Welche Ansprüche darf man stellen

Benutzer134436  (33)

Ist noch neu hier
Danke!

Nur um nochmal eins klarzustellen: Ich möchte meinem Freund nicht den ganzen Tag am Hintern kleben oder so, er hat also eigentlich keinen Grund, mich unbedingt auf 7h Autofahrt Abstand zu halten. Mein Problem mit der Fernbeziehung ist eher, dass es alles unnötig kompliziert macht: Man kann sich nicht mal nur für ein paar Stunden sehen, es muss immer gleich ein ganzes langes Wochenende sein, man kann kaum spontan sein, einer von beiden muss sich die kompletten Tage von Terminen (und auch Freunden) frei halten, weil er ja nicht in seiner Stadt ist. Das nervt mich unheimlich.

Ich muss auch nicht unbedingt sofort mit ihm zusammenziehen - er ist es, der meint, wir sollten zusammenziehen sobald wir in einer Stadt sind. Ich hab ihm auch gesagt, dass ich es gar nicht schlecht finde, wenn wir nicht sofort zusammenziehen.
 

Benutzer27534 

Meistens hier zu finden
Mal eine Nachfrage zum Verständnis - deine liebste Version wäre, dass er sich eine größere Wohnung zulegt, sprich mehr Miete bezahlt für dich, damit du länger bleiben kannst? Da erschließt sich mir schon wieso du einfach bei ihm wohnen sollst, da teilt sich ja die Miete dann. Wie sieht es denn finanziell bei ihm aus? Denn vom Partner zu erwarten, eine größere Wohnung anzumieten, während man selbst noch in einer anderen Stadt eine eigene hat... naja finde ich auch etwas vermessen ehrlich gesagt.

Bei den restlichen Dingen kann ich dem allgemeinen Tenor hier nur zustimmen. Das Auslandssemester wirst du ihm nicht nehmen können bzw. es würde immer irgendwie zwischen euch dann stehen und das willst du ja auch nicht. Seine Prioritäten scheinen aber dennoch nicht unbedingt bei dir zu liegen.

Und nein, es sind sicher nicht alle Partner so, was aber nicht ausschließen würde, dass du nach ihm nochmal an jemanden geraten würdest, der so denkt.
 

Benutzer134436  (33)

Ist noch neu hier
Zu deinem Verständnis: Es ist nicht meine liebste Version, aber für mich ein Kompromiss, den ich ok fänd. Meine liebste Version wäre eine andere, aber das würde ich nicht von ihm erwarten (das wäre nämlich gemeinsam in eine andere Stadt zu ziehen und er pendelt ab und zu, aber ich kann gut verstehen, dass er das nicht möchte).

Findest du es tatsächlich "vermessen" von mir, dass ich nicht zu ihm ziehen möchte für 1/2 oder ein Jahr um dann wieder umzuziehen, wenn dich dort niemanden kenne außer einigen seiner Freunde, die aber eben nicht meine Freunde sind, und vermutlich in der Zeit auch kaum jemanden kennenlernen würde (weil ich nämlich die meiste Zeit hinter meinen Schreibtisch sitzen würde)? Ich fühle mich in der Stadt leider auch überhaupt nicht wohl, das ist so gar nicht meine Welt. Zusätzlich müsste ich sowieso ab und zu wieder in "meine frühere" Stadt an meine Uni, was bedeutet, dass ich hier ohnehin öfter noch übernachten müsste. Ich erwarte keine riesige Wohnung, aber zu zweit in einem 13qm-WG-Zimmer lebt es sich nunmal nicht so gut. Finanziell wäre es für ihn natürlich anstrengender aber machbar. Wenn ich es mir Recht überlege wäre es aber auch gar nicht so viel anstrengender, denn für ihn würden ja dann für ihn auch die Fahrtkosten zu mir entfallen (und eine 7h Autofahrt pro Strecke kostet einiges...). Ich hab ihm auch angeboten, dass ich etwas dazu zahlen würde, aber die Hälfte schaff ich eben nicht.

Der Fall, dass ich zu ihm ziehe, wäre für ihn dann auch kein Kompromiss mehr, sondern der Idealfall: Ich geb alles auf und ziehe zu ihm. Für ihn wirds günstig, denn er hat keine Fahrtkosten mehr und zahlt weiterhin wenig Miete. Ich habe ja sowieso weiter die Fahrtkosten und hätte dann neben der Miete noch die Hostelkosten. Hostel wäre vermutlich billiger als die Wohnung zu behalten, das stimmt natürlich. (Die Wohnung würde ich ja deshalb gern behalten, weil ich dann eben nicht immer bei ihm wäre sondern auch öfter noch mal für eine Woche oder so hier.)
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer134215 

Ist noch neu hier
Der Fall, dass ich zu ihm ziehe, wäre für ihn dann auch kein Kompromiss mehr, sondern der Idealfall: Ich geb alles auf und ziehe zu ihm. Mach das ja nicht, wer weiß was dem Herrn dann noch in den Kopf kommt und du hängst dann wieder da, so entsteht ein Wandercirkus, es ist im Grunde alles gesagt, ich bleibe dabei, deine Sicht der Dinge ist i.O.
 

Benutzer27534 

Meistens hier zu finden
Nein, ich habe damit ja nicht gemeint, dass du für ein halbes Jahr zu ihm ziehen sollst. Die Version finde ich offen gestanden auch ziemlich schwachsinnig.

Hast du ihm das mit den Fahrtkosten etc. denn mal so verbalisiert? Viellicht scheut er auch etwas die kosten, den Umzug etc., was ich eben auch gut verstehen kann.

Deine Studium und deine Wohnung würde ich an deiner Stelle auch sicher nicht aufgeben, so wie das bei euch beiden momentan leicht in der Schwebe hängt. Und vorallem würde ich nicht deine Ausbildung für ihn pausieren, damit ist ja keinem geholfen.
 

Benutzer134436  (33)

Ist noch neu hier
Nach dem Umzug muss er sich ohnehin eine neue Wohnung suchen. Er kann sich das aber schon vorstellen, dass es ein bisschen größer wird. Aber so richtig zufrieden ist er mit der Lösung (natürlich) nicht. Ein Thema ist aber z. B. auch ob WG oder nicht. Wenn wir zusammenziehen würden bräuchte er keine WG, sonst schon. Das mit den Fahrtkosten habe ich ihm aber nicht so vor Augen geführt.

Ich muss mal sehen. Im Moment haben wir beide Prüfungen, kein guter Zeitpunkt für so ein Thema. Ich werde es danach wohl ansprechen. Das ist zwar sehr kurz bevor er ins Ausland geht, aber daran kann ich jetzt auch nichts ändern, dafür gibt es sowieso keinen richtigen Zeitpunkt.

Am meisten Angst habe ich ehrlich gesagt vor mir selbst, davor, dass ich es nicht schaffe. Wir hatten schon öfter solche Gespräche, er war jedes mal sehr verletzt und sehr traurig und hat mich jedes Mal überzeugen können. Wenn wir zusammen sind haben wir wirklich sehr schöne Zeiten und Momente. In dieser Zeit blede ich oft auch all die Konflikte aus, die wir haben. Leider sind die "anderen Zeiten", in denen wir nicht zusammen sind eben viel länger.[DOUBLEPOST=1375125471,1375125205][/DOUBLEPOST]
Nein, ich habe damit ja nicht gemeint, dass du für ein halbes Jahr zu ihm ziehen sollst. Die Version finde ich offen gestanden auch ziemlich schwachsinnig.

Was wär denn deiner Meinung nach dann die Lösung? Noch länger Fernbeziehung (was danach kommt ist ja leider auch noch ungewiss). Wir sehen uns ca. ein Mal im Monat. Er findet das auch nicht schön, aber ich glaube, ich leide mehr darunter (das ist ja nicht objektiv messbar, aber ich habe das Gefühl, ihn nervt die Fahrerei und der wenige Sex dadurch, mir fehlt vor allem die Nähe, Geborgenheit und so...). Einmal im Monat ist mir echt zu wenig.

Wenn du sagst, du würdest auch nichts aufgeben - ja, sehe ich ja auch so. Aber dann geht wirklich keiner einen Schritt auf den anderen zu.
 

Benutzer27534 

Meistens hier zu finden
Naja, also meine letzte Beziehung ging auch über 5 Jahre. Fast kontinuierlich eine Fernbeziehung. Ende der Schulzeit, Beginn des Studiums etc. etc. Ich bin in den ersten Jahren wirklich viele Kompromisse eingegangen und habe es zu dem Zeitpunkt auch nicht bereut.

Nach den Jahren wurde aber meiner Vorstellung einer Beziehung, und vorallem die Dinge, die ich mir für die Zukunft wünsche einfach konkreter. Und auch in einer Art und Weise konkret, dass er mir nicht mehr versprechen konnte, dass er das selbe wollte. Wir waren dann zwischendurch einige Monate getrennt, worunter wir beide auch sehr gelitten haben.
Wir sind dann zusammen gekommen mit dem Ding "keine zu starken Forderungen an den anderen zu stellen und einfach zu sehen was kommt". Ziemlich zeitgleich hat er mir noch eröffnet, dass er nach Berlin zieht - das ist ziemlich das andere Ende Deutschlands von mir aus gesehen :zwinker: Für wie lange? Keine Ahnung, so wie er eben Bock hat, ich könnte ja irgendwann auch hinziehen. (Jahre zuvor als ich meinen Studienort gewählt habe, wollte er mit mir nicht nach Berlin.)

Naja, da ich sowieso nicht wusste, wie es weitergehen sollte, habe ich das auch nicht mehr groß kommentiert. Es ging dann noch ein paar Monate, in denen wir uns quasi fast nie gesehen haben und mir wurde immer bewusster, dass das nicht die Beziehung sein wird, die ich ein Leben lang führen werde.
Ich habe mein Leben nach noch ungebundener als eh schon geführt, bin wieder viel feiern gegangen, hab Sachen für mich gemacht etc. Es kam dann noch eins zum anderen, ich traf meinen jetzigen Freund wieder, ich war glücklich mit mir alleine und ich trennte mich.

Ich denke bei einer so langen Fernbeziehung, muss man sich wirklich sehr sicher sein, dass der andere der Partner für's Leben ist. Man muss gleiche Wünsche und Ziele haben und vorallem einen absehbaren Zeitraum dafür, endlich zusammen sein zu können. Sich oft sehen zu können, einen normalen Beziehungsalltag leben. Auch das wird ja dann erst zeigen, ob die Beziehung Bestand hat. Genauso wie das Ausblenden der kritischen Dinge, sobald ihr zusammen seid. Man neigt da immer klar dazu, aber das ist wirklich eine Lösung.

Ich an deiner Stelle würde ihn jetzt erstmal ins Ausland ziehen lassen und du solltest dir einfach klar werden, ob er tatsächlich so wie er ist (ohne "naja wenn dass udn dass nicht wäre, sich das und jedes ändert, wäre er perfekt) der Mann für dich ist. Für mich war die Erkenntnis damals das Beste was mir passieren konnte, für ihn auch. Wir haben jetzt beide Partner, die wesentlich besser zu uns passen, auch wenn es bei uns ursprünglich vorwiegen an der Zukunftsplanung gescheitert ist, die aber nun mal wesentlich ist.

Du solltest ihm auch klar machen, dass ihr, sobald ihr beide mit dem Studium fertig seid, einen Kompromiss finden müsst bei der Jobsuche. Einen Mittelweg, mit dem sich beide arrangieren können. Es kann nicht nur der eine zurückstecken, so etwas belastet eine Beziehung wahnsinnig und kann auch nicht gut gehen. Mach ihm klar, dass es dir wichtig ist und du keine Zukunft siehst, wenn er nicht wenigstens bereit ist, auch etwas auf dich zuzugehen.

Ich weiß nicht, ob dir das alles hier jetzt hilft, aber mir hat es damals wirklich sehr geholfen in mich zu gehen, rauszufinden, was ich wirklich will und auch mal alle Dinge offen anzusprechen. Sie immer auszublenden, weil sie unangenehm sind, ziehen alles nur in die Länge aber helfen einem wirklich nicht weiter.
 

Benutzer132739 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hey, ich will mal nur auf deinen Eingangspost eingehen und dir eben nur meine Sicht der Dinge geben, weil ich mal in einer ähnlichen Situation war wie dein Freund, mehr oder weniger.
Mein Ex und ich lebten ca. 60km auseinander, hatten also auch eine Fernbeziehung und auch über Jahre hinweg, was aber nicht an mir lag, war alles etwas kompliziert. Auf jeden Fall hatten wir aber auch das Problem, dass wir uns nicht spontan sehen konnten usw. Ich habe ein Angebot bekommen nach meinem Studium nach Indonesien zu gehen und dort Forschung zu betreiben - es war also nur Zukunftsmusik. Ich habe mich natürlich erst mal unglaublich gefreut und auch geehrt gefühlt, weil ich ja noch mitten im Studium war und im Grunde noch gar nichts geleistet hatte. Er war strickt dagegen. Ich habe mich damals gefühlt, als hätte er mir den Teppich unter den Füßen weggerissen. Meine Eltern sind auch Wissenschaftler und ich kenne das, dass die viel Reisen und auch mal in einem anderen Land leben - da die Wissenschaft immer eine Leidenschaft ist und meistens interessant, sind Jobs rar und so ein Angebot könnte einmalig sein. Ihm war das ziemlich wurst. Es ist wahrscheinlich nicht vergleichbar, weil ich nicht mal weiß, wie lange ich hätte in Indonesien bleiben müssen, aber für mich ist es nun mal mein Traum die Welt zu bereisen. Wenn ich dann auch noch einer interessanten Tätigkeit nachgehen kann, dann ist das wie ein Traum, der in Erfüllung geht. Er hatte nie solche Ambitionen, hat mir auch offen gesagt, dass seine Vorstellung von 'Auslandserfahrungen' Urlaub ist. Für mich war das ein richtiger Schock. Ganz abgesehen davon, dass uns irgendwann einfach nichts mehr verband, war diese seine Einstellung einer der Gründe, warum ich keine Zukunft mehr in der Beziehung sah.
Fazit ist für mich also, dass da die Lebensvorstellungen nicht kollidieren sollten - sonst investierst du sinnlos Zeit und Gefühle. Entweder begeistert dich die Idee, oder eben nicht.
Ich habe das Gefühl, dein Freund kommt gut mit der Fernbeziehung klar - was nicht heißen muss, dass er dich weniger liebt, eben etwas anders damit umgeht oder eine andere Vorstellung von Partnerschaft in dieser Hinsicht hat. Bei meinem Ex und mir war das so.
Ich hoffe das hilft dir, das auch mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Über sowas nachzudenken ist echt hart :frown: Tut mir sehr Leid für dich!
LG
 

Benutzer134436  (33)

Ist noch neu hier
Ich an deiner Stelle würde ihn jetzt erstmal ins Ausland ziehen lassen und du solltest dir einfach klar werden, ob er tatsächlich so wie er ist (ohne "naja wenn dass udn dass nicht wäre, sich das und jedes ändert, wäre er perfekt) der Mann für dich ist. Für mich war die Erkenntnis damals das Beste was mir passieren konnte, für ihn auch. Wir haben jetzt beide Partner, die wesentlich besser zu uns passen, auch wenn es bei uns ursprünglich vorwiegen an der Zukunftsplanung gescheitert ist, die aber nun mal wesentlich ist.

Ich würde mir darüber eigentlich gerne vorher klar werden - aber es wird auch immer klarer. Es ist schon so, dass er mit mir später mal in die gleiche Stadt ziehen möchte, aber er kann nichts versprechen (was ich verstehe) und ich muss aufgrund der Vorgeschichte einfach annehmen, dass das mit der gleichen Stadt nur etwas wird, wenn er dort einen optimalen Job findet. Für mich ist das keine gute Voraussetzung, noch ein oder ein und ein halbes Jahr zu warten mit der vagen Hoffnung, dass es danach vielleicht klappt.
Und ich hab noch einmal über seinen Jobwunsch nachgedacht - auch der ist mit viel Reisen verbunden und nicht besonders familienkompatibel. Nicht das, was ich mir vorstelle. Deshalb sehe ich langsam klarer, auch wenn es mir sehr weh tut.

Fazit ist für mich also, dass da die Lebensvorstellungen nicht kollidieren sollten - sonst investierst du sinnlos Zeit und Gefühle. Entweder begeistert dich die Idee, oder eben nicht.
Ich habe das Gefühl, dein Freund kommt gut mit der Fernbeziehung klar - was nicht heißen muss, dass er dich weniger liebt, eben etwas anders damit umgeht oder eine andere Vorstellung von Partnerschaft in dieser Hinsicht hat. Bei meinem Ex und mir war das so.

Danke. Ich hab das Gefühl, du verstehst unsere Situation. Ich mag nämlich nicht so richtig zu hören bekommen, dass er mich nicht liebt (wurde hier nämlich von einigen angedeutet, dass er ja gar nicht mit mir zusammen sein will), denn das ist nicht so. Wenn er mich mit leuchtenden Augen ansieht, mir sagt, wie sehr er sich auf mich freut, dann bin ich mir schon ziemlich sicher, dass er mich liebt. Leider macht das eine Trennung nicht gerade einfacher. Wahrscheinlich hast du Recht und unserer Lebensentwürfe passen nicht zusammen.
Trotzdem möchte ich eins klarstellen, weil ich irgendwie nicht möchte, dass da ein falsches Bild entsteht: Es ist nicht so, dass ich Auslandsaufenthalte stets für überflüssigen Blödsinn halte. Es ist nur so, dass er während der Beziehung schon ein Jahr weg war und ich gerne etwas mehr Nähe hätte, bevor er sich das nächste Mal verabschiedet, mehr Nähe als einmal im Monat sehen. Wären wir in einer anderen Situation hätte ich wohl nicht so ein Problem mit seinem Wunsch. So möchte aber eben schon, so fällt es mir schwer zu akzeptieren, dass er sowas aus reiner "Abenteuerlust" macht.
 

Benutzer132552 

Meistens hier zu finden
Hallo Murmeltier,

Dein Thread ist sehr facettenreich. Ich will versuchen, Dir meine Gedanken dazu halbwegs geordnet aufzuschlüsseln.

Zunächst halte ich es für grundsätzlich absolut legitim, dass Dein Freund noch ein Auslandssemester machen möchte. Egal, ob er schon einmal ein Jahr weg war, egal, ob es nun im englisch-muttersprachlichen Ausland oder wo auch immer ist. Wenn er das gerne machen möchte, soll er es grundsätzlich machen. Dabei halte ich es auch für egal, wie karriereförderlich das ist. Er scheint einfach Lust dazu zu haben. Und gerade, weil Ihr nicht zusammen wohnt, nicht einmal in der selben Stadt, weil Ihr keine gegenseitigen "harten" Verpflichtungen habt (Kinder, Geld, gemeinsame Wohnung...), fände ich es eine unglückliche Idee, ihn jetzt von seinem Auslandssemester abzuhalten, selbst durch "sanften Druck". Auch wenn ich wie Du nicht glaube, dass - bei dem wenigen, was ich von ihm weiß - ein Schwedensemester seine Karriere wesentlich beschleunigt: wenn dann später im Bewerbungsprozess etwas nicht nach Wunsch läuft, ist die Gefahr eines "Mit Schwedensemester wäre alles viel besser gelaufen..."-Vorwurfs immer gegeben.

Aber, um auf Deine Ausgangsfrage zurück zu kommen, auch Du darfst nach fünf Jahren Fernbeziehung Ansprüche stellen. Und zwar den Anspruch, so langsam mal in eine gemeinsame und dann halbwegs verbindliche Zukunftsplanung einzusteigen. Da hast Du offensichtlich schon einen Sack voll vernünftiger Vorschläge gemacht: in eine gemeinsame Stadt, erst mal nicht zusammen ziehen, das klingt alles sehr abgeklärt und gut. Und, so wie Du es darstellst, kommt von ihm immer nur ein "vielleicht", "wenn es die Karriere will" usw. Bisher kann ich aus Deinen Beschreibungen keine Zeichen erkennen, dass er es ernst meint. Entweder läuft er wirklich der Karriere hinterher (legitim!), oder er läuft vor Dir bzw. einer festeren Bindung weg, auch wenn Du das nicht sehen möchtest (doof!). Letztendlich steckst Du aber zurück, sogar so weit, dass sich erste Gedanken bei Dir einnisten: "Für seine Karriere könnte ich meine Ausbildung unterbrechen, um für uns Geld zu verdienen, damit wir meinen Traum des Zusammenseins verwirklichen können." Du denkst also bereits darüber nach, Deine Karriere, für die Du studierst, zu gefährden, nur um bei ihm zu sein und ihm seine größtmögliche Freiheit zu ermöglichen, das finde ich gerade bei seinen Karriereansprüchen überhaupt nicht akzeptabel und würde es, auch wenn es nur ein Gedankenspiel zu sein scheint, komplett aus meinem Gehirn verbannen.

Du schreibst, dass Dein Freund sich "immerhin nicht weltweit" bewirbt. Toll. Aber so, wie Du ihn darstellst, bin ich mir sicher, dass er, wenn die Chance kommt, an jedes Ende dieser Welt geht, wenn sich die (übrigens bisher nicht näher definierte) Karrierechance ergibt. Ich behaupte: er träumt vom Weg nach oben, von viel Geld, vom schnellen Aufstieg in der Hierarchie, von Anerkennung, egal wo. Im Prinzip sagt er das offen: die beste Stadt, die beste Uni, bessere Chancen mit Auslandssemester. Danach kommt dann " in der Probezeit", "eventuell in zwei Jahren an Standort x", "alle fünf Jahre soll man wechseln, wer weiß, wo dann die besten Chancen liegen" usw. Solange Du da mitmachst, schaut er Dich in Eurer gemeinsamen Zeit mit leuchtenden Augen an, wenn Du querschießt, ist er verletzt, übt also - glauben wir an das Gute: vielleicht sogar unbewusst - emotionalen Druck aus, um seine Ziele durchzusetzen.

Und hier musst Du Dich bald entscheiden - bald bedeutet für mich in den nächsten sechs bis 24 Monaten: willst Du ihm mehr oder weniger widerstandslos hinterherziehen, willst Du mehr oder weniger widerstandslos Deine Ambitionen opfern, um bei ihm zu sein, oder schaffst Du es, ihn zu einer halbwegs verlässlichen gemeinsamen Zukunftsplanung zu bewegen? Die beide Jobinteressen berücksichtigt, die aber auch einen gemeinsamen, wie auch immer gearteten Lebensmittelpunkt definiert. Hier kann ich Dir schlecht weiter helfen, da gibt es ganz unterschiedliche Szenarien, da weiß ich nicht, was Du studierst, ob Du Familienwünsche hast, unauflösbare Bindungen usw. Einige Beispiele aber und erst einmal ohne jede Wertung:

1) ihr zieht in eine (Groß-)stadt, in der ihr beide einen Job finden und nehmt dafür eventuell Karriereeinbußen in Kauf, zwei akademische Verdiener außerhalb des Nachwuchsführungskräfteprogramms sind ja auch schon ganz nett
2) ihr zieht an den Ort, an dem der erste von euch einen Job findet und der andere pendelt, bis er etwas halbwegs adäqutes gefunden hat (das kann durchaus der "karrieregeilere" und somit wahrscheinlich "besserverdienende" sein, der hat eh weniger Zeit, sich anderen Dingen zu widmen)
3) er macht Karriere, Du bekommst und versorgst die Kinder und hast fünf Jahre nur so zum Spaß / umsonst (wenn auch nicht kostenlos) studiert
4) ihr macht immer so weiter wie bisher, unverbindlich und ungewiss

Ich habe im engen Bekanntenkreis Paare mit allen vier Lebensentwürfen (sicher gibt es noch andere): Von 1) bis 4) nimmt die Zufriedenheit mit hoher Trefferquote ab. 4) ist ab 30++ entweder nicht mehr zusammen oder zu 1) bis 3) übergegangen, aber da habt Ihr ja noch Zeit.

Auch wenn Du es gerade anders siehst: Das eine Semester jetzt macht den Kohl jetzt wirklich nicht mehr fett. Du hast studienbedingt etwas Zeit, Schweden ist nah, dahin gibt's Billigflieger, Du möchtest auch mal Urlaub machen - das ist alles vereinbar. Wenn Ihr, und insbesondere er, es denn will. Eure Probleme liegen anderswo.

Irgendwie habe ich das Gefühl, Dir nicht geholfen, sondern vielleicht sogar noch weiter verunsichert zu haben. Also nach langem Text noch einmal der Versuch einer Quintessenz: Lass ihn ins Ausland gehen. Verusche, ihn zu einer gemeinsamen Planung für die Zeit "danach" festzunageln, die natürlich in Eurer Situation zum Studienende immer hoch reichlich Freiheitsgrade haben wird und muss. Und triff dann die Entscheidung, ob er für Dich weiter der richtige Partner ist, oder ob Du immer mit leuchtenden Augen angesehen wirst, solange Du nach Wunsch funktionierst.

Horst

P.S.: Was hältst Du davon: Er geht nach Schweden. Du strebst einen Besuch bei ihm an, vier Wochen lang, oder zwei mal zwei Wochen lang, aber signifikant länger als ein (verlängertes) Wochenende. Wenn dann kommt: "Aber das geht nicht, da habe ich keine Zeit für Dich, ich muss mich doch um meine Karriere kümmern", dann weißt Du, woran du bist. Wenn er freudestrahlend mitmacht: Genießt die Zeit, schaut, wie Ihr in fremder Umgebung und länger als ein Wochenende in vier Wochen miteinander umgeht und schmiedet in Schweden Zukunftspläne. Klar, dass der Vorschlag nicht ganz einfach umzusetzten ist (Zeit, Studium, Geld), aber vielleicht klappt es ja?
 

Benutzer134436  (33)

Ist noch neu hier
Danke für deinen langen Post!

Was ich sicher weiß ist, dass er gerne von mir besucht werden will in der Zeit. Es ist auch nicht so, dass wir uns noch nie mehrere Wochen am Stück gesehen haben und das jetzt das absolut erst Mal für uns/mich wäre.

Er ist da auch ein bisschen widersprüchlich in sachen "Karriere" und vielleicht verletzt mich genau das: Solange es um die Ortswahl oder Ausland geht, richtet sich alles danach, was am besten für die Karriere ist. Während des Studiums ist er allerdings öfter mal faul, lernt nicht so gern und besucht auch nicht immer alle Veranstaltungen. Er hat sich anfangs auch öfter "frei genommen" um mich (aber auch um andere) zu besuchen. Mittlerweile nimmt er es wenigstens ein bisschen ernster.

Bei mir ist das umgekehrt: Ich nehme das, was ich mache, dann auch total ernst und arbeite hart dafür, was ihn übrigens manchmal ärgert. Aufgrund dessen hat er mich in der Vergangenheit auch öfter besucht, weil ich einen strikteren Lernplan hatte. Das ist auch ein Grund, warum ich mir nicht vorstellen kann, zu Hause zu bleiben und die Kinder zu versorgen bzw. nicht allzusehr im Job zurückstecken will: Vom aktuellen Stand aus werde ich wohl einmal mehr verdienen als er und vermutlich auch mehr arbeiten als er. Er hat da auch gar nicht so Lust drauf.

Das ich ihn ins Ausland gehen lasse ist für mich beschlossene Sache. Ich denke ich werde davor nochmal mit ihm reden. Bei solchen Gesprächen gibt er leider immer mir die "Schuld", sagt, dass ich einfach nur nicht will, wenn ich diese Zeit nicht aushalte.

Irgendwie hast du natürlich Recht und das halbe Jahr macht den Kohl auch nicht fett. Es ist vielleicht auch nur der Auslöser, die Fernbeziehung stört mich ja schon lange...
 

Benutzer134215 

Ist noch neu hier
Die Hauptbestandteile einer Fernbeziehung (habe sehr lange Zeit in einer gelebt und gelitten) sind Vertrauen und schonungslose Offenheit. Wenn zwei Menschen, die sich lieben und an ihrer Zukunft und Karriere stricken, sich nicht offen austauschen und jeder Part in dieser Beziehung seinen Vorstellungen nachhängt, ist eine Sollbruchstelle vorgegeben.
Suboptimal ist es für Jeden in dieser Beziehung, wenn die eigenen Vorstellungen segmentweise abgearbeitet bzw. realisiert werden und der/die Partner/in mit den daraus entstehenden, offenen Fragen allein gelassen wird.
Die TE fragt doch zu Recht: Verlange ich zu viel? IMHO kann diese Frage nur der Partner schlüssig beantworten, aber, nach den Einlassungen der TE macht er den ganz lieben Kerl und setzt seinen Dackelblick auf anstatt die, für beide Teile, drängenden Fragen nach der Zukunft konkret zu beantworten.
Wenn die TE für mich glaubhaft ausführt, dass sie nach Beendigung Ihres Studiums monetär besser als ihr Freund dasteht, ist die Frage doch gestattet, warum zieht ihr Freund nicht in ihren Dunstkreis?
Es gibt heute so viele hochqualifizierte Frauen im Berufsleben, da ist es doch nur richtig, wenn sich ein Mann mit schwächer dotierten Aussichten an den beruflichen Perspektiven der Frau orientiert.
Fazit: Visier hochklappen und Klartext reden.
 

Benutzer132552 

Meistens hier zu finden
Murmeltier,

eigentlich hat Cybergirl alles gesagt, ich möchte mich nach Deiner Antwort tortzdem noch kurz zu Wort melden: nach Deinen weiter klärenden Worten, insbesondere dazu, dass Du nach Abschluss des Studiums wahrscheinlich finanziell besser dastehen wirst, fällt mir die Antwort leicht: Du kannst den Anspruch stellen, von ihm eine klare Aussage zum Thema "Wie stellst Du Dir unsere gemeinsame Zukunft nach Abschluss unseres Studiums vor?" zu bekommen. Und den Anspruch stellen, in der dann folgenden Zielsetzung und Planung Deine Bedürfnisse, Karriere- und eventuell Familienwünsche gleichberechtigt berücksichtigt zu wissen.
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren