Aussagen über das Leben, die mich stören

Benutzer182891  (31)

Klickt sich gerne rein
Hallo zusammen,

ich beteilige mich aktiv im "Kinder-Kneipchen", weil mein Partner und ich uns ein Kind wünschen und dachte jetzt aber mal, dass ich mich ein wenig mehr in diesem Bereich einbringen möchte und eventuell auch ein paar Fragen/Probleme diskutieren mag, die das Thema Beziehung betreffen.

Mein Mann hat gestern Dinge zum Ausdruck gebracht, die mich erschreckt haben.

Mit 31 denkt man noch nicht so oft an den Tod oder an die Vergänglichkeit. Klar, ich habe manchmal das Gefühl der Tag geht super schnell rum und am liebsten hätte ich mehr als 24 Stunden.
Das habe ich gestern zu meinem Partner gesagt. Und was er daraufhin sagte, hat mich erschreckt.

In etwa so: Das Leben geht ja jetzt schneller vorbei als die letzten 38 Jahre (mein Mann ist 38) und dabei war er irgendwie anders als sonst. Ich meine, er hat da ziemlich viel in mir ausgelöst. Wir sind ja keine 60. Mit 60 würde ich eventuell langsam daran denken, dass der Tod schneller kommt als mir lieb ist. Aber mit 38? Wann kommt bei Männern die Mid life Krise?

Nach Nachfrage dann das: Meine Realschulzeit hat sich langsam angefühlt, ebenso die Schulzeit. Die letzten Jahre vergingen ziemlich schnell und so weiter.

Okay und was soll ich mit so einer Aussage machen?
Auf jedenfall habe ich während des Spaziergangs gemerkt, wie die Wut in mir aufstieg.

Und ich habe ihn damit konfrontiert: Also findest du die Zeit mit mir nicht schön gerade etc. ? Ich denke schon, dass das irgendwie typisch Frau ist, dass ich das direkt auf unsere Beziehung projiziere.

Ich bin mir der Endlichkeit des Lebens bewusst. Klar. Doch ich tue nicht so als wäre das Leben morgen vorbei. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich auf diese Denke keine Lust habe und dass ich nicht die nächsten 38 Jahre jeden Tag daran denken möchte, dass das Leben schnell vorbei geht. Ja genau, dann geht das Leben auch schnell vorbei..

Glaube er ist momentan nicht wirklich zufrieden, sucht wieder einen neuen Job und beschäftigt sich intensiv mit seinem Hobby. Er denkt auch viel darüber nach, wie er sich in seinem Hobby verwirklichen kann. Hat da aber auch schon mal Worte fallen lassen wie: Dafür bin ich zu alt (Elektronische Musik produzieren).

Habt ihr das auch, dass ihr denkt, das Leben zieht so schnell an euch vorbei?

Wie würdet ihr mit eurem Partner umgehen?

Danke für Eure Antworten 🙂
 

Benutzer11466 

Sehr bekannt hier
Ich genieße gerade die Zeit sehr und möchte nicht, dass sie zu Ende geht oder zu schnell zu Ende geht. Ich halte gerade an dieser Zeit fest und bin im Hier und Jetzt.
Das ist ja auch sinnvoll. Deine Ausgangsfrage las sich halt so, als würdest Du aus 'ner banalen Feststellung, bestenfalls einem Seufzer Deines Mannes, 'n Drama machen. Und das fand wohl nicht nur ich völlig deplaziert und kontraproduktiv.

Nebenbei: Spätestens, wenn Ihr Kinder habt, wirst Du merken, wie die Zeit rast. Schön sein kann sie trotzdem - also grübel nicht über eine Feststellung Deines Mannes, sondern macht Euch - wenn Ihr Euch sicher seid - an den Nachwuchs.

