Das Glück des ersten Males

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Das Glück des ersten Males (von Martin Hielscher)"Und da soll ich jetzt rein?", fragte er."Ja", sagte sie.Das hatte er nun davon. Er hätte doch beim Klavierspielen bleiben sollen. Eigentlich wollte er nur sein Sofa verkaufen. Es war zu groß für seine Wohnung, besser gesagt, das Zimmer mit anschließendem Klo und einer Küche, die etwa die Ausmaße eines mittleren Kühlschranks hatte.Aus seine Anzeige hin meldeten sich mehrere Interessenten, und nach einiger Zeit auch eine junge Frau. Die Frau hieß Angela und wollte einen Besichtigungstermin am nächsten Tag. Sie kam und fand sofort Gefallen an Kurt. Er fand Gefallen daran, daß sie ihn gut fand. Obwohl es ihn auch nicht sehr überraschte. Das Sofa wollte sie auch haben. Kurt stellte ihr dennoch ausführlich die Vorzüge des beigen Möbels dar. Er artikulierte jedes Wort klar mit leiser, wohlklingender Stimme. Angela musterte ihn neugierig und schon lockend. Kurt erstrahlte von innen. Das war die 6. Partita.Angela saß inszwischen auf dem Sofa, schlug ihre schlanken Beine übereinander und säuberte ihre Pömps. Kurt wandte sich der Küche zu und bereitete Tee. Er war ein Experte im Teekochen und unterschied mit der Nase Teesorten wie andere Wein.Ebenso sicher prüfte er Angelas Brüste. Er liebte Brüste. Er verehrte sie geradezu, und seine Begeisterung steigerte sich proportional zur Größe dieser "Möpse", wie er manchmal volkstümelnd zu sagen pflegte. Allerdings irritierte ihn zumeist das übrige Weibliche, das sich um sie herum drapierte, da es oft genug in Mängeln exzellierte. Und da war Kurt unerbittlich. Die eine hatte ein häßliche Nase, die andere grimassierte unaufhörlich, die dritte war zu ordinär, die vierte hatte primitive Hände, und die fünfte war Angela.Dazwischen passierte gar nichts. Kurt spielte Klavier. Außerdem aß er viel. Er lebte in dauernder Vorfreude auf die nächste Einladung von Freunden, die garantiert etwas kochen würden, da es als ausgemachter Beweis von Sinnlichkeit galt, wenn Intellektuelle unaufhörlich kochen. Auch Kurt gehörte zu dieser Zunft, wenn er auch nicht allzusehr strebte.Seine Urteile waren streng und ungerecht. Seine Begründungen Muster gewählter Rede.Kurt war schlank, das Essen rauschte durch ihn hindurch wie die Frauen an ihm vorrüber: spurlos.Er war groß und dunkel und hatte, worauf er selbst hinzuweisen pflegte, die schönste Füße in seiner Familie. Früher soll es vorgekommen sein, daß wildfremde Menschen die Füße des auf einer Bank schlafenden Kurt lauthals bewunderten.Er geriet nur in Exzitation, wie er das nannte, wenn er Bach spielte, einen gute Pianisten Bach spielen hörte oder gewisse philosphische Texte las. Dann hob Kurt ab. Dann zitterte seine Gesichtsmuskulatur, die langen Beine schwankten, Glücksgefühle durchströmten ihn, die Ichgrenzen fielen, und Kurt sah sich inmitten riesiger Mengen von Sahne, der er gemeinsam mit Glenn Gould und Bach aufsaugt, auflutschte und fraß.Der servierte den Tee souverän, und Angela dankte aus grünen Augen. Sie arbeitete als MTA und stellte im Auftrage ihres Arztes Tests mit männlichen Freiwilligen an. Auch sonst hatte sie viel mit Männern zu tun und beschloß, den spröden Kurt zu verführen. Sie bemerkte den konstanten Blick auf ihre Brüste - BH 9, gehobener Durchschnitt - und geriet in leise Wallung. Kein fester Freund behinderte ihr Interesse. Sie war jung, und das fremde Ambiente Kurts reizte sie. Er stellte sogleich fest, daß sie, obzwar immerhin Abiturientin, nicht viel las.Er wähnte sich in der klassischen Rolle Geist vs. Unschuld, wie Thomas Mann sie so schön in Goethes Faust erkannte, nur daß der Geist diesmal selbst der Unschuldige war. Angela war's nämlich nicht. Unter ihrem olivgrünen Kleid barg sie ein erfahrenes Geschlecht, während Kurt seinen Schwengel nur selbst traktierte. Das geschah allerdings mit schöner Regelmäßigkeit, Thomas Mann hätte seine Uhr nach ihm stellen, seine morgendliche Schreibphase mit Kurts erster Masturbation abschließen können. Da Kurt so mindestens dreimal am Tage verfuhr, sah er sich als Hengst, für den Fall, daß es doch einmal zu einer Affaire kommen sollte.Nun saß sie ihm gegenüber. Dunkellockig, grünäugig, kurzröckig bot sie sich an. Selbst Kurt merkte das. Er mußte sich fassen. Er spielte Angela Alban Bergs Sonate vor, aber davon ließ sie sich nicht schrecken. Sie sah auf Kurts elastischen Rücken und seine großen Hände, trank Tee und spürte es kribbeln unterm Rock. Sie lehnte sich zurück im Sofa, auf das sich Kurt nach einer Weile wieder niederließ.Er ertrug heroisch, daß ihr zu seinem Spiel nichts einfiel."Du, ich find dich unheimlich nett", sagte Angela.Kurt sagte Vergleichbares, dachte, ob er die wohl daheim in Großborstel vorstellen könnte. Dann witterte er seine Chance, gab sich einen Ruck, ließ Mann, Berg und Bach fahren dahin und rückte vor zu Angela.Sie glaubte - abgesehen von ihrem prinzipiellen Einverständnis -, einen erfahrenen Mann vor sich zu haben, und wartete einladend ab. Der Vorgang stockte. Sie mußte selbst Hand anlegen und Kurts Hände auf ihre Brüste legen, dort, wo sie von selbst hinwollten, wie Adorno gesagt hätte. Kurt war im Paradies. Er griff, knetete, rieb, streichelte und öffnete sogar das Kleid, um die Pracht vor Augen zu haben.Angela jedoch strebte nach Tieferem und nutzte geschickt Kurts Erregung dazu, ihn wenigstens vorübergehend von ihrem Busen loszueisen und weiteren Enthüllungen zuzustimmen. Dann geschah das Unerwartete. Der nackte und abstrakt mit den unerforschlichen Wegen der Natur vertraute Kurt starrte auf die nackte Angela, die ihm unmißverständlich ihr Geschlecht entgegenhielt.Kurt hatte keine Lust. Er sollte sich wohl verletzen!"Und da soll ich jetzt rein?", fragte er."Ja", sagte sie.Kurt wollte es schließlich hinter sich haben und probierte es.Er traf den Spalt nicht, verhedderte sich zwischen Angelas Schenkeln, weil er viel größer war als sie, ließ ihre Beine los, um seinen Schwengel zu ergreifen, rutschte weg und verlor sichtlich an Erregung. Angela ahnte dunkel, daß sie einen Neophyten vor sicht habe, wollte auf den Spaß aber nicht verzichten und wählte einen Ausweg. Resolut setzte sie sich auf Kurt, ergriff seine Stimmgabel und stimmte sich."Au", sagte Kurt.Aus: Der Rabe 13 (Der Glücksrabe)

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