das ewige thema mit dem studium...

Benutzer63945 

Verbringt hier viel Zeit
hi zusammen, ich muss mal was los werden:

also ich studiere schon seit einiger zeit medizin, bin ziemlich weit fortgeschritten und habe naja, so blöd es klingen mag, grade ein neues fb-profilbild hochgeladen, wo ich in einem kittel zu sehen bin... habe mich noch nie in einem kittel "wahr genommen" und jetzt schau ich mir schon lange dieses foto an und denke die ganze zeit: ne, das bin irgendwie nicht ich... :frown: ich weiß irgendwie gar nicht, was ich machen soll...

in einer recht orientierungslosen phase meinerseits hat mir mein vater früher sozusagen einen "arschtritt" verpasst, so dass ich, als ich damals nicht wusste was ich machen sollte, einfach damit angefangen hab. damals ergab sich die möglichkeit eines auslandsstudiums.

die musik, die auch schon früher eine zentrale rolle in meinem leben gespielt hat, wurde als "spielerei" abgetan. nun bin ich zumindest soweit, dass mein vater und meine eltern, meine musik ernster nehmen, seit dem ich im september diesen jahres auch meine erste veröffentlichung hatte und nächstes jahr noch was folgt... :smile:

nun studiere ich in einer großen stadt und habe musiktechnisch wichtige kontakte knüpfen können... das problem an der sache ist, dass meine komilitonen aus dem medizinstudium meine musiksache nicht richtig ernst nehmen.

ich habe sozusagen ne menge in der hand aber keine ahnung wie es weiter gehen soll. ich bin eigentlich jemand, der seinen mitmenschen hilft, wenn sie probleme haben... egal ob ich sie kenne oder nicht... eigentlich wichtig für das arztsein, auf der anderen seite wird mir schlecht, wenn ich mir die verhältnisse in deutschland teilweise ansehe... egoisten und selbstdarsteller soweit das auge reicht (sogar unter meinen komilitonen).

in der musik finde ich immer einen ausweg aus dem ganzen chaos, ich habe zum glück einige leute, die mich unterstützen und sagen, du machst das toll! musik hat mich in schlechten zeiten nicht hängen lassen, es ist meine herzensangelegenheit! aber ich weiß auch, dass sowas nicht so sicher oder von langer dauer sein kann, was die finanzielle sicherheit angeht...

ich glaube ich habe tief in mir drin ein grundbedürfnis, die welt ein stückchen besser zu machen (ja, ich weiß... kitschig :zwinker:)... theoretisch könnte ich mir z.b. vorstellen, hilfsprojekte zu betreuen...

wie lassen sich 2 so verschiedene sachen sinnvoll miteinander vereinbaren?
 

Benutzer65313 

Toto-Champ 2008 & 2017
Ist witzig, weißt du - mein Lebensweg ist genau umgekehrt :zwinker: Ich wollte immer Ärztin werden, bis ich irgendwann eingesehen habe, dass meine Noten nicht ausreichend gut sind (obwohl nicht schlecht) und ich es wohl nicht schaffen würde, das Studium durchzustehen. Also bin ich kurz vor dem Abitur umgesattelt - auf Musik.
Ich denke immer noch, dass ich eine gute Ärztin abgeben könnt, weil ich genau den gleichen Wunsch habe wie du - die Welt ein bisschen besser machen und den Menschen zu helfen.
Irgendjemand hat mir dann aber mal gesagt, das kann man auch mit Musik. Und obwohl ich mit meiner Studienwahl nicht 100prozentig einverstanden bin sehe ich das mittlerweile genauso.
Was ich damit sagen will - dieses Bedürfnis zu helfen kann man auf verschiedene Arten ausleben. Klar, als Arzt tut man etwas direkt, aber auch in vielen anderen Berufen kann man andere Menschen glücklich machen.

Was heißt "ziemlich weit fortgeschritten"? Wie viele Semester hast du noch vor dir? Ich hatte drei Semester vor meinem Abschluss auch eine ziemliche Krise und dachte mir, dass ich hier eigentlich völlig falsch bin. Ich ziehe mein Studium jetzt trotzdem durch, denn ich bin schon zu weit, um es noch abzubrechen. Dennoch überlege ich, ob ich noch etwas zweites studieren werde, etwas, das wirklich meinem tiefsten Wunsch entspricht, was ich aber damals mit 19 noch nicht wahrnehmen konnte. Vielleicht ist das ja auch eine Möglichkeit für dich - mache deinen Abschluss, wenn es nicht mehr so weit hin ist, dann hast du etwas in der Tasche und kannst dich ein Weilchen auf deine Musik konzentrieren. Wenn das nicht klappt hast du immer etwas, wohin du zurückkehren kannst.

Wirklich vereinbaren lassen sich die Dinge meiner Meinung nach nämlich nicht. Vielleicht sehe ich das zu schwarz und vielleicht kann dir jemand bessere Tips geben, aber als Arzt ist man schon ziemlich gefordert und viel im Einsatz, ich glaube nicht, dass da noch viel Zeit zum ernsthaften musizieren bleibt. Das weiterhin als Hobby zu betreiben, dem steht natürlich nichts im Wege.
Wenn du schon Veröffentlichungen hast dann hast du doch aber zumindest gute Chancen, in dem Bereich noch was zu reißen. Du bist erst 24 - das ist selbst in Musikerkreisen noch nicht sonderlich alt :zwinker:

Sei dir aber sicher: Das Leben als Künstler ist immer hart. Egal, wie berühmt und erfolgreich man ist, der Unterschied ist eigentlich nur, wie gut man dafür bezahlt wird :grin: Ich würde die Entscheidung wirklich davon abhängig machen, wie weit du wirklich mit deinem Medizinstudium bist.
Noch eine andere Frage: Hast du keine Möglichkeit, mit dem Studium noch was anderes zu machen, Forschung zum Beispiel? Das müsste doch eigentlich gehen, oder liegt dir das überhaupt nicht?

Wenn du überhaupt nicht weiterweißt dann noch mein letzter Tipp: Berufsberatung beim Arbeitsamt. Ja, da sitzen teils wie im Klischee wirkliche Schnarchnasen die keine Ahnung von nix haben, teils sind das aber sehr kompetente Leute die dir sicher weiterhelfen könnten. Kommt eben auf dein Glück an :zwinker:
 

Benutzer68775  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Hey :smile: Ich erkenne mich wieder, zumindest ein wenig...

zuerst Mal @Bria, tut mir leid, dass du einen großen Teil deines Traums aufgegeben hast. Ein oft gemachter Denkfehler, aufgrund der blöden ZVS: man braucht keine guten Schulnoten für Medizin, man braucht nur Fleiß und ein dickes Fell... und natürlich Freude an der Sache und dem Ziel. Ich hab viele Freundinnen, deren Abi viel schlechter war als meins, und die das Studium in Mindestzeit durchgezogen haben.
Ich hoffe du findest noch irgendetwas, das dem nahe kommt, was du machen wolltest :smile:

Und dann zum TS...
Jaaaa, die Studiumskrise. Ich bin Tiermedizinerin, einen Monat vor Abschluß *seufz* und vor einem Jahr kam auch bei mir die große "ich bin hier falsch" Krise.
Meine Überlegungen waren, es war ein hartes, böses Studium, und ich sehe nicht ein, 6 Jahre einfach so in den Wind geschossen zu haben. Etwas ganz andres kommt also aus purem Trotz nicht in Frage. Aber in der Praxis langweile ich mich und ich WILL nicht jeden Tag dafür aufstehen.
Wenn du Hilfsprojekte betreuen möchtest, wäre doch Ärzte ohne Grenzen oder Katastrophenmedizin eine Möglichkeit? Wie sich Musik da einbauen lässt ist natürlich schwierig, aber könnte es nicht sein, dass sich das findet, wenn du erstmal einen Überblick hast?
Oder könntest du dir vorstellen mit einer Zusatzqualifikation evtl Medizin und Musik zu ... keine Ahnung, nicht mein Fachgebiet, vielleicht zu Musiktherapie o.Ä. zu verbinden?

Allerdings, wie gesagt, das ist meine Meinung, dass ich nicht "umsonst" so lange und entbehrungsreich etwas studiert haben will. War schließlich kein Spaziergang... meine Freundin hat jedoch das Umgekehrte gemacht, erst Musik auf Diplom und sich da tödlich gelangweilt - und dann kam mehr oder weniger zufällig die Tiermedizin... und sie ist total glücklich, auch wenn sie kaum noch Musik macht.
Bei mir ist es trotzdem so, dass ich das Theoretische an der Medizin super spannend finde, und darauf nicht verzichten will... und ich hab auch schon diverse Möglichkeiten, bei denen ich denke, damit könnte ich glücklich werden.

Man muss sich nur aus der "waaah ich tu das Falsche" Überblickslosigkeit herausbekommen und möglichst rational Möglichkeiten sondieren. Und dann eben Entscheidungen treffen.
Mich würde bei allem aber auch interessieren, wie lange du noch hast bis zum Abschluß?
 

Benutzer6874  (35)

Benutzer gesperrt
Ich weiss nicht welche Art von Musik du machst.
Für eine Karriere in der klassischen Musik ist es in unserem Alter ganz sicher zu spät, da muss man sehr viel früher anfangen.

Auf anderen Gebieten ist das anders. Wenn in der Musik das rein Technische keine so grosse Rolle spielt, dafür Ideen, Persönlichkeit, Entwicklung, Anregungen von anderen Musikern, sieht es anders aus.

"Egoisten und Selbstdarsteller" (Zitat) gibt es in der Musik aber erst recht :zwinker:

Fühlst du dich als Arzt am falschen Platz? Ist es nicht dein Beruf? Ich hatte auch zeitweise Durchhänger, aber eher zu Beginn. Mich schreckt auch nicht der Arztkittel ab. Sondern wenn schon dann eher die Aussicht, mein Leben als Arzt am PC und mit Administrativkram zu verbringen....

Ich brauche Musik. In ihr kann ich mich ausdrücken, besser alsmit Worten. Ich kenne aber viele Ärzte (und auch Studienkollegen), die sind wirklich gute "Hobbymusiker". Es gibt z.B. auch Medizinerorchester, die so spielen dass man zuhören mag. Ich komme trotz dem Studium immer noch dazu, an Anlässen aufzutreten. Die Musikerkollegen sind auch Medizinstudenten :zwinker:

Ich brauch einfach meine Zeit zum Üben. Die muss ich mir nehmen, genau wie auch für ein bisschen Sport. Diesen Ausgleich bracht man gerade in einer anstrengenden Ausbildung und neben einem anstrengenden Beruf!

Nur eines kann nicht mir nicht vorstellen ->neben dem Studium erfolgreich eine Musikerkarriere aufzubauen.
 

Benutzer54457 

Sehr bekannt hier
Off-Topic:
bezüglich karriere in klassischer musik mit 24: ob es dafür zu spät ist, hängt von vielem ab. ich habe in meiner jugend oft mit dem gedanken gespielt, klassischer pianist zu werden, mich aber aus vielen gründen dann dagegen bentschieden. die sache hat in meinem kopf aber immer noch so ein "was wäre wenn"-dasein gefristet, und deswegen habe ich vor ca 1,5 jahren einem professor (des berühmten wiener konservatoriums), den ich noch von zeiten, als ich bei wettbewerben auftrat, kenne, vorgespielt - quasi um gewissheit zu haben und das kapitel abschließen zu können. er meinte für mich sehr überraschender weise, dass er mich nehmen würde - in 1 jahr. (dann wäre ich also 25 gewesen.) und für dieses jahr hat er mir quasi ein pensum vorgelegt, bei dem mir schlecht geworden ist. ich bin sicher recht begabt, aber nicht SO gut, dass das vordergründig mit meiner begabung zu tun hätte - es ist einfach so, dass wenn man bereit ist, tag und nacht zu investieren, dann kann man auch in unserem "alter" noch so ziemlich alles machen. die lehre ist: sag niemals nie. ich habe mich dann dagegen entschieden, weil mir mein jetziges studium spaß macht und ich wie gesagt aus einigen gründen nicht als professioneller musiker arbeiten möchte.


ich finde deine schilderung sehr gut nachvollziehbar, Jaymo. kannst du dir vorstellen, die musik als hobby weiterzubetreiben? um welches genre geht es überhaupt?
 

Benutzer63945 

Verbringt hier viel Zeit
also zur aufklärung: ich habe zwischen meinem 7. und 17. lebensjahr geige gespielt, zwischendurch etwa 1 1/2 jahre klavier... also ich irgendwann keine lust mehr hatte noten vom blatt zu spielen, habe ich angefangen, beats mit dem rechner zu erstellen... das war etwa mit 13, mit 24 hab ich nun ENDLICH meine erste veröffentlichung... stilistisch bewegt sich das ganze zwischen house, minimal und so weiter... das mag für den einen keine musik sein, für mich ist es aber die in der tat grenzenlose kreativität, weil man heutzutage wirklich alles mit einbauen kann und es einfach KEINE REGELN gibt... eine flucht aus der systematisierten und strukturierten welt, ein grad von freiheit, der vielen lebenslang unbekannt bleiben wird :smile:
 

Benutzer6874  (35)

Benutzer gesperrt
Off-Topic:
die lehre ist: sag niemals nie.
Off-Topic:

Off-Topic:
ok. da hast du im Prinzip Recht. Aber ich würde trotzdem empfehlen sehr früh anzufangen.


Jaymo, du machst Musik. Das ist etwas Anderes als klassische Musik mit ihren Standards Kritiken und Vergleichen. Ich sag das so sehr ich die klassische Musik liebe....:cry:
Dass man (schöpferisch) Musik machen kann, das merkt man oft erst im Lauf des Lebens. Dafur ist es nie zu spät, höchstens zu früh :grin:

Ich hoffe dass du einen guten Entscheid fällst. Ich kann mir aber trotzdem vorstellen, dass beides neben einander Platz haben könnte
 

Benutzer12529 

Echt Schaf
habe mich noch nie in einem kittel "wahr genommen" und jetzt schau ich mir schon lange dieses foto an und denke die ganze zeit: ne, das bin irgendwie nicht ich... ich weiß irgendwie gar nicht, was ich machen soll...
Geht es nur um die Vorstellung von dir im Kittel? Wenn ja - einige meiner Ärzte mit eigener Praxis hab ich noch nie im Kittel gesehen, teils netmal in weißer Kleidung :zwinker:.
Wenn es um das Bild von dir als Arzt geht, weiß ich auch nicht... zuende machen schadet ja nichts, denn Zeit für die Musik hast du derzeit ja auch.
 

Benutzer66478 

Verbringt hier viel Zeit
Mir stellt sich gerade die Frage was dagegen spricht sich nicht ausschließlich durch seinen Job definiert zu sehen.

Ich studiere im 5. Semester Kommunikationsdesign. Aus Interesse, Überzeugung und Spass an der Sache. Ich bin gut in dem was ich mache und werde sicherlich keine Probleme haben später einen guten Job zu finden.
Mit Musik beschäftige ich mich jetzt auch schon seit einer ganzen Weile, habe früher Klavier gespielt, dann Gitarre, war in einer Band, habe viele Konzerte gespielt, viel Musik gehört, mich mit Musik ausseinandergesetzt etc.

Design und alles was damit zutun hat ist zwar nicht NUR mein zukünftiger Job, sondern schon auch irgendwo eine Leidenschaft, nichts desto trotz wäre ich auf Dauer unglücklich wenn ich mich nur damit beschäftigen würde. So hat die Musik immer mehr einen Ausgleichsaspekt für mich bekommen. Die Musik selbst, das Beschäftigen mit Musik, das Machen von Musik. All das ist mein Ausgleich den ich neben dem Studium sehr aktiv betreibe. Manchmal sogar intensiver als das Studium selbst.
Ich würde das nicht nur als einfaches Hobby bezeichnen, es ist schon mehr. Ich definiere mich zu großen Stücken über Musik. Für mich funktioniert dieser Kompromiss die eine (etwas bodenständigere) Leidenschaft als Beruf zu wählen, die Andere als Alltagsausgleich "und mehr".
Vll wäre das ein Kompromiss mit dem du auch glücklich werden könntest. Auf diese Weise läufst du im übrigen auch nicht Gefahr dir Musik madig zu machen da du nicht so sehr mit dem extrem harten Musikgeschäft in Kontakt trittst.
 

Benutzer103916 

Meistens hier zu finden
ich fand den "musiktherapie" vorschlag sehr gut.
klar ist das was anderes als kreative beats zu erstellen, aber das könntest du ja nach wie vor als hobby weiterbetreiben :smile:
und ohne mich auszukennen würd ich sagen, dass ein abgeschlossenes medizinstudium (mit anschließender spezialisierung) deutlich kompetenter wirkt, als ein abgebrochenes :zwinker:
 

Benutzer63945 

Verbringt hier viel Zeit
hey, danke für eure zahlreichen antworten... die sache mit der musiktherapie klingt nicht uninteressant aber es wäre dann eben eine weiterbildende qualifizierung, keine facharztausbildung... :smile: ich bin übrigens im 5. klinischen semester, das heißt es ginge noch um 1 semester theoretische und 1 jahr praktische ausbildung bis zur großen prüfung...
 
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