Was ist das für ein Gefühl?

Benutzer105955 

Sorgt für Gesprächsstoff
Hallo ihr Lieben,

in den letzten Tagen habe ich ein ziemlich blödes Problem - ich bin total durcheinander. Bis jetzt war ich immer der Meinung, dass es verschiedene Stufen der Liebe gibt, die wie folgt aussehen:

1. Verknallt. Man hat ein totales Kribbeln im Bauch, wenn man ihn sieht. Man ist nervös, hat Angst, etwas falsch zu machen, oder ist ganz einfach so hin und weg, dass man keine "Fehler" in ihm bemerkt. Dauert meistens ein paar Tage bis wenige Wochen.

2. Verliebt. Das Kribbeln ist immernoch da, aber die Nervosität ist verschwunden. Man verbringt viel Zeit miteinander, lernt sich kennen und hat Sehnsucht nach dem anderen, wenn man mal nicht zusammen ist. Man sieht vielleicht auch immernoch durch eine rosa Brille. Dauert meist mehrere Wochen bis Monate.

3. Liebe. Das Kribbeln ist nur noch selten da. Man genießt das Zusammensein, aber es ist normal geworden. Man kriegt vielleicht erst nach längerer Zeit Sehnsucht nacheinander, aber man kann aufeinander vertrauen, kennt sich gut und weiß, wie man miteinander umgehen muss. Hält an.

4. Danach... ja, da fängt mein Problem an. Nach der Liebe ist dann eigentlich keine Liebe, also nix mehr. Aaaaber... in den letzten Tagen wurde ich irgendwie stutzig.

Ich bin seit fast 2 Jahren mit meinem Freund zusammen. Anfangs war ich in ihn verknallt. Kurz danach kam die Verliebtheit, und die dauerte fast ein ganzes Jahr an. Danach kam der erste Tiefpunkt, an dem ich merkte, dass ich so sehr in ihn verliebt war, aber seine Gefühle schwächer waren. Nach längerem Zögern und Überdenken der Situation ebbte dieses Verliebtheits-Gefühl ab, und kurze Zeit hatte ich sogar fast gar keine Gefühle mehr für ihn. Ich beschloss, mit ihm zu reden und danach trotzdem weiterzumachen, und siehe da, bald kamen die Gefühle wieder, diesmal anders. Ich dachte, das war die Stufe der Liebe.
Wir liebten uns gleich viel, er gab sich mehr Mühe, es zu zeigen, und ich schraubte meine verliebte Überdrehtheit ein wenig herunter. Es war gut so, und ich denke, das ist Liebe. Vor Kurzem hatte ich eine erneute Krise, ausgelöst durch zu viel Stress (Arbeit, IHK-Prüfungen, Uni-Klausuren, fast-Scheidung meiner Eltern) auf einmal. Ich hatte kaum Zeit für ihn, hab wie verrückt gelernt und war doch ständig unkonzentriert, besorgt und schlecht drauf. Wir sind dann irgendwie auseinander gedriftet, und meine Gefühle haben abermals nachgelassen. Dieser Zustand hielt über einen Monat an und weckte arge Zweifel in mir. Doch unser Sommerurlaub war gebucht, und der Stress war mit erfolgreichem Bestehen der Prüfungen und Entspannung in der Eltern-Situation von mir genommen. Also sah ich unseren Mittelmeer-Urlaub als letzte Chance an. Siehe da, kaum hatten wir Tapetenwechsel, wurden wir beide merklich entspannter. Wir verbrachten wieder Zeit miteinander, gingen Nachts an den Strand, um Sternschnuppen zu beobachten, hatten Sex im Meer und tranken abends auf dem Balkon Wein und redeten. Und da fing es an. Plötzlich kamen andere Gefühle, die mich stutzen ließen. Es war eine merkwürdige Vertrautheit, ich habe es so genossen, wieder so Nahe bei ihm zu sein. Ab und zu, als er mich mit romantischen Dingen überraschte, kamen wie kleine Wellen der Verliebtheit. Ein paar Sekunden Kribbeln, dann wieder dieses einfache Wohlfühlgefühl. Aber die Liebe, oder das Gefühl, dass ich bis dahin für Liebe gehalten hab, war nicht mehr da.

Und jetzt wundere ich mich. Vor ein paar Jahren habe ich meine Mam gefragt, ob sie meinen Dad nach 20 Jahren Ehe noch liebt. Sie meinte, nicht so wie ich mir das vielleicht vorstelle. Es sei ein Vertrautheitsgefühl, dass man sich auf den anderen verlassen kann. Man fühlt sich wohl zusammen, aber das Kribbeln kommt nurnoch selten, zur Geburt meiner Schwester zum Beispiel oder zum Hochzeitstag. Das ist irgendwie nicht das, was ich mir unter Liebe immer vorgestellt hab. Ich dachte, das, was ich ihn vielen anderen Beziehungen erlebt hab, war Liebe. (ja, ich hatte schon mehrere mehr oder wenige lange und intensive Beziehungen, hatte jedoch schon zwei Mal das Gefühl der Liebe, oder das, was ich dachte, das Liebe ist) Ich habe gehofft, dass eine Beziehung erst nach 5 oder 10 Jahren vielleicht irgendwie diese starke Zuneigung, die man dauerhaft verspürt, verliert oder sich abschwächt. Aber doch nicht nach zwei Jahren??

Jetzt zweifle ich. Ist das, was ich jetzt zum ersten Mal empfinde, etwa echte Liebe? Aber wo ist dann das Liebe-Gefühl? Oder ist das etwas, das nach der Liebe kommt? Oder ist das etwa keine Liebe mehr, sondern nur Freundschaft, gespickt mit "ab und zu Mal kurz Verliebtheit"? Trotz der vielen Krisen, die wir schon hatten, sind wir immer mehr zusammengerückt und haben uns beide viel entwickelt in den zwei Jahren.

Ich bin gespannt mich auf eure Meinungen!
Danke,
Caught
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Dass Liebe nicht jeden Tag gleich stark ist, ist meines Erachtens normal. Es kribbelt nicht jeden Tag, nicht bei jedem Treffen. Aber es kribbelt immer wieder mal. :zwinker:
Welche Art Liebe das nun ist, ist doch im Grunde egal. Liebe definiert sowieso jeder anders und ob ich mich in einer Beziehung wohl fühle oder nicht, das empfinde ich subjektiv und richte mich da nicht nach irgendwelchen Statistiken.

Vertrautheit und Gewohnheit schließen Liebe meiner Meinung nach nicht aus.
Und Liebe schließt auch Verliebtheit nicht aus. :zwinker:
Ich bin seit über 10 Jahren in meinen Partner verliebt. Wir haben inzwischen Alltag, Gewohnheit usw., aber ich bin trotzdem noch verliebt. :herz:

Diese von dir geposteten Stufen gehen also nicht unbedingt ineinander über bzw. wenn die eine Stufe anfängt, hört die vorherige nicht zwangsläufig auf.

Im Lauf einer Partnerschaft gibt es immer mal Zeiten, da ist man sich näher. Dann gibt es wieder Zeiten, da steht man nicht so dicht beieinander. Was aber nicht gleich heißen muss, dass die Liebe nachlässt.

Ich würde dir raten, einfach auf dein Herz zu hören und nicht mit deinem Kopf alles zu Tode zu analysieren. :zwinker:
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Off-Topic:
so ein Beitrag kann nur von einer Frau kommen...:grin: (sorry, konnte ich mir jetzt nicht verkneifen)


Hi,

was bringt es Dir, für jede Gefühlsregung einen Begriff zu haben? Ja klar, diese "Stufen der Liebe" sind wohl im allgemeinen Sprachgebrauch so definiert, aber hilft Dir das in Deiner Beziehung und Deinem Leben auch nur ein Stück weiter?
Vor Allem, wo Du wohl annimmst, daß diese 4 Stufen zwingend aufeinander folgen müssen und mit der 3.Stufe (Liebe) schon das Ende der Beziehung beginnt (zumindest verstehe ich Dich so).

Krisen gibt es in jeder GUTEN Beziehung, die müssen nicht von außen kommen, ich denke, jeder Mensch, der in einer längeren Beziehung lebt, zweifelt auch mal (an der Beziehung, am Partner, an den eigenen Gefühlen) und hinterfragt die Beziehung. Ich halte das sogar für sehr nützlich, denn nur so kann man die Beziehung weiter entwickeln bzw. an die eigene Persönlichkeits-Entwicklung und die des Partners "anpassen".

Was bringt es Dir zu wissen, ob das, was Du momentan fühlst, "Liebe" oder "echte Liebe" oder sonstwie zu nennen ist. Du fühlst Dich doch offensichtlich im Moment sehr wohl mit Deinem Freund und das ist weit mehr, als viele andere Menschen gerade von sich sagen können. Genieß es doch einfach!

Ich würde dir raten, einfach auf dein Herz zu hören und nicht mit deinem Kopf alles zu Tode zu analysieren. :zwinker:
Besser kann ich es auch nicht ausdrücken!

Mark11
 

Benutzer10855 

Team-Alumni
Ach, sie will doch nur verstehen, was sie da gerade genau fühlt. Meines Erachtens ist das kein Kaputtanalysieren, sondern einfach bewusste Auseinandersetzung und die ist hier auch angebracht.

Es passiert ihr ja, dass ihre Gefühle mal "Aussetzer" haben, Zweifel aufkommen und dergleichen. In so einer Situation bringst du es mit "Genieß einfach deine Gefühle" nicht wirklich weit.

@TS: Ich finde es ganz niedlich, wie du das aufgedröselt hast und stimme dir im wesentlichen zu. Es gibt diese Stadien durchaus in mehr oder minder starker Ausprägung bei den meisten Menschen und auch ich sehe es so, dass am Ende die Liebe steht. Während man Verknalltheit und Verliebtheit aber im wesentlichen geschenkt bekommt (oftmals sogar unfreiwillig, ohne das man danach gefragt hätte) muss man sich Liebe erarbeiten und pflegen.

Das Kribbeln, was du beim Verliebtsein verspürst, kommt meistens dadurch, dass du etwas "Neues" mit dem Partner erlebst: erster Kuss, erste gemeinsamer Urlaub oder irgendetwas schönes. Leider ist das danach nicht mehr so leicht reproduzierbar, denn irgendwann kennt man den Partner so gut, dass es einen nicht mehr den großen Reiz wie beim ersten Mal gibt.

Man kann dieses Kribbeln aber noch immer im Stadium der Liebe spüren, indem man entweder sich auf die schönen Dinge besinnt, Erinnerungen wachruft und sich von Neuem überzeugt, warum man sich an diesen Menschen gebunden hat oder in den man gezielt neue Seiten am Partner erkundet bzw. an sich selbst präsentiert. Da sich Menschen im Zuge ihres Lebens durchaus verändern, ist das eine gute Gelegenheit, Schritt zu halten. Beziehungen dürfen niemals an einen Punkt "erstarren" (so wie du es mit deinen Endpunkt Liebe vielleicht suggerierst?) sondern müssen sich stets weiterentwickeln und flexibel bleiben. :jaa:

Dennoch ist das ganze nicht einfach und erfordert manchmal Zeit und Geduld. Während man seinen Kopf voll mit Arbeit, Uni und sonstigen Stress hat, kann man das natürlich nicht tun. Das ist nicht schlimm, denn Beziehungen sind für gewöhnlich stabil genug, um Durststrecken zu überleben. Du musst halt nur schauen, dass diese Sache zwischen euch niemals einschläft und ihr beide das Feuer nicht ausgehen lasst. :zwinker:

Weiterhin ist Liebe ein sehr schönes Gefühl der Geborgenheit und Zugehörigkeit, was sich sanft um einen legt, anstatt einen penetrant durchzuschütteln. Manchmal nimmt man es deswegen aber nicht so wahr und wenn du diese Zweifel hast, solltest du sie dazu nutzen um dich zu erneut davon zu überzeugen, dass zwischen euch alles noch stimmt und seine Richtigkeit hat. Wenn du dir bspw. deinen Partner "wegdenkst" oder dich von ihm entfernst, solltest du noch immer Sehnsucht verspüren. Wenn er dich dann in den Arm nimmt, solltest du dich noch immer geborgen fühlen. Wenn das alles passt, habt ihr eine gute Beziehung. :smile:
 

Benutzer59943  (40)

Verhütungsberaterin mit Herz & Hund
Off-Topic:
so ein Beitrag kann nur von einer Frau kommen...:grin: (sorry, konnte ich mir jetzt nicht verkneifen)
Off-Topic:
Damit hast du wohl Recht. Aber ich finds schon toll formuliert und im Gegensatz zu der Mehrheit der sonstigen Beiträge ist der Beitrag gut geschrieben, enthält nicht in jedem Satz 3 Rechtschreibfehler, enthält Satzzeichen, Absätze usw. :zwinker:
Vielleicht lässt sich der ein oder andere Mann davon inspirieren. :grin:
 

Benutzer106548 

Team-Alumni
Off-Topic:
Damit hast du wohl Recht. Aber ich finds schon toll formuliert und im Gegensatz zu der Mehrheit der sonstigen Beiträge ist der Beitrag gut geschrieben, enthält nicht in jedem Satz 3 Rechtschreibfehler, enthält Satzzeichen, Absätze usw. :zwinker:
Vielleicht lässt sich der ein oder andere Mann davon inspirieren. :grin:
:bier:
 

Benutzer105955 

Sorgt für Gesprächsstoff
Sorry dass ich so lange gebraucht hab, um zu antworten, erstmal danke für eure Ratschläge! @Fuchs hat es wohl am besten getroffen, ich will es einfach nur verstehen, was da gerade los ist. Und mir hats sehr geholfen, was ihr geschrieben habt. Vermutlich hab ich es zu stark abgegrenzt bzw. als "Endstation" Liebe gesehen. In den letzten Tagen hab ich noch ein bisschen darüber nachgedacht und muss euch jetzt zustimmen... ich freu mich noch über ein gemeinsames Bad mit Kerzen oder ein schönes Abendessen mit einem Glas Wein oder eine liebevolle Umarmung, also ich denke, es passt eigentlich :smile:)
 
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