Wir lieben uns aber ...

Benutzer99115 

Sorgt für Gesprächsstoff
Ich bin momentan sehr verzweifelt in meiner Beziehung. Ich bin mit meiner Freundin seit ca. 6 Monaten zusammen. Wir sind beide Mitte 20, ich hatte vor ihr eine Beziehung ueber einige Monate (in der ich aber enttaeuscht wurde) und sie hatte noch keine Beziehung vor mir. Man kann uns also als Spaetzuender bezeichnen.

Kennengelernt habe ich meine Freundin schon vor 1,5 Jahren durch die Uni. Dort haben wir uns regelmaessig gesehen und ich fand sie auch sehr suess :smile: Aber ich war damals noch in der alten Beziehung bzw. hatte sie erst beendet und hing meiner Ex-Freundin noch so hinterher (wie gesagt war meine erste Beziehung), dass ich damals nicht so richtig was unternehmen wollte. Spaeter, vor ca. 8-9 Monaten, wurde ich dann etwas "offensiver" und hab mich mehr mit ihr unterhalten, was mir einfacher fiel da ich ueber die alte Beziehung hinweg war. Ich habe aber (faelschlicherweise, wie sich spaeter herausstellte) nicht den Eindruck gehabt, von ihrer Seite waere das Interesse auf gleicher Ebene, aber ich kann das auch nicht gut beurteilen bzw. bin da auch oft schon falsch gelegen. Wir haben uns dann immer oefter getroffen, aber ich war immer zu schuechtern und unsicher, um den letzten Schritt zu machen. Wir mussten uns vor dem ersten Kuss quasi erst unsere Gefuehle verbal mitteilen.

Gut, dann waren wir zusammen, am Anfang lief es nicht gut, weil ich irgendwie keine Naehe zulassen konnte. Das faellt mir einfach schwer, nicht nur bei ihr sondern generell bei Freunden und auch zu meiner Familie erhalte ich immer eine gewisse Distanz. Dadurch wurde ich auch unsicher was die Beziehung an sich angeht, denn wenn man merkt, dass eine zu grosse Distanz da ist obwohl man den Partner liebt, fuehlt man sich nicht wohl. Zu der Unsicherheit hat noch beitragen, dass ich nur eine Beziehung hatte und dadurch kaum Erfahrung und meine Freundin vom Typ (Aussehen und Charakter) ganz anders ist als meine Ex-Freundin. Durch diese Unsicherheit habe ich einige Fehler gemacht, ich habe mich nicht so reingehaengt wie ich es haette machen sollen und habe nicht so fest zu ihr gestanden wie ich es jetzt tue. Dadurch habe ich sie damals auch einmal sehr verletzt.
Aber es hat dennoch funktioniert, was denke ich auch daran lag, dass sie mich wirklich sehr sehr gern hat und nicht verlieren wollte. Damals war ich manchmal etwas ueberwaltigt davon, denn ich habe sie zwar geliebt, aber ich bin eher der Typ bei dem sich die Liebe ueber die Zeit entwickelt und dadurch war eine Diskrepanz da zwischen der Intensitaet unserer Gefuehle. Es hat etwas gedauert, bis ich fuer mich die erwaehnte Distanz abbauen konnte, aber jetzt denke ich dass das kein Problem mehr ist und ich liebe sie jetzt auch mehr als je zuvor, wir reden sehr viel (v.a. im Vergleich zu frueher) und unternehmen gerne und oft etwas miteinander. Fuer mich laeuft es in der Beziehung jetzt eigentlich perfekt, wenn man mal davon absieht, dass das fuer sie nicht der Fall ist: In regelmaessigen Abstaenden stellt sie die Aufrichtigkeit meiner Liebe in Frage.

Wie gesagt war ich am Anfang unsicher (Gruende s.o.), habe nicht viel geredet (bin nunmal von Natur aus keine Quasselstrippe, gerade wenn ich mich nicht wohl fuehle) und keine Initiative gezeigt (wg. schuechtern und unsicher). Sie sieht darin Zeichen davon, dass ich sie eigentlich nie richtig geliebt habe, nur irgendwie in die Beziehung "hineingeschlittert" bin und das eigentlich immer noch existent ist. Diese Angst manifestiert sich im taeglichen Leben dadurch, dass selbst (fur mich) Kleinigkeiten bei ihr grosse Zweifel hervorrufen. Einige Beispiele:
- Als wir vor kurzem mit ein paar Bekannten in einer Bar waren, habe ich sie beim Sitzen nicht umarmt sondern nur etwas ihre Hand gestreichelt. Als wir dann mit der Gruppe in einen anderen Club gegangen sind und ich nicht gleich aktiv ihre Hand genommen habe, war sie bedient. Sie denkt dann, das waere mir vor den anderen irgendwie peinlich, was es absolut nicht ist. Und es ist auch wirklich nicht so, dass ich mit ihr nur selten Haendchen haltend rumlaufe. Es macht mich total fertig, wenn ich es *einmal* ohne Hintergedanken nicht tue und dann alles hochkommt.
- Wenn ich im Bett mal keine Lust habe, denkt sie gleich, ich finde sie nicht attraktiv genug. Sie bemaengelt dann, es geht im Bett nur was, wenn ich es will. In letzter Zeit hatte ich viel Stress und war laengere Zeit krank, und da wollte/konnte ich auch nicht jedes Mal wenn sie wollte. Das habe ich ihr auch gesagt, aber es hilft nicht.
- Wir sind vor kurzem auf das Thema Aussehen zu sprechen gekommen. Da habe ich ihr gesagt, dass ich sie geschminkt und in eleganten Kleidern mehr sexy finde. Ich muss dazu sagen, dass sie durch ihre Groesse und ihr jugendliches Gesicht sehr jung wirkt (sie wird oft mit "du" angesprochen). Ich liebe sie so oder so, aber ich finde sie dadurch eben in gewisser Weise koerperlich attraktiver. Sie kann das ueberhaupt nicht nachvollziehen, wirft mir Oberflaechlichkeit vor und bezweifelt dann wieder, dass ich sie so liebe wie sie ist. Ich wuerde mich nicht als oberflaechlichen Menschen bezeichnen, aber ich gebe zu, dass das Aussehen fuer mich bei der Partnerwahl auch eine untergeordnete Rolle spielt. Fuer sie ist eine solche Auffassung unfassbar dumm und absolut inakzeptabel. Ich weiss nicht, ich hatte eigentlich immer gedacht, das waere einigermassen "normal" (natuerlich ist das nicht das wichtigste, aber das denke ich ja auch nicht)?


So, das war meine Geschichte, ich hoffe, ich konnte sie auf eine ertraegliche Laenge kuerzen ohne zu viel wegzulassen. Ich waere mit unserer Beziehung momentan gluecklich und zufrieden wenn ihre Zweifel nicht waeren. Ich habe oft den Eindruck, meine Freundin erwartet zu viel von mir. Ich versuche schon, alles richtig zu machen, aber wenn ich ihr sage, dass ich bisher nur eine (nicht gute) Beziehung hatte und mir manchmal die Erfahrung fehlt, laesst sie das als Argument nicht gelten. Manchmal denke ich, dass dadurch, dass sie noch nie eine Beziehung hatte, sie einfach sehr idealistische Vorstellungen hat. Oft vergleicht sie mich oder unsere Beziehung mit anderen, bei denen ihrer Ansicht nach ja alles so perfekt laeuft und wo z.B. niemals jemand auch nur auf den Gedanken kommen wuerde dass man den Partner unter bestimmten Umstaenden attraktiver findet. Wir haben schon oft und lange darueber geredet und ich habe ihr auch schon wirklich alles erzaehlt, was ich erzaehlen kann (inkl. das, was ich hier geschrieben habe). Nachdem wir uns ausgesprochen haben, sieht es dann immer ein paar Wochen so aus, als ob es wieder gut ist und alles laeuft perfekt, aber das Problem scheint nur verborgen zu sein und kommt dann wieder aus geringstem Anlass ans Tageslicht. Ich liebe meine Freundin und sie liebt mich, wir passen eigentlich sehr gut zusammen, aber ich weiss einfach nicht weiter. Ich scheine sie immer wieder zu verletzen, und ich denke sowohl ihr als auch mir geht langsam die Kraft aus, das zu ertragen. Ich faende es sehr traurig, wenn die Beziehung daran scheitert, wir reden viel aber es hilft offenbar nicht auf Dauer. Ich weiss nicht, was ich noch machen soll... :geknickt:

Antique
 

Benutzer99109 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo,

ja man redet sich im Kreis, trifft das auch bei Euch zu?
Es kommen immer die leichen Themen etc...

sag ihr doch wenn sie andere Paar als Vergleich nehmt, dass andere Paare mit Sicherheit auch ihre Probleme haben, dass andere Paare auch nicht perfekt sind. Und ihr nicht ANDERE Paare seid sondern eure eigenen Vorstellungen hat. Man kann sich nicht an anderen Paaren orientieren auch wenns einem manchmal leichter fällt zu sagen.. schau mal bei denen geht das doch auch. Aber vielleicht machen die wieder was, was sie gar nicht toll finden würde...wenn er zb mit ihr in nen Swingerclub fährt... dann würde sie das doch auch nicht tun, nur weil die es tun oder?

Ansonsten ist es sehr schwer... ich kenne das leider von mir. Ich zweifel auch oft an der Liebe meines Freundes obwohl es dann nur Kleinigkeiten sind. Ein großes Problem wird wohl unter anderem ihre mangelnde Erfahrung gegenüber Partnerschaften sein... wenn sie vor dir noch keine hatte. Aber da habt ihr ja beide fast den gleichen Stand-

Versuch etwas mehr auf sie einzugehen, zu verstehen wieso sie dir Vorwürfe macht. Versuch ihr immer wieder zu sagen das du sie liebst und keine anderen willst. Das du ihr das bewusst machst, dass du nur sie toll findest und dich keine interessiert. Ihr Selbstbewusstsein scheint so wie bei mir nicht das beste zu sein. Selbst wenn sie gut aussieht... muss sie nicht unbedingt eine starke Persönlichkeit sein. Oder sich selbst hüsch finden.

Naja mein Freund sagt immer das ich ihm ungeschminkt besser gefalle weil er so aufgetarkelte Frauen nicht so gerne mag... ich schminke mich nicht viel aber ich möchte das für mich tun. Und sonst sieht er mich alleine ja nur so. Wenn er es anders herum sagen würde... dann wäre ich auch schon etwas gekränkt, auch wenn du es ja ehrlich meinst und es ja eigentlich toll ist das du ehrlich bist, so würde ich trotzdem denken toll muss ich jetzt auch geschminkt ins Bett gehen damit er mich attraktiv findet. Ist sicherlich nicht gerade klug von dir gewesen :zwinker:

Das mit dem Händchen halten kommt mir alles sehr bekannt vor. Ich hab die gleichen Probleme.. wenn mein Freund nicht dran denkt, denk immer er will das nicht. Er will das vor seinen Leuten nicht zeigen oder braucht meine Liebe gerade nicht oder ich nerve ihn. Das spüren meistens Menschen die selbst unsicher sind, die sehr sensibel sind,... ich würde schon fast sagen ZU SENSIBEL und in gewissermassen ist das für sie eine Art Test. Mal schauen ob er mich an die Hand nimmt... DANN weiss ich das er mich liebt. Tut er es nicht, dann weiss ich das er gerade keine so goße Lust hat und dann mache ich es lieber auch nicht um nicht abgewiesen zu werden oder sowas... tja... das Problem ist nicht einfach. Da muss man dann an ihren Verstand appelieren so wie mein Freund dies auch getan hat... das man nicht alles negativ macht nur weil man nicht dran denkt. Sie muss sich dann selbst sagen.. ach er denkt gerade nicht dran, dann nehme ich eben seine Hand... und wenn er sie nicht wegstö0t dann will er das ja auch. :smile:

Bei Frauen ist das Thema Sex und Abstoßen oft ein heikles Thema... denn man hört ja sehr selten das Männer mal keine Lust haben... und dann dentk Frau eben glech sie sei unattraktiv.. was ja keinesfalls so ist. Das musst du ihr dann natürlich klar machen. Das es eben nix mit ihr zu tun hat, sondern das du einfach geschafft und müde bist und mehr Lust auf kuscheln hast als auf mehr. :smile:
 

Benutzer36171 

Beiträge füllen Bücher
Ich kenne diese Probleme von meiner Beziehung sehr gut. Wir haben sie überwunden und haben bald unser dreijähriges, also nicht verzweifeln! :smile:
Ich hatte große Probleme mit mir, meinem Leben und meinem Selbstbewusstsein, als mein Freund und ich uns kennen lernten. Als er mich ansprach hielt ich es nicht für möglich, dass er es ernst meinte. Ich dachte, ich sei zu hässlich, zu unerfahren, zu "uncool" für ihn. Ich hielt es für einen Scherz. Wider Erwarten schien er tatsächlich an mir interessiert und wir verliebten uns.
Doch ich konnte nie ganz vergessen, wie er an mich geraten war. Es völliger Zufall, dass er ausgerechnet mich ansprach. Er dachte halt, ich wäre wohl ganz nett und probierte es einfach mal (ohne mich wirklich zu kennen und ohne von meinem Aussehen hin und weg zu sein). Es klappte, was wohl größeres Glück ist, als uns damals klar war. Wir passten toll zusammen, hatten und haben gleiche Vorstellungen von der Zukunft und sind uns in vielen Dingen so ähnlich, dass ich manchmal nur den Kopf schütteln konnte.
Und dennoch: Ich konnte mir nie sicher sein, dass auch er so empfand. Ich dachte immer, vielleicht bin ich ja doch nicht so toll wie er dachte, er kannte mich ja gar nicht richtig, bestimmt verlässt er mich bald. Warum sollte er ausgerechnet mich lieben? Was war so besonders an mir?

Mein Verhaltensmuster zu dieser Zeit entsprach ziemlich genau dem deiner Freundin. Ich war durch kleinste Kleinigkeiten zu verunsichern, zweifelte alles an und verlangte viel zu viel von ihm. Er hatte zu allem Überfluss auch noch Probleme mit den Veränderungen, die durch unsere Beziehung kamen und hatte irgendwie doch Angst, sich so fest zu binden.
Das alles führte fast zum Aus unserer Beziehung.

Wir konnten sie nur retten, indem wir ehrlich und ausführlich über unsere Gefühle redeten. Und in dem wir unsere Gefühle einfach einmal zuließen, ohne immer zu versuchen total rational und vernünftig zu sein.
Und Geduld. Eine Beziehung braucht Zeit zum Wachsen und gerade eine 1. Beziehung ist mit viel Unsicherheit gesegnet. Ich weiß, dass ich dir nicht richtig helfen kann... bei uns hat es geklappt. Ich weiß natürlich nicht, wie es bei euch sein wird, aber vielleicht mach dir meine Geschichte etwas Mut.

Was sagt sie denn genau dazu, dass solche kleinsten Anlässe sie so sehr zweifeln lassen? Sieht sie ein, dass es falsch ist? Was sind ihre Gründe?
 

Benutzer99115 

Sorgt für Gesprächsstoff
Danke fuer eure Antworten, es hilft mir schon ein bisschen, zu hoeren, dass wir mit diesem Problem nicht alleine sind und dass es wie bei Lia durchaus noch klappen kann. Wie gesagt, wir reden oft ueber unsere Gefuehle, doch wie "Verdammt" schon erwaehnt hat, habe ich in den letzten 2-3 Monaten den Eindruck, dass wir uns da irgendwie im Kreis drehen. Ich habe schon alles gesagt und versucht zu erklaeren, vieles sicherlich mehr als 1-2 Mal. Wenn wir miteinander reden, sage ich eigentlich immer wieder nur das Gleiche, weil mir einfach nichts mehr einfaellt. Die Gespraeche fallen mir deshalb zunehmend schwerer.

Bei einigen Dingen (wie Haendchenhalten) sieht sie nach laengerem Reden ein, dass sie zu heftig reagiert hat. Aber gerade bei dem Punkt, dass ich am Anfang unsicher und war und nicht ''voll rangegangen" sondern die Sache langsam und abwartend angegangen bin, scheint Reden nichts zu bringen. Ich denke, das ist der Knackpunkt an allem, waere das anders gelaufen, wuerde sie auf solche Gedanken gar nicht kommen. So aber denkt sie, dass ich tief im Inneren weiterhin so ticke und hat Angst, dass ich sie irgendwann fuer eine Huebschere/Tollere verlassen werde. Ihrer Ansicht nach muss gerade am Anfang einer Beziehung alles gut klappen und wenn man sich von Anfang an nicht sicher war, wird man es nie sein. Ich sage ihr dann, dass es mit Sicherheit Paare gibt, bei denen es am Anfang auch scheisse lief und die spaeter gluecklich verheiratet waren, genauso wie es bestimmt Paare gibt, bei denen am Anfang alles perfekt war und die sich nach 2 Jahren wieder getrennt haben. Das scheint sie aber irgendwie nicht richtig wahrzunehmen oder zu glauben, sie kommt dann wieder mit den Vorzeige-Paaren aus dem Bekanntenkreis. Meinen Einwand, dass bei diesen vielleicht auch nicht alles so gut lief/laeuft wie es scheint, hat sie ueberraschenderweise hingenommen, leider scheint sie es sich aber so sehr zu wuenschen, dass man mit rationalen Argumenten kaum dagegen ankommt.

Ich kann in gewissem Masse verstehen, dass mit solchen Gedanken bei Kleinigkeiten schon mal diese Aengste hochkommen. Nur weiss ich nicht, wie ich ihr glaubhaft machen kann, dass diese unbegruendet sind oder dass sie zu hohe Erwartungen hat. Hinzu kommt, dass durch ihre Zweifel ich auch langsam das Vertrauen in die Beziehung verliere. In regelmaessigen Abstaenden muss ich mich fuer etwas aus der Vergangenheit rechtfertigen, versuche ich es ihr in stundenlangen Gespraechen zu erklaeren, rede offen und ehrlich mit ihr. Das alles ist auch nicht einfach fuer mich, kostet Kraft und Nerven. Ich bin durchaus bereit, das zu investieren, aber wenn wie gesagt sich die Gespraeche immer wieder wiederholen und um das selbe Thema kreisen, kann ich irgendwann einfach nicht mehr :frown: Ich kann wohl nur hoffen, dass es sich mit der Zeit bessert.
 
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