TV Warum schaut ihr Trash-TV ?

  • Themenstarter Gelöschtes Mitglied 105213
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Gast
So, da diese Diskussion nicht in die jeweiligen Threads gehört, gibt´s jetzt einfach einen eigenen Thread :grin:

Warum schaut ihr GNTM, schmierige Bachelor oder die Sender, in denen in hübscher Regelmäßigkeit Leute ihre Würde an der Tür abgeben müssen ? :tongue:


Ich weiß ich werde gleich anecken, aber ich finde solche Serien schlimm. Richtig schlimm. Mir ist klar, dass viele ( wie viele ?) wissen, dass solche Serien gescripted sind und nicht real sind. Trotzdem finde ich, dass z.B. GNTM negative Auswirkungen auf junge Zuschauerinnen haben könnte (!), eben was das Körperbild angeht. Vielleicht übernehmen junge Zuschauer aber auch Verhaltensweisen ihrer Modelvorbilder. Lästereien, Oberflächlichkeit...
( kann aber auch sein, dass ich wegen meiner Meinung nicht ganz werturteilsfrei bin :engel:)

Weil ich solchen Serien keinen Zuspruch geben will, boykottier ich fast schon solche Serien ( was ohne Fernseher auch einfach ist ).

Nochmal, ich weiß, dass es witzig für die Zusschauer sein kann, Zickenterror oder Prolls bei ihren ergreifenden Trennungen zu sehen. Aber mir gefällt sowas überhaupt nicht und ich würde auch nicht sagen, dass jeder (!) Zuschauer weiß, dass alles nur gespielt ist. Ich meine auch in der SZ gelesen zu haben, dass solche Serien Anspruch finden, weil man sich selbst moralisch über die Gezeigten stellen kann. Das hat auch etwas voyeurhaftes.

Findet ihr, dass daran was dran ist ?:unsure:
 

Benutzer50955 

Sehr bekannt hier
Ich schaue Sonntags immer Promi-Shoppingqueen bzw. das perfekte Promidinner, weil das so ein seichter Wochenausklang vor dem schlimmen Montag ist :zwinker:

Grundsätzlich gehe ich aber schon davon aus, dass gerade Akademinker sowas gerne dehen, um sich überlegen zu fühlen. Im Sinne von "Ich schaue das mit ironischem Abstand - bin mir aber vermeintlich dessen bewusst, dass manche Zuseher und Teilnehmer die Inszenierung nicht checken". Bei Formaten wie Frauentausch, Teeniemüttern und Schwiegertochter gesucht dürfte die soziale Häme am größten sein.

Die zuschauerstärkste Gruppe bei GNTM soll übrigens nicht minderjährig, sondern die der Frauen zwischen 25 und 35 sein - sieht man auch hier im Forum :zwinker:
 

Benutzer36171 

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Ich kann dir keine richtige Erklärung geben. Es macht mir einfach Spaß und das Fremdscham- oder Abneigungsgefühl ist bei GNTM nicht annähernd so groß wie z.B. bei Bauer sucht Frau, welches ich nicht gucken, weil mir die Leute zu sehr vorgeführt werden (da ist meine Grenze anscheinend überschritten, bei dir vermutlich schon viel früher :grin:).

Mein Mann und ich setzen uns vor den Fernseher, stellen Chips bereit, lästern über die Juroren, über die blöderen Aussagen der Meeeedchen ("Wenn jemand nicht loyal ist, kann ich richtig assozial werden." Okay.), fiebern mit, wer weiter kommt und wer nicht, und staunen schon einmal über die besseren Fotoshootings. Nebenbei spammen mich meine Freundinnen mit Kommentaren über Whatsapp zu - es ist ein Gemeinschaftserlebnis, wie Fußballgucken. Alleine würde es keinen Spaß machen.

Ob ich mich moralisch überlegen fühle? Gegenüber einige der besonders arrogant wirkenden Ziegen vermutlich schon, ganz frei ist davon wohl niemand - für die Mehrheit der Meeeedchen empfinde ich aber eher Verständnis und Sympathie. :zwinker:
 
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Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ich verweise als tippfauler alter Sack angesichts dessen, dass das Thema hier schon öfter mal durchgekaut wurde, bezüglich spezieller Formate erstmal auf meine Antworten im aktuellen GNTM-Thread, diesem Thread...
Ist so eine scheiße wirklich nötig??
Die Frage ob etwas "nötig" ist, erübrigt sich bei Unterhaltungsmedien eigentlich. "Nötig" zum Überleben ist da nix. Es gibt aber offensichtlich ein ausreichend großes Publikum, dass derlei gerne sieht, das bestimmt nun mal letzten Endes was läuft. Ergo: Wenn's Dir nicht taugt, dann schau es nicht an.

Dass gerade junge Mädels durch das in u.a. in GNTM propagierte Schönheitsideal nicht zwingend positiv beeinflusst werden stimmt zwar, ich sehe da aber eigentlich mehr Eltern, Pädagogen und Gesellschaft gefragt. Die mangelnde Medienkompetenz vieler junger Menschen, die sich nicht ausreichend von derartigen Inhalten distanzieren können und von daher nicht in der Lage sind, solche Inhalte realistisch einzuordnen, sind da imho eher die Baustelle an der man ansetzen sollte, als nach Verboten zu rufen.
Die Frage ob etwas "nötig" ist, erübrigt sich bei Unterhaltungsmedien eigentlich. "Nötig" zum Überleben ist da nix. Es gibt aber offensichtlich ein ausreichend großes Publikum, dass derlei gerne sieht, das bestimmt nun mal letzten Endes was läuft. Ergo: Wenn's Dir nicht taugt, dann schau es nicht an.

Dass gerade junge Mädels durch das in u.a. in GNTM propagierte Schönheitsideal nicht zwingend positiv beeinflusst werden stimmt zwar, ich sehe da aber eigentlich mehr Eltern, Pädagogen und Gesellschaft gefragt. Die mangelnde Medienkompetenz vieler junger Menschen, die sich nicht ausreichend von derartigen Inhalten distanzieren können und von daher nicht in der Lage sind, solche Inhalte realistisch einzuordnen, sind da imho eher die Baustelle an der man ansetzen sollte, als nach Verboten zu rufen.
...und diesem Thread...
Dschungelcamp: Warum ist diese Sendung so beliebt?
Im "Gorleben des deutschen Unterhaltungsfernsehens" (Dirk Bach) kämpfen abgehalfterte Mediensternchen mit akuter Geld- und Jobnot zwischen Schleim und Getier um die Wiedererlangung medialer Relevanz, was erstmal einzig nach einem zutiefst zynischen Fremdschäm-Voyeurismus-Konzept klingt, nach dem Übelsten in Sachen TV-Show-Konzepte in komprimierter und nochmal übersteigerter Form, der showgewordene kulturelle Untergang des Abendlandes, sozusagen. Das Dschungelcamp funktioniert aber in meinen Augen durchaus auf mehreren Ebenen - und unterscheidet sich darin dann doch ganz klar von anderen Trash-Formaten wie z.B. DSDS in der Castingphase.

Klar: Es ist in erster Linie Unterhaltungs-Trash. Um genau zu sein: So trashig wie nur möglich, bis an die Schmerzgrenze und dann noch ein Schippchen mehr, übersteigert bis Ultimo - und sich dessen angenehmerweise durchgehend bewusst. Zu keiner Sekunde nimmt sich die Show selbst ernst, die Kandidaten aber, entgegen dem öffentlichen Image der Show, trotz aller gemeinen Sprüche, ab und an sehr wohl, falls sie es zulassen, wenn auch manchmal nur zwischen den Zeilen. Und: Die Sendung ist - trotz allem Bedienen von niederen Instinkten, in all ihrer oberflächlichen Blödheit - durchaus intelligent produziert.

Auch auffällig: "Ich bin ein Star,..." ist stellenweise - und seltsamerweise - nicht ganz so zynisch wie die Berichterstattung darüber, die sich, Sensationslust sei dank, an Ekelprüfungen und krassen "Highlights" in Sachen Verhaltensauffäligkeiten der Z-Prominenz festkrallt. Klar: an der Oberfläche scheint es erstmal nur um Schadenfreude zu gehen, um Ekel, Brot, Spiele und "haste das gesehen?" - und der Zuschauer darf dazu den Daumen heben oder senken.

Aber: Ehrlich gesagt ist das interessanteste an den Prüfungen z.B. für mich nicht der Ekelfaktor sondern was "dank" ihnen davor und danach passiert. In Sachen Verhalten der medienerfahrenen Kandidaten, die auch im Camp gerne mal noch versucht sind, ihre "Rolle" weiterzuspielen und Masken aufrechtzuerhalten, aber auch beim Zuschauer, der dann doch mal feststellt, wie sich Sympathien und Mitgefühl für den ein oder anderen entwickeln. Eigenartigerweise behält - oder gewinnt - mach einer gerade im Angesicht der an sich würde- wie niveaulosen Prüfungen seine Würde. Wie so oft: das Interessante ist öfter mal nicht, was da getan wird, sondern wie es getan wird. Hier: Wie die Kandidaten versuchen, beim Zuschauer anzukommen, wie sie damit umgehen sich selbst in diesem absurden Zirkus "zu verkaufen", und wo das Kalkül durchbrochen wird, wo etwas "echtes" durchschimmert, die Selbstinszenierung an ihre Grenzen gelangt.

Da greift dann auch der Faktor des "sozialen Experiments", das im Dschungelcamp-Fall seinen Reiz eben daraus bezieht, dass hier die eigentliche Meta-Ebene (der Kampf "gescheiterter" "Prominenter" um mediale Präsenz, wie weit sie dafür gehen würden) geradezu 1:1 in Form einer Fast-Schon-Realsatire verbildlicht wird. Es gibt also nicht nur Auswüchse in Sachen Gruppendynamik zu "bestaunen" (In dieser Staffel z.B. mal wieder die Diskrepanz zwischen Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung - der Zuschauer - die dafür sorgt, dass Larissa in der Annahme sie wäre für den Zuschauer auch nur eine nervige Witzfigur, im Camp weiterhin geradezu gemobbt wird, während von außen so langsam aber sicher der Mob in wesentlich schlechterem Licht da steht als sein Opfer), es geht auch darum Blicke hinter die Masken und Kulissen zu erhaschen.

Klar - es wird sich-lustig-gemacht, es wird überdramatisiert, der Schnitt sucht und forciert die "Story". Aber ich zweifle an der Theorie der kompletten Inszenierung - die Übernehmen die Einwohner wohl selbst. Schließlich geht's doch genau darum: Selbstinszenierung - und ihre Grenzen. Die sorgt gerne mal für Langeweile, aber eben auch mal für seltene Momente der eigenartig-ungelenken Wahrhaftigkeit für die z.B. ein Herr Lanz in seiner Talkshow wohl töten würde. Denn: trotz Spott und Häme werden die Kandidaten dann doch nicht durchgehend zu Karikaturen gemacht - wer die Sendung über längere Zeit verfolgt, stellt eigenartiges fest: sie werden teils auch vermenschlicht, durch Momente in denen sie wirklich mal ihre Masken fallen lassen. In Momenten die dann plötzlich nicht mehr inszeniert wirken - und angesichts derer auch mal von der Moderation einfach nichts gesagt wird, in dieser eigenartigen Z-Promi-Rehabilitationsmaßnahme mit zweifelhaften Erfolgsaussichten.

Aber gut - hochgeistiges Fernsehen wird das Dschungelcamp durch diese Eigenheiten und Momente freilich nicht, und Neugier, Sensationslust, Voyeurismus und pure Unterhaltung (und die Möglichkeit darüber zu tratschen, die sicher auch ein Großteil des Erfolges ausmacht, hier handelt sich's um eine Show, die auch und gerade über die Konversation darüber so erfolgreich ist) bleiben im Vordergrund des moralisch gerne mal gezielt grenzwertigen Spektakels, das man sicher nicht mögen muss - auch wenn ich manchmal fast vermute, dass ein Berthold Brecht daran stellenweise ähnlich viel Spaß gehabt hätte wie ein Christoph Schlingensief.

Es gibt eben durchaus auch entdeckbare Reize, die über die bloße Oberfläche hinausgehen und man ist nicht mal wirklich gezwungen, das Hirn am Eingang abzugeben (was übrigens auch völlig legitim ist, in Sachen unterhalten werden), wenn man der Sache etwas "interessantes", unterhaltsames abgewinnen will, so die eigenen Geschmacksgrenzen es erlauben, deren Überschreitung ja durchaus auch mal befreiend sein kann. Und irgendwie hat das Ganze in all seiner polarisierenden Extremität in unserer Medienwelt schlicht seine Daseinsberechtigung - was das über unsere Gesellschaft, unsere Medien und uns als Zuschauer aussagt - nun, das liegt vermutlich im Auge des Betrachters und ist durchaus auch ein paar Gedanken wert.

Aber: Einfaches Aburteilen à la "wie kann man das nur schauen" - wäre in meinen Augen zu einfach, und rechtfertigen muss der geneigte Zuschauer sich höchstens vor sich selbst - niemand wird gezwungen da mitzumachen oder es anzuschauen. Wie bei fast allem was man (an)sehen kann, ist eben auch der Frage, was der einzelne darin entdeckt, aus seiner Perspektive. Dennis Hopper meinte mal, wenn er sein Essen an die Wand schmeißt und sagt es sei Kunst, dann sei das so. Und irgendwie ist da auf eigenartige Weise tatsächlich was dran. Alles eine Frage der Perspektive. :zwinker:
Ich sehe es nicht als Menschenzoo, sondern als Plattform, als Bühne, die freiwillig betreten wird und jederzeit wieder verlassen werden kann - und jeder weiß, worauf er sich da einlässt. Wir reden hier von Menschen die durchaus Erfahrung im Umgang mit Medien haben (ein klarer Gegensatz zu vielen anderen Reality-Formaten), bewusst Öffentlichkeit suchen und aus freien Stücken mitmachen. Man kann jetzt sicherlich fragen, ob man diese Menschen nicht teils vor sich selbst schützen müsste, im Gedenken an manche Selbst-Demontage, was ich angesichts der Mündigkeit der Teilnehmer allerdings verneinen würde.

Es ist doch so, dass geneigte Kandidaten einen Scheck und etwas Öffentlichkeit bekommen, erkauft durch Mitwirkung an dem ganzen Zirkus - warum und ob sie diesen Deal eingehen, wie sie das dann nutzen, sich darstellen, darauf aufbauen, das ist eben ihnen überlassen. Manch einer scheint ja durchaus auch im Nachhinein der Meinung zu sein, dass er dem Camp einen Karriereschub verdankt. Und das nicht mal zwingend dank guter Presse - in diesem Business ist eben ab und an auch schlechte Presse weit besser als keine. Hauptsache auffallen, wieder Thema werden. Das ist zwar böse, aber schlicht unsere Medienrealität, auch abseits des Camps - nur da wird das ganze eben schmerzhaft offen und durchschaubar durchexerziert.

Auch auffällig - die Kandidaten selbst äußern sich im Anschluss gerne mal lobend über Moderation und Produktion der Sendung. Und man kann es durchaus schaffen, da halbwegs erhobenen Hauptes wieder rauszugehen. Selbst - teils auch gerade wenn - man nicht alles mit einem aufgesetzten Lächeln mitmacht. Wirklichen Gefahren wird man in diesem extrem kontrollierten Setting eh nicht ausgesetzt - wäre ja auch ein versicherungstechnischer Alptraum wenn einem Kandidaten da wirklich etwas passieren würde. So extrem wie's für manchen vielleicht aussieht und gerne mal dargestellt wird, ist's eigentlich nicht, wenn auch sicher nicht angenehm. Tragödie & Komödie sind eben eng verwandt - und oftmals eine Frage der Darstellung und Perspektive.

In Zeiten in denen sich z.B. ein Joko Winterscheidt vor laufender Kamera aus puren Unterhaltungszwecken - die Quote und per Schock erregte Aufmerksamkeit heiligt das Mittel - in einer Runde seiner Duell-Show den Mund zunähen lässt, ist aber in meinen Augen all das, was dem Dschungelcamp so an "körperlichen" Erniedrigungen seines freiwilligen Personals entfleucht im Vergleich durchaus noch als relativ harmlos anzusehen. Genauso wie ich den Eindruck habe, dass viele andere Reality-Formate mit weniger offensichtlicher Schockwirkung ihre Protagonisten irgendwie auf verwerflichere Art und Weise dem Publikum zum Fraß vorwerfen, als es in diesem Fall passiert.

Du bist nicht allein mit diesem Hipster-Ironie-Brückenschlag, da gab's letztes Jahr in der SZ einen Text zu dem Thema, hier nachzulesen. Das aber nur am Rande - Ich tu mich schwer, mit dieser ganzen Hipster-Ironie-Diskussion und seh das Thema - abseits des Dschungelcamps - am ehesten wie David Hugendick in der Zeit. Also huschen wir mal lieber schnell wieder rüber zum eigentlichen Thema.

Die "Ironie" ist hier mit Sicherheit ein Mittel, das Geschehen konsumierbar zu machen, hat durchaus entwaffnende Wirkung und baut gezielt Distanz auf. Distanz, die den Machern unter anderem erlaubt, auch über die eigene Show und deren Rezeption zu reflektieren. Einen "Trick" sehe ich darin aber nicht wirklich. Offenkundigen Trash per Ironie konsumierbar zu machen ist nu nicht wirklich etwas neues. Dass keine klare moralische Position zu dem großen Ganzen vertreten wird, stimmt natürlich - anders kann die Show in dieser Form aber auch kaum präsentiert werden. Sie ist nunmal Trash. Im einzelnen, im Tagesgeschehen, wird aber durchaus mal Position bezogen, ist durchaus mal mehr spürbar als nur Spott, Häme und purer Zynismus.

Was auffällt, ist dass gewissermaßen der Produktionsablauf zum Inhalt der Show und Moderationen gemacht wird. Es wird nicht versteckt, sondern betont, hinter den Kulissen wird vor den Kulissen und auch das Medien- und zuschauerecho wird direkt thematisiert, von den spekulierenden Insassen, von der Moderation. Das ist dann teils schon sehr nahe an Satire und birgt interessante Aspekte. Aber klar, der Schmuddel regiert, es ist Trash: Da werfen sich Leute in den Dreck, machen sich bewusst selbst zum Affen, ziehen fast alle Register, für Aufmerksamkeit, für Geld, für die Quote - die hier eben in Form der Telefonabstimmung für jeden Einzelnen durchexerziert wird.

Ist das zynisch? Vom Konzept her schon. Wer das Ganze aber ne Weile verfolgt, merkt aber eben auch, dass da trotz allem Sympathie für die Teilnehmer mitschwingt, dass man zwar öfter an den Grenzen entlangbalanciert, sie aber kaum wirklich überschreitet. Komplett verkauft und lächerlich gemacht wird da eigentlich niemand so richtig. Und man nimmt sich im Verlauf der Folgen in der Regel durchaus mal Zeit und ruhige Momente heraus, die aus den anfänglichen Karikaturen Menschen werden lassen. Das Runtermachen, den ganz miesen Hohn und Spott - das "übernimmt" eigentlich eher die Wiederverwertung in Boulevard und Feuilletons, die das Quellmaterial aus der Show gerne mal wesentlich geschmackloser und vulgärer kommentieren, als die Show für sich genommen in ihrer Gänze betrachtet ist.

Exakt das ist für mich ein spannender Faktor: Das "Detektivspiel". Was scheint mir echt, was fake, wie wirkt es auf andere? Was kommt beim Zuschauer an, was erweckt Sympathien, was Antipathien? Wen wählt der Zuschauer, aus welchen Gründen? Wo fallen Masken, wo werden sie aufrecht erhalten? Ich persönlich empfinde gerade das als spannend, wie schon gesagt, das Dschungelcamp lebt auch vom Gespräch darüber, Zuschauer und kommentierende Medien sind Teil des Ganzen, Teil des Experiments.

Ich will da gar nicht "vorgegeben" und untermauert haben, was echt ist und ich davon halten soll. Und ich bilde mir ein, dass man in manchen Szenen einfach spürt, wie das Spiel für die Kamera beiseite rückt, vergessen wird, und eben wirklich etwas von der Person hinter der Maske durchblitzt. Denn, seien wir mal ehrlich: All zu fantastische Schauspieler sind die Camp-Insassen in der Regel nicht, auch wenn sie nur sich selbst - oder die Rolle die sich selbst zugewiesen haben - spielen.

Ich denke schon - schließlich sind da echte Menschen hinter den "Kunstfiguren". Auch wenn's ein kontrolliertes, künstliches Setting ist, in dem sie sich bewegen. Da 2 Wochen lang lückenlos eine Rolle zu spielen, ohne das irgendetwas echtes durchblitzt, ist glaube ich eher schwer möglich. Ok, eine Micaela Schäfer hat's damals fast geschafft, sich wirklich komplett auf die (ermüdend nackte, ziemlich künstliche) Oberfläche zu reduzieren - das ist dann aber eben eher ein Einzelfall, dass alle Teilnehmer das durchgehend hinkriegen ist eher unwahrscheinlich.

Unterschiedlich. Bei den seltenen "größeren" Momenten dieser Art, merkt man, wie alles deutlich zurückgenommen wird. Plötzlich wird nicht mehr brutalst auf Effekt geschnitten, die Musikuntermalung hält sich zumindest etwas zurück oder setzt aus und es wird teils nicht mehr, oder recht nüchtern, von der Moderation kommentiert. Die konzentriert sich insgesamt nämlich - so mein Eindruck - eher darauf, das offensichtlich Gespielte zu markieren und überzogen zu kommentieren.

Aber bevor ich jetzt Romane schreibe, die andere schon besser geschrieben haben, verweise ich mal auf einen Text aus der FAZ von Stefan Niggemeier, der sich in meinen Augen recht treffend mit dem Dschungelcamp und dieser Thematik auseinandersetzt.

Nun, wie ich sehe hat zumindest Schlingensief sich auf seine ureigene Art anläßlich der ersten Staffel schon zu dem Thema geäußert. :grin: Die Erwähnung von Brecht ist dagegen freilich hochspekulativ (und von daher mit einem bösen Hipster-Ironie-Smiley-versehen :zwinker:), zumindest die Art und Weise, wie hier der "4th wall" niedergerissen wird und die Metaebene teils zum Hauptinhalt der Show mutiert und vor laufender Kamera reflektiert wird, hätte ihn vermutlich aber durchaus interessiert. Ok, vielleicht zu weit hergeholt und aus dem Fenster gelehnt, aber mei - ich bin scheinbar nicht der einzige Depp der mal auf diese Verbindung kam, so dass ich - wie google sei dank gerade festgestellt habe - mit dem Gedanken zumindest nicht ganz alleine dastehe.

Aber nochmal: In erster Linie ist das Camp zweifelsfrei Trash. Und ich bin mir nicht sicher, ob es solche Diskussionen wie wir sie hier führen wirklich wert ist. Eher nicht. Wer damit nicht kann, mit all dem Niederen, dem Schleim, dem Ekel, dem Trash in übersteigerter Reinkultur - und an der je nach Perspektive durchaus vorhandenen moralischen Fragwürdigkeit des Ganzen "scheitert" - der wird damit vermutlich auch auf Dauer eher keine Freude haben und ist wohl am besten damit Beraten, sein Votum gegen das Ganze per Nicht-Einschalten abzugeben. Schließlich ist die bewusst gesuchte Kontroverse, die Diskussion darüber, integraler Teil der Erfolgsstrategie. Man mag das alles als perfide ansehen - clever gemacht ist es aber durchaus. Und irgendwie unterhaltsam.
Wobei ich's dieses Jahr definitiv zu inszeniert, auf Drama gebürstet und krawallig fand. War wohl ne Überreaktion auf das lasche letzte Jahr.
Standard-Antwort ansonsten: It's Entertainment. das muss nicht immer gut oder anspruchsvoll sein. Und auch als schlauer Mensch kann man mal Dummes genießen, mit den verschiedensten Sichtweisen: Hirn aus und mitfiebern, Hirn an und mit ironischer Distanz goutieren, Hirn an und analysieren.

Ich bin jetzt nicht der Riesen-Reality-Fan - einiges (wie Promi-Shopping Queen oder den Bätschi, wobei ich letzteren mit seinen Rollenbildern von Vor-Vor-Gestern, dem verlogenen Liebesgeheische und seiner überinszenierten Art ECHT schlecht finde) schau ich hauptsächlich mal mit, weil meine Partnerin an manchem aus der Ecke Spaß hat, vieles ist mir da aber schlicht zu langweilig und doof.

Es gibt auch Formate denen ich mich ziemlich komplett verweigern würde - Frauentausch (sowas ist moralisch gesehen über meiner Schmerzgrenze), Teeniemütter (ebenso), und manch anderes, was auf RTL und Co die Runde macht, Guido's Dumm-Dumm-Geschoss "Die schönste Frau Deutschlands" (unfassbar verlogen), DSDS - aus verschiedenen Gründen. Zu blöd, zu sehr darauf konzentriert, Kandidaten der Lächerlichkeit preiszugeben, zu manipulativ, überhöht und inszeniert, auf der Suche nach Drama. Und schlicht zu wenig unterhaltsam.

Meine Perspektive, wenn ich sowas sehe, ist meist ziemlich distanziert - ich analysiere eher wie das erzählt wird, wie Situationen provoziert werden, etc., lästere eher über die Machart als über die Protagonisten. Und habe dann Spaß daran, diese Beobachtungen zu teilen, weshalb hier auch ab und an mal 'ne Rezension im Forum landet. Das "mit anderen darüber tratschen und reden" macht glaube ich generell einen großen Teil des Entertainment-Faktors solcher Shows aus.

Trotzdem, wie schon angeklungen: Der Trend zu immer extremeren, immer inszenierteren, immer provozierteren Momenten, der Kampf um Drama, Streit und Tränen und das aufzwingen einer rudimentären Storyline ist mir inzwischen oft zu viel des "guten" und Künstlichen - nicht nur weil's moralisch recht fragwürdig ist, sondern auch, weil so jede emotionale Bindung flöten geht - mit dem Ergebnis, dass ich es langweilig finde. Weniger wäre da oft mehr.
 
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Benutzer136760 

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Off-Topic:
Frage mich mich auch. Deswegen schaue ich das auch nicht.
 

Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
Ach, noch eine Anmerkung: Ich finde solche Threads recht schwierig, oft entsteht da der Eindruck, man müsste sich vor anderen rechtfertigen, für den Keppes den man da schaut.

Als Zuschauer muss man das aber imho höchstens vor sich selbst. Die Verantwortung, wenn so eine Show aus moralischer Perspektive zu weit geht - und nicht jeder Zuschauer erkennt mit welchen Mitteln da gearbeitet wird - liegt imho bei den Machern. Und der Medienaufsicht, die denen dann eben auf die Finger hauen muss und dafür sorgen muss, dass bei der Produktion gewisse Grenzen eingehalten werden.

Darüber zu informieren, mit welchen Mitteln da gearbeitet wird ist aber natürlich legitim - wobei ich denke dass bei den großen Shows a la Dschungelcamp inzwischen jeder weiß, worauf er sich einlässt - und auch zu GNTM wurde da schon genug geschrieben, dass Kandidatinnen und Eltern eigentlich wissen sollten, was auf sie zukommt. Formate wie Frauentausch, Teeniemütter und Co sehe ich da weit kritischer.
 

Benutzer152013 

Öfters im Forum
Ich schaue GNTM, Shopping Queen und andere solche weil es für mich einfach eine Sendung zum Nicht-Denken ist. Manchmal möchte ich einfach den Kopf komplett ausschalten, das geht bei gut gemachten Filmen nunmal nicht :zwinker:
 

Benutzer50955 

Sehr bekannt hier
Ach, noch eine Anmerkung: Ich finde solche Threads recht schwierig, oft entsteht da der Eindruck, man müsste sich vor anderen rechtfertigen, für den Keppes den man da schaut.

Als Zuschauer muss man das aber imho höchstens vor sich selbst.

Das macht einem die Sache natürlich dann immer sehr einfach. Da kann man auch sagen: Also bei der Jeans für 5 Euro habe ich kein schlechtes Gewissen. Die Unternehmer und die nicht regulierenden Politiker sind schließlich schuld!!!

Selbst wenn man nicht zu den Musterhaushalten gehört, deren Fernsehverhalten ermittelt wird, sorgt jeder Forenbeiteag, jeder Facebook-Kommentar, jeder Tweet und auch jedes Gespräch im Privaten und am Arbeitsplatz dafür, dass das jeweilige Format weiterhin im Gespräch bleibt und seine mediale Relevanz behält - sorich: weitergeht.

Einen ganz so schlanken Fuß kann man sich da nicht machen. Auch nicht, wenn es dem eigenen Gewissen hilft.
 
G

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Gast
Ach, noch eine Anmerkung: Ich finde solche Threads recht schwierig, oft entsteht da der Eindruck, man müsste sich vor anderen rechtfertigen, für den Keppes den man da schaut.

Ich versuche absolut nicht, Leute, die das gucken als schlechtere Menschen darzustellen. Sollte ich trotzdem mit dem Beitrag so rüberkommen, dann entschuldige ich mich dafür :knuddel:
Es wurden in den anderen Threads eben darüber diskutiert und dann gelöscht, weil es eben nicht zum Thread gepasst hat :zwinker:
 

Benutzer10802 

Planet-Liebe Berühmtheit
M MrShelby :
Wenn ich für mich erkenne, dass eine Show aus moralischer Perspektive "zu weit geht" (wie schon geschrieben, gibt's für mich durchaus) - dann kann und sollte ich davon ausgehend die Show boykottieren (mal ehrlich, dann hat man auch keinen Spaß mehr dran, oder...?) und nicht nur die Verantwortung auf die Macher und die Medienaufsicht abdrücken.

Menschen die das nicht erkennen, kann ich nu aber nicht dafür an die Wand stellen, dass sie's schauen. Und Menschen, nach deren moralischen Empfinden das Gezeigte noch ok ist, würde ich dafür nu auch nicht an den Pranger stellen. Wir reden hier ja nu nicht von Shows, in denen sich Kandidaten gegenseitig umbringen. Und von Shows, an denen - i.d.R. mündige Kandidaten freiwillig teilnehmen.

So verständlicher?
 

Benutzer159558  (27)

Benutzer gesperrt
weil man einfach nicht groß nachdenken muss und sich das einfach anschaut :grin:
 

Benutzer156750 

Sorgt für Gesprächsstoff
Weil es so schön lustig-blöd ist. Ich gebe hiermit zu, seit drei Jahren Dschungelcamp zu schauen und die letzten Jahre GNTM gesehen zu haben (die Zicken dort sind so unterhaltsam) Ich fühle mich stellenweise wie ein Alien, welches eine Population auf einem anderen Planeten betrachtet:grin:
 
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Benutzer140332  (33)

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Off-Topic:
Muss man das bei den Simpsons oder der Big Bang Theory ? :zwinker:
Off-Topic:
Und das wäre legitim?:confused: Die kann ich mir auf deutsch gar nicht angucken, wegen der schlechten Synchronisation und den Gags, die im deutschen keinen Sinn ergeben.:whoot:


Ich gucke Dinge, die mich erheitern und/oder bei denen ich ins schwärmen gerate. Gerade Modesendungen sauge ich auf wie ein Schwamm, weil es mich interessiert.
Da bieten sich 'Shopping Queen','Schrankalarm' und auch GNTM an.

Dagegen gucke ich kein 'Dschungelcamp', beim 'Bachelor' habe ich dieses Jahr das erste mal seit langem rein geschaut und werde das wohl nicht weiter verfolgen und ansonsten gucke ich ab und zu mal 'Frauentausch', wenn's spannend ist. Warum? Weil ich unterhalten werden will.

Und ganz ehrlich: Lieber Trash TV als Uwe Boll Filme. Sorry, aber da kann ich die Abneigung gegen Trash TV nicht ansatzweise verstehen, wenn man solche Grütz-Filme sieht.:grin:

Es gibt ja auch Menschen, die 'eine schrecklich nette Familie' gesehen haben. Da hab' ich meinen IQ auch hörbar sinken hören - aber deswegen verurteile ich Niemanden, der sich das anguckt. Mein Anspruch gilt ja nicht für andere Menschen.
Warum werden also dämliche Comedyserien mit schlechten Gags gefeiert und Trash TV verurteilt? Weil sie keine Menschen aus dem realen Leben sind? Macht die Witze ja nicht gehaltvoller? Sich da 'berieseln' lassen ist okay? Check ich irgendwie nicht.:confused:

Aber schlussendlich läuft es darauf hinaus:
Fernsehprogramm ist schlichtweg eine Geschmackssache.:zwinker:
 
G

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Gast
Off-Topic:
Und das wäre legitim?:confused: Die kann ich mir auf deutsch gar nicht angucken, wegen der schlechten Synchronisation und den Gags, die im deutschen keinen Sinn ergeben.:whoot:

Off-Topic:
Ich finde es einfach komisch, dass gerade (!) Trash-Tv beim Abschalten helfen kann. Das hab ich schon das eine oder andere mal hier gelesen. Als wäre GNTM, der Bachelor usw. diese eine Möglichkeit richtig abzuschalten. Das klang als könnte man das bei anspruchsvolleren Serien nicht :zwinker: Und ja ich finde, auch TBBT, Die Simpsons und HIMYM anspruchsvoller.
 

Benutzer50955 

Sehr bekannt hier
Off-Topic:
Ich finde es einfach komisch, dass gerade (!) Trash-Tv beim Abschalten helfen kann. Das hab ich schon das eine oder andere mal hier gelesen. Als wäre GNTM, der Bachelor usw. diese eine Möglichkeit richtig abzuschalten. Das klang als könnte man das bei anspruchsvolleren Serien nicht :zwinker: Und ja ich finde, auch TBBT, Die Simpsons und HIMYM anspruchsvoller.

Natürlich geht das. Wann und wo genau muss man denn beim Sehen von Trash-TV aktiv denken, wenn man sich berieseln lässt? Das ist eine Aneinanderreihung von Klischees und eindimensionalen Handlungssträngen. Dafür denken zu müssen, würde mich eher beunruhigen :zwinker:
 
G

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Gast
Natürlich geht das. Wann und wo genau muss man denn beim Sehen von Trash-TV aktiv denken, wenn man sich berieseln lässt? Das ist eine Aneinanderreihung von Klischees und eindimensionalen Handlungssträngen. Dafür denken zu müssen, würde mich eher beunruhigen :zwinker:

Mir ist klar, dass das geht :zwinker: Ich kann nur wiederholen, was ich oben geschrieben hab. Es kam so rüber als wären solche Serien besser zum Runterkommen geeigenet.

Aber vermutlich zerdenk ich da einfach zu viel :whistle:
 

Benutzer50955 

Sehr bekannt hier
Mir ist klar, dass das geht :zwinker: Ich kann nur wiederholen, was ich oben geschrieben hab. Es kam so rüber als wären solche Serien besser zum Runterkommen geeigenet.

Aber vermutlich zerdenk ich da einfach zu viel :whistle:

Das ist doch nur ein Prollthread in dem du hören willst, dass du für Trash-TV zu schlau bist :tongue::zwinker:
 
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