Mobbing Wie das Leben so spielt oder die Gedanken eines Anfang Dreißigjährigen

Benutzer159361 

Ist noch neu hier
Hallo zusammen,

möchte einfach mal loswerden, was mich seit einiger Zeit beschäftigt und wie das Leben so spielt.

Ich bin mittlerweile Anfang Dreißig und an einem Punkt im Leben, an dem ich mich frage welche Wendungen es noch bereit hält. Zum einen lebe ich das Leben, auf das ich lange hingearbeitet habe und das mir teilweise auch die erhoffte Erfüllung bringt. Zum anderen hat sich vieles anders, teilweise sehr unbefriedigend entwickelt.

Beruflich bin ich meines Erachtens sehr erfolgreich. Um das besser zu verdeutlichen möchte ich etwas weiter ausholen. In meiner Jugend war ich nicht besonders fleißig und habe so gut wie nichts für die Schule gemacht. Parties, Mädels, die (falschen) Freunde und Sport waren wichtiger und es hat nicht viel gefehlt, dann hätte ich die Schule ohne Abschluss beendet. Meine Jugend war extrem und ich schätze mich glücklich, dass ich keine bleibenden Schäden davon getragen hab. Glücklicherweise gab es ein paar wenige Lehrer, die an mich glaubten und mir den Realschulabschluss ermöglichten. Nach einer Ausbildung habe ich erstmal ein paar Jahre in dem Beruf weitergearbeitet und ein gutes, sicheres Leben gelebt. Ambitionen hatte ich zu der Zeit auch kaum. Ich war zwar nicht mehr so ausgeflippt, aber nach der Arbeit waren Freunde und Feiern noch relativ wichtig.

Irgendwann merkte ich aber, dass ich nicht ewig in diesem Beruf arbeiten möchte und überlegte was ich noch kann bzw. worin ich gut bin. Habe dann glücklicherweise gekündigt auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachgeholt und studiert. Ich habe über viele Jahre auf vieles verzichtet und mir den A**** aufgerissen. Heute übe ich einen anspruchsvollen und verantwortungsvollen Beruf in einem großen Unternehmen aus. Ich bin nach wie vor motiviert und möchte gerne noch mehr erreichen.

So gut sich die berufliche Situation entwickelt hat, so gegenteilig ist die Entwicklung im Privaten. Während meiner Jugend war ich, sagen wir mal, sehr wechselhaft was meine Beziehungen anging. Ich war kein Kind von Traurigkeit. Mit Eintritt in die Arbeitswelt (Ausbildung) wurde ich solider. Meine Beziehungen wurden länger und intensiver, wobei ich bis Anfang Zwanzig nicht diesen Wow-Effekt kannte. Erst meine letzte Partnerin hat mir dieses Gefühl gegeben. Sie ist die bisher einzige Person, die mich buchstäblich umgehauen hat. Leider führte meine berufliche Entwicklung (Stichwort Abitur, Studium, etc.) dazu, dass die Beziehung auf harte Proben gestellt wurde. Die ersten Jahre führten wir eine "normale" Beziehung mit gemeinsamen Haushalt zweier Doppelverdiener. Als ich meinen Job kündigte und Vollzeit die Schule besuchte, arbeite ich viel nebenbei. Anschließend bin ich innerhalb Deutschlands weggezogen zum studieren und da wurde eine Fernbeziehung daraus. Hier sei noch gesagt, dass sie mich dabei absolut unterstützt hat. Wir sahen uns zwar noch regelmäßig, aber eben nicht jeden Tag oder jede Woche. Zusätzlich führte mein Studium mich mehrere Male für längere Zeit ins Ausland. Das waren wahsinnig schöne Erfahrungen, aber aus einer Fernbeziehung wurde sozusagen eine ultra long distance Beziehung. Als das Ende des Studiums und eine Rückkehr ins "normale" Leben absehbar war, kam das Ende. Wie es so ist, haben wir uns beide eben von einander unabhängig weiterentwickelt und bei einigen schweren Problemen konnte ich Ihr nicht wie gewünscht beistehen.

Während dieser Phase gab es jemand anderen, der ihr beistehen konnte. Mittlerweile ist das auch schon ein paar Jahre her und die Trennung habe ich soweit verarbeitet. Es war sicher nicht so geplant, auch nicht von Ihr. Kontakt gibt es, trotz einer sehr langen Beziehung mit vielen Höhen und Tiefen, keinen mehr. Ich habe mittlerweile auch schon wieder andere Frauen kennengelernt, aber keine, die mich so fasziniert hat.

Nach dem Studium konnte ich glücklicherweise meinen jetztigen Beruf ausüben. Als das Angebot kam, freute ich mich sehr, ermöglichte es mir doch in meine Heimatstadt zurückzukehren. Als schöner Nebeneffekt sozusagen. Als ich meine Stadt sechs Jahre vorher verließ, war meine Partnerschaft glücklich und stabil, ich hatte ein soziales Umfeld (welches ich leider während meiner Abwesenheit nicht sonderlich pflegen konnte). Nach meiner Rückkehr war es aber irgendwie anders. Ich merkte, dass ich gar nicht an meiner Heimatstadt hing, sondern eher der Vorstellung, die meine Ex-Partnerin und ich über eine gemeinsame Zukunft hatten. Die Stadt, in der ich wohne, ist toll, aber ich hänge nicht an ihr.

Auch mein alter Freundeskreis hat sich sehr unterschiedlich entwickelt und es herrscht nicht mehr der Zusammenhalt und Kontakt, wie damals mit Anfang/Mitte Zwanzig. Neue Leute habe ich in den letzten eineinhalb Jahren kaum kennengelernt. Erst dachte ich, dass es einfach ein bisschen dauert bis die alten Freundschaften wieder so werden wie früher, aber dafür haben sich die Leben teilweise zu unterschiedlich entwickelt. Nun ja, hab aber auch sehr viel gearbeitet in den letzten 1,5 Jahren.

Um mir wieder ein soziales Umfeld aufzubauen, habe ich mich vor kurzem in einem Sportverein angemeldet. Ich merke, dass ich den Sport lange vernachlässigt habe, aber dass es wahsinnig viel Spaß macht sich im Team körperlich zu verausgaben. Ich brauche es auch als Ausgleich zum Beruf, der sehr stressig ist.

Naja und jetzt bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mich frage "wohin ich gehen soll". Ich finde meinen Beruf toll, aber er erfordert sehr viel. Ich habe kaum freie Zeit und sehr viel Stress. Ich akzeptiere es, da ich solo bin. Mit einem stärkeren sozialen Leben, würde ich gerne ein kleines bisschen weniger Zeit in den Beruf und die Firma investieren. Gerne möchte ich auch nochmal was neues ausprobieren, vielleicht auch im Ausland.

Ich habe das Gefühl ich bin noch nicht angekommen. Manchmal denke ich, dass ich bisher zu extrem gelebt habe. Es gab keine halben Sachen, meist bin ich bis ans Limit gegangen. Ich möchte nicht lamentieren, dafür geht es mir viel zu gut und ich weiß, dass viele Menschen echte Entbehrungen erleiden müssen. Trotzdem fehlt irgendwas.

Wollte das jetzt einfach mal loswerden. Vielen Dank für's durchlesen. Viele Grüße und einen schönen Abend
 
1 Woche(n) später
L

Benutzer

Gast
Sicher ist das echt fies von mir, aber ganz ehrlich, mein erster Gedanke war: das ist aber jammern auf hohem Niveau. Das weißt Du aber selbst, schreibst es ja irgendwie auch. Das mag ich auch gern, genauso wie es mir gefällt, dass Du erkennst, dass Du in mancher Deiner Lebensstationen mehr Glück als Verstand hattest. Schön, dass es Dir da nicht an Dankbarkeit mangelt. Vieles was Du beschreibst sind Stationen/Situationen im Leben, die man "durchmachen muss".
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Benutzer161776  (33)

Ist noch neu hier
Ich glaube die Hauptsorge ist nicht das Erlebte oder seine derzeitige (berufliche) Situation samt Lebensstandard, sondern die Unzufriedenheit "nicht angekommen zu sein".

Dein Text hätte auch fast von mir sein können und ich verstehe genau was Du meinst.
Gut zu wissen, dass man mit seinen Problemen nicht allein auf dieser Welt ist.
Mein "nicht angekommen" hat teilweise schon leicht depressive Auswirkungen.

Leider habe ich bisher auch keinen Lösungsansatz.
Gefühlt ist es allerdings reichlich spät eine grundlegende Veränderung anzugehen.
Ich versuche im Alltag mein Leben mit außergewöhnlichen Dingen/Erlebnissen zu pushen und auch heute noch "Extreme" zu leben.

Schönes We zusammen :smile:
 
L

Benutzer

Gast
Ich glaube die Hauptsorge ist nicht das Erlebte oder seine derzeitige (berufliche) Situation samt Lebensstandard, sondern die Unzufriedenheit "nicht angekommen zu sein".

Dein Text hätte auch fast von mir sein können und ich verstehe genau was Du meinst.
Gut zu wissen, dass man mit seinen Problemen nicht allein auf dieser Welt ist.
Mein "nicht angekommen" hat teilweise schon leicht depressive Auswirkungen.

Leider habe ich bisher auch keinen Lösungsansatz.
Gefühlt ist es allerdings reichlich spät eine grundlegende Veränderung anzugehen.
Ich versuche im Alltag mein Leben mit außergewöhnlichen Dingen/Erlebnissen zu pushen und auch heute noch "Extreme" zu leben.

Schönes We zusammen :smile:

Klar, so hatte ich den TS durchaus verstanden, ich hatte mich auch nicht darauf bezogen! Fürs ankommen muss man eben auch (nochmals) loslaufen, insbesondere weil einem manchmal erst unterwegs klar wird, wohin man gehen möchte!
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren