Wieso wird hier so oft zum Auszug geraten?

G

Benutzer

Gast
Meinst du explizit den "ersten" Auszug aus dem Elternhaus oder generelles Umziehen?

Es hat mir sehr geholfen eine gewisse Entfernung zwischen mich und meine Elternzu bringen. Nicht weil meine Eltern so schlimm sind, sondern weil ich relativ unselbstständig bin.
Es hilft einem einfach enorm weiter in der persönlichen Entwicklung. Man hilf dem jeweiligen TS die Komfortzone zu verlassen :zwinker:
 

Benutzer70315  (32)

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Ist mir so in der Form eigentlich noch nicht aufgefallen, dass hier übermäßig viel zum Auszug geraten wird.
Ich denke zwar auch nicht, dass man ausziehen muss, sobald die Volljährigkeit erreicht wurde, aber es gibt Situationen, in denen es einfach ratsam ist. Gerade weil sich dadurch oftmals das Familienleben verbessern kann. Ein Auszug bringt kurioserweise manchmal alle Beteiligten enger zusammen.

kurz gesagt: Auf Biegen und Brechen ausziehen, obwohl die Umstände nicht stimmen (z.B. finanziell) halte ich für keine gute Idee. Auch nicht, wenn man bei seinen Eltern seinen eigenen Freiraum hat. Dennoch habe ich durch den Auszug vor 8 Jahren einfach viel Selbständigkeit erlernt, die ich vorher nicht hatte. Ich würde einfach mal behaupten, dass es schwieriger ist, diese Selbständigkeit zu erlernen, wenn man noch bei den Eltern wohnt.
 

Benutzer102673 

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Ich stelle auch bei mir fest, dass, kaum wieder in der Nähe der Eltern (z.B. im Urlaub), man ganz schnell wieder in die typischen Rollenbilder Mutter-Vater-Kind verfällt, obwohl das Kind längst erwachsen ist.

Und der Mensch muss sich einfach weiterentwickeln. Das ist für die meisten wahrscheinlich ein schwerer Schritt, mehr als dass es ein "Befreiungsschlag" ist. Aber bei mir und eigentlich jedem aus meinem Umfeld ein sehr wohltuender Schritt für alle Beteiligten.
 

Benutzer91008  (34)

Sehr bekannt hier
Ich glaube das sich durch einen Auszug oft auch wirklich die Beziehung zu den Eltern verbessert.
Oft versteht man dann als Kind seine Eltern besser und wird auch wirklich selbstständiger.
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
Von meinen Eltern weit weg zu ziehen war rückblickend eine der besten Entscheidungen, die ich jemals getroffen habe, aber auch eine der schwierigsten. Mir ging damals der Arsch auf Grundeis weil ich auf mich allein gestellt klar kommen musste und ich überhaupt nicht abschätzen konnte, ob das funktioniert? Ich kann also verstehen und auch emotional nachvollziehen, warum der Schritt sehr schwierig sein kann. Oft hält einem Angst oder auch einfach Bequemlichkeit zurück und dann rationalisiert man das gerne mal mit "bei Muttern wohnen ist ja völlig legitim".

Wenn dann Probleme diskutiert werden, wirkt das auf mich oftmals so, als würde man an den Symptomen herumdoktern, während man das ganze Problem lösen könnte, indem man sich unabhängig macht. Von daher sollte man dazu ermutigen, dass Leute eben über Auszug nachdenken, und sich rational auch ihren Bedenken stellen und diese überprüfen. Vielleicht ist es das kleinere Übel, sich temporär der elterlichen Bevormundung zu unterwerfen um eine finanzielle Katastrophe zu vermeiden. Aber dann muss man dieses Szenario auch mal genau durchgedacht und mit Alternativen verglichen haben.

Das eigentliche Problem, was viele "Jugendliche" in dieser Situation haben ist ja, dass sie das beste aus beiden Welten wollen: die Bequemlichkeit und die Unterstützung des gewohnt gemütlichen Zuhauses, aber auch plötzlich sehr viel mehr Unabhängigkeit. Und ab einem gewissen Punkt geht beides einfach nicht mehr zusammen. Gegenüber den Eltern, denen das Haus oder die Wohnung gehört, die das Geld anschaffen, und die einem auch noch erzeugt haben, wird man sich letzten Endes in seinen Bedürfnissen immer unterordnen müssen (wobei es natürlich auch pathologische Fälle gibt, wo sich die Eltern ihren Kindern unterordnen und sich selbst aufopfern - so oder so, es kommt wirklich selten was Gutes dabei heraus).

Langfristig betrachtet kann ich so ein Lebensmodell nicht gut heißen, da ich persönlich schon der Meinung, dass eine erwachsene Person unabhängig sein sollte und sich dieser Prozess verzögert, wenn man sich zu sehr den Bequemlichkeiten hingibt. Von daher ja: man sollte langfristig immer auf Unabhängigkeit hinarbeiten und das bedeutet, früher oder später, Auszug.
 
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Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich denke da gibt es verschiedene Gründe. Es ist einfach relativ normal, dass Konflikte leichter entstehen, wenn man als "erwachsener", eigenständiger Mensch noch zu Hause lebt und damit aus Sicht der Eltern schon noch ein bisserl die Kind-Rolle inne hat - solche Konflikte lassen sich mit einem Auszug i.d.R. besser in den Griff bekommen. Manchmal ist auch der bloße Fakt, dass man noch zu Hause lebt - und es sich da vielleicht etwas zu gemütlich gemacht - ein Konfliktpunkt, der dann in anderen Stellvertreter-Konflikten ausgefochten wird. Und: Auch wenn relativ unabhängig von der Wohnsituation Konflikte entstehen, tut's meistens gut, mit dem Auszug etwas Abstand zu bekommen und damit die "Pivatsphäre" von sich und den Eltern ein wenig klarer zu trennen. Irgendwann muss halt jeder sein Leben leben, ohne sich beim anderen zu viel einzumischen, da hilft die räumliche Trennung enorm.

Davon ab ist Ausziehen einfach eine wichtige Erfahrung, ein wichtiger Schritt bei der persönlichen Entwicklung. Ich kenne so gut wie niemanden, der diesen Schritt bereut hat. Mehr Selbstständigkeit. mehr Eigenverantwortung, mehr Freiheit - allein diese Dinge sind in der Regel schon einen Auszug wert, unabhängig davon, ob daheim nun ständig die Fetzen fliegen oder nicht.
 

Benutzer96776 

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Benutzer141430  (36)

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ich kann das nicht nachvollziehen und kenne auch niemanden der an mangelnder selbstständigkeit draufgegangen ist weil er erst ausgezogen ist als die eigene familie gegründet wurde :grin:

dieses selbstständigkeitsargument halte ich daher schon seit ewigkeiten für quatsch.
klar wird man dann selbstständiger, keine frage, aber das wird man auch wenn man später auszieht und scheitert dann nicht weil man es erst mit 30 statt mit 18 getan hat ^^
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
dieses selbstständigkeitsargument halte ich daher schon seit ewigkeiten für quatsch.
klar wird man dann selbstständiger, keine frage, aber das wird man auch wenn man später auszieht und scheitert dann nicht weil man es erst mit 30 statt mit 18 getan hat ^^
Man kann sich zum Glück immer selbstständig machen und besser mit 30 als mit 40. :zwinker:

Aber je länger du wartest, umso weniger Verständnis werden Leute da für dich haben. Zudem kann man deine Argumentation umdrehen: warum sollte ich mit jemanden eine Familie gründen wollen, der mit 30 noch nie einen eigenen Haushalt geführt hat? Ich würde zumindest schärfsten davon abraten...
 

Benutzer141430  (36)

Benutzer gesperrt
Man kann sich zum Glück immer selbstständig machen und besser mit 30 als mit 40. :zwinker:

Aber je länger du wartest, umso weniger Verständnis werden Leute da für dich haben. Zudem kann man deine Argumentation umdrehen: warum sollte ich mit jemanden eine Familie gründen wollen, der mit 30 noch nie einen eigenen Haushalt geführt hat? Ich würde zumindest schärfsten davon abraten...
was gibt es denn da großartig zu lernen bitte ? :grin:
jetzt mal ernsthaft, wenn ich heute ausziehe kriege ich alles genauso gebacken wie jemand der mit 14 vor die tür geschmissen wurde und seitde alleine lebt. selbst wenn man mal etwas nicht weiß kann man doch heutzutage alles innerhalb von 2 minuten nachlesen und schon ist die sache erledigt. man muss natürlich davon ausgehen das die person nicht dumm wie brot ist und erstmal 10 jahre erfahrung sammeln muss um etwas zu schaffen ^^

um auf deine umgedrehte argumentation einzugehen:
weil es keinen nachteil mit sich bringt ... überhaupt garkeinen.

warum sollte man mit so einer person also keine familie gründen? bei uns wird es nur so gehandhabt und wie ich das sehe laufen die haushalte, die familienplanungen und alles andere ebenfalls sehr gut und das ohne das wir vorher eigene haushalte geführt haben :zwinker:

warum also nicht wenns genauso funktioniert ? :zwinker:
 

Benutzer111070 

Team-Alumni
Ich denke auch, dass dieser Rat bei permanenten Reibereien zwischen einer volljährigen Person und ihren Eltern einfach daher kommt, dass die meisten erwachsenen User selbst die Erfahrung gemacht haben dürften, dass sie irgendwann aus dem Elternhaus ausgezogen sind und sich dies als rundum gute Entscheidung entpuppt hat, auch für das Verhältnis zu den Eltern.
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
Vielleicht sehe ich es etwas pessimistischer als du, aber ich habe echt lange gebraucht, um wirklich selbstständig zu werden, zumal mir das von meiner Familie so nie angetragen wurde. Klar, irgendwie hausen kann man immer, aber sein Leben allein organisiert zu bekommen ist schon nicht zu unterschätzen und man ist besser dran, da frühzeitig Erfahrungen mit zu sammeln.

Ich kenne persönlich auch kaum Leute, die sich länger als 20 Jahre bei ihren Familien haben aushalten lassen. Die paar wenigen, die ich kenne, waren leider im Persönlichkeitsspektrum an einem sehr unattraktiven Ende angesiedelt, so dass ich mit denen nicht wirklich noch Kontakt halten wollte. Da teile ich einfach nicht deine positiven Erfahrungen.

Manche Dinge lernt man auch einfach besser früher, als später. Ich konnte bspw. bis vor meinem 28. Lebensjahr kein Fahrrad fahren. Mittlerweile kann ich es, habe es gelernt, aber glaub mir: es war nicht schön. Als Kind wäre es einfacher gewesen und es hätte mich weitaus weniger Energie, Blut und Überwindung gekostet. Mit der Selbstständigkeit ist es auch so: wer erwachsen sein will, muss meiner Ansicht nach raus - sonst lernt man es nicht. Und wer sich dieser Erfahrung 30 Jahre lang bewusst entzieht, hat für mich einen Lebensstil, den ich nie haben und insbesondere nie teilen wollen würde.
 
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Benutzer141430  (36)

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ich sehe da vielleicht auch einfach keine probleme da ich mich für mind. genauso selbstständig halte wie jeden anderen auch, wenn nciht sogar mehr. ich muss mich nicht nur um mich und meinen haushalt kümmern sondern kümmere mich noch um einen kranken vater, um den ganzen papierkram der familie, um den haushalt, und und und ...

klar gibt es einige sachen die ich nicht kann wie z.B. bügeln aber es ist nicht so das ich es noch nie gemacht hätte sondern ich kann es einfach nicht :grin:

organisatorisch gibt es glaube ich nichts was ich nicht tue was jemand macht der alleine wohnt.
im gegenteil, ich muss vermutlich wie gesagt sogar noch um einiges mehr organisieren.

das man auszieht und alleine wohnt ist ja bei euch in der kultur nun auch nicht schon immer so gewesen.
es ist noch nicht alzu lange her da haben bei euch sohn und tochter, genauso wie bei uns, auch erst mit der hochzeit das haus verlassen. man könnte es also auch eine modeerscheinung nennen das man nun so früh selbstständig werden muss :zwinker: und nicht alles was sich ändert, ändert sich zum guten. ich sehe es z.B. als eine negative veränderung.
 
G

Benutzer

Gast
organisatorisch gibt es glaube ich nichts was ich nicht tue was jemand macht der alleine wohnt.
im gegenteil, ich muss vermutlich wie gesagt sogar noch um einiges mehr organisieren.

Aber auch das kommt nicht von jetzt auf gleich. Es gibt bestimmt genug Studenten, die am Sonntag merken, dass nix zu beißen in der Wohnung ist, weil sie den ganzen Samstag nur gezockt und gefeiert haben. Und ich denke, dass in der Geschichte der Studenten einige Studenten beim Kacken merken, dass kein Klopapier mehr in der Bude ist :zwinker:

Warum passiert sowas ? Weil man im Hotel Mama vielleicht noch nie Klopapier, Spülmittel und Weichspüler gekauft hat. Das passiert nicht jedem, dir wäre das vielleicht auch nicht passiert, aber diese Erfahrung mit 20 zu machen, ist besser als mit 30 :zwinker:
 

Benutzer141430  (36)

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Warum passiert sowas ? Weil man im Hotel Mama vielleicht noch nie Klopapier, Spülmittel und Weichspüler gekauft hat. Das passiert nicht jedem, dir wäre das vielleicht auch nicht passiert, aber diese Erfahrung mit 20 zu machen, ist besser als mit 30 :zwinker:
aber genau das meine ich doch.
der fehler liegt doch dann in der art der erziehung :zwinker:

bei uns gehen die eltern überhaupt nicht mehr einkaufen.
sobald die kinder alt genug sind tüten tragen zu können werden sie zum einkaufen geschickt. :grin:
anfangs noch mit zettel und umso älter sie werden umso mehr gucken sie alleine was eingekauft werden muss.

bei uns werden die kinder im elternhaus beim erwachsen werden dazu erzogen sich um eine familie kümmern zu können.
da ist nix mit unselbstständigkeit. wenn du eine türkische familie mit einem z.B. 20 jährigen sohn siehst kannst du zu 90% davon ausgehen das die eltern keinen finger mehr krumm machen. sie haben uns groß gezogen und uns alles beigebracht und nun übernehmen wior das und nehmen ihnen möglichst viele aufgaben ab.
 

Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
A
Allerdings ist das vermutlich auch nicht das All-Heilmittel, wenn zwischen "Kind" und Eltern Konflikte in der Luft hängen. Ob sich die Beziehung durch die Distanz bessert, lässt sich dadurch auch schwer abschätzen.
Ein "Allheilmittel" für Alles und Jeden ist's wohl nicht, aber es hilft eben sehr oft dabei, die Konflikte aufzulösen. Da "streckt man eben nicht mehr die Füße unter den Tisch der Eltern", das Spielfeld wird ein wenig geebnet, es gibt weniger Abhängigkeiten. Man kommt - auch in den Augen der Eltern - mehr in der Rolle als eigenständiger Erwachsener an, man kann sich in Konflikten besser auf Augenhöhe begegnen und lebt - auch aufgrund der räumlichen Trennung - mehr sein Leben, was Kompromisse i.d.R. erleichtert.

Viele dieser Konflikte entstehen eben wie gesagt daraus, dass man zu Hause noch die gewohnte Rolle des Kindes inne hat. Das führt dann gerne mal zu Konflikten, wenn man als selbstständiger Erwachsener seine Freiheiten einfordert - oder wenn die Eltern sich mehr Selbstständigkeit erhoffen, der Nachwuchs es sich aber in der umhegten Kind-Rolle im Hotel Mama gemütlich macht. Dieses Aufeinanderprallen von "selbstständiger Erwachsener", gewohnten "Kind und Eltern"-Rollen, Zusammenleben auf engem Raum und Abhängigkeiten (Die Eltern haben eben mehr "Macht", wenn man noch bei ihnen wohnt) ist eben ein guter Nährboden für Konflikte.

Konflikte, die es so nicht gäbe, wenn man ausziehen und sich ein bisschen mehr "abnabeln" würde. Das hilft halt auch enorm, in der neuen Rolle als selbstständiger und selbstverantwortlicher Erwachsener anzukommen und als solcher wahrgenommen zu werden. Und man kann mehr sein eigenes Leben leben.
 
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