depressiv oder nur eine schlechte phase?

Benutzer109393 

Sorgt für Gesprächsstoff
hallöchen an alle,
ich habe ein kleines problem mit meiner freundin...:ratlos:

kurz zu unserer situation: wir sind seit mitlerweile 7 jahren zusammen, kennen uns also schon eine echt lange zeit, sind in den letzten jahren zusammen "erwachsen" geworden zumindest arbeiten wir dran :zwinker: seit märz diesen jahres haben wir endlich eine gemeinsame wohnung, die uns auch super gefällt.

seit gut 2 wochen geht es meiner freundin aber auf einmal schlecht. wir hatten uns am sonntag vor 2 wochen über unsere beziehung unterhalten und sind beide zu dem schluss gekommen, dass es schön wär, wenn wir öfters mal was zusammen unternehmen würden. alles war wie immer. am darauffolgenden dienstag meinte meine freundin plötzlich per sms, sie müsse ehrlich zu mir sein (is ja richtig so...) und mir sagen, dass es ihr nicht gut gehe, sie wäre total motivationslos, könnte nur noch schlafen und macht sich gedanken über ihr leben und ist einfach unglücklich und so. da habe ich mir noch nicht viel dabei gedacht, solche tage habe ich manchmal halt auch, wer nicht.
ich habe sie an dem tag dann eher von der arbeit abgeholt, weil sie schrieb, dass sie nicht weiß, ob sie es bis zum feierabend durchhält. ja und dann zuhause hat sie ganz doll geweint, sie is richtig zusammengebrochen, so habe ich sie in der langen zeit noch nie gesehen. ich war natürlich auch gleich von der rolle, vor allem als sie mir dann sagte, sie hatte kurz den gedanken, dass sie mich nicht mehr lieben könnte und daraufhin hatte sie totale panik, dass es so wäre.
obwohl ich total durch den wind war, hab ich versucht sie zu trösten und ihr gesagt, es gäbe nun mal keine garantie für ewige liebe. wenn sie so fühlen sollte, dann soll sie nur ehrlich mit mir sein. :ratlos: sie sagt seitdem immer wieder,dass sie mich liebt und mit mir alt werden will und und und. wir haben in der woche noch etliche mal miteinander geredet und sie hat noch ein paar mal geweint, ich auch :rolleyes:, naja und dann ging es letzte woche eigentlich wieder einigermaßen. wir haben viel zusammen unternommen, hatten spaß und es war wie immer.

jetzt ist das blöde, dass seit montag mehrere faktoren zusammengekommen sind:
1. meine oma und mein opa sind beide pflegebedürftig, meine mutter kümmert sich um sie hauptsächlich neben der arbeit. jetzt hat meine mutter urlaub und ich springe für sie ein, heißt: ich wohne im moment für 2 wochen in meiner heimatstadt, ca. 50km von meiner freundin entfernt, und pendle jeden tag zur arbeit
2. meine freundin ist demzufolge allein in unserer wohnung bzw. hat sie die letzten 2 nächte bei ihrer schwester geschlafen
3. meine freundin arbeitet im einzelhandel und hat im moment viel stress auf arbeit, da ihr kollege urlaub hat, schmeißt sie den laden fast allein. noch dazu kommt umsatzdruck vom chef...

wie ich befürchtet hatte, geht es ihr diese woche wieder richtig schlecht. sie weint fast jeden tag, auch auf arbeit. ich versuche schon, sie ab und zu zu besuchen, aber ich kann nicht lange weg von meinen großeltern. das macht mir alles ganz shcön zu schaffen, meine oma ist demenzkrank im fortgeschrittenen stadium, mein opa körperlich sehr eingeschränkt. ich bin froh, wenn ich abends zeit für mich habe und mich etwas erholen kann. stattdessen bin ich aber damit beschäftigt, meine freundin zu trösten. sie lässt sich total hängen, hat auf nix lust und macht sich sonstwas für gedanken, fühlt sich alleine.
am mittwoch hat sie mir gesagt, dass sie manchmal angst hat "ich liebe dich" zu mir zu sagen, weil sie nicht weiß, ob es noch stimmt. das macht mich total fertig, denn ich liebe sie über alles und will sie nicht verlieren. wenige stunden später sagt sie, sie liebt und braucht mich.

ich hab im moment keine kraft mehr, sie zu trösten, meine großeltern zu versorgen und nebenbei noch mein fernstudium und die arbeit zu meistern. heute abend kommt sie zu mir, damit wir am WE zusammen sind, aber ich hab ehrlich gesagt angst, dass sie wieder nur weint und traurig ist.
manchmal denke ich, sie liebt mich vllt. nicht mehr, traut es sich aber nicht, sich einzugestehen und mir zu sagen, weil wir schon so ewig lange zusammen sind...

sorry für den endlosen roman, ich weiß nur einfach nicht weiter. :schuettel:

ps: bevor fragen kommen: ja wir sind ein lesbisches pärchen und ich bin ihre erste freundin. wir sind beide 23.
 

Benutzer98976 

Sehr bekannt hier
Für mich klingt das so, als ob das Ganze nichts mit Dir zu tun hätte. Ihr scheint es allgemein psychisch sehr schlecht zu gehen, sie ist sehr durcheinander - da ist es in dem Sinne auch nicht verwunderlich, dass sie gefühlstechnisch null weiß, wo ihr der Kopf steht und ob sie Dich noch liebt. Versuch in solchen Momenten daran zu denken, dass da gerade die Verwirrung aus ihr spricht - sie liebt und braucht Dich, bei ihr steht nur grad alles Kopf.

Mich wundert es, dass es ihr so plötzlich so schlecht geht. Es muss irgendeinen Auslöser geben. Könnte es am Job liegen? Rennt sie vielleicht gerade in ein Burnout? Oder wie sieht es mit ihrer Vergangenheit aus? Versteht sie sich gut mit ihren Eltern? Hat sie es schon immer nicht so leicht gehabt? Vielleicht gab es in letzter Zeit etwas, das Verdrängtes wieder hervorgeholt hat - und nun für ihre Probleme sorgt.
Das herauszufinden ist wichtig, denn nur dann könnt ihr alle ihr auch langfristig helfen. Nicht nur Du allein, wohlgemerkt - das ist eine viel zu große Aufgabe für einen allein.

Hat sie keine Freunde, die ihr unter die Arme greifen können? Bist Du ihre einzige Bezugsperson, neben ihrer Schwester?
Denn es ist zwar schön und gut, dass Du ihr zur Seite stehen willst, aber auch Du bist nur ein Mensch mit begrenzten Reserven. Zumal Du jetzt gerade wirklich viel um die Ohren hast, kein Wunder dass Du Dich erschöpft und überfordert fühlst...gesteh Dir selbst Pausen zu, organisier ihr meinetwegen Hilfe von Freunden etc, aber sag ihr ganz ehrlich, wenn Du grad nicht kannst. Denn sie hat nichts davon, wenn Du Dich selbst fertig machst und gegen die Wand fährst, von einer starken LostinTranslation hat sie viel mehr...und Du auch.

Fühl Dich gedrückt. Ich fühl mit Dir.
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Off-Topic:
sorry für den endlosen roman, ich weiß nur einfach nicht weiter
Lieber ein langer, vernünftig geschriebener Roman als eine inhaltslose "Schmiererei", aus der man nichts herauslesen kann


Off-Topic:
bevor fragen kommen: ja wir sind ein lesbisches pärchen
Ich nehme an, das erwähnst Du aus schlechten Erfahrungen heraus, ist aber doch nebensächlich, Ihr seid einfach ein Pärchen, das zudem anscheinend ein super-Verhältnis hat


Hi,

ich werde jetzt mal on-topic :zwinker::

Meiner Meinung nach solltet Ihr mal bißchen abwarten, von einer Depression zu sprechen, halte ich für verfüht.
Jeder Mensch hat mal Phasen, in der er anfängt, zu grübeln, Angst vor der Zukunft zu bekommen oder einfach mal Alles in Frage stellt.
Daß das genau jetzt kommt, wo Du auch den Kopf und Zeitplan voll hast, ist natürlich schade, aber nicht zu ändern.

Ich habe das Gefühl, Ihr redet viel miteinander und Du gibst Ihr das Gefühl, daß Du auf jeden Fall für sie da bist, auch wenn es nur in Gedanken ist, da Du bei Deinen Großeltern sein mußt.
Daß Du da auch in der Situation in Streß gerätst, ist auch völlig klar. Sag Ihr das ruhig, dann kann sie sich viel besser darauf einstellen, daß Du nicht jede Minute verfügbar bist, weiß aber, daß sie nicht alleine ist.

Versucht, das Ganze erstmal etwas lockerer zu sehen, redet d'rüber, aber redet es nicht tot, versucht, Euch auch mal einzeln und auch zusammen Ablenkung durch schöne Unterehmungen oder so zu verschaffen.
Sollte der Zustand Deiner Freundin allerdings länger anhalten, dann sollte man sich Gedanken machen, ob man Hilfe dagegen holt. Informiert Euch (dann erst!) mal im Netz über Depressionen und wie man sie erkennen kann. Du kannst mir aber auch gerne eine PM schicken, aus eigener Erfahrung weiß ich ein wenig darüber.

Alles Gute, viel Kraft wünsche ich Dir!
Mark11
 

Benutzer109393 

Sorgt für Gesprächsstoff
Wow, erst mal vielen Dank für die beiden lieben antworten. Es hat allein schon gut getan hier mal alles rauszulassen.

Seit gestern Abend ist sie ja nun hier, heute nochmal auf Arbeit. Bisher war es ganz ok, sie sah nur etwas müde aus, aber sie hat gesagt, es geht ihr alleine schon besser, weil sie jetzt wieder in meiner Nähe ist. Vor allem alleine einschlafen macht ihr ganz schön zu schaffen.

Ich habe auch schon hin und her überlegt, was der Grund sein könnte, dass sie plötzlich so verwirrt ist und sich so hängen lässt. Es sind wohl aber mehrere Faktoren, die zusammen kommen:
1. Hat sie auf Arbeit oft viel Stress, der Chef sitzt ihr im Nacken und übt Druck aus, damit genug Umsatz gemacht wird, dann hat sie im Moment nur einen anderen Kollegen auf Arbeit, weil ein Dritter gekündigt hatte, sie muss also öfters von 10-20 Uhr durcharbeiten, Umsatz bringen und hat dabei nicht mal ordentlich Zeit für Pausen etc.
2. Ihre Eltern sind zwar ganz ok, aber seit 5 Jahren hat sie noch eine kleine Schwester (zusätzlich zu ihrer anderen jüngeren Schwester, die 19 ist) bekommen und ihre Eltern leben quasi nur noch in den Tag hinein, die Kleine wird verhätschelt bis zum geht nicht mehr. Ihre Eltern waren in dem Sinne nie ein Vorbild für sie, sie sind beide arbeitslos und machen auch nicht den Eindruck, dass sie gerne arbeiten wollen würden. Meine Freundin ist da ganz anders, das ist mit Sicherheit auch durch mich gekommen, denn meine Familie ist ganz anders. Meine Mutter arbeitet in der Computerbranche, meine älteste Schwester ist Zahnärztin, die mittlere arbeitet im Krankenhaus und ich arbeite bei der Stadtverwaltung/Bibliothek. Meine Freundin ist halt so unzufrieden mit sich, sie würde viel lieber etwas anderes beruflich machen, sie hat auch viel mehr drauf als ihr Leben lang im Einzelhandel zu arbeiten. Eine Weiterbildung würde ihr sicher total gut tun, aber das bietet ihr Chef halt nicht an.
3. Wir wohnen ja seit März in unserer gemeinsamen Wohnung, wir unternehmen öfters mal was mit unseren Schwestern, die wohnen nicht weit weg, aber in der Stadt an sich haben wir beide wenige Freunde. Wir haben uns auch schon so oft vorgenommen, mehr Freunde „in unserer Szene“ zu finden, das ist aber auch nicht so leicht. Es ist leider so, dass man im Jahr 2011 oft noch doof angeschaut wird, wenn zwei Mädchen Hand in Hand laufen. Gerade als lesbisches Pärchen bekommen wir oft dämliche Sprüche zu hören von irgendwelchen Prollos. Meistens ärgert es mich nur, weil solche Leute für mich einfach dumm sind, manchmal aber tut es eben auch weh.
Dazu kommt, dass wir beide irgendwann auch einmal ein Kind zusammen haben möchten, dass das nicht so ganz einfach wird, dürfte klar sein. Für uns ist es aber ein ganz natürlicher Wunsch und es ist eben frustrierend zu sehen, wie leicht heterosexuelle Paare es haben. Manche kriegen eben Kinder und kümmern sich einen Scheiß um sie, wir beiden wünschen uns in den nächsten Jahren so sehr ein Kind, müssen dafür aber nach der jetzigen Rechtslage entweder einen Arzt finden, der bereit ist das Risiko einzugehen, seine Zulassung zu verlieren oder aber ins Ausland gehen.

Es kam dieses Jahr bisher einfach so viel zusammen, Freunde kriegen Kinder, meine Schwester hat geheiratet und und und. Wir haben beide irgendwie total vergessen, uns um unser Glück zu kümmern. Das wollen wir beide auch nachholen, aber dann gibt es eben wieder Momente, in denen sie sich total hängen lässt und wieder alles in Frage stellt.
Die Frage, ob es sich um eine Depression handelt oder nicht, steht leider schon von Anfang an im Raum, weil meine Freundin gleich in der ersten Woche meinte „Ich muss zum Arzt, das ist doch nicht normal“. Ich habe ihr auch gesagt, dass wir damit noch warten sollten, vielleicht legt sich alles wieder, aber wenn sie zum Arzt möchte, komme ich natürlich mit und unterstütze sie dabei, wenn sie das will. Wir haben in den 7 Jahren schon einiges zusammen erlebt, umso mehr verletzt es mich dann, wenn sie sagt, dass sie nicht weiß, ob sie mich noch liebt bzw. ob sie überhaupt lesbisch ist. Aber da spricht wahrscheinlich wirklich die Verwirrung aus ihr.
Ich mache mir so Sorgen um sie, ihre Stimmung schwankt fast stündlich, sie isst sehr schlecht und unregelmäßig im Moment und ihr erster Satz am Morgen ist „oooh, ich hab‘ keine Lust!“. Mir gehen langsam die Ideen aus, wie ich sie motivieren kann, aber es fällt mir wie gesagt auch schwer. Am Donnerstag hatte ich mich total gefreut sie kurz zu sehen, aber sie war so schlecht drauf und da war ich fast schon genervt von ihrer schlechten Laune, was mit hinterher aber wieder total leid tat.
Morgen haben wir den ganzen Tag für uns, wir wollen wahrscheinlich eine Fahrradtour machen oder ähnliches, das wird ihr hoffentlich gut tun. Leider wird nächste Woche für sie wieder stressig auf Arbeit sein, weil ihr einziger Arbeitskollege Urlaub hat. Das wird der Horror werden :frown: mir graut es jetzt schon davor.
Es ist nur so schwer einzuschätzen, ob ich und ihre wenigen Bezugspersonen (ihre Schwester ist auch eher wie sie und weniger wie die Eltern) ihr helfen können oder ob wir wirklich zu einem Arzt gehen sollten, zumal ich gar nicht weiß, ob man dann gleich zum Psychotherapeuten oder zum Hausarzt geht.

Ich hoffe einfach, dass wir heute und morgen noch ein paar schöne Tage zusammen haben und dass sie das wieder aufbaut. Ich vermisse es so, sie lachen zu sehen, wir hatten immer so viel Spaß zusammen.
 

Benutzer95134 

Verbringt hier viel Zeit
Hm... also ich erkenne da gewisse Parallelen zu meinem Freund, der ja vor einigen Monaten eine ganz üble psychische Krise hatte. Bei ihm war es eine Angst-und Panikstörung, er ist noch immer in Behandlung und es ist eindeutig besser geworden, wenn er auch immer noch an sich arbeiten muss und sogar noch Medikamente nimmt. Ich denke zwar nicht, dass sie das Selbe hat, schliesslich scheint sie keine Paniktattacken zu haben, aber dass so ein psychisches Problem scheinbar ganz plötzlich auftritt, ist durchaus möglich.

Bei meinem Freund war das auch so, er hat schon gemerkt, dass er irgendwie unzufrieden ist mit seinem Leben, aber er hat seine Sorgen nicht ernst genommen, sie unterdrückt. Bis dann einfach irgendwann der Körper nicht mehr mitgespielt hat und alles zu viel wurde. Er war von einem Moment auf den anderen zu nichts mehr zu gebrauchen, musste sich dann ca. 2 Monate eine Auszeit nehmen vom Studium, weil es für ihn am Anfang auch gar nicht mehr möglich war, grosse Menschenmassen zu ertragen.

Ich finde es ganz wichtig, dass ihr beide abklärt, was mit deiner Freundin los ist. Kann sein, dass sie tatsächlich nur eine vorübergehende Krise hat, aber dafür scheint es mir doch etwas extrem. Manchmal kann es auch trügerisch sein, wenn es der Person dann plötzlich wieder besser geht, weil dann womöglich weiter unterdrückt wird. So war es auch bei meinem Freund, der ja ein halbes Jahr zuvor eine "kleinere" Krise hatte, die dann aber scheinbar schnell wieder vorbei war, allerdings, wie wir jetzt wissen, wohl nur vordergründig.

Versuch unbedingt mit ihr zu reden, herauszufinden, was sie beschäftigt, sei einfach für sie da und bestärke sie darin, sich eventuell auch professionelle Hilfe zu holen, daran ist wirklich nichts Verwerfliches. Ich wünsche euch beiden viel Kraft in dieser Situation! Und schau, dass du bei dem Ganzen nicht zu kurz kommst und dich mit jemandem darüber austauschen kannst.
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Hi nochmal,

ich tu' mich etwas schwer, weiter zu sagen, daß es (noch) keine Depression ist, auch wenn ich weiterhin der Meinung bin, daß Ihr abwarten solltet. Ich möchte das nämlich nicht verharmlosen und sollte es eine Depression sein, sollte man eben so schnell wie möglich Hilfe suchen.
So paar Anzeichen sehe ich schon: das alles-in-Frage-stellen, die Antriebslosigkeit, das Gefühl, daß einem Alles über den Kopf wächst.
Wie unklar richtig geschrieben hat: es riecht ein wenig danach, daß Deine Freundin in einen Burn-Out läuft und der geht oft ja einher mit einer Depression.

Trotzdem: sie hat Stress auf Der Arbeit, ist damit unzufrieden. Ist mit ihrer beruflichen Gesamt-Situation und wohl auch ihren Zukunfts-Aussichten unzufrieden. Dazu Stress mit der Familie. Da kommt halt Einiges zusammen.
Dann stellt man schonmal sein ganzes Leben in Frage, auch Dinge und Menschen, die einem eigentlich kein Problem bereiten. Und es kommt der Wunsch nach dem "Ich will hier 'raus" in den Kopf, dieser Wunsch, irgendwo irgendwie nochmal ganz von vorne anzufangen. Der ist natürlich Blödsinn und das macht i.d.R. eh niemand. Aber wenn man eh gerade ganz down ist und einem die momentane Lebenssituation ausweglos erscheint, dann sieht das aus wie das gelobte Land.

Ihr solltet mal mit kleinen Schritten beginnen, diese Ausweglosigkeit zu bekämpfen. Nicht das große Ganze, sondern step-by-step eine Veränderung herbeiführen.
Da würde ich als erstes die berufliche Perspektive angehen. In ihrem jetzigen Job hat sie diese nicht. Punkt. Also muß sie daran etwas ändern. Überlegt mal, was ihr liegt, was sie eigentlich machen möchte und beginnt dann, Euch zu informieren, wie man dieses Ziel erreichen kann. Ihr seid doch noch jung, da kann man ruhig nochmal etwas ganz Neues anfangen. Damit schlagt Ihr gleich drei Fliegen mit einer Klappe:
- Deine Freundin hat wieder ein Ziel, auf das sie hinarbeiten kann
- es lenkt sie ab von ihren Problemen (zumindest ein wenig)
- ihre berufliche Perspektive verbessert sich
Und es reißt sie erstmal aus ihrem schwermütigen Trott heraus.

