Bei meiner Schwester wurde Borderline diagnostiziert

Benutzer105719  (36)

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Hallo Leute,

meine Mama hat mich grad auf der Arbeit angerufen mit einer Nachricht, die mich ziemlich runter gerissen hat. Bei meiner Schwester wurde eine schwere Borderline Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.

Ich friere und bin am zittern. Ich liebe meine Kleine so sehr und will nur, dass sie glücklich ist. Ich habe solche Angst um sie.

Ich muss leider ein bisschen weiter ausholen und versuche es einigermaßen zu gliedern.

Meine Schwester:
Sie ist 17 Jahre alt, knapp 10 Jahre jünger als ich. Sie ist in der Oberstufe und eine ausgezeichnete Einser-Schülerin mit ausgeprägter Prüfungsangst, trotz guter Leistungen. Sie war schon immer so etwas, was man ein "schwieriges" Kind nennen würde, sehr impulsiv, jähzornig, agressiv. Sie liebt meine Eltern und mich so sehr wie wir sie lieben, das ist sehr deutlich, aber wenn sie ihre Anfälle hat ist sie wahnsinnig verletztend.

Das ist aber noch nicht das Problem. Meine Schwester grenzt sich sehr von Gleichaltrigen ab, sie hat zwar hie rund da immer wieder enge Freunde, aber das hält nie lange. Sie hat enorme Probleme mit der eigenen Sexualität, sie kleidet sich wie ein Junge, bindet sich die Brüste ab. Unsere erste Idee war, dass sie zu den wenigen Transsexuellen gehört und wir sind so verzweifelt, dass uns dieser Gedanke sogar beruhigt hat, weil er so viel erklären würde. Laut Psychologen ist das aber nicht der Fall. Einmal wollte sie ihre Brüste sogar abschneiden vor den Augen meiner Mutter. Sie hat sich extrem geritzt, das hat sich gebessert, aber wohl nur uns zur Liebe. Das Ritzen hat sie nun durch extremes Hungern ersetzt, sie wiegt um die 45 kg bei 1,80m. Sie hasst sich selbst extrem.

Das wurde kurzzeitig besser als sie einen netten Jungen kennen gelernt hat. Die Liebelei hielt leider nicht sehr lange, denn sobald der Bursche übers Knutschen hinaus wollte, machte sie Schluss. Sie verbindet Sexualität mit dem Schlimmsten. Sie erklärt das mit dem wirklich grottigen Aufklärungsunterricht inder Schule. Aber das klingt für mich nicht glaubwürdig. Mittlerweile trifft sie sich mit dem Kerl wieder, aber sie sind nicht zusammen, ich denke, dass er einfach Angst hat wieder verletzt zu werden.

Wie fasst man es zusammen: Meine Schwester verletzt sich selbst, ob durch Gewalteinwirkung oder Hungern, sie verletzt ihre Familie und geht auch schonmal mit nem Messer oder Fleischhammer auf uns los. Sie scheint oft depressiv und antriebslos, sie braucht viel Nähe von ihrer Familie, die sie aber gleichzeitig kaum ertragen kann. Sie hasst es ein Mädchen zu sein, will ein Junge sein, weil sie die sozialen Zwänge nicht ertragen kann, welche auf sie wirken. Sie ist totunglücklich, spricht von Selbstmord und stand letzten Urlaub sogar schon am Rand einer Klippe. Vor dem Jungen hatte sie übrigens eine Phase, in welcher sie mit einem Mädchen zusammen war.

Meine Eltern:
Meine Eltern sind toll. Sie kamen als Kommunismusflüchtlinge aus Polen nach Deutschland, haben hart gearbeitet und es zu einigem Wohlstand gebracht. Dennoch fühlen sie sich immer noch aus Ausländer. Sie wohnen auf dem Land und min. einmal im Jahr müssen sie die Fassade streichen, weil irgendwer "Alles geklaut" oder "Scheiß Polakken" oder "Juden" dran gesprüht hat. Sie selbst halten wenig soziale Kontakte außerhalb der Familie, weshalb sie spät gesehen haben, dass die EInsamkeit meiner Schwester ein Problem ist. Sie haben so viel Geduld und Verständnis für meine Schwester, dass es mich umhaut. Mein Vater, der immer blöde Anti-Homo-Witze gerissen hat, hat sie sogar immer zu ihrer Freundin gebracht und auch die Transsexuellen-Theorie akzeptiert mit den Worten "Hauptsache sie wird endlich glücklich". Meine Eltern sind bereit alles zu tragen was nötig ist.

Das Verhältnis von uns Schwestern:
Wir lieben uns sehr und hatten für den Altersunterschied immer ein extrem enges Verhältnis. Ich selbst hatte eine sehr unglückliche Kindheit, da ich schwer missbraucht wurde mit 13 und dadurch einen solchen Hau weg hatte, dass es jeder gemerkt hat. Folge: Ich wurde übelst gemobbt und weiß erst, seit ich aus dem Kack-Dorf ins Rheinland gezogen bin, was Freundschaft und Freude ist. Hier habe ich erst Menschen gefunden, die mich akzeptieren wie ich bin und die meine zahlreichen Ticks nehmen und gern haben. Ich habe mir oft vorgeworfen, dass meine Negativ-Einstellung damals (ich war Gothic und selbst oft am Rande des Suizids), sie so beeinflusst hat, dass sie selbst unglücklich wurde. Wir wohnen jetzt ca. 100 km voneinander entfernt und sehen uns sehr regelmäßig. Ich fahre öfter mal übers WE meine Eltern besuchen und meine Sis kommt auch mal zu mir, wir fahren ins Phantasialand, gehen ins Kino, zocken am Computer oder der PS3 und reden viel. Wenn sie bei mir ist, wirkt sie lockerer, ruhiger, glücklicher. Verdammt, ich glaube schon fast an das verfluchte, rassistische Düsterdorf, in welchem man nur unglücklich werden kann. Dabei kann es doch nicht an einem Dorf liegen!

Wir haben miteinander keine Probleme, außer, dass sie manchmal neidisch auf mich ist, weil sie mich und mein Leben total verklärt. Ich hatte mit 24 einen Magister in Sprachen und einen Master in BWL in der Tasche, bin sofort in einen guten Job gestartet, kann mir mittlerweile allerlei Schnickschnack leisten, hab nen tollen Mann, gute Freunde und viele Bekannte und bin recht zufrieden. Sie meint immer, sie würde es nie so gut schaffen wie ich. Dabei hat sie das 1er Zeugnis und ich ein Abi von 2,6. Die Uniabschlüsse habe ich letztlich auch nur, weil ich meine extremen Selbstzweifel kompensiert habe. Ich fand mich hässlich, fett, unliebenswert, habe da Frau-Sein ebenfalls gehasst und wollte mir selbst einen Wert geben, indem ich der Welt zeige, dass ich wenigstens klug und fleissig bin. Ich selbst bin über meine eigenen Probleme auch noch nicht hinweg. :frown:

Aber darum geht es nicht. Wie lieben uns und kommen gut miteinander aus, sie verrät mir auch ein paar Geheimnisse mehr als meinen Eltern.

Das Problem:
Nun 1. Borderline selbst. Mein bester Freund ist Borderliner. Ich kenne ihn seit meinem 14 und seinem 16 Lebensjahr. Ich kenne die Leidensgeschichte. Bis heute ist er nicht glücklich und er hat auch mich oft verletzt. Diese Leidensgeschichte will ich nicht aufrollen, aber ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass es meiner geliebten Schwester auch so ergehen soll.

Die Psychologin meiner Schwester hat den Rat dreier Fachmänner gesucht. Alle vier sind zum Schluss gekommen, dass Borderline sehr wahrscheinlich ist. Meine Schwester soll eine Therapie beginnen, die mit einer Intensiv-Therapie anfangen soll. Das hieße 9 Wochen Klinik. Dafür müsste sie aber die Schule unterbrechen. Schule, das einzige, was ihr noch wirklich wichtig ist. Sie ist in diesem dummen Doppeljahrgang . Meine Sis muss noch 13 Jahre machen, die anderen 12. Meine Sis ist in der 12. Also noch ein Jahr und paar Monate. Wenn sie abbricht, dann muss sie zurück in die 11, weil sie die letzten beiden Jahre nachholen muss. Wäre damit als hochintelligente Schülerin 2 Jahre älter als die anderen. Und das wo wie so Selbstzweifel hat und das einzige was sie stolz macht ihre Noten sind. Was soll man da raten?

Ich sitze hier auf der Arbeit und bin am Heulen...wenn es ihr so ergeht wie meinem besten Freund, dann ertrage ich das nicht. Ich habe solche Angst!

Keine Ahnung wie man mir helfen soll...ich muss noch bis 18 Uhr auf Arbeit durchhalten und musste es mal loswerden...Danke...

....keine Ahnung wie ich das Heulen vorm Chef verstecken soll. Ich bin kurz vorm Durchdrehen...
 

Benutzer13408 

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Zu Borderline selbst kann ich Dir leider nicht viel sagen. Habe damit keine Erfahrung.

Aber ich sende Dir eine ganz dicke Umarmung - lass den Kopf nicht hängen. Ihr werdet eine Lösung finden! So wie Du schreibst, habt ihr einen guten Zusammenhalt in der Familie. Haltet weiterhin zusammen und ich bin sicher, es wird ein Licht am Horizont kommen.

Du bist doch das beste Beispiel dafür, dass man aus einem schlechten Start etwas Gutes machen kann.

Kopf hoch!!!
 

Benutzer42813 

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Meld dich auf Arbeit krank. In so einem Fall darf man das.

Dann ruf deine Schwester an und frag sie, was sie selbst von der Therapie handeln würde.

Deine erste Sorge "dann brechen sogar die Noten weg, das einzige, worauf sie noch stolz ist", kann ich verstehen. Aber: Wenn die Therapie anschlägt, lernt sie da stattdessen, wieder auf andere Dinge stolz zu sein. Hey, sie kann eine solche Therapie erhalten! Das kann nicht jeder psychisch erkrankte Mensch.

Gäbe es die Möglichkeit, wenn sie eine hochbegabte Schülerin ist, dass sie den Stoff parallel in der Klinik weiterbearbeitet?
 

Benutzer105719  (36)

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Krank melden ist leider nicht, da ich in der Probezeit bin und ich eigentlich so viel heute noch zu erledigen hätte. Außerdem kann ich das ja schlecht meinem Arbeitgeber sagen.

Ja, natürlich ist die Gesundheit wichtiger als Noten. Aber sie hat so viele Träume und so viel Potential und würde so viel Zeit verlieren.
Aber die Angst, dass das Ganze nun eskaliert und sie sich wirklich noch schlimmer was antut ist so krass. Außerdem hab ich das Gefühl meine Eltern und sie damit allein zu lassen. Ich bin halt nich tum die Ecke und klar kann ich vorbei fahren, aber den Alltag kann ich nicht unterstützen. Ich fühl mich dadurch so schuldig. Meine Schwester ist ausgerastet, als es hieß sie soll die Schule unterbrechen. Ich kann erst heut Abend selbst mit ihr sprechen.

Ich weiß nicht, ob es so eine Möglichkeit gebe, dass sie neben der Klinik weiterarbeitet. Ich habe meine Mama schon gesagt, dass wir dringend die Lehrer mit ins Boot holen müssen, evtl könnte man da einen Aufenhalt über Schulferien legen, so dass sie weniger Zeit verpasst. Allerdings sind den Lehrern ja auch die Hände gebunden, wenn die max. Fehlzeitengrenze überschritten ist.

Ich google gerade nach Hilf-Hotlines für die Krankheit, da wird es bestimmt schon Konzepte und Vorschläge geben.

Letztlich ist es ja so, dass das Kind jetzt nen Namen bekommen hat. Aber gerade Borderline kenne ich in all der Schrecklichkeit. Mein bester Freund hat keine Ausbildung, kaum Freunde (außer mir und seinem Bruder), fällt immer wieder in selbstzerstörerische Phasen zurück und verletzt nebenher Menschen (besonders Frauen) um sich rum enorm.

Jetzt wird mir erst klar, dass sie wirklich in Gefahr ist. Und ich fühl mich so machtlos. Ich weiß nicht, obich jetzt ins Auto springen und übers WE zu meinen Eltern fahren sollte...oder obich damit das Drama nur zuspitze. Meine Mama ist auch kurz vorm Nervenzusammenbruch...mein Vater trinkt wieder zu viel (seit es so schlimm geworden ist mit der Kleinen) und kriegt selbst Depressionen. Die würden alles für ihre Kinder tun, aber ich glaube so langsam ist die Leidens- und Leistungsgrenze erreicht. Und es gibt halt einfach keine Freund, die da helfen könnten. Meine einenGroßeltern leben in Polen, meine anderen Großeltern zwar in der Nähe, sind aber so alt, dass sie kaum nochaufrecht sitzen können. Und da bin halt noch ich. Und ich weiß nicht, ob ich was tun soll und was. Mama meint ich soll nicht heim kommen...aber sagt sie das, um mich nicht zu belasten, oder weil ich wirklich eher stören würde?
 

Benutzer42813 

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Fahr hin, auf jeden Fall, am besten gleich noch heute Abend nach der Arbeit - jedenfalls, wenn du es dir irgendwie erlauben kannst.

Als Lehrerin: Wenn eine Schülerin eine schlimme Erkrankung hat und dafür in eine Klinik muss, dann würde ich ihr Hausaufgaben mitgeben und eine Möglichkeit anbieten, dass sie ihren Abschluss trotzdem noch schaffen kann. Hier bist du gefragt - du bist in Deutschland aufgewachsen und kennst dich in dem System besser aus als deine Eltern. Entwickele eine Strategie dafür, die Lehrer davon zu überzeugen, das ganze möglich zu machen. Gerne auch hier im Forum, gerne auch mit mir über PN - du wirst das nicht alleine machen müssen.

Aber dieser Schritt wird in diesem Familiendrama wirklich deine Aufgabe sein. Lehrer können Regelungen finden, wenn der Stoff eben neben der Schule bearbeitet wird - und hast du schon mal was von der "Schule für Kranke" gehört? Schüler, die längere Zeit in ein Krankenhaus müssen (z.B. wegen einer Krebserkrankung, aber auch andere) haben ein Anrecht (!) auf Förderung während dieser Krankenphase. Ganz firm bin ich nicht, ich will auch nicht in den Bereich der Rechtsberatung gehen - aber ich habe mich in meiner Bewerbephase letztes Jahr auch an einer Schule beworben, die einmal "Förderschule" und dann auch noch "SChule für Kranke" war. Wenn ich dorthin gegangen wäre, hätte ich Hausbesuche gemacht. Außerdem hatte an meiner Schule eine Schülerin einmal psychische Probleme, wegen denen sie nicht an der Schule teilnehmen konnte, so dass sie 5 Stunden Hausunterricht pro Woche bewilligt gekriegt hat.

Für die Schule ist so was natürlich mit Arbeit verbunden - geh davon aus, dass die Hälfte der Lehrer dort eine Burnout-Erkrankung hat und das Gefühl hat, solche Arbeit nicht leisten zu können. Da hilft es, wenn man ihre Belastung ernst nimmt und ihnen das Gefühl vermittelt, sie zu verstehen (und nicht sofort auf Rechte zu pochen) und dann geduldig wieder und wieder betont, dass es hier aber um das Wohl einer der Schule anvertrauten Schülerin geht.

Evt. könnte auch helfen, wenn die Therapeutin noch einmal schriftlich gibt, dass eine Schulzeitverlängerung sich negativ auf den Therapieerfolg deiner Schwester auswirken würde. Möglichst drängend formuliert. Solch ein Dokument kann deiner Position mehr Stärke verleihen.

***

Achte darauf, deine eigenen Ressourcen sinnvoll einzusetzen - du willst auch in zwei Jahren noch die Kraft haben, helfen zu können. Nutze alles, was du hast. Lass dich von deinem Freund auffangen, damit du bei deiner Schwester stark sein kannst und sie ruhig, liebevoll und trotzdem souverän von deinem Plan überzeugen kannst. Auch bei deinen Eltern wirst du stark sein müssen. Sie sind jetzt überfordert - und du bist erwachsen und stark. Es ist nicht fair, aber du musst jetzt die Verantwortung für den nächsten Schritt übernehmen, deine Schwester in die Klinik zu kriegen und nach Möglichkeit eine Schulzeitverlängerung zu vermeiden. Gib dein bestes - und verzeih dir selbst, falls es nicht klappt und du auch nur ein Mensch bist.

Aber versuchen musst du es, da hast du völlig Recht.

***

P.S. Eins noch: Natürlich liegt es zu einem großen Teil auch an dem Kuhkaff, aus dem ihr kommt, das ist überhaupt nicht verwunderlich. Mir ist so was schon bei einigen Leuten aufgefallen. Die intelligenten, lebendigen Menschen, die in alten Zeiten im Dorf für Veränderungen und Weiterentwicklungen sorgten, ziehen inzwischen in die Städte. Im Dorf bleiben die "anderen".

Wer also in einem solchen Dorf aufwächst, entwickelt manchmal einfach durch das Umfeld Probleme (oder verschärft sie). Manchmal bewirkt ein Wegzug dann schon eine Menge.
 

Benutzer20976 

(be)sticht mit Gefühl
Bezüglich des Krankmeldens in der Probezeit: Du hast doch geschrieben, dass Du in einer kleinen Firma bist, dass man Dich fördert und dass ein gutes Klima herrscht. Wie wärs, wenn Du offen mit Deinem Chef sprichst und ihm sagst, dass Du telefonisch gerade eine Nachricht bekommen hast, dass Deine Schwester krank ist und Du Dir große Sorgen machst? Ob es möglich ist, früher zu gehen? Klar willst Du Dich gerade in der Probezeit als belastbar erweisen - aber ob es nun so viel bringt, wenn Du verheult weitermachst und eh in Gedanken bei Deiner Schwester bist (und hier im Forum schreibst)?

Deine Schwester mag sehr intelligent sein und würde ggf. durch eine Therapie zeitlich zurückgeworfen - allerdings scheint sie eben auch ziemlich krank. Allein das Untergewicht bzw. die Magersucht ist schon ein großer Brocken und dringend zu behandeln. 45 kg bei 1,80 m...?!
Sie ist anscheinend schon recht lange unglücklich, und ob sie nun Einserschülerin ist oder nicht: wer sich selbst verletzt durch Ritzen und massives Hungern, wer sich das Leben nehmen wollte, sich die Brüste abschneiden wollte usw., dem muss dringend geholfen werden. Ggf. bringt das Verzögerungen mit sich, was den weiteren Weg angeht - aber lieber später studieren als ganz draufgehen, oder?

Es ist ja noch nicht gesagt, dass sie auf jeden Fall später in die elfte Klasse zurückmüsste. Das lässt sich noch klären. Aktuell gilt es, ihr aus der akuten Notlage herauszuhelfen.
 

Benutzer105719  (36)

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Ok, hab grad mit meinem Chef gesprochen. Ich hab um 15.30 noch einen Termin, den zieh ich durch, dann darf ich fahren. Er sagte, ich hätte so viele Überstunden gekloppt, dass ich auch fahren dürfte, wenn ich nur auf ne Party wöllte. :zwinker: Also vollstes Verständnis. Bin froh gefragt zu haben, danke.

Ich fahr Heim, pack ein paar Sachen und mach mich dann auf zu meinen Eltern. Dann geh ich heute erstmal mit meiner Sis ins Kino und mach mir mit ihr nen schönen Abend und dann machen wir uns morgen an das Problem. Ich möchte ihr halt nicht das Gefühl geben, dass die große Schwester jetzt kommt und den Besserwisser spielt, daher erstmal nen netten Freitag (den sie wohl auch gebrauchen kann) und dann überlegen wir uns morgen nen Schlachtplan.

Ich hab meine Mama grad am Tele noch gefragt, ob ihr ein Lehrer einfällt, den man mit an dei Front holen könnte. Jemand der engagiert ist und sich auch inhaltlich auskennt. Der einzige Lehrer der in Frage käme geht bald in Ruhestand, ich weißnicht, ob man ihn noch dazu bewegen könnte. Vielleicht fällt meiner Schwester noch was ein.

Ich hab ne Beratungsnummer gefunden, die ruf ich auf dem Weg mit der Freisprech mal an, vielleicht haben die auch Beratungsstellen vor Ort oder so. Und dann werd ich mal gucken, dass meine Eltern mir die Nummer der Psychologin geben, damit ich mit der auch mal sprechen kann. Und alles weitere wird sich zeigen, wenn ich herausgefunden hab, was meine Schwester will und ob siebereit ist mitzuziehen.

Ich habimmer noch Schiss. Aber immerhin nen Plan...vorläufig. Ohje, so ein Scheiß.
 

Benutzer20976 

(be)sticht mit Gefühl
Der Plan mit dem netten Freitagabend ist gut. Ich wünsch Euch, dass Ihr schöne Stunden miteinander verbringt, unbeschwert können sie nicht wirklch sein, aber es tut Euch bestimmt gut, wenn Du nicht "nur" als Problemlöserin anreist, sondern eben als liebende Schwester. So eine Diagnose ist eine Zäsur und auch ein Schock - aber auch ein Anfang.

Bezüglich der Lehrer: Da wird man ggf. auch nachdrücklich fordern müssen und insistieren, aber sie dürften ja wissen, dass Deine Schwester intelligent ist, und es vielleicht auch schade finden, wenn sie nun durch die Therapie so herausgerissen wird. Und dass es ihr nicht gutgeht, sollte ein nicht völlig blinder Lehrer eh gemerkt haben. Also würde ich ggf. da auch bei der Gefühlsebene bzw. "Ehre als Lehrer" ansetzen und nicht direkt mit "Laut § XYZ hat sie ein Anrecht auf Förderung" loslegen. :zwinker: Aber so schlau seid Ihr vielleicht eh selbst...


Schön, dass Dein Chef Verständnis hat. :smile:
 

Benutzer105866 

Sorgt für Gesprächsstoff
hey liebe ts..
erstmal wünsch ich dir ganz viel kraft!
groartige hilfe werde ich dir warscheinlich nicht sein, aber vielleicht beruhigt es dich ein wenig.

Eine gute freundin von mir ist in eine Klinik gekommen in der 13. klasse. Wichtigstes jahr für das abitur und kein anderer weg mehr zum einschlagen. sie ist nach einem kreislaufversagen (essstörung) in dieses Institut gekommen, in dem hauptsächlich jugendliche waren (auch zwei andere freunde mit borderline und depressionen). Sie konnte alles aufholen, was in der schule drankam, der unterrichtsstoff wurde dort hingeschickt und sie konnte dort in die hauseigene schule gehen. letztendlich hat sie die 13 klasse geschafft, obwohl sie auch um die 9 monate dort war.
also ich denke unmöglich wäre das nicht mit der schule..
 

Benutzer105719  (36)

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Jetzt versetzt mich mein Termin. -.- Naja. Ich warte noch 15 min, dann hau ich ab.

Danke Leute. Ich bin nervös, aber mal sehen was kommt.

Ameckkke, meinst du, du kannst für mich rauskriegen, wie man eine solche Regelung wie bei deiner Freundin bekommt?

Und keine Sorge: Mit Lehrer ins Boot holen meine ich auf die kooperative Weise. Ich hoffe, dass da irgendwo unter dem Frust auch noch weiche Herzen zu finden sind.
 

Benutzer50283 

Sehr bekannt hier
Zu dem Schulkram: Mein Vater ist auch Lehrer und hatte eine magersüchtige Schülerin in der Klasse. Sie war auch älter als die MitschülerInnen und hatte einen verqueren Lebenslauf, weshalb sie auf keinen Fall für einen Klinikaufenthalt die Schule unterbrechen wollte - kurz vor den Prüfungen. Mein Papa hat ihr dann lange zugeredet und schließlich hat sie die Möglichkeit bekommen, trotz himmelschreiender Fehlzeiten die Prüfung abzulegen. Lehrer können da also schon etwas freier herumdrehen, wenn sie es für nötig halten. Deshalb würde ich denen an eurer Stelle unbedingt die Lage schildern und auf Verständnis hoffen. Mein Vaddi hat das alles nur mit seinem Kollegen abgesprochen, mit dem er eng im Team zusammenarbeitet, der Schulleiter wurde meines Wissens überhaupt nicht dafür gebraucht. :smile:

PS: So eine Schwester wie dich kann sich dein Schwesterlein wirklich nur wünschen!
PPS: Wenn du irgendwas Genaues wissen musst kann ich meinen Vater mal fragen, vielleicht kennt der sich da aus.
PPPS: Mein Vater sagt: Anspruch auf Nachholen von Prüfgen besteht. Wie das im Einzelnen geregelt ist, hängt vom Bundeland und dem Bildungsgang ab.
 

Benutzer42813 

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Also würde ich ggf. da auch bei der Gefühlsebene bzw. "Ehre als Lehrer" ansetzen und nicht direkt mit "Laut § XYZ hat sie ein Anrecht auf Förderung" loslegen. :zwinker:

Ja, es ist immer geschickter, auf diesem Weg da dran zu gehen. Aber in solchen Verhandlungen tritt man selbstbewusster auf, wenn man weiß, dass das Gesetz auch auf der eigenen Seite ist.

Und keine Sorge: Mit Lehrer ins Boot holen meine ich auf die kooperative Weise. Ich hoffe, dass da irgendwo unter dem Frust auch noch weiche Herzen zu finden sind.

Das sind bestimmt welche :smile:. Sieh es mal so rum: Die Lehrer erleben so oft, dass sie scheitern, dass Schüler Probleme machen, dass all ihre Arbeit umsonst ist...

Du gibst ihnen jetzt eine Chance, ihren Job "gut" zu machen - nämlich einer Schülerin zu helfen, die diese Hilfe auch will und zu schätzen weiß (das ist sooooooo wichtig, wenn man 12 mal am Tag angemotzt wird "ey, was wollen Sie hier?" oder "Ich will den Scheiß nicht machen, stellen Sie sich mal nicht so an!").

Zu dem Schulkram: Mein Vater ist auch Lehrer und hatte eine magersüchtige Schülerin in der Klasse. Sie war auch älter als die MitschülerInnen und hatte einen verqueren Lebenslauf, weshalb sie auf keinen Fall für einen Klinikaufenthalt die Schule unterbrechen wollte - kurz vor den Prüfungen. Mein Papa hat ihr dann lange zugeredet und schließlich hat sie die Möglichkeit bekommen, trotz himmelschreiender Fehlzeiten die Prüfung abzulegen. Lehrer können da also schon etwas freier herumdrehen, wenn sie es für nötig halten. Deshalb würde ich denen an eurer Stelle unbedingt die Lage schildern und auf Verständnis hoffen. Mein Vaddi hat das alles nur mit seinem Kollegen abgesprochen, mit dem er eng im Team zusammenarbeitet, der Schulleiter wurde meines Wissens überhaupt nicht dafür gebraucht. :smile:

Noch ein Positivbeispiel... Wichtig ist halt nur, dass man hingeht und der Schule auch kommuniziert, dass die Schülerin weiterhin lernen will - und die Therapie nicht so belastend ist, dass deswegen eben nicht weiter für die Schule gearbeitet werden kann. Der erste Schritt muss von euch kommen. Dann wird die Schule wahrscheinlich eine Lösung finden - einfach auf der menschlichen Ebene aus Sorge um deine Schwester.

Die Lehrer sind ja auch nciht Lehrer geworden, weil ihnen die jungen Leute gleichgültig sind :zwinker:. Und auch hinter der ausgebranntesten Burnout-Fassade steckt immer noch ein Rest Menschlichkeit.
 

Benutzer105866 

Sorgt für Gesprächsstoff
hey, klar kann ich machen :smile:
du kannst ja mal rausbekommen, ob es dort in dieser Einrichtung eine schule gibt, die sie besuchen könnte. ich glaube, das wird dann sogar automatisch alles weitergeleitet.. ich hab ihr damals auch arbeitsblätter vorbei gebracht, sie hat dort alles gut nachgeholt und war längst nicht so engagiert wie deine schwester :smile:
 

Benutzer109402 

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Liebe TS, ich wollte dir nur ganz viel Kraft für das Wochenende wünschen, du bist wirklich eine tolle große Schwester. Vergiss bitte nicht bei allem, auch auf deinen Körper und deine Gefühle zu achten: so wie du schreibst, hast du auch viele Ängste, die du mit dir rumträgst. Wenn du also im Laufe der Zeit (und das ganze wird ja ein langer Weg, den du mit unterstützen möchtest) das Gefühl hast, das alles nicht zu schaffen, dann hol dir auch professionelle Begleitung in Form von einer Beratungsstelle, Psychotherapeutin oder eine Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Erkrankter. Alles Gute!
 

Benutzer105719  (36)

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Nur kurze Rückmeldung, da auf Arbeit. Danke erstmal nochmals an alle.

Das we war soweit positiv, es gab nur einen schwesterlichen ausrastet als es um das Thema essen und Gewicht ging, da ist sie noch sehr uneinsichtig. Ansonsten ist sie grundsätzlich bereit an sich zu arbeiten. Ich konnte am Samstag sogar mit einem Doc der Klinik telefonieren. Ablauf ist jetzt so. Meine Schwester bekommt nen termin zu vorgrspräch. Da wird diagnostisch alles abgeklärt, wahrscheinlich sogar noch dieses Jahr. Parallel sollen wir einen niedergelassenen Arzt ran holen, der auf Borderline spezialisiert ist, die jetzige ist dies nicht. Liste von krankenkasse ist angefordert. Dann können wir erst weiter sehen. Schwester sagt aber, dass wenn sie die Therapie machen sollte, sie lieber ein Jahr mit Schule aussetzt um komplett an den Problemen zu arbeiten. Eltern machen sich sorgen dass sie nach einer Pause den Einstieg nicht schafft. Aber das ist erstmal zukunftsmusik. Weiter denken wir wenn die Diagnose bestätigt wird. Zumindest haben wir jetzt nen plan!
 
3 Woche(n) später

Benutzer105719  (36)

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Es kommt immer schlimmer. Meine sis wollte wieder reiten. Eltern und Therapeuten fanden das erstmal ne gute Idee bis das mit der stationären Therapie anfangen kann. Sie war auf der suche nach ner reitbeteiligung. Heute hatte sie ne probereitstunde und das Pferd ist total ausgerastet. Die Besitzerin konnte es auch nicht in griff Kriegen. Meine sis ist abgeworfen worden. Sie hat sich die Wirbelsäule gebrochen, Not-op 5 Stunden. Bin direkt ins Auto und ins Krankenhaus Gefahren. Op lief gut, sie wird wohl laufen können wird aber ein laaanger weg. Stahlplatte und 5 Schrauben im Rücken. Liegt mit 1000 Kabeln und Katheter im Bett. Sitze grad mit Eltern im Auto fahren nochmal vor besuchsende hin. Ich kann nicht mehr. Aber ich muss stark sein weil meine Eltern weinen nur noch. Oh Gott. Sie hat sich so entspannt seit sie wieder reiten konnte. Daher sollte ja die neue reitbeteiligung her. Nicht mal das ist ihr gegönnt. Warum kommt immer noch ein Hammer drauf? Weihnachten wird auf der station verbracht. Es ist doch sowieso schon so scheisse, Leute, ich bin echt kurz vorm Ende. Ich lieb sie so!
 

Benutzer111034 

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Oh je, du Arme. Fühl dich ganz fest in den Arm genommen. Ich glaube, ich spreche für alle hier im Forum, wenn ich sage, dass wir dir und deiner Schwester ganz fest die Daumen drücken und an euch denken.

Ich würde dir übrigens auch dringend empfehlen, dir selbst auch psychologische Betreuung zu suchen. Du sagst ja selbst, wie sehr dich das alles belastet und dass du stark sein musst. So hättest du einen Ort, wo du nicht stark sein musst, sondern einfach mal rauslassen kannst, wie schlimm das auch für dich ist. Weder du noch deine Familie haben etwas davon, wenn du unter der Belastung auch noch zusammenbrichst.
 

Benutzer112993 

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Schluchz...schon die Geschichte mit dem Bordeline hat mich tief bewegt.
Meine beste Freundin hat das und ritzt sich...sie befindetsich aber in Therapie.
Nun das mit dem Pferdeunfall....ich wünsche Deiber Schwester alles erdenklich gute und das sie wieder auf die Beine kommt.
Ihr müsst jetzt alle ganz doll zusammenhalten u d deiner Schwester mut machen.
Ich weis das erfordert eine menge Stärke aber man schafft das iwie und kann dann wen man wieder draussen ist weinen.
Besucht sie jeden Tag...ihr könnt Euch ja abwechseln.

Ich drücke euch ganz lieb
Hannah
 

Benutzer105719  (36)

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Danke euch. Ich kann sie ja nur am we besuchen, in der Woche muss ich malochen. Sind grad wieder daheim. Sie kriegt Opiate ist kaum ansprechbar. Und diese ganzen blutigen Schläuche aus ihrem Rücken....übelst. Das mit dem Therapeuten hab ich schon in Angriff genommen und mir von der Kasse ne liste bestellt, wird bis nach Weihnachten warten müssen aber das ist ok. Ich muss jetzt einfach etwas jammern. Danke fürs zu-lesen.
 
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