Wenn meine Eltern alt sind ....

G
Benutzer Gast
  • #1
Hallo zusammen

Ich muss mir jetzt einfach mal meine Sorgen von der Seele schreiben, und vielleicht hat/kennt jemand eine ähnliche Situation und kann mir ein bisschen gut zureden.

In letzter Zeit kommt bei den Eltern von meinem Freund, aber auch bei meinen Eltern immer wieder das Thema Alter auf. Was ist, wenn man krank wird oder pflegebedürftig wird usw. Das hat vielleicht damit zu tun, dass alle so um die 60 sind und so langsam die ersten kleinen altersbedingten Wehwehchen auftreten.

Es wird mir jetzt immer mehr bewusst, dass ich in solchen Fällen einfach nicht da bin. Ich bin Einzelkind. Wenn akut etwas passiert, dann kann ich nicht mal eben schnell hinfahren. Wenn sie doch irgendwann mal Hilfe im Alltag brauchen oder sogar pflegebedürftig werden, dann bin ich nicht da. Ich kann das nicht übernehmen. Ganz egal, ob es darum geht, mal schnell einkaufen zu gehen oder generell jemanden zu pflegen. Gar nichts. Das einzige, was ich machen kann, ist etwas organisieren, Anrufe etc. Alles, was man machen kann, ohne vor Ort sein zu müssen.

Ich wusste das natürlich schon, die ganze Zeit aber habe es verdrängt. Das Thema kam bisher auch nie so intensiv auf wie jetzt. Ich wünsche meinen Eltern natürlich, dass sie lange gesund leben, aber man weiß ja nie, was passiert.

Ich fühle mich aktuell wie die schlechteste und schlimmste Tochter, die es gibt. Meine Eltern haben immer alles für mich getan, mir alles ermöglicht und immer alles getan, damit ich glücklich bin und es mir gut geht. Und wenn es dann darauf ankommt und sie mich bräuchten, dann bin ich nicht da. Wenn, dann würde ich letztendlich die Eltern von meinem Freund unterstützen und alles machen, was ich eigentlich für meine Eltern tun sollte.
 
Nik Traverse
Benutzer197010  (47) Meistens hier zu finden
  • #2
Das verstehe ich. Meine Eltern sind über 80, wohnen mehr als 700km entfernt und meine Mutter ist an vaskulärer Demenz erkrankt (und aktuell wegen Hüftbruchs zusätzlich pflegebedürftig), mein Vater seit langen schwer depressiv.
Als es sehr schwierig war, hab ich mich ein paarmal in ihrer Nähe beworben, hat aber nicht geklappt.
Ich sehe es allerdings nicht als meine Pflicht an, sie zu pflegen, und sie auch nicht. Das können Fachkräfte besser (momentan auch noch sie selbst unterstützt von einer solchen zuhause). Aber sie öfter sehen würde ich gerne, auch mein Sohn würde sie aufheitern.
Meine Mutter war ihr Leben lang für andere da, besonders für Flüchtlinge (mein Vater auch immer wieder), von denen kommen auch welche vorbei und helfen.
Also kein Rat an Dich, außer dass ein schlechtes Gewissen niemandem hilft, sondern eher zu schauen, was geht. Meine Schwester zoomt z.B. häufig mit unseren Eltern, wenn sie unterwegs ist.
Und Deine Eltern sind erst ca. 60. In dem Alter hatten meine Krebs und Suidziversuch bereits hinter sich. Es folgten ca. von Mitte 60 bis Mitte 70 zehn sehr erfüllte Jahre.

Ich hab vor einiger Zeit dieses Buch gelesen, das fand ich gar nicht schlecht, Papa stirbt, Mama auch
 
J
Benutzer186595  (47) Verbringt hier viel Zeit
  • #3
Wenn deine Eltern jetzt um die 60 sind, sollten sie bei durchschnittlicher Gesundheit noch mindestens gute zehn Jahre Zeit haben, bevor sie pflegebedürftig werden. Ich bin ja immer dafür, Probleme zu lösen, wenn sie sich stellen.
 
Katzenauge123
Benutzer202690  (41) Verbringt hier viel Zeit
  • #4
Ich glaube nicht, dass von dir erwartet wird, dass du deine Eltern pflegst.
Und jemand zu haben, der zumindest für alles Notwendige sorgt, Dinge organisiert, ist echt auch schon viel wert.
In meiner Familie habe ich es so erlebt, dass pflegebedürftige Verwandte in ein Pflegeheim in der Nähe der Bekannten und Verwandten kommt, sodass man dann da wenigstens ab und zu vorbeischauen kann und nicht alles aus weiter Ferne machen muss.
 
Katerstrophe
Benutzer217004  (30) Öfter im Forum
  • #5
Kann ich sehr gut verstehen, meine Eltern sind beide ein bisschen über 60, Papa fit wie ein Turnschuh, Mama, naja ein paar Weh-Wehchen.

Auch wenn das nicht schön ist, also, solche Gespräche - ich weiß, was meine Eltern sich vorstellen, es wurde hier viel vorgesorgt. Sie möchten uns Kindern nicht zur last fallen, erwarten nicht, dass wir sie pflegen etc.

Bei meiner besten Freundin in der Familie, bei ihrem Opa, er war gott sei danke sehr lange Fit. Heute ist er 95 Jahre alt und selbst pflegebedürftig. Er ist geistig 100% fit und möchte selbst nicht in ein Pflegeheim - immerhin kommt zwei mal am Tag ausgebildetes Pflegepersonal und schaut nach dem Rechten und hilft ihm im Alltag, rest übernimmt die Familie, für ihn kochen, aufräumen, für ihn da sein und mit ihm reden usw. Das klingt zwar voll nett und entspannt, ist es aber nicht. Ohne dieses Pflegepersonal, meine Freundin sagt, sie hat jedesmal angst, wenn sie an der Tür klingelt und er nicht aufmacht, weil er halt länger zur Türe braucht etc - diese Sekunden bis zum öffnen der Türe sind schlimm. Jedes mal. Jeden Tag. Weil sie wissen, realistisch betrachtet.. es kann jeder Tag der letzte Tag sein.

Er hat auch alles was er braucht zuhause, ein Armband, mit dem er sich Hilfe holen kann, falls er stürzt, einen Schlüsselsafe, damit Rettung, Personal und auch die Familie jederzeit rein kann - er nutzt sein Armband aber nicht und ruft seine Tochter an wenn etwas ist.

Ich könnte das nicht und ich bin froh darüber, dass meine Eltern im Falle des Falles in eine Pflegeeinrichtung möchten. Es ist ein Plan da, es sind ihre Wünsche und sie haben das entschieden, zu Zeiten wo es ihnen gut ging. Ich muss nicht irgendwann, wenn sie alt, krank und schwach sind irgendwelche Entscheidungen treffen und dann damit leben, dass sie das vielleicht gar nicht wollten. Das finde ich wichtig.

Mein Rat: redet darüber.
 
C
Benutzer216724  (43) Öfter im Forum
  • #6
Ich finde es super,das Deine Eltern und Deine Eltern in Spe das jetzt schon ansprechen.

Denn leider kann manches schneller kommen,als man denkt.

So kann man über vieles noch beratschlagen, vielleicht sich hier und da in Ruhe und nur Grob Infos holen/raussuchen,Wünsche äußern,sich grob Gedanken machen, was wäre wenn.

Oft sind die Themen Pflegebedürftigkeit und Tod,bei vielen Tabuthemen. Aber das kommt auf alle/viele nun mal zu. Deshalb sollte da frühzeitig drüber gesprochen werden!

Ein riesen schlechtes Gewissen,rede Dir das bitte nicht ein!
Sei für Deine Eltern da,so wie Dein Leben das gut zulässt.
🙃
 
Armorika
Benutzer172677  Planet-Liebe Berühmtheit
  • #7
Ich kann das gut verstehen, meine Situation ist dahingehend ähnlich.
Was mir hilft, ist die Perspektive als Mutter- ich würde nie wollen, dass mein Kind sich einschränkt, nicht sein Leben lebt oder sich Vorwürfe dafür macht.

Und ich denke, dass es den allermeisten liebenden Eltern unserer Gesellschaft so geht, dass sie möchten, dass ihre Kinder sich frei entfalten.
 
dxdy
Benutzer209496  (49) Öfter im Forum
  • #8
Trotzdem ist es immer ein blödes Gefühl, wenn man seine Eltern besucht hat und wieder wegfährt. Bei der Verabschiedung ist allen klar, dass es der letzte Besuch gewesen sein könnte. Das war jedes mal beklemmend auf dem Rückweg.
 
Spiralnudel
Benutzer83901  (41) Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #9
Ist hier auch so. Wir hatten deshalb auch leider einen Konflikt. Früher haben meine Eltern immer gesagt, sie ziehen zu mir, wenn sie alt werden, jetzt hat meine Mutter mir eröffnet, dass sie das nicht will und dass sie Angst vor dem Altwerden hat und davor, allein in einem Heim zu sitzen.

Ich verstehe sie, kann aber daran nichts ändern. Ich lebe nicht in Deutschland und werde auch nicht nach Deutschland zurückkehren. Meine Kinder wachsen hier auf und sie sind noch so klein, dass sie mich eben brauchen. Außerdem arbeite ich, mein ganzes Leben findet hier statt. Ich könnte meine Eltern nicht pflegen, und das habe ich ihnen auch so gesagt.

Es ist, mal ganz platt ausgedrückt, nicht mein Problem, dass ich Einzelkind bin und meine Eltern an ihrem Wohnort bleiben wollen. Dann müssen sie mit den Konsequenzen leben, es ist ja nicht so, dass wir ihnen keine Alternativen angeboten hätten. 🙂
 
A
Benutzer191142  Öfter im Forum
  • #10
Diese Frage beschäftigt mich auch. Auf gewisse Weise fühle ich mich verpflichtet, meine Eltern zu pflegen ohne, dass sie es konkret erwähnt haben. Noch kommen sie gut alleine zurecht.
Aber es wird langsam Zeit, solche Angelegenheiten zu regeln.

Ich sehe es aber auch ähnlich wie Spiralnudel Spiralnudel
Ich habe eine eigene Familie und ein eigenes Leben, 400km von meinen Eltern entfernt.
Meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass ich nicht in der Lage bin Menschen angemessen zu pflegen. Dazu fehlt mir das Einfühlungsvermögen und die Geduld.
Dafür kann ich in anderen Dingen besser unterstützen.

Ich denke, dass es eine wichtige Erkenntnis ist, zu wissen wie man zu diesem Thema steht und umgehen mag.
 
Faraka
Benutzer146476  (47) Meistens hier zu finden
  • #11
Ich bin leider gerade in der Situation, wohne aber rund 600 Km von meiner Mutter entfernt. Meist fängt alles mit einem Sturz an, der einen aus dem normalen Leben reißt, gefolgt von Intensivstation, Krankenhaus, Pflegeheim, Operation, Krankenhaus, vielleicht Reha, etc.

Ich bin nicht vor Ort, pflegen ist auch nicht meine Welt. Aber ich regele alles im Hintergrund. Was ich nach einigen Erfahrungen sagen kann: Die Bürokratie ist unfassbar viel und aufwändig. Da kannste fast einen Vollzeitjob draus machen um alles zu beantragen und mit Krankenkasse, Pflegekasse, Krankenhaus, Sozialdienst, Pflegeheim, Physiotherapeuten, Hausärzten, Transportdiensten, staatlichen Stellen, etc. zu kommunizieren.

Das Gesundheitssystem ist am zusammenbrechen, alle sind unterbesetzt, es existieren Sprachbarrieren, Ärzte haben keine Zeit und, was ich am schlimmsten finde, denken nicht mehr mit - eben, weil sie keine Zeit haben. Auch sind Zuständigkeiten oft unklar.

Meine Tipps, die alle nicht weh tun, solange es allen gut geht und man ein gutes Verhältnis zueinander hat:
  • Frühzeitig eine Generalvollmacht und/oder Vorsorgevollmacht von den Eltern geben lassen, dass Du sie in allen Belangen vertreten darfst. Wenn was passiert und Du dringend irgendwas regeln muss, wird meist als erstes gefragt, ob Du bevollmächtigt bist. Stichwort "besser haben, als brauchen". Ohne eine solche Vollmacht geht meist gar nichts.
  • Bankverbindungen und grobe Finanzsituation der Eltern kennen.
  • Vermieter kennen, ggf. über Verbindlichkeiten und weitere Ansprechpartner informiert sein (z.B. Rente).
  • Kopien von Krankenkassenkarten, Personalausweisen und Rentenbescheide der Eltern parat haben (das schadet eh nie).
  • Kontaktdaten der Nachbarn der Eltern haben, bestenfalls haben die auch einen Schlüssel zur Wohnung der Eltern. Nichts ist schlimmer, als wenn Du Deine allein lebende Mutter plötzlich 2 Tage lang nicht mehr telefonisch erreichst...
 
Zuletzt bearbeitet:
E
Benutzer216998  (59) Sorgt für Gesprächsstoff
  • #12
Ganz schwierige Sache... das Wichtigste ist m.E.: Man kann sich nicht andere zum Vorbild nehmken, weil alle Situationen sich voneinander unterscheiden. Meine Eltern gehen auf die 90 zu, sind derzeit fit, Gott sei's gelobt! Ich wohne gerade wenige km weg, aber auch ich weiß nicht, was ich alles im Extremfall leisten könnte. Ansonsten sehe ich es natürlich auch: Sie haben immer alles für mich getan, und ich werde mich natürlich bemühen, auch ihnen alles zu geben, was gebraucht wird.
 
Spiralnudel
Benutzer83901  (41) Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #13
Meine Tipps, die alle nicht weh tun, solange es allen gut geht und man ein gutes Verhältnis zueinander hat:
Meine Mutter hat eine Mappe mit allen wichtigen Dokumenten und Kopien samt Vorsorgevollmachten usw. angelegt und mir gesagt, wo im Haus die Mappe zu finden ist. Das finde ich enorm (!) hilfreich. Aber das war eine Konsequenz der Turbulenzen nach dem Tod meiner Oma, weil nämlich meine Mutter da das ganze Haus auf den Kopf stellen und noch notarielle Dinge erledigen musste. Das wollte sie mir ersparen.

Sie haben immer alles für mich getan, und ich werde mich natürlich bemühen, auch ihnen alles zu geben, was gebraucht wird.
Nur als kleiner Gedanke dazu: Sie haben dich bewusst (!) in die Welt gesetzt, selbstverständlich sind sie dazu verpflichtet gewesen, alles für dich zu tun. Umgekehrt geht die Gleichung aber nicht auf, weil du nicht darum gebeten hast, geboren zu werden.

Ich sage das nur, weil so viele Menschen sich schlecht fühlen, wenn sie sich aufgrund der eigenen Lebenssituation nicht um die alte(rnde)n Eltern kümmern können.

Ich persönlich gebe ja die Hoffnung nicht auf, dass ich meine Eltern doch noch zum Umzug bewegen kann. Wir versuchen es jetzt mit wirtschaftlichen Argumenten, weil die Altenpflege hier verstaatlicht ist und nicht viel kostet. 🙂

Sollten meine Eltern aber auf ihrem Standpunkt bleiben, müssen sie ohne meine Hilfe zurechtkommen. Ich kann wahrlich nicht regelmäßig 3.000 Kilometer pendeln, mit Vollzeitjob und fünf Kindern. Schlicht unmöglich. Und nein, ich habe da kein schlechtes Gewissen. Meine Eltern haben eine Wahl, weil sie (noch) unabhängig sind. Ich habe diese Wahl nicht, weil zu viele Menschen von mir abhängig sind.

Und genau damit muss man einfach rechnen, wenn man alt wird. Für mich selbst weiß ich: Entweder folge ich meinen Kindern später oder ich setze eben auf externe Betreuung und den Kontakt aus der Ferne. Aber ich bürde meinen Kindern definitiv nicht auf, sich um mich kümmern zu müssen. Das ist, mit Verlaub, nicht ihre Aufgabe. 🙂

Und wer sagt, dass sich alte Bäume nicht mehr umpflanzen lassen, möge bitte daran denken, dass wir keine Bäume sind. 😉 Ich habe den Spruch so oft von meiner Oma gehört und nun fängt meine Mutter auch so an, und gleichzeitig haben wir uns im Sommer von einem lieben Nachbarn in den Siebzigern verabschiedet, der nach über 40 Jahren nun mit seiner Lebensgefährtin zurück in ihre Heimat gezogen ist, weil sie gerne näher bei ihren Enkelkindern wohnen wollte. Alles ist möglich. Man muss es aber wollen.
 
G
Benutzer62640  Verbringt hier viel Zeit
  • #14
Ich habe z.B.die Vollmachten/Patientenverfügung und wichtigste Adressen (Ärzte) digitalisiert, damit ich sie jederzeit abrufen oder in das Krankenhaus weiterleiten kann.

Für den Notfall kann ich so aus der Ferne schon einiges Regeln oder Entscheidungen treffen.
 
LULU1234
Benutzer107106  Planet-Liebe ist Startseite
Redakteur
  • #15
Mein Vater war in den letzten Jahren sehr schwer krank. Er war ein Jahr lang fast nur im Krankenhaus und war währenddessen ein alter, fast blinder Mann, der auf Hilfe angewiesen war. Ich wohne in der selben Stadt und ich habe versucht jeden zweiten Tag bei ihm zu sein (oder habe meinen Mann geschickt), auch um meine Mutter zu entlasten.
Meine Grenze war immer die tatsächliche Pflege. Ich habe meinen Vater zwar mehrfach ins Auto gehieft und ins Krankenhaus gefahren, aber ich habe ihn nicht geduscht oder gewaschen und ich habe auch nicht vor das zu machen.
Ich habe dabei gemerkt, dass man auch anders für seine Eltern da sein kann. Ich habe in der Zeit viele Unterlagen für sie bearbeitet, Anrufe bei Fachkliniken und Ärzten übernommen, mit meiner Mutter Handwerker für einen Umbau organisiert, etc PP. Vieles davon kann man auch aus der Ferne. Genauso kann man sie moralisch unterstützen, in dem man jeden Tag telefoniert. Außerdem habe ich angefangen, wenn ich im Urlaub war, Freunde meiner Eltern zu koordinieren, dass diese Besuche und Anrufe in der Zeit übernehmen. Auch das, zusammen mit einem Pflegedienst und Nachbarschaftshilfe, kann man gut aus der Ferne koordinieren. Nicht persönlich anwesend zu sein, heißt nicht, dass man jemandem im Stich lässt.
Und ja, ich finde, dass man in einer funktionierenden, Liebenden Familien für einander schon Verantwortung für einander übernehmen sollte.
 
Manche Beiträge sind ausgeblendet. Bitte logge Dich ein, um alle Beiträge in diesem Thema anzuzeigen.
Spiralnudel
Benutzer83901  (41) Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #16
Und ja, ich finde, dass man in einer funktionierenden, Liebenden Familien für einander schon Verantwortung für einander übernehmen sollte.
Das schon, aber die erwachsenen Kinder dazu zu zwingen, vor Ort alles zu stemmen (meine Oma…), finde ich, geht zu weit.

Wie du selbst schreibst: Unterstützen kann man auch aus der Ferne. Und wenn meine Eltern in ihrem Ort bleiben, wird sich meine Unterstützung auch darauf beschränken.

Mir wäre es tatsächlich lieber, auch persönlich besser verfügbar zu sein, aber das ist so nicht möglich.
 
G
Benutzer Gast
  • Themenstarter
  • #17
Kann ich sehr gut verstehen, meine Eltern sind beide ein bisschen über 60, Papa fit wie ein Turnschuh, Mama, naja ein paar Weh-Wehchen.

Auch wenn das nicht schön ist, also, solche Gespräche - ich weiß, was meine Eltern sich vorstellen, es wurde hier viel vorgesorgt. Sie möchten uns Kindern nicht zur last fallen, erwarten nicht, dass wir sie pflegen etc.

Bei meiner besten Freundin in der Familie, bei ihrem Opa, er war gott sei danke sehr lange Fit. Heute ist er 95 Jahre alt und selbst pflegebedürftig. Er ist geistig 100% fit und möchte selbst nicht in ein Pflegeheim - immerhin kommt zwei mal am Tag ausgebildetes Pflegepersonal und schaut nach dem Rechten und hilft ihm im Alltag, rest übernimmt die Familie, für ihn kochen, aufräumen, für ihn da sein und mit ihm reden usw. Das klingt zwar voll nett und entspannt, ist es aber nicht. Ohne dieses Pflegepersonal, meine Freundin sagt, sie hat jedesmal angst, wenn sie an der Tür klingelt und er nicht aufmacht, weil er halt länger zur Türe braucht etc - diese Sekunden bis zum öffnen der Türe sind schlimm. Jedes mal. Jeden Tag. Weil sie wissen, realistisch betrachtet.. es kann jeder Tag der letzte Tag sein.

Er hat auch alles was er braucht zuhause, ein Armband, mit dem er sich Hilfe holen kann, falls er stürzt, einen Schlüsselsafe, damit Rettung, Personal und auch die Familie jederzeit rein kann - er nutzt sein Armband aber nicht und ruft seine Tochter an wenn etwas ist.

Ich könnte das nicht und ich bin froh darüber, dass meine Eltern im Falle des Falles in eine Pflegeeinrichtung möchten. Es ist ein Plan da, es sind ihre Wünsche und sie haben das entschieden, zu Zeiten wo es ihnen gut ging. Ich muss nicht irgendwann, wenn sie alt, krank und schwach sind irgendwelche Entscheidungen treffen und dann damit leben, dass sie das vielleicht gar nicht wollten. Das finde ich wichtig.

Mein Rat: redet darüber.

Wir haben auch schon relativ viel darüber gesprochen. Meine Eltern verlangen oder erwarten nicht von mir, dass ich sie pflege und mich um alles kümmere. Ich fühle mich dennoch irgendwie dazu verpflichtet. Wir haben und hatten immer ein gutes Verhältnis. Es ist für mich total selbstverständlich, dass ich mich aus dem Thema nicht komplett herausziehe. Es ist für mich dennoch schon ewig klar, dass ich meine Eltern, egal unter welchen Umständen, nicht pflegen würde, im Sinne von waschen, anziehen etc. Das kann ich nicht und das wisse sie auch schon ewig.

Meine Eltern wollen auf keinen Fall in ein Pflegeheim, weil sie generell das System ganz schrecklich finden. Sie sind nicht arm, aber auch nicht so unglaublich reich, dass sie sich die schönste und beste Senioren-Residenz aussuchen könnten. Das bedeutet aber auch, dass sie sich nicht privat unendlich viel Pflegepersonal nach Hause kommen lassen könnten. Wie die Lösung im Fall der Fälle dann aussehen könnte, wissen sie nicht und ich auch nicht.

Ist hier auch so. Wir hatten deshalb auch leider einen Konflikt. Früher haben meine Eltern immer gesagt, sie ziehen zu mir, wenn sie alt werden, jetzt hat meine Mutter mir eröffnet, dass sie das nicht will und dass sie Angst vor dem Altwerden hat und davor, allein in einem Heim zu sitzen.

Ich verstehe sie, kann aber daran nichts ändern. Ich lebe nicht in Deutschland und werde auch nicht nach Deutschland zurückkehren. Meine Kinder wachsen hier auf und sie sind noch so klein, dass sie mich eben brauchen. Außerdem arbeite ich, mein ganzes Leben findet hier statt. Ich könnte meine Eltern nicht pflegen, und das habe ich ihnen auch so gesagt.

Es ist, mal ganz platt ausgedrückt, nicht mein Problem, dass ich Einzelkind bin und meine Eltern an ihrem Wohnort bleiben wollen. Dann müssen sie mit den Konsequenzen leben, es ist ja nicht so, dass wir ihnen keine Alternativen angeboten hätten. 🙂

Das schon, aber die erwachsenen Kinder dazu zu zwingen, vor Ort alles zu stemmen (meine Oma…), finde ich, geht zu weit.

Wie du selbst schreibst: Unterstützen kann man auch aus der Ferne. Und wenn meine Eltern in ihrem Ort bleiben, wird sich meine Unterstützung auch darauf beschränken.

Mir wäre es tatsächlich lieber, auch persönlich besser verfügbar zu sein, aber das ist so nicht möglich.

Meine Eltern wollen auch nicht auswandern und irgendwann zu mir ziehen. Das kann ich auch verstehen und würde es ihnen auch nicht empfehlen. Finnland ist da nicht so unbedingt das dankbarste Land. Das macht die ganze Situation aber auch nicht einfacher.

Meine Eltern zwingen mich, wie gesagt, generell zu gar nichts. Es hat auch nichts damit zu tun, dass ich MUSS, weil sie meine Eltern sind oder ich es MUSS, weil ich Einzelkind bin. Ich muss gar nichts. Das ändert aber nichts daran, dass ich meine Eltern liebe und mich gerne kümmern würde. Es ist schwierig da die richtigen Worte zu finden, um es zu erklären.

Wenn man es ganz hart betrachtet, dann bin ich ja auch selber Schuld. Ich bin weggezogen und nicht sie. Diese Schuld halse ich mir nicht auf und empfinde es auch nicht so. Ich würde jederzeit alles wieder genauso machen. Es ist aber nun mal im Leben so, dass man nicht alles haben kann, aber dennoch darf man ja wegen gewissen Dingen traurig sein oder sich Sorgen machen. Die Vorstellung, dass sie später alleine sind, finde ich ganz schlimm. Wir haben keine große Familie und es wird wenige geben, die sie besuchen kommen. Natürlich ist jeder für sich selber verantwortlich. Es gibt genug ältere Menschen, die viele Freunde haben, sich gegenseitig besuchen, an irgendwelchen Gruppen teilnehmen etc. aber das schafft ja auch nicht jeder. Und ich will gar nicht darüber nachdenken, wenn einer von beiden stirbt..... Und dann kommt wieder dieses schlechte Gewissen, weil wir die Eltern von meinem Freund höchstwahrscheinlich regelmäßig sehen werden und meine Eltern wohlmöglich vereinsamen. Was nicht heißen soll, dass das auf jeden Fall so kommen wird.
 
