Die vielen Lügen belasten mich.

Benutzer155184 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo liebe Community,

ich habe ein Problem, bei dem ich nicht mehr weiter weiß.
Erstmal zu mir: Ich habe eine Essstörung. Nicht sicher diagnostiziert, aber mir wird es doch häufig genug gesagt. Ich esse zu wenig, das weiß ich.
Das Problem ist, dass man mir es ansieht. Und deshalb haben mir schon viele "besorgte" Bekannte nahegelegt, mehr zu essen. Teilweise haben sie mir auch Versprechen abgenommen, z.B. mindestens 2mal pro Tag zu essen.
Diese Versprechen habe ich dann auch immer (widerwillig) gegeben, aber eingehalten habe ich kein einziges.
Dazu sollte ich sagen, dass ich zu meinen (geschiedenen) Eltern ein sehr gutes Verhältnis habe. Wohne zwar nicht mehr zuhause, aber telefoniere doch mehrmals wöchentlich mit ihnen und sie unterstützen mich bei allem was ich tue und brauche.
Nun hat vor Kurzem mein Vater angerufen und gesagt, dass er sich Sorgen um mich macht, weil er "mitbekommen" hat, dass ich zu wenig esse (das letzte Mal gesehen hat er mich an Ostern). Mein Vater ist eigtl ein sehr optimistischer Mensch, aber wenn er sich mal Sorgen macht, dann richtig. Ihm musste ich also versprechen, mindestens 800kcal täglich zu mir zu nehmen. (Mein Tagesbedarf liegt im Ruhezustand bei 1300kcal + 500kcal durch meine Arbeit und nochmal + ungefähr 300-400kcal dadurch, dass ich täglich Sport mache. Also insgesamt so um die 2000kcal.) Das ist für mich eine unfassbare Summe. Unter der Woche esse ich eigentlich grundsätzlich gar nichts. Am Wochenende kommt es mir so vor, als würde ich recht viel essen, aber wenn ich das dann meiner Mutter (die neben meinen Mitbewohnerinnen die einzige ist, die die Wahrheit weiß) oder einer neutralen Person erzähle, bekomme ich zu hören, dass das immernoch recht wenig sei. (Besonders dafür, dass es mir immer vorkommt, als würde ich mich vollstopfen.)
Nun ruft mein Vater fast jeden Abend an und fragt, was ich heute gegessen habe. (Gerade eben wieder.) Ich erfinde dann immer etwas. Und das belastet mich.
Ich weiß, wie enttäuscht er wäre, wenn er herausfinden würde, dass ich ihn ständig anlüge. Wir hatten immer so eine ehrliche und offene Beziehung. Als ich ihm das Versprechen gegeben habe, hat er noch gesagt: "Ich verlasse mich darauf, dass du mir die Wahrheit sagst, du warst schon immer sehr ehrlich." Das stimmt auch, ich kann überhaupt nicht lügen, man sieht es mir sofort an. Ihn anzulügen ist eh nur möglich, da wir fast nur telefonieren.
Selbst wenn ich meine Kollegen anlüge und Essen erfinde, was ich angeblich gegessen hab, fühle ich mich schon schlecht. Aber bei meinem Vater belastet mich das Lügen noch viel mehr (da ich Lügen eigtl hasse), denn ich weiß, wie sehr es unsere Beziehung belasten wird, wenn es rauskommt. Aber ich will einfach nicht, dass er sich Sorgen macht, oder dass irgendjemand sich Sorgen macht...
Ich weiß nicht, was ich tun soll...
 

Benutzer101597  (63)

Sehr bekannt hier
Sag deinem Vater dass wenn er dir Druck macht du noch weniger isst. Das du seine Sorge verstehst und es auch lieb findest, sein Druck dich aber nur belastet.
Wenn du täglich Sport machen kannst ohne umzukippen dann kann es nicht allzu schlimm sein. Dennoch solltest du dich mal an eine Beratungsstelle wenden. Die können dir sagen inwieweit du Probleme hast und dir Helfen.
Anderen Leuten die dir Druck machen solltest du sagen dass sie es zwar lieb meinen aber es dir nur schwer machen.
 

Benutzer20976 

(be)sticht mit Gefühl
Erst einmal gut, dass Du darüber schreibst und hier Unterstützung suchst.
Unter der Woche esse ich eigentlich grundsätzlich gar nichts.
Du isst von Montag bis Freitag nichts? Komplette Nulldiät? Oder was heißt "eigentlich"? Seit wann ist das so?
Wie sehen derzeit Deine Tagesabläufe aus - arbeitest Du, gehst Du zur Schule, lernst oder studierst Du?

Was Du beschreibst, hört sich für mich alarmierend an - gerade auch die Lügerei. Natürlich ist das Teil der Störung. Deinen Vater täglich zu belügen, belastet Dich zusätzlich.

Wann und bei wem wirst Du Dir professionelle Hilfe holen? Ich frage das nicht, um Dich unter Druck zu setzen.
Dein letzter Satz lautet, dass Du nicht weißt, was Du tun sollst. Mein erster Impuls: Lass eine eindeutige Diagnose stellen und begib Dich in Behandlung.

Es gibt Beratungsstellen für Mensche mit Essstörung, Du kannst Dich aber auch zunächst an einen Arzt Deines Vertrauens wenden, wenn Du so jemand hast.
 

Benutzer154731 

Verbringt hier viel Zeit
Wenn du täglich Sport machen kannst ohne umzukippen dann kann es nicht allzu schlimm sein.
Dem kann ich nicht unbedingt zustimmen...
Liebe TS, bitte such dir sobald wie irgend möglich Hilfe. Such dir jemanden, mit dem du über deine Magersucht sprechen kannst, dem du dich anvertrauen kannst. Das ist eine heimtückische und gefährliche Krankheit.
Schau mal hier, hier hab ich mich gerade eingelesen und finde die Website ganz gut gemacht:
Link wurde entfernt

So wie du dich beschreibst, klingeln bei mir alle Alarmglocken, vor allem wenn dich viele Bekannte darauf angesprochen haben weil sie dir deine Krankheit ansehen und weil du Menschen belügen musst, die du liebst.

Du kannst nichts dafür! :knuddel:
Aber bitte, hol dir Hilfe!
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Benutzer101597  (63)

Sehr bekannt hier
Ich habe das "nicht allzu schlimm" in Zusammenhang mir ihrer Aussage "Erstmal zu mir: Ich habe eine Essstörung" gesagt.
Sie sieht es selber ein, also braucht sie keinen Alarm sondern Hilfe.
 

Benutzer120063 

Planet-Liebe Berühmtheit
Wenn du täglich Sport machen kannst ohne umzukippen dann kann es nicht allzu schlimm sein.

Sorry, auch wenn du diese Aussage jetzt schon etwas abgemildert hast - wenn sich jemand mit Untergewicht bedingt durch eine Essstörung täglich zum Sport antreibt, heißt das nicht, dass es "nicht so schlimm" ist - nur weil sie im Moment nicht umkippt. Angesichts dessen, was die TS sonst noch so erzählt über ihr Essverhalten (von Mo-Fr NICHTS essen) halte ich es für gefährlich, sie da irgendwie zu beruhigen.

Liebe TS, ich denke dir ist klar, dass es nur eine Lösung gibt - du musst dir Hilfe suchen um deine Essstörung in den Griff zu bekommen. Wenn du das Essverhalten so beibehältst, dann kannst du nur lügen oder eine Wahrheit erzählen, die die Menschen, die dich lieben, in Sorge versetzen wird. Und diese Sorge ist bei allem, was du erzählst, berechtigt. Das soll kein Vorwurf sein, ich hoffe einfach nur, dass dir bewusst ist, dass dein Körper nicht dauerhaft mitmachen wird, wie du mit ihm umgehst. Ich bin mir sicher, dass du deine Gründe dafür hast - professionelle Hilfe könnte dir helfen, diese zu finden und Probleme zu lösen.
 
H

Benutzer

Gast
Mein Rat: Nimm die Hilfe an.
Dein Vater liebt dich und sorgt sich, es tut nicht weh ihm die Wahrheit zu erzählen, es tut aber weh ihn zu belügen.

Er wird nicht enttäuscht sein dass du so eine Dummheit machst und ihn angelogen hast, nein, er wird stolz und glücklich sein, dass du es ihm erzählt hast, damit er helfen kann. Es ist dein Vater, er hatte dich schon auf dem Arm als du noch ein kleiner Wurm warst.

(schreibt ein Vater von 3 Kindern).
 

Benutzer155184 

Sorgt für Gesprächsstoff
Vielen Dank für eure Antworten.

Vielleicht sollte ich noch ein bisschen was erklären.
Ich bin weder untergewichtig, noch magersüchtig. Also jeweils nicht im klassischen Sinn, da man erst ab einem BMI von unter 17,5 als magersüchtig gilt. Ich bin normalgewichtig. (Deswegen habe ich auch gleich zu Beginn "Essstörung" geschrieben, nicht Magersucht.
Ich verliere im Moment auch nur extrem langsam Gewicht. Das liegt wohl daran, dass mein Stoffwechsel im Hungermodus ist und so gut wie nichts mehr hergibt.
Mit "die Essstörung ansehen" ist bei mir hauptsächlich gemeint, dass ich sehr, sehr blass geworden bin, starken Haarausfall habe, meine Haut und Lippen völlig ausgetrocknet sind und ich meistens ziemlich schwach bin.

Du isst von Montag bis Freitag nichts? Komplette Nulldiät? Oder was heißt "eigentlich"? Seit wann ist das so?
Wie sehen derzeit Deine Tagesabläufe aus - arbeitest Du, gehst Du zur Schule, lernst oder studierst Du?

Ja, ich trinke auch nur Wasser. Nichtmal Tee, denn selbst der hat Kalorien. Ich ertrage das Gefühl von Essen in meinem Magen nicht, dann fühle ich mich immer furchtbar dick. Sonntags mittags nehme ich dann immer Abführmittel, damit ich wieder "sauber" in die Woche starten kann. (Und ja, ich weiß selber, wie verrückt sich das anhört.)
"Eigentlich" bedeutet, dass es manchmal Situationen gibt, in der ich leider gezwungen bin, zu essen. Z.B. hat einmal unsere Chefin (auch so eine besorgte Bekannte) beschlossen, uns zu besuchen und für uns zu kochen um uns besser kennenzulernen. Da hätte ich gerne krankgemacht aber sie war ja schon in unserer Wohnung und hätte mir das Essen sicherlich auch ans Bett gebracht, nur um zu sehen, dass ich esse. Danach kam dann wieder das AFM zum Einsatz.
Die komplette Nulldiät seit Februar. Vorher hab ich eine Zeit lang ein Joghurt und ein Stück Obst pro Tag gegessen.

Mein Tagesablauf: Ich mache zur Zeit ein FSJ im Ausland (aber nur 2 Stunden von meiner Heimatstadt entfernt. Arbeite in einer Kinderkrippe. Das ist körperlich anstrengender als Schule, da man viel herumtragen muss etc. (Die Kinder sind teilweise erst wenige Monate alt oder eben schon 3 Jahre.) Auf der Arbeit wird mir deswegen schon leicht schwindelig (bei so ziemlich jeder schnellen Bewegung.) Nach der Arbeit oder in der Mittagspause mache ich Sport im Fitnessstudio, mindestens 1 Stunde pro Tag. Danach gehe ich meistens schlafen, oder kurz an den PC oder so. Arbeit, Sport, Schlafen, das ist mein Tag.

Das mit dem Sport ist so ne Sache. Neben diesem inneren Zwang zum Sport, der mich psychisch fertigmacht, bin ich gerade donnerstags und freitags meistens zu schwach, aber ich zwinge mich dann trotzdem. Hatte schon Anfälle, bei denen ich keine Luft mehr bekommen habe und fast umgekippt wäre, aber dann haben mich andere Leute drauf angesprochen und mir geholfen. Manchmal bin ich fast zu schwach, um Treppen zu laufen. Andererseits gibt es aber auch Tage, an denen ich vor Kraft strotze.

Such dir jemanden, mit dem du über deine Magersucht sprechen kannst, dem du dich anvertrauen kannst.

Ich rede manchmal mit meiner Mitbewohnerin (eine Freiwillige, mit der ich auch zusammenarbeite) darüber. Sie selbst hatte 3 Jahre Bulimie und deswegen fühle ich mich zumindest annähernd von ihr verstanden. Sie kennt diese ganzen "Zwangsgefühle".
Sie sagt, es sei ein Wunder, dass ich noch nicht umgekippt bin. Aber sie sagt auch, dass sie mir, wenn ich keine Hilfe will, nicht helfen kann. Und dass es mein Körper sei und sie mir oft genug erklärt hat, was ich damit anstelle.

Mit professioneller Hilfe hab ich so ein Problem. Bin wie gesagt im Ausland. Sprache ist inzwischen zwar kein Problem mehr, aber mit Krankenkasse etc schon.
Und außerdem... Irgendwas hindert mich daran. Ich fühle mich irgendwie nicht krank. Ich bin psychisch irgendwie gestört, aber krank?
 

Benutzer15049  (35)

Beiträge füllen Bücher
Psychisch gestört oder krank,...das ist Wortklauberei. Jedenfalls ist das was du tust nicht normal. Und du solltest dir überlegen, ob du leben willst oder nicht. Denn früher oder später bringt dich dieses Verhalten um.
Wieso tust du das überhaupt? Wann hat das angefangen? Kannst du dir das selbst irgendwie erklären?
 

Benutzer155184 

Sorgt für Gesprächsstoff
Ich hatte übers Abi wegen dem ganzen Stress zugenommen, und als ich dann ins Ausland gegangen bin, hab ich mir vorgenommen, alles wieder loszuwerden. Habe dann mit einer 5:2-Diät angefangen (5 Tage Ernährungsumstellung, 2 Tage ohne Kalorienzählen). Das hat dann auch sehr gut geklappt, bis ich wieder meine alte Figur hatte. Aber dann hatte ich Blut geleckt. Es ging mir nicht ums Abnehmen (darum geht es mir auch heute nicht hauptsächlich.) Mir hat es nur gefallen, wie sehr ich mich und meinen Körper kontrollieren konnte und Instinkten widerstehen konnte. Seitdem war ich bei meinen Freunden als die, mit der unfassbaren Selbstdisziplin bekannt und viele kamen zu mir, wollten Tipps und haben gesagt, wie sehr sie mich dafür bewundern, dass ich jeden Tag ins Fitnessstudio gehe etc. Ich habe das Gefühl, gerade das macht mich in deren Augen aus. Von der Essstörung weiß keiner meiner Freunde. Dann würden sie meine Selbstdisziplin wohl nicht so bewundern.

Manchmal bin ich wirklich depressiv und dann ist mir alles egal. Ob ich am nächsten Tag aufwache oder nicht, was ich tue, sage etc. Ich verletze mich auch seit kurzer Zeit wieder selber. (Genauer gesagt seit Ostern, als ich zuhause war und zu viel gegessen habe.)
 

Benutzer15049  (35)

Beiträge füllen Bücher
Tut mir Leid aber dann ist es keine "Esstörung" mehr. Würdest du normal Essen und einfach nur exzessiv Sport treiben, wäre dir die Bewunderung genauso sicher.
Was nützt dir denn all das, wenn du dich und deinen Körper ruinierst?
Du verletzt dich also nicht zum ersten mal selber? Dann hast du mit ziemlicher Sicherheit ein tiefer gehendes Problem. Wie lange dauert dein Auslandsaufenthalt noch an?
Wenn du nicht in absehbarer Zeit dagegen angehst, versteifst du dich nur noch mehr in diese ungesunge Verhaltensweise.
Ist es dir das wirklich Wert?
An deiner Stelle würde ich nach Hause gehen und mich einer Therapie widmen. Denn du bist gerade mal 18 Jahre alt und hast dein ganzes Leben noch vor dir. Und wenn es so weitergeht, wird es sicher weder einfach, noch schön.
 
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