Ich habe gehört, daß soll eigentlich nicht so schwer sein... :tongue: Und sogar Spaß machen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer83901  (36)

Planet-Liebe Berühmtheit
Auf mich habe ich es bezogen, weil für mich die Zeit nicht rasen soll. Ich genieße die Zeit gerade. Es ist Fülle für mich und sehr wertvoll. Vielleicht hat mich das einfach erschrocken.
Danke für die Erklärung, jetzt verstehe ich dich besser. 🙂

Das hier ist mir gerade noch aufgefallen:
Ich genieße gerade die Zeit sehr und möchte nicht, dass sie zu Ende geht oder zu schnell zu Ende geht. Ich halte gerade an dieser Zeit fest und bin im Hier und Jetzt.
Ich glaube dir, dass du das Hier und Jetzt genießt und vielleicht manchmal die Zeit anhalten möchtest – das Gefühl kennen wohl viele –, aber die Zeit vergeht ja trotzdem. 😊

Schreibst du eigentlich Tagebuch? Das habe ich immer gemacht und mache ich auch jetzt noch, wenn ich besondere Augenblicke oder Ereignisse festhalten wollte und will. Und manchmal lese ich meine Aufzeichnungen dann, um den Moment noch einmal Revue passieren zu lassen. 🙂
Off-Topic:
Da gab es diesen speziellen Abend, die Hochzeit der Cousine meines Mannes, als er mich völlig unerwartet zum Tanzen aufforderte – und dann mit mir tanzte. Zuvor hatte ich an einem Tisch gesessen und mich leicht neidisch mit Wein betrunken, während ich die anderen tanzenden Paare beobachtete. Denn mein Mann hatte zuvor klargestellt: „I don't dance. That's why I'm a metal head.“ 🙃

Später verriet er mir: Es war ein Teil des „Games“. 😉
 

Benutzer172677 

Sehr bekannt hier
Ich genieße gerade die Zeit sehr und möchte nicht, dass sie zu Ende geht oder zu schnell zu Ende geht.
Warum glaubst Du denn, dass sich das ausschließt?
Ich bin jemand, der seine Zeit sehr genießt und auskostet, sehr im Augenblick lebt, viel vorhat und hofft, noch viel davon umsetzen zu können.
Und natürlich will ich nicht, dass sie zu schnell zu Ende geht- dennoch teile ich das Gefühl Deines Mannes, das ist einfach so und eine Tatsache, um die ich weiß und die ich annehme. Was bringt es, das zu verdrängen?
Ich sehe da überhaupt keinen Widerspruch, im Gegenteil- die Begrenztheit dieser Zeit macht sie für mich besonders kostbar.
ich mir das eben auch von meinem Partner wünsche, dass er die Zeit als kostbar ansieht.
Warum glaubst Du denn, dass er das nicht tut?
 

Benutzer182891  (31)

Klickt sich gerne rein
Warum glaubst Du denn, dass sich das ausschließt?
Was bringt es, das zu verdrängen?
Ich sehe da überhaupt keinen Widerspruch, im Gegenteil- die Begrenztheit dieser Zeit macht sie für mich besonders kostbar.

Warum glaubst Du denn, dass er das nicht tut?
Doch er tut es auf jedenfall. Ich denke er hat durch seine Aussage einfach etwas in mir wachgerüttelt und getriggert. Vielleicht ist es eher mein Problem als seins - das stimmt wohl. Immer wieder sehr spannend wie sehr man sich doch im eigenen Partner selbst sieht. 😵
Schreibst du eigentlich Tagebuch? Das habe ich immer gemacht und mache ich auch jetzt noch, wenn ich besondere Augenblicke oder Ereignisse festhalten wollte und will. Und manchmal lese ich meine Aufzeichnungen dann, um den Moment noch einmal Revue passieren zu lassen. 🙂
Off-Topic:
Da gab es diesen speziellen Abend, die Hochzeit der Cousine meines Mannes, als er mich völlig unerwartet zum Tanzen aufforderte – und dann mit mir tanzte. Zuvor hatte ich an einem Tisch gesessen und mich leicht neidisch mit Wein betrunken, während ich die anderen tanzenden Paare beobachtete. Denn mein Mann hatte zuvor klargestellt: „I don't dance. That's why I'm a metal head.“ 🙃

Später verriet er mir: Es war ein Teil des „Games“. 😉

Ich habe vor einigen Jahren viel Tagebuch geschrieben und wollte es immer mal wieder beginnen. Ich denke jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um damit anzufangen. Danke für die Inspiration! 🤩

Klar, das Gewahrsein, dass es enden kann, hilft uns das Leben auszukosten. Das stimmt wohl... sehr spannende Erkenntnisse und Impulse von Euch!
 

Benutzer182891  (31)

Klickt sich gerne rein
Armorika Armorika Auf jedenfall! Vielen Dank. Schreiben und der Austausch hier hilft mir fast immer in allen Lebenslagen. *Tagebuch hervorkram* :grin:
 

Benutzer174836 

Verbringt hier viel Zeit
Wie würdet ihr mit eurem Partner umgehen?
Ich würde ihn knuddeln und was sagen wie "ach, dann schauen wir halt dass wir zusammen das beste aus den nächsten 30 Jahren machen" und dann wäre es auch wieder gut.

Ich finde deine Reaktion doppelt unglücklich: Erstens fährst du mit der Dampfwalze über deinen Mann drüber dem es in dem Moment eh nicht soo geht, und dann machst du auch noch ein eigenes Reisenscheißdrama draus. Produktiv sieht anders aus.

Davon ab, von 38 ist es nunmal nicht mehr weit auf die 40, und mit 40 ist definitiv das midlife (ohne oder mit Krise) bei jedem westlichen Durchschnittslebenserwartenden angesagt, und ab da beginnt auch sowohl der körperliche und geistige Abbau peu à peu spürbarer, wie auch eine andere Phase des Lebens: Mit 38 sollten Familienplanung und Karriereplanung eigentlich durch sein; die Sturm-und-Drang-Zeit vorbei und statt Experimenten ist definitiv Reife und Stabilität angezeigt. Sprich, ja, für die "elektronische Musik" deines Kerls inklusive Marschierpulver, Stimmungserhellungskugerln und Abdancen bis 6 Uhr früh ist er einfach zu alt und muss damit fertig werden.

Von daher finde ich solche "buuhu jetzt werde ich alt" Anfälle ganz normal und menschlich verständlich, solange sie kein Dauerzustand sind. Mich scheißt es auch an 40 zu werden, meinen Partner auch; mir graut davor gefühlt pünktlich wenn ich die 40. Geburtagskerze auspuste schlagartig meine Töpfe bei den Kniekehlen hängen zu haben und mit Knittervisage rumrennen zu müssen und ihm graut davor eines Tages schlappschwänzig, kahl und blad das Sofa vollzufurzen. Und an manchen Tagen darf einen diese Perspektive ruhig auch mal würgen, dann lässt man einen Spruch raus und dann ist es wieder gut.
 

Benutzer177659  (37)

Öfters im Forum
Sprich, ja, für die "elektronische Musik" deines Kerls inklusive Marschierpulver, Stimmungserhellungskugerln und Abdancen bis 6 Uhr früh ist er einfach zu alt und muss damit fertig werden.
Ja und nein. Man kann das doch alles immernoch machen (also gut, bis auf die Drogen, aber die sind immer doof).

Irgendwelche spießigen Vorschriften die "die Gesellschaft" einem vorgibt, was man mit welchem Alter machen darf sind zu dekonstruieren.

Man kann (und darf!) auch mit 39 abgedrehte Kunst machen wie Wolf Vostell. Kein Problem, also bloß das sie ihm die Kuh weggenommen haben^^.
 

Benutzer182891  (31)

Klickt sich gerne rein
Ich würde ihn knuddeln und was sagen wie "ach, dann schauen wir halt dass wir zusammen das beste aus den nächsten 30 Jahren machen" und dann wäre es auch wieder gut.

Ich finde deine Reaktion doppelt unglücklich: Erstens fährst du mit der Dampfwalze über deinen Mann drüber dem es in dem Moment eh nicht soo geht, und dann machst du auch noch ein eigenes Reisenscheißdrama draus. Produktiv sieht anders aus.
Ok, sind wir hier im Gerichtssaal oder wie :grin:

Meine Wut darf da sein, genau wie seine Trauer. Und ja, vielleicht war es dramatisch. Ich schätze mich als temperamentvoll ein.
Es ist auch nicht immer alles perfekt und muss es auch nicht sein...
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer178113 

Öfters im Forum
"Life is what happens while you are busy making other plans" - John Lennon

Laß mich als jemanden, der die 60 inzwischen überschritten hat, etwas Allgemeines dazu beitragen.
Gefühlt ist es tatsächlich so, dass mit fortschreitendem Lebensalter die Zeit scheinbar oder gefühlt schneller verläuft. Aus Jahrzehnten werden Jahre, aus Jahren Monate, aus Monaten Wochen und aus Wochen Tage. Diese Erkenntnis besitzt natürlich keine Allgemeingültigkeit, jeder mag den Verlauf der Zeit anders empfinden, dennoch ist es eine Erfahrung oder individuelle Wahrnehmung, die von vielen ähnlich beschrieben wird.
Wenn wir uns der eigenen Kindheit erinnern, wie unendlich kam uns die Zeit zwischen den Weihnachtsfesten oder vergleichbaren Feiertagen vor? Nahezu unendlich!
Mit zunehmenden Alter verschiebt sich diese Perspektive. Das Leben wird "dichter" und in der Folge rücken die Ereignisse gefühlt enger zusammen und die Zeit scheint schneller zu vergehen.
Lag nicht vor wenigen Wochen noch Schnee und es war kalt? Heute ist es fast überall ziemlich warm, Gewitter ziehen auf, in 3 Wochen wird der der letzte Spargel geerntet sein und dann ist 6 Monate später schon wieder Weihnachten!
Im jüngeren Lebensalter mögen solche Vorstellungen abstrus und unwirklich erscheinen, dennoch sind es Erfahrungen.
Diese sollten uns aber nicht da von abhalten, jederzeit ein erfülltes, frohes und selbstbestimmtes Leben zu führen, wann immer es möglich ist. Ebenso sind solche Gedanken aus meiner Sicht fern von einer depressiven Stimmungslage. Ganz im Gegenteil. Vielmehr sind sie ein steter Anreiz, jeden Tag bewußt zu erleben und zu genießen!
Wenn wir jung sind, haben wir Pläne und wir dürfen uns trauen, diese in die Tat umzusetzen, auch wenn manche Pläne in den Augen mancher Anderer klein und bedeutungslos, andere eine Nummer zu groß gegriffen erscheinen mögen. Das darf uns nicht davon abhalten, sie hartnäckig zu verfolgen um sie vielleicht eines Tages zu realisieren. Manche Pläne und Träume zerplatzen wie Seifenblasen, idealerweise schmieden wir dann neue Pläne, die sich leichter umsetzen lassen.
Und irgendwann, eines Tages müssen wir uns dem Bewusstsein der eigenen und der Endlichkeit Anderer stellen. Wir verlieren Großeltern und Eltern, manchmal Geschwister, irgendwann enge Freunde, die im Laufe der Jahre zu Vertrauten geworden sind. Dennoch, das Leben geht weiter.
Ich halte es in keiner Weise für verwerflich oder verletzend, solche Gedanken, die eines Tages auftauchen, aber dann auch wieder gehen, zu artikulieren und das Gedachte offen anzusprechen. Es zeugt von innerer Größe und noch mehr von innerer Stärke, dieses genauso zu tun.
Und genau aus dieser Überlegung heraus sind sie auch nicht die ersten Anzeichen einer Midlife-Crisis, sondern vielmehr Ausdruck einer gefestigten, gereiften Persönlichkeit.
Und eines noch. Auch wenn uns in jungen Jahren die Erkenntnis der eigenen Endlichkeit erschreckt, wir mehr als ungern damit konfrontiert werden wollen, es uns Angst macht, davon zu hören oder gar darüber zu sprechen, weil wir Pläne und Träume haben, so schmälern alle unsere Ängste dennoch nicht die reale Bedrohung des Lebens.
Ich habe alte und junge Menschen bis zum letzten Atemzug begleitet, bin darüber aber nicht depressiv geworden. Vielmehr wuchs die Erkenntnis, das eigene Leben bewußter nach eigenen Plänen und Überzeugungen zu gestalten und zu leben.
Zeit ist etwas Relatives, wußte doch schon Einstein.
In diesem Sinne CARPE DIEM!
 

Benutzer174652 

Öfters im Forum
Wie würdet ihr mit eurem Partner umgehen?
Danke für Eure Antworten 🙂

hmmm ...

ich würde ihm diese beiden bücher schenken:


+


und in einer ruhigen stunde dieses thema wieder aufgreifen, und dann liebevoll ZUHÖREN:

 

Benutzer182891  (31)

Klickt sich gerne rein
Danke yoda333 yoda333 das Allgemeine zum Thema verhilft mir definitiv zu einer neuen Perspektive auf das Thema.
Ich komme zum Schluss, dass ich im Grunde, die Person bin, die Angst vor der Endlichkeit des Lebens hat. Mein Mann hat dafür Verständnis, wir haben noch länger über die Thematik gesprochen.
Danke für die Buchtipps SAMSARA SAMSARA : Für mich ist da sicher auch was dabei.

Ich lerne nie aus. Den Anspruch des Perfekten habe ich nicht, jedoch den Mut immer wieder neu zu reflektieren.
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren