Wie finde ich heraus, ob ich wirklich (k)ein Kind will?

O
Benutzer207972  (36) Verbringt hier viel Zeit
  • #1
Ich hatte noch nie einen ausgeprägten Kinderwunsch. Oder ein besonderes Interesse an Kindern. Mich schreckt ab, was ich aus feministischer Sicht über Mutterschaft in dieser Gesellschaft gelernt habe. Ich habe zudem immer wieder Phasen mit großen Bedenken bezüglich der Zukunft, Stichwort Klima, Krieg, Faschismus. Ich bin immer schon sehr investiert gewesen in meinen Beruf und meine Interessen und zeitintensiven Hobbies. Außerdem vermutlich neurodivers und eher anfällig für zu viele Reize/Veränderungen und dankbar für verlässliche Routine. Gleichzeitig liebe ich Hyperfokus und Zeit für mich allein.

Momente eines Anflugs eines Kinderwunsches hatte ich dann beispielsweise, als ich Babyfotos von meinem Mann gesehen hatte und plötzlich so ein Gefühl von "den kleinen Jungen will ich beschützen". Und seit kurzem merk ich, dass irgendwas anders ist... Ich finde Kinder süß und strahle, wenn ich welche sehe. Ich hab richtig Bock auf Kindersachen machen, nem Kind die Welt zu erklären, auf dieses Weihnachten-Familie-Gefühl, auf beim Hausaufgaben machen helfen.. sowas. In meiner Verwandtschaft gab es Nachwuchs und ich finds wirklich toll und schön. Ich könnte mich sehen, mit einem Kind. Und ich frage mich jetzt, ob das Hormone sind? Die Uhr, die ich langsam Ticken höre?

Ich bin Mitte 30, finanziell ist alles super, Wohnung und Ehe auch, ich hab einen Beruf, der sich eigentlich erstmal gut mit einem Kind vereinbaren lassen würde… und einen Partner, der keine Angst hat vor Verantwortung und Care Arbeit. Ich hab mich um meine eigenen Baustellen gekümmert und glaube, dass ich wenig Quatsch weitertragen würde was Erziehung angeht. Ich bin da dran.

Ich hab nun mal dieses Anti-Müller-Hormon testen lassen — 1.2, was andeutet, dass nicht mehr endlos Eier da sind, aber im Grunde auch nichts aussagt, weil das Ergebnis recht typisch ist für mein Alter. Trotzdem stresst es mich. Ich weiß, dass ich auch ohne ein Kind glücklich wäre, ich will mich aber auch nicht in ein paar Jahren fragen: Was wäre gewesen wenn? Und ich hab das Gefühl, ich stehe langsam so gut da im Leben, dass ich mich auf privater Ebene schon frage: "What's Next?". Mein Partner hätte Lust, gemeinsam ein Kind zu bekommen, am liebsten zwei. Wäre wie ich aber auch ohne glücklich.

Noch weniger, als zu bereuen, kein Kind zu haben, will ich bereuen, ein Kind zu haben. Ist das nicht eine Entscheidung, die man einfach super klar und deutlich und ohne Zweifel beantworten können sollte? Vor allem, wenn man sie für das Kind trifft?

Darum würde mich interessieren, wie es anderen Frauen* ging, die ebenfalls nicht schon immer den allergrößten und "natürlich" vorhandenen Kinderwunsch hatten, aber dann ein Kind bekommen haben. Oder sich dagegen entschieden. Und: Wie findet man heraus, ob es "die Hormone" und das Gefühl einer tickenden Uhr sind oder ein handfester Wunsch? Vor allem, wenn man nicht endlos Zeit dafür hat?
 
Schnecke106
Benutzer85763  (44) Beiträge füllen Bücher
  • #2
Ich finde das schwer zu sagen, beide Entscheidungen sind unumkehrbar und kann man letztlich bereuen, das wird man leider nie vorher wissen.

Ich hatte lange keinen Kinderwunsch, fand Kinder nervig und auch selten süß oder lustig. Dann wurde die erste Freundin schwanger und ich konnte das erste Mal ein bisschen teilhaben an dem Thema Schwangerschaft und Baby, da war ich 31. Und da war plötzlich der Kinderwunsch da, ohne dass man es bewusst greifen konnte. Mit 33 war ich dann zum ersten Mal schwanger, inzwischen habe ich zwei Kinder und es nie bereut. Finde ich es manchmal anstrengend und einschränkend? Absolut! Aber auch oft sehr schön, dass da diese kleine Menschen sind.

Ich habe jetzt persönlich keine sehr raumgreifenden Hobbys oder Interessen, auch keinerlei Drang nach beruflicher Karriere, daher vermisse ich nichts. De facto ist - gemessen an der Lebenszeit - die Zeit, wo man ganz intensiv gebraucht wird überschaubar. Auch das kann aber anders laufen, je nachdem was für ein Kind man bekommt und wie man sich selbst entwickelt. Es bleibt eine Wundertüte.
 
V
Benutzer163532  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #3
Und: Wie findet man heraus, ob es "die Hormone" und das Gefühl einer tickenden Uhr sind oder ein handfester Wunsch?
Gar nicht so richtig, denke ich.
Also zumindest ich konnte das nicht trennen.
Ich würde für mich klären, wie ich mir ein Leben mit Kind vorstelle. Für mich geht Kinderkriegen immer auch mit Einschränkungen einher. Man kann vieles trotz Kind machen, aber es IST anders. Das Paarleben ist anders. Alltag ist anders. Oft auch das Berufsleben. Freizeit. Urlaub. Nicht zwangsläufig schlechter, nicht unbedingt besser. Aber doch sehr anders.
Kann ich mir das vorstellen? Erscheinen diese Einschränkungen als etwas, das mir nur Angst macht? Oder habe ich die Zuversicht, dass wir es packen werden? Oder vielleicht freue ich mich sogar darauf?
Möchte ich ein Leben mit einem Menschen mehr führen? Mit allen Konsequenzen?

Das waren so meine Überlegungen bei Kind 1 und sogar noch stärker bei Kind 2.
Der Kinderwunsch war bei mir nicht schon immer da, ich war mir bei der Heirat nicht sicher, ob ich jemals Kinder wollen würde.
Bei Kind 1 wurde der Kinderwunsch dann überwältigend groß, der war sicherlich zu größeren Teilen emotional als rational.
Bei Kind 2 war er sehr viel stärker rational, daher haben wir zunächst abgewartet, ob da noch Herzbeteiligung kommt. Das war der Fall.
 
Spiralnudel
Benutzer83901  (41) Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #4
Als bei mir der Kinderwunsch kam, war ich 33 und er hat mich einfach überrollt. Ich konnte das Thema gar nicht mehr rational betrachten. Es war einfach plötzlich da und ließ sich nicht wegschieben. :hmm: :ratlos: Ich habe es nicht hinterfragt, sondern gemacht.

Und ich bereue nichts. Meine Kinder sind nach wie vor das Beste, das mir passieren konnte. Das gilt auch und insbesondere für meine jüngste Tochter (im Forum als Isildur bekannt), die nicht geplant war. Es hat sehr lange gedauert, da eine Entscheidung zu treffen. Am Ende waren mein Mann und ich uns uneinig: Er wollte, dass ich abtreibe, ich konnte das nicht. Mein Mann hat lange damit gehadert. Er liebt unsere Jüngste, aber sie hat rein rational betrachtet alles sehr viel komplizierter gemacht und uns viel abverlangt – und meinem Mann zu viel. Mein Mann hat aber über eine Therapie einen Weg gefunden, mit diesen Gefühlen (überwiegend mir gegenüber) umzugehen.

Ich habe mir damals die Frage gestellt: "Was, wenn ich bereue, dieses Kind nicht bekommen zu haben?" Ich wollte die Antwort auf diese Frage gar nicht erst herausfinden.

Bei euch ist der Fall ja einfacher. 🙂 Das, was du gerade erlebst, ist bestimmt die berühmte biologische Uhr, die du hörst. Das hat natürlich mit Hormonen zu tun. 🙂

Übrigens: Was Hobbys angeht, muss man vielleicht in der Anfangszeit etwas zurückstecken. Aber Kinder werden schnell größer, und wir binden unsere zum Beispiel einfach mit unsere Hobbys ein - das macht auch ihnen große Freude. 😊
 
Z
Benutzer96053  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #5
Ich finde es für jedes Paar schön, das so offen in die Zukunft schauen kann und mit beiden Varianten der Lebensplanung zufrieden und glücklich wäre. Spräche denn etwas dagegen, es einfach laufen zu lassen und zu probieren? Wenn es dann nicht klappen sollte, müsste man sich genauere Gedanken machen, wie weit man geht, welche Form der Kinderwunschbehandlung man mitmacht und wo man seine Grenzen zieht. Wir haben unsere ganz individuell zum Beispiel beim ersten Kind bei Fremdspenden gezogen. Ich kenne auch Paare, die die Grenze bei IVF/ICSI gezogen haben.

Aber ich stelle es mir schön vor, wenn man es einfach auf sich zukommen lassen kann.
 
Hryna
Benutzer36171  Beiträge füllen Bücher
  • #6
Ist das nicht eine Entscheidung, die man einfach super klar und deutlich und ohne Zweifel beantworten können sollte?
Im Gegenteil, ich glaube, wenn man bei dem Thema keinerlei Zweifel hat, hat man nicht genug darüber nachgedacht.
 
Spiralnudel
Benutzer83901  (41) Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #7
Du kannst dir auch zum Beispiel noch eine gewisse Bedenkzeit einräumen, in der du in dich hineinhorchst und vielleicht auch mit deinem Mann sprichst. Wenn der Wunsch (noch) nicht sehr stark ist, kann es ja auch sein, dass du noch Zeit brauchst, um zu erkennen, ob du wirklich ein Kind möchtest oder nicht.
 
Kokiri
Benutzer157013  Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #8
Ich habe diese Gedanken auch gehabt und habe sie vielleicht immer noch. Aber meine Entscheidung ist grundsätzlich gefallen, auch wenn mein Mann und ich auch etwas getrauert haben, dass der Gedanke an Familie mit Kindern jetzt abgeschlossen ist. Andererseits bin ich erleichtert, wenn ich mir die aktuelle Lage der Welt anschaue. Ich hadere immer noch ein kleines bisschen, aber letztendlich war ich erleichtert, dass wir es nicht einfach probiert haben.
Ausschlaggebend waren bei mir vorallem gesundheitliche Überlegungen, weil ich in dem letzten zwei Jahren auch körperlich nicht immer fit war und eine Schwangerschaft das wahrscheinlich nicht besser gemacht hätte. Und ein ganz klarer Moment war, als ich auf einer Geburtstagsfeier eine Mutter mit ihrem Säugling gesehen habe. In dem Moment habe ich gespürt, dass ich das auf gar keinen Fall will.
Kinder ab 2/3 sind cool, aber Babys kann ich so gar nichts abgewinnen.
 
Sorceress Apprentice
Benutzer89539  Team-Alumni
  • #9
Fand ich jetzt nicht eine der großen Lebensentscheidungen, die sich klar und eindeutig ergeben haben.

Ich hatte die Entscheidung eigentlich mehrfach, u.a. vor Beginn der Hormonersatztherapie, aber auch als ich mit meiner Partnerin zusammen kam und wir mit ihrem Kind so "Familienmomente" hatten, was mich mehr irritiert hat als ich dachte.

Ich glaube inzwischen, dass das (für mich jedenfalls) zwei verschiedene Dinge. Das eine sind Dinge von denen ich merke dass ich innerlich biochemisch drauf reagiere, die lösen bei mir irgendwelche positiven Hormone aus. Es gibt auch Momente wo ich meine Frau als Mutter (oder im Umgang mit anderen Kindern) erlebe und merke, wie das was mit mir macht.

Aber ob ich wirklich mit (eigenen) Kindern in meinem Leben glücklicher wäre, ob das in mein Leben passen würde, ob diese oben genannten Momente die überwiegen würden wo ich unglücklich wäre, das ist trotzdem noch mal eine andere Frage.

Das war nix was ich super einfach fand. Eine Zeit lang habe ich gehadert, aber als die Entscheidung einmal tatsächlich gefallen war, merkte ich zunehmend wie es sich richtiger und richtiger anfühlte. Und ich bin heilfroh, sie so getroffen zu haben.

Wobei ich bei der Entscheidung gegen Kinder natürlich den Vorteil habe, dass es nicht den einen Moment gab, wo ein endgültiger Schritt ergriffen war.
 
O
Benutzer207972  (36) Verbringt hier viel Zeit
  • Themenstarter
  • #10
Danke für eure Antworten — und eure persönlichen Einblicke. Das hilft mir gerade total. Ich wollte den Beitrag erst gar nicht abschicken, aber gerade bin ich froh, dieses unterschwellige ständige Nachdenken damit etwas produktiver anzugehen. Teilen hilft einfach. Danke euch!

Ich hatte lange keinen Kinderwunsch, fand Kinder nervig und auch selten süß oder lustig. Dann wurde die erste Freundin schwanger und ich konnte das erste Mal ein bisschen teilhaben an dem Thema Schwangerschaft und Baby, da war ich 31. Und da war plötzlich der Kinderwunsch da, ohne dass man es bewusst greifen konnte.
Okay, das lässt sich glaube ich sehr gut mit meiner Situation vergleichen. Dass in meinem näheren Umfeld gerade Babys omnipräsent sind und ich sehe, wie glücklich die Eltern sind, spielt bestimmt sehr mit rein. Auch, wenn diese Kinder alle wirklich easy sind bisher — und man ja nie weiß, wie es dann eben sein wird, wenn man selbst dem eigenen Kind gegenübersteht auf einmal.

Kann ich mir das vorstellen? Erscheinen diese Einschränkungen als etwas, das mir nur Angst macht? Oder habe ich die Zuversicht, dass wir es packen werden? Oder vielleicht freue ich mich sogar darauf?
Ich glaube, das ist meine große Sorge — die Einschränkungen. Ich tendiere dazu, mich meinen Interessen völlig zu verschreiben. Ich bin bei meiner Arbeit im Tunnel. Ich liebe den Fokus auf Dinge, die ich dann einfach für mich alleine habe. Und ich habe jetzt schon oft das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben, um alles anzugehen, was mich interessiert. Ich bin mir total sicher, dass ich und wir alles hinbekommen würden. Ich glaube, dass wir gute Eltern wären, dass wir das finanziell hinbekommen und dass wir glücklich wären, im Großen und Ganzen. Vor allem bei meinem Mann mache ich mir da gar keine Sorgen — er hat viel Erfahrung mit Kindern, in seinem Freundeskreis gab es sehr früh Nachwuchs und die Kinder sind teils sehr eng mit ihm aufgewachsen, er war sowas wie der Onkel. Er hat da eine sehr große Zuversicht. Ich glaube, meine größte Angst, wenn ich da jetzt so darüber nachdenke und eure Antworten lese, ist es, dass ich mich verliere. Dass ich mich als Mensch und meine Interessen verliere oder nur noch abgehetzt bin und keine Zeit mehr habe, den Dingen nachzugehen, die mich durchaus ausmachen als Mensch und die ich auch einfach brauche, um glücklich zu sein. Aber auch hier wieder: Ich weiß, dass mein Mann da wäre, wenn ich zum Sport will oder Zeit für mich brauche. Ich weiß, dass er im Zweifel auch mehr Care Arbeit übernehmen würde als ich und wir auch ein umgedrehtes Rollenmodell leben würden/wollten — ich hab immer — etwas zynisch — gesagt, dass ich gerne Vater werden würde. Das trifft meine Bedenken im Kern ganz gut…

Bei euch ist der Fall ja einfacher. 🙂 Das, was du gerade erlebst, ist bestimmt die berühmte biologische Uhr, die du hörst. Das hat natürlich mit Hormonen zu tun. 🙂
Das stimmt — und dieser Zeitdruck und das Gefühl "bin das ich oder ist das "nur" mein Körper und simple Biologie — das macht mir irgendwie Angst.

Ich finde es für jedes Paar schön, das so offen in die Zukunft schauen kann und mit beiden Varianten der Lebensplanung zufrieden und glücklich wäre. Spräche denn etwas dagegen, es einfach laufen zu lassen und zu probieren?
Dein Beitrag hat mich gerade irgendwie total beruhigt. Ich bin komplett verkopft, immer, und tendiere dazu, alles sehr genau zu planen und zu überdenken. Ich bin alles andere als "lassen wir mal auf uns zukommen" aber eigentlich hast du total Recht. Ich hab auch immer so gedacht: Naja, wenn es sein soll, wird es passiert. Aber stimmt bei mir einfach nicht, weil ich zu sehr in control bin, als dass ich tatsächlich schwanger werden könnte, ohne es wirklich zu wollen. Eine bewusste Entscheidung dafür, diese Möglichkeit zuzulassen, wäre vermutlich genau die Art von Vertrauen ins Leben, die es braucht, um Kinder in die Welt zu setzen. Danke!

Im Gegenteil, ich glaube, wenn man bei dem Thema keinerlei Zweifel hat, hat man nicht genug darüber nachgedacht.
Das beruhigt mich!

Wenn der Wunsch (noch) nicht sehr stark ist, kann es ja auch sein, dass du noch Zeit brauchst, um zu erkennen, ob du wirklich ein Kind möchtest oder nicht.
Seit dem Ergebnis von diesem Anti-Müller-Hormon-Test ist mein Umfeld scheinbar geschlossen der Meinung, dass wir einfach loslegen sollen und zwar sofort. Ich versuche, das wegzuschieben und zu ignorieren und mir selbst zu sagen, dass ich noch Zeit habe. Es steht Ende des Jahres bei mir auch noch ein größeres Projekt an, also es wäre eher ungünstig, wenn ich im Herbst hochschwanger wäre oder noch eine Geburt wuppen müsste… Hier klopft einfach auch eine Angst an — was, wenn es in einem halben Jahr schon knapp wird mit den Eiern.. Ist das realistisch oder eine irrationale Angst?

Andererseits bin ich erleichtert, wenn ich mir die aktuelle Lage der Welt anschaue. Ich hadere immer noch ein kleines bisschen, aber letztendlich war ich erleichtert, dass wir es nicht einfach probiert haben.
Danke für das Teilen — es ist auch total spannend zu lesen, wie es ist, wenn man sich bewusst dagegen entscheidet. Vielleicht muss ich mich auch einmal richtig reindenken und mir beides vorstellen. Was, wenn ich die Frau mit dem Säugling bin auf dem Geburtstag? Oder eine Frau wie du, die sie ansieht und für sich eine andere Entscheidung getroffen hat?

Ich hoffe, es geht dir gesundheitlich besser!

Eine Zeit lang habe ich gehadert, aber als die Entscheidung einmal tatsächlich gefallen war, merkte ich zunehmend wie es sich richtiger und richtiger anfühlte.
Das liest sich schön. Dass man Gewissheit über diese schwierige Entscheidung nicht nur bekommen kann, wenn man sich für ein Kind entscheidet und dann den Reality-Check hat. Sondern auch, wenn man mit einer Entscheidung dagegen weitergeht. Danke fürs Teilen!
 
Hryna
Benutzer36171  Beiträge füllen Bücher
  • #11
Hier klopft einfach auch eine Angst an — was, wenn es in einem halben Jahr schon knapp wird mit den Eiern.. Ist das realistisch oder eine irrationale Angst?
Bei deinem Wert würde ich mir wegen weniger Monate gar keine Gedanken machen.



Ich habe mal den Tipp gelesen beide Entscheidungen eine Weile zu leben: also, dass man sich entscheidet keine Kinder zu bekommen und zwei Wochen auf dieser Entscheidung sitzt, und umgekehrt, dass man entscheidet im nächsten Zyklus die Verhütung wegzulassen und dann schaut, was dieser Gedanke mit einem macht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Rory
Benutzer65998  Beiträge füllen Bücher
  • #12
Ich hatte vor vielen Jahren Gedanken, dir in eine ähnliche Richtung gingen, hier der Thread dazu: Trotz Bedenken schwanger werden

Mein Fazit nach einigen Jahren mit mittlerweile zwei supertollen Kindern und nach einer recht intensiven Kinderwunschzeit: Man kann sich irre viele Gedanken machen und offen sollte man der Sache schon begegnen. Aber wie es dann am Ende ist, Eltern zu werden und zu sein – nein, man kann sich die Dinge vorher einfach nicht so zurechtüberlegen und planen und der Überzeugung sein, man bleibt insbesondere genau der Mensch, der man vorher war. Das ist einfach nicht so. Das kann einem Angst machen, man kann Bedenken haben und trotzdem kann man es wagen. Man weiß ohnehin nicht, was man als Gesamtpaket bekommt. Die Reise ist das Ziel, und beim Thema Kinder ist das über viele Jahre betrachtet eher ein Marathon denn ein Sprint, nachdem man sich erst einmal ausruhen kann. Das kann man sich mit Kindern erst einmal nicht. :grin:

Wie ruhig ich mich dennoch innerlich fühle. Auch, wenn um mich herum alles in Schutt und Asche gelegt wird, ich war innerlich noch nie so ruhig und zufrieden in meinem Leben. Ich fühle die höchsten Hochs und die tiefsten Tiefs mit meinen Kindern. Statt wie erwartet eine eher rationale Mutter zu sein, bin ich hormonell und von diesem Verantwortungsgefühl für zwei kleine, unschuldige Menschen völlig überrollt worden. Nichts ist mir mehr so wichtig wie sie. Das wird ein Stück weit ein Leben lang so bleiben, in Teilen entwickelt sich das aber mit zunehmender Selbstständigkeit der Kinder auch wieder zurück und andere Dinge treten in meinem Leben wieder stärker in den Vordergrund. Ich bin super froh dieses Advanced Level des Lebens begonnen zu haben und auch noch mittendrin zu stecken. Für mich gehörte dabei auch der Wunsch dazu, das Leben in möglichst vielen Facetten kennenzulernen, und das wäre mir ohne eigene Kinder definitiv verborgen geblieben.
 
Rory
Benutzer65998  Beiträge füllen Bücher
  • #13
Hier klopft einfach auch eine Angst an — was, wenn es in einem halben Jahr schon knapp wird mit den Eiern.. Ist das realistisch oder eine irrationale Angst?
Nee, das ist eine völlig unbegründete Angst. Lies dich mal in Ruhe ein, was das AMH eigentlich für einen Aussagewert hat. In deiner jetzigen Situation: Keinen.
 
Zauberschnitte
Benutzer189381  Beiträge füllen Bücher
  • #14
Ich wollte nie Kinder haben.

Und dann wurde ich trotz Hormonspritze schwanger. Hab lange überlegt wegen Abtreibung aber mich dagegen entschieden.

Mein Kind ist nun 20. Ich liebe ihn, bin bis heute kein klassisches Muttertier.

Bereue ich es? Nein aber mir ist durchaus bewusst das ich auf einiges verzichten und zurückstecken musste.

Ich habe mich kurz nach der Geburt sterilisieren lassen damit kein zweiter Unfall passiert.

Das Leben mit Kind ist einfach ein völlig anderes als ohne Kind. Alles dreht sich viele Jahre nur ums Kind. Priorität nr.1

Dafür muss man sich bewusst entscheiden. Aber nun bin ich keine 50 und das Kind erwachsen. Hab mein Leben zurück 🤣
 
Lotusknospe
Benutzer91095  Team-Alumni
  • #15
Ich selbst war sehr abgeschreckt von den Beobachtungen in meinem familiären Umfeld, was Kinder mit einem Leben und einer Beziehung machen können, dass ich viel Respekt vor der Entscheidung hatte. Ich hatte auch Angst, dass ich nicht so richtig in die Mutterrolle reinfinden würde, weil mir früher immer wieder Leute gesagt haben, ich wäre nicht sehr mütterlich und würde sicher keine Kinder bekommen (wollen). Habe auch immer gesagt, ich wäre lieber Vater als Mutter. Naja, am Ende war mein Leben geordnet und mir war "langweilig" und ich war so neugierig, wie ich als Mutter sein würde und wie mein Kind sein würde, dass ich mich von all diesen Einflüssen von Außen frei gemacht habe, es nur mit meinem Partner ausgemacht habe und halt dann einfach ein Kind bekommen habe OHNE großen Kinderwunsch, aber mit den besten Rahmenbedingungen, sodass es für UNS passt. Und es ist das schönste, beste, bereicherndste, was ich bisher erlebt habe. Ich habe einen ganz anderen Blick auf das Frau-Sein, auf die Menschheit, auf die Welt und auf Elternschaft.

Es ist gut zu wissen, welche Herausforderungen es gibt beim Thema Mutterschaft. Aber ich würde nicht so viel daraus ableiten, wie es DIR am Ende mit Kind geht. Wäre ich auch glücklich und zufrieden ohne Kind? Ja sicher, aber das Leben wäre nicht so schön und erfüllt wie mit meinem süßen Fratz, da bin ich mir sicher. Ich habe das Babyjahr und Kleinkindjahr so sehr genossen (mein Kind ist erst 2). Ich habe die Zeit mit dem Kind so sehr genossen, obwohl mir alle gesagt haben, wie furchtbar und anstrengend es ist und dass man das wirklich richtig wollen muss, sonst schafft man es nicht. Nee, für mich hat das einfach nicht gestimmt. Man wächst rein in seine Rolle. Ich war oft an meiner Grenze, ja. Aber furchtbar fand ich es nicht, sondern wunderwunderschön. Ich bin jeden Tag dankbar.
 
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Anna1309
Benutzer166007  Sehr bekannt hier
  • #19
Ich hatte nie einen Kinderwunsch und war mir eigentlich immer sehr sicher, nie welche bekommen zu wollen - bis ich ungeplant schwanger wurde. Als ich sie das erste Mal im Arm hielt nach der Geburt, war ich vollkommen überwältigt davon, wie schön ein Mensch sein kann. Ich lag die ganze Nacht wach und habe sie angesehen.

Ich glaube daher nicht, dass die Gedanken die du dir dazu machst, wirklich aussagekräftig sind, weil das keine reine Kopfentscheidung ist.

Das Eingehen einer Ehe, oder die Entscheidung für einen Job macht man auch an Umständen fest und es gibt immer ein Hintertürchen, was offen bleibt, wenn man ehrlich ist - aber nicht das Kinder bekommen, weil Mutter wirst du bleiben, egal wie die Umstände sich noch entwickeln.

Deinen Mann kannst du verlassen, deinen Job kündigen - aber ein Kind zu bekommen ist einfach eine unwiderrufliche Lebensentscheidung. Und daher existiert dahingend auch kein richtig oder falsch. Das ist der falsche Ansatz.

Du wirst Phasen haben, wo du denken wirst: mein Gott, wieso habe ich mir das angetan?! Und dann wieder welche, wo du denken wirst, dass es die beste Entscheidung in deinem Leben war.

Es gibt ja zwei Arten, Entscheidungen zu treffen: Man kann versuchen, alles vorher zu "durchdenken", oder man legt, wie in meiner Geschichte, irgendwann den Schalter um.

Kinder zu bekommen ist die einzige Entscheidung im Leben, bei der es eben kein Hintertürchen gibt. Anders als bei einem Job oder einer Ehe kann man diesen Raum nicht mehr verlassen.

Aber genau darin liegt auch die Kraft meines Erachtens. Dieses "die Tür hinter sich zumachen" ist ein Akt der Hingabe. Bei mir hat dieser Sprung dazu geführt, dass ich zur besten Version meiner selbst wurde. Es war zutiefst heilend, meinen Kindern die Kindheit zu ermöglichen, die ich selbst nicht hatte.

Daher mein Rat: Such nicht im Außen oder in Hormontests nach einer Antwort. Die Frage ist nicht, ob die Umstände perfekt sind, sondern ob du bereit bist, dich auf diesen Raum ohne Ausgang einzulassen. Erst wenn die Hintertür zu ist, beginnt die eigentliche Entwicklung.
 
O
Benutzer207972  (36) Verbringt hier viel Zeit
  • Themenstarter
  • #31
Auch beim Blick in die Zukunft merke ich, dass ich mir beides vorstellen kann. Ich glaube nicht, dass ich im Alter allein sein würde, ich denke schon viel darüber nach, in welcher Form von Community ich mich langfristig und später sehe. Ich könnte mir auch vorstellen, mit Freund*innen ein Mehrfamilienhaus zu kaufen oder nach Thailand auszuwandern und und und. Wenn ich über die weite weite Zukunft nachdenke, lande ich außerdem immer wieder in Utopien oder Dystopien und sehe mich eher als alte Frau bewaffnet mit einem Stock um tote Tauben kämpfen als mit meinen Nachbar*innen als mit Kindern am Weihnachtsbaum. Aber das ist nur mein Gehirn :grin: und aktiv hab ich dieses Gedankenexperiment noch nicht gewagt...

Ich finde aber eure Ansätze zur Entscheidungsfindung super spannend — also zB mal wie Hryna Hryna vorschlägt einen Monat mit der einen, dann mit der anderen Entscheidung zu leben und zu gucken, wie sich das anfühlt. Auf jeden Fall hab ich das Gefühl, es muss eine aktivere Art der Entscheidungsfindung her. Ich spüre auf jeden Fall die Uhr ticken. Aber dann ändert sich meine Meinung wirklich wöchentlich wieder, je nachdem, ob ich gerade eine schöne Interaktion mit dem Nachbarskind hatte oder mit die Frau beim Kampfsport todesgestresst davon erzählt hat, dass ihr Mann sie kaum unterstützt und ich mir das gut überlegen soll mit den Kindern. Hilfe!

Aber ohne passenden Partner war das für mich kein Thema.
So geht es mir zu 100% auch. Jetzt hab ich so einen Partner eher unverhofft gefunden und er macht sich viel weniger Sorgen um die Zukunft und hat gar kein Problem, sich Kinder vorzustellen und zieht eh alles durch, was er sich erträumt. Und ist gleichzeitig extrem caring, macht jetzt schon mehr Care-Arbeit und Haushalt als ich, unterstützt meine Karriere absolut kompromisslos. Aber ich habe doch irgendwie das Gefühl, auch wenn er auf entspannt macht, dass er sich langfristig schon mit Kindern sieht und die für ihn viel selbstverständlicher dazugehören…

Wie ruhig ich mich dennoch innerlich fühle. Auch, wenn um mich herum alles in Schutt und Asche gelegt wird, ich war innerlich noch nie so ruhig und zufrieden in meinem Leben.
Das klingt wirklich unfassbar schön! Ich bin auch oft ein bisschen neurotisch und mache mir über alles viel Gedanken — ich fände es toll, so einen Zustand zu erreichen, hab aber auch Panik, dass man mit Kindern eher ins Gegenteil rutscht. Falls ihr Alles steht Kopf gesehen habt: Eine befreundete Mutter meinte zu mir, dass sie sehr viel mehr "Kummer" ist, seit sie ein Kind hat…

Entweder man springt ins kalte Wasser oder nicht. Aber eins kann ich dir sagen: Wenn man mit beidem weitestgehend glücklich sein kann bzw. sich das vorstellen kann, dann kann man nicht so viel falsch machen. Oder anders ausgedrückt: locker durch die Hose Atmen, alles wird gut!
Das stimmt. Es ist eigentlich eine ziemlich privilegierte Position.

Kinder zu bekommen ist die einzige Entscheidung im Leben, bei der es eben kein Hintertürchen gibt. Anders als bei einem Job oder einer Ehe kann man diesen Raum nicht mehr verlassen.
Das trifft es ziemlich auf den Punkt und ist vielleicht eine Erklärung, warum mir gerade diese Entscheidung so schwer fällt. Bei allen anderen großen Entscheidungen in meinem Leben war ich mir intuitiv sicher. Ich wusste, ich werde den Beruf wählen, der ein großes Risiko bringt, aber meine Leidenschaft ist. Ich wusste, ich werde diesen Mann heiraten. Und ich wusste aber auch: Egal, was schief geht — ich kann mich hier auf mich selbst verlassen und ich werde auf den Füßen landen. Vermutlich ist es dieses Finale, das fehlende Hintertürchen, das mich stresst.

Für mich passt es derzeit nicht — zeitlich, persönlich und auch jobtechnisch nicht und ich mag mein Leben, so wie es gerade ist, viel zu gern. Leider läuft die Zeit mit und weil es für dich vielleicht noch interessant ist: Zeit kaufen durch einfrieren?
Darüber denke ich derzeit auch vermehrt nach…

Ich glaube, für jetzt hab ich mir überlegt: Ich will vor dem großen Projekt im Herbst nicht schwanger werden. Gar nicht, weil ich das Ding nicht auch schwanger machen könnte — sondern: Wäre ich schwanger, würde ich die Schwangerschaft genießen und voll erleben wollen und nicht an zwei sehr großen "Babies" gleichzeitig arbeiten. Das heißt, dass ich das Thema ohnehin ein paar Monate parken werde. Solange kann ich nochmal reinfühlen und nachdenken. Mein Mann legt gerade ohnehin einen veränderten Lifestyle hin — kein Alkohol, mehr Sport, Supplemente — um sich voll in Form zu bringen, was ich ein bisschen süß finde. Für diese Monate hab ich mir vorgenommen, aktiver an einer Entscheidung zu arbeiten, aber auch mein Leben auszukosten und Dinge zu tun, die ich gerne tun will, aber vor denen ich zum Beispiel Angst habe. Oder auch einfach viel Genuss-Sachen. Also nochmal das alleine sein genießen.

Da frage ich mich nur, ob die Eizellen innerhalb von neun Monaten so viel weniger werden könnten, dass ein Einfrieren jetzt wichtig wäre oder ich auch das noch aufschieben könnte…

Danke auf jeden Fall für eure Einblicke! Ich weiß das sehr zu schätzen und komme langsam zu dem Bild: Wie alles im Leben, dass es sich zu haben lohnt, sind eben auch Kinder mit Entbehrung, Arbeit und Opfern verbunden. Aber für die allerallermeisten ist es das mehr als wert.
 
O
Benutzer207972  (36) Verbringt hier viel Zeit
  • Themenstarter
  • #35
Du kannst ja parallel während du deine Entscheidung triffst auch "einfach" deinen Lebensstil anpassen, ggf. mal Schilddrüse checken lassen, Vitamin D, durch Ernährung und Lebensstil auf deine Eizellqualität achten, etc.
Good point! Das ist ja so oder so eine gute Sache! Ich bin gerade was das Zeitfenster angeht auch wieder entspannter — vor allem, weil es wirklich nur um ein paar Monate geht…

Ich habe mich eine Zeit lang die gleichen Dinge gefragt. Also habe ich jeden Tag aufgeschrieben, ob ich an dem Tag gerne ein Kind gehabt hätte, ob es in mein Leben gepasst hätte.
Ahhh spannend — und ich finds schön, zu hören, dass ihr da so eine klare Entscheidung treffen konntet, mit der es euch auch gut geht. Ich glaube, bei mir ist ein Problem, dass ich mein Leben gerne vollpacke. Also wenn ich mein Leben Stand jetzt angucke, passt da kein Kind rein. Ich mache fast jeden Tag Sport, teilweise zweimal am Tag und trainiere wirklich passioniert — weil ich es liebe. Bevor ich so viel Sport gemacht hab, hätte ich nie gedacht, dass so viel Sport in mein Leben passt. Aber ich hab diese Prio gesetzt und es so hin-organisiert, dass es klappt. Ich denke, das wäre bei einem Kind bestimmt ähnlich…


Ich hatte gestern ein super spannendes Erlebnis. Ich war auf einer Lesung/Performance einer deutsch-Palästinensischen Autorin, die Geschichten aus Palästina erzählt hat. Unter anderem auch von Kindern in Flüchtlingscamps, Familien in Palästina, die ständiger Gewalt und Gefahr ausgesetzt sind, die vertrieben wurden, von Vätern, die ihre Söhne nicht schützen konnten. Alles traurig und zum verzweifeln und wütend werden. Und ich war die ganze Zeit eh super emotional aber als es um Kinder und Familien ging hatte ich plötzlich ein ganz krasses Gefühl, wie eine Erkenntnis: Ich will das. Ich will ein Kind. Man kann die Welt nicht den Arschlöchern überlassen, man muss weitermachen.

Normalerweise ist der Zustand der Welt für mich immer ein Kontra-Argument. Da hatte ich das Gefühl: Jetzt erst recht. Das lag bestimmt auch an der Art, wie die tolle Autorin das vorgetragen hat — nicht mit Verzweiflung, sondern mit Resilienz, Stärke, Stolz, Liebe, Hoffnung. Aber so klar hab ich selten eine Art Erkenntnis oder Überzeugung gespürt. Kennt ihr solche Momente?
 
Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • #42
Ich hab bisher nichts geschrieben, weil Du ( O Orelie ) Männer nicht gefragt hattest, aber wo jetzt welche schreiben doch mal kurz, hoffe das ist ok. In meinen Augen ist die entscheidende Frage, ob man Lust hat, viel Zeit mit (eigenen) Kindern zu verbringen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Klingt bei Dir so, und das ist doch schön und das, was für ein Kind zählt. Was die Zukunft bringt, weiß niemand, und Pläne führen oft woanders hin, als man dachte, bei mir jedenfalls. Ich hatte - und habe - einen dezidierten Nicht-Kinderwunsch, und trotzdem hab ich von Anfang an große Erfüllung in der Beziehung zu meinem Kind gefunden.

Die Rahmenbedingungen sollte man nicht unterschätzen, und darum finde ich trotzdem total richtig, dass Du Dir Gedanken darüber machst, also z.B. über Deine anderen Interessen und Prioritäten (die Du, genau wie Du schreibst, nicht aufgeben musst, von Anfang an nicht und im weiteren Verlauf schon mal gar nicht). Aus dem Grund hab ich mich allerdings gegen ein zweites Kind dann konsequent entschieden (trotz eines Rattenschwanzes an negativen Konsequenzen).

Dass Du es noch eine Zeitlang in Dir arbeiten lässt, finde ich auch gut. Du wirst das schon gut und richtig machen, wie es auch kommt. Lass Dir keinen Stress machen (von wegen Eizellen, Overthinking und so).
 
O
Benutzer207972  (36) Verbringt hier viel Zeit
  • Themenstarter
  • #45
Ich finde es total spannend und auch irgendwie cool und bewundernswert, dass man aus den gegenwärtigen Zuständen in unserer Welt und aus den miesen Aussichten für die Zukunft auf diese Art und Weise einen Kinderwunsch entwickeln kann.
Hatte ich bisher so auch sehr selten, das Gefühl, normalerweise teile ich da eher deine Einschätzung. Aber ich denke, es tut insgesamt gut, den Fokus wegzunehmen vom Lähmenden — und mit einer hoffnungsvollen und kämpferischen Perspektive in die Zukunft zu schauen. Die Welt ist viel zu toll (bei allem Leid und aller Ungleichheit und Ausbeutung) um sie denen zu hinterlassen, die sie weiter nur kaputt machen.

Aber es gibt für mich noch einen zweiten Grund, der gegen die Familiengründung spricht.
Ich befürchte, durch externe Faktoren zu Entscheidungen und Lebenswegen gezwungen zu werden, die entweder mir oder im schlimmsten Fall sogar meinem Kind überhaupt nicht gut tun.
Diese Sorgen kann ich einerseits total gut nachvollziehen, ich glaube, so geht es vielen und die Beispiele, die du aus deinem Bekanntenkreis beschreibst, sind symptomatisch für Vieles, was Familien in dieser Gesellschaft auf sich nehmen müssen. Gleichzeitig spielen solche Ängste bei mir nicht so mit rein. Ich hab einen Beruf, der extrem unsicher ist, von dem mir alle sagten, dass ich das vermutlich nicht schaffen würde, damit Geld zu verdienen und der eine hohe Selbstständigkeit und Flexibilität erfordert. Und der ständige finanzielle Ungweissheit mit sich bringt. Und ich hab es geschafft, bin finanziell stabil damit aufgestellt und könnte es mir nicht mehr anders vorstellen, als so flexibel und selbstständig durchs Leben zu gehen. Ich hab außerdem gelernt, dass ich in extremen Situationen gut zurechtkomme und mich eigentlich auf mich selbst verlassen kann. Mich bringt lustigerweise eine Renovierung innerhalb meiner vier Wände, die auf wenige Wochen begrenzt ist, mehr aus der Fassung als große wirtschaftliche Ungewissheiten für das ganze kommende Jahr. Ich kann mir vorstellen, morgen auszuwandern oder so — also: Ich glaube daran, in jeder Lebenssituation etwas Gutes zu finden und dass ich mein Leben immer so gestalten kann und werde, dass ich darin glücklich bin.

Und wenn mein Kind nach mir kommen sollte, besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es in der Hackordnung größerer, zusammegewürfelter Gruppen von Kindern oder Jugendlichen in Kindergärten und Schulen ziemlich weit unten steht und unter der Gruppendynamik in solchen Einrichtungen leidet.
So ne Angst hab ich tatsächlich aber auch. Ich finde es so schlimm, wenn Kinder gemobbt werden und wüsste überhaupt nicht, was ich machen würde, wenn das mein Kind betreffen würde. Aber ich glaube, dass du da insgesamt sehr hart mit dir bist. — "nach dir kommen" kann ja auch heißen, dass es deine besten und schönsten Eigenschaften abbekommt. Aber ja — ich würde da vermutlich über jedes Ziel hinausschießen im Versuch, mein Kind vor sowas zu schützen… Und es damit wohl eher schlimmer als besser machen…

Und ich bin schon gespannt, wie es mir in ein paar Tagen geht, wenn ich ein ziemlich frisch geschlüpftes Baby aus meiner Familie kennenlernen darf. Das ist dann der erste engere Kontakt zu einem Baby, seit ich meinen Kinderwunsch aufgegeben habe.
Oh ja, wirklich spannend! Wann hast du den Wunsch denn aufgegeben und hattest du seitdem das Gefühl, dass das auch emotional passt — oder eher eine rationale Entscheidung (Alter, Lebensentscheidungen…..) war? (Wenn du antworten magst).

Ich hab bisher nichts geschrieben, weil Du ( O Orelie ) Männer nicht gefragt hattest, aber wo jetzt welche schreiben doch mal kurz, hoffe das ist ok.
Oh ja, bitte — auf jeden Fall auch Männer! Danke für deine Perspektive! Ich lese bei dir sonst ja öfter mal was mit und finde das sehr toll. Dass du eigentlich keinen Kinderwunsch hattest — aber es wird in deinen Beiträgen zu deinem Sohn immer extrem deutlich, wie wichtig er dir ist und dass du alles tust, um guter Vater zu sein und wie engagiert zu bist!

Ich gebe noch einen weniger romantischen Aspekt mit auf den Weg: Du sagst, du seist selbst neurodivers. Das macht die Wahrscheinlichkeit sehr, sehr hoch, dass es auch dein Kind wird.
Guter Hinweis — und Push für mich, endlich mal eine richtige Diagnostik anzugehen. Obwohl ich viel mit diesem Teil von mir hadere und manchmal das Gefühl hab "warum fällen mir manche triviale Dinge so viel schwerer als anderen Menschen!?" sehe ich die Neurodiversität meistens eher als Superpower für meinen Fokus und meine Kreativität und meine Art zu denken. Aber ich glaube, dass ich zum einen extrem gut im Masking bin (was natürlich auch wieder auf Kosten der eigenen Nerven geht) und zum anderen sicherlich nicht krass ausgeprägt bin bzw sich bei mi vieles gegenseitig aufhebt (ich vermute stark, dass AuDHD, also Zusammenspiel von Autismus und ADHS). Aber ich vermute, dass meine Ausprägung keine große Rolle spielt bei der Frage, wie ich es dann weitergeben werde? Also: Die Anlage ist da, und keiner kann sagen, wie es sich und wie sehr es sich beim Nachwuchs zeigt?
 
Milk&Apple
Benutzer200985  Öfter im Forum
  • #47
eher als Superpower für meinen Fokus und meine Kreativität und meine Art zu denken
Off-Topic:

Ich hoffe, das Zitat ist so ok, ansonsten nehme ich es gleich wieder raus. Bitte bei mir auch nicht komplett zitieren. Ich lese das öfter, dass es als Bereicherung empfunden wird. Ich wünsche, das könnte ich von mir auch behaupten. Ich finde meine Neurodiversität einfach nur anstrengend und null vorteilhaft.


Und sie verstärkt meinen Anti-Kinderwunsch total. Weil es für mich als neurodiverser Mensch vermutlich noch viel anstrengender ist, Kind(er) zu haben als für neurotypische Menschen.

Und ich zum anderen auch nichts weitervererben will. Nicht, weil ich denke, dass neurodiverse Menschen keine Kinder bekommen sollten, sondern weil ich meinem Kind die schwierigen Jugend-Jahren mit Mobbing und sozialer Ausgrenzung und das ständige Versinken in Strukturlosigkeit und Chaos, dass u.a. auch schon zu Jobverlust und anderen Schwierigkeiten im Berufsleben bei mir geführt hat, gerne ersparen würde.

Bei mir kommen dann halt auch noch die Depressionen und Schwierigkeiten mit meinem Körper hinzu, die vielleicht aber auch Folge der Neurodiversitäten sind. Ein Bekannter von mir durchlebt wegen seiner ADHS immer wieder schwere psychische Krisen.
 
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Spiralnudel
Benutzer83901  (41) Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #49
Also: Die Anlage ist da, und keiner kann sagen, wie es sich und wie sehr es sich beim Nachwuchs zeigt?
Ja.

Ich habe meine HB an meine Töchter weitergegeben, allerdings entweder in unterschiedlicher Ausprägung oder so liegt die Große gleichzeitig im Spektrum – ist noch nicht abschließend geklärt, aber wird vermutet. Anstrengend ist es, ja, aber ich komme damit mittlerweile ganz gut zurecht, habe eben mein Mantra, das ich in schwierigen Situationen still für mich wiederhole.

Wir haben ja auf der Seite meines Mannes sehr viel Dyslexie, angefangen bei meinem Schwiegervater bis hin zu meinen Bonussöhnen. Ich vermute, dass auch mein Sohn betroffen ist, und bin nicht sehr froh darüber. Zwei Hochbegabte und zwei Dyslektiker, keine gute Kombination, wir haben viele Konkurrenzsituationenen und Eifersucht, das killt die Geschwisterliebe ziemlich, trotz aller Bemühungen.

Hätte ich mir alles anders gewünscht, hätte ich die Möglichkeit gehabt. Ich hätte mir wohl vieles anders gewünscht, aber Leben ist das, was passiert… kennt man ja. 🙂

Ich bin dennoch sehr glücklich darüber, meine Kinder zu haben. Auch wenn mich die ständigen Diskussionen mit meiner Sechsjährigen doch ganz schön schaffen. 😅
 
Nevery
Benutzer72433  Planet-Liebe ist Startseite
  • #50
Aber ich glaube, dass du da insgesamt sehr hart mit dir bist. — "nach dir kommen" kann ja auch heißen, dass es deine besten und schönsten Eigenschaften abbekommt.
Naja. Man kann das letztlich zusammenfassen mit "bist Du irgendwie anders, nicht normal, ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, Opfer zu werden, außer, jemand anders sticht noch mehr hervor". Da können die Eigenschaften noch so gut sein, hilft alles nichts, Kinder sind grausam. So jedenfalls meine Erfahrungen und auch die anderer mir bekannter neurodiverser Menschen, wobei manche Erzählungen aus dem Kinderbereich hier ja etwas Hoffnung machen, dass das heutzutage vielleicht - zumindest, soweit das überhaupt möglich ist - verhindert wird.

Dann fände ich es geradezu unmenschlich, mein Kind schon von klein auf ganztätig in solche Einrichtungen stecken zu müssen
Den Gedanken teile ich insofern, wäre mir das widerfahren, es hätte mich zugrunde gerichtet. Die Zeiten, die ich durch Schulpflicht nunmal ertragen musste, waren hart genug. Nicht der Stoff, das lernen, die Arbeiten - nein, nur die anderen Kinder, später Jugendlichen. Wünsch ich wirklich niemandem. Und ja, hier zieht sich das auch durch die Familie, Mum erging es ähnlich, nur dass ihr zusätzlich Ferienaufenthalte ab von daheim angetan wurden, und die Schäden die das hinterlassen hat zeigen sich in jedem Gespräch darüber deutlich.
 
R2-D2
Benutzer215024  (36) Öfter im Forum
  • #51
Verbringe Zeit mit vielen Kindern.

Ich habe für mich erkannt, dass ich mit der bestmögliche Vater wäre, wenn ein Kind gesund, intelligent und kein Arschlosch ist. Solche Kinder sind bisher immer ausnahmslos von mir begeistert gewesen und ich kann sie wiederum für die Welt begeistern. Es macht mich so absurd glücklich, wenn ich ihre Fortschritte und den Stolz darüber in ihren Augen sehe. Dabei bin ich unterstützend, wertschätzend und aufopferungsvoll.
Ich habe aber auch gelernt, wo meine Grenzen liegen. Ich kann nicht garantieren, so ein Kind zu bekommen, also lasse ich es.

"Was wäre wenn?" fragst du dich am Ende vermutlich immer. Wenn du Mutter wirst, wirst du dich fragen, was da draußen vielleicht noch auf dich hätte warten können. Ich denke, die Kunst besteht darin, einen Weg zu wählen, bei dem man sagen kann "Ok, an den gegebenen Infos gemessen, habe ich einen Weg beschritten, für den ich mich nicht völlig schäme."
 
banane0815
Benutzer44981  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #52
Hatte ich bisher so auch sehr selten, das Gefühl, normalerweise teile ich da eher deine Einschätzung. Aber ich denke, es tut insgesamt gut, den Fokus wegzunehmen vom Lähmenden — und mit einer hoffnungsvollen und kämpferischen Perspektive in die Zukunft zu schauen. Die Welt ist viel zu toll (bei allem Leid und aller Ungleichheit und Ausbeutung) um sie denen zu hinterlassen, die sie weiter nur kaputt machen.
Das ist ein sehr schöner Ansatz!
Auch wenn sich das Thema Familiengründung für mich erledigt hat, sollte ich versuchen, mir eine ganz große Scheibe davon abschneiden. Das lässt sich ja auch auf viele andere Lebensbereiche anwenden.

Ich glaube daran, in jeder Lebenssituation etwas Gutes zu finden und dass ich mein Leben immer so gestalten kann und werde, dass ich darin glücklich bin.
Und ich glaube, dass das eine richtig gute Basis ist, um solche Veränderungen und Herausforderungen anzugehen und zu meistern. :jaa: (Natürlich nur, wenn man es wirklich will... Ich will dir da nichts einreden.)

Off-Topic:

Und auch, das ist eine Sache, von der ich mir gerade eine große Scheibe abschneiden sollte, während meine Gedanken um eine Karrierechance kreisen, die mit einem Umzug in eine weit entfernte Stadt verbunden wäre...


So ne Angst hab ich tatsächlich aber auch. Ich finde es so schlimm, wenn Kinder gemobbt werden und wüsste überhaupt nicht, was ich machen würde, wenn das mein Kind betreffen würde. Aber ich glaube, dass du da insgesamt sehr hart mit dir bist. — "nach dir kommen" kann ja auch heißen, dass es deine besten und schönsten Eigenschaften abbekommt. Aber ja — ich würde da vermutlich über jedes Ziel hinausschießen im Versuch, mein Kind vor sowas zu schützen… Und es damit wohl eher schlimmer als besser machen…
Natürlich hätte ich auch viele gute Dinge weiterzugeben...
Trotzdem habe ich den Eindruck, dass es manchen Kindern nicht gut tut, den ganzen Tag in diesen großen, zusammengewürfelten Gruppen von Kita und Schule zu verbringen, was heute aus finanziellen Gründen oft unumgänglich ist.
Da muss es ja noch nicht mal Mobbing geben. Man kann sich ja auch einfach so in diesen großen Gruppen unwohl fühlen, weil man eher ruhebedürftig und introvertiert ist, weil man sich gerne zu Hause in Ruhe seinen großen Lego-Bauprojekten widmet oder Zeit mit nur einem Freund verbringt und weil man vielleicht eher noch die Kapazität fürs abendliche Training im Sportverein in einer angenehmen Gruppe hat, wenn man vorher nur den halben und nicht den ganzen Tag in der möglicherweise unangenehmen Gruppe der Mitschüler verbracht hat.
Da ich in solchen Tendenzen in Richtung lieber kleine, als große Gruppen von Menschen, lieber gemütliche Umgebungen, als laut und wild, usw. eine große Ähnlichkeit zwischen mir und meinen Eltern sehe, könnte ich mir schon vorstellen, dass ich so was auch an meine hypothetischen Kinder weitergeben könnte. Und dann würde es mir einfach weh tun, wenn ich meinem Kind so eine Umgebung, wie Ganztagesschule aus finanziellen Gründen zumuten müsste, obwohl ich sehe, dass ihm das nicht gut tut. - Selbst wenn es nicht zu Mobbing und sonstigen Grausamkeiten kommt.

Oh ja, wirklich spannend! Wann hast du den Wunsch denn aufgegeben und hattest du seitdem das Gefühl, dass das auch emotional passt — oder eher eine rationale Entscheidung (Alter, Lebensentscheidungen…..) war? (Wenn du antworten magst).
Gute Frage. Da muss ich wohl etwas weiter ausholen.
Das war bei mir eine schleichende Entwicklung über viele Jahre und keine Entscheidung "So. Jetzt will ich keine Kinder mehr haben."
Mein Pessimismus in der für mich sehr belastenden und dystopischen Corona-Zeit hatte da sicher auch einen Einfluss. Und so kam eben immer häufiger der Gedanke auf, dass es vielleicht doch besser ist, meinem hypothetischen Kind diese Welt mit ihren schlechten Perspektiven nicht anzutun. Und irgendwann war das dann der dominante Gedanke.

Wie sich das anfühlt, ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil das ja alles auch irgendwie in meine restliche Situation eingebettet ist.
Ohne Kinderwunsch spüre ich nicht mehr den großen Zeitdruck, jetzt endlich eine Partnerin finden zu müssen. (Da hat bei mir vorher zwar nicht direkt die biologische Uhr getickt... aber ich wollte eben nie ein alter Vater sein, der mit deutlich über 40 noch Kinder in die Welt setzt.) Und das empfinde ich trotz nach wie vor vorhandenem Bedürfnis nach Liebe, Nähe und Sexualität doch irgendwie entspannend.
Gleichzeitig bin ich aber auch irgendwie ziemlich planlos und ratlos, weil ich nicht so wirklich weiß, wie ein erfüllendes Leben ohne Kinder aussehen könnte und mir einfach dieses Vertrauen fehlt, das Leben schon irgendwie so gestalten zu können, dass man damit glücklich ist.

Und diese Entwicklung geht auch mit der Entwicklung einher, dass ich ein Stück weit den intensiven und für mich überraschend intuitiven Kontakt mit Kindern verloren habe.
In meinem Ehrenamt gab es verschiedene Entwicklungen, durch die ich im Umgang mit den Kindern verkopfter wurde. Das Ehrenamt habe ich (nicht nur, aber auch aus diesem Grund) nach der Corona-Zwangspause nicht wieder aufgenommen. In der gleichen Zeit ist auch der Kontakt mit meiner besten Freundin eingeschlafen - und damit auch der Kontakt zu ihrer kleinen Tochter, mit der ich vorher viele wunderschöne Dinge erleben durfte. Seitdem habe ich keinen so intensiven und emotionalen Kontakt mehr zu Babys und Kindern.

Jetzt gibt es (nach ca. 25 Jahren) das erste Baby in meiner Familie, das ich in den nächsten Tagen kennenlernen werde. Und ich kann überhaupt nicht einschätzen, was das mit mir macht, ob das noch, bzw. wieder so emotional wird, wie damals mit der Tochter meiner besten Freundin und ob dieser intuitive Umgang noch da ist, oder ob ich ihn irgendwie verloren habe.
Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt.

Die einzige Chance auf eine gewisse Art von Familie, die ich noch für möglich halte, wäre wohl die, dass ich eine Partnerin finde, die Kinder mit in die Beziehung bringt. Eine Zeit lang habe ich auch das kategorisch ausgeschlossen...
Aber aktuell würde ich das vielleicht sogar wieder in Erwägung ziehen, wenn mir denn mal eine wundervolle Frau begegnen sollte, die schon ein Kind aus einer früheren Beziehung hat.

Off-Topic:

und kein Arschlosch ist.
Ich habe gerade auch durch mein Ehrenamt den Eindruck gewonnen, dass es solche Kinder nicht, oder zumindest fast nicht gibt.
Gerade auch die in irgendeiner Hinsicht eher schwierigen und herausfordernden Kinder hatten sehr viel liebenswertes und gutes an sich. Man musste es "nur" erkennen und fördern.
Nur ein mal hatte ich wirklich ein vermeintliches "Arschlochkind" in meiner Gruppe: Es hat grundsätzlich alle Regeln gebrochen (auch die wichtigen, sicherheitsrelevanten Regeln, die in dieser Sportgruppe einfach befolgt werden mussten), war cholerisch, streitsüchtig und gewalttätig. Ich konnte mit diesem Kind meiner Verantwortung für die ganze Gruppe nicht gerecht werden und hätte es aus dem Kurs werfen müssen, wenn es nicht durch eine Erkältung ausgefallen wäre.
Trotzdem konnte ich nach kurzer Zeit erkennen, dass dieses Kind nicht von sich aus böse war, sondern dass es von seinen reichen, aber dauer-gestressten, karrieregeilen Eltern gelernt hat, dass Scheiße bauen der einzige Weg ist, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Als dieses Kind ein mal abseits des Sportkurses die volle, ungeteilte, wohlwollende Aufmerksamkeit einer anderen Person bekommen hat, war es lammfromm. Dieses Kind war kein Arschloch, sondern das Opfer massiver Vernachlässigung, die vom Reichtum der Eltern verdeckt wurde.
 
R2-D2
Benutzer215024  (36) Öfter im Forum
  • #53
Ich habe gerade auch durch mein Ehrenamt den Eindruck gewonnen, dass es solche Kinder nicht, oder zumindest fast nicht gibt.
Naja... spätestens beim Kindergartenkind habe ich keine 100%ige Kontrolle mehr über die Bezugspersonen meines Kindes. Ob es jetzt der eine falsche Kumpel ist, der ihm eine richtig, richtig eklige Art "einpflanzt" oder das Kind innerhalb seines mit dem Alter wachsenden Handlungsspielraum als Individuum regelmäßig die moralisch falschen Entscheidungen trifft, ist für mich am Ende des Tages ehrlich gesagt egal.
Ich hatte so tolle aufopferungsvolle Eltern heulend in der Sprechstunde, weil ihr Kind sich wie eine Sau aufführt und die ansonsten mustergültige Familie sprengt... Ich weiß für mich halt einfach, dass ich das nicht könnte. Ich bin sehr offen, verständnisvoll und wertschätzend auch gegenüber kleinen Dingen, empfinde aber keine bedingungslose Zuneigung. Deshalb riskiere kein Horrorkind. Dem könnte ich nicht geben, was es braucht.
 
G
Benutzer Gast
  • #54
Ich hatte so tolle aufopferungsvolle Eltern heulend in der Sprechstunde, weil ihr Kind sich wie eine Sau aufführt und die ansonsten mustergültige Familie sprengt...
Ich gehe jede Wette, dass dir sämtliche bessere Freunde der Familie ganz genau sagen könnten was bei der "Musterfamilie" das Problem ist. Meiner Beobachtung nach ist das nämlich meistens sehr offensichtlich was das Kind versucht zu erreichen. Kinder sind jetzt nicht gerade sonderlich subtil in ihren Ausführungen - das ist mehr so Holzhammer. Ob die Eltern die Gründe aber sehen wollen oder daran etwas ändern können ist dann wieder ein anderes Thema.

Insofern kann ich dir aber zustimmen: Die Bedürfnisse von Kindern muss man in den Mittelpunkt stellen. Und weil die Dinger nunmal völlig unselbstständig auf die Welt kommen, merkt man das als Eltern ziemlich schnell, dass da eben auch die eigenen Bedürfnisse oder auch Gewohnheiten zurückstecken müssen. Das muss man auch ein Stück weit akzeptieren.

Wenn mir jemand seinen perfekten 5-Jahres Plan mit Kind erklärt und meint sein Wohlergehen hinge davon ab, dass das auch so eintritt, dann bin ich erstmal skeptisch. Denn die Bedürfnisse von Kindern sind vorab nun einmal nicht durchplanbar. Eine gewisse Gelassenheit in Bezug auf das eigene Leben ist vielleicht nicht vorraussetzung dafür, dass man bereit ist für Kinder, denn eigene Kinder verändern nunmal auch die eigene Wahrnehmung darauf was wichtig ist - aber hilfreich ist es mit Sicherheit....
 
V
Benutzer163532  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #55
empfinde aber keine bedingungslose Zuneigung. Deshalb riskiere kein Horrorkind. Dem könnte ich nicht geben, was es braucht.
Hm. Ich empfinde eine solche Zuneigung nur für meine Kinder.
Vor den Kindern hätte ich definitiv auch gesagt: Bedingungslose Zuneigung empfinde ich nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Anna1309
Benutzer166007  Sehr bekannt hier
  • #56
Nur ein mal hatte ich wirklich ein vermeintliches "Arschlochkind" in meiner Gruppe: Es hat grundsätzlich alle Regeln gebrochen (auch die wichtigen, sicherheitsrelevanten Regeln, die in dieser Sportgruppe einfach befolgt werden mussten),
Off-Topic:
Kinder sind ein Spiegel - nicht mehr und nicht weniger.

Und Regeln zu brechen, ist jetzt auch nicht immer verkehrt, wenn sie für das Kind keinen Sinn ergeben - nicht Erziehung sondern Beziehung ist das Leistprinzip.

Also ich finde willensstarke Kinder wirklich super - die mir widersprechen und gewisse Dinge infrage und zur Diskussion stellen.

Die lieben und angepassten Kids sind ja ganz süß, weil pflegeleicht, aber tun mir auch immer total leid.

Sie haben gelernt, wie man sich Systemen anpasst und den darin vorkommenden Erwartungen entspricht. Das wird sie für ihr weiteres Leben leider sehr ungünstig prägen.

Aber Willenstärke, Authentizität und Unabhängigkeit sind alles Schlüsselfaktoren für den späteren Erfolg.

Also wäre ich Lehrerin geworden, dann wären "die schwierigen Kinder" meine absoluten Lieblinge geworden.
 
Daylight
Benutzer15352  Beiträge füllen Bücher
  • #57
Off-Topic:
Nur kurz zum Thema AMH: Der ist für dein Alter total im Rahmen. Ich hatte mit 30 einen AMH von knapp 1 und bin problemlos mehrfach schwanger geworden und selbst letztes Jahr mit AMH 0,17 noch. Also dass der Wert binnen eines Jahres unter die Nachweisgrenze geht, ist unwahrscheinlich. Was hingegen Thema wird, ist die Eizellenqualität, die sinkt ab Mitte 30 einfach rapide. Eizellen einfrieren kann daher ein guter Weg sein, wenn man noch ein paar Jahre warten möchte.
 
M
Benutzer30735  Sehr bekannt hier
  • #59
Ich würde wenn dann Embryonen (oder was die "Vorstufe" davon ist) einfrieren lassen, wenn eh klar ist, dass man mit diesem Partner Kinder möchte, nur halt später. Ist einfach viel erfolgsversprechender als Eizellen einfrieren.
Eizellen einfrieren lassen ist jenseits der 30/35 wirklich nicht wahnsinnig erfolgsversprechend, zumindest nicht wenn man nicht mehrere Zyklen machen möchte, und das geht dann richtig ins Geld, da reden wir von 5 stelligen Beträgen.
Lt Metaanalysen greifen auch nur rund 10 % der Frauen, die ihre Eizellen einfrieren ließen, auf diese zurück - die Gründe weiß man nicht genau, aber vermutet wird, dass davor einfach eine "spontane" Schwangerschaft eintritt oder doch weiterhin kein Partner vorhanden ist, etc.
In TS Situation sehe ich wirklich nur Gründe dagegen... v.a. wenn es sich ja wirklich nur mehr um einige Monate handelt und eine stabile Partnerschaft da ist.
 
Rory
Benutzer65998  Beiträge füllen Bücher
  • #60
Wie meinst du das?
Ein Kind eine Weile zu babysitten oder um sich zu haben, das nicht das eigene ist, ist gefühls- und situationsmäßig etwas ganz anderes als beim eigenen Kind. Es kommt dem nicht einmal ansatzweise nah, weil die Bedingungen ja ganz andere sind. Damit will ich aber gar nicht sagen, dass das nicht als etwas schönes oder besonders wahrgenommen werden kann, im Gegenteil.
 
Z
Benutzer96053  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #61
wortevollerliebe
Benutzer171344  Meistens hier zu finden
  • #62
Ich bin verwirrt, ich habe ja frühzeitiger als sonst meine Periode bekommen und heute habe ich geheult, weil ich dachte: "Warum ist das kein Kind? Schade, dass es kein Kind ist." und das finde ich gruselig, weil ich noch nie so einen Gedanken gehegt habe und bei einer Periode eigentlich primär nur der Schmerz und das Unwohlsein im Zentrum standen. Stattdessen stand ich heulend im Flur und habe über ein Kind nachgedacht und wie es mich anlacht....vielleicht ist das jetzt so gekommen, weil ich bereits öfter das Kind meiner besten Freundin gesehen habe?
Ich musste an Spiralnudel Spiralnudel Geschichte denken, die sie mal hier weiter vorne geschrieben hat und frage mich nun: Ist das schon bereits dieses Wissen, dass man Kinder möchte, das einen irgendwann magisch einholt? Oder sind das einfach meine Hormone, die übersprudeln? Was ist das und wie gehe ich damit um? Fängt jetzt doch meine biologische Uhr an zu ticken, lauter und vehementer, als ich dachte? Ich habe Angst vor mir selbst und fühle mich, als würde ich mich selbst verarschen, war ich doch diejenige, die im Freundeskreis getönt hat: "Was möchte ich mit Kindern?"
 
banane0815
Benutzer44981  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #63
Jetzt gibt es (nach ca. 25 Jahren) das erste Baby in meiner Familie, das ich in den nächsten Tagen kennenlernen werde. Und ich kann überhaupt nicht einschätzen, was das mit mir macht, ob das noch, bzw. wieder so emotional wird, wie damals mit der Tochter meiner besten Freundin und ob dieser intuitive Umgang noch da ist, oder ob ich ihn irgendwie verloren habe.
Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt.
Inzwischen weiß ich mehr. Ich habe das Baby zwei mal gesehen.
Beim ersten mal hatte das Baby überhaupt keinen guten Tag. Da fand ich es eher anstrengend, als süß.
Beim zweiten mal war das Baby deutlich entspannter und lag auch ziemlich lange friedlich in meinen Armen und hat mich angelächelt. Das war schon ein schönes Gefühl, aber nicht vergleichbar mit dem Gefühl vor gut 10 Jahren, als ich das Kind meiner besten Freundin zum ersten mal in meinen Armen hatte. Es gab nicht dieses habenwill-Gefühl von damals und ich war durchaus froh, das Baby nach einer Weile wieder abgeben zu können.

Das zeigt mir, dass mein Kinderwunsch wirklich weg ist und nicht nur durch weniger Kontakt mit Kindern in den Hintergrund gerückt ist.
 
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