Welche Art von Psychotherapie?

Benutzer52655 

Sehr bekannt hier
Ich habe den Thread hier nicht nur speziell zu Depressionen geöffnet. Es gibt auch zig andere Verhaltenskrankheiten.
Oh, nicht nur Depressionen können physisch bedingt sein.
Schizophrenie zum Beispiel auch. Und sicher noch eine ganze Reihe anderer Erkrankungen, aber da kenne ich mich nicht so aus, daher nur das eine Beispiel.
 

Benutzer54457 

Sehr bekannt hier
also ich bin eigentlich strikt gegen medizinische Therapie.

es ist jedenfalls naiv, zu glauben, dass persönlichkeitsveränderungen prinzipiell keiner medikamente zur behandlung bedürfen. jeder, der ansatzweise etwas mit psychotherapie oder leuten, die sie anbieten/in anspruch nehmen zu tun hat, und der kein dummer scientologe ist, versteht das.

bei beschwerden, die eine körperliche ursache haben, obwohl sie sich nur psychisch äußern, muss man nichts mehr dazu sagen. aber selbst bei ursprünglich rein psychologischen problemen ist der übergang zu psychiatrischen diagnosen fließend (und der weg dahin abschüssig).

um es ganz einfach zu sagen: wer nicht mehr die geistige wachheit besitzt, einer gesprächstherapie etwas abgewinnen zu können (und die dafür nötige geistige wachheit ist enorm hoch, wenn etwas erreicht werden will), wird nur mehr medikamentös wirklich weiterkommen. und geistige wachheit büßt jeder, der psychisch an etwas leidet, ganz schnell und viel ein.
 

Benutzer10111 

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Benutzer54457 

Sehr bekannt hier
Ein weiteres Beispiel ist das Tourette-Syndrom. Die Ursachen sind nicht zu beseitigen. Durch die Kombination von Psychotherapie und Medikamenten, kann die Lebenssituation verbessert werden. Auch wenn diese beiden Dinge die Krankheit nicht heilen können, sind bestimmt viele Patienten über den Zugewinn an Lebensqualität sehr dankbar.

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/tourette.html
http://www.psychologie-verhaltenstherapie.com/about0.html

wobei die begleitende psychotherapie bei tourette-syndrom und konsorten eigentlich nur eine meta-therapie ist. tourettes hat rein physische ursachen und kann nicht psychotherapeutisch behandelt werden. behandelt und begleitet werden muss die schwierige beziehung, die tourette-patienten zu ihrer umwelt haben.
 
S

Benutzer

Gast
um es ganz einfach zu sagen: wer nicht mehr die geistige wachheit besitzt, einer gesprächstherapie etwas abgewinnen zu können (und die dafür nötige geistige wachheit ist enorm hoch, wenn etwas erreicht werden will), wird nur mehr medikamentös wirklich weiterkommen. und geistige wachheit büßt jeder, der psychisch an etwas leidet, ganz schnell und viel ein.

So sehe ich es auch. Man kann nicht pauschal sagen, dass man Depressionen oder Ängste ohne Medikamente nicht behandeln kann. Es ist immer abhängig von den persönlichen Voraussetzungen, sprich Schwere und Dauer der Erkrankung.

Man darf nämlich nicht etwaige Nebenwirkungen der Medikamente unterschätzen. Wunderpillen, die Probleme lösen, gibt es jedenfalls nicht.

Gerade im Bereich der Angsterkrankungen würde ich die Medikamente höchstens als Einstiegshilfe in die Problembewältigung sehen. Ich halte noch nichtmal was von irgendwelchen "Notfalltropfen", wenn die Panikattacke extrem wird.

Es KANN gar keine Bewältigung geschehen, wenn eine künstliche Beruhigung eingesetzt wird. Angstpatienten MÜSSEN in der Verhaltenstherapie ihre Ängste spüren (und sich nicht durch Beruhigungsmittel dämpfen lassen), alles andere ist Augenwischerei.

Leider scheint das einige Ärzte nicht zu interessieren, ist eben einfacher, den Patienten "ruhigzustellen".

Sowas lehne ich strikt ab.
 

Benutzer62713 

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So sehe ich es auch. Man kann nicht pauschal sagen, dass man Depressionen oder Ängste ohne Medikamente nicht behandeln kann. Es ist immer abhängig von den persönlichen Voraussetzungen, sprich Schwere und Dauer der Erkrankung.

Man darf nämlich nicht etwaige Nebenwirkungen der Medikamente unterschätzen. Wunderpillen, die Probleme lösen, gibt es jedenfalls nicht.

Gerade im Bereich der Angsterkrankungen würde ich die Medikamente höchstens als Einstiegshilfe in die Problembewältigung sehen. Ich halte noch nichtmal was von irgendwelchen "Notfalltropfen", wenn die Panikattacke extrem wird.

Es KANN gar keine Bewältigung geschehen, wenn eine künstliche Beruhigung eingesetzt wird. Angstpatienten MÜSSEN in der Verhaltenstherapie ihre Ängste spüren (und sich nicht durch Beruhigungsmittel dämpfen lassen), alles andere ist Augenwischerei.

Leider scheint das einige Ärzte nicht zu interessieren, ist eben einfacher, den Patienten "ruhigzustellen".

Sowas lehne ich strikt ab.

Genau das habe ich die ganze Zeit gemeint.
Danke schön.
 

Benutzer10111 

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wobei die begleitende psychotherapie bei tourette-syndrom und konsorten eigentlich nur eine meta-therapie ist. tourettes hat rein physische ursachen und kann nicht psychotherapeutisch behandelt werden. behandelt und begleitet werden muss die schwierige beziehung, die tourette-patienten zu ihrer umwelt haben.
Jup...so stands auch in den Links drin.
Ich denke dass die Frage nicht komplett klar formuliert wurde. So wie ich es jetzt verstanden habe, geht es um Krankheiten rein psychischer Natur, die im Rahmen einer Psychotherapie gelöst werden sollen, wobei nun die Frage ist, ob in so einem Fall Medikamente helfen können. Ist das so richtig?
 
S

Benutzer

Gast
Ich möchte auch nochmal allgemein etwas dazu sagen. Man muss sich auch bewusst darüber sein, dass es der Pharmaindustrie sehr entgegenkommt, wenn der Eindruck vorherrscht, ohne Medikamente komme man bei der Behandlung nicht zurecht bzw. wenn ja sogar von Ärzten einfach behauptet wird, bei bestimmten Erkrankungen müsse man vorsorglich lebenslang Medikamente verabreichen.

Ich habe mal gelesen, dass die durchschnittliche Dosierung von Neuroleptika (werden z.B. bei Psychosen; Schizophrenie etc. eingesetzt), in den letzten Jahrzehnten immer weiter angestiegen ist.

Ich frage mich, ob parallel auch die Schwere der Erkrankungen angestiegen ist? Kann ich nicht glauben, habe mich mit dem Thema aber auch noch nicht ausführlich beschäftigt.

Gleichzeitig werden die Neuroleptika immer potenter, das würde eigentlich bedeuten, die Dosierung müsste zurückgehen...

Wie gesagt, ich sehe das alles sehr kritisch, vor allem eben bei Neuroleptika, die erhebliche Nebenwirkungen haben.

So wie ich es jetzt verstanden habe, geht es um Krankheiten rein psychischer Natur, die im Rahmen einer Psychotherapie gelöst werden sollen, wobei nun die Frage ist, ob in so einem Fall Medikamente helfen können. Ist das so richtig?

Gibt es Krankheiten, die rein psychischer Natur sind? :zwinker: Ich denke, das ist immer ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren... auch biologischer (Stoffwechsel im Gehirn). Die Frage ist nur, wie will man diese a) trennen, um b) ihre Relevanz zu erkennen. Das geht ja nunmal nicht.

Deshalb ist ein Patient, der psychisch erkrankt ist, leider immer auch ein bisschen Versuchskaninchen.
 

Benutzer62713 

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Ich denke dass die Frage nicht komplett klar formuliert wurde. So wie ich es jetzt verstanden habe, geht es um Krankheiten rein psychischer Natur, die im Rahmen einer Psychotherapie gelöst werden sollen, wobei nun die Frage ist, ob in so einem Fall Medikamente helfen können. Ist das so richtig?

Ja, so habe ich das auch eigentlich gemeint. Hast du also richtig verstanden.

@ Starla
Ich sehe es genauso, dass sich einige Ärzte es wohl einfach machen und ganz schnell Medikamente verschreiben, obwohl es bestimmt auch noch andere alternative Möglichkeiten geben würde.

Das die Ärzte immer mehr Medikamente, wie zum Beispiel bei Schizophrenie, verschreiben, verwundert mich irgendwie nicht. Jeder will heutzutage Geld verdienen und ich kann mir, genauso wie du, schwer vorstellen, dass diese Krankheit mit der Zeit immer schwerwiegender wurde. Aber das kann ich natürlich schlecht beurteilen, da ich mich auch mit diesem Thema kaum bzw. gar nicht auskenne.

Deswegen ist auch mein Ziel, die Patienten so wenig wie möglich mit Medikamenten zu behandeln. Ich würde erst mal alle Alternativen ausprobieren wollen, bevor ich wirklich zu den Medikamenten greife. Natürlich kann man sowas auch parallel machen, Medikamente verschreiben und Gesprächs- bzw. Verhaltenstherapie durchführen, aber ich würde mehr zum letzteren tendieren...

LG,
Drache
 

Benutzer78196 

Meistens hier zu finden
Ich mache (noch) keine Therapie. (Hoffe, ich überwinde mich irgendwann.)

Aber wenn ich den Schritt irgendwann mal getan habe, werde ich Medikamente verlangen. Nicht um die Krankheit zu verdrängen, sondern um über den Tag zu kommen, ohne kaputt zu gehen. Falls es sowas gibt, wären mir Medikamente, die nur im Bedarfsfall zum Einsatz kommen, am liebsten. Dann müsste ich nicht ständig Pillen schlucken, sondern nur dann, wenn ich merke, dass es wieder losgeht.

Bis eine Gesprächstherapie Früchte zeigt, können Jahre vergehen. Ich muss aber im Alltag funktionieren und will ein gewisses Maß an Lebensqualität (zurück-)erhalten. Deshalb wäre ich bereit, begleitend zu einer Gesprächstherapie ein paar Tabletten zu schlucken.

Die meisten Leute, die von meiner Einstellung wissen, sind dagegen und erzählen mir die seltsamsten Horrorgeschichten (wohlgemerkt: ohne Ahnung zu haben :zwinker:). Damit kann ich Leben. Ich brauche -Gott sei Dank- nicht deren Erlaubnis.


Das waren meine zwei Cent zum Thema.


LG,
Kuroi
 

Benutzer62510  (58)

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Irgendwie habe ich das Gefühl, daß hier mal wieder eine Diskussion hochkocht, in der ein paar persönliche Erfahrungen mit Vehemenz in den Topf geworfen werden, aber die eigentliche Frage dadurch nicht wirklich beantwortet wird.

Natürlich gibt es das eine wie das andere Extrem: Da gibt es Menschen (darunter auch Ärzte und Therapeuten) die alles nur durch Gespräche schaffen wollen und es gibt Menschen (und darunter viel zu viele Ärzte), die alles gleich mit Chemie zubombardieren. Da muß man gar nicht in die Psycholigie gehen. Wieviele Ärzte verschreiben gleich ei kleinen Erkältungen die Hämmer an Antibiotika? Deswegen sind aber Antibiotika nicht als solche schlecht.

Zur Ansicht der TS: Ich glaube, da liegt zunächst einmal eine ganz grobe Fehleinschätzung vor. Psychische Probleme sind ebenso gut wie nie losgelöst von physischen Bedingungen. Klar ist man unabhängig von seiner körperlichen Verfassung traurig, böse, enttäuscht, glücklich, verliebt, zögernd und all soetwas. Wenn aber Gefühle und Erlebnisse, Handlungsweise und gedankliche Verarbeitung krankhaft werden, dann ist das im Normalfall immer ein Zusammenspiel von Körper und Geist. Auch Seelische Verletzungen bzw. Traumata haben ganz einfach Folgen in der Physis des Betroffenen.

Wichtig (und ich glaube das war im Grunde auch der Grund für das heftige Sträuben der ersten Beantworter) ist es, den Menschen als Ganzes zu sehen und zu begreifen. Glücklicherweise sind wir über die gedankliche vollständige Trennung von Leib und Seele hinaus. Beides wirkt aufeinander und spielt zusammen. Dementsprechend wichtig ist es, daß Mediziner, bzw. Therapeuten beide Bereiche in der Therapie berücksichtigen und beides verantwortungsvoll dosieren. (ohja, es gibt auch eine Überdosierung von Gesprächstherapie, Erlebnistherapie & Co). Beides kann schädlich sein: sowohl falsche oder überdosierte medikamentöse Behandlung, als auch eine unpassende ander Form der Behandlung (Gespräch, Gruppe, Erlebnis, und und und).

Das Ganze muß im Blickfeld bleiben.
 

Benutzer70315  (32)

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es ist doch so, dass es verschiedene therapiearten gibt, unter anderem auch medikamentöse therapien, zum beispiel für angstörungen (Posttraumatisches Belastungssyndrom, generalisierte Angsstörung, Phobien) aber auch eben ANTI-depressiva bei Depressionen.

Man schaut sich ja nicht den patienten an und verabreicht ihm einfach mal so paar medikamente.

es wird natürlich acuh danach geschaut, in welcher lage er sich befindet. welche spezielle Psychose er hat, o.ä.

UND(!) es wird nach den ursachen geforscht. Physische probleme können da ne rolle spielen aber auch (und das darf man nicht vergessen) es ist erblich bedingte ursachen.

Das Antidepressiva jetzt zum beispiel eine depression nicht "heilen" können dürfte klar sein. Aber sie erleichtern Menschen das Leben, denen es zeitweise nicht mehr lebenswert war.
 
S

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Das war nicht darauf bezogen. Aber dass z.B. eine medikamentöse Therapie gegen Angststörungen einen Nutzen hat, das behauptet bestimmt nur die Pharmaindustrie :zwinker:
 

Benutzer70315  (32)

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Das war nicht darauf bezogen. Aber dass z.B. eine medikamentöse Therapie gegen Angststörungen einen Nutzen hat, das behauptet bestimmt nur die Pharmaindustrie :zwinker:


Off-Topic:
hm in der frage bin ich selber untentschlossen. hab einen schulischen vortrag drüber ausgearbeitet. und danach war ich eigentlich der meinung, dass es schon einen gewissen nutzen bringt für die betroffenen. dass die pharmaindustrie daran auch verdient kann man nicht von der hand weisen. man sollte das allgemein mit vorsicht betrachten und vielleciht, wenn man selbst betroffen ist, sich genauenstens informieren.:smile:
 
S

Benutzer

Gast
Off-Topic:
Off-Topic:
hm in der frage bin ich selber untentschlossen. hab einen schulischen vortrag drüber ausgearbeitet. und danach war ich eigentlich der meinung, dass es schon einen gewissen nutzen bringt für die betroffenen. dass die pharmaindustrie daran auch verdient kann man nicht von der hand weisen. man sollte das allgemein mit vorsicht betrachten und vielleciht, wenn man selbst betroffen ist, sich genauenstens informieren.:smile:

Medikamente zur Unterstützung zu geben, mag ja anfangs hilfreich sein, aber eine medikamentöse Therapie ist total sinnlos, da überhaupt keine Heilung stattfindet.
 

Benutzer4590 

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Medikamente zur Unterstützung zu geben, mag ja anfangs hilfreich sein, aber eine medikamentöse Therapie ist total sinnlos, da überhaupt keine Heilung stattfindet.

Man muss da 'medikamentöse Therapie' wohl etwas weiter gefasst verstehen, d.h. als Ausdruck dafür, dass im Zuge der Behandlung Medikamente gegeben werden. Wie lang die gegeben werden und was neben den Medikamenten sonst noch so stattfindet, darüber ist nichts ausgesagt.


Ich seh das ähnlich wie dummdidumm und glaube, dass es bei dieser Frage nicht nur schwarz oder weiß gibt, sondern das meiste in vielen verschiedenen Grautönen abläuft - soll heißen, weder eine Verteufelung von Medikamenten noch die Ansicht, dass nur Medikamente das einzig wahre sind, ist konstruktiv und wird der Tatsache nicht gerecht, dass sich psychische Erkrankungen nicht pauschal in einen Topf schmeißen lassen. Das schließt nicht aus, dass es auch Fälle gibt, in denen nur Medikamente oder nur andere Therapien wirklich sinnvoll sind.

Von daher denke ich, dass das ein Thema ist, bei dem man nur mit Fachwissen wirklich weiterkommt; subjektive Einzelerfahrungen oder Laienhalbwissen reichen nicht, um so eine Frage fundiert beantworten zu können.
 

Benutzer26398 

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ich hatte heute eine kleine intensive Auseinandersetzung mit einer Bekannten gehabt über die Art von Psychotherapie.

Sie ist für Therapie, in denen man Medizin einsetzt,
ich bin dagegen!

Denn ich bin der Meinung, dass man die Probleme von Grund auf aufarbeiten sollte, auch wenn die Probleme noch so groß sind! Auch bei Depression etc.
ich finde es äußerst "schlecht" das du dich in die Therapie deiner Bekannten einmischt ohne Ahnung von der Materie zu haben!
Denke du schadest ihr damit mehr als du hilfst.

Deine Meinung in allen Ehren (ich teile sie größtenteils auch). Allerdings halte ich es eben für falsch "mitreden" zu wollen wenn man keine Ahnung hat... v.a. wenn man die betreffende Person wie in deinem Falle (unbewusst) beeinflusst.

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Von daher denke ich, dass das ein Thema ist, bei dem man nur mit Fachwissen wirklich weiterkommt; subjektive Einzelerfahrungen oder Laienhalbwissen reichen nicht, um so eine Frage fundiert beantworten zu können.
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genau das ist der springende Punkt an der Sache!
 
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