Dialekt in der Schule - Diskriminierungspotenzial???

Benutzer145204  (23)

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Servus!:winkwink:

Mögen mir die Mods verzeihen, wenn der Thread im falschen Forum gelandet ist. Ich hab aber keinen besseren gefunden...

Wie man an meiner Grußformel vielleicht schon erkennen kann, komme ich aus Bayern und rede auch Baierisch.:eek:

Inzwischen bin ich in der Oberstufe und muss dort viele Referate halten. Das ist zwar lästig, stört mich aber an sich nicht.
Jedoch bekam ich in meinem Deutsch-Referat über Schillers "Jungfrau von Orleans" Punktabzug, da ich Dialekt geredet hab. Mit der Begründung, dass durch den Dialekt der Inhalt nicht sachlich rüberkam.:annoyed::cautious:

In anderen Fächern hab ich durchaus schon positive Resonanz über meinen Dialekt bekommen ("du bist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass man Baierisch auch mit Sachlichkeit verbinden kann" und "du hast zwar Baierisch geredet, aber das hat absolut nichts ausgemacht, deswegen kriegst du auch 15 Punkte")


Jetzt muss ich in Geo nächste Woche auch Referat halten. Ich hab mich aus Erfahrung schon vorher erkundigt ob ich auch auf Hochdeutsch halten muss. Natürlich muss ich.

Aber ist das nicht Diskriminierung, wenn man Punktabzug wegen seines Dialekts bekommt?
Wie seht ihr das?
Habt ihr Hintergrundinfos zur Rechtslage?

Ich freu mich schon auf eure Beiträge!:cool::zwinker:
 

Benutzer18168 

Planet-Liebe Berühmtheit
wenn du den hinterletzten kuhstalldialekt hast würde ich dir auch punkte abziehen.. das hat auch nen bisschen was mit höflichkeit zu tun wenn man klar verständlich für alle zuhörer spricht
 

Benutzer145204  (23)

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wenn du den hinterletzten kuhstalldialekt hast würde ich dir auch punkte abziehen.. das hat auch nen bisschen was mit höflichkeit zu tun wenn man klar verständlich für alle zuhörer spricht

Ich spreche verständliches, gepflegtes Baierisch und bin wichtiger Fachbegriffe auch im Baierischen mächtig.:whoot:
 

Benutzer66223  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Und was ist so schwer daran generell Hochdeutsch zu sprechen wenn man ein Referat hält? Bei uns war das immer so und ich wäre auch nie auf den Gedanken gekommen diese in meinem Dialekt abzuhalten...
 

Benutzer145204  (23)

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Mir zumindest fällt das Hochdeutsch sprechen schwer. Das ist so als würde ein Chinese versuchen, Joghurt zu sagen.

Außerdem komm ich mir da so vor als würde ich lügen, bzw. mein Referat auswendig gelernt haben.

Und selbst wenn ich Hochdeutsch spreche: Das Baierisch kommt da so durch wie beim Irischprofessor das Englisch... :grin:


Natürlich ist mir klar, dass die Oberstufe aufs Studium vorbereiten soll, aber sollte man nicht auch versuchen (wenn man schon in so einem kleinen Kreis ist), den Dialekt zu fördern???
 

Benutzer118204 

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Und selbst wenn ich Hochdeutsch spreche: Das Baierisch kommt da so durch wie beim Irischprofessor das Englisch... :grin:
Ich denke das so eine Färbung auch keine Rolle spielt solange der Inhalt für alle Anwesenden klar und verständlich ist.
Natürlich ist mir klar, dass die Oberstufe aufs Studium vorbereiten soll, aber sollte man nicht auch versuchen (wenn man schon in so einem kleinen Kreis ist), den Dialekt zu fördern???
Ich bin auch dafür den Dialekt zu fördern, aber ob eine Referat in Dialekt als Förderung anzusehen ist drüber kann man streiten.
 

Benutzer12529 

Echt Schaf
Natürlich ist mir klar, dass die Oberstufe aufs Studium vorbereiten soll, aber sollte man nicht auch versuchen (wenn man schon in so einem kleinen Kreis ist), den Dialekt zu fördern???
Doch - aber nicht bei (mehr oder weniger) wissenschaftlichen Vorträgen. Mach das anderweitig.

Selbst Dialektforscher halten ihre Vorträge nicht in ihrem Dialekt :zwinker:.
 

Benutzer13901  (46)

Grillkünstler
Den Dialekt kannst du auch abends in der Dorfkneipe fördern aber hat inho in einer staatlichen Studieeinrichtung nichts zu suchen ebenso wenig wie in der Wirtschaft etc ....es geht hier ja um eher was allgemeines und nicht um das Fach Brauchtumspflege oder ?
Ich kann das auch nciht ab wenn der Richter Bayrisch oder sächsisch oder sonst was spricht die Amtssprache ist nun mal Deutsch und nicht bayrisch oder ein sonstiger Dialekt
 

Benutzer67771 

Sehr bekannt hier
Natürlich ist mir klar, dass die Oberstufe aufs Studium vorbereiten soll, aber sollte man nicht auch versuchen (wenn man schon in so einem kleinen Kreis ist), den Dialekt zu fördern???
In den Lehrplänen der mir bekannten Bundesländer wird das Verhältnis "Dialekt und Standardsprache" im Verlauf der Unter- und Mittelstufe mehrfach im Deutschunterricht thematisiert.
Von einem Oberstufenschüler wird erwartet, dass er in der Lage ist, angemessen zwischen Dialekt und Standard zu unterscheiden und auch in Situationen, in denen Dialekt unangemessen ist - ein Referat/die mündliche Abiturprüfung gehört dazu - diesen größtmöglich zurückzuschrauben. Dass der Dialekt dann nicht komplett verschwindet, ist dabei klar, aber es sollte schon hörbar sein, dass der entsprechende Schüler sich anstrengt.
Einen Punktabzug wegen zu starker Dialektverwendung halte ich für durchaus angemessen und ist bei vielen mir bekannten Lehrern ein Kriterium für die Benotung mündlicher Vorträge.

Die Förderung des Dialektes gibt es übrigens in Schulen auch (z.B. im Rahmen von Mundart-AGs) und nimmt in den letzten Jahren wieder zu, aber wie oben geschrieben lautet das Stichwort hier "in angemessenen Situationen".
 

Benutzer145204  (23)

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Ok, gut!

Ihr habt mich ja überzeugt :grin:

Ich werd mein Bestes geben, um möglichst wissenschaftlich zu wirken...

Ich hoffe, die Lehrer geben in Zukunft Anweisung, die Referate auf Hochdeutsch zu halten. Die Amtssprache war ja eigentlich nicht als Kriterium vorgegeben...
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich denke man muss da aber schon zwischen wirklichem DIALEKT und einer Sprache, die nur regional "getönt" ist, unterscheiden. Natürlich darf man bei einem Referat hören, dass der Referent aus Bayern, Sachsen, Schwaben oder der Pfalz kommt. Das können viele (auch Profs., Lehrer etc.) auch nicht verbergen, selbst wenn sie Hochdeutsch sprechen. Aber richtiger Dialekt darf es eben nicht sein.
 

Benutzer151023 

Ist noch neu hier
Ich finde, solang du dich bemühst hochdeutsch zu reden, es aber einfach nicht besser kannst und man eben den Dialekt noch hört, finde ich es absolut unfair!
Bemühst du dich nicht und redest so, dass es niemand versteht, dann ist es gerechtfertigt
 

Benutzer114808  (34)

Beiträge füllen Bücher
Ich würde bei einem Abiturienten Hochdeutsch einfach voraussetzen. Eine regionale Einfärbung ist normal, Dialekt gehört aber in die Freizeit und nicht in Prüfungssituationen.

Sieh es jetzt als Übung für die Zukunft (Studium, Job).
 

Benutzer32843 

Sehr bekannt hier
Wir sprechen hier in der Schweiz ja generell im Arbeitsleben und überall Dialekt. Das finde ich auch völlig in Ordnung so und mag ich sehr gerne.
ABER: Bei Vorträgen in einem akademischen/schulischen Umfeld (oder einer ähnlichen Situation) wird hochdeutsch gesprochen. Dass das nicht absolut filmreifes Standardhochdeutsch ist ist klar, einen dialektgefärbten Akzent werde ich vermutlich immer haben. Das stört auch niemanden. Hochdeutsch muss aber sein.
 

Benutzer145204  (23)

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Schon mal super, dass sich so viele beteiligen.:anbeten:

Ich will aber nicht, dass die Angelegenheit hier auf mich bezogen wird und ob der Punktabzug gerechtfertigt war (das könnt ihr eigentlich auch nicht ferndiagnostizieren) sondern vielmehr darüber diskutieren, ob denn Dialekt ein Diskriminierungspotenzial bietet.

Habt ihr vielleicht schonmal gemerkt, dass ihr schlechter bewertet wurdet, weil ihr in die Kategorie "dummer Bauernbub" eingestuft worden seid (übertrieben ausdrückt)?
 
B

Benutzer

Gast
Wie Proxima schon meinte, ist das ja in der Schweiz auch so mit dem Dialekt. An höheren Schulen wird immer Hochdeutsch, wenn nicht gar Englisch geredet - aus Rücksicht auf ausländische Studierende. Irgendwann begann man auch an Schulen nur noch Hochdeutsch zu reden, der Entscheid fiel aber vor allem, damit Kinder die Sprache besser erlernen.

So lange das nicht offiziell geregelt ist, kann das der Lehrer wohl machen, wie er will. Es gehört aber zur Fairness dazu, dich als Bayer auch darauf hinzuweisen! Schliesslich ist dein Dialekt hier ja eine "Hürde", die deine Mitschüler nicht haben. Zumindest glaube ich nicht, dass jemand aus deiner Klasse einfach so auf die Idee käme, einen Vortrag auf Baierisch zu halten :zwinker: Und deswegen hätte er dir das sagen sollen, bevor er dir Punkte abzog. Von daher: Ja, es war Diskriminierung, weil du Nachteile hattest gegenüber deinen Klassenkameraden.

Dass du im Unterricht generell dazu verpflichtet bist, Hochdeutsch zu reden finde ich dagegen nicht schlimm, schliesslich ist das deine Landessprache.

Edit: Habe deinen letzten Post gerade eben gelesen und bemerkt, dass ich gerade an der Frage vorbei zielte. Lasse es denoch mal so stehen.

Ein Klassenkamerad konnte zwar Hochdeutsch, sein Schweizerakzent war aber so heftig, dass die Deutsch- und gleichzeitig Geschichtslehrerin immer daran herum ritt. Sie gab ihm nie offiziell Punkteabzug, bewertete ihn aber stets schlechter, als wir es an Hand seiner Leistungen und Direktvergleich mit anderen Schülern erwartet hätten... :frown:
 

Benutzer142227 

Sehr bekannt hier
Wenn man "normales" Bayerisch spricht versteht es auch jemand, der des Bayerischen nicht mächtig ist - vorausgesetzt, man will es auch verstehen. Wenn man sich von Haus aus stur und quer stellt, kann man auch nicht helfen.:zwinker: Gegen einfachen Dialekt war bei uns nie etwas einzuwenden, weder in der Oberstufe noch sonst wo; ganz klar ist natürlich, dass man dabei nicht den üblichen "Freizeit-Slang" benutzt, sondern eine gute und auch natürliche Mischung aus Dialekt und Hochdeutsch findet. Das sollte auch überall gestattet sein finde ich.

Natürlich gibt es auch tiefstes Urwaldler-Bayerisch (und Sächsisch und Schwäbisch und sonst was), dass selbst andere Dialekt-Sprechende zum Großteil nicht verstehen - die sollten sich natürlich etwas mehr am Riemen reissen um zu gewährleisten, dass es von allen aufgenommen und verstanden werden kann.

Was aber natürlich alles nichts hilft, wenn vom Dozenten bzw. dem Prüfer/Benotenden verlangt wird, nach der Schrift zu sprechen. Dann Backen zusammenkneifen und für 45min den Dialekt vergessen; Hochdeutsch sprechen kann wirklich jeder, wenn man etwas übt und sich v.a. nicht schämt, es zu tun. Auch wenn es sich am Anfang ungewohnt anhört.:grin:
 

Benutzer64981  (33)

Meistens hier zu finden
Wir hatten auch so nen Lehrer, der das auf den Tod nicht leiden konnte, wenn wir Dialekt sprachen (badisch). Eine Mitschülerin hat es dann aus Trotz erst recht gemacht, die konnte aber wirklich nur schwer hochdeutsch sprechen auf Dauer. :grin: War immer sehr amüsant :zwinker:
Ich höre es sehr ungerne, wenn ich es auch sprechen kann. Finde tatsächlich, dass es, zumindest im Badischen, was von 'Bauer' hat. Danach bewerten/(ver)urteilen würde ich aber niemals! Das finde ich ziemlich unfair...

Dialekt in der Schule hat, neben dem eventuellen Verständnisproblem, den eindeutigen Nachteil, dass die Kinder sich mit der Rechtschreibung sehr schwer tun. 'Schtuhl' ist eines der wenigen Beispiele, die ich oftmals lesen muss. Liegt natürlich mit daran, dass die Kinder weniger lesen als früher und blabla, aber die Dialektfärbung macht da viel aus!
 
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