Ich kenne mich da nicht aus, aber ist das mit Kindern wirklich so schwer? So weit ich weiß, ist es in Deutschland für eine Frau nicht verboten, Kinder zu bekommen. Informiert Euch da doch mal genauer. Aber: will Deine Freundin wirklich Kinder? Jetzt bald? Kann das vielleicht auch ein Grund sein,weil sie sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt? Oder noch nicht so weit ist, die Verantwortung für Kinder zu übernehmen und sich gleichzeitig damit auch langfristig an Dich zu binden?

Ok, vielleicht lese ich ja zu genau, aber der Satz, in dem Du schreibst, daß sie daran zweifelt, lesbisch zu sein, ist mir doch aufgefallen. War das "nur" so dahergesagt? Oder auf Eure Umwelt bezogen? Oder ist da mehr d'ran?

Habt Ihr einen (Haus-)Arzt, dem Ihr vertrauen könnt? Dann würde ich vorschlagen, daß Deine Freundin mal mit ihm redet.
Ich würde nicht jetzt schon einen Therapeuten aufsuchen und von Depression sprechen, eventuell macht Ihr das Problem damit größer und stärker, als es ist.

Weiter Alles Gute!
Mark11
 

Benutzer85671 

Verbringt hier viel Zeit
Die Frage, ob es sich um eine Depression handelt oder nicht, steht leider schon von Anfang an im Raum, weil meine Freundin gleich in der ersten Woche meinte „Ich muss zum Arzt, das ist doch nicht normal“. Ich habe ihr auch gesagt, dass wir damit noch warten sollten, vielleicht legt sich alles wieder, aber wenn sie zum Arzt möchte, komme ich natürlich mit und unterstütze sie dabei, wenn sie das will.
das mit den selbstdiagnosen ist immer so ne sache. der begriff depression ist schon so umgänglich, dass jeder hinter allem schnell eine depression vermutet. so einfach ist das aber nicht und selbstdiagnosen ala internet sollte manr bleiben lassen. es gibt nicht umsonst experten, die jahrelang lernen die unterschiedlichen psychischen diagnosen richtig zu stellen. und es gib mehr als nur depressionen.

für mich hört sich das zb. stark nach akuter belastungsstörung an. deine freundin ist grade heillos unter stress und überfordert. aus dieser situation muss sie raus, bevor es noch schlimmer wird, sonst kommt sie am ende wirklich noch in eine depression rein.
aber auch das ist nur eine möglichkeit und keine richtige, vertrauenswürdige diagnose. wenn es deiner freundin schon seit 2 wochen durchgehend so geht, solltet ihr wirklich professionelle hilfe aufsuchen. am besten mal den hausarzt, der entscheidet dann in weitere richtungen. damit ist nämlich nicht zu spaßen. und zu denken, dass das "einfach so" wieder weggeht, könnte böse enden!

aber was auch immer gerade mit ihr los ist, die situation der sie auf ihrer arbeit ausgesetzt zu sein scheint, tut ihr nicht gut und so wie ich das sehe, muss sie da so schnell wie möglich raus. dass sie sich jetzt auch noch über eure beziehung unsicher wird, ist das i-tüpfelchen. ob sie wirklich noch was für dich empfindet oder dich zur zeit einfach nur braucht um nicht ganz abzustürzen, wird in der situation auch gar nicht klar.
aber deine geschichte klingt auch nicht so ohne. was du zur zeit wegen deiner familie, arbeit und freundin auf dich nimmst, beansprucht auch deine energiereserven. also pass sehr gut auf, dass dich das alles nicht ebenfalls so ehr belastet, dass es dir am ende auch schlecht geht. also behalte dich im auge und vergis dich selbst nicht!
 
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