EuGH: Blutspendeverbot für Schwule "eventuell gerechtfertigt"

Benutzer76250 

Planet-Liebe Berühmtheit
Auf den ersten Blick klingt es nach der höchstrichterlichen Bestätigung, dass HIV eine Schwulenseuche ist.

Die Einschränkung auf "Alternativlosigkeit" macht es allerdings tatsächlich zu einer geschickten Formulierung, denn das bedeutet, dass diese Einschränkung nur dort gilt, wo die Prüfverfahren für Blutspenden und die Schutzmaßnahmen für Blutspende-Helfer so großen Aufwand bedeuten, dass dieser nicht finanziert werden kann. In den Ostsee-Anrainerstaaten, Bulgarien, Slowenien, Slowakei, Kroatien, Ungarn, Griechenland, Zypern, Rumänien dürfte ein solches Verbot tatsächlich Bestand haben, aber in den deutlich reicheren westlichen Staaten, allen voran Deutschland, Dänemark, Niederlande, Österreich, Frankreich und nach meinem Dafürhalten auch Polen dürfte der Aufwand für die Prüfung der Spenden auf entsprechende "infectious deseases" nicht unverhältnismäßig hoch sein, um Schwule von der Blutspende generell auszuschließen.
 

Benutzer115625 

Beiträge füllen Bücher
Die Einschränkung auf "Alternativlosigkeit" macht es allerdings tatsächlich zu einer geschickten Formulierung, denn das bedeutet, dass diese Einschränkung nur dort gilt, wo die Prüfverfahren für Blutspenden und die Schutzmaßnahmen für Blutspende-Helfer so großen Aufwand bedeuten
Ich sehe das noch etwas anders: Man "ächtet" das Vorgehen zwar prinzipiell, belässt gleichzeitig aber quasi alles beim Alten. Zwar wird es vielleicht keinen "lifetime-ban" mehr geben, Schwule bleiben aber de facto in den meisten Fällen doch von der Blutspende ausgeschlossen.

Wie drückte es der französische Gesundheitsminister aus: “Discrimination of donors based on their sexual orientation is unacceptable and only the security of recipient can justify limitations on blood donation,”

Wenn nun die Gruppe der "Männer, die Sex mit Männern haben" ein statistisch gesehen nachweislich extrem erhöhtes Infektionsrisiko gegenüber der Normalbevölkerung hat, dann ist es aber unter medizinischen Gesichtspunkten eben pragmatisch (und gerechtfertigt), diese von der Blutspende auszuschließen. Jetzt eben nicht mehr lebenslang, sondern z.B., wie es die FDA nun handhaben will, "bis zu einem Jahr nach dem letzten sexuellen Kontakt".

Im Prinzip geht als also von vornherein um Formulierungen.

Ich bin da auch ganz ehrlich: Für mich hat political correctness in dieser Sache nichts verloren, sondern es hat eine nüchterne Betrachtung zu erfolgen. Und Blutspenden ist in meinen Augen auch kein "verbrieftes Grundrecht".

Letztlich werden mit diesem Urteil glaube ich alle Interessengruppen leben können, weil die Interessen hier sehr geschickt abgewägt wurden. Da muss ich den EuGH mal loben :zwinker:

Grüße,

Ali Mente
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer71015 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Das Problem bleibt doch, dass hier eine Wertung anhand von sexueller Orientierung erfolgt, also etwas, was gar nichts über die eigentliche sexuelle Aktivität aussagt.
Männer, die auf Männer stehen (=Schwule) sind eben nicht in der Masse einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt, sondern lediglich diejenigen, die tatsächlich aktiv Analverkehr (mit wechselnden Partnern!) betreiben. Das ist aber, zum einen, nur ein Teil der schwulen Männer und betrifft, zum anderen, auch ganz andere Gruppen über die gar nicht diskutiert wird. Das Aussortierungskriterium ist also schlicht ohne Aussage. Es kommt in erster Linie durch veraltete Moralvorstellungen und Klischeedenken über Schwule zustande. Deshalb empfinde ich das Urteil als zu vorsichtig formuliert (wenngleich wohl nichts anderes zu erwarten war). Im Grunde müsste nämlich klargestellt werden, dass eine Einordnung der Gefahrenlage an anderen Parametern festgemacht werden müsste. Aber da braucht es wohl noch die eine oder andere Generation dafür...
 

Benutzer120063 

Planet-Liebe Berühmtheit
Das Problem bleibt doch, dass hier eine Wertung anhand von sexueller Orientierung erfolgt, also etwas, was gar nichts über die eigentliche sexuelle Aktivität aussagt.
Männer, die auf Männer stehen (=Schwule) sind eben nicht in der Masse einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt, sondern lediglich diejenigen, die tatsächlich aktiv Analverkehr (mit wechselnden Partnern!) betreiben.

Ist das so?

Ich habe es schon anders gelesen, gerade z. B. so:

Waren Sie jemals einem (auch einmaligen) Risiko einer sexuell übertragbaren Infektion (z.B. Hepatitis B, Hepatitis C, HIV) durch Intimpartner mit Risikoverhalten ausgesetzt? Z. B.: Hatten Sie als Mann Sex mit einem anderen Mann? Hatten Sie Geschlechtsverkehr mit Personen aus Ländern mit einer erhöhten AIDS-Rate? Bitte beachten Sie die aufliegende Information über HIV und den freiwilligen Selbstausschluss

http://www.roteskreuz.at/blutspende/informationen-zur-blutspende/spenderfragebogen/

Ich fand das Verbot früher immer skandalös, aber mittlerweile bin ich mir gar nicht so sehr sicher, ob es in der oben zitierten Form verkehrt ist. Es geht ja nicht um die sexuelle Orientierung sondern um das Verhalten. Wie hoch das Risiko natürlich nach einem einzelnen Kontakt ist, weiß ich nicht, das müssen Experten einschätzen. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass man den Ausschluss nicht auf Männer, die Sex mit Männern haben und dabei wechselnde Partner haben. Ich meine gelesen zu haben, dass sich heterosexuelle gerade häufig innerhalb fester Beziehungen (in denen einer der Partner fremd geht) anstecken und könnte mir das bei homosexuellen Paaren auch vorstellen. Und da dort natürlich oft innerhalb der Risikogruppe fremdgegangen wird, finde ich es plausibel, dass das Risiko einer HIV-Infektion (statistisch) deutlich höher ist als bei Männern und Frauen, die nur Sex mit dem jeweils anderen Geschlecht haben.
 

Benutzer137374  (49)

Benutzer gesperrt
"The European Court of Justice has ruled that EU governments may ban gay men from donating blood under strict circumstances – that is, if there are no alternative ways to protect blood recipients from potential infectious diseases. [...]"

http://rt.com/news/254237-gay-eu-blood-donors/
http://www.reuters.com/article/2015/04/29/eu-court-blood-idUSL5N0XQ3G720150429

Ein sehr geschickt formuliertes Urteil, wie ich finde.
Ich sehe es eher aehnlich wie Ali Mente. Man sagt:"Klar duerfen grundsaetzlich auch Schwule Blut spenden, aber macht es, wie ihr wollt, wenn ihr einen scheinbaren Grund habt, die Schwulen auszuschliessen." Damit ist die Diskriminierung vom Tisch, aber die Praxis bleibt unveraendert. Die zudem voellig schwachsinnig ist. 2 Drittel aller Neuinfektionen in Deutschland betrifft homosexuelle Maenner. Das heisst, das Risiko ist ein Drittel (Frau oder nicht schwuler Mann) zu 2 Dritteln. Angesichts der aeusserst geringen Infektionsrate grundsaetzlich und der Tests faellt das unter vernachlaessigbar (oder niemand duerfte mehr Blut spenden). Ein weiterer Punkt laesst das Verbot regelrecht schwachsinnig anmuten. Wenn ich als Schwuler nun von dem Vergnuegen Blutspende so besessen bin, dass ich das unbedingt haben will, dann sage ich bei meiner Spende einfach, dass ich hetero bin. Schwul steht ja nicht auf der Stirn oder im Ausweis.
 

Benutzer115625 

Beiträge füllen Bücher
Das heisst, das Risiko ist ein Drittel (Frau oder nicht schwuler Mann) zu 2 Dritteln.
Das ist jetzt aber grober Unfug.

Zahlenbetrachtung für Deutschland (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/AIDS#Epidemiologie)
Infizierte
HIV-Infizierte 80.000 (100 %)
Davon Männer 65.000 (81 %)
Davon Frauen 15.000 (19 %)
Darunter Kinder 200 (0,3 %)
Verteilung nach Infektionsrisiko
Männer, die Sex mit Männern haben 53.000 (66,3 %)
Heterosexuell Infizierte 18.000 (22,5 %)
Intravenös Drogengebraucher 7.800 (9,8 %)
Durch Transfusionen Infizierte 450 (0,6 %)
Durch Mutter-Kind-Kontakt Infizierte 420 (0,5 %)
Neuinfektionen 2013
Gesamt 3.200
Davon Männer 2.700 (84 %)
Davon Frauen 460 (14 %)
Neuinfektionen nach Verhalten: (entspricht ~ Prävalenz)
Männer, die Sex mit Männern haben: 66%
Hetero-Geschlechtsverkehr: 23%
Infektion durch verunreinigte Spritzen in Zusammenhang mit Drogenkonsum: 10%

Nehmen wir mal vereinfacht an, die Verteilung "Männer-Frauen" sei 50-50 und treffen weiterhin die extrem optimistische Annahme, dass 10% der Männer Sex mit Männern haben (3-5% wären realistischer, 10% ist eine Quote die in manchen Umfragen erreicht wurde in Bezug auf: "Fühlen sie sich von anderen Männern erotisch angezogen?").

Daraus folgt:
MSM: 4.000.000 (ich werde im folgenden für Annehmen, dass es 3.000.000 Frauen gibt, die ausschließlich Sex mit Frauen haben, und diese aus Berechnungen mit "heterosexuellen" ausschließen)
Heroinabhängige: 250.000 bis 300.000 (ich sag mal extrem pessimistisch 500.000 für die Berechnungen)

Jetzt berechnen wir mal ein paar Prävalenzen für verschiedene Gruppen:
Heroinabhängige: 15.6%
MSM: 1,33%
Heterosexuelle: 0,024%

Von Männern, die Sex mit Männern haben ist selbst bei meiner für diese Gruppe "günstigen" Annahmen 1/75 mit HIV infiziert! Demgegenüber steht eine Quote bei Heterosexuellen (ohne Heroinabhängige) von 1/4166. Die Prävalenz gegenüber der "heterosexuellen Normalbevölkerung" ist also um den Faktor 55(!) höher. Das könnte man jetzt noch mit dem Infektionsrisiko der Sexualpraktik verknüpfen, und dann kommt man z.B. auf Werte wie "200x erhöhtes Infektionsrisiko", wie im RT Artikel angegeben.

Was herauskommt, wenn ich das auf die Neuinfektionen berechne, ist auch klar: Auf (bei mir) 10% der Bevölkerung entfallen zwei Drittel der Neuinfektionen.

Also "völlig schwachsinnig" ist mMn so nicht haltbar.

Grüße,

Ali Mente
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer137374  (49)

Benutzer gesperrt
Das ist jetzt aber grober Unfug.

Zahlenbetrachtung für Deutschland (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/AIDS#Epidemiologie)
Zu Deinen Zahlen kann ich wenig sagen. Meine 1/3, 2/3 entstammen schlicht den gestrigen Fernsehnachrichten. Ich habe mal recht ausgiebig mit einem seit 30 Jahren HIV-positiv-Kranken diskutiert, der selbst in der Aids-Hilfe aktiv ist. Das wich noch staerker ab. Seiner Einschaetzung war das extreme gros der Infizierten Junkies, die sich Spritzen teilen, danach passiver AV und dann GV. Aktive Infektionen praktisch nicht messbar. Ich nehme mal an, dass eine Erhebung solcher Zahlen auch recht schwierig ist, da es (zum Glueck) nur relativ wenig Infizierte in Deutschland gibt. Sowas muesste man in Afrika analysieren.
 

Benutzer115625 

Beiträge füllen Bücher
Zu Deinen Zahlen kann ich wenig sagen. Meine 1/3, 2/3 entstammen schlicht den gestrigen Fernsehnachrichten. Ich habe mal recht ausgiebig mit einem seit 30 Jahren HIV-positiv-Kranken diskutiert, der selbst in der Aids-Hilfe aktiv ist. Das wich noch staerker ab. Seiner Einschaetzung war das extreme gros der Infizierten Junkies, die sich Spritzen teilen, danach passiver AV und dann GV.
Den Zahlen des Robert-Koch-Instituts vertraue ich da mehr.

Ich nehme mal an, dass eine Erhebung solcher Zahlen auch recht schwierig ist, da es (zum Glueck) nur relativ wenig Infizierte in Deutschland gibt. Sowas muesste man in Afrika analysieren.
Das ist nicht schwierig, denn:
Der Nachweis der HIV-Infektion ist nach § 7 Abs. 3 Nr. 2 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) nichtnamentlich meldepflichtig (Meldung erfolgt direkt an das Robert Koch-Institut). Primär meldepflichtig ist das diagnostizierende Labor, welches dem einsendenden Arzt einen Durchschlag des Meldebogens schickt. Der einsendende Arzt ist verpflichtet, dem Labor nicht zur Verfügung stehende demographische, anamnestische und klinische Angaben auf dem Meldebogen zu ergänzen und den so ergänzten Meldebogen direkt an das RKI zu senden. [...] Diese Daten bilden die Basis für die Beurteilung der aktuellen Entwicklung der HIV/AIDS-Epidemie [...].
In anderen westlichen Ländern schwankt der Anteil der Neuinfektionen durch MSM ebenfalls zwischen 40-60%

Im Übrigen wäre eine Analyse in Afrika überhaupt nicht hilfreich, da dort VÖLLIG ANDERE Bedingungen herrschen. Kulturell, medizinisch, epidemisch.

Grüße,

Ali Mente
[DOUBLEPOST=1430391173,1430390045][/DOUBLEPOST]Interessant im Übrigen: http://www.pei.de/DE/infos/patiente...uss-msm-antwort-gruene-jugend-nrw-inhalt.html

Insbesondere:
Es wird häufig, wie auch in Ihrem offenen Brief, argumentiert, dass bei MSM, die "safer sex" betreiben oder in stabilen Partnerschaften leben, kein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe. In den letzten Jahren wurde ein bundeseinheitlicher Spenderfragebogen erarbeitet, der gerade auch sexuelles Risikoverhalten bei allen Spendewilligen unabhängig von der sexuellen Ausrichtung genauer erfassen soll. Dieser Fragebogen ist wegen der expliziten Fragen zum Sexualverhalten teilweise scharf kritisiert worden. Es hat sich gezeigt, dass es weder mit Hilfe des Fragebogens noch von den Ärztinnen und Ärzten der Blutspendedienste geleistet werden kann, das individuelle Verhalten jedes einzelnen Blutspendewilligen und hier insbesondere das Sexualverhalten individuell zu erfassen und zuverlässig zu bewerten. Dazu kommt, dass leider bei der Spenderbefragung nicht immer zutreffende Angaben gemacht werden. Etwa 50% der Spendewilligen, bei denen der HIV-Test positiv ausfällt, sind MSM, die dies im Fragebogen verneint hatten. Wie oben bereits gesagt, hätten alle 5 HIV-Übertragungen, bei denen der Infektionsweg geklärt werden konnte, durch wahrheitsgemäße Beantwortung des Spenderfragebogens vermieden werden können.

In diesem Zusammenhang ist die kürzlich von der AIDS-Hilfe Hessen e.V. (AHH) zur Verfügung gestellte vorläufige Positionierung zum Ausschluss von MSM von der Blutspende (Anlage) von Interesse. Hier wird festgestellt, dass es unzutreffend wäre und zu einer falschen Einschätzung auch seitens der MSM führen würde, das hohe Risiko einer HIV-Infektion nur Männern zuzuschreiben, die eine besondere "Sorglosigkeit" oder Risikobereitschaft auszeichnet. Weiter wird hier gesagt: "Risikominimierungsstrategien, die auf solchen Vorannahmen gründen (Entscheidung für oder gegen Safer Sex nach dem äußeren Erscheinungsbild, nach Wohnort, Herkunft etc. des Sexualpartners), sind auch bei MSM weit verbreitet und nicht realitätstauglich. Die Betonung der Unterscheidung von promiskuitiven und weniger promiskuitiven MSM im Kontext des Blutspende-Ausschlusses leistet einer "moralisch verzerrten" Sichtweise auf die realen Risiken Vorschub."
 

Benutzer137374  (49)

Benutzer gesperrt
Den Zahlen des Robert-Koch-Instituts vertraue ich da mehr.
Ich auch, wobei ich das mit den Zahlen generell schwierig finde. Das Geschlecht ist eindeutig, bei der sexuellen Orientierung wird es schon schwieriger, Luegen aufgrund von Drogenkonsums mittels Spritzen liegen nah und der eigentliche Uebertragungsweg ist ja praktisch nicht ermittelbar. Wenn zB zwei Schwule das volle Programm an Sex haben, wie will man dann nachrpruefen, ob AV aktiv oder passiv ursaechlich fuer die Infektion oder auch OV waren. Das geht ja gar nicht

In anderen westlichen Ländern schwankt der Anteil der Neuinfektionen durch MSM ebenfalls zwischen 40-60%
Entweder verstehe ich das nicht oder bin verwirrt. Das ist doch die von mir genannte Zahl?
Im Übrigen wäre eine Analyse in Afrika überhaupt nicht hilfreich, da dort VÖLLIG ANDERE Bedingungen herrschen. Kulturell, medizinisch, epidemisch.
Aber man hat viel mehr Daten auszuwerten. Ich denke nicht, dass die Bedingungen bezueglich der Uebertragungswahrscheinlichkeit eine grosse Rolle spielen. Es gibt da ein paar bizarre Sachen (angeblich finden es in manchen Laendern die Maenner gut, wenn die Frau moeglichst trocken ist und reiben die Vagina deshalb mit Sand aus, was sicher eine HIV-Uebertragung wahrscheinloicher macht, aber auswertbar waeren solchen Daten dennoch).
 

Benutzer115625 

Beiträge füllen Bücher
Ich auch, wobei ich das mit den Zahlen generell schwierig finde. Das Geschlecht ist eindeutig, bei der sexuellen Orientierung wird es schon schwieriger, Luegen aufgrund von Drogenkonsums mittels Spritzen liegen nah und der eigentliche Uebertragungsweg ist ja praktisch nicht ermittelbar. Wenn zB zwei Schwule das volle Programm an Sex haben, wie will man dann nachrpruefen, ob AV aktiv oder passiv ursaechlich fuer die Infektion oder auch OV waren. Das geht ja gar nicht
Kausale Betrachtung ist doch für eine rein quantitative Risikoanalyse garnicht nötig. Ob die Übertragung nun durch passiven oder aktiven Verkehr erfolgte, spielt in diesem Bezug dann doch garkeine Rolle.

Gerade dein Argument "eigentlicher Übertragungsweg schwer Feststellbar" spräche doch sogar FÜR eine restriktive, undifferenzierte Ausschlusspolitik. Denn selbst wenn kein kausaler Zusammenhang zwischen "MSM" und "HIV-Prävalenz" bestünde, so gibt es eben doch, und das lässt sich halt relativ sicher sagen, eine Korrelation. Durch den pauschalen Ausschluss der Gruppe kann man Übertragungen durch Transfusionen also relativ sicher verhindern.

Entweder verstehe ich das nicht oder bin verwirrt. Das ist doch die von mir genannte Zahl?
Jein. Du hast vom "Anteil der Neuinfektionen" direkt auf das "Risiko" geschlossen. Das dies so einfach nicht geht, habe ich versucht durch die Zahlen zu zeigen.

Um das nochmal zu verdeutlichen: Um als heterosexueller mit gleicher Wahrscheinlichkeit einen HIV-positiven Sexpartner zu erwischen, wie ein Mann, der mit einem Mann Sex hat, müsste ich plakativ gesprochen mit 55 heterosexuellen Personen Sex haben (das stimmt so nicht exakt, da ich das aufgrund der unterschiedlichen Inzidenz bei Männern und Frauen getrennt betrachten müsste ... es infizieren sich bei etwa gleicher jeweiliger Gesamtzahl nämlich etwa 2x soviele Frauen wie Männer durch heterosexuelle Kontakte). Da ist das Übertragungsrisiko durch die konkrete Art des Verkehrs noch garnicht berücksichtigt.

Laut deiner Aussage: Das heisst, das Risiko ist ein Drittel (Frau oder nicht schwuler Mann) zu 2 Dritteln wäre das Verhältnis bei dieser Betrachtung 2:1 statt 55:1 :zwinker:

Aber man hat viel mehr Daten auszuwerten. Ich denke nicht, dass die Bedingungen bezueglich der Uebertragungswahrscheinlichkeit eine grosse Rolle spielen. Es gibt da ein paar bizarre Sachen (angeblich finden es in manchen Laendern die Maenner gut, wenn die Frau moeglichst trocken ist und reiben die Vagina deshalb mit Sand aus, was sicher eine HIV-Uebertragung wahrscheinloicher macht, aber auswertbar waeren solchen Daten dennoch).
Es geht ja aber nicht um den konkreten Übertragungsweg, sondern um das reine Risiko als Angehöriger einer bestimmten "Gruppe". In Afrika sind die Verhältnisse da eben völlig anders (viel mehr Übertragungen durch Bluttransfusion, Mütter auf ungeborene Kinder, ...) ... was zum Beispiel daran liegt, dass das Virus dort generell viel stärker Verbreitet ist (z.B. gut 1/3 der Prostituierten infiziert).

Grüße,

Ali Mente
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer62841  (34)

Meistens hier zu finden
Ich persönlich fühle mich nicht sicherer als potentieller Blutempfänger, wenn der seit Jahren monogam lebende, clean getestete Schwule automatisch aussortiert wird, während der herumhurende heterosexuelle Dorfbesamer (um es mal ins Extrem zu pushen) erstmal automatisch als Spender in Frage kommt, bloß weil er es halt mit Frauen treibt. Ich sehe das Urteil eigentlich so, dass nun doch nach der konkreten Gefährdung im Einzelfall entschieden werden müsste.

Aber heh, hab ich eine gute Ausrede mit meiner Angst vor Spritzen aufs Spenden zu verzichten! Allerdings sollten die entsprechenden Institutionen bitte aufhören zu jammern, dass ihnen die Konserven ausgehen, wenn gleichzeitig eine potentielle Spendergruppe kategorisch ausgeschlossen wird.
 

Benutzer38570 

Planet-Liebe Berühmtheit
Letztlich bleibt es dann wohl bei der bisherigen Praxis. Aber gibt ja Möglichkeiten für diejenigen, die dennoch spenden wollen: den Fragebogen so ausfüllen, dass man halt nicht ausgeschlossen wird.
 

Benutzer135918 

Sehr bekannt hier
Ich finde es immer noch eine Frechheit !

Das blut kann doch untersucht werden !
 

Benutzer115625 

Beiträge füllen Bücher
Ich finde es immer noch eine Frechheit !

Das blut kann doch untersucht werden !

http://www.pei.de/DE/infos/patiente...uss-msm-antwort-gruene-jugend-nrw-inhalt.html

Sie wissen sicher, dass in den 80er Jahren gehäuft HIV durch Blutprodukte übertragen wurde und dass seitdem die Gesellschaft kompromisslos verlangt, dass jedes diesbezügliche Risiko soweit wie möglich ausgeschaltet wird. Der Sicherheit der Empfänger von Blutprodukten wird somit absolute Priorität gegeben – auch um den Preis, möglicherweise Menschen von der Blutspende auszuschließen, deren Spende im Einzelfall keine Infektion übertragen würde.
[...]
Die Blutspende stellt einen wichtigen Dienst an der Gemeinschaft dar, deswegen ist es sehr erfreulich, dass die regelmäßigen Aufrufe so viele Mitmenschen zur Blutspende motivieren. In Deutschland werden derzeit jährlich 59 Blutspenden pro 1000 Einwohner geleistet, was deutlich über dem europäischen Durchschnittswert von 39 Blutspenden pro 1000 Einwohner liegt; in Deutschland ist die Versorgung mit Blutkonserven also vergleichsweise gut. In dieser Situation ist sorgfältig abzuwägen, ob man wirklich befürwortet, für mehr Blutspenden höhere Risiken für die Patienten in Kauf zu nehmen.
[...]
Die Eignung einer spendewilligen Person wird im Spenderfragebogen abgefragt und dokumentiert, der für alle Spendewilligen allgemein anwendbar sein muss. Der Ausschluss aufgrund von Risiken, die Personengruppen betreffen (also aufgrund epidemiologischer Risiken), vernachlässigt naturgemäß die Einzelfallbetrachtung. Das kann bei den Einzelnen, die möglicherweise aus dem epidemiologischen Raster fallen, zu einem Gefühl führen, ungerecht behandelt oder gar diskriminiert zu werden.

Im Sinne der höchstmöglichen Sicherheit der Empfänger von Blutprodukten hat man sich jedoch entschlossen, dies in Kauf zu nehmen. MSM sind dabei nicht die einzige betroffene Personengruppe. Beispielsweise werden auch Menschen (auf Dauer) ausgeschlossen, die sich in einem bestimmten Zeitraum insgesamt mehr als 6 Monate in Großbritannien aufgehalten haben. Damit soll das Risiko der Übertragung der seltenen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) reduziert werden. Die vCJK wird nach heutigen Erkenntnissen in erster Linie durch den Verzehr von BSE-belastetem Rindfleisch erworben und ist in seltenen Einzelfällen durch Blutprodukte übertragen worden. Auch diese spendewilligen Personen werden nicht nach ihrem persönlichen Verhalten (z. B. Verzicht auf Fleischkonsum) befragt.
[...]
Weil jede einzelne Blutspende sorgfältig auf HIV und andere Erreger untersucht wird, wird häufig die Frage gestellt, warum dann überhaupt noch der Spenderausschluss notwendig sei. Dies liegt an der so genannten diagnostischen Fensterphase. Dieser Begriff beschreibt die Tatsache, dass nach einer Infektion mit HIV eine gewisse Zeit vergeht, bis der Körper die Abwehrstoffe (Antikörper) bildet, die in den Tests nachgewiesen werden können. Seit Mai 2004 wird in Deutschland zusätzlich der direkte Virusnachweis (mittels sogenannter PCR) eingesetzt. Aber auch dieser Test kann die Fensterphase nur weiter verkürzen, nicht vollständig beseitigen. Es verbleibt also trotzdem immer ein gewisses Restrisiko, dass frisch Infizierte von diesen modernen und hochempfindlichen Tests (noch) nicht erfasst werden können.

Um dieses Risiko so weit wie irgend möglich zu minimieren ist es daher weiterhin notwendig, von vornherein alle Personen und Personengruppen von einer Spende auszuschließen, die ihrerseits ein erhöhtes Risiko haben können, sich zu infizieren. In einer solchen Gruppe ist naturgemäß das Risiko einer Spende in der infektiösen Fensterphase höher. Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass jedem einzelnen dieser Spendewilligen ein Risikoverhalten unterstellt wird, aber im Sinne der Arzneimittelsicherheit muss es darum gehen, die Wahrscheinlichkeit von Spenden in der durch Tests nicht erkennbaren Fensterphase generell so gering wie möglich zu halten.
 

Benutzer120063 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich persönlich fühle mich nicht sicherer als potentieller Blutempfänger, wenn der seit Jahren monogam lebende, clean getestete Schwule automatisch aussortiert wird, während der herumhurende heterosexuelle Dorfbesamer (um es mal ins Extrem zu pushen) erstmal automatisch als Spender in Frage kommt, bloß weil er es halt mit Frauen treibt. Ich sehe das Urteil eigentlich so, dass nun doch nach der konkreten Gefährdung im Einzelfall entschieden werden müsste.

Das ist im Normalfall aber auch nicht so - der hetoresexuelle Dorfbesamer müsste ja bei einer Abteilung wie "häufig wechselnde Intimpartner" ein Kreuzchen machen, da wird man eben auch ausgeschlossen...
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ich finde die Situation auch nicht grad glücklich. Aber eine genaue Kategorisierung der Risikogruppen nach Sexpraktiken etc. wäre vermutlich völlig unpraktikabel. Und die Argumentation, Menschenleben bzw. Gesundheit über Gleichberechtigung zu stellen, kann ich nachvollziehen.

Bauchschmerzen bleiben, aber ich wüsste ehrlich gesagt nicht, ob ich - wäre ich dafür zuständig - genauso entscheiden würde.
 

Benutzer62841  (34)

Meistens hier zu finden
Das ist im Normalfall aber auch nicht so - der hetoresexuelle Dorfbesamer müsste ja bei einer Abteilung wie "häufig wechselnde Intimpartner" ein Kreuzchen machen, da wird man eben auch ausgeschlossen...

Dem unverantwortlich herumf***en Heterosexuellen wird trotzdem per se erstmal unterstellt, dass er ein geringeres Sicherheitsrisiko darstellt als der seit Jahren monogam lebende und clean getestete Schwule (und ihm wird natürlich die auch mehr vertraut, dass er die entsprechende Frage auch ehrlich beantwortet - im Gegensatz zum Schwulen, der eher dazu bereit wäre, zu lügen, wenn die Entscheidung vom tatsächlichen Sexualverhalten abhängen würde und nicht von mit dem Lineal gezogenen Grenzen).

Ja, es gibt sie, die wild herumf***en Schwulen - genau wie es das bei den Heterosexuellen gibt. Und wenn man nach Durchschnittswerten einer potentiellen Gefährdung geht, müssten wohl die Karnevalshochburgen regelmäßig komplett vom Spenden ausgeschlossen werden...

Diese automatische Ablehnung von Schwulen sorgt übrigens als kleines Rädchen im Getriebe auch wieder mit dafür, dass Heterosexuelle weiterhin der Meinung sind, dass *ihnen* von HIV/AIDS keine Gefahr droht, ist ja die Schwulenpest, sieht man ja schon daran, dass die Schwulen nicht Blut spenden dürfen. Wäre interessant zu wissen, wieviele Heterosexuelle (auch Frauen) infiziert durchs Leben gehen und davon noch gar keine Ahnung haben und nie auf die Idee kommen, sich testen zu lassen, denn *ihnen* droht ja keine Gefahr. Ich denke, Homosexuelle lassen sich eher mal testen - was auch ein Grund für die höheren Fallzahlen in den Statistiken ist.
 

Benutzer71015 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ich sehe das Problem nicht darin, Risikogruppen auszuschließen, sondern in der Definition der Risikogruppen, bzw. speziell dieser "Risikogruppe". Die ist einfach, meiner Meinung nach, übertrieben weit gefasst. Wenn "häufig wechselnde Sexualpartner" z.B. ohnehin ein Ausschlussgrund sind, dann sind darin auch Schwule mit häufig wechselnden Sexualpartnern ohnehin schon erfasst.
 
P

Benutzer

Gast
Man sollte die Fragebogen mal überarbeiten und besser formulieren. Es geht ja schon bei der 1. Frage los, wenn ich mich nicht gesund fühle, so gehe ich auch nicht zur Blutspende. :smile:
Es ist auch Fakt, dass die Krankenhäuser viel Blut benötigen und da muss was getan werden, dass es zu keinen Engpässen beim der Patientenversorgung kommt.
Das Blut wird ohnehin untersucht und wieso sollten da keine Schwulen spenden, wenn es sogar der Alki von der Straße darf?! Wenn ein Schwuler zum Beispiel über Jahre den gleichen Partner hat, dann ist dies für mich ein geringeres Risiko als Jemand, der jede zweite Woche ein Mädchen von Partys abschleppt. :smile: Ebenso ist unklar wie genau der Bogen von jedem Spender ausgefüllt wird.
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren