Was macht für euch eure Männlichkeit/Weiblichkeit aus?

Benutzer91095 

Team-Alumni
Nun ja. Wie Du schon selbst richtig schreibst ist das zunächst einmal nur eine *Fähigkeit*. Kein Mann zwingt Dich, diese zu nutzen. Ganz im Gegenteil: Auf dem Partnerschaftsmarkt ist die Nachfrage nach Frauen ohne Kinderwunsch sogar deutlich größer als das Angebot. Und wenn es nicht so viele Frauen mit intrinsischem Kinderwunsch gäbe, würden die meisten Männer das Thema vermutlich einfach bis zum Sankt-Nimmernsleinstag aufschieben.

Natürlich hat es größere Auswirkungen auf das Leben einer Frau, wenn man die Gebärfähigkeit nutzen will, was zweifellos viele Frauen früher oder später in ihrem Leben in Betracht ziehen (denn sie können anders keine eigenen Kinder haben. Männer können halt bis ins hohe Alter jemanden schwängern, prinzipiell). Aber auch wenn man die Gebärfähigkeit nicht nutzen will oder kann, hat sie Auswirkungen auf das Leben einer Frau, z.B. bei der Anstellung oder Beförderung von kinderlosen Frauen um die 30. Der Ausfall durch Mutterschutz und Elternzeit der Frau ist eine relevante Komponente für ein Unternehmen (vor allem ein kleines), vor allem in leitenden Positionen, und dadurch, dass man beim Vorstellungsgespräch oder anderen Gesprächen bei der Frage nach geplanter Schwangerschaft lügen darf, kann man sich auf die Antwort, dass eine Frau keine Kinder haben will, ja auch nicht mehr verlassen. Ich habe schon öfters gehört, dass das intern bei der Entscheidung, wer welchen Job bekommt, durchaus eine Rolle spielt, auch wenn es eigentlich verboten ist.
 

Benutzer156506 

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Wo wird gesagt, dass Weiblichkeit besser ist als Männlichkeit?
Also, wenn sich die Frage konkret auf den von dir verlinkten Vortrag bezieht: ich sehe das z.B. bei 0:30, "and why i think it [feminity] is not only important, but actually one of the things that can create a more sustainable and equal society".

Wenn man bedenkt, dass sie vorher definiert, dass Feminität == Erlebnisorientiertheit gilt, dann kann man dem sogar zustimmen. Aber diese Definition ist im Grunde nicht anders, weil hier eine positive Sache mit Weiblichkeit assoziiert wird, und eine im Gegenzug zumindest ambivalente Sache mit Männlichkeit.

Und, du kannst eigentlich nur ein Problem damit haben, wenn du mit Femininität verbindest, dass es etwas ist, was zu deiner Männlichkeit oder deiner Person allgemein nicht passt, weil es vllt etwas "schlechtes" für dich ist. Da wäre dann die Frage, wieso das so ist bzw. was DU mit Femininität verbindest, dass du das als negativ empfindest.
"Abgesehen davon wertet sie das Männliche nicht ab, wenn sie das Weibliche aufwertet." Gilt das dann nicht auch umgekehrt?

Ich kann aus vielen Gründen ein Problem damit haben, wenn mir jemand sagt, ich solle weiblicher sein. Zum Beispiel, weil ich diesen Vorschlag u.U. für unglaublich anmaßend halte, oder weil er impliziert, dass ich weiblicher besser wäre, und im Umkehrschluss so männlich schlechter bin. Daraus ergibt sich mitnichten, dass ich mit Feminität etwas Negatives verbinde.

Aber ich bin nunmal ein Mann, biologisch und gefühlt. Das ist meine Männlichkeit, soweit ich sie definieren kann. Ich habe kein Problem damit, ich hab es mir aber auch nicht so ausgesucht. Einer der Gründe, warum ich mit der ursprünglichen Fragestellung abgesehen von der Biologie so ein bißchen meine Probleme hab, ist ja gerade, dass es mir so schwerfällt, an meinen charakterlichen Eigenschaften und Interessen etwas originär Männliches festzustellen, was ich so bei Frauen nicht auch schon erlebt hätte bzw. bei anderen Männern oft genug vermisse. Daraus ergibt sich logischerweise auch ein Problem, etwas originär Weibliches zu definieren, dass an mir fehlt oder an mir unpassend wäre.

In der Definition Weiblichkeit=Erlebnisorientiertheit steckt das erstmal überhaupt nicht drinnen.
Natürlich nicht, aber von der war da auch nicht mehr die Rede. Um es nochmal zu wiederholen: Ich stimme ihr ja grundsätzlich zu, dass ich mehr Erlebnisorientiertheit für wünschenswert halte. Aber ich halte die Unterscheidung in männlich und weiblich an der Stelle für mindestens unnötig und im Zweifelsfall für kontraproduktiv.

Natürlich sind "männlich" und "weiblich" immer subjektive Konstruktionen, deren Zuordnung in ihrer historischen Gewachsenheit und in der persönlichen Wahrnehmung etwas irrationales haben. Trotzdem baut der Mensch seine Identität anhand gewisser Rollenbilder auf, definiert sich über Gruppen. Dass ein Mensch ein Ich-Bild komplett individuell aufbaut halte ich für eine weltfremde Vorstellung. Wenn dein eigenes Idealbild eine positiv besetzte Form von Maskulinität beinhaltet ist es verständlich wenn der Gedanke, "femininer" werden zu sollen nicht unbedingt auf Begeisterung stößt.

Das trifft es ziemlich genau. Wobei ich das ich persönlich das doch wesentlich entspannter sehe, als man angesichts dessen, was ich oben geschrieben habe, glauben mag.

Das mit den Rollenbildern find ich übrigens wesentlich interessanter dabei. Natürlich hab ich mich als Kind an männlichen Vorbildern orientiert. Die waren meist groß, stark, bärtig, langhaarig. Und dann gabs noch die eigentlichen männlichen Rollenbilder in Geschichten, meistens mutig, ehrenhaft, weise etc. Weibliche Rollenbilder gabs auch, aber die einzig brauchbaren fand ich in den Geschichten von Astrid Lindgren. :smile:

Aber vor allem würde ich empfehlen, sich nicht jede Fremdzuschreibung zu eigen zu machen. Es passiert immer wieder dass andere Menschen bestimmte Merkmale oder Verhaltensweisen an einem maskulin oder feminin labeln. Aber das ist dann halt nur deren Verständnis. Wenn man dieser Einschätzung nicht folgen möchte, tut man es einfach nicht.
Ja, ich glaub, ich persönlich kann damit auch ganz gut umgehen. Es fällt mir halt auf, weil ich in der Hinsicht vorbelastet bin. Normalerweise denk ich mir meinen Teil und belass es dabei, aber es kann auch ziemlich nerven.
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Also, wenn sich die Frage konkret auf den von dir verlinkten Vortrag bezieht: ich sehe das z.B. bei 0:30, "and why i think it [feminity] is not only important, but actually one of the things that can create a more sustainable and equal society".

Die Conclusio des Vortrages ist doch, dass beide gemeinsam walten müssen, sowie Yin und Yang eben. Ich merke aber schon, dass ich ein "progressiveres" (nicht wertend gemeint) Verständnis von Männlichkeit und Weiblichkeit habe als diverse Diskutanten hier, denn ich sehe es nicht so, dass die Vortragende das, was sie mit Männlichkeit assoziiert, als Außenstehende kritisiert, sondern als eine, die sich eben sehr stark selbst mit diesen Eigenschaften identifiziert, und quasi eine Kritik auch an sich selbst übt, und überhaupt nicht darüber redet, wie doof doch Männlichkeit nicht ist und dass Weiblichkeit viel viel geiler wär. Ich persönlich würde mich ähnlich einschätzen wie die Lady. Ich bin eine Frau, aber ich habe sehr viele klassisch "männliche" Eigenschaften, ohne dass mir das aber je etwas von meiner Weiblichkeit weggenommen hätte. Ich verstehe das Problem daher überhaupt nicht, was man als männlicher Mann haben kann, wenn man seine "weiblichen" Eigenschaften auslebt. Aber gut, wenn jemand damit ein Problem hat, dann ist das eben so. Das respektiere ich. Wenn du ein Problem mit der Terminologie hast, ist das dein gutes Recht.

Aber diese Definition ist im Grunde nicht anders, weil hier eine positive Sache mit Weiblichkeit assoziiert wird, und eine im Gegenzug zumindest ambivalente Sache mit Männlichkeit.

Nur Weiblichkeit ist sicherlich genauso scheiße wie nur Männlichkeit. Nur Erlebnisorientiertheit ist sicher ähnlich kacke wie nur Ergebnisorientiertheit.
[doublepost=1518482705,1518478526][/doublepost]
Aber die vermeintlich große Relevanz der körperlichen Unterlegenheit kann ich trotzdem nicht mal ansatzweise nachvollziehen.

Ich glaube, dass die körperliche Unterlegenheit der Frau gegenüber dem Mann einer der Hauptgründe dafür ist, dass die Welt so geordnet ist, wie sie ist, und auch eine der größten Limitierungen darstellt in dem Versuch, die Welt anders zu ordnen (der andere Grund ist die Gebärfähigkeit). Sehr viele Dinge, die entweder mit Geschlechterrollen (schwächeres oder schützenswertes Geschlecht) oder mit geschriebenen und ungeschriebenen geschlechtsspezifischen Normen und Regeln zu tun haben, lassen sich darauf zurückführen, selbst wenn das mittlerweile eher archaisch und überholt ist und sich feststellen lässt, dass vieles davon nicht nötig wäre. Das, was T tiefblick77 genannt hat, ist nur ein Beispiel davon. Es geht nicht immer direkt darum, dass man eines auf die Fresse kriegt. Es beeinflusst auch dein Verhalten, wenn du vermeiden willst, vermeintlich eines auf die Fresse zu kriegen. Und auch ist die körperliche Unterlegenheit verantwortlich dafür, dass (ungewollte) männliche Sexualität auf die Frau schnell bedrohlich wirkt. Wäre sie nicht körperlich unterlegen, könnten vermutlich viele Probleme, die diesbezüglich zwischen Frauen und Männern entstehen, vermieden werden.
 

Benutzer164451 

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Aber mit nicht mal 60 kg "Kampfgewicht" (und entsprechend geringer absoluter Kraft) und ohne jegliche Erfahrung mit körperlichen Auseinandersetzungen hätte ich gegen die allermeisten Männer und auch gegen so mache Frau nicht mal den Hauch einer Chance.

Nur so rein interessenshalber - hast du schonmal versucht eine Frau niederzuringen? Mein Mann ist extrem dürr, ich hab vor der Schwangerschaft fast so viel gewogen wie er und er ist total unsportlich. Ich dagegen habe jahrelang in meiner Arbeit schwer gehoben und bin generell fitter als er gewesen. Er braucht trotzdem nichtmal zehn Sekunden um mich komplett bewegungsunfähig zu machen - ich hab nicht die geringste Chance gegen ihn.
 

Benutzer164526 

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Hm... um das wirklich glauben zu können, kenne ich irgendwie viel zu viele begeisterte Väter und Männer mit Kinderwunsch...
Dass jemand ein begeisterter Vater ist, heißt ja noch lange nicht, dass er derjenige war, der das Thema vorangetrieben hat. Klar, es gibt auch tatsächlich Männer, deren Kinderwunsch größer ist als der ihrer Partnerin. Diese sind aber meiner Wahrnehmung nach bei weitem in der Minderheit.
 

Benutzer89539 

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elleicht bin ich ja einfach zu "ignorant oder unsensibel" für dieses Thema, so dass ich "Männlichkeit" und "Weiblichkeit" einfach nur als biologische Zustandsbeschreibungen betrachte und den Ausdruck "mittelmäßig weiblich" ähnlich seltsam finde, wie "mittelmäßig schwanger".
Aber trotzdem geht es mir wohl ähnlich, wie dir: Für einen "echten (Klischee-)Mann" oder auch im Vergleich mit dem Durchschnittsmann bin ich z.B. viel zu dünn, schwach und spärlich behaart. Aber trotzdem würde ich deshalb nie an meiner Männlichkeit zweifeln. - Nicht mal an meiner "optischen Männlichkeit", da man klar und deutlich erkennen kann, dass ich ein Mann bin.
Ich glaube es geht auch nicht darum sein Geschlecht anzuzweifeln, sondern darum wie weit man sich damit im Einklang befindet, wie weit das eigene Wunschbild mit dem Spiegelbild konform geht. Wenn einen im Spiegel eine attraktive Frau entgegen sieht, wenn man sich begehrenswert fühlt (dass gerade Sexualität etwas ist, was das männlich/weiblich-Empfinden besonders ausmacht, haben ja schon ein paar andere geschrieben), macht das einen gewaltigen Unterschied. Auch wenn es gar nicht um Sex geht, macht das für mich eine riesige Dosis geschlechtsspezifisches Selbstbewusstsein aus. Da kann ich Velvet voll und ganz verstehen. Erst gestern abend habe ich z.B. gemerkt wie mein eigenes Weiblichkeitsempfinden sich durch eine kleine stylingtechnische Veränderung um gefühlt 500% gesunken ist. :seenoevil:

Und ich weiß, Banane, das geht über deinen Empfindungshorizont hinaus. Das ist dann wohl so, ich bin froh drum solche Gefühle und Wahrnehmungen zu haben.

Das mit den Rollenbildern find ich übrigens wesentlich interessanter dabei. Natürlich hab ich mich als Kind an männlichen Vorbildern orientiert. Die waren meist groß, stark, bärtig, langhaarig. Und dann gabs noch die eigentlichen männlichen Rollenbilder in Geschichten, meistens mutig, ehrenhaft, weise etc. Weibliche Rollenbilder gabs auch, aber die einzig brauchbaren fand ich in den Geschichten von Astrid Lindgren. :smile:
Bei Astrid Lindgren bin ich vor allem auch über männliche Rollenbilder gestolpert (außer Pippi Langstrumpf, aber die habe ich glaube ich gar nicht als ernstzunehmenden Charakter wahrgenommen). Dafür hat Das Schwarze Auge mir eine ganze Welt voller starker Frauenfiguren geboten. Auch wenn diese aus heutiger Sicht teilweise eine Gießkanne zu viel Klischee abgekriegt hatten, habe ich das total aufgesogen. Das fand ich von Anfang an faszinierend an dieser Welt.
 

Benutzer161456 

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Wenn einen im Spiegel eine attraktive Frau entgegen sieht, wenn man sich begehrenswert fühlt (dass gerade Sexualität etwas ist, was das männlich/weiblich-Empfinden besonders ausmacht, haben ja schon ein paar andere geschrieben),

Kann es nicht sein, dass die menschliche Sexualität gerade deshalb sehr wichtig ist.
... Um sich und seinem sexuelles Standing rück zuversichern?
Nicht umsonst wird starke persönliche geschlechtliche Wahrnehmung und sexuelle Aktivität im Volksmund in einen Topf geworfen.

Überspitzt formuliert:
Kann es starke eigene geschlechtliche Selbstwahrnehmung ohne ein Mindestmaß an Sexleben eigentlich überhaupt geben?
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Hmm weiß nicht, da mag vielleicht was dran sein. Aber zumindest in dieser starken Form
Kann es starke eigene geschlechtliche Selbstwahrnehmung ohne ein Mindestmaß an Sexleben eigentlich überhaupt geben?
finde ich es übertrieben. Ich gehe jedenfalls davon aus dass viele ihr männlich-weiblich-Empfinden aus der Bestätigung ziehen (dabei muss es dann ja gar nicht zwingend zu Sex kommen, auch Flirts können das machen). Aber ich kann mir auch vorstellen dass dieser Faktor für andere keine Rolle spielt. Wer ein geschlechtliches Selbstbild hat das überhaupt nicht auf Sexualität basiert den wird fehlender Sex wohl nicht so darin treffen.
 

Benutzer164526 

Verbringt hier viel Zeit
Natürlich hat es größere Auswirkungen auf das Leben einer Frau, wenn man die Gebärfähigkeit nutzen will, was zweifellos viele Frauen früher oder später in ihrem Leben in Betracht ziehen (denn sie können anders keine eigenen Kinder haben).
Ich finde es schon außerordentlich faszinierend wie Du es schaffst, die Gebärfähigkeit selbst im Hinblick auf einen möglichen Kinderwunsch als etwas Nachteiliges zu deuten. Dabei eröffnet die Gebärfähigkeit Frauen doch gerade in der heutigen Zeit Möglichkeiten zur Realisierung ihres Kinderwunsches, die Männern schlichtweg nicht zur Verfügung stehen. Eine gebärfähige Frau kann ihren Kinderwunsch heutzutage notfalls auch völlig ohne direkte und/oder willentliche Mitwirkung eines Mannes realisieren. Und es gibt tatsächlich auch Frauen, die diese Möglichkeit nutzen. Diese Möglichkeit steht Männern schlichtweg nicht zur Verfügung.

Männer können halt bis ins hohe Alter jemanden schwängern, prinzipiell).
In der Theorie. In der Praxis hingegen kommt das deutlich seltener vor als gemeinhin vermutet wird. Im Regelfall gilt auch bei Männern: Wer bis Mitte 40 nicht Vater geworden ist, der wird auch nicht mehr Vater.
Und auch für Frauen ist der Zug heutzutage nicht zwingend mit Ende 30 abgefahren. Stichwort "social freezing" etc. pp.

Der Ausfall durch Mutterschutz und Elternzeit der Frau ist eine relevante Komponente für ein Unternehmen (vor allem ein kleines), vor allem in leitenden Positionen, und dadurch, dass man beim Vorstellungsgespräch oder anderen Gesprächen bei der Frage nach geplanter Schwangerschaft lügen darf, kann man sich auf die Antwort, dass eine Frau keine Kinder haben will, ja auch nicht mehr verlassen.
In diesem Punkt muss ich Dir allerdings recht geben. Das kann bei kleinen Unternehmen durchaus ein schwieriges Thema sein, gerade auch, wenn das kleine Unternehmen bereits einschlägige Erfahrungen mit weiblichen Nachwuchskräften gemacht hat, die sich am Ende doch lieber für die Familie und gegen die große Karriere entschieden.

Off-Topic:
Ich merke aber schon, dass ich ein "progressiveres" (nicht wertend gemeint) Verständnis von Männlichkeit und Weiblichkeit habe als diverse Diskutanten hier,
Sorry, aber um den Begriff "progressiv" nicht wertend aufzufassen, muss man schon sich kognitiv schon arg verbiegen. :zwinker:


Ich verstehe das Problem daher überhaupt nicht, was man als männlicher Mann haben kann, wenn man seine "weiblichen" Eigenschaften auslebt. Aber gut, wenn jemand damit ein Problem hat, dann ist das eben so. Das respektiere ich. Wenn du ein Problem mit der Terminologie hast, ist das dein gutes Recht.
Das klingt nun schon ziemlich von oben herab. Ich habe kein Problem damit, meine "weiblichen" Eigenschaften auszuleben. Ich habe auch kein Problem damit, mich "erlebnisorientiert" zu verhalten. Aber erstens weigere ich mich, Erlebnisorientiertheit als weibliche Eigenschaft anzuerkennen, zweitens finde ich, dass "weiblich" dafür selbst im abstrakt-willkürlichen Sinne kein passendes Etikett ist, und drittens halte ich es nicht für sachdienlich, die Arbeitswelt weniger ergebnisorientiert zu gestalten.
Völlig unabhängig von den Kategorien männlich/weiblich halte ich es für angemessen und zweckdienlich, dass die Wirtschaft und Arbeitswelt überwiegend ergebnisorientiert sind, und ich habe auch keinerlei Interesse daran, das sich das ändert.

Nur Weiblichkeit ist sicherlich genauso scheiße wie nur Männlichkeit. Nur Erlebnisorientiertheit ist sicher ähnlich kacke wie nur Ergebnisorientiertheit.
Genau das ist der Punkt an dem wir niemals zusammenkommen werden: 80-90% Ergebnisorientierung in der Wirtschaft und Arbeitswelt ist aus meiner Sicht eben gerade *nicht* scheiße, sondern es ist der aus meiner Sicht wünschenswerte Zustand, der aus meiner Sicht auch weiterhin so bestehen bleiben soll. Und das hat überhaupt nichts mit männlich/weiblich zu tun.

Ich glaube, dass die körperliche Unterlegenheit der Frau gegenüber dem Mann einer der Hauptgründe dafür ist, dass die Welt so geordnet ist, wie sie ist, und auch eine der größten Limitierungen darstellt in dem Versuch, die Welt anders zu ordnen (der andere Grund ist die Gebärfähigkeit). Sehr viele Dinge, die entweder mit Geschlechterrollen (schwächeres oder schützenswertes Geschlecht) oder mit geschriebenen und ungeschriebenen geschlechtsspezifischen Normen und Regeln zu tun haben, lassen sich darauf zurückführen, selbst wenn das mittlerweile eher archaisch und überholt ist und sich feststellen lässt, dass vieles davon nicht nötig wäre.
Ich glaube, dass Du das überbewertest.
Der gesellschaftlich-historisch viel bedeutsamere Aspekt ist aus meiner Sicht die Tatsache, dass gebärfähige Frauen bis in die frühe Neuzeit hinein, den ganz überwiegenden Teil ihres erwerbsfähigen Lebensabschnittes hindurch schwanger waren. Im Mittelalter wurden fruchtbare Frauen im Schnitt alle zwei Jahre schwanger. So brutal das auch klingen mag, aber Frauen waren damals aus funktionaler Sicht tatsächlich in erster Linie Gebärmaschinen. Die Gesellschaft wurde um diese "natürlichen" Gegebenheiten herumgebaut.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer161456 

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Hmm weiß nicht, da mag vielleicht was dran sein. Aber zumindest in dieser starken Form

finde ich es übertrieben. Ich gehe jedenfalls davon aus dass viele ihr männlich-weiblich-Empfinden aus der Bestätigung ziehen (dabei muss es dann ja gar nicht zwingend zu Sex kommen, auch Flirts können das machen). Aber ich kann mir auch vorstellen dass dieser Faktor für andere keine Rolle spielt. Wer ein geschlechtliches Selbstbild hat das überhaupt nicht auf Sexualität basiert den wird fehlender Sex wohl nicht so darin treffen.

Ja vielleicht ist das ja auch eher meine persönliche Erfahrung.

Aber ich weiss, dass manche Menschen, die ein Problem mit ihrerm sexuellen Selbstbewusstsein haben, sich auch wenig aus sexueller Betätigung machen. Kann natürlich auch Zufall sein.
 

Benutzer6874  (35)

Benutzer gesperrt
Weiblich: Erlebnisorientiertheit (...) Männlich: Ergebnisorientiertheit.
Das klingt nicht übel, aber stimmt es deshalb? Ich vermute der Weg lief ungekehrt: sprachliches Kunstgewerbe hat danach gelechzt einen Sinn zu bekommen.:zwinker:

So bald wir den Geschlechtern Eigenschaften zuordnen produzieren wir Abweichungen, mit denen wir dann schlecht umgehen können. Macht das Sinn?

Off-Topic:

Nur so rein interessenshalber - hast du schonmal versucht eine Frau niederzuringen? Mein Mann ist extrem dürr, ich hab vor der Schwangerschaft fast so viel gewogen wie er und er ist total unsportlich. Ich dagegen habe jahrelang in meiner Arbeit schwer gehoben und bin generell fitter als er gewesen. Er braucht trotzdem nichtmal zehn Sekunden um mich komplett bewegungsunfähig zu machen - ich hab nicht die geringste Chance gegen ihn.
Off-Topic:
Wenn das so ist, dann machst du etwas falsch, oder er macht es besonders raffiniert. Oder es wirkt etwas anderes. Ich habe z.B.oft gegen meine Schwester Schachpartien verloren, nur weil sie mich mit ihrem Blick verhext hat :grin:
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ja vielleicht ist das ja auch eher meine persönliche Erfahrung.

Aber ich weiss, dass manche Menschen, die ein Problem mit ihrerm sexuellen Selbstbewusstsein haben, sich auch wenig aus sexueller Betätigung machen. Kann natürlich auch Zufall sein.
Das gibt es sicherlich. Vielleicht gerade unter Menschen, die diesbezüglich Schwierigkeiten haben. Aber insgesamt ist das psychosoziale Weiblichkeits- oder Männlichkeitsempfinden so individuell.

Ich habe für mich noch mal drüber nachgedacht - ich glaube letztlich ist für mich das wichtigste, wie ich mich selbst wahrnehme. Da brauche ich dann keine sexuelle Bestätigung (obwohl ich mir vorstellen kann dass das verstärkend wirken kann).
 

Benutzer91095 

Team-Alumni
Ich finde es schon außerordentlich faszinierend wie Du es schaffst, die Gebärfähigkeit selbst im Hinblick auf einen möglichen Kinderwunsch als etwas Nachteiliges zu deuten. Dabei eröffnet die Gebärfähigkeit Frauen doch gerade in der heutigen Zeit Möglichkeiten zur Realisierung ihres Kinderwunsches, die Männern schlichtweg nicht zur Verfügung stehen. Eine gebärfähige Frau kann ihren Kinderwunsch heutzutage notfalls auch völlig ohne direkte und/oder willentliche Mitwirkung eines Mannes realisieren. Und es gibt tatsächlich auch Frauen, die diese Möglichkeit nutzen. Diese Möglichkeit steht Männern schlichtweg nicht zur Verfügung.

Ok, nur noch mal zur Rekapitulation:
1) Du hast gesagt, dass die Gebärfähigkeit eine Frau, die keine Kinder will, nicht beeinflusst.
2)Ich habe ein Gegenbeispiel geliefert.

Dass du jetzt meinst, ich würde alles nur negativ sehen, finde ich in diesem Kontext dann schon witzig. Das hat nichts damit zu tun, dass ich die Gebärfähigkeit der Frau als etwas Nachteiliges deute. Ich gehe nur auf DEINEN Einwand ein. Dass es hier natürlich auch viel Potenzial gibt und dass eine Frau durch ihre Gebärfähigkeit auch andere Möglichkeiten hat einem Kinderwunsch nachzugehen als ein Mann, steht natürlich außer Frage, war aber auch nicht das Thema.

Off-Topic:

Sorry, aber um den Begriff "progressiv" nicht wertend aufzufassen, muss man schon sich kognitiv schon arg verbiegen. :zwinker:

Sehe ich anders. Für mich ist das Gegenteil von "progressiv" (nämlich konservativ oder traditionell) auch kein Schimpfwort. Ich habe das Wort auch extra in Anführungszeichen geschrieben, weil es eine Sichtweise ist, die heutzutage unter Progressivität gefasst wird, aber diese Zuschreibung natürlich auch kritikwürdig ist.

Das klingt nun schon ziemlich von oben herab. Ich habe kein Problem damit, meine "weiblichen" Eigenschaften auszuleben. Ich habe auch kein Problem damit, mich "erlebnisorientiert" zu verhalten. Aber erstens weigere ich mich, Erlebnisorientiertheit als weibliche Eigenschaft anzuerkennen, zweitens finde ich, dass "weiblich" dafür selbst im abstrakt-willkürlichen Sinne kein passendes Etikett ist, und drittens halte ich es nicht für sachdienlich, die Arbeitswelt weniger ergebnisorientiert zu gestalten.
Völlig unabhängig von den Kategorien männlich/weiblich halte ich es für angemessen und zweckdienlich, dass die Wirtschaft und Arbeitswelt überwiegend ergebnisorientiert sind, und ich habe auch keinerlei Interesse daran, das sich das ändert.

Wenn du genau hinschaust, wirst du sehen, dass ich mit dem Beitrag auf Woodstock geantwortet habe, um meine Sichtweise darzulegen, warum ich nicht verstehe, warum ein Mann ein Problem damit hat, bestimmte Züge an sich mit dem Wort "weiblich" zu belegen, während es für mich als Frau überhaupt kein Problem ist, bestimmte Züge an mir als "männlich" zu bezeichnen. Deine Kritik an der Terminologie hab ich schon verstanden. Deine Begeisterung für die ergebnisorientierte Wirtschaft und Arbeitswelt auch. Und ich sehe da für mich auch keinen weiteren Diskussionsbedarf, deswegen habe ich das nicht weiter kommentiert.

Ich glaube, dass Du das überbewertest.
Der gesellschaftlich-historisch viel bedeutsamere Aspekt ist aus meiner Sicht die Tatsache, dass gebärfähige Frauen bis in die frühe Neuzeit hinein, den ganz überwiegenden Teil ihres erwerbsfähigen Lebensabschnittes hindurch schwanger waren. Im Mittelalter wurden fruchtbare Frauen im Schnitt alle zwei Jahre schwanger. So brutal das auch klingen mag, aber Frauen waren damals aus funktionaler Sicht tatsächlich in erster Linie Gebärmaschinen. Die Gesellschaft wurde um diese "natürlichen" Gegebenheiten herumgebaut.

Während der Schwangerschaft ist die körperliche Unterlegenheit aber sogar noch zentraler als sonst. Deswegen kann man diese Aspekte gerade historisch gesehen nicht voneinander trennen. Der Mann als Beschützer und Versorger, die Frau als schützenswerte Person, die sich pro Kind jahrelang zurücknehmen muss. Und vor wem muss die Frau geschützt werden? Vor Wind, Wetter, Hunger... und am Ende auch vor anderen Männern, die die "geschwächte" Position der Frau ausnutzen wollen. Und vom Beschützer zum Bevormunder ist es eben leider nicht weit. Und von der körperlichen Unterlegenheit zu einem Machtgefälle auch nicht. Und von einem Machtgefälle zu einer Geringschätzung der schwächeren Person auch nicht. Ich sage nicht, dass ich diese Sachen nicht verstehen kann oder dass z.B. die strikte Rollenverteilung in der vor-industriellen Zeit nicht seinen Nutzen gehabt hätte. Wäre das nicht so, hätte sich die Gesellschaft so ja nicht entwickelt. Aber ich denke trotzdem, dass sich die Gesellschaft anders entwickelt hätte, wenn die Frau nicht körperlich unterlegen wäre, besonders nicht in der Schwangerschaft (biologisch gesehen ist der Aufwand, den der Körper einer Frau aufwenden muss, und die Hingabe, die sie ihrem Nachwuchs entgegen bringen muss, vor allem im Vergleich zur restlichen Tierwelt ja exorbitant). Dann hätte sie sich nämlich auch sehr viel einfach nicht gefallen lassen, oder sich gar nicht erst bieten lassen müssen. Denn es ist ja auch eine Wechselwirkung. Die Schwäche der Frau ermöglicht das Stärkegefühl des Mannes. Wären Frauen nicht schwach, würde Dominanz vermutlich eher nicht mit Männlichkeit assoziiert werden.
 

Benutzer164526 

Verbringt hier viel Zeit
Ok, nur noch mal zur Rekapitulation:
1) Du hast gesagt, dass die Gebärfähigkeit eine Frau, die keine Kinder will, nicht beeinflusst.
2)Ich habe ein Gegenbeispiel geliefert.
Dein Gegenbeispiel mit den beruflichen Nachteilen aufgrund des Schwangerschaftsrisikos habe ich auch explizit anerkannt. :smile:

Dass du jetzt meinst, ich würde alles nur negativ sehen, finde ich in diesem Kontext dann schon witzig. Das hat nichts damit zu tun, dass ich die Gebärfähigkeit der Frau als etwas Nachteiliges deute. Ich gehe nur auf DEINEN Einwand ein.
Ich kann den Bezug dieses speziellen Aspekts zu meiner Aussage weiterhin nicht erkennen.

Deine Kritik an der Terminologie hab ich schon verstanden. Deine Begeisterung für die ergebnisorientierte Wirtschaft und Arbeitswelt auch. Und ich sehe da für mich auch keinen weiteren Diskussionsbedarf, deswegen habe ich das nicht weiter kommentiert.
Ich frage mich halt ein wenig, welche Zwecke damit verfolgt werden, marktwirtschaftliche Grundprinzipien als "männlich" zu etikettieren antikapitalistische Utopien als "weiblich". Wie man ja auch hier sieht, muss man dann erstmal groß und breit erläutern, dass man diese Ideen nicht etwa aufgrund der Etiketten "männlich" bzw. "weiblich" ablehnt, sondern wegen der Inhalte. Da fände ich weniger bedeutungsschwangere Begrifflichkeiten angemessener.

Der Mann als Beschützer und Versorger, die Frau als schützenswerte Person, die sich pro Kind jahrelang zurücknehmen muss. Und vor wem muss die Frau geschützt werden? Vor Wind, Wetter, Hunger... und am Ende auch vor anderen Männern, die die "geschwächte" Position der Frau ausnutzen wollen. Und vom Beschützer zum Bevormunder ist es eben leider nicht weit. Und von der körperlichen Unterlegenheit zu einem Machtgefälle auch nicht.
Das ist alles nicht völlig falsch, aber mir ging es eigentlich eher um die wirtschaftlichen Aspekte.
 

Benutzer161456 

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ich glaube letztlich ist für mich das wichtigste, wie ich mich selbst wahrnehme. Da brauche ich dann keine sexuelle Bestätigung

Ja eben. Und da beißt sich eben die Katze in den Schwanz.
Es gehört mMn. beides integral bzw. Ganzheitlich zusammen.
Am Ende bringt es anatomisch gesehen nur schnöde den Hormonhaushalt wieder in Schwung.... Mit den enrsprechend positiven Begleiterscheinungen für die Selbstwahrnehmung.
... Mag sein.
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer164526 

Verbringt hier viel Zeit
Kann es starke eigene geschlechtliche Selbstwahrnehmung ohne ein Mindestmaß an Sexleben eigentlich überhaupt geben?
Muss nicht unbedingt Sex sein. Flirts können gegebenfalls auch reichen. Oder eben Diskussionen mit Feministinnen. Aber grundsätzlich stimme ich Dir zu, dass man in Situationen, in denen die Geschlechtszugehörigkeit überhaupt keine Rolle spielt, die eigene Geschlechtsidentität weniger stark wahrnimmt. Ist ja auch irgendwie logisch, denn man braucht ja einen Bezugspunkt.
[doublepost=1518528431,1518527739][/doublepost]
Off-Topic:
Aber grundsätzlich stimme ich Dir zu, dass man in Situationen, in denen die Geschlechtszugehörigkeit überhaupt keine Rolle spielt, die eigene Geschlechtsidentität weniger stark wahrnimmt. Ist ja auch irgendwie logisch, denn man braucht ja einen Bezugspunkt.
Im Übrigen ist das für mich eher ein Argument, warum ich *nicht* in einer Welt/Gesellschaft leben möchte, in der die Geschlechtszugehörigkeit keinerlei Rolle mehr spielt und völlig bedeutungslos ist.
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
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Ja eben. Und da beißt sich eben die Katze in den Schwanz.
Es gehört mMn. beides integral bzw. Ganzheitlich zusammen.
Am Ende bringt es anatomisch gesehen nur schnöde den Hormonhaushalt wieder in Schwung.... Mit den enrsprechend positiven Begleiterscheinungen für die Selbstwahrnehmung.
... Mag sein.
Der Hormonhaushalt beeinflusst ja auch das Empfinden und Denken - und umgekehrt. Insofern würde ich auch nicht ausschließen dass "mehr oder weniger männlich/weiblich fühlen" nicht sogar eine objektive naturwissenschaftliche Tatsache ist. Allerdings habe ich mal gelesen, dass Verliebtheit den Hormonspiegel eher androgynisiert, also würde das den Mann ja eher unmännlich machen :grin:.

Disclaimer: Ich denke gerade ins Blaue. Wie das biochemisch tatsächlich abläuft müsste man im Einzelnen etwas genauer ansehen, ich bin da keine Expertin.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich verstehe das Problem daher überhaupt nicht, was man als männlicher Mann haben kann, wenn man seine "weiblichen" Eigenschaften auslebt. Aber gut, wenn jemand damit ein Problem hat, dann ist das eben so. Das respektiere ich. Wenn du ein Problem mit der Terminologie hast, ist das dein gutes Recht.
Ich glaube, es geht eher um folgenden Sachverhalt:
Ein Mann verhält sich einfach so, wie er es für gut und richtig hält und wie er sich wohl fühlt, ohne sich großartig darum zu scheren, dass dieses Verhalten zufälligerweise in der Gesellschaft als typish männlich gilt, da ihn derartige Kategorien einfach nicht interessieren.
Ist es wirklich verwunderlich dass es dieser Mann anmaßend findet, wenn ihm andere Menschen so etwas, wie "Dein rein männliches Verhalten ist Scheiße! Verhalte dich doch bitte weiblicher." zu ihm sagen?
Das Gleiche gilt natürlich auch für Frauen, die Anfeindungen ertragen müssen, weil sie ganz freiwillig eine klassisch weibliche, nicht mehr dem Zeitgeist entsprechende Rolle einnehmen und sich darin pudelwohl fühlen (z.B. als Hausfrau und Mutter).

Nur Weiblichkeit ist sicherlich genauso scheiße wie nur Männlichkeit. Nur Erlebnisorientiertheit ist sicher ähnlich kacke wie nur Ergebnisorientiertheit.
Auch wenn ich diesen konstruierten Widerspruch zwischen Erlebnis- und Ergebnisorientiertheit genau so wenig sehe, wie die konstruierte Verbindung zwischen diesen Eigenschaften und dem Geschlecht, stimme ich deiner Aussage durchaus zu, solange sie sich auf die gesamte Gesellschaft bezieht:
Da sollte es schon eine gute Mischung aus beidem geben und beides sollte gleichermaßen akzeptiert werden. Aber trotzdem ist es völlig in Ordnung, wenn es einzelne Menschen gibt, die ausschließlich oder überwiegend eine der beiden Orientierungen besitzen. - Und zwar unabhängig davon, ob sie das Geschlecht haben, dem die jeweilige Orientierung zugeschrieben wird, oder nicht.
Und es ist auch absolut sinnvoll und unproblematisch, dass Erlebnis- und Ergebnisorientiertheit nicht in allen Lebensbereichen gleichermaßen wichtig sind, so dass z.B. bei der Arbeit das Ergebnis und bei der Ausübung des Hobbys das Erlebnis im Vordergrund steht.

Ich glaube, dass die körperliche Unterlegenheit der Frau gegenüber dem Mann einer der Hauptgründe dafür ist, dass die Welt so geordnet ist, wie sie ist, und auch eine der größten Limitierungen darstellt in dem Versuch, die Welt anders zu ordnen (der andere Grund ist die Gebärfähigkeit). Sehr viele Dinge, die entweder mit Geschlechterrollen (schwächeres oder schützenswertes Geschlecht) oder mit geschriebenen und ungeschriebenen geschlechtsspezifischen Normen und Regeln zu tun haben, lassen sich darauf zurückführen, selbst wenn das mittlerweile eher archaisch und überholt ist und sich feststellen lässt, dass vieles davon nicht nötig wäre. Das, was T tiefblick77 genannt hat, ist nur ein Beispiel davon. Es geht nicht immer direkt darum, dass man eines auf die Fresse kriegt. Es beeinflusst auch dein Verhalten, wenn du vermeiden willst, vermeintlich eines auf die Fresse zu kriegen. Und auch ist die körperliche Unterlegenheit verantwortlich dafür, dass (ungewollte) männliche Sexualität auf die Frau schnell bedrohlich wirkt. Wäre sie nicht körperlich unterlegen, könnten vermutlich viele Probleme, die diesbezüglich zwischen Frauen und Männern entstehen, vermieden werden.
In alten Rollenbildern, Benimmregeln, usw. spielt die körperliche Überlegenheit der Männer sicherlich eine nicht unerhebliche Rolle.
Natürlich ist all das noch nicht vollständig verschwunden... aber außerhalb irgendwelcher vorsintflutlicher (häufig religiös geprägter) Parallelgesellschaften sind diese alten Dinge doch längst keine festen Regeln mehr und Abweichungen davon werden in einer ziemlich großen Spanne akzeptiert und respektiert. Und auch im Arbeitsleben wird die Körperliche Kraft in vielen Bereichen immer unwichtiger, da viele körperlich anstrengende Tätigkeiten automatisiert oder durch technische Hilfsmittel erleichtert werden und da die nach wie vor körperlich anstrengenden Tätigkeiten nicht unbedingt besonders lukrativ und prestigeträchtig sind.
Von daher sehe ich das heute einfach nicht mehr als großes Problem.

Off-Topic:
Nur so rein interessenshalber - hast du schonmal versucht eine Frau niederzuringen? Mein Mann ist extrem dürr, ich hab vor der Schwangerschaft fast so viel gewogen wie er und er ist total unsportlich. Ich dagegen habe jahrelang in meiner Arbeit schwer gehoben und bin generell fitter als er gewesen. Er braucht trotzdem nichtmal zehn Sekunden um mich komplett bewegungsunfähig zu machen - ich hab nicht die geringste Chance gegen ihn.
Nein. Das habe ich noch nie versucht und ich habe auch kein großes Interesse daran, es jemals zu versuchen.
Bei einer Frau, die nur fast so viel (oder wenig :zwinker:) wiegt, wie ich und die keine Kampfsportlerin ist, hätte ich vermutlich schon relativ gute Chancen, weil ich im Verhältnis zu meinem Gewicht schon ziemlich stark bin. Aber es gibt auch genügend Frauen, die deutlich schwerer sind, als ich. Selbst wenn eine solche Frau absolut nicht notwendigerweise stärker ist, als ich, könnte sie doch auch ihr höheres Körpergewicht nutzen, um mich bewegungsunfähig zu machen.


Ich glaube es geht auch nicht darum sein Geschlecht anzuzweifeln, sondern darum wie weit man sich damit im Einklang befindet, wie weit das eigene Wunschbild mit dem Spiegelbild konform geht. Wenn einen im Spiegel eine attraktive Frau entgegen sieht, wenn man sich begehrenswert fühlt (dass gerade Sexualität etwas ist, was das männlich/weiblich-Empfinden besonders ausmacht, haben ja schon ein paar andere geschrieben), macht das einen gewaltigen Unterschied. Auch wenn es gar nicht um Sex geht, macht das für mich eine riesige Dosis geschlechtsspezifisches Selbstbewusstsein aus. Da kann ich Velvet voll und ganz verstehen. Erst gestern abend habe ich z.B. gemerkt wie mein eigenes Weiblichkeitsempfinden sich durch eine kleine stylingtechnische Veränderung um gefühlt 500% gesunken ist. :seenoevil:

Und ich weiß, Banane, das geht über deinen Empfindungshorizont hinaus. Das ist dann wohl so, ich bin froh drum solche Gefühle und Wahrnehmungen zu haben.
Ich glaube nicht, dass das vollständig über meinen Empfindungshorizont hiaus geht.
Auch bei mir gibt es Situationen, in denen ich mich (z.B. beim Blick in den Spiegel) besonders gut, toll und auch irgendwie begehrenswert finde und Situationen, in denen das Gegenteil der Fall ist.
Der einzige Unterschied ist wohl, dass ich das einfach nicht mit meiner Männlichkeit in Verbindung bringe, da Männlichkeit für mich einfach kein von der Tagesform und weiteren Faktoren abhängiges Gefühl ist, sondern die objektive Beschreibung eines nahezu unveränderlichen Zustandes. (Nahezu, weil es natürlich chirurgische Möglichkeiten gibt...)

Off-Topic:
Überspitzt formuliert:
Kann es starke eigene geschlechtliche Selbstwahrnehmung ohne ein Mindestmaß an Sexleben eigentlich überhaupt geben?
finde ich es übertrieben. Ich gehe jedenfalls davon aus dass viele ihr männlich-weiblich-Empfinden aus der Bestätigung ziehen (dabei muss es dann ja gar nicht zwingend zu Sex kommen, auch Flirts können das machen). Aber ich kann mir auch vorstellen dass dieser Faktor für andere keine Rolle spielt. Wer ein geschlechtliches Selbstbild hat das überhaupt nicht auf Sexualität basiert den wird fehlender Sex wohl nicht so darin treffen.
Das könnte natürlich ein Grund sein, weshalb Männlichkeit und Weiblichkeit für mich nicht mehr, als biologische Zustandsbeschreibungen sind.
Vielleicht ändert sich das ja, wenn ich auch mal die Gelegenheit dazu bekomme, sexuell aktiv zu sein, oder wenn ich wenigstens irgendeine andere Art von "sexueller Bestätigung" bekomme... Vielleicht ist das ja wirklich eine Erfahrung, die meinen Horizont ganz stark in Bereiche erweitert, die für mich aktuell nicht mal ansatzweise vorstellbar oder greifbar sind. - Auch wenn ich irgendwie nicht wirklich glaube, dass das der Fall sein wird.


Ich finde es schon außerordentlich faszinierend wie Du es schaffst, die Gebärfähigkeit selbst im Hinblick auf einen möglichen Kinderwunsch als etwas Nachteiliges zu deuten. Dabei eröffnet die Gebärfähigkeit Frauen doch gerade in der heutigen Zeit Möglichkeiten zur Realisierung ihres Kinderwunsches, die Männern schlichtweg nicht zur Verfügung stehen. Eine gebärfähige Frau kann ihren Kinderwunsch heutzutage notfalls auch völlig ohne direkte und/oder willentliche Mitwirkung eines Mannes realisieren. Und es gibt tatsächlich auch Frauen, die diese Möglichkeit nutzen. Diese Möglichkeit steht Männern schlichtweg nicht zur Verfügung.
Da hast du absolut recht.
Und selbst wenn man von dieser nur Frauen gegebenen Möglichkeit, den Kinderwunsch notfalls auch ohne Partner umzusetzen, absieht, gehören zu den weiblichen Fähigkeiten Dinge, wie z.B. die innige Nähe zum Kind beim Stillen, die ich mir ziemlich schön vorstelle und um die ich die Frauen entsprechend auch ein wenig beneide.
Und auch die besseren Möglichkeiten und die größere gesellschaftliche Akzeptanz, wenn eine Frau für die Familie beruflich zurücksteckt, hätte ich als Mann ebenfalls ziemlich gerne (sofern ich denn jemals die passende Partnerin finde, um eine Familie zu gründen).

Während der Schwangerschaft ist die körperliche Unterlegenheit aber sogar noch zentraler als sonst. Deswegen kann man diese Aspekte gerade historisch gesehen nicht voneinander trennen. Der Mann als Beschützer und Versorger, die Frau als schützenswerte Person, die sich pro Kind jahrelang zurücknehmen muss. Und vor wem muss die Frau geschützt werden? Vor Wind, Wetter, Hunger... und am Ende auch vor anderen Männern, die die "geschwächte" Position der Frau ausnutzen wollen. Und vom Beschützer zum Bevormunder ist es eben leider nicht weit. Und von der körperlichen Unterlegenheit zu einem Machtgefälle auch nicht. Und von einem Machtgefälle zu einer Geringschätzung der schwächeren Person auch nicht. Ich sage nicht, dass ich diese Sachen nicht verstehen kann oder dass z.B. die strikte Rollenverteilung in der vor-industriellen Zeit nicht seinen Nutzen gehabt hätte. Wäre das nicht so, hätte sich die Gesellschaft so ja nicht entwickelt. Aber ich denke trotzdem, dass sich die Gesellschaft anders entwickelt hätte, wenn die Frau nicht körperlich unterlegen wäre, besonders nicht in der Schwangerschaft (biologisch gesehen ist der Aufwand, den der Körper einer Frau aufwenden muss, und die Hingabe, die sie ihrem Nachwuchs entgegen bringen muss, vor allem im Vergleich zur restlichen Tierwelt ja exorbitant). Dann hätte sie sich nämlich auch sehr viel einfach nicht gefallen lassen, oder sich gar nicht erst bieten lassen müssen. Denn es ist ja auch eine Wechselwirkung. Die Schwäche der Frau ermöglicht das Stärkegefühl des Mannes. Wären Frauen nicht schwach, würde Dominanz vermutlich eher nicht mit Männlichkeit assoziiert werden.
Ich halte es für ziemlich einseitig, all diese weiblichen Besonderheiten als Schwäche zu werten.
Kann man es nicht auch irgendwie als Stärke sehen, dass Frauen den allergrößten Teil der Last der Arterhaltung tragen, dass sie es schaffen, neues Leben in sich heranwachsen zu lassen, es unter großen Schmerzen auf die Welt zu bringen und danach durch ihre Muttermilch am Leben zu erhalten?
Natürlich mag das alles zu einer Unterlegenheit bei körperlichen Auseinandersetzungen und einer geringeren Widerstandsfähigkeit gegen widrige äußere Umstände führen... aber ist das deshalb unbedingt eine Form von Schwäche?
Letztendlich sitzen wir (auch im ganz archaischen Sinne) doch alle in einem Boot und müssen unsere ungleich verteilten Fähigkeiten möglichst sinnvoll für das Wohlergehen und die Erhaltung unserer Gruppe einsetzen. (Egal, ob man nun die Familie, oder die gesamte Menschheit als die entsprechende Gruppe betrachtet.)
 

Benutzer164451 

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Kann man es nicht auch irgendwie als Stärke sehen, dass Frauen den allergrößten Teil der Last der Arterhaltung tragen, dass sie es schaffen, neues Leben in sich heranwachsen zu lassen, es unter großen Schmerzen auf die Welt zu bringen und danach durch ihre Muttermilch am Leben zu erhalten?

Im Prinzip bestimmt ja die Gesellschaft was eine Stärke und eine Schwäche ist und Kinder zu kriegen wird definitiv als Schwäche gewertet. Ich hab bereits in zwei Firmen gearbeitet, in denen prinzipiell keine Frauen zwischen 25 und 35 eingestellt werden. Da bist du quasi wertlos.
 

Benutzer164526 

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Off-Topic:
Ich halte es für ziemlich einseitig, all diese weiblichen Besonderheiten als Schwäche zu werten.
Dass sich Feministinnen von der Gesellschaft benachteiligt fühlen, ist ja nichts neues. Dass sich inzwischen immer mehr Frauen sogar von der Natur benachteilgt fühlen, ist hingegen tatsächlich etwas schräg. Das wirkt auf mich zunehmend wie eine Art Jammerkult und Opferfetisch.

Der eigentliche Witz ist aber: Ich habe noch mit keiner Frau gesprochen, die gerne hätte tauschen wollen. Die allermeisten würden nicht einmal für eine Woche ein Mann sein wollen. Hingegen habe ich schon von etlichen Männern gehört, dass sie gerne mal für eine gewisse Zeit in die Rolle einer Frau schlüpfen würden, wenn sie bei einer Fee drei Wünsche frei hätten. Frauen schaffen irgendwie den Spagat, Männer für wenig beneidenswerte Geschöpfe zu halten, und sich dennoch selbst benachteiligt zu fühlen. Für mich grenzt das teilweise schon an kognitive Dissonanz.
 
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