Was löst der Text in euch aus?

Benutzer168737  (24)

Benutzer gesperrt
Eines Tages, Baby,
Da werden wir alt sein,
Ohh, Baby werden wir alt sein,
Und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.
Ich
Ich bin der Meister der Streiche, wenns um Selbstbetrug geht,
bin ein Kleinkind vom Feinsten, wenn ich vor Aufgaben steh'.
Bin ein entschleunigtes Teilchen,
kann auf Kleinstem was reissen, lass' mich begeistern für Leichtsinn, wenn ein andrer ihn lebt.

Und ich denke zu viel nach.
Ich warte zu viel ab.
Ich nehme mir zu viel vor und ich mach' davon zu wenig,
Ich halt' mich zu oft zurück,
ich zweifel' alles an, ich wäre gerne klug — allein das ist ziemlich dämlich.
Ich würd' gern so vieles sagen,
aber bleibe meistens still, weil wenn ich das alles sagen würde wär das viel zu viel,
Ich würd' gern so vieles tun, meine Liste is so lang, aber ich werd' eh nie alles schaffen,
also fang' ich gar nicht an.

Stattdessen häng' ich planlos vorm Smartphone,
wart' bloß auf den nächsten Freitag
Gemach! das mach' ich später — die Baseline meines Alltags.
Ich bin so furchtbar faul wie ein Kieselstein am Meeresgrund,
ich bin so furchtbar faul und mein Patronus ist ein Schweinehund.
Und mein Leben ist ein Wartezimmer — niemand ruft mich auf.
Mein Dopamin das spar' ich immer, falls ich es mal brauche
und eines Tages, Baby,
da werde ich alt sein,
Ohh, Baby werde ich alt sein
und an all die Geschichten denken, die ich hätte erzählen können.
Und du?
Du murmelst jedes Jahr neu an Silvester die wieder gleichen Vorsätze treu in dein Sektglas
und ende Dezember stellst du fest, dass du recht hast wenn du sagst, dass du sie dieses Jahr schon wieder vercheckt hast.
Dabei sollte für dich 2013 das erste Jahr vom Rest deines Lebens werden,
du wolltest abnehmen,
früher aufstehen,
öfter rausgehen, mal deine Träume angehen,
mal die Tagesschau sehn, für mehr Smalltalk, Allgemeinwissen, aber,
so wie jedes Jahr, obwohl du nicht damit gerechnet hast, kam dir mal wieder dieser Alltag dazwischen.

Unser Leben, ist ein Wartezimmer, niemand ruft uns auf,
unser Dopamin das spar'n wir immer falls wir’s nochmal brauchen,
und wir sind jung und haben viel Zeit,
warum soll'n wir was riskier'n?
Wir woll'n doch keine Fehler machen, woll'n doch nichts verlieren
und es bleibt so viel zu tun.
Unsere Listen bleiben lang,
und so geht Tag für Tag ganz still ins unbekannte Land.

Und eines Tages, Baby,
da werden wir alt sein,
Ohh, Baby werden wir alt sein,
Und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.
Und die Geschichten, die wir dann statt dessen erzählen, werden traurige Konjunktive sein wie:
Einmal bin ich fast einen Marathon gelaufen
und hätte fast die Buddenbrooks gelesen,
und einmal wär' ich fast bis die Wolken wieder Lila war'n noch wach geblieben,
und fast, fast hätten wir uns mal demaskiert und hätten gesehen, wir sind die gleichen, und dann hätten wir uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten
– Werden wir sagen

Und das wir bloß faul und feige waren, werden wir verschweigen
und uns heimlich wünschen noch ein bisschen hier zu bleiben,
wenn wir dann alt sind und unsere tage knapp — und das wird sowieso passieren — dann erst werden wir kapieren,
wir hatten nie was zu verlieren,
denn das Leben, das wir führen wollen, das könn' wir selber wählen, also
lass uns doch Geschichten schreiben, die wir später gern erzählen,
lass uns nachts lange wachbleiben, aufs höchste Hausdach der Stadt steigen, lachend und vom Takt frei die allertollsten Lieder singen.
Lass uns Feste wie Konfetti schmeißen, sehn wie sie zu Boden reisen und die gefall'nen Feste feiern, bis die Wolken wieder lila sind.
Und lass mal an uns selber glauben,
ist mir egal ob das verrückt ist, und wer genau kuckt sieht, dass Mut auch bloß ein Anagramm von Glück ist.
Und wer immer wir auch waren,
lass mal werden wer wir sein wolln.
Wir haben schon viel zu lang' gewartet, lass mal Dopamin vergolden.
Der Sinn des Lebens ist leben. - Das hat schon Casper gesagt.
Let’s make the most of the Night - Das hat schon Ke$ha gesagt
Lass uns möglichst viele Fehler machen
und möglichst viel aus ihnen lernen,
lass uns jetzt schon Gutes säen, damit wir später Gutes ernten.
Lass uns alles tun weil wir können und nicht müssen,
Weil jetzt sind wir jung und lebendig und das soll ruhig jeder wissen
und
unsre Zeit die geht vorbei.
Das wird sowieso passieren,
und bis dahin sind wir frei,
und es gibt nichts zu verlieren.
Lass uns uns mal demaskieren und dann seh'n wir sind die Gleichen, und dann könn' wir uns ruhig sagen, dass wir uns viel bedeuten,
denn das Leben, was wir führen wollen, das können wir selber wählen.

Also: Los!
Schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen!
Und eines Tages, Baby,
da werden wir alt sein,
Ohh, Baby werden wir alt sein,
Und an all die Geschichten denken, die für immer unsre sind.

Text von Julia Eniemand

Frage: was fühlt ihr wenn ihr diesen Text lest?
 

Benutzer22419 

Sehr bekannt hier
Nix :ratlos:

Dass das Leben erst jenseits der Comfortzone wirklich Spaß macht und Geschichten schreibt, die es wert sind später erzählt zu werden, ist doch ein alter Hut.
Was die Julia alles hätte anstellen können in der Zeit, in der sie diesen Text geschrieben hat :ashamed:
 
G

Benutzer

Gast
Ja man wird wohl nachdenklich, aber ich versuche auch immer so gut es geht mein Leben zu genießen. Das ist wohl die quintessenz. Vor allem Unabhängigkeit ist mir wichtig.
 

Benutzer168083  (32)

Öfters im Forum
Einmal bin ich fast einen Marathon gelaufen
und hätte fast die Buddenbrooks gelesen,
und einmal wär' ich fast bis die Wolken wieder Lila war'n noch wach geblieben,
und fast, fast hätten wir uns mal demaskiert und hätten gesehen, wir sind die gleichen, und dann hätten wir uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten

Genau das ist die Art wie ich lebe. Ich bin jemand, der nichts tut was größeres Risiko in sich birgt. Ich geh immer auf Sicherheit. Das hat zwei Seiten: Ich habe nicht viel, aber das was ich habe, kann mir keiner wegnehmen.

Der Text an sich ist schön, aber auch das wird nicht dazu führen, dass ich mein Leben radikal ändere. Sicher wär mehr drin im Leben, aber ich bin dankbar für das wenige das ich habe und tu alles dafür, mir das zu erhalten.

"Verrückte Aktionen" wie z.B. ein Auslandssemester birgen finanzielle Risiken, die ich nie bereit war, einzugehen. Ein Urlaub kostet Geld, das ich zwar habe, aber wenn ich krank werden sollte, fehlen mir die Rücklagen. Ein Hobby kostet Zeit, die ich hätte, wenn ich sie mir nehmen würde.

"Eines Tages, Baby" ist ein Text, der sicher vielen Menschen den Spiegel vorhält, nur sind viele sicher nicht ehrlich genug zu sich selber um das zu akzeptieren.
 

Benutzer36171 

Beiträge füllen Bücher
Ich kenne den Text von einem YouTube-Video. Ich glaube, das war ein Poetry-Slam-Wettbewerb...?

So wie er vorgetragen wurde, fand ich ihn wirklich gut auch eindrücklich. Damals war ich aber auch in einer anderen Situation. Ich fühlte mich nicht wohl in meiner Haut und vermied vieles, was mir eigentlich Spaß gemacht hätte, aus Angst und Scham. Das ist heute anders, zum Glück. :smile:
 
Zuletzt bearbeitet:

Benutzer124657  (22)

Meistens hier zu finden
Ich kenne auch das Video vom Poetry Slam :smile:.

Ich habe gelernt, dass man manchmal aus seiner schützenden Haut schlüpfen muss, um etwas zu erreichen. Um voran zu kommen.
Ich denke, ich bin immer noch oft zu ängstlich, aber ich sehe es und sagen mir: Du hättest es tun sollen. Ich sehe es nicht erst irgendwann, sondern gleich. Und das ist gut so, denn dann kann ich immer wieder versuchen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Und irgendwann klappt das auch :smile:.
 

Benutzer123446 

Beiträge füllen Bücher
Ich schätze, vor 15-20 Jahren hätte ich das ziemlich tiefsinnig gefunden. Heute kann ich mit der Julia Engelmann allerdings wirklich nicht viel anfangen. Auch der Text hier - eine neue Erkenntnis ist das ja nun nicht, und wunderbar in Worte gefasst empfinde ich es auch nicht.

Wenn man wirklich das Gefühl hat, sich die Dinge nicht zu trauen, die Spaß machen, die das Leben bereichern usw., dann würde ich nicht dazu raten, darüber über einem Text zu sinnieren oder zu lamentieren, sondern das Ganze einfach mal anzupacken :zwinker:
 

Benutzer89539 

Planet-Liebe-Team
Moderator
Ich mag es. Passt für mich auch wunderbar in die Kategorie "lebe doch einfach mal" - so ein Text ist auch leben, und wenn der Text mir gefällt, oder die Schöpferin ihn gerne geschrieben hat, ist doch wurscht ob man in der gleichen Zeit auch hätte Bergwandern gehen können. Vielleicht wäre man statt dessen in der gleichen Zeit auch einfach im Sofa versackt. :grin:
 

Benutzer161394  (25)

Benutzer gesperrt
Kopfschmerzen.

Ich finde es kitschig, wirr und gab es ähnlich schon dutzende male.

Vor allem: Warum sollte man sich eine Liste machen? Spaß folgt keinem System. Lachen kann man nicht auf eine Uhrzeit feststellen.

Die schönsten Momente erlebe ich eher spontan:

Es ist die unerwartete Begegnung mit einer Frau die dich in ihren Bann zieht, die dein Herz höher schlagen lässt.

Es ist das unerwartet ausgegebene Getränk an der Theke, an das du dich gerne erinnerst.

Es ist die unerwartete Begegnung mit einem alten Freund am Bahnhof wo du denkst: Mensch toll das wir uns über den Weg gelaufen sind.

Und ich denke auch dass andere Sachen wie meinetwegen ein Fallschirm-Sprung am schönsten sind wenn sie spontan kommen, denn dann lebt man mehr für den Augenblick, als für die Tage- Wochenlange Planung.

Aber jeder so wie er mag :smile:
 

Benutzer38494 

Sehr bekannt hier
Frage: was fühlt ihr wenn ihr diesen Text lest?
hm ... fühlen ist zuviel gesagt.
das ganze ist halt abgenudelt und als ich ihn das erste mal gehört habe, fand ich ihn sehr tiefsinnig und gut.

heute ich sehe eine julia engelmann vor meinem geistigen auge und gleichzeitig habe ich den song "one day baby we'll be old" im ohr ... und das ganze nur, weil es mit den entsprechenden zeilen beginnt.
 

Benutzer165903  (20)

Öfters im Forum
Mir fällt gerade ein, dass das vor kurzem bei mir in Deutsch drankam:what:
 
Oben
Heartbeat
Neue Beiträge
Anmelden
Registrieren