Was ist aus dem Volk der Denker geworden?

Benutzer29377 

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Meiner Auffassung nach hat der Begriff "Denken" mit viel mehr zu tun, als etwas technisches oder auch sonst irgendetwas zu studieren. Ich kenn genug Leute, die studieren, aber trotzdem mit ziemlich dummen Köpfen und mit allem anderen als offenen Augen durch ihren Alltag rennen und vielen Dingen gegenüber völlig ignorant sind ...
Zugegeben geht mir dieser allgemeine Trend zu immer seichterem Geplänkel und Oberflächlichkeit trotzdem ziemlich auf'n Keks.
Wen stören schon Kriege und Hungersnöte, solange ich mein neues tolles Handy hab und mein dummes Video auf Youtube zu sehen ist, ist doch alles paletti. Mal etwas plakativ gesagt.
 
J

Benutzer

Gast
Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Grund, aber nicht der einizige. Ich sehe da ebefalls auch ein gesellschaftliches Problem dahinter.

Zum einen habe ich den Eindruck dass es in der jüngeren Generation tatsächlich an kreative Leuten fehlt, "Machern", Leuten die selbst etwas erschaffen wollen. Der einsame Wolf beschreibt dies mit MoFa frisieren. Habe ich nie gemacht, halte ich für dumm und scheißgefährlich. Aber wo sind die Kids, die schon einmal einen Lötkolben in der Hand gehabt haben und irgendeine Schaltung zusammengebastelt haben? Das Beispiel PC ist auch interessant. Auch zu meiner Zeit gab es schon Computerspiele und auch meine Generation hat damit ziemlich viel Zeit verbracht. Aber die allermeisten beherrschten auch mindestens eine Programmiersprache. Ich habe den Eindruck das ist heute bei weitem nicht mehr so. Man ist viel stärker zum weitgehend passiven Konsum übergegangen, der schöpferische Anteil hat nachgelassen. Das ist jedenfalls mein Eindruck aus der Ferne, ich muss zugeben dass im Verwandten- und Bekanntenkreis keine Jugendlichen im relevanten Alter sind.

Trogdor, das soll jetzt gar nicht böse sein, aber: Mit 31 hast du dich mit der Aussage schon zum alten Eisen befördert. Hör dich mal an :zwinker: : Früher, das war noch was, da hat die Jugend noch was gemacht, heute sind die Kinder faul und unkreativ...passiv...

Früher war alles besser?

Das haben wir doch alles schonmal gehört. Das hat mein Vater doch auch schon über mich gesagt und sein Vater bestimmt auch schon zu ihm usw.

Ich habe durch Freizeitaktivitäten und meinen kleinen Bruder ganz andere Eindrücke von den Kids, die ich weder als "besser" noch "schlechter" als irgendeine andere Generation ansehen würde...ihr braucht euch um die Jugend keine Sorgen macht. Die geht ihren Weg...

trogdor schrieb:
Als zweites sehe ich in den Studiengebühren und der generell schwierigen finanziellen Lage von Studenten ein Problem. Bei Elektrotechnik und ich denke auch anderen technischen Studiengängen ist der Anteil derjenigen, die aus "einfachen" Verhältnissen kommen höher als in anderen Studiengängen. Kinder aus Akademikerfamilien landen eher bei klassischen Fächern wie Jura oder Medizin. Daher vermute ich, dass Studiengebühren in technischen Studiengängen einen höheren Abschreckungseffekt haben als in anderen Fächern.

Ich komm aus einer Arbeiterfamilie und stemme die Kosten ohne größere Probleme, da ich Bafög erhalte und das doch eine enorme staatliche Unterstützung ist. Studiengebühren können in der Tat abschreckend wirken, aber eher für die, die es eh "nur mal versuchen" wollten. Aber die hätten es wohl sowieso nicht durchgezogen.

Stichwort Image: Man hat oft den Eindruck, dass in der Durchschnittsbevökerung der Ingenieur geringer eingestuft wird als beispielsweise ein Mediziner oder ein Jurist. Vielleicht weil die besser gekleidet sind.

Ingenieure in meiner Generation werden sehr hoch eingestuft...da muss der ein oder andere schon aufpassen, dass er nicht an aufgeblähter Brust platzt :zwinker: (ist nett gemeint :zwinker: )


Stagniert der Fortschritt? Das wäre nur das kleinere Problem. Aber irgendjemand muss doch auch etwas PRODUZIEREN. Ich sehe durchaus die Gefahr, dass Deutschland irgendwann einmal nichts mehr erwirtschaftet, weil jeder nur noch handeln, verwalten, beraten etc. will ohne dass wirklich etwas an Arbeitsleistung erbracht wird.

Letztlich ist es egal, wie das Geld erwirtschaftet wird, solange es erwirtschaftet wird und es funktioniert.
Wobei ein Fachkräftemangel in der Tat negative Auswirkungen haben wird. Das kann man nicht beschreiten. Wie sie sich letztlich äußern, wird man sehen.

EinsamerWolf schrieb:
Muss ich auch zustimmen. Juristen haben ein durchschn. Einstiegsgehalt, wenn sie eine Stelle finden von 80t Brutto.

Mal abgesehen davon, dass ein großer Teil der Juristen arbeitslos ist. Mit einem Jurastudent würde ICH NICHT tauschen wollen...
 

Benutzer55552 

Verbringt hier viel Zeit
Mal davon abgesehen, wie man persönlich unterschiedliche Studienfachrichtungen bewerten mag.. das sind doch alles nur Phasen. Mal wollen alle das eine machen, mal das andere. So um die Jahrtausendwende wurden gerade technische Studiengänge wie Informatik oder Elektrotechnik gehyped. Als die Blase dann geplatzt ist, haben sich wieder weniger Leute dafür interessiert. Jetzt gibt's wieder ein Fachkräftemangel, dann wird es bald wieder nach oben ziehen.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Die Natur- und Ingenieurswissenschaften haben leider bei vielen Leuten einen ziemlich schlechten Ruf...
Das Studium gilt (nicht ganz zu Unrecht) als sehr schwer und (meiner Meinung nach zu Unrecht) als viel zu theoretisch, praxisfern, etc.
Dazu gibt es auch noch viele negative Vorurteile (Maschinenbauer laufen in Karohemden und Cordhosen rum und kriegen nie eine Frau ab, Naturwissenschaftler sind komische Freaks und verrückte Professoren, etc.).

Hinzu kommt, dass die Mathematik nun mal in diesen Bereichen eine sehr wichtige Rolle spielt, in der Schule aber für viele Leute das absolute Hass-Fach ist, weil es meiner Meinung nach völlig falsch unterrichtet wird.
Mathematik ist nicht das Auswendig Lernen von vorgegebenen Lösungswegen für bestimmte Aufgabentypen (wie Kochrezepte), was man im Mathematikunterricht in der Schule macht, sondern ein schönes, elegantes, durchweg logisches und faszinierendes großes Gedankengebäude, das sehr interessant sein kann.
Nur leider lernt man in der Schule nur das stupide Rechnen und nicht die Eleganz der Theorie, die dahinter steckt. Verschiedene Bereiche der Mathematik werden als völlig eigenständige Dinge behandelt, obwohl sie zu einem großen Ganzen zusammen gehören.
Ich denke, wenn man in der Schule in Mathe lernen würde, wie man selbst auf Lösungswege für neue Aufgabentypen kommt und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Themengebieten deutlich hervorgehoben würden, wäre der Unterricht wohl viel interessanter und attraktiver.
Ich selbst fand die Mathematik schon immer interessant, weil ich nie "Kochrezepte" auswendig gelernt habe, sondern schon immer (erfolgreich) versucht habe, Zusammenhänge zu finden und mir die Lösungswege selbst herzuleiten. (Ohne entsprechenden Unterricht geht das aber nur, wenn man sich für die Mathematik interessiert und mathematisch und logisch begabt ist)
Den Unterricht selbst fand ich meistens stinklangweilig und habe mich lieber mit anderen Dingen beschäftigt.

Auch in den Naturwissenschaften könnte man den Unterricht interessanter und ansprechender gestalten.

Auch ist es vielen nicht bewusst, wie wichtig Natur- und Ingenieurswissenschaften eigentlich sind.

Zu fast allen Zeiten wurde behauptet, man könnte in den Naturwissenschaften nichts grundlegend neues mehr erforschen. Manchen späteren Entdeckern wichtiger naturwissenschaftlicher Dinge wurde von einem naturwissenschaftlichen Studium abgeraten, weil es angeblich nichts wirklich neues mehr zu endecken gäbe...
Das ist aber einfach falsch!
Selbst die "absurdesten" und "realitätsfernsten", angeblich für das Leben nicht relevanten Theorien finden in der Praxis Massenhaft Anwendung.
Ich denke hier z.B. an GPS, das ohne die Berücksichtigung relativistischer Effekte nicht funktionieren würde, oder an die Magnetoresonanz-, bzw. Kernspin-, sowie die Positronenemmisionstomographie, die es ohne komplizierte quantenphysikalische Erkenntnisse niemals geben würde.
Auch die dazu benötigte Elektronik, Computer, Höchstleistungsrecher, etc. würde es ohne die Natur- und Ingenieurswissenschaften nicht geben.

So wird es auch in Zukunft noch viele weitere neue Entdeckungen geben, die den Menschen viele Vorteile bringen.

Das Problem ist nur, dass diese neuen Entdeckungen in Bereichen liegen, die man sich einfach nicht mehr vorstellen kann (extrem kleine, bzw. große Maßstäbe, extrem tiefe oder hohe Temperaturen, etc.), so dass es immer schwieriger wird, den "normalen" Menschen die Funktionsweise dieser Dinge nahe zu bringen.
 

Benutzer76959  (30)

Verbringt hier viel Zeit
Viel kann ich zu diesem Thema nicht beitragen, da ich ja selber ein junger Spund bin und mit Unis nicht viel am Hut habe. Trotzdem mache ich mir Gedanken, was für mich in Frage kommen könnte. Prinzipiell interessieren mich Naturwissenschaften schon, gerade Dinge die in Richtung Elektronik gehen. Ich schraube gerne rum und das Innenleben von z.B. Fernsehern und PC's interessiert mich. Mein Traum wäre es mal in die Richtung zu gehen. Leider bin ich die totale Niete in Mathe und das ist ja irgendwie essenziell für solche Studiengänge. Deshalb wirds bei mir wohl auch auf was soziales hinauslaufen...
 

Benutzer34514  (38)

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Viel kann ich zu diesem Thema nicht beitragen, da ich ja selber ein junger Spund bin und mit Unis nicht viel am Hut habe. Trotzdem mache ich mir Gedanken, was für mich in Frage kommen könnte. Prinzipiell interessieren mich Naturwissenschaften schon, gerade Dinge die in Richtung Elektronik gehen. Ich schraube gerne rum und das Innenleben von z.B. Fernsehern und PC's interessiert mich. Mein Traum wäre es mal in die Richtung zu gehen. Leider bin ich die totale Niete in Mathe und das ist ja irgendwie essenziell für solche Studiengänge.

Also E-Technik ohne Mathe geht garnicht. Ab einem gewissen Punkt ist es reinste Mathematik. Ich denke hier vorallem an theoretische E-Technik, HF-technik und dergleichen.

@banane0815:
Ich muss dir recht geben. Diesen Ruf kenne ich als Mathematikstudent nur zu gut. Die Schulmathe ist so ein Thema für sich. Wenn ich überleg das ich eigentlich gut war, aber immer massig Leichtsinnsfehler hatte und deshalb meist zwischen 2-4 rumdümpelte...und nun hab ich mein Studium bis auf die DA fertig. Also hab ich mich wohl nicht so falsch entscheiden.

Schule ansich ist leider immer mehr nur ein stubides auswendig Lernen. Für mich ist es schwer nachzuvollziehen wie daraus die Forscher von morgen kommen sollen, wenn man sich nicht selber damit beschäftigt. Ich hatte das Glück gute Lehrer zu haben die ihren Beruf auch noch mit Hingabe durchgeführt haben. Spannend und mit vielen Beispielen. Nicht blos stupides Rechnen und auswendig Lernen.

So wird man eher auf Medizin oder BWL und dergleichen hingetrimmt. Wie sagte mein Prof in AN..."Wenn sie das Telefonbuch von München auswendig Lernen können, dann sind sie hier falsch, sondern sind perfekt für Medizin geeignet."
 

Benutzer16687 

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Ich verstehe den Sinn dieses "Schwanzvergleiches" ehrlich gesagt immer nicht so nach dem Motto :"Mein Studiengang ist schwerer als deiner" usw.

Bringt das irgendwas fürs Ego? Es ist doch gut, dass Leute studieren und ich finde niemandem ist geholfen, wenn immer nur über Fächer hergezogen wird.
 

Benutzer44981 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich verstehe den Sinn dieses "Schwanzvergleiches" ehrlich gesagt immer nicht so nach dem Motto :"Mein Studiengang ist schwerer als deiner" usw.

Bringt das irgendwas fürs Ego? Es ist doch gut, dass Leute studieren und ich finde niemandem ist geholfen, wenn immer nur über Fächer hergezogen wird.
Ich respektiere auch andere Studiengänge und mache sie nicht schlecht.
Nur bei manchen Studiengängen frage ich mich, was man damit später arbeiten will (ich sehe ein Studium hauptsächlich als Berufsvorbereitung und nicht als reinen Wissenserwerb)...

Es gibt allerdings im technisch- naturwissenschaftlichen Bereich einen ordentlichen Fachkräftemangel, so dass man sich hier schon fragt, warum diese (in meinen Augen sehr attraktiven und interessanten) Studiengänge bei so vielen Leuten so unbeliebt sind.
 

Benutzer80223 

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ich gehöre auch zu den "sozialbescheuerten", denn ich habe auch nicht vor, etwas technisches zu studieren, weil dafür bei mir nie interesse geweckt wurde. in der schule wurde sowas nie gefördert.. dafür ist der unterricht (an meiner schule) zu starr gewesen in fächern wie physik oder chemie.

abgesehen davon ist man auch faul.. es ist eben für viele einfacher, gedichtinterpretationen in deutsch zu schreiben als aufgaben in physik zu lösen.
 

Benutzer66354  (34)

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Wenn das so weitergeht wird Deutschland noch ein sozialbescheuertes Land. Ist doch blos noch verrückt.
Ich sehs ja schon an jüngeren die ich kenne...da wird eigentlich keine Zeit mehr damit verbracht das Mofa zu frisieren, Fahrräder zu richten, irgendwelche Sachen aus Holz basteln. Nur noch PC, Console und solche Medien sind in...ist echt traurig.
Naja, das ist aber auch wieder so ne nette Pauschalisierung.
Ich persönlich studiere Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaft (Schwerpunkt Literatur) und Ergänzungsfach Philosophie - gehöre also eher zu den "Dichtern(!) und Denkern" dieses Landes, aber wo bitte ist das "sozialbescheuert"?

Außerdem erlebe ich hier an der Uni einen ziemlichen Ansturm auf Studienagänge wie Chemie, Mathematik, Informatik und Elektrotechnik. Zusätzlich dazu gibt es auch bei uns in Deutschland immer noch Innovationen, Forschungsgruppen... Mein Freund ist Mikrotechnologe (nebenbei hat wahnsinnige Kompetenzen was PCs betrifft und schraubt selbst an seinem Auto, was sagt man dazu? :tongue: ) und arbeitet in einer Firma, die gerade was Neues entwickelt.

Ich sehe da durchaus noch Chancen im Land der "technischen" Denker. Nur nicht für mich. *lol*

abgesehen davon ist man auch faul.. es ist eben für viele einfacher, gedichtinterpretationen in deutsch zu schreiben als aufgaben in physik zu lösen.
Das seh ich ja jetzt erst...
Ich bin nicht faul, mir macht der Umgang mit Literatur einfach wahnsinnig Spaß.
 

Benutzer80800 

Verbringt hier viel Zeit
Ich will nur mal noch zu bedenken geben, was seit neuestem in unserem Land als "Elite-Uni" gehandelt wird bzw. welche Initiativen Elite-Förderung erhalten... Da hat man in der zweiten Runde die Geisteswissenschaften ein wenig getröstet, in der ersten Runde war das ja fast rein naturwissenschaftlich...
 
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