Warum sind Männer so homophob?

Benutzer46933  (40)

live und direkt
also ich find die vorstellung, was mit ner frau zu haben, auch nicht toll, was mich aber nicht davon abhält, frauen trotzdem als attraktive und anziehende menschen anzusehen. und ich hab auch kein problem damit, das zu sagen. also zb ich finde xyz hübsch und attraktiv und sie hat nen knackigen arsch oder sonstwas. bei den männern scheint das ein problem zu sein. neulich gab es einen thread in der kaschemme, da musste ein kerl extra dazuschreiben "ich bin aber nicht schwul!". sowas find ich total überflüssig. es interessiert mich auch gar nicht. es ist auch nicht die frage! kann man denn gar nicht als kerl einfach nur schreiben, was gefragt ist?
 

Benutzer70315  (32)

Beiträge füllen Bücher
"ich bin aber nicht schwul!". sowas find ich total überflüssig.

ja sehe ich auch so! ist doch total überflüssig. ich schreibe ja uach nicht hin, wenn ich mal einen mann sehe der mir optisch gefällt: "ich bin aber nicht heterosexuell"
 

Benutzer9517  (31)

Benutzer gesperrt
Ich bekam zweimal einen "Antrag" von Männern. Denen hab ich freundlich einen Korb gegeben, und zwar ohne zu sagen, dass ich "nicht schwul" sei. Auch Mädchen haben von mir schon eine Absage bekommen - genau wie ich auch. Wie hätte ich mein Desinteresse in diesem Fall begründen können? :tongue:

Als Schimpfwort aus dem Mund von pubertierenden Jungen ist "schwul" vielleicht noch ganz brauchbar. Aber als Kategorie zur Einteilung von Menschen finde ich es überflüssig.
 

Benutzer82573 

Verbringt hier viel Zeit
Ein Bekannter meint ... Schwule Männer sind feminin, "richtige" Männer sind männlich. Er wäre nicht homophob, sondern sieht es als eine Art Beleidigung an, wenn ihn jemand als keinen "richtigen" Mann bezeichnet.

Ich bin nicht homophob, bin ein paar Mal von den Frauen angemacht worden ... es macht mir nichts aus. DAS findet dieser Bekannter natürlich geil.
 
M

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Gast
Ich denke, vielen ist diese Haltung homophob zu sein schon so eingeprägt, dass sie sich gar nicht getrauen, was dran zu ändern. Man könnte ja sofort schwul und schwach wirken:rolleyes:
Das zeigt jedenfalls meine Erfahrung mit Homophoben und Schwulen.
 

Benutzer80619 

Verbringt hier viel Zeit
ich denk mal es liegt einfach an der gesellschaft und daran dass die gesellschaft von männern dominiert wird. wenn es männer nicht geil finden würden wie 2 lesben rummachen dann würde sich niemand soetwas angucken außer eben den lesben und da die frauen wissen dass es in der gesellschaft als sehr normal angesehen wird lesbisch zu sein können sie es ja auch zeigen und damit bei männern sogar noch eindruck gewinnen(den sie vielleicht unbewusst wollen) da es die frauen nicht anregt wie sich männer küssen oder anderweitiges anstellen bringt es den männer nichts soetwas zu machen außerdem gilt es als unmännlich und die, die die meiste angst haben so etwas zu machen sind die, die am meisten angst davor haben schwul zu sein....würd ich jetzt mal vermuten
 

Benutzer82976 

Benutzer gesperrt
Ich denke, vielen ist diese Haltung homophob zu sein schon so eingeprägt, dass sie sich gar nicht getrauen, was dran zu ändern. Man könnte ja sofort schwul und schwach wirken:rolleyes:
Das zeigt jedenfalls meine Erfahrung mit Homophoben und Schwulen.

na ich weiss nicht. ich glaube nicht daran, dass sich in vielen männern der insgeheime wunsch hegt, andere männer irgendwie zärtlich anzufassen. das hat imho nichts mit trauen zu tun, sondern einfach mit widernatürlichen gefühlen.
 
M

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Gast
na ich weiss nicht. ich glaube nicht daran, dass sich in vielen männern der insgeheime wunsch hegt, andere männer irgendwie zärtlich anzufassen. das hat imho nichts mit trauen zu tun, sondern einfach mit widernatürlichen gefühlen.

Sag ich auch nicht. Aber es gibt auch noch was zwischen homo und homophob.
 

Benutzer27369  (35)

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Nochmal zur Klärung...

Ein Kerl, der keinen Schwanz im Mund haben will, ist noch lange nicht homophob! Ich habe eher solche Sachen gemeint:

- Ausflippen, wenn ein guter Freund (! kein Fremder) einem mal im Suff ein Knutscher auf die Wange drückt
- Nicht mit anderen Kerlen in einem Bett schlafen wollen, besser noch in einem eigenen Raum
- Abdrehen, wenn man beim Sport einen Klaps auf den hinter von nem Mann bekommt
- Nicht mit einem Kumpel aus einer Flasche trinken, mit Frauen hingegen schon
- Allgemein gerne Körperkontakt (z. B. freundsch. Umarmung) mit Männern meiden
etc.

Das meinte ich eher damit.
 
K

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Gast
Also ich persönlich würde es nicht schlimm finden, wenn ein kumpel mich umarmt oder man trinkt aus der selben flasche... ist doch nichts dabei o:O
Aber küssen / bzw n schmatzer , oder im selben bett pennen ist schon zu doll...Im selben raum allerdings störts mich auch nich ^^.
kA. warum wir kerle so sind, das ist vielleicht instinkt ^^.
 
1 Monat(e) später

Benutzer58415 

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Hallo zusammen!

Ein Bekannter meint ... Schwule Männer sind feminin, "richtige" Männer sind männlich. Er wäre nicht homophob, sondern sieht es als eine Art Beleidigung an, wenn ihn jemand als keinen "richtigen" Mann bezeichnet.

Das ist ein wesentlicher Punkt. Viele Männer haben vor allem Angst davor, von Frauen nicht als echte Männer angesehen zu werden.

Ein schwuler Mann stört einen Hetero-Mann doch nur, wenn er extrem aufdinglich ist. Das ist aber wohl eher selten der Fall (hab ich selbst auch noch nie erlebt). Das extremste, was ich mal mit einem schwulen Mann erlebt habe, war auf einer öffentlichen Toilette, wo dieser Mann plötzlich über die Zwischenwand sah, um mich auf dem Klo zu beobachten. Als er merkte, daß ich ihn gesehen habe, verschwand er sofort wieder. Er hat sich danach nicht mehr gerührt - er hatte bestimmt Angst, daß ich nun eine Riesen-Welle deshalb mache.

Viele schwule Männer sind sogar eher zurückhaltend; manche trauen sich oft auch heute noch nicht einmal, ihre sexuelle Orientierung einzugestehen. Zwar werden Schwule heute nicht mehr gesellschaftlich total ausgegrenzt oder gar strafrechtlich verfolgt, aber sie werden ja häufig immer noch Zielscheiben für Hohn und Spott, nicht nur für die männlichen Mitmenschen. Vor allem unter Kindern und Jugendlichen ist das häufig so. Und in dieser Zeit werden Menschen nun einmal wesentlich geprägt.

So könnten den Hetero-Männern schwule Männer eigentlich vollkommen egal sein. Wenn Frauen sie aber nicht als echte Männer ansehen, dann ist ihnen das eben nicht egal, weil sie ja bei Frauen möglichst einen positiven Eindruck hinterlassen wollen.

Also geben sie sich die größte Mühe, auf keinen Fall als schwul zu erscheinen. Dazu müssen sie natürlich bei jeder Gelegenheit betonen, daß sie nicht schwul sind, daß sie sich in keiner Weise irgendeine Nähe zu einem anderen Mann vorstellen können und daß sie Homosexualität ganz fürchterlich finden.

Übrigens setzen Frauen das auch ganz bewußt gegen Männer ein. Mir ist es in meiner Schulzeit auch mal passiert, daß eine Mitschülerin, die mich interessant fand, aber keine positive Reaktion von mir bekam, dann später hintenrum das Gerücht verbreitete, daß ich schwul wäre.

Das führt dann eben dazu, daß Männer unbedingt alles vermeiden wollen, was sie als schwul erscheinen lassen könnte.

In früheren Zeiten gab es das so nicht. Homosexualität war damals kein großes Thema - nicht weil es sie nicht gab, sondern weil man darüber einfach nicht redete. Das ermöglichte es befreundeten Männern, sich untereinander etwa so zu verhalten, wie es befreundete Frauen auch heute noch tun.

In den letzten Jahrzehnten hat jedoch der Druck auf Männer zugenommen. Das hängt wohl vor allem damit zusammen, daß das weibliche Rollenbild aufgeweicht wurde, während das männliche Rollenbild weitgehend erhalten blieb. So erwarten viele Frauen auch heute noch bewußt oder unbewußt, daß der Mann deutlich mehr verdient als sie selbst - und immer mehr Männer finden aber keine entsprechenden Jobs. Also müssen sie den Frauen dann auf anderen Gebieten umso mehr ihre Männlichkeit beweisen.

Grüße vom
Katerchen
 

Benutzer84833 

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Ein Wunder, dass ich hier noch nicht den Schrei nach dem Scheiterhaufen oder ähnlichem gehört habe. Ist ja schlimm, was man hier lesen muss.

Da nun dieser unsägliche Thread wieder hervorgekramt wurde, will ich mal ein paar Fakten loswerden. Diese Fakten stammen aus einem Seminar, dass ich im Rahmen meines Studiums der Philosophie belegt habe. Es handelt sich um wissenschaftliche Diskussionen zu eben diesem Thema und ich möchte euch hier zunächst eine Zusammenfassung eines Artikels von Eva Cantarella geben, er trägt den Titel "Die Reglementierung der Bisexualität durch das römische Gesetz". In Folge des Artikels wird deutlich, dass die Bisexualität in der Antike zur absoluten Norm gehörte und ganz andere Maßstäbe gesetzt wurden als heute.
Das wird schonmal einige Theorien hier widerlegen.
Für die weiterhin Interessierten werde ich mir auf Anfrage sehr gerne die Mühe machen, den Artikel abzutippen. Außerdem werde ich euch einen Link hinterlassen, der zu einem Artikel meines Dozenten führt, den er anlässlich einer Tagung geschrieben hat. Dieser Artikel ist leider hochwissenschaftlich und strotzt vor Fremdwörtern - wer aber ernsthaft an dem Thema interessiert ist und mehr Informationen will, möchte sich vielleicht die Mühe machen und ihn zumindest einmal ansehen. Der Artikel von Eva Cantarella ist allerdings leichter verständlich, also fragt ruhig.
So - die Fakten:

In der Antike ist Bisexualität die Regel, es gibt keinen Unterschied zwischen Hetero- und Homosexualität. Der fundamentale Gegensatz findet sich viel mehr in der Aktivität und Passivität. Das bedeutet nun, dass es nicht angesehen war, sich von einem anderen Mann dominieren zu lassen (und natürlich ebenso wenig von einer Frau). Aktivität während des Sex setzt Unterwerfung voraus und definiert die Männlichkeit. Frauen spielen nur eine untergeordnete Rolle.
Als zentrale Beispiele werden Athen und Rom gegenüber gestellt:

Athen:
Die Männlichkeit wird erst mit der Geschlechtsreife erworben. Es ist möglich die passive Rolle innerhalb einer sexuellen Beziehung einzunehmen und zwar im Alter zwischen 12 und 17. Der dominante ältere Part dieser Beziehung war nicht nur sexuell dominant, sondern führte den Geliebten auch intellektuell. Das bedeutet er führte ihn in die Gesellschaft ein und war für sein intellektuelles Vermögen ebenso zuständig, er war damit Lehrer und Geliebter.
Wenn der 'pais', so die Bezeichnung für den jungen Geliebten, allerdings zum Mann wurde (mit 18), musste er selbst aktiv werden und durfte nicht mehr der Geliebte sein.
Sanktionen, wenn das nicht eingehalten wurde: Bloßstellung.
Ferner durfte es kein sexuelles Verhältnis zu Sklaven geben.

Fazit: Sexuelle Beziehungen sowohl zu Männern als auch Frauen, sind akzeptiert. Aktivität ist aber notwendig, soziale Regeln geben die Wahl des Partners vor.

Rom: Männlichkeit wird gleichgesetzt mit der Fähigkeit, sexuell zu unterwerfen. Auch hier ist die Norm des männlichen Verhaltens die Aktivität, das Geschlecht der unterworfenen Person ist nicht relevant. Pädasterie dagegen war nicht erlaubt - Pädasterie bedeutet "Knabenliebe", also eine sexuelle Beziehung vom Mann zum Jungen - es gibt also hier nicht den 'pais' wie in Athen.
Sklaven müssen sich sexuell unterwerfen, wobei auch Freigelassene in die Pflicht genommen werden können.
So ein Sklave war "auserwählt", er war Konkubin, schlief mit seinem Herren und genoss alle daraus resultierenden Vorteile.

Fazit: Bisexualität war im alten Rom normal. Unterwerfung war oberstes Gebot, freie junge Römer waren tabu und die Ehe beendete das öffentliche Sexualleben mit Männern.

So... wie kam es zu einer Sinnesänderung, die sich noch heute zeigt?

Das Christentum:

Das Christentum etabliert einen neuen Grundgegensatz, nicht mehr den von Aktivität und Passivität, sondern den von Heterosexualität versus Homosexualität.
Auch die heidnische Sexualmoral wandelt sich durch das Christentum, die Unterwerfung weicht hier der Respektabilität (parallel zum Wandel der Staatsmoral). Die Frau wird zur Gefährtin statt zum Besitz, die Treue wird zum Wert.
Die neue Paarmoral im heidnischen Bereich macht die christliche Moralisierung des sexuellen Lebens einfacher.
Die Fortpflanzungsfunktion wird betont.
Es gibt eine Beschränkung der zulässigen Beziehungen auf die Ehe.
Es kommt vermehrt zu Verboten und Sanktionierungen:
- Reduzierung von männlichen Prostituierten
- 342/390/438 Verbote männlicher Passivität
- 538 alle männliche Bisexualität kann bestraft werden
- 559 erneutes Verbot aller männlicher Bisexualität

Fazit: Nach einer Reihe von Erlassen wurde die Homosexualität und damit auch die männliche Bisexualität spätestens ab 559 verdammt.

Was möchte ich euch damit sagen?
Sicherlich nicht, dass alles in der Antike richtig war, das ist ganz offensichtlich nicht der Fall. Was man jedoch daraus lernen kann ist zunächst, dass die Homophobie nicht auf unsere Biologie gründet und in den Menschen verankert ist seit der Steinzeit.
Homophobie ist ein gesellschaftliches Produkt, ebenso wie es damals die Verdammung der Passivität war. Es geht hier allein um gesellschaftliches Ansehen und wer tatsächlich etwas gegen Homosexuelle, seien es Schwule oder Lesben, hat, der sollte sich zumindest bewusst sein, woher dieses Denken kommt. Und er sollte es reflektieren und sich fragen, ob sein Denken nicht gegen andere gesellschaftliche Grundsätze unserer Zeit verstößt und veraltet ist. Was ist mit der viel gepredigten Toleranz? Mit sexueller Freiheit bis auf die bekannten und begründeten Tabus (Pädophilie, etc.), mit dem Recht eines Menschen seine Freiheit zu leben, so lange er andere nicht in ihrer Freiheit einschränkt und verletzt?
Ich meine es ernst. Denkt nach. Einige Meinungen hier sind nicht schwulenfeindlich, sie sind menschenverachtend - denn das ist dasselbe. Da klingelt das dritte Reich mit einem riesigen Gong an der Tür.
Auch in dieser Hinsicht solltet ihr euch überlegen, ob eure Prägungen nicht verstärkt noch aus dieser Zeit nachebben.
Wie traurig ist das?

Ich werde hier nur auf Antworten reagieren, die nicht in die Beleidigung von Homosexuellen ausarten und keinerlei Reflektion zeigen. Allen anderen antworte ich gerne.

Man, macht mich sowas wütend.

Vor lauter Ärger fast den Link zu dem Artikel des Dozenten vergessen: http://www.ruendal.de/aim/tagung07/pdfs/groneberg.pdf

PS: Ich hoffe es ist deutlich, dass sich hier niemand angegriffen fühlen muss, der einfach selbst keine homosexuellen Neigungen hat und sie nicht praktizieren möchte. Das ist völlig in Ordnung, meine Wut richtet sich nur gegen die allgemeine Verurteilung von Homosexualität und tatsächlicher Homophobie.
 

Benutzer54457 

Sehr bekannt hier
Ich hab z. B. einen Kumpel in meinem Freundeskreis, der wenn er bei einem anderen Mann pennt, grundsätzlich in einem anderen Raum schlafen will, obwohl weder er noch alle seine Freunde homosexuell sind und ein zwei Meter breites Bett vorhanden wäre.
furchtbar.

ich bin nicht homophob und hab auch schon erfahrungen mit schwulen männern gemacht, im zivi und danach auch. so what, ich finde, eine normale reaktion ist, sich geschmeichelt vorzukommen.
 

Benutzer58415 

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Hallo Kierke!

Homophobie ist ein gesellschaftliches Produkt...

Genau.

Manche Leute halten Homosexualität für widernatürlich, weil sie nicht der Fortpflanzung dient.

Dabei wird übersehen, daß keineswegs jeder Mensch die Chance zur Fortpflanzung bekommt!

In früheren Zeiten waren von diesem Problem noch viel mehr Menschen betroffen als heute. Es gab damals vielfältige Probleme, die ein Mensch im einfachen Volk überwinden mußte, um überhaupt einen Partner zur Fortpflanzung zu finden. Erst einmal waren die Menschen ja weitaus weniger mobil - wer also in abgelegenen Gegenden wohnte, hatte eben sehr wenig Auswahl. Dann befanden sich viele Menschen in Abhängigkeit von anderen, die dann meist das Recht hatten, ihnen direkt oder indirekt sexuelle Aktivitäten zu verbieten. Das galt insbesondere für sexuelle Aktivitäten, die Nachwuchs zur Folge haben konnten. Noch im 19. und 20. Jahrhundert war man üblicherweise nicht daran interessiert, daß weibliches Dienstpersonal schwanger wurde. In Zeiten der Leibeigenschaft brauchte man für eine Heirat die Genehmigung des Grundherren, insbesondere, wenn man in jemandem aus einem Dorf eines anderen Grundherren verliebt war. Dann mußten nämlich Leibeigene zwischen den Grundherren ausgetauscht werden, und manche Grundherren hatten darauf einfach keine Lust und verweigerten deshalb ihre Erlaubnis. In Zeiten der Sklaverei ging es noch rigoroser zu - männliche Sklaven wurden in manchen Ländern sogar grundsätzlich kastriert.

Selbst wenn man all diese Hindernisse nicht im Weg hatte, wurde doch von einem Mann immer ein gewisser Besitzstand erwartet, und die Eltern einer Frau mußten auch eine gewisse Mitgift aufbringen können. Natürlich gab es auch die Möglichkeit, einfach ohne Heirat Sex zu haben, was auch gar nicht selten getan wurde. Nur wenn dabei dann Kinder heraus kamen (und das war ja auch nicht so leicht zu verhindern wie heutzutage), dann konnte es problematisch werden...

So gab es eben immer Menschen, die entweder Probleme vermeiden wollten oder wirklich überhaupt keine Chance auf Sex mit dem anderen Geschlecht hatten. Die fielen ohnehin für die Fortpflanzung aus, und es konnte durchaus sinnvoll sein, daß sie sich bei entsprechender Neigung dann eben sexuell mit dem eigenen Geschlecht vergnügten. So staute sich bei ihnen zumindest kein Frust auf.

Im alten Rom war das ja für Männer, wie du hier schön beschrieben hast, auch mehr eine Art Notlösung bis zur Heirat mit einer Frau.

Im übrigen wurde weibliche Homo- und Bisexualität immer weitaus weniger oder gar nicht verfolgt. Ein Grund dafür war einfach, daß man davon ausging, daß sexuelle Aktivitäten zwischen Frauen kein Hindernis für die Fortpflanzung darstellen, während der ja auch bei homosexuellen Aktivitäten häufig vorkommene Samenerguß des Mannes als ein solcher Verlust gewertet wurde. Das war aber eben falsch, weil ohnehin rein statistisch nicht jeder Mann die Chance zur Fortpflanzung hat.

Das ist übrigens sogar heute noch so, denn laut Statistik gibt es in Deutschland mehr kinderlose Männer als kinderlose Frauen.

Bisexualität ist übrigens auch im Tierreich weit verbreitet und führt auch dort nicht zum Aussterben von Tierarten.

Grüße vom
Katerchen
 

Benutzer84833 

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Im alten Rom war das ja für Männer, wie du hier schön beschrieben hast, auch mehr eine Art Notlösung bis zur Heirat mit einer Frau.

Deine Argumentation richtet sich gegen das fadenscheinige Argument, dass Homosexualität aufgrund der nicht möglichen Fortpflanzung widernatürlich und zu verurteilen sei. Den Argumenten stimme ich zu, aber nicht dem oben zitierten Satz.

Es handelte sich im alten Rom nicht um eine Notlösung, noch weniger in Athen, wie man sicherlich meinen Beschreibungen entnehmen kann. Die Männer hatten vor der Ehe wie zu allen Zeiten die Möglichkeit sich von ihnen abhängige Frauen oder Huren zu nehmen, wenn sie eine Frau wollten. Eventuell nicht erwünschte Kinder hat da die meisten Männer zu keiner Zeit aufgehalten, für diese Probleme hat es (wenig schöne) Lösungen gegeben.
Wenn es eine Notlösung gewesen wäre, dann hätten diese Möglichkeiten nicht existieren dürfen und vor allem - es hätte nicht der Fall sein dürfen, dass die Männer ihre Beziehungen zu anderen Männer weiter führten, jedoch nicht mehr öffentlich.
Das traf wahrscheinlich nicht auf alle, aber auf viele Männer zu (es ist aus Anspielungen in Komödien und anderen überlieferten Stücken herauszulesen).
Eva Cantarella schreibt dazu: "... Er war derjenige junge Sklave, den man Konkubin (concubinus) nannte. Er schlief in der Regel mit dem Herrn und genoss alle Vorteile, die dies mit sich brachte - jedoch nur, bis der Herr eine Ehe einging. Von da an wurde die Beziehung, falls sie bestehen blieb, heimlich fortgesetzt. Die Frau wusste nichts davon oder tat so, als wisse sie nichts."
"Theoretisch musste der Ehegatte mit der Heirat auf die jungen Leute verzichten. Ob dies auch eingehalten wurde, ist eine andere Frage."

Es war damals so wenig Notlösung wie heute. :zwinker:
Dein Text klingt ein wenig so, als wenn keine andere Wahl geblieben wäre.

Die Sicht eines Römers war einfach eine komplett andere, als wir sie heute erlernen. Eine Textstelle dazu, nach der man sich auch nicht mehr wundern dürfte, warum es oft nach der Hochzeit weiter ging:
"Norm männlichen Verhaltens war weiterhin die Aktivität. Diese war, so möchte ich beinahe sagen, an ihrem Höhepunkt. Für die Männer war Männlichkeit, verstanden als Fähigkeit, sexuell zu unterwerfen, eine Besessenheit. Aber dieser Tatbestand sollte nicht allzu sehr überraschen. Die Sexualmoral war von denselben Prinzipien geleitet wie die Staatsmoral, und die war auf Eroberung ausgerichtet. Der civis romanus, der Bürger Roms, musste die Welt beherrschen. Er musste durch Waffengewalt und Gesetzeskraft die nicht-römischen Ausländer und Völker dominieren, die seine Milde nur erhoffen durften, wenn sie sich unterwarfen. Andernfalls wurden sie gewaltsam unetrdrückt. (...)
Seine Mitbürger musste sich der Römer im öffentlichen Leben durch die Waffe der Rede unterwerfen, die er von Jugend an studierte, um sich einen Platz im politischen Leben zu erobern. Im Kreise der Familie herrschte er konkurrenzlos und unangefochten wie ein absoluter Souverän, zuallererst natürlich über die Sklaven, aber nicht nur. Sein Wille erstreckte sich mit gleicher Härte auf seine Kinder und Enkel, seine Frau und seine Schwiegertöchter.
Offensichtlich konnte er in einem solchen Kontext voraussetzen, seinen Willen allen aufdrängen zu dürfen, auch in sexueller Hinsicht. Wie Paul Veyne ganz richtig bemerkte, war seine Männlichkeit eine "der Vergewaltigung": Wollte er ein Mann sein, musste er seinem Begehren alle unterwerfen, die es erweckt hatten oder die im Moment seines Auftretens zu seiner Verfügung standen. Dabei war das Geschlecht der unterworfenen Person nicht relevant. Darüber hinaus war die Unterwerfung eines anderen Mannes eine Art Beweis für noch mehr Männlichkeit."

Männer und Jungen wurden nicht als Notlösung herangezogen, sie wurden ebenfalls sexuell begehrt.


Was nun deine Kritik angeht: falls jemand tatsächlich auf die Fortpflanzung pocht, muss er im gleichen Zug alle verdammen, die Verhütungsmittel nutzen (was die Kirche ja auch sehr lange vertrat) und ist ebenso abartig wie ein Homosexueller, wenn er mit einer Frau schläft, welche die Pille nimmt. Oder sich ein Kondom überstreift.
Und was ist dann eigentlich erstmal mit Menschen, die unfruchtbar sind? Was, wenn jemand entsprechende medizinische Eingriffe hat durchführen lassen? All diese Menschen sind dann pervers und zu verurteilen.
Im Übrigen gilt das im Extrem dann auch für jeglichen Sex, der nicht zum Zweck der Fortpflanzung stattfindet. Willkommen in der Kirche des Mittelalters.
 

Benutzer58415 

Verbringt hier viel Zeit
Hallo Kierke!

Ja, in Bezug auf die alten Römer hast du wohl Recht. Zumindest auf diejenigen von ihnen, die wohlhabend genug waren, um sich Menschen jeglichen Geschlechts unterwerfen und die auch überallhin mitführen zu können.

Homo- oder bisexuelle Aktivitäten konnten und können aber durchaus den Charakter einer Notlösung haben. Das sieht man heute noch in Gefängnissen. Da ist sowohl in Männer- als auch in Frauengefängnissen Homosexualität durchaus weit verbreitet. Sowas praktizieren dort häufig auch Menschen, die vorher im normalen Leben dahingehend überhaupt keine Ambitionen hatten.

Im antiken Rom gab es solche Situationen auch außerhalb von Gefängnissen: Auf Kriegszügen. Blitzkriege gab es ja früher nicht. So ein Krieg zog sich normalerweise monatelang, manchmal auch jahrelang hin. Allein der Anmarsch zum Kriegsgebiet dauerte oft Wochen oder Monate. Einfache Legionäre konnten dabei keine Frauen mitnehmen. Es gab dann im Troß zwar wohl manchmal auch Prostituierte, aber nicht immer, und dafür brauchte man ja auch Geld, das man aber nicht immer hatte. Frauen vergewaltigen konnte man auch nicht immer einfach so - in eigenen Gebieten war das häufig schlecht, und im feindlichen Gebiet flüchteten die Einwohner üblicherweise, wenn feindliche Soldaten anrückten. Manchmal war man auch längere Zeit abseits von Ortschaften unterwegs - die Welt war ja damals noch nicht so dicht besiedelt wie heute.

Da gabs dann nur drei Möglichkeiten: Abstinzenz, Onanie oder eben Homosexualität. Gerade die von dir beschriebene römische Mentalität legte Letzteres doch regelrecht nahe. Da mußte es einem Legionär mit sexuellem Notstand doch regelrecht verlockend erscheinen, einen anderen Legionär zu vergewaltigen. Und wenn er das schaffte, dann wird der andere Legionär auch ganz sicher die Klappe gehalten haben, weil es für ihn eine noch größere Schmach gewesen wäre, wenn alle davon erfahren. So wurde er dann wiederum erst recht erpreßbar für weitere sexuelle Aktivitäten - da kam er nur raus, wenn er den Anderen tötete. Womit der aber selbstverständlich rechnete.

Ich schätze mal, daß genau das auch heute in Gefängnissen ein gar nicht so unwesentliches Motiv bei homosexuellen Aktivitäten ist.

Aber eine gewisse Neigung muß natürlich da sein, das stimmt schon. Ich denke aber, daß die meisten Menschen von Natur aus bisexuell veranlagt sind. Wäre es anders, dann wäre es ja auch nie nötig gewesen, Homosexualität zu verteufeln.

Daß die katholische Kirche das so lange Zeit so vehement getan hat, kann ja auch noch einen Grund haben:

Man versetze sich mal in die Lage eines schwulen jungen Mannes aus der Mittelschicht im Mittelalter. Da Homosexualität ja eine schwere Sünde ist, darf er sich dazu nicht offen bekennen. Vielleicht hat er heimlich ein Verhältnis mit einem Mann, vielleicht versucht er auch, seine Neigungen zu unterdrücken, weil er sie selbst durch seine Erziehung für sündhaft hält. In jedem Fall kommt er aber allmählich in ein Alter, wo es an der Zeit ist, nach einer Frau Ausschau zu halten. Da seine Eltern über einen gewissen Besitz und eine gewisse gesellschaftliche Stellung verfügen, werden sie da natürlich den Dingen nicht einfach ihren Lauf lassen. Der Sohn soll ja nicht die nächstbeste Straßendirne heiraten, sondern eine Frau zumindest aus der Mittelschicht, die mit ihrer Mitgift das Vermögen der Familie mehrt. Von seiner Homosexualität wissen sie nichts, oder sie verdrängen es, wenn sie es ahnen. Also werden sie ihren Sohn irgendwann mal fragen, ob er nun nicht mal bald heiraten möchte.

Was kann er nun tun? Er hat nur drei Möglichkeiten:

1. Er fügt sich dem Willen seiner Eltern, läßt sich von ihnen eine Frau aussuchen, heiratet sie und tut im Ehebett gerade mal soviel wie zur Kinderzeugung unbedingt nötig ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird er sich dabei nie richtig glücklich fühlen, er wird womöglich heimlich sexuelle Kontakte mit Männern haben, dabei vielleicht erwischt werden...

2. Er kann sich weigern. Dann riskiert er, daß seine Eltern ihn verstoßen und enterben. Auch muß er dann damit leben, daß seine Mitmenschen ihn schief ansehen, weil er als Mann in den besten Jahren und mit einigem Vermögen immer noch unverheiratet ist.

3. Er sagt seinen Eltern, daß er eine kirchliche Laufbahn einschlagen möchte. Damit verzichtet er zwar auf das elterliche Vermögen, aber er ist ja in der Kirche auch versorgt. Und er hat Ruhe vor Fragen und Drängen seiner Mitmenschen. Daß er nicht verheiratet ist, versteht sich ja von selbst, durch das Zöllibat.

So kann ich mir vorstellen, daß gar nicht wenige schwule Männer sich für die dritte Variante entschieden haben.

Sie hatten dann wiederum zwei Möglichkeiten, mit ihrer Homosexualität umzugehen:

1. Konnten sie versuchen, sie zu verdrängen. In dem Fall haben sie diese Neigungen wohl oft selbst als Sünde betrachtet. Wenn sie diese "Sünde" schon in sich selbst bekämpften, dann hatten sie natürlich entsprechend wenig Verständnis für andere homosexuelle Männer, die ihre Neigungen wirklich auslebten. Wobei dann wohl immer auch eine gehörige Portion Neid mitschwang.

2. Konnten sie heimlich sexuelle Kontakte mit Männern haben, vielleicht auch mit anderen Geistlichen in derselben Situation. Das durfte dann aber auch nicht öffentlich bekannt werden. Deshalb können sie sich genötigt gesehen haben, nach außen hin umso stärker Homosexualität zu ächten, nur damit auch ja niemand auf den Gedanken kommt, daß sie selbst homosexuell sind.

Natürlich kann die "Homophobie" der katholischen Kirche dadurch nicht verursacht worden sein, aber ich halte es durchaus für möglich, daß sie dadurch verstärkt wurde.

Grüße vom
Katerchen
 
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