Beziehungsende - immer beide schuld?

Benutzer42813 

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Zu deiner Ausgangsfrage, was du dem Freund raten sollst: Ich würde ihm gar nichts raten. Ich würde einfach zeigen, dass du für ihn da bist. Zusammen ins Kino, zum Fußball oder so. Taten sprechen manchmal deutlicher als Worte.

Und wenn man einmal betrogen wurde und es nicht fassen kann - dann tut es gut, wenn man merkt, dass man sich wenigstens noch auf seine Freunde verlassen kann.
 

Benutzer123270  (43)

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Die meisten Menschen begehen den Fehler und interpretieren Geschriebenes zu stark, anstatt es objektiv zu lesen und bei Unklarheiten nachzufragen. Eines der grössten Kommunikationsprobleme überhaupt. Es werden lieber laienhafte Deutungen unternommen statt nachzufragen "Hey, du hast da XY geschrieben, hast du das auch so gemeint? Oder wie genau ist dies zu verstehen?". So bastelt man sich eben seine eigene Welt zusammen.
Da kann ich Dir nur bedingt zustimmen. Das Geschlecht hättest Du in dem Fall meiner Meinung nach am besten ganz weggelassen. Es sollte ja um einen fiktiven Fall gehen, der Geschlechtsneutral wahrgenommen werden soll. Wenn es mir darum geht, Meinung zu begründen tue ich dies auch. Wenn es nur darum geht eine Ausnahme einer behaupteten allgemeinen Regel aufzuzeigen, verzichte ich darauf um nicht zu sehr die Leute durch die reine Gefühlsebene zu überzeugen. Beispiel: Wenn gerade schlimme Straftaten geschehen sind, steigt die Anzahl der Befürworter härterer Strafen. Diese sinkt danach aber wieder. Ich hätte als von einem zu anschaulichen Beispiel mit geschlechtspezifischen Informationen abgesehen.
 

Benutzer121281  (32)

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Da kann ich Dir nur bedingt zustimmen. Das Geschlecht hättest Du in dem Fall meiner Meinung nach am besten ganz weggelassen. Es sollte ja um einen fiktiven Fall gehen, der Geschlechtsneutral wahrgenommen werden soll. Wenn es mir darum geht, Meinung zu begründen tue ich dies auch. Wenn es nur darum geht eine Ausnahme einer behaupteten allgemeinen Regel aufzuzeigen, verzichte ich darauf um nicht zu sehr die Leute durch die reine Gefühlsebene zu überzeugen. Beispiel: Wenn gerade schlimme Straftaten geschehen sind, steigt die Anzahl der Befürworter härterer Strafen. Diese sinkt danach aber wieder. Ich hätte als von einem zu anschaulichen Beispiel mit geschlechtspezifischen Informationen abgesehen.

Das Beispiel ist neutral geschrieben, nur geht es schlecht, "es" zu schreiben. Ich habe im weiteren Verlauf bewusst er/sie geschrieben und es anfangs schlichtweg vergessen. Natürlich kann man mir daraus jetzt einen Strick drehen, dass ich natürlich auf die bösen bösen Männer schimpfen wollte, da ich in meinem Inneren nur in Männern die Täter sehe. :grin: Aber ob das sinnvoller ist, als einfach zu akzeptieren, dass Menschen Schreibfehler machen oder Dinge vergessen/übersehen?
 

Benutzer42813 

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Eine interessante Frage, für die ich selbst noch keine Antwort gefunden habe: Wie kann bei emotionalen Dingen die richtige und neutrale Betrachtungsweise finden, wenn man bei der Betrachtung alle Emotionen rausnimmt?

Das war früher einmal mein Ansatzpunkt, aber er hat sich als unzureichend erwiesen.

Von der Wissenschaft her interessant finde ich den Aspekt der Kybernetik zweiter Ordnung: Der Betrachter räumt ein, dass er nicht einhundertprozentig objektiv ist, und schildert, in wieweit er selbst emotional involviert ist. Und dann schildert er mit bestem Bemühen um Objektivität das, was er halt zu schildern hat. Seine Leser/Zuhörer können sich dann anhand ihres Hintergrundwissens über ihn mit Hilfe ihrer eigenen Intelligenz ein Bild davon machen, wie sie seine Worte einordnen sollen.

Ich bin Schülerin dieser Wissenschaftstradition, da die sich für mich in emotionalen Belangen nach einer Zeit des Forschens und Herumprobierens als viabler erwiesen hat als der Versuch, emotionale und beziehungstechnische Zusammenhänge kühl und neutral zu betrachten. Die Beobachtungen werden genauer, die Vorhersagen ebenfalls. Diese Herangehensweise sollte aber bitte nicht mit unwissenschaftlichen "also ich finde ja, weil die XY hat neulich so das und das erlebt, also muss das stimmen, die XY ist nämlich meine Freundin" verwechselt werden.
 

Benutzer86779  (36)

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Ich finde diese "es sind immer beide Schuld"-Mentalität, grade in Punkto Fremdgehen, grausam.
Wenn Person A unzufrieden ist und statt den Mund aufzumachen und zu sagen "Hey, ich wünsche mir, dass XYZ anders läuft", den Partner im Glauben lässt alles sei super und hintenrum fremdfickt - wo zur Hölle hat der Partner da eine Mitschuld? Weil er nicht Gedanken lesen kann?

wobei man ja auch körpersprache lesen kann. zum beispiel beim sex schafft es ja nicht jeder direkt die dinge beim namen zu nennen, aber oft würde man wenn man aufmerksam ist, auch an der körpersprache unzufriedenheit erkennen, genauso auch bei nicht sexuellen dingen.

Ich finde oftmals werden dann auch scheuklappen aufgesetzt und man will das problem wirklich garnicht sehen und ignoriert so offensichtliche zeichen. oftmals sogar noch, wenn der partner bereits jahrelang fremdgeht. da gibt es so konstellationen, wo es jeder weiß und alle indizien dafür sprechen, dass er oder sie ne affäre haben und trotzdem schaut der betrogene weg (vermutlich oft unterbewusst).

nat. ist der betrüger dann trotzdem schuld, weil er ja seinen mund aufmachen könnte statt einfach fremdzugehen, aber der betrogene hat es dann zumindest gefördert.
 
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Benutzer98976 

Sehr bekannt hier
Ich kenne Menschen, die vornerum und offiziell von ihrem Partner als "die Liebe ihres Lebens" sprechen - und hintenrum eine Affäre nach der anderen pflegen. Besagte Personen streben natürlich auch keine offene Beziehung an, denn dann könnte der Partner ja auch Spaß in andren Betten haben (und sie wollen ja die einzigen sein). Also verfolgen sie hochmanipulativ ihr Ziel der maximalen Freiheit&Sicherheit und verdrehen/erfinden geschickt Wahrheiten, die dem Zwecke dienlich sind.
Da hat ein Partner, der von Ehrlichkeit ausgeht, einfach keine Chance.

Ich finde es sehr schwierig, pauschal von 'an einer Trennung sind beide schuld' zu sprechen. Beziehungen sind so unterschiedlich wie Schneeflocken. Man sucht sich von Beginn an das falschen Gegenüber aus, man ist zu unselbstbewusst um Störendes anzusprechen/ zu dominant um dem anderen Raum dafür zu lassen, man verändert sich, man trifft unüberlegt eine Entscheidung oder äußere Umstände treiben Entwicklungen voran, an die man gar nicht denkt...
Jede Beziehung bedeutet Wechselwirkung zwischen zwei oder mehreren Personen, man sollte den Einzelfall betrachten und jemand mit schmerzendem Herzen ernst nehmen, anstatt ihm Pauschalurteile um die Ohren zu hauen. So ein Betrug kann das komplette Weltbild auf den Kopf stellen und traumatisieren, emotional dem Verlust durch Tod gleichkommen. Freunde sind da ganz wichtig. Also sag ihm, dass er nichts dafür kann (und zwar mehrfach, scheißegal ob er das später anders sieht, jetzt muss er das hören) und nimm ihn in den Arm oder geh mit ihm auf die Piste - Du schaffst schon zu erkennen, was er nun braucht. Und selbst wenn nicht, der gute Wille wird ankommen und auch heilsam sein.
 

Benutzer4590 

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wobei man ja auch körpersprache lesen kann. zum beispiel beim sex schafft es ja nicht jeder direkt die dinge beim namen zu nennen, aber oft würde man wenn man aufmerksam ist, auch an der körpersprache unzufriedenheit erkennen, genauso auch bei nicht sexuellen dingen.

Fragt sich: Wie viel hellsehen muss ein Partner können, um sich keiner Unterlassungssünde schuldig zu machen? :zwinker: Ich würde sagen, wenn die nonverbalen Signale nicht grade in der Deutlichkeit eines Zaunpfahls daherkommen, kann niemand verlangen, dass dem Partner das auffallen muss, und entsprechend sollte ihm hinterher auch kein Strick draus gedreht werden.
Verleugnung ist natürlich eine andere Sache, aber das setzt ja voraus, dass die Signale durchaus gesehen werden und man nur so tut, als sähe man sie nicht.

Was die Ausgangsfrage betrifft: Wie vielen Dingen im Leben wird man mit "es ist immer so und so" gerecht? Wohl den allerwenigsten. Entsprechend halte ich auch die Behauptung, an einem Beziehungsende wären immer beide schuld, für wenig sinnvoll. Ich glaube, dass klare Fälle möglich sind, wo einfach einem Partner vom anderen Unrecht getan wurde und es daran nichts zu rütteln gibt. Oft ist es aber halt auch nicht so einfach, denn zwischenmenschliche Beziehungen sind nunmal komplexe Konstrukte, wo sich nicht immer so einfach aufdröseln lässt, was nun genau wozu geführt hat und wer's verbockt hat.

Es schadet sicher nicht, nach dem Ende einer Beziehung auch mal in sich zu gehen und sich zu fragen, ob man denn selbst was hätte anders machen können - allein schon zu dem Zweck, in zukünftigen Beziehungen nicht wieder die gleichen Fehler zu machen. Aber als Leistungssport muss man die Schuldverteilung dann doch nicht gleich betreiben, weder in Bezug auf sich selbst noch in Bezug auf den Ex-Partner.
 

Benutzer42813 

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Wie wäre es, wenn man das negativ besetzte Wort "Schuld" einfach mal durch das neutralere "Verantwortung" ersetzt?

Die meisten Leute wollen viel lieber "Verantwortung" als "Schuld" haben, und es ent-emotionalisiert eine solche Diskussion erheblich und lenkt sie in konstruktivere Bahnen.
 

Benutzer123270  (43)

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Wie wäre es, wenn man das negativ besetzte Wort "Schuld" einfach mal durch das neutralere "Verantwortung" ersetzt?

Die meisten Leute wollen viel lieber "Verantwortung" als "Schuld" haben, und es ent-emotionalisiert eine solche Diskussion erheblich und lenkt sie in konstruktivere Bahnen.
Der Einwurf hört sich irgendwie gut an. "Verantwortung" hört sich irgendwie weniger nach Gerichtsverfahren an. Allerdings spielt, wenn ich das richtig erlesen habe, bei Unterhaltsverfahren bzgl. des Unterhaltes für den Partner (o.k. sie waren nicht verheiratet) auch heute noch eine Art Schuldfrage eine Rolle (grobe Unbilligkeit). Und Fremdgehen scheint da in vielen Fällen schon eine gewisse Rolle zu spielen. Es geht bis hin zum Versagen eines Unterhaltsanspruches desjenigen, der betrogen hat. Scheinbar geht auch die Rechtsprechung nicht davon aus, das in einer Beziehung alles erlaubt ist, was nicht gegen ein Strafgesetz verstößt, und das ohne dass man vorher vereinbaren muss, das Treue erwartet wird.
 
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Benutzer50283 

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Ich würde sagen, wenn du das Gefühl hast, keine Teilverantwortung zu tragen, dann lass dir doch nicht 1000 Situationen in einem Forum konstruieren, die für dich frustrierend sind, da du eigentlich gerne aufgebaut werden würdest und nun doch Meinungen hörst, die im Moment sicher schmerzhaft und wenig hilfreich und doof sind.
 

Benutzer123270  (43)

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Ich würde sagen, wenn du das Gefühl hast, keine Teilverantwortung zu tragen, dann lass dir doch nicht 1000 Situationen in einem Forum konstruieren, die für dich frustrierend sind, da du eigentlich gerne aufgebaut werden würdest und nun doch Meinungen hörst, die im Moment sicher schmerzhaft und wenig hilfreich und doof sind.
Geht doch gar nicht um mich. Außerdem bestreitet der Freund auch nicht eine Teilverantwortung zu haben bis hin, dass er sich völlig hinterdenkt. Aber es ist für ihn nicht leicht, dass Fremdgehbeichte, Beziehungsende und Liebeschwüre in so naher zeitlicher Folge waren. Zwar in umgekehrter Reihenfolge wie ich es jetzt geschrieben habe. Ich denke halt er braucht in erster Linie Zuspruch und keine pauschale Aussagen. Wenn er nach der Freundin gefragt wird, muss er ja sagen, dass sie kein Paar mehr sind. Ich war auch schon dabei. Alle sind so überrascht und sagen dass hätten sie nie gedacht, dass die beiden sich trennen. Dass sie fremdging erzählt er nicht, dafür ist er zu taktvoll, weil Sie das Beziehungsende ja auch nicht damit begründet hat. Und weil er die Frage nach dem Warum nicht beantworten kann. Kommt eben dieser Satz, der ihn zermürbt. Ein einzelner Satz für die lange Zeit. Ein belangloser Satz, der immer passt, der aber seiner Situation nicht gerecht wird. Selbst wenn er (gehen wir mal davon aus) vieles hätte besser machen können, ist ihr Verhalten nicht das was ich ihm in der nächsten Partnerschaft wünsche. Und ich traue mich durchaus zu ihm zu sagen, er werde vielleicht bald eigene Fehler sehen. Davon unabhängig werde ich im aber nicht nur so ein 50/50 Schuld suggerierendes Ding in seiner Situation hinwerfen. Selbst wenn es nicht wörtklich so gesagt wird. Und ich erlaube mir auch zu sagen, dass fremdgehen auch in einer nicht intakten Beziehung, mir Unverständnis abnötigt.
 
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Benutzer123270  (43)

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Danke habs korrigiert. mir gings mal ähnlich. Bei mir hatte es aber einen anderen Hintergrund. Und meine Beziehung war am Zuendegehen und es war beiden durchaus bewußt, dass es wahrscheinlich bald enden könnte. Und trotzdem widert es mich an, da ich es erst später erfuhr (das Fremdgehen) und mir weiß was einfangen hätte können.
 
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Benutzer42813 

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Und ich erlaube mir auch zu sagen, dass fremdgehen auch in einer nicht intakten Beziehung, mir Unverständnis abnötigt.

Ja, es ist feige und hinterhältig, es gibt bessere Arten, sich selbst einzugestehen, dass man den anderen nicht mehr liebt. Es sollte reichen, wenn der Impuls zum Fremdgehen kommt und man sich klar macht: "Moment. Hier läuft was schief. Ich sollte meine Beziehung überdenken."

Und dann an dieser Stelle dem Impuls nicht nachgeben. Denn wenn man dann fremdgeht, ist das tatsächlich sehr, sehr mies.

***

Wenn ein Paar dann aber z.B. doch zusammenbleibt und der Betrogene "verzeiht", dann ist es für die Fortführung der Beziehung sehr wichtig, dass auch der Betrogene an sich arbeitet und eigene Fehler erkennt. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Betrachtungsweise der beiderseitigen Verantwortung für dich vielleicht nachvollziehbarer?
 

Benutzer119185  (36)

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Chris090 schrieb:
Und ich traue mich durchaus zu ihm zu sagen, er werde vielleicht bald eigene Fehler sehen. Davon unabhängig werde ich im aber nicht nur so ein 50/50 Schuld suggerierendes Ding in seiner Situation hinwerfen. Selbst wenn es nicht wörtklich so gesagt wird. Und ich erlaube mir auch zu sagen, dass fremdgehen auch in einer nicht intakten Beziehung, mir Unverständnis abnötigt.

Du als sein Kumpel hast ja auch quasi die Pflicht ihm Zucker in den Arsch zu blasen, seine Ex abzuwerten, nur damit er sich besser fühlt. Gleiches werden gerade in dem Moment auch die Freundinnen der Ex bei ihr machen und Deinen Kumpel als miesen Arsch darstellen, etc. "Frauen sind alles Schlampen/Männer alles Arschlöcher" so die typischen Sprüche und anschließend fährt jeder nach Hause, um mit Schatz zu knuddeln. :grin:

Jedenfalls sind für solche Zusprüche Freunde da, nicht Fremde.
 
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