montagfreitag
Benutzer135188  (27) Meistens hier zu finden
  • #18
Wie die Lösung im Fall der Fälle dann aussehen könnte, wissen sie nicht und ich auch nicht.
Zwischen Pflegeheim und zu Hause gibt es ja auch noch Zwischenstufen, wie das betreute Wohnen.

Zumal eh niemand weiß, wie das Altern letztendlich abläuft. Klar, die Tendenz geht dahin, dass wir alle älter werden, aber im Einzelfall kann es ja doch ganz anders sein. Meine Oma (92) ist jetzt beispielsweise schon einige Jahre im Pflegeheim, während ein Nachbar (88) bis kurz vor seinem Tod noch zu Hause war und (zugegebenermaßen ziemlich verantwortungslos) Auto gefahren ist. Ein Onkel (73) hat sich sämtliche Krankheiten aufgerissen und lebt "schon" im betreuten Wohnen, während eine andere Tante die 70 aufgrund von Krebs gar nicht erlebt hat.

Was ich damit sagen will: Keiner weiß, wie es in Zukunft sein wird. Vorbereitet sein, ja, auf jeden Fall. Aber sich über ungelegte Eier Gedanken machen? Das raubt eher die Lebensfreude (auch wenn ich es leider viel zu gerne mache :grin: ).
 
E
Benutzer216998  (59) Sorgt für Gesprächsstoff
  • #19
Nur als kleiner Gedanke dazu: Sie haben dich bewusst (!) in die Welt gesetzt, selbstverständlich sind sie dazu verpflichtet gewesen, alles für dich zu tun. Umgekehrt geht die Gleichung aber nicht auf, weil du nicht darum gebeten hast, geboren zu werden.
Das mag rational richtig sein, aber erstens liebe ich das Leben, das sie mir geschenkt haben und bin ihnen unendlich dankbar dafür. Und zweitens haben sie als Eltern sicher mehr getan als nötig, sie haben alles gegeben – und täten es heute noch.
 
Spiralnudel
Benutzer83901  (41) Planet-Liebe-Team
Moderator
  • #20
Das mag rational richtig sein, aber erstens liebe ich das Leben, das sie mir geschenkt haben und bin ihnen unendlich dankbar dafür. Und zweitens haben sie als Eltern sicher mehr getan als nötig, sie haben alles gegeben – und täten es heute noch.
Das freut mich, wenn du das so empfinden kannst. 🙂

Meine Eltern haben mich dieses Jahr fallen lassen wie eine heiße Kartoffel, ohne dass ich überhaupt weiß, warum, und anschließend haben sie mich beschimpft. Naja, so ist das wohl mit Boomern. 🤷🏻‍♀️ Ich hoffe, dass sie irgendwann zur Vernunft kommen, sonst sind sie im Alter wirklich allein. 🤐
 
housedrache
Benutzer192233  (51) Verbringt hier viel Zeit
  • #21
Meine Mutter (84) ist zwar noch topfit, aber in dem Alter kann das natürlich morgen anders aussehen. Wir haben ein eher distanziertes Verhältnis, da sie schon immer (funktionale) Alkoholikerin ist & einfach keine geeignete Person ist, um Kinder großzuziehen. Da wir zum Glück finanziell gutgestellt waren, hatten meine jüngere Schwester und ich immer irgendwen Bezahltes, der sich um Haus und Hof und uns gekümmert hat, unsere Eltern waren eher mit sich und der Außenwirkung unserer Familie beschäftigt. Und daher werde ich auch nicht bereit sein, meine Mutter zu pflegen, dafür soll sie sich dann professionelle Hilfe holen (was sie auch weiß, versteht & akzeptiert und auch ausreichend finanzielle Mittel dafür hat). Rechtlich haben wir alles eingetütet, von Patientenverfügungen, Konten, Erbgeschichten etc. Bei meinen Schwiegereltern ist es ganz anders: wir haben ein kleines Häuschen nebenan, in welches die zwei irgendwann in den nächsten Janren evt. ziehen, wenn sie nicht mehr alleine klarkommen. Mein Schwager lebt in Schweden & daher würden mein Mann und ich die 2 dann betreuen, auch sie haben finanziell entsprechend vorgesorgt, um sich professionelle Pflege zur Unterstützung leisten zu können. Mein Mann und wir alle haben ein sehr enges und harmonisches Verhältnis zu seinen Eltern, sie haben uns immer so viel geholfen, egal ob im Haus, Garten oder bei der Kinderbetreuung, daher geben wir das dann entsprechend gerne zurück, wenn sie unsere Hilfe brauchen.
 
S
Benutzer190912  (51) Verbringt hier viel Zeit
  • #22
Ich glaube nicht dass man normalerweise mit 70 schon pflegebedürftig wird. Ich sehe auch viele Zwischenstufen von ich kümmere mich gar nicht bis ich pflege 24h bei mir zu Hause.
Es ging bei mir schleichend an dass ich meine Eltern bei Alltagsdingen beraten habe, sie da und dort mal entlastet habe. Wie schon hier geschrieben, es ist Gold wert, wenn man jemand hat, der unangenehme Dinge für einen Durchkämpfen kann oder eben diverses organisieren kann. So einen Rückhalt zu haben gibt viel Sicherheit
Wie auch geschrieben, eine Vertretungsvollmacht frühzeitig kann viel Chaos vermeiden, die kann zur Not ja auch lange auf Standby sein.
Nach dem Tod meiner Mutter betreue ich meinen Vater mit fortschreitendem Parkinson. Zu unser aller Glück hat er sich entschieden in meine Nähe zu ziehen, erst in betreutes Wohnen, seit 2 Jahren leider im Pflegebereich. Es gibt da immer noch genug Aufgaben, nach dem Rechten schauen dass es im Pflegeheim gut läuft, ihm die kleinen Freuden des Lebens besorgen, zu Arztterminen begleiten, Gesellschaft zu sein usw.
Es gibt aber eben auch eine gewisse Grenze die man auch als Kind ziehen muss. Dabei ist es eben so, wenn sich Eltern gegen den Schritt entscheiden in die Nähe der Kinder zu ziehen bringt das eben auch Nachteile für die Eltern. Für meinen Vater wäre es deutlich weniger komfortabel wäre er in seiner bisherigen Wohnung geblieben.
 
G
Benutzer Gast
  • Themenstarter
  • #23
Ich glaube die gesellschaftliche Bedeutung des Themas wird aktuell noch massiv unterschätzt. In den nächsten 10-15 Jahren wird die Anzahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland wahrscheinlich einen Peak erreichen, während wir weder bezahlbare Pflegeeinrichtung haben noch genügend erwachsene Kinder, die sich um ihre Eltern kümmern können. Für letzteres braucht man ja nicht nur den Willen, sondern vor allem auch örtliche Nähe und Zeit.

Meine Schwiegermutter wohnt inzwischen z.B. alleine 500km von uns entfernt. Nach dem Tod ihres Mannes hatte sie überlegt zu uns in die Nähe zu ziehen, aber sie wollte eben auch nicht ihr großes Haus, in dem sie alleine wohnt, und ihr sozialleben vor Ort aufgeben. Ist wohl auch verständlich, aber damit sind unsere Möglichkeiten im Ernstfall zu helfen eben auch eingeschränkt.

Wie bei so vielen Themen unterschätzt die Boomer-Generation einfach bis zuletzt die Auswirkungen des demogprahischen Wandels. Die Generation ist damit sozialisiert worden, dass ihre Eltern viele Kinder hatten und sich irgendwer um sie kümmern konnte, gerade im Westen die Frau oftmals nicht erwerbstätig ist und ausreichend Zeit hat und es im Zweifel vergleichsweise günstige Pflegekräfte gibt. Die heutige Situation ist anders. Ich kann versuchen so viel zu helfen wie geht. Aber ich kann nicht anfangen mich schlecht zu fühlen, wenn es nicht geht.
 
S
Benutzer190912  (51) Verbringt hier viel Zeit
  • #24
Ich mach mir so die Gedanken über die kinderlosen Menschen die eben ohne Rückhalt die ganzen Herausforderungen meistern müssen, sei es Amtsschimmel, schlechtes Gesundheitssystem, den harten Ellenbogenalltag und den technischen Fortschritt. Andererseits, nur weil man Kinder hat, heisst das noch nicht dass sie sich um die Eltern kümmern. Ich hab da auch so einen Grenzfall in der Familie
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren