Anfassen ein Tanz auf dem Vulkan...für Männer?

Benutzer161012 

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Dass kein Mensch sich von anderen Menschen zu Handlungen zwingen lassen darf, zu der er/sie nicht bereit ist: klar!!! Aber nachdem ich den Artikel jetzt schon ein paar Tage innerlich verdaue, stößt er mir immer noch in der Tonalität und in einzelnen Passagen ganz bitter auf:
Link wurde entfernt
Schießt man hier nicht weit über das Ziel hinaus? Gibt es nicht eine fundamentale Änderung unseres Rechtsverständnisses, wenn vom Grundsatz "in dubio pro reo" abgewichen wird, also wenn keine Beweise vorhanden sind, dennoch die Frau vor dem Gesetz höher gestellt wird als der angeklagte Mann??? Für mich ein unfassbarer Vorgang:
"Das heißt noch lange nicht, dass der Angeklagte wegen des Grundsatzes 'Im Zweifel für den Angeklagten' freizusprechen ist", sagt Richter Hertle. "Wenn das Gericht die Schilderungen des Tatopfers überzeugender und nachvollziehbarer findet, dann werden die Richter den Angeklagten verurteilen – wenn für sie eben kein Zweifel besteht. Der Fall in Bautzen hat gezeigt: Es funktioniert. Niemand muss sich gegen seinen Willen anfassen lassen.
Es klingt ganz einfach, ein Telefonanruf, ein Gespräch mit der Polizei, ein Tag bei Gericht."

In Bautzen wurde ein Mann von demselben Richter für vier Monate ins Gefängnis geschickt, weil er einer Frau an den Po gefasst hat.
Taylor Swift hat mit einer nicht 100% beweisbaren Anklage einen Radio-DJ desselben Delikts beschuldigt - und gerade vor Gericht gewonnen. Der DJ ist gebrandmarkt, wurde sofort nach Anklage (nicht nach der Verurteilung!!) entlassen und wird nie mehr einen Job finden.
Aber nicht nur in den USA, wo mit einem guten Anwalt alles möglich ist: auch in Deutschland können Männer also nach der neuen Gesetzgebung leicht in üble Gefilde kommen - es hängt also nur von der Klagemutigkeit der Frau ab, ob ein Discoflirt in der JVA endet oder im Bett? Dabei ist die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen vor dem Gesetz alte Tradition. War es früher die Ableistung von Wehr-/Zivildienst, die Männern bis zu 2 Jahre ihres Lebens raubte als größt anzunehmende Ungleichheit, so ist wenig bekannt, dass bspw. nur Männer eine Straftat begehen, wenn sie sich als Exhibitionist betätigen. Frauen bleiben beim selben Delikt nach StGB unbehelligt.

Besonders erschreckend fände ich ja eine Entwicklung im Sinne der Autorin, die allen Ernstes vorschlägt:
"Im Zweifel kann man auch einfach fragen: „Hey, ist es ok, wenn ich meinen Arm um dich lege?“ Lieber einmal weniger romantisch sein als einmal zu viel eine Grenze übertreten. Die Gesetzgebung hat das inzwischen verstanden und Anfassen gegen den Willen einer Person zur Sexualstraftat erklärt."
Das ist ja dann wohl der Tod jeder sich anbahnenden Liebelei.
Mein Fazit: ich halte von Frauen ab sofort eine Armlänge Abstand. Immer!

Wollte ich nur mal gesagt haben, bei all den berechtigten Forderungen nach mehr Opferschutz und Durchgreifen bei Gewalt- und Sexualdelikten! Vielleicht reagiere ich gerade über, aber diesen Artikel finde ich extrem Banane...
 
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Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
Schießt man hier nicht weit über das Ziel hinaus? Gibt es nicht eine fundamentale Änderung unseres Rechtsverständnisses, wenn vom Grundsatz "in dubio pro reo" abgewichen wird, also wenn keine Beweise vorhanden sind, dennoch die Frau vor dem Gesetz höher gestellt wird als der angeklagte Mann???


Du hast den Grundsatz in dubio pro reo nicht verstanden. Der besagt nur, dass das Gericht freisprechen muss, wenn es Zweifel an der Schuld des Angeklagten hat. Es sagt aber nicht, wann ein Gericht zweifeln muss. Insbesondere gibt es keinen Grundsatz, dass in Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen freizusprechen wäre. In diesen Fällen muss der Tatrichter nur besonders sorgfältig prüfen, ob er sich auch auf der Grundlage einer einzigen Zeugenaussage von der Schuld des Angeklagten überzeugen kann. Kann er das, muss er verurteilen.

Was du sagst, stimmt ja auch nicht. Denn es sind ja Beweise vorhanden. Oder ist die Aussage einer Frau kein Beweis?


Für mich ein unfassbarer Vorgang:
"Das heißt noch lange nicht, dass der Angeklagte wegen des Grundsatzes 'Im Zweifel für den Angeklagten' freizusprechen ist", sagt Richter Hertle. "Wenn das Gericht die Schilderungen des Tatopfers überzeugender und nachvollziehbarer findet, dann werden die Richter den Angeklagten verurteilen – wenn für sie eben kein Zweifel besteht. Der Fall in Bautzen hat gezeigt: Es funktioniert. Niemand muss sich gegen seinen Willen anfassen lassen.
Es klingt ganz einfach, ein Telefonanruf, ein Gespräch mit der Polizei, ein Tag bei Gericht."

Was ist daran unfassbar?

In Bautzen wurde ein Mann von demselben Richter für vier Monate ins Gefängnis geschickt, weil er einer Frau an den Po gefasst hat.

Ja, und?

Taylor Swift hat mit einer nicht 100% beweisbaren Anklage einen Radio-DJ desselben Delikts beschuldigt - und gerade vor Gericht gewonnen.

Erstens hat der Radio-DJ Swift auf Schadensersatz verklagt und verloren. Und zweitens: Was ist eine "100% beweisbare" Anklage?

Dabei ist die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen vor dem Gesetz alte Tradition.

Richtig. Keine hundert Jahre her, dass Frauen nicht wählen dürften. Keine vierzig her, dass sie in der Ehe untergeordnet waren.

War es früher die Ableistung von Wehr-/Zivildienst, die Männern bis zu 2 Jahre ihres Lebens raubte als größt anzunehmende Ungleichheit, so ist wenig bekannt, dass bspw. nur Männer eine Straftat begehen, wenn sie sich als Exhibitionist betätigen. Frauen bleiben beim selben Delikt nach StGB unbehelligt.

Bei Frauen wäre entsprechendes Verhalten regelmäßig als Erregung öffentlichen Ärgernisses strafbar.

Mein Fazit: ich halte von Frauen ab sofort eine Armlänge Abstand. Immer!

Gut! Mach das!
 

Benutzer161012 

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Oder ist die Aussage einer Frau kein Beweis?
Nein, da liegst du falsch. Es ist erstmal nur eine Behauptung und sonst nichts. In der Türkei werden derzeit auf Basis von Behauptungen eines einzelnen Mannes reihenweise Leute eingebuchtet.
Sorry: ein BEWEIS ist das nicht. Nicht einmal ein Indiz.
[doublepost=1504125594,1504125525][/doublepost]
In diesen Fällen muss der Tatrichter nur besonders sorgfältig prüfen, ob er sich auch auf der Grundlage einer einzigen Zeugenaussage von der Schuld des Angeklagten überzeugen kann. Kann er das, muss er verurteilen.
Das öffnet manipulativen Prozessen doch Tür und Tor. Angenommen so ist es, dann ist es also Glück oder Pec an welchen Richter man gerät?
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
Nein, da liegst du falsch. Es ist erstmal nur eine Behauptung und sonst nichts. In der Türkei werden derzeit auf Basis von Behauptungen eines einzelnen Mannes reihenweise Leute eingebuchtet.
Sorry: ein BEWEIS ist das nicht. Nicht einmal ein Indiz.

Das siehst du so, das deutsche Strafrecht sieht das anders. Und das schon seit mehr als hundert Jahren. Wenn du ernsthaft verlangen würdest, dass für eine Verurteilung stets eine Fülle "neutraler" (was immer das ist) Beweismittel zur Verfügung stehen muss, könntest du sexuellen Missbrauch auch gleich aus dem Strafgesetzbuch streichen. Denn dort gibt es oftmals nur die Aussage des angeblich missbrauchten Kindes.


Das öffnet manipulativen Prozessen doch Tür und Tor. Angenommen so ist es, dann ist es also Glück oder Pec an welchen Richter man gerät?

Ja, das kann eine Frage von Glück oder Pech sein, ob man an einen Richter gerät, der bei der Beweislage verurteilt (bzw. freispricht). Genauso wie es eine Frage von Glück oder Pech sein kann, ob man nach einem Bankraub erwischt wird. Menschliche Justiz wird immer fehlbar sein.
 

Benutzer161012 

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Unfassbar ist, dass es heutzutage aufgrund der durch Köln aufgescheuchten Medien möglich ist, mit einer Behauptung vor Gericht einen Mann in den Knast zu bringen, wenn die Anklage von einer Frau kommt. Und dies als Argument von einem Richter zitiert wird!
Wenn du nun mit den Gott sei Dank überwundenen und abgeschafften Benachteiligungen von Frauen kommst, so sage ich dir: Vergangenheit. Ich rede von der Gegenwart. Und der Zukunft. Und es kann nicht sein, dass man nun im Übereifer, um es den Frauen vermeintlich gut zu tun, Justiz-Grundsätze über Bord wirft.
Ist das Prinzip erst einmal gebrochen, können andere Sündenfälle folgen. Unser Rechtssystem ist sicher eines der besten weltweit, da es keine Bevorzugung von Gruppen nach Geschlecht, Alter, Rasse, Status etc. vornimmt (ja, ich weiß, dass das erstmal nur Theorie ist), aber wenn man anfängt, das Wort einer Frau in bestimmten Auseinandersetzungen höher zu bewerten, weil man sie für schützenswerter hält als ein Mann in der gleichen Situation, haben wir die Grundsätze gebrochen.
 

Benutzer34612 

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Redakteur
Was ist an einem schlichten "darf ich?" vor einer körperlichen Berührung unromantisch? Ich finds total schön, wenn jemand so aufmerksam ist. Abgesehen davon bin ich der Lage, eine Situation einzuschätzen und glaube auch, dass sehr viele andere Frauen das können.
 

Benutzer161012 

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Bei Frauen wäre entsprechendes Verhalten regelmäßig als Erregung öffentlichen Ärgernisses strafbar.
QUOTE]
Nur wenn sie tatsächlich jemand anzeigt.
Bei Exhibitionismus von Männern grundsätzlich von Staats wegen verfolgt und strafbar.
 

Benutzer136306 

Planet-Liebe Berühmtheit
... aber wenn man anfängt, das Wort einer Frau in bestimmten Auseinandersetzungen höher zu bewerten, weil man sie für schützenswerter hält als ein Mann in der gleichen Situation, haben wir die Grundsätze gebrochen.

Du verstehst nicht, worum es geht. Es geht nicht darum, das Wort einer Frau "höher zu bewerten", sondern dass ein Tatgericht auch auf der Grundlage einer einzigen bestrittenen Zeugenaussage einen Angeklagten verurteilen kann, wenn es von der Richtigkeit der Aussage überzeugt ist. Das hat nichts mit Geschlecht zu tun.

Dass du darauf so hysterisch reagiert, zeigt eigentlich nur, wie wenig du dich zuvor mit den Grundsätzen des deutschen Strafprozesses auseinandergesetzt hast. Und wie wenig du jetzt verstanden hast.
[doublepost=1504126228,1504126169][/doublepost]
Nur wenn sie tatsächlich jemand anzeigt.
Bei Exhibitionismus von Männern grundsätzlich von Staats wegen verfolgt und strafbar.

Das Gegenteil ist richtig. Exhibitionismus ist ein relatives Antragsdelikt, wohingegen Erregung öffentlichen Ärgernisses ein Offizialdelikt ist. Get your facts straight!
 

Benutzer161012 

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Was ist an einem schlichten "darf ich?" vor einer körperlichen Berührung unromantisch? Ich finds total schön, wenn jemand so aufmerksam ist. Abgesehen davon bin ich der Lage, eine Situation einzuschätzen und glaube auch, dass sehr viele andere Frauen das können.
Bist du dann auch dafür, vor einer sexuellen Begegnung eine Einwilligungserklärung zu unterschreiben, wie das in einigen Unis der USA tatsächlich Usus geworden ist? Nämlich um erzwungenen/erschlichenen/durch Drogen oder Alkohol induzierten Sex zu verhindern, und natürlich einseitig gegen den Mann verwendbar.
Ich kriege einfach einen Affen, wenn ich sehe, wohin sich die Welt diesbezüglich entwickelt.
[doublepost=1504126615,1504126402][/doublepost]
Du verstehst nicht, worum es geht. Es geht nicht darum, das Wort einer Frau "höher zu bewerten", sondern dass ein Tatgericht auch auf der Grundlage einer einzigen bestrittenen Zeugenaussage einen Angeklagten verurteilen kann, wenn es von der Richtigkeit der Aussage überzeugt ist. Das hat nichts mit Geschlecht zu tun.

Dass du darauf so hysterisch reagiert, zeigt eigentlich nur, wie wenig du dich zuvor mit den Grundsätzen des deutschen Strafprozesses auseinandergesetzt hast. Und wie wenig du jetzt verstanden hast.
[doublepost=1504126228,1504126169][/doublepost]



Das Gegenteil ist richtig. Exhibitionismus ist ein relatives Antragsdelikt, wohingegen Erregung öffentlichen Ärgernisses ein Offizialdelikt ist. Get your facts straight!
Danke, Mister Professor.
Ich bin halt nur ein kleiner Dummi mit einem altmodischen Rechtsverständnis und du der Jura-Student.

Glaubst du tatsächlich, du als Mann hättest in einer ähnlichen Situation als Ankläger den Hauch einer Chance?
Sorry für meine unzureichende Kenntnis der Strafgesetzgebung. Da ich von Frauen nun meine Finger lasse, wird sich das Gott sei Dank durch eventuelle eigene Erfahrung auch nicht mehr ändern.
:zwinker:
 
G

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Gast
"Du kennst mich nicht, aber du warst in mir und darum sind wir heute hier"

Am 18. Januar 2015 wurde Brock Turner, Student an der Elite-Uni Stanford (Kalifornien) und Mitglied im Schwimmteam der Universität dabei beobachtet, wie er hinter einer Mülltonne eine bewusst- und wehrlose Frau sexuell missbrauchte.

Für viele ist diese milde Strafe ein Schlag ins Gesicht aller Opfer sexueller Gewalt, es gibt so gut wie keine Zeitung in Amerika, die nicht über den Fall berichtet. Der Richter begründete sie mit dem Alter des Täters, der Tatsache, dass er keine Vorstrafen hat, und dass eine längere Strafe womöglich ernsthafte Folgen für Turner haben könne, der bis vor kurzem noch als Olympia-Hoffnung galt.


Und der Brief der Studentin an den Vergewaltiger:

Here's The Powerful Letter The Stanford Victim Read To Her Attacker

Es geht einem echt an die Nieren...
 

Benutzer161012 

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"Du kennst mich nicht, aber du warst in mir und darum sind wir heute hier"

Am 18. Januar 2015 wurde Brock Turner, Student an der Elite-Uni Stanford (Kalifornien) und Mitglied im Schwimmteam der Universität dabei beobachtet, wie er hinter einer Mülltonne eine bewusst- und wehrlose Frau sexuell missbrauchte.

Für viele ist diese milde Strafe ein Schlag ins Gesicht aller Opfer sexueller Gewalt, es gibt so gut wie keine Zeitung in Amerika, die nicht über den Fall berichtet. Der Richter begründete sie mit dem Alter des Täters, der Tatsache, dass er keine Vorstrafen hat, und dass eine längere Strafe womöglich ernsthafte Folgen für Turner haben könne, der bis vor kurzem noch als Olympia-Hoffnung galt.


Und der Brief der Studentin an den Vergewaltiger:

Here's The Powerful Letter The Stanford Victim Read To Her Attacker

Es geht einem echt an die Nieren...
Ich rede hier doch nur von "Berührungen". Und den Artikel habe ich bewusst gewählt, weil es darum geht, dass einer Frau die Hand auf den Bauch gelegt wurde, dies abends zur Kontaktanbahnung in einer Kneipe.
Da - und nur da - finde ich es eben übertrieben, einen jungen Mann monatelang in den Knast zu schicken. Geht es nicht etwas differenzierter?
Bin ich der Einzige, der hier Bauchweh bekommt?

Dass ein sexueller Missbrauch wie o.g. entsprechend geahndet werden sollte, ist doch wohl mehr als klar. Und da denke ich wird man auch vor Gericht recht schnell eine eindeutige Aufklärung hinbekommen.
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
"Du kennst mich nicht, aber du warst in mir und darum sind wir heute hier"

Am 18. Januar 2015 wurde Brock Turner, Student an der Elite-Uni Stanford (Kalifornien) und Mitglied im Schwimmteam der Universität dabei beobachtet, wie er hinter einer Mülltonne eine bewusst- und wehrlose Frau sexuell missbrauchte.

Für viele ist diese milde Strafe ein Schlag ins Gesicht aller Opfer sexueller Gewalt, es gibt so gut wie keine Zeitung in Amerika, die nicht über den Fall berichtet. Der Richter begründete sie mit dem Alter des Täters, der Tatsache, dass er keine Vorstrafen hat, und dass eine längere Strafe womöglich ernsthafte Folgen für Turner haben könne, der bis vor kurzem noch als Olympia-Hoffnung galt.


Und der Brief der Studentin an den Vergewaltiger:

Here's The Powerful Letter The Stanford Victim Read To Her Attacker

Es geht einem echt an die Nieren...

Hier gehts aber um Vergewaltigung. Das ist aber wohl nicht das Thema des TS, oder?
 
G

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Gast
Hier gehts aber um Vergewaltigung. Das ist aber wohl nicht das Thema des TS, oder?

Naja, das Problem ist doch folgendes: Mann muss voll Angst haben wegen Kleinigkeiten vor Gericht zu landen. Keine auch nur im entferntesten sexuell angehauchten Witze oder Berührungen usw. Wenn meine Freundin sich von mir trennt und mich als Vergewaltiger beschuldigt, bin ich einfach total am Arsch...ob´s nun stimmt oder nicht. Diese Problematik von wegen "Mann darf ja gar nix mehr, sonst bist du gleich sozial geächtet" wird hier doch thematisiert und das schließt doch Vergewaltigung mit ein. So hab ich das gesehen und deswegen hab ich den Link gepostet.
 

Benutzer34612 

Planet-Liebe Berühmtheit
Redakteur
Da wir uns nicht in den USA befinden, finde ich es müßig, über die Frage zu diskutieren.
Ich war schon immer in der Lage, einen Partygrabscher in seine Schranken zu weisen. Und für Frauen, die da nicht so selbstsicher sind, gibt es somit nun bessere Möglichkeiten, sich zu wehren.
Es ist ja nun auch nicht so, als gäbe es parallel nicht auch andere Angebote wie zB die Aktion "Luisa ist hier", die auch offensiv bekannt gemacht wird.
 

Benutzer77547 

Planet-Liebe Berühmtheit
Es geht in dem Artikel um den folgenden neuen Paragraphen, der nach meiner Erinnerung auch als Reaktion auf die Grabschereien in Köln beschlossen wurde. Aber er kann natürlich nicht nur in solchen Fällen zur Anwendung kommen. Ich muss zugeben, dass ich bei diesem Paragraphen auch etwas Bauchschmerzen habe. Wobei mir da die juristischen Kenntnisse fehlen, um zu beurteilen, wie Richter damit wohl in der Praxis umgehen werden.
Dass Thomas Fischer als ehemaliger Bundesrichter auch "Bauchschmerzen" damit hat (siehe meinen Link im Posting weiter oben), führt nicht gerade dazu, dass meine Zweifel weniger werden.


Hier der Paragraph:

§ 184i
Sexuelle Belästigung

(1) Wer eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn nicht die Tat in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.

(2) 1In besonders schweren Fällen ist die Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. 2Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird.

(3) Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

Bezogen auf den Artikel, den der TS gepostet hat, frage ich mich schon, ob es nicht zu einem Problem wird, ab wann eine Berührung vom Gericht als in "sexuell bestimmter Weiser" und "belästigend" gewertet wird. Bei manchen Fällen ist das sicherlich einfach zu beurteilen (z.B. Silvesternacht in Köln). In der im Artikel geschilderten Szene im Club ist es schon schwerer. Im sozialen Nahfeld total schwer.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer161012 

Verbringt hier viel Zeit
Naja, das Problem ist doch folgendes: Mann muss voll Angst haben wegen Kleinigkeiten vor Gericht zu landen. Keine auch nur im entferntesten sexuell angehauchten Witze oder Berührungen usw. Wenn meine Freundin sich von mir trennt und mich als Vergewaltiger beschuldigt, bin ich einfach total am Arsch...ob´s nun stimmt oder nicht. Diese Problematik von wegen "Mann darf ja gar nix mehr, sonst bist du gleich sozial geächtet" wird hier doch thematisiert
Ja, so in die Richtung habe ich das verstanden, und der von mir ursprüngliche bento-Artikel liest sich nun wirklich für mich wie eine Aufforderung: hey, du wurdest von einem Mann nicht respektvoll genug behandelt? Zeig ihn doch an!

Wenn ich als Mann von einer Frau mies behandelt werde, dann... jedenfalls kann ich mir keinen Richter vorstellen, der eine Frau verknackt, weil sie einen Mann z.B. in die Seite boxt am Tresen, weil er ihr aus Versehen zu nah kam o.ä.

Meine Erfahrungen mit staatlichen Stellen oder Polizei sind diesbezüglich sehr, sehr mies. Vielleicht deshalb meine Empfindlichkeit bei dem Thema. Ich wurde jahrelang von meiner Ex auch körperlich misshandelt - ja, so etwas gibt es - aber ernst genommen wurde ich nirgends, selbst nach ärztlichen Behandlungen nicht. Aber als ich mich nach Jahren einmal verteidigte (nicht geschlagen o.ä.) war ich plötzlich der Übeltäter und hatte eine polizeiliche Verfügung am Hals. Da kannst du blutüberströmt mit Platzwunde und zerissenen Klamotten vor den Polizisten stehen, wenn die unverletzte Frau ihre Tränen fließen lässt, hast du schon verloren. Bin halt ein gebranntes Kind.
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Ich finde den Bento-Artikel auch etwas unglücklich, selbst wenn ich es begrüße, dass man durch Sachen wie Grapschereien auch sexuell straffällig werden kann (zum Gesetz selbst kann ich nichts sagen. Dazu kenn ich mich zu wenig aus). Die ganzen Bus-Grinder und Straßenbahn-Grapscher würd ich nämlich schon gern alle anzeigen.

Im Bento-Artikel geht es um ein Berühren am Bauch auf der Tanzfläche, das auch nicht wiederholt wurde, nachdem die Autorin sich dagegen gewehrt hat. Ob so ein Fall je mal angezeigt wird, bezweifle ich ehrlich gesagt. Und selbst wenn es dann einen Schuldspruch geben sollte, wird der sicher nicht so sein, dass jemand mehrere Monate in den Knast muss. Das ist bei dem Po-Grapscher schon was anderes gewesen. Da haben sich nicht nur mehrere Dinge außer der Grapscherei angehäuft, sondern das war auch einfach eine andere Situation (zwischen die Beine, mehrmals, trotz Aufforderung es zu lassen). Das Urteil kann man als zu hart empfinden. Dass es zu einer Anzeige und einem Verfahren kam, finde ich aber gut.

Schwierig wird es natürlich, wenn Aussage gegen Aussage stehen. Aber dieses Thema gibt es ja bei sexuellem Missbrauch/Vergewaltigungen auch.
 

Benutzer116134 

Planet-Liebe Berühmtheit
Naja, Bento halt. Was will man da erwarten.

Was ich mich unabhängig von der rechtlichen Geschichte gerade frage:
Sondern auch schon, wenn mir jemand an den Hintern fasst, ans Bein – oder eben an den Bauch. Dinge, die Frauen jeden Tag passieren.
Habe ich einfach nur unfassbares Glück, dass mir das nicht jeden Tag passiert? Der Artikel klingt so, als wäre das natürlicherweise der Alltag vieler Frauen. Davon bin ich – trotz regelmäßiger Clubbesuche, abends spät nach Hause kommen, alleine am Bahnhof warten, U-Bahn fahren usw. – aber ziemlich weit entfernt. Wohne ich einfach nur in einer guten Gegend, ist das reiner Zufall? Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich mich das letzte Mal belästigt gefühlt habe in Kombination mit Berührungen.

Frage an die Rechtsexperten, ich habe da aktuell leider zu wenig Ahnung:
Das kann ein Anfassen am Po, eine Hand an der Brust oder im Gesicht sein. Jede Art von Berührung, die eine Person als Belästigung empfindet, zählt.
Geht das aus dem Teilsatz "in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt" hervor? Bei Willenserklärungen ist eine Erklärung doch bspw. so auszulegen, wie ein objektiver Dritter sie verstehen würde. Gibt es diese Möglichkeit hierbei auch? Oder bestimmt nur der Berührte, was er als belästigend empfindet? Oder wie ist "in sexuell bestimmter Weise" definiert?
 

Benutzer161012 

Verbringt hier viel Zeit
Ich finde den Bento-Artikel auch etwas unglücklich, selbst wenn ich es begrüße, dass man durch Sachen wie Grapschereien auch sexuell straffällig werden kann (zum Gesetz selbst kann ich nichts sagen. Dazu kenn ich mich zu wenig aus). Die ganzen Bus-Grinder und Straßenbahn-Grapscher würd ich nämlich schon gern alle anzeigen.

Im Bento-Artikel geht es um ein Berühren am Bauch auf der Tanzfläche, das auch nicht wiederholt wurde, nachdem die Autorin sich dagegen gewehrt hat. Ob so ein Fall je mal angezeigt wird, bezweifle ich ehrlich gesagt. Und selbst wenn es dann einen Schuldspruch geben sollte, wird der sicher nicht so sein, dass jemand mehrere Monate in den Knast muss. Das ist bei dem Po-Grapscher schon was anderes gewesen. Da haben sich nicht nur mehrere Dinge außer der Grapscherei angehäuft, sondern das war auch einfach eine andere Situation (zwischen die Beine, mehrmals, trotz Aufforderung es zu lassen). Das Urteil kann man als zu hart empfinden. Dass es zu einer Anzeige und einem Verfahren kam, finde ich aber gut.

Schwierig wird es natürlich, wenn Aussage gegen Aussage stehen. Aber dieses Thema gibt es ja bei sexuellem Missbrauch/Vergewaltigungen auch.
Danke für die reflektierte Antwort. :smile:
Stimme dir weitestgehend zu. Die Frage ist halt tatsächlich, wie willkürlich Anzeigen nun ausfallen könnten. DA hoffe ich sehr auf die Vernunft bei der Auslegung des jeweiligen Gerichts.
[doublepost=1504129275,1504129167][/doublepost]
Oder bestimmt nur der Berührte, was er als belästigend empfindet?
Genau das ist meine Befürchtung bzw. so lese ich das zitierte Urteil...
Und das wäre...naja, Willkür eben.
 
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