Freund von mir ist kokainabhängig

Benutzer104679  (32)

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo!

Ich war gerade eben bei einem Freund von mir, den ich in der Psychiatrie kennengelernt habe. Dazu sollte man wissen, dass er 43 Jahre alt ist und ich 22 Jahre alt bin.
Wie kam diese vielleicht nach außen komisch aussehende Freundschaft zustande? Er hatte einen schweren Motorradunfall, an dem er fast gestorben wäre und hatte 2 Monate lang im Koma gelegen. Wieder aufgewacht ist er als Krüppel - er kann bis heute kaum laufen. Aus diesem Grund wurde er depressiv und fing an zu koksen - das Krüppeldasein einfach ausblenden - so nennt er das.
Wegen des Kokainkonsums ließ seine Frau sich von ihm scheiden und er stürzte psychisch völlig ab, er versuchte sich das Leben zu nehmen und kam in die Psychiatrie, wo wir uns in der Gesprächstherapie kennen lernten. Die Gesprächstherapie war vorbei, alle liefen aus dem Gesprächsraum und er blieb zurück, weil er ja nur so langsam laufen konnte. Ich hatte Mitleid und lief langsam neben ihm her, bis zum Speiseraum und wir unterhielten uns dort auch über privates und freundeten uns an.
Dass er kokste, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Meine Entlassung stand an, wir tauschten die Handynummern aus, er wurde keine Woche später auch entlassen.
Wir trafen uns in seiner Firma, in der ich ein bisschen aushalf und gingen Pizza essen, Billiard spielen, sprachen über unsere Depressionen, wie unsere Medikamente drauf anschlagen, etc.
Eines Tages erzählte er mir, dass er im Monat für einen vierstelligen Eurobetrag kokst, weil er sich sonst selbst nicht ertragen könne, trotz der Antidepressiva aus der Klapsmühle. Da verschlug es mir erst einmal die Sprache. Ich wäre nie darauf gekommen, dass er kokst!
Aber heute habe ich richtig gemerkt, dass er "high" war. Er war absolut schusselig und fahrig. Dauernd fiel ihm etwas hin, er war albern, obszön und kannte keine Schamgrenze mehr. Ich habe richtig gemerkt, wie seine Angestellten von ihm abgenervt waren, jedoch versuchten diese sich dies nicht anzumerken zu lassen - schließlich ist er deren Chef.
Am schlimmsten haben wohl die weiblichen Angestellten unter ihm zu leiden - er baggert sie dauernd an, nicht gerade auf originelle Art und Weise, aber dafür umso plumper.
Aber in Phasen, wo er klar denken kann, wo er nicht high ist, durchschaut er sich selbst - er sagt, dass es scheiße ist zu koksen und dass er damit aufhören möchte, es aber nicht kann, weil er sonst psychisch so abstürzen würde und Selbstmordgedanken hätte, aber zu feige wäre es durchzuziehen. Von daher würde ihm ja nur das koksen übrigbleiben.

So verrückt es klingt - ich mag diesen Menschen, er ist nämlich sehr sensibel und wir verstehen uns auch sehr gut - wir beide wissen, wie es ist, depressiv/suizidal zu sein und können dies mit keinem anderem als unter uns teilen. Wer da noch nicht durchgegangen ist, versteht es/uns nicht.

Nun möchte ich ihm irgendwie helfen - nur was kann ich da machen? Ich kann ihn ja nicht zur Drogenberatung schleppen...
 

Benutzer96043 

Sorgt für Gesprächsstoff
solltest du aber ... denn das könnte der einzige weg sein. ich kenne auch jemanden den musste man dazu überreden aber es hat geholfen!!
 

Benutzer104016 

Benutzer gesperrt
Ueber EUR 1000,00 im Monat durch die Nase? Mal angenommen, dass er das schon seit geraumer Zeit so macht, wird er aber satt abhaengig sein. Da helfen neben guten Freunden nur noch Drogenberatung mit folgendem Entzugsprogramm.
 

Benutzer30217 

Sophisticated Sexaholic
Das Problem bei einer Sucht ist leider einfach, dass du da eigentlich überhaupt nichts machen kannst. Da bringen weder Broschüren, noch Gespräche, noch sonstwas etwas, wenn er nicht aufhören will, dann wird er nicht aufhören. Vermutlich hat er ein unbewusstes Traume, seinen Unfall nicht verarbeitet, sondern er verdrängt ihn. Er müsste praktisch erstmal in weitere Therapie. Manchmal wissen die Menschen gar nicht,w ie schlimm sie sich ihrem Umfeld gegenüber verhalten, du könntest ihn filmen und Gespräche aufnehmen und sie ihm zeigen, wenn er nüchtern ist.
 

Benutzer48403  (51)

SenfdazuGeber
Leider muss ich mich meiner Vorposterin anschliessen: Wenn er nicht den Willen hat, damit aufzuhören, wird er auch nicht aufhören.
Du kannst da also gar nichts tun - er muss es schon selbst wollen. Er versucht wohl sein Dasein als Krüppel zu verdrängen, aber Drogen sind da definitiv keine Lösung. Er weiss das sicher auch, aber er findet keinen anderen Ausweg, da er Angst hat, erneut pschisch total abzustürzen.
Hier ist also wieder professionelle Hilfe gefragt.
Mehr als ihm nur zuhören, kannst Du ihm nicht helfen.

Mich würde mal interessieren, was er so an Mengen konsumiert, wenn er jeden Monat einen 4stalligen Betrag in die Nase zieht....Und in welchen Kreisen er verkehrt, wo er das Zeug bekommt.
 

Benutzer53592 

Planet-Liebe ist Startseite
Hallo,

scheinbar muss dieser mehr als erwachsene Mann eine gutgehende Firma besitzen, wenn er monatlich mal locker Tausende von Euros durch die Nase pfeifen lassen kann.
Mag ja sein, dass er dieses "Krüppeldasein" nicht erträgt, aber so viele anderen Menschen meistern ihr Schicksal auf andere Weise als sich mit Drogen zuzudröhnen und dass er es auch könnte, zeigt doch die Tatsache, dass er ein Geschäft leitet und ihm längst noch nicht alles genommen wurde, wie er das gerne sieht.
Er hat also nicht nur Verantwortung sich gegenüber, sondern auch seinen Angestellten. Es ist zwar schlimm, was ihm widerfahren ist, aber nur im Selbstmitleid suhlen hat noch keinen weitergebracht.

Du kannst überhaupt nichts ausrichten, (nicht einmal Familie und Ehefrau haben das ja geschafft, da wird er sich von einem Wegbegleiter aus der Psychiatrie bestimmt nicht "retten" lassen) ich würde sogar an deiner Stelle dringend überlegen, ob es nicht Sinn macht, sich von diesem Mann zu distanzieren.
Alleine schon die Tatsache, dass du selber labil bist/warst, unter Depressionen leidest/littst, einen Suizidversuch unternommen hast und in der Psychiatrie warst, könnte dich dieser Drogensumpf und diese Miterleben, was Kokain aus deinem Freund macht, nicht nur sehr mitnehmen, sondern dich regelrecht selbst runterziehen und zu erneuten psychischen Problemen führen bzw. diese noch verstärken.

Ich finde es zwar löblich, dass du diesem Mann helfen möchtest - vielleicht auch deshalb, um eine Aufgabe zu besitzen oder als Dank, weil dir selber von diversen Seiten geholfen wurde.
Aber übertreibe es bitte nicht mit deinem "Helfersyndrom", sondern blicke den lieber den Tatsachen ins Auge.
So lange er noch nicht gänzlich am Boden ist, wird er wahrscheinlich nicht aufhören und eventuell irgendwann auch aggressiv werden, falls du dich zu sehr in sein Leben mischt und ihm "Vorhaltungen" machst.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Du kannst ihm nur helfen, wenn er sich helfen lassen will und wenn er selbst zu der Erkenntnis kommt, dass koksen scheiße ist und wenn er selbst wieder davon weg kommen will. - Sonst hast er nicht den Hauch einer Chance. (Und du auch nicht, um ihm zu helfen)

Der eine oder andere Drogenabhängige musste erst völlig abstürzen, alles verlieren und mit dem Kopf in der Pissrinne einer Bahnhofstoilette aufwachen, um das zu kapieren und viele kapieren es nie. - Und selbst wenn er es kapiert hat und von den Drogen weg kommen will, heißt das noch lange nicht, dass er es schafft. - Und selbst wenn es so aussieht, als ob er es gepackt hat, kann er jederzeit rückfällig werden.

Insbesondere weil du selbst ja auch psychische Probleme hast, kann ich dir genau sie meine Vorrednerin nur dazu raten, dich zu deinem eigenen Schutz von diesem Mann zu distanzieren.
 

Benutzer104679  (32)

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo, danke für die Antworten!

Wie ihr richtig gesagt habt: Er muss selber wollen. Er will auch, aber leider hält das nicht allzulange an. Nach der "klaren Phase" bekommt er eine depressive, suizidale Phase, aus der ihm wohl nur das scheiß Kokain heraushilft. Nach dem Rausch ist er wieder klar, aber dann kommt wieder die depressive Phase - ein Teufelskreis, der da durchbrochen werden müsste.

Nun - dieser Mann ist wohlhabend, zumindest hat es den Anschein, er läuft zwar in seiner Firma bevorzugt in Jogginghose und Pulli herum, aber er fährt dicke Autos und hat von allem das beliebteste (also die komplette Produktreihe von Apple :rolleyes: ) vielleicht verschuldet er sich für die Drogen - ich weiß es nicht. Jedenfalls ist es keine kleine Firma - vielleicht hat er wirklich das Geld - ich weiß es nicht, ist mir auch egal, jedenfalls würde ich ihn gern aus dem Teufelskreis heraus wissen, weil es einfach ein Jammer ist, sich das mit anzusehen. Da schlägt man sich einfach die Hände über dem Kopf zusammen!

Und in der Firma arbeiten..? Naja, wenn ich mal ganz ehrlich bin: Er hockt da eigentlich nur an seinem Schreibtisch, surft im Internet, hört Musik und dümpelt vor sich hin, das ist jedenfalls so das, was ich mitbekomm. Arbeiten tun immer nur die anderen, er ist eher fürs Unterschreiben und Absegnen zuständig (ich weiß, er kommt jetzt rüber, wie der letzte Arsch :hmm: )

Manchmal sagt er mir auch, dass er "Heimweh" nach der Psychiatrie hat (mir gehts übrigens manchmal, wenn ich Durchhänger habe, auch so), aber ich weiß, dass in der Psychiatrie unter der Hand mit Drogen gehandelt wird - er hatte mir erzählt, dass man da leicht dran kommt.
Ich war erstaunt, denn mir wurden keine angeboten, noch habe ich da Leute getroffen, denen ich zutrauen würde, dass es Dealer sind :hmm:

Ach, es ist vertrackt!

:geknickt:
 

Benutzer26398 

Beiträge füllen Bücher
Kannst du vielleicht mit deinem oder sogar seinen ehem. oder jetzigen behandelnden Ärzten/Psychologen sprechen! Die stehen unter Schweigepflicht - aber vielleicht können sie dir einen Tipp/Ratschlag geben - oder sind selbst froh wenn sie von dir einen Hinweis auf seine Abhängigkeit bekommen. Ich gehe davon aus das er noch in Behandlung ist.

Meine Vorredner haben schon recht - er muss einen Entzug etc. selbst wollen... aber komplett tatenlos zusehen möchte auch niemand - ich kann verstehen das du helfen möchtest, bzw. zumindest das was dir möglich erscheint zu unternehmen...
 

Benutzer104679  (32)

Sorgt für Gesprächsstoff
Hm, ich besuche manchmal noch ehemalige Patienten in der Psychiatrie, da könnte ich mal so einen Hinweis an die Schwestern geben, wobei ich nicht weiß, ob das wirklich produktiv ist.
Allerdings ist mein Freund nicht mehr in Behandlung, im Gegensatz zu mir. Ich habe mich nach dem Aufenthalt in der Klapse sofort in Obhut eines Psychologen begeben - mein Freund meint, er hätte keine Zeit dafür :rolleyes:

Aber ich könnte mal mit meinen Psychologen darüber reden, vielleicht fällt ihm ja was ein.
 

Benutzer20976 

(be)sticht mit Gefühl
Off-Topic:
Es ist eine Illusion, dass das Kokain ihn aus den depressiv-suizidalen Phasen heraushilft. Er mag sich dann besser fühlen, nicht mehr so gelähmt-gedämpft-getrübt, was aber nur die Wirkung der Droge ist und keine tatsächliche Verbesserung seiner Seelenlage. Die Drogen betäuben seinen Schmerz, aber er ist deswegen nicht wirklich locker, energiegeladen und fröhlich. Was man ja auch am Teufelskreis merkt.


Ich würde wirklich mal mit Deinem Psychologen darüber sprechen, denn Dich belastet das ja auch, weil er Dir eben nicht egal ist. Dass Du auf Dich selbst aufpassen musst und genügend Distanz wahren solltest, ist Dir vielleicht eh klar... lass Dich nicht zu sehr "reinziehen", Freundschaft hin oder her. Mit einem Süchtigen befreundet zu sein kann enorm hart sein, weil Du eben nicht wirklich helfen kannst, wenn der Süchtige nicht bereit ist, sich mittels Therapie und Entzug zu helfen und helfen zu lassen.
Vielleicht kann Dein Psychologe Drogenberatungsstellen nennen, ggf. auch für Angehörige. Aber ob Dein Freund selbst solche Angebote annehmen will, muss er selbst entscheiden.
 

Benutzer104968  (26)

Sorgt für Gesprächsstoff
Solange der Abhängige nicht einsieht, dass er süchtig ist, bzw wenn er es einsieht nicht damit aufhören will, dann kann ihm keine Suchtberatung helfen.
Koksen ist ja nur ein langer Prozess des Selbstmordes. Früher oder später stirbst du an den Drogen. Er scheint nicht mehr leben zu wollen, er will sich aber auch nicht 'direkt' das Leben nehmen. Also vegetiert er bis zu seinem Tode mit Kokain dahin.
Im Klartext sieht es so aus, als könntest du ihm nicht helfen. Denn wenn er selbst nicht sagt ich will aufhören damit, dann wird er es auch nicht schaffen.
Gruß, just_back
 

Benutzer20976 

(be)sticht mit Gefühl
Klar müssen die Einsicht und der Wille da sein. Ohne Einsicht kein Entzug.
Eine Beratungsstelle kann bei vorhandenem Willen schon mal zeigen, wo es Hilfen zum Ausstieg aus der Sucht gibt, welche Möglichkeiten bestehen und ermutigen. Derzeit ist es ein Kreislauf, vermutlich glaubt der Freund nicht mehr an sich, weil er bislang immer wieder zu koksen anfängt, wenn er sich mies fühlte.

Der Freund des Threadstarters hat klare Momente - ob er wirklich aufhören will, weiß ich nicht. Vielleicht wäre es auch nötig, da anzusetzen, wo seine Sucht begann. Wenn er nicht akzeptieren kann, dass er diesen Unfall hatte und nicht mehr so laufen kann wie früher, wenn er sich als "Krüppel" ansieht und bemitleidet, dann ist die Flucht in den Rausch natürlich eine - scheinbare! - Lösung. Er sagt ja selbst, er blende mit dem Koks die Unfallfolgen aus.
Gehbehinderung und dergleichen hin oder her - sein Leben macht er sich mit der Sucht kaputt. Ich halte das Kokain für zerstörender als den Unfall.
 

Benutzer48403  (51)

SenfdazuGeber
Mich würden noch seine Behinderungen an sich genauer interessieren - es scheint ja nicht so dramatisch zu sein, dass er arbeitsunfähig ist.
Viele andere Leute sind schlimmer dran, die dann berufsunfähig sind, aber anderweitig sich nicht unterkriegen lassen und ihr Leben meistern und das Beste daraus machen.

Aber Dein Freund wird durchs Koksen auf lange Sicht auch seine Gesundheit soweit ruinieren, dass er seinen Job nicht mehr ausüben kann.

Mit diesem Gedanken soll er sich auseinandersetzen, und deshalb finde ich weitere professionelle Hilfe umso nötiger.
 
1 Monat(e) später

Benutzer73642 

Verbringt hier viel Zeit
DIe Substanz Kokain, ist die vllt schädlichste für unsere Gesellschaft. Sie macht Menschen zu gierigen Maschinen. Arbeitsunfähig wird er nicht so schnell werden :grin: im Gegenteil, Koks ist in den Geschäftsräumen der Welt ziemlich häufig zu finden. Als Banker o.ä. musst du fast um mithalten zu können. Naja von Koks wegkommen ist schwer, weil man nicht entziehen kann, also Körperlich. Man wird nur Psychisch abhängig und zwar so heftig das nimmer feierlich is. Dazu muss man betrachten was Kokain bewirkt, man kommt sich vor wie der geilste, aber wie der allergeilste, man wird fit, wach, es dämpft Hunger und man wird "schneller". Man hat das Gefühl das was man tut, hat viel Bedeutung und man könne durch das Koks effizienter arbeiten. Ich würde ihm mal ein Experiment das Britische Wissenschaftler mit Ratten durchgeführt haben näher bringen: In dem haben sich Ratten totgekokst. Weil das Koks so gierig macht.
 

Benutzer101446 

Sorgt für Gesprächsstoff
klar könntest du ihn zur drogenberartung schleppen und er käme von dem zeug los aber er muss es auch selbst wollen sonst springt die terapei nicht ganz so an und man wird nach einiger zeig rückfällig ich selbst hab 3 anläufe gebraucht.

und bin selber seid 9 jahren klin.
ich wünsch euch das ihrs schafft
 
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