aufgrund der miesen Einstellungsrate, die bei ihrer Kombi eher im 1er Bereich ist, fließen dahingehend auch häufig die Tränen.
Der andere Seminarlehrer unterstützt seine Referendare kaum und verlangt Dinge von ihr, die sie im Studium nicht gelernt hat und die sie nun anwenden soll. Er wirft sie quasi ins kalte Wasser.

Beispiel mit ihr Sport zu machen oder sich ab und zu zum Spazierengehen oder fürs Cafe verabreden, damit sie mal abschalten kann.
Das entfällt leider, weil ich nicht in der Nähe wohne und sie eben mal ablenken kann. Wenn ich mal Zuhause bin und etwas vorschlage, zu unternehmen, kommt kein "Ich freu mich/ja, können wir machen", sondern erstmal ein "Aber nicht ewig!!!". :frown: Das macht mich echt wütend und traurig zeitgleich. Ich möchte ja nicht ihren ganzen Tag stehlen, sondern sie mal 1,2,3h sehen. Aufgrund der sonstigen Distanz zwischen uns sehen wir uns nur 3,4x im Jahr und dann werde ich mit solchen Aussagen abgewiegelt. Oder wie Ende letzten Jahres "nee, wenn du krank bist, können wir uns nicht sehen". Wenn man sich nicht gerade küsst oder Körperflüssigkeiten austauscht, steckt man sich nicht so leicht an. Meine Enttäuschung über diese Aussage hat sie dann wohl doch noch realisiert und etwas vorgeschlagen.

Und seit Neujahr habe ich mich auch nicht mehr gemeldet, weil ich weiß, dass sie bald Lehrprobe hat. Ich will da nicht einfach wieder Prellbock sein und mich anzicken lassen. Dabei komme ich mir so schäbig vor. Das Gefühl, sich nicht bei eigentlich ehemals Freunden gar nicht melden zu wollen, ist kein schönes. :cautious:

Ich würde ich raten, sollte sie sich das nächste mal über ihren Stress beschweren, mal an die anonyme psychologischen Beratungsstelle der Uni zu wenden.
Es ist ja nicht so, als dass ich das nicht schon gemacht hätte. "Geht nicht/kann nicht/Verbeamtung in Gefahr" etc. pp.
Du hast ein Recht darauf, dich von ihr zu distanzieren und du kannst ihr das auch - freundlich und eingfühlsam - sagen.
Meh. Ich überlege mir noch, das Thema mal anzusprechen bevor ich den Kontakt einstelle. Denn so wie es momentan ist, belastet mich die Situation doch irgendwie unterschwellig. Ich denke häufiger an sie und frage mich, was sie macht/denkt/fühlt, aber habe dann schlichtweg überhaupt nicht das Bedürfnis mich zu erkundigen..
 

Benutzer107106 

Planet-Liebe ist Startseite
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"Geht nicht/kann nicht/Verbeamtung in Gefahr" etc. pp.

Meh. Ich überlege mir noch, das Thema mal anzusprechen bevor ich den Kontakt einstelle. Denn so wie es momentan ist, belastet mich die Situation doch irgendwie unterschwellig. Ich denke häufiger an sie und frage mich, was sie macht/denkt/fühlt, aber habe dann schlichtweg überhaupt nicht das Bedürfnis mich zu erkundigen..
1) stimmt nicht bei der Beratung der Uni. Das ist ja unabhängig von der Krankenkasse und wird die Verbeamtung niemals belasten, weil ja keiner davon erfährt. Die ist ja auch, wenn man wünscht, völlig anonym (auch wenn jemand sie erkennt, entstehen keine verwartbaren Akten). Gleiches gilt bei externen Beratungsstellen wie Kirchen, AWO, etc.

2) Das kann ich verstehen. Ich habe selbst solche Fälle im Bekanntenkreis. Einerseits Belastet mich das Nicht-Wissen, andereseits belastet mich die Konversastion. Ich habe diese Menschen bei FB in eine spezielle Kategorie gestellt und bin für die online nicht sichtbar. Ich nehme mir das Recht auf E.Mails nicht sofort zu antworten und bin im Telefonieren eh nicht der Superheld. Daher frage ich diese Leute in etwa 1x im Monat wie es ihnen denn so geht und lasse die Gespräche (per FB oder E-Mail) dann eben wieder im Sandeverlaufen. RL Kontakte habe ich sehr stressigen Zeiten mit solchen Leuten dann möglichst wenig.
 

Benutzer141862 

Sehr bekannt hier
Das entfällt leider, weil ich nicht in der Nähe wohne und sie eben mal ablenken kann. Wenn ich mal Zuhause bin und etwas vorschlage, zu unternehmen, kommt kein "Ich freu mich/ja, können wir machen", sondern erstmal ein "Aber nicht ewig!!!". :frown: Das macht mich echt wütend und traurig zeitgleich. Ich möchte ja nicht ihren ganzen Tag stehlen, sondern sie mal 1,2,3h sehen. Aufgrund der sonstigen Distanz zwischen uns sehen wir uns nur 3,4x im Jahr und dann werde ich mit solchen Aussagen abgewiegelt. Oder wie Ende letzten Jahres "nee, wenn du krank bist, können wir uns nicht sehen". Wenn man sich nicht gerade küsst oder Körperflüssigkeiten austauscht, steckt man sich nicht so leicht an. Meine Enttäuschung über diese Aussage hat sie dann wohl doch noch realisiert und etwas vorgeschlagen.
:hmm:

Alles was du im letzten Beitrag schreibst kommt mir sehr, sehr bekannt vor.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dir nur empfehlen, für dich selbst zu entscheiden, wo deine Grenze liegt. Deine Freundin nimmt deine Unterstützung als etwas Selbstverständliches an, du bist für sie quasi ein Entspannungs- & Anti-Stress-Mittel. Es muss klar sein, dass wenn sie endlich weniger Stress und mehr Freizeit hat, wird sie diese höchstwahrscheinlich nicht mit dir sondern mit den Menschen verbringen, die sie in ihren Stresszeiten nicht da hatte. Auch sollst du eines Tages ihre Hilfe brauchen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie für dich wirklich da wird. Sie betrachtet sich als Heldin bzw. Opfer und dich als jemand, die Glück hat/wahre Probleme nicht kennt/erfolgreich in ihrem kleinen Leben ist. Daher ist man unmotiviert, werte Zeit in dich zu investieren. Du schaffst ja alles selbst.

Deswegen finde ich wichtig, keine große Erwartungshaltung zu haben und die Kommunikation mir ihr eher als eine Art von Wohltätigkeit zu betrachten. Du gibst viel, aber rechne besser nicht damit, dass sie dir auch etwas geben wird, wie es meistens in einer normalen freundschftlichen Beziehung mit Geben und Nehmen ist. Das gute Gewissen, das man sich selbst durch diese Gabe schafft ist die einzige "Belohnung", die man in dieser Art der Freundschaft bekommt. Solange es dir reicht, ist es i.O, aber wenn du mehr brauchst, ist es besser, deine Empathie für sie zu reduzieren.
 

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
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sie endlich weniger Stress und mehr Freizeit hat, wird sie diese höchstwahrscheinlich nicht mit dir sondern mit den Menschen verbringen, die sie in ihren Stresszeiten nicht da hatte.
Puh, das öffnet mir ziemlich die Augen. Etwas in die Richtung hat sie schon angekündigt. Und da habe ich mich schon wie vor vollendete Tatsachen gestellt gefühlt. :hmm:

Deswegen finde ich wichtig, keine große Erwartungshaltung zu haben und die Kommunikation mir ihr eher als eine Art von Wohltätigkeit zu betrachten. Du gibst viel, aber rechne besser nicht damit, dass sie dir auch etwas geben wird, wie es meistens in einer normalen freundschftlichen Beziehung mit Geben und Nehmen ist. Das gute Gewissen, das man sich selbst durch diese Gabe schafft ist die einzige "Belohnung", die man in dieser Art der Freundschaft bekommt
Ich bezweifle, dass ich so altruistisch bin. Dazu kann ich gar nicht mehr schreiben, weil du recht hast.

Sie betrachtet sich als Heldin bzw. Opfer und dich als jemand, die Glück hat/wahre Probleme nicht kennt/erfolgreich in ihrem kleinen Leben ist. Daher ist man unmotiviert, werte Zeit in dich zu investieren, du schaffst es ja alles selbst.
Das denke ich mir wiederum aber auch. :zwinker:

1) stimmt nicht bei der Beratung der Uni.
Ich weiß, dass es nicht stimmt, aber erkläre ihr das mal. Das ist wieder so ein Gespräch, bei dem ich gegen eine Wand reden würde und sie den Ratschlag letzten Endes doch nicht umsetzt. Es ist ja nicht so, dass ich ihr dazu schon geraten habe.

Einerseits Belastet mich das Nicht-Wissen, andereseits belastet mich die Konversastion.
Genau das.
Ich nehme mir das Recht auf E.Mails nicht sofort zu antworten und bin im Telefonieren eh nicht der Superheld. Daher frage ich diese Leute in etwa 1x im Monat wie es ihnen denn so geht und lasse die Gespräche (per FB oder E-Mail) dann eben wieder im Sandeverlaufen. RL Kontakte habe ich sehr stressigen Zeiten mit solchen Leuten dann möglichst wenig.
Das handhabe ich ja quasi genauso. Ich denke, dass ich mir da ein dickeres Fell zulegen muss und erkennen muss, dass ich ihr nicht helfen kann und muss. Ich denke, ich werde sie einmal drauf ansprechen und danach nicht mehr.
 

Benutzer116075 

Meistens hier zu finden
Das ist eigentlich genau der Ton, der mich bei ihr auch stört. Sorry, dass ich das so direkt sage. Mein Studium ist auch stressig und anstrengend. So what? Es geht ja nicht nur ums Ref. Während ihres Studiums war es ja auch schon so.

Ich wollte damit jetzt nicht sagen, dass das Lehramts-Ref schwerer und stressiger ist als andere Berufe/Studiengänge und wollte auch niemanden abwerten.
Ich meinte eher, dass man ja immer in seinem System drin steckt und es schwer einschätzen kann, ob der Stress, den der andere in seinem System nun gerade hat für diese Phase des Berufs/diese Proffession normal ist (auch wnen das natürlich blöd ist) oder ob es wirklich auf eine besorgniserregende Burnout-Geschichte zuläuft. Manche Probleme, die der andere da gerade hat, kann ich vielleicht nachvollziehen und verstehen, andere nicht. Ich kann das zum Beispiel für einen AiPler oder einen BWLer oder einen Juristen-Ref auch nicht bzw. nur in gewissem Maße.

Ich schreib das Ganze hier auch so n bisschen aus der Rückschau auf mein eigenes Ref und als Mentorin einer Referendarin.
Mein Freund, der mich in meinem Ref super unterstützt und auch meine Stress-Launen-Angst-Phasen mitgemacht hat, konnte einiges gut nachvollziehen und hat mich aufgbaut und mir Dinge abgenommen, manches konnte er auch nicht verstehen, wir haben diskutiert, er hat mich bisschen auf den Boden zurückgeholt. So bekam ich diese Balance zwischen Ref-Stress und schönem Privatleben doch ganz gut hin.
Bei der Referendarin, die ich gerade betreue, sehe ich den Ref-Stress nochmal aus einer anderen Perspektive und muss sie beraten, wie sie mit den Berufsanforderungen und ihrem hohen Anspruch an sich selbst, ökonomisch und "gesund" umgeht.

Denke, das Problem ist dann eher vor allem, wenn jemand seinen eigenen Stress in den Fokus stellt und denkt, er hätte es gerade am aller-schwersten und den Stress, den seine Mitmenschen in ihrem Privat- und Berufsleben haben, eher abtut und sich nicht um sie bemüht.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer113006 

Planet-Liebe-Team
Moderator
und jetzt ärgere ich mich gewaltig und bin frustriert. Wünsche ihr viel Erfolg für die Lehrprobe und was kommt zurück: nichts. Vielleicht hat sie auch diesen Thread hier entdeckt. Ich weiß es nicht. Ich würde mich freuen, wenn meine Freunde meine Prüfungstermine im Kopf hätten und mir die Daumen drücken.
:sorry:
 

Benutzer129692 

Beiträge füllen Bücher
und jetzt ärgere ich mich gewaltig und bin frustriert. Wünsche ihr viel Erfolg für die Lehrprobe und was kommt zurück: nichts. Vielleicht hat sie auch diesen Thread hier entdeckt. Ich weiß es nicht. Ich würde mich freuen, wenn meine Freunde meine Prüfungstermine im Kopf hätten und mir die Daumen drücken.
Hatte sie die Lehrprobe schon? Oder hat sie die erst in den nächsten Tagen?
 

Benutzer90972 

Team-Alumni
:knuddel:

Ich weiß, das klingt ein bisschen hart, aber vielleicht musst du es wirklich mehrfach hören:
Freundschaft ist ein Geben und Nehmen. Es kann auch Zeiten geben, wo einer mehr gibt als der andere. Wenn diese Zeit aber nicht endet und der Kontakt nur noch belastend ist, sollte man sich wirklich überlegen, ob man ihn nicht lieber einschlafen lässt.

Du könntest ja noch Fragen, wie es lief. Allerdings solltest du dann damit rechnen, dass es wieder ein Monolog wird...
Das wäre aber noch mal ein Schritt auf sie zu und für sie die Gelegenheit sich zumindest ein bisschen Dankbarkeit zu zeigen und wieder einen Schritt auf dich zu zumachen.

Kopf hoch!
 
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