Warum Männer den ersten Schritt machen müssen

Benutzer7854 

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Nein, ernsthaft, ich kann sie verstehen, die Jungs, die sich darüber aufregen, ständig die Initiative übernehmen zu müssen. Schließlich sind wir Frauen ja unabhängig und emanzipiert – und wir haben es doch auch nicht nötig, uns mit dem zufrieden zu geben, was auf uns so zukommt.
Und auf mich kommt gerade ein schmieriges Etwas zu. Ich hätte es fast übersehen – wenn es nicht bereits den Abstand auf 30 cm verkürzt hätte und sich nicht mit seiner getoasteten Nase an meinem Ohrläppchen reiben würde.
„Wie heißt du?“, schreit er mich an, versucht die Lautsprecher und die 2000 Menschen zu übertönen.
Verständnislos blicke ich auf eine gegelte Strähne, die sich langsam aber sicher in meinen Mund drängt und presse angeekelt die Lippen zusammen. Ihn scheint es nicht zu verwirren, dass ich mich bereits um 90° nach hinten gebeugt habe, am Intaktbleiben meiner Wirbelsäule ist er nicht interessiert.
„Verstehst du mich denn überhaupt?“
Ich danke Gott für meine schwarzen Haare, die mich so ausländisch erscheinen lassen, dass ich freundlich Körbe erteilen kann.
„Oh…“, stammele ich. „No…“
Während er mir ein paar unbeholfene Fragen in grauenhaftem Englisch zu stellen versucht, spiele ich das mexikanische Au Pair Mädchen aus sehr katholischem Hause und verstehe standhaft kein Englisch.
Er geht.
Und mir reicht es.
Was wird denn sonst noch alles auf uns Frauen zukommen müssen, bevor wir unser Liebesschicksal selbst in die Hand nehmen? Nehmen… Ja, das ist die Lösung.
Kaum zu Hause angekommen nehme ich sofort einen Zettel und schreibe darauf gut lesbar meine Nummer. Der Zettel symbolisiert mein Schicksal.
Ehrfürchtig halte ich ihn in der Hand und fummele den ganzen darauf folgenden Tag daran herum. Ich habe also mein Schicksal in der Hand. Das ist schön. Das verleiht mir Hoffnung und ich fühle mich mutig und tapfer.
Dieser Zettel soll nämlich im Laufe des Tages in die Hände eines liebenswürdigen Arbeitskollegen wandern und damit unsere Schicksäle auf ewig miteinander verflechten.
Ich liebe ihn nun schon seit 2 Jahren und er hat noch kein einziges Mal die Initiative ergriffen – was mir auf ewig ein Rätsel bleiben wird.
Dabei habe ich streng nach den Ratschlägen aller 11 Ratgeber, die in meinem Schrank einen Platz finden, gehandelt. Ständig schaute ich weg, wenn er mich ansah und auch dann, wenn ich dachte, dass er mich ansah. Ich steigerte mich sogar zu der Perfektion, dass ich ihn noch nicht einmal dann eines Blickes würdigte, wenn ich es mir nur wünschte, dass er mich angesehen hätte. Natürlich streifte ich gelegentlich durch puren Zufall seine Hand.
Aber noch nicht einmal diese Maßnahme vermochte es, ihn zur Initiative zu bewegen.
Dabei flirtete er ganz offensichtlich.
Ja, auch mit mir.
Wahrscheinlich ist er einfach zu schüchtern, deshalb nehme ich nun mein Schicksal selbst in die Hand.
Gesagt, getan. Ich handle blitzschnell.
Sobald er an mir vorbei kommt und ich wieder die Chance ergreife, ihn nicht anzuschauen, stecke ich ihm in die Tasche seines Kittels den kleinen Zettel und gehe rasch weiter. Als wenn nichts geschehen wäre.
Jetzt weiß er ja, woran er ist. Er kann mich anrufen oder mir eine lustige SMS schicken und wir werden heiraten, wundervolle Kinder zeugen und ein Häuschen im Grünen bauen.
Mein bereits durchgeplantes, in die eigenen Hände genommenes Schicksal lächelt mich aus ferner Zukunft an. Und ich lächle zurück und winke zu.
Dann warte ich.
Spätestens morgen wird er sich doch melden.
Na ja, dann halt spätestens am dritten Tag.
Hmm… Wahrscheinlich will er mich einfach zappeln lassen oder er sitzt vor seinem Telefon, wählt meine Nummer und legt sofort wieder auf.
Vielleicht sind die vielen SMS nicht angekommen?

2 Monate später übernehme ich keine Initiative mehr.
Mein neuer, sehr männlicher Freund ist ungeheuer selbstbewusst und würde vor lauter Schüchternheit niemals auflegen. Er klingelt einfach noch mal und noch mal, bis ich tatsächlich dran gehe.

Den Kollegen würdige ich neuerdings vieler wuterfüllter Blicke. So ein Waschlappen.
Einmal setzt er sich in der Kantine an unseren Tisch und unterhält sich mit der vollbusigen Blondine aus irgendeiner anderen Abteilung. Seinem Gesichtsausdruck nach erzählt er ihr eindeutig irgendeinen witzlosen Witz.
Ich höre selbstverständlich nicht hin, das ist unter meinem Niveau, die Worte drängen sich aber in meinen Gehörgang – da kann ich nichts dafür. Die Gehörknöchelchen bewegen sich, die Nerven leiten die Information ans Gehirn weiter und dieser assoziiert sie mit der deutschen Sprache…
„…und dann fand ich einen Zettel in meiner Tasche. Da stand eine Nummer drauf und ‚Ruf mich so bald wie möglich an’ „
Die Blondine seufzt. „Und, hast du dich denn bei ihr gemeldet?“
„Ich glaube, das war die eine Dicke, die mich immer so dämlich angrinst und mir letzten Samstag so auffällig um den Hals gefallen ist. Da lass’ ich’s natürlich lieber.“

Spätestens seit diesem Moment weiß ich genau, dass das Schicksal vor allem meinen Namen braucht, um sich zu erfüllen.
 

Benutzer8458 

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Benutzer7854 

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Genau. Hoffentlich habe ich damit alle Männer überzeugt :tongue:
 

Benutzer12780  (39)

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hm.. also der 2. Schritt ist mindestens genauso schwer wie der 1.. :zwinker:
 

Benutzer22618  (44)

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Das ist wieder mal eine sehr gelunge Geschichte von dir - jetzt weiß ich wenigstens für die Zukunft, dass ich auf ein Zettelchen mit meiner Telefonnummer auch meinen Namen schreiben muss :zwinker:
 

Benutzer13521  (40)

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Hidden, du benutzt Zettelchen? :grin:


Und wenn du mal einen Nebenjob suchst, versuchs mal als Kolumnenschreiberin, ogi. :zwinker: Oder verfasse ein Buch.

(War das mit dem fehlenden Namen eigentlich ein tatsächliches Problem oder erfunden?)
 

Benutzer22618  (44)

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Ike schrieb:
Hidden, du benutzt Zettelchen? :grin:

Nein, eigentlich nicht, das würde ja bedeuten, dass ich den ersten Schritt machen müßte :eek: :grin:
Aber wenn ich es machen täte, dann wüßte ich jetzt wenigstens, dass ich meine Namen noch drauf schreiben muss :zwinker:

Aber ogelique hat wirklich eine ganz tolle Begabung, zu schreiben :smile:
 

Benutzer7854 

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@Hidden: Danke danke und nochmals danke :smile:

@Ike: Nee, ich wollte eigentlich auf etwas ganz anderes hinaus, als ich angefangen habe zu schreiben, aber dann ist mir etwas Witzigeres eingefallen. Ist fast immer so :smile:
Bin doch nicht so blöd, einen Zettel zuschreiben und den jemandem einfach so in die Tasche zu stecken - und das auch noch ohne Namen :zwinker:
 

Benutzer23485  (53)

Chauvinist
Also wenn eine Frau einem Mann heimlich ihre Nummer gibt, dann ist das der erste Schritt ?? Komisch, warum regen sich dann jedesmal Frauen so darüber auf, wenn ihnen ein Mann in der Disco den Po tätschelt ? Ist doch demnach auch so etwas wie der erste Schritt ......... :rolleyes2

Der erste Schritt besteht darin, den anderen anzusprechen, - alles andere ist alberner Kinderkram. Und so einen zugesteckten Zettel mit einer Telefon-Nummer ohne Namen leite ich allenfalls weiter an eine, die mir in der Disco oder nach der ersten Nacht auf die Nerven geht.
 

Benutzer13521  (40)

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In meinen Augen aber weniger stilvoll. Beim Potätscheln gibt es gleich Körperkontakt, und das in einer Region die auch eher den "intimeren" Vorgängen vorbehalten ist.
Eine Telefonnummer ist einfach nur eine Aufforderung zur (verbalen/schriftlichen) Kontaktaufnahme.
 
S

Benutzer

Gast
Toll geschrieben, ich mag das auch nciht wenn winer sofort mir irgendwo hingrabscht !
 

Benutzer7854 

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Grinsekater, sorry, aber was für ein Schwachsinn!
 

Benutzer7854 

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Grinsekater1968 schrieb:
... Dein Thread hier ? *zustimm*

Nee, du, ich meinte den Vergleich von Nummer zustecken mit Po tätscheln.
Und mein Thread hier soll eine Geschichte sein und keine Anleitung zum Nachahmen.
 

Benutzer23485  (53)

Chauvinist
*g*

wenn es "nur" eine Geschichte ist, dann stört mein kleiner Gedanke dazu wohl kaum mehr als diese nervige Phantasie einer trockengelaufenen Singlefrau, hmm ?
 

Benutzer32961  (35)

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Grinsekater1968 schrieb:
Also wenn eine Frau einem Mann heimlich ihre Nummer gibt, dann ist das der erste Schritt ?? Komisch, warum regen sich dann jedesmal Frauen so darüber auf, wenn ihnen ein Mann in der Disco den Po tätschelt ? Ist doch demnach auch so etwas wie der erste Schritt ......... :rolleyes2
japs - is der erste schritt. der erste schritt um schwungvoll nen knie zwischen die beine zu bekommen.
genau das is nämlich passend für nen typen der noch nichtmal nen zipfelchen von anstand hat und seine grabscher nich bei sich lassen kann.. woah mir wird schon bei der vorstellung schlecht :kotz:
 

Benutzer7854 

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Grinsekater1968 schrieb:
*g*

wenn es "nur" eine Geschichte ist, dann stört mein kleiner Gedanke dazu wohl kaum mehr als diese nervige Phantasie einer trockengelaufenen Singlefrau, hmm ?

lol?

Muss schon sagen, dass du für dein Alter etwas arg unreife Bemerkungen machst.
Aber is ja deine Sache, du kannst mich gerne kritisieren, nur hätte ich das lieber "etwas" sachlicher ausgedrückt.
 

Benutzer23485  (53)

Chauvinist
für die meisten Dinge, die Spaß machen, ist man nie zu alt
ich bin gerne unreif, kindisch und was sonst noch so dazugehört, wenn´s mir gefällt
:herz:

Mit etwas, was so erwachsen und reif ist wie die moderne Version des "Willst Du mit mir gehen... ?"-Zettelchens kann ich natürlich nicht mithalten
 
A

Benutzer

Gast
ehhm Ogi, ist die Geschichte von Dir? Also hast Du sie geschrieben?

Dann Hut ab! Habe mich sehr über Deinen gelungenen Schreibstil amüsiert!

:bier:
 
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