Die offene Beziehung: Wenn Bedürfnisse (scheinbar) weit auseinander gehen

Benutzer137806  (35)

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Hallo zusammen,

ich suche ein wenig Austausch mit Menschen, die grundsätzlich dem Konzept der Offenen Beziehung gegenüber positiv gestimmt sind, denn ich habe keinen Bedarf an einer grundsätzlichen Moraldiskussion. :zwinker:

Aber ich würde mich total freuen, wenn ich Austausch mit Leuten fände, die Erfahrung auf dem Feld gesammelt haben, ob jetzt positive oder negative.

Ich bin mit meinem Mann seit über 9 Jahren verheiratet, seit fast 13 Jahren sind wir ein Paar. Wir haben eine Tochter im Kindergartenalter.
Wir führen grundsätzlich eine sehr, sehr glückliche Ehe und auch unser Sexleben ist immer noch (und ja es klingt nach Angeberei, aber so empfinde ich es) sehr, sehr gut und auch erfüllt, was die Häufigkeit angeht. Ich weiß, dass mein Mann unglaublich gern mit mir schläft und auch ich komme immer auf meine Kosten.

Als Corona reinschlug hat uns das ziemlich getroffen. Wir sind sehr aktive, gesellige Menschen und es war schwer, zumal mit einem Einzelkind im Haus. Dann hat mein Mann auch noch seinen Job verloren und ist dadurch in eine kleine Depression gerutscht. Durch Isolation und Konzentration auf die Kernfreunde sind wir uns mit unserem Umfeld sehr viel näher gekommen und dabei "kam raus", dass gleich drei sehr eng befreundete Paare ihre Beziehungen vor langem oder auch kürzerem geöffnet haben, meist durch den Antrieb der Frau.

Long story short: Mein Mann brachte (auf drängende Nachfragen meinerseits) vor ca. einem Jahr dann endlich heraus, dass er die Idee auch ziemlich spannend findet. Er war vor unserer Beziehung ein ziemlicher "Rumtreiber" mit vielen Bettgeschichten. Ich wiederum bin bi und hatte auch in der Vergangenheit während unserer Ehe ab und an mal was mit einer Frau am Laufen, allerdings im sehr engen freundschaftlichen Kontext und mit Wissen meines Mannes. Es waren aber eher so Geschichten auf Leven Rumknutschen und Fummeln.

Jedenfalls haben wir den Versuche Eheöffnung gewagt und ganz ehrlich: Am Anfang war es richtig scheiße, zumal wir durch Corona ohnehin sehr eingeschränkt waren, beide ziemlich belastet und vieles sich erstmal nur auf der Phantasieebene abgespielt hat. Mit sinkenden Inzidenzen und unserer Impfung haben wir dann tatsächlich erste Erfahrungen sammeln können. Eigentlich will ich auch gar nicht so die Details diskutieren, sondern meine Feststellung, dass mein Mann und ich einfach sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben.

Ich bin mittlerweile der Meinung, demisexuell zu sein, also Sex mit starken Gefühlen verbinden zu müssen. Deshalb ist es für mich auch ziemlich leicht, mich mit engen Freunden einzulassen. Dreier etc, die wir gehabt haben, habe ich als sehr entspannt wahrgenommen. Mein Mann möchte aber eher "die Unbekannte" und er möchte auch eher mal eine "Runde allein" drehen. Ich habe bisher einmal Erfahrung mit einem anderen Mann gesammelt und obgleich auch das ganz gut war, habe ich kein Bedürfnis das zu wiederholen. Grundsätzlich erlaube ich ihm das, wenn auch die Aushandlung der Parameter immer ziemlich anstrengend ist. Aber ich habe halt das Gefühl, dass unsere Liebe, die ich zugegebenermaßen ziemlich idealisiert habe, durch das Ganze irgendwie "entwertet" wird. Wenn es nach mir ginge, würden wir einfach wieder monogam leben und obgleich ich weiß, dass mein Mann das akzeptieren würde, glaube ich schon, dass ich ihm etwas nehmen würde, was für ihn einen großen Gewinn bringt. Er nimmt mir ja auch nichts weg, seine Frau und seine Tochter stehen für ihn an erster Stelle, da kann ich mich gar nicht beschweren!


Ich persönlich brauche also diese Öffnung nicht, auch irgendwelche Frauengeschichten könnte ich mir ohne Verlust "klemmen". Meinem Mann allerdings gibt es schon recht viel und ohne dass mir objektiv viel genommen würde, denn wie gesagt, wir reden hier nicht von hoher Regelmäßigkeit oder davon, dass mir irgendetwas fehlen würde. Aber mich nervt das Thema. Es strengt mich an, es stört mich und es hat dafür gesorgt, dass mein Mantra von "wir führen die glücklichste, romantischte Ehe aller Zeiten" [sic] einfach nicht mehr wahr ist. Ich liebe ihn nicht weniger, aber für mich ist der Märchencharme verloren gegangen, ich verorte den Grund dafür tatsächlich in meiner demi-Neigung. Eifersucht ist auch, aber eigentlich nicht das Hauptthema, sondern eher so meine Glaubenssätze, die ein Leben lang für mich gegolten haben.

Jetzt habe ich schon irre viel geschrieben und könnte wohl noch weiter ausführen, daher bremse ich mich hier mal und warte ab, ob ich nette Menschen zum weiteren Austausch finde.

Liebe Grüße!
 

Benutzer172677 

Sehr bekannt hier
sondern eher so meine Glaubenssätze, die ein Leben lang für mich gegolten haben.
Das habe ich mir beim Lesen auch sofort gedacht.

Oder genauer: dass Du das, was für Dich gilt, auf Deinen Mann überträgst.
Denn für ihn hat der Sex außerhalb, wenn ich das richtig deute, ja gar nichts mit eurer Liebe zu tun.
Das wäre nur für Dich so.
Ist natürlich nie hilfreich, das Verhalten anderer mit den eigenen Intentionen zu belegen.

Bei uns ist die Situation ähnlich, ich würde meinen Mann zwar nicht direkt als demisexuell bezeichnen, er hat aber kein Interesse an unverbindlichem Sex (mehr).
Er bringt die Öffnung für mich halt gedanklich und emotional gar nicht mit uns und unseren Gefühlen füreinander in Verbindung.
Allerdings thematisieren wir gar nicht groß, was da außerhalb passiert, das ist etwas, das er wahrscheinlich braucht, um für sich den nötigen Abstand dazu zu haben.

Glaubst Du denn, dass Du das für Dich so aufdröseln kannst, dass es Dir damit gut geht?

Und an der Stelle mal Hut ab dafür, dass Du Dir so viel Gedanken über die Bedürfnisse Deines Mannes machst.
Was doch schon ein Zeichen ist, dass ihr etwas ganz besonderes miteinander habt.
 

Benutzer75021 

Beiträge füllen Bücher
Eifersucht ist auch, aber eigentlich nicht das Hauptthema, sondern eher so meine Glaubenssätze, die ein Leben lang für mich gegolten haben.
Fangen wir mal damit an, denn Eifersucht ist ziemlich normal (in vernünftigem Maße)und ich denke das auch viele in offenen Beziehungen eifersüchtig sind.
Aber du schreibst ja selbst, das ist nicht das Kernproblem.
Sondern deine anerzogenen Glaubenssätze.
Willkommen im Leben :zwinker:
Ich denke an den Punkt kommen auch viele langzeitbeziehungen.
Man merkt das es rechts und links auch noch anziehende Menschen gibt und überlegt, wie geht man damit um.
Ihr habt das schon sehr clever und vernünftig gelöst, indem ihr darüber geredet habt und anscheinend auch einiges ausgelebt habt.
Das ist mutig und ja, vermutlich bringt es einen auf den Boden der Tatsachen und die romantische Vorstellung von der Beziehung, wie sie vorher einmal war, schwindet langsam.
Kann ich verstehen, hab das selber (aber anders) erlebt.
Das muss aber überhaupt nichts schlechtes sein, es ist halt anders als vorher. Eben weil man sich und seine Bedürfnisse und die des Partners klar vor Augen hat, darüber spricht, es auslebt… ja das wirkt dann ernüchternd.
Ihr seid jedoch sehr ehrlich, reflektiert und offen zueinander (so lese ich es) und das ist ganz toll. Da sollten sich andere mal ne dicke Scheibe von abschneiden.

Zurück zu einer monogamen Beziehung, wäre ein Weg.
Oder halt eine offene Beziehung, die du vermutlich nicht ausleben willst, er aber anscheinend gerne.
Könntest du damit umgehen, wenn er sich außerhalb auslebt und du nicht, eben weil ihr unterschiedliche Bedürfnisse habt?
Das musst du überlegen und mit deinem Mann aushandeln.
 

Benutzer180757  (46)

Öfter im Forum
Wenn es nach mir ginge, würden wir einfach wieder monogam leben und obgleich ich weiß, dass mein Mann das akzeptieren würde, glaube ich schon, dass ich ihm etwas nehmen würde,. ...
Aber mich nervt das Thema. Es strengt mich an, es stört mich ...
Es ist unabdingbar und sollte auch Konsens sein, die Grenzen der Beteiligten wahrzunehmen und zu respektieren. Und in diesen Konstellationen sind die Dynamiken ziemlich groß, d.h. schwer im voraus zu kennen. Kurz gesagt: Ihr solltet auf Dein Bedürfnis hören, das ist wichtiger als Deine Angst, ihm etwas „wegzunehmen“. Zumal Ihr ja durchaus einiges probiert/erlaubt habt.
 

Benutzer183259  (50)

Sorgt für Gesprächsstoff
Mein Mann brachte (auf drängende Nachfragen meinerseits) vor ca. einem Jahr dann endlich heraus, dass er die Idee auch ziemlich spannend findet.
...
Ich persönlich brauche also diese Öffnung nicht,

Also zum Verstehen:
DU drängst Deinen Mann in eine offene Beziehung und sagst nun, Du bräuchtest das gar nicht?

Weiterhin sehe ich es durchaus kritisch, dass Du dafür starke Gefühle brauchst.
Da ist die Gefahr des fremdverliebens doch ungleich höher als bei Deinem Mann, der unbekannte Damen getroffen hat.

Wenn Du Gefühle brauchst, geht das ja eher Richtung Polyamorie.

Und warum hast Du so grosse Probleme, wenn Dein Mann alleine los will?
Bist Du das nicht auch?
 

Benutzer137806  (35)

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Das habe ich mir beim Lesen auch sofort gedacht.

Oder genauer: dass Du das, was für Dich gilt, auf Deinen Mann überträgst.
Denn für ihn hat der Sex außerhalb, wenn ich das richtig deute, ja gar nichts mit eurer Liebe zu tun.
Das wäre nur für Dich so.
Ist natürlich nie hilfreich, das Verhalten anderer mit den eigenen Intentionen zu belegen.

[...]

Glaubst Du denn, dass Du das für Dich so aufdröseln kannst, dass es Dir damit gut geht?

Und an der Stelle mal Hut ab dafür, dass Du Dir so viel Gedanken über die Bedürfnisse Deines Mannes machst.
Was doch schon ein Zeichen ist, dass ihr etwas ganz besonderes miteinander habt.

Hallo Armorika,
danke für deine freundliche Antwort.
Ich habe mir mal deine Aussagen rausgepickt, auf die ich antworten möchte.

Es ist richtig, mein Mann kann Sex und Liebe prima trennen. Das konnte er vor mir und das kann er mit mir. Es ist auch richtig, dass man sein Empfinden nicht auf andere stülpen sollte, allerdings fällt mir das sehr schwer. Ich fühle mich austauschbar, weniger besonders, unzureichend und mein Selbstbewusstsein leidet da sehr darunter. Ich habe aus unserer Liebe (und unserem krass guten Sexleben) sehr viel Selbstwert gezogen, ich habe meinem Mann in vielen Punkte bereits nachgegeben (zB hätte ich gerne mehr Kinder gehabt, er aber nicht) und es fühlt sich so an, als müsste ich sehr viel meiner innersten Überzeugungen aufgeben müssen, um weiter sein Glück aufrechterhalten zu können. Ich neige sehr dazu, meine eigenen Wünsche hinten an zu stellen und still darunter zu leiden. Ich weiß, dass ich eine wahnsinnig romantisierte Vorstellung von Ehe habe, aber die wurden vor dieser Öffnung auch alle vollständig erfüllt. Daher fällt es mir schwer das gehen zu lassen, was ich als perfekt betrachtet habe.

Ich weiß nicht, womit es mir gut ginge. Mein Mann ist wahnsinnig easy. Er war zwar echt eifersüchtig, als ich das eine Abenteuer mit dem anderen Mann hatte, aber unterm Strich muss er das nicht "fürchten", weil es mich eben nicht interessiert. Ich pflege eine sehr intensive Freundschaft + (das Plus ist aber klein, denn die Freundschaft steht im Vordergrund) mit einer verheirateten Frau (ebenfalls offen) und da hätte er sogar nix dagegen, wenn ich mehr Gefühle investiere. Ihm fällt vieles scheinbar so leicht, aber je mehr ich mich mit meinen "Freiheiten" beschäftige, umso wertloser fühle ich mich und umso mehr fürchte ich um unsere (meine) Liebe.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer137806  (35)

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Also zum Verstehen:
DU drängst Deinen Mann in eine offene Beziehung und sagst nun, Du bräuchtest das gar nicht?

Weiterhin sehe ich es durchaus kritisch, dass Du dafür starke Gefühle brauchst.
Da ist die Gefahr des fremdverliebens doch ungleich höher als bei Deinem Mann, der unbekannte Damen getroffen hat.

Wenn Du Gefühle brauchst, geht das ja eher Richtung Polyamorie.

Und warum hast Du so grosse Probleme, wenn Dein Mann alleine los will?
Bist Du das nicht auch?
Das ist ein Missverständnis. Ich habe ihn dazu gedrängt, damit rauszurücken, was ihn beschäftigt. Und dann traute er sich irgendwann von der offenen Beziehung zu sprechen.

Genau, wir haben unterschiedliche Bedürfnisse. Ich sehe bei mir ein großes Risiko mich fremdzuverlieben bzw. ich kann eigentlich gar keinen guten Sex haben ohne mich vorher verliebt zu haben oder mindestens starke platonische Gefühle zu hegen.

Ich war ein Mal allein mit einem Mann los und es hat mir nicht gefallen und ich brauche das auch nicht.
 
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Benutzer137806  (35)

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Es ist unabdingbar und sollte auch Konsens sein, die Grenzen der Beteiligten wahrzunehmen und zu respektieren. Und in diesen Konstellationen sind die Dynamiken ziemlich groß, d.h. schwer im voraus zu kennen. Kurz gesagt: Ihr solltet auf Dein Bedürfnis hören, das ist wichtiger als Deine Angst, ihm etwas „wegzunehmen“. Zumal Ihr ja durchaus einiges probiert/erlaubt habt.
Er hat schon mal meine Bedürfnisse nicht wahrgenommen bzw Grenzen überschritten, aber das war besonders am Anfang, als wir uns noch versucht haben besser zu finden. Das haben wir reflektiert, besprochen und ich für mich damit auch erledigt.

Generell nimmt er viel Rücksicht und wenn ich sagen würde, ich will das nicht mehr, dann wäre das wohl ok.

Was für mich am besten läuft sind gemeinsame Abenteuer. Aber durch Kind und Co. ist das selten möglich und eigentlich auch nicht das, was er im Kern will.
 

Benutzer137806  (35)

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Fangen wir mal damit an, denn Eifersucht ist ziemlich normal (in vernünftigem Maße)und ich denke das auch viele in offenen Beziehungen eifersüchtig sind.
Aber du schreibst ja selbst, das ist nicht das Kernproblem.
Sondern deine anerzogenen Glaubenssätze.
Willkommen im Leben :zwinker:
Ich denke an den Punkt kommen auch viele langzeitbeziehungen.
Man merkt das es rechts und links auch noch anziehende Menschen gibt und überlegt, wie geht man damit um.
Ihr habt das schon sehr clever und vernünftig gelöst, indem ihr darüber geredet habt und anscheinend auch einiges ausgelebt habt.
Das ist mutig und ja, vermutlich bringt es einen auf den Boden der Tatsachen und die romantische Vorstellung von der Beziehung, wie sie vorher einmal war, schwindet langsam.
Kann ich verstehen, hab das selber (aber anders) erlebt.
Das muss aber überhaupt nichts schlechtes sein, es ist halt anders als vorher. Eben weil man sich und seine Bedürfnisse und die des Partners klar vor Augen hat, darüber spricht, es auslebt… ja das wirkt dann ernüchternd.
Ihr seid jedoch sehr ehrlich, reflektiert und offen zueinander (so lese ich es) und das ist ganz toll. Da sollten sich andere mal ne dicke Scheibe von abschneiden.

Zurück zu einer monogamen Beziehung, wäre ein Weg.
Oder halt eine offene Beziehung, die du vermutlich nicht ausleben willst, er aber anscheinend gerne.
Könntest du damit umgehen, wenn er sich außerhalb auslebt und du nicht, eben weil ihr unterschiedliche Bedürfnisse habt?
Das musst du überlegen und mit deinem Mann aushandeln.
Klingt es dämlich, wenn ich sage, dass es sich unfair für mich anfühlen würde, wenn er "wildern" geht und ich zu Hause sitze?
Das fühlt sich ungerecht an, ich muss einen mächtigen Kompromiss machen, etwas, das ich selbst moralisch schwierig finde (Glaubenssatz, Erziehung, whatever) und gebe etwas auf, was ich für absolut großartig gehalten habe. Ist es egoistisch zu fragen: Was habe ich davon? Ich bin extrem gerechtigkeitsliebend und ich bin in unserem Leben schon viele Kompromisse eingegangen.

PS: Sorry für die Einzelantworten, aber das war so viel, dass ich mich mit allem en Detail beschäftigen wollte.
 

Benutzer183259  (50)

Sorgt für Gesprächsstoff
Das ist ein Missverständnis. Ich habe ihn dazu gedrängt, damit rauszurücken, was ihn beschäftigt. Und dann traute er sich irgendwann von der offenen Beziehung zu sprechen.

Aber dennoch wäre die Beziehung doch jetzt noch geschlossen, wenn Du da nicht nachgebohrt hättest.

Ich sehe das Problem jetzt nicht, wenn Du Deine Beziehung mit dem kleinen + weiter pflegst und er ab und an eine andere Dame?
 

Benutzer137806  (35)

Verbringt hier viel Zeit
Aber dennoch wäre die Beziehung doch jetzt noch geschlossen, wenn Du da nicht nachgebohrt hättest.

Ich sehe das Problem jetzt nicht, wenn Du Deine Beziehung mit dem kleinen + weiter pflegst und er ab und an eine andere Dame?
Ja, wäre sie wohl. Aber mir liegt sein Glück halt am Herzen und deshalb bohre ich, wenn ich das Gefühl habe, da ist was. Du liest doch auch keine Vorwurf, den mache ich ihm nicht. Ich habe mich einverstanden erklärt und habe halt jetzt Struggle. Dummes Beispiel: Wir wollten mal vier Kinder, nach er ersten Elternzeit konnte er sich kein zweites vorstellen. Soll ich ihm jetzt vorwerfen, dass sich die Realität anders anfühlt als die Vorstellung? Genau das habe ich. In der Vorstellung war es ok Sex mit anderen zu haben, in der Realität fühle ich mich mies und ich versuche es zu reflektieren und ich versuche es wirklich "abzustellen", aber die Empfindungen sind eben da.

Das Problem ist wohl, dass ich eine Woche bevor er ein Date hat mich absolut grottig fühle und die Woche danach auch. Wie stellt man das ab? Wenn ich das könnte, würde ich das!
 

Benutzer137806  (35)

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Zusatz: Ich hatte in meinem Leben vor meinem Mann wenige, aber langjährige Beziehungen. Sex hat immer eine sehr große Rolle gespielt. Ich liebe Sex, in verschiedenster Form. Aber eben nur innerhalb sehr sicherer Umgebung. Ich wurde sehr gemobbt in der Jugend und habe trotz vieler Erfolge im Leben immer noch Struggle mit meinem Selbstbewusstsein. Das ist mein Problem, aber damit wird es halt auch zum Problem der Beziehung. Objektiv habe ich weder Grund meinem Kerl zu misstrauen noch sonderlich eifersüchtig zu sein, aber ich messe mich halt unbewusst mit anderen Frauen und schneide in meiner Wahrnehmung immer schlechter ab. Auch wenn das objektiv ebenfalls Quark ist.

Und: Wir sind uns einig, dass wir uns lieben und zusammen alt werden. Unsere Beziehung war nie Arbeit, 13 Jahre lang nicht, aber jetzt ist sie das und wir wollen diese Arbeit leisten. Die Frage ist nur, welcher Weg ist der richtige?
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer172677 

Sehr bekannt hier
Ich denke nicht, dass man hier den einen richtigen Weg benennen kann.
Für mich hat sich aber mit jeder Deiner Antworten mehr herauskristallisiert, wie Du leidest.

Von daher sehe ich da sofort Handlungsbedarf und würde die Öffnung erstmal unter Vorbehalt auf Eis legen.
Mein Weg wäre es dann, gemeinsam auszuklamüsern, wieviel Problematik unabänderlich in der Öffnung an sich liegt, wieviel vielleicht bei Dir in der Wahrnehmung, der Interpretation, dem Empfinden sich noch verändern könnte und wie man das zusammen erreichen könnte, ausloten, ob und wo es Kompromisse geben könnte.
Wenn nötig, würde ich da auch einen Profi an Bord holen.

Was ich keinesfalls als Weg sehe ist, dass Du stillschweigend leidest.
 

Benutzer137806  (35)

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Ich denke nicht, dass man hier den einen richtigen Weg benennen kann.
Für mich hat sich aber mit jeder Deiner Antworten mehr herauskristallisiert, wie Du leidest.

Von daher sehe ich da sofort Handlungsbedarf und würde die Öffnung erstmal unter Vorbehalt auf Eis legen.
Mein Weg wäre es dann, gemeinsam auszuklamüsern, wieviel Problematik unabänderlich in der Öffnung an sich liegt, wieviel vielleicht bei Dir in der Wahrnehmung, der Interpretation, dem Empfinden sich noch verändern könnte und wie man das zusammen erreichen könnte, ausloten, ob und wo es Kompromisse geben könnte.
Wenn nötig, würde ich da auch einen Profi an Bord holen.

Was ich keinesfalls als Weg sehe ist, dass Du stillschweigend leidest.
Findest du die Frage nach "was hab ich davon" egoistisch?
Diesen Rat "Lass ihn doch machen, musst ja nicht mitmachen" den habe ich schon ab und an gehört, aber mir erscheint das viel zu einfach gedacht. Ich lese ja, dass es Leute gibt, für die das funktioniert und ich frage mich, ob ich einfach zu ich-zentriert bin.
 

Benutzer172677 

Sehr bekannt hier
Findest du die Frage nach "was hab ich davon" egoistisch?
Natürlich ist das egoistisch. Aber ein gesunder Egoismus ist doch nichts grundsätzlich negatives.

Ich persönlich kann die Frage bzw. deren Wichtigkeit so nicht nachvollziehen, ich habe nicht das Bedürfnis, von dem, was mein Partner tut „etwas zu haben“.
Aber für Dich ist sie wichtig und das ist, was zählt.
Wobei ich mich frage, ob es wirklich darum geht, etwas zu haben/zu bekommen, oder es nicht eher darum geht, dass euer Arrangement Dich etwas kostet in Form der negativen Gefühle, die es bei Dir auslöst?
Es nicht um ein „mehr“ geht, sondern um ein „nicht noch mehr verlieren“?
 

Benutzer137806  (35)

Verbringt hier viel Zeit
Natürlich ist das egoistisch. Aber ein gesunder Egoismus ist doch nichts grundsätzlich negatives.

Ich persönlich kann die Frage bzw. deren Wichtigkeit so nicht nachvollziehen, ich habe nicht das Bedürfnis, von dem, was mein Partner tut „etwas zu haben“.
Aber für Dich ist sie wichtig und das ist, was zählt.
Wobei ich mich frage, ob es wirklich darum geht, etwas zu haben/zu bekommen, oder es nicht eher darum geht, dass euer Arrangement Dich etwas kostet in Form der negativen Gefühle, die es bei Dir auslöst?
Es nicht um ein „mehr“ geht, sondern um ein „nicht noch mehr verlieren“?
Das ist vielleicht eine gute Sichtweise. Ja, ich habe das Gefühl, dass es mich etwas kostet. Und ich bin sehr dankbar für diese Diskussion hier, weil mein "Poly Umfeld" mich null verstehen kann. Da kriege ich immer nur zu hören: Hast du denn weniger, wenn du ihn gehen lässt? Du besitzt ihn nicht, also hört auf Ansprüche zu stellen etc etc...
Ich merke jetzt erst, welch Redebedürfnis ich habe. Zwar habe ich halt gute Freunde, die offen leben, aber da sind halt alle beteiligten Seiten irgendwie am "Links" und "Rechts" interessiert und ich habe den Eindruck, dass es einfacher ist, gehen zu lassen, wenn man selbst nachempfinden kann, warum jemand gehen will. Es setzt mich auch unter Druck, dass die Frauen in meinem Umfeld da so mega locker sind, denn ich kann mir schon vorstellen, dass mein Mann sich fragt, warum seine das nicht auch sein kann.
Ich wünsche mir oft, einfach Leute mit "klassischen" Lebensentwürfen um mich rum zu haben, die auch meine Empfindungen validieren, ich fühle mich ehrlich gesagt ziemlich als Freak und unnormal.

Und ja, ich bin die Liebe seines Lebens und da habe ich keinerlei Zweifel und insofern könnte ich ihn auch einfach entspannt spielen lassen. Und das will ich ja auch. Ich will es wirklich.

Naja, objektiv sind die Kosten klein: Ich habe dann einen Abend keine Sex, an dem ich sonst wahrscheinlich Sex gehabt hätte. Da ist der "Verlust" natürlich klein. Aber ja, es kostet mich halt negative Emotionen.
 

Benutzer172677 

Sehr bekannt hier
Und ich bin sehr dankbar für diese Diskussion hier, weil mein "Poly Umfeld" mich null verstehen kann.
Das finde ich seltsam- und doof irgendwie.
Ich bin ja selbst polygam und finde, das entbindet nun nicht von jeglicher Empathie und Toleranz Menschen gegenüber, die anders denken und vor allem empfinden.
und ich habe den Eindruck, dass es einfacher ist, gehen zu lassen, wenn man selbst nachempfinden kann, warum jemand gehen will.
Ganz bestimmt. Nicht, dass man nicht auch ohne dieses gleiche Empfinden einen Weg finden könnte.
Aber es macht es ganz sicher einfacher, weil man gar nicht erst umdenken und sich selbst von anderen Denkweisen überzeugen muss.
Es setzt mich auch unter Druck, dass die Frauen in meinem Umfeld da so mega locker sind.
Verstehe ich, ich neige auch dazu, mich zu vergleichen. Und dabei wissen wir beide, dass das Unsinn ist, man ist nicht „die anderen“, aber wir tun es trotzdem.
ich fühle mich ehrlich gesagt ziemlich als Freak und unnormal.
Das hat für mich eine gewisse, tragische Komik- mir ging und geht das als nicht monogamer Mensch oft ähnlich.
Seltsam, wie unterschiedlich das sein kann.
Und das will ich ja auch. Ich will es wirklich.
Das spürt man in Deinen Texten auch ganz deutlich. Und es berührt mich total.

Wieviel weiß denn Dein Mann von Deinen Gedanken und Gefühlen?
 

Benutzer137806  (35)

Verbringt hier viel Zeit
Das finde ich seltsam- und doof irgendwie.
Ich bin ja selbst polygam und finde, das entbindet nun nicht von jeglicher Empathie und Toleranz Menschen gegenüber, die anders denken und vor allem empfinden.

Ganz bestimmt. Nicht, dass man nicht auch ohne dieses gleiche Empfinden einen Weg finden könnte.
Aber es macht es ganz sicher einfacher, weil man gar nicht erst umdenken und sich selbst von anderen Denkweisen überzeugen muss.

Verstehe ich, ich neige auch dazu, mich zu vergleichen. Und dabei wissen wir beide, dass das Unsinn ist, man ist nicht „die anderen“, aber wir tun es trotzdem.

Das hat für mich eine gewisse, tragische Komik- mir ging und geht das als nicht monogamer Mensch oft ähnlich.
Seltsam, wie unterschiedlich das sein kann.

Das spürt man in Deinen Texten auch ganz deutlich. Und es berührt mich total.

Wieviel weiß denn Dein Mann von Deinen Gedanken und Gefühlen?
Mein Mann weiß ziemlich viel über meine Gedanken. Ganz am Anfang habe ich viel geweint, da konnte ich es nicht mal mehr verbergen, damit verglichen ist es jetzt mittlerweile sehr viel besser. Aber da haben wir beide auch viele Fehler gemacht, besonders er ist mit zu viel Vollgas losgerannt und ich habe zu oft "ja" gesagt und gehofft, dass er das "nein" in mir lesen kann. Seitdem wurde viel gesprochen, viel gestritten und viel versöhnt (wir streiten laut, heftig, aber kurz und immer mit Versöhnung). Er steigt jetzt auch endlich wieder in den Job ein, das macht ihn wesentlich geduldiger und auch weniger emotional, was mich immer runterlevelt. Ich war parallel zu seiner Deprizeit mega überarbeitet, weil ich in der IT in leitender Funktion arbeite und Corona einfach mal ein Supergau war für meine Abteilung. Das war auch ein denkbar schlechter Zeitpunkt für so einen Quatsch, aber er hatte halt zu viel Zeit sich mit sich zu beschäftigen und ich hatte zu wenig Kraft, auf mich aufzupassen.

Unser Umfeld ist recht alternativ, hoher Bildungsgrad, alternative Lebenskonzepte, Freiheitsmenschen. So sehe ich mich durchaus auch, allerdings eben nicht in dieser einen Beziehung. Da bin ich so anders als meine Freunde, so anders vielleicht auch das, was ich vertrete (wenn ich zb auf dem CSD mitmarschiere). Mein Mann sagte mal, dass er mich da manchmal bigott findet, allerdings habe ich nichts gegen andere Lebensentwürfe, nur wollte ich sie ursprünglich nicht für mich! Ich kann mich bei meinen Freunden ausweinen und sie hören auch zu, aber sie begreifen es einfach nicht. Da kommt dann auch immer: "Ja, dann nimm das Angebot doch an und versuch mal Polyamorie, die N. (meine Freundin) würde ja auch wollen und dein Mann hat nix dagegen. Dann kannst du ihn doch leichter gehen lassen." Ja....aaaaaber...ich bin da nicht für geschaffen, denn ich entwickle dann vergleichbar eifersüchtige (ich nenne es mal so) Gefühle auch N. gegenüber und habe da natürlich keinerlei Ansprüche zu erheben.

Ganz dummes Beispiel: Ich sehe keine körperliche Attraktivität, wenn ich keine mentale Anziehung verspüre. Richtig klar wurde mir das, als der Film Aquaman rauskam und die meisten Frauen in meinem Umfeld so ins Schwärmen kamen. Ich konnte das null! nachvollziehen. Ich kenn den Mann doch gar nicht! Ich habe mich noch nie in die Optik eines Menschen verguckt, mich noch nie nach jemandem umgedreht (also wenn dann eher so "geile Haare" oder "cooler Style" aber nichts was auch nur annähernd in die Richtung "lecker" gehen würde), ganz im Gegenteil, mein Mann entspricht sowas von Null meinem davorigen Beuteschema. Meinem Mann gefällt das natürlich schon, dass ich nur Augen für ihn habe, klar, ist ja grundsätzlich angenehm. Und ich habe mich auch immer so gefühlt, weil - und das gilt auch heute - er hat mir noch nie das Gefühl gegeben, dass eine andere Frau spannender ist. Ich war nicht einen Tag in unserer Beziehungszeit eifersüchtig. Dieses Gefühl entdecke ich jetzt erst, auch wenn es wie gesagt nicht mein Kernproblem ist.

Wir treffen uns heute tatsächlich zu dritt mit einem Mädel, mit dem er schon länger in Kontakt ist. Morgen wollte ich die zwei allein lassen. Ich komme ja auch gut damit klar, wenn Leute aus meiner engsten Bubble in unserem Bett landen, daher war mein Gedanke, dass ich mich vielleicht wohler damit fühle, wenn ich irgendwie eingebunden bin. Ich habe schon oft Ängste ausgeschlossen zu sein, das ist vielleicht sogar massiver als der Angst vor dem Vergleich. Ich glaube dieses Treffen ist auch der Grund, warum ich hier solche Romane verfasse und alles grad aus mir rausfließt.

Danke dir (euch) für deine Geduld!

Vielleicht noch ein Absatz: Jetzt könnte man fragen, warum machst du die Kiste nicht einfach zu?
1. Ich will meinen Mann glücklich wissen.
2. Die gemeinsamen Abenteuer waren durchaus in Ordnung für mich, zumindest sind es spannende Geschichten gewesen.
3. Ich sehe ja, wie entspannt andere Menschen sein können. Und ich beneide das ein bisschen. Vielleicht ist das also sogar ein klein bisschen der Wunsch, sich selbst zu entwickeln. Ich sehe ja, wie sehr ich mich seit letztem Jahr bewegt habe. Dann ist aber immer im Widerstreit: Hey, ist ja nur Sex bzw. ne lustige Zeit mit entspannten Leuten vs. du hattest jetzt in 12 Monaten Sex mit mehr Partnern als in deinem ganzen bisherigen Leben, das ist nicht normal (Glaubensatz)
